Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2195 (31.3.1925)
- Date
- 1925-03-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 2195 Wien, Dienstag BNene« M"r^en»eU«na. 31, März 1925 Seite 8 Gesamtverband Jüdischer Hochschüler Oaskarraichs „Judäa“_ Hauta Mittwoch den 1. April EÜIÜA anläßlich dar Eröffnung dar hebräischan Univarsität xu Jerusalem Lim l/»8 Uhr abends Großer Konzerthaussaal Mlhvlritendet Jakob Feldhammer (Deutsches Volks»h ), Oberkantor MargnHes, Prof. Louis Dit& (Orgel). Hakoah-Orchester, Wiener jüdischer Gesangverein, Dirigent Prof. S. Braslavsky Programms Mendetsohn* Orgelsonate D-tnol! (Choral*Variationen*Andante) Prof. Louis Dite / Eröffnung* Markus Benjacob, Prise« des Gesamtverbandes »Judäa" / Feix Satten: OM DM a DM DM ppIfU «Von Mizraim ins gelobte Land". Jakob Feldhammer vom Deutschen Volksth. / Festreden: Hofrat Prof. Dr S. Ehrmann, Dr.OttoLirezis / Braslavsky: Psalm XXX. Ausfuhrende: Hakoah* Orchester und Wr. jüdischer Gesangverein. Dirigent Prof. 8. Braslavsky. Solo: Oberkantor Margtiltes. Orgel: Prof Dite Schlusswort Nur noch wenige restliche Karten zu haben im Sekretariate des jüdischen Hochschulausschusses, IX., Zimntermannplatz 8 und in der Bücherstube Rath & Präger, II., Taborstrasse 20 a. L , UM-rTr Reservierte Karten sind spätestens Dienstag den 31. März bis 12 Uhr mittags abzuholen Mische Antisemiten. Ser deutsche Garantievatt. Das Flugblatt der AgudaH. Unsere Borössontlichung des Fastenaufrafcs der Führer iler Wiener Agudah-Jugendgruppe hat gewirkt. Selbst in jenen Kreisen, die der Agudah nahe stehen, ist Man über diese kulturwidrige Verbetznng und Irreführung der orthodoxen Jugend entsetzt und findet es beschämend, daß eine Organisation, die sich durch allerlei nicht immer einwandfreie Mittel, einen entscheidenden politischen Einfluß auf die Entwicklung der Dinge .in Erez Israeli zu erzwingen sucht, durch so mittelalterliche Propaganda bloßgestellt wird. Sie brauchen nur hinzuhorchen, welches Echo ihr Appell in der judenfeiudlichen Presse gefunden hat, um sich desseu inne zu werden, wessen Dienste sie besorgen und wie schr ihr Verhalten alle Merkmale eines Verrates am Judentum tragt. Wir sind weder überrascht noch onrpört. Diese jugvndverderberische Episode im Beth-Hamidrasch der Schiffschule liegt so fahr in der L'mie der' in ihrer Ohnmacht unr sich trampelnden Chaluka-Assimilation, daß wir das. Flugblatt mehr als eine verspätete Purim-Posse, denn als eine seriöse Stellungnahme zur Frage der hebräischen Universität aufnahmen und Weitergaben. Aber die armen Burschen tun uns leid, die in ihrer Uuerfahrenheit die giftigen Geistesfrüchte des' Baumgartens verschlingen und — wie uns aus Schisf-Schulkrersen gemeldet wird in agudistisch-saszistischer Manier sogar den greisen Oberrabbiner der Schiffschul, S. Fürst, attackierten, weil er sich um die Fasttagsparole nicht kümmerte. Nicht minder grotesk ist die Zuschrift, die uns der diplomatische Führer der Agudah-Weltorganisation, Dr. Pinkas Kohn, auf unsere Abfuhr ins Haus schickt. Herr Dr. Kohn schreibt uns: Geschäftssührender Ausschuß der Agudas Jisroel. Redaktion der ,Morgenzettmlg" Wien. Da wir annehmen, daß es Ihnen um eine objektive Stellungnahme zu tun ist, ersuchen wir Sie ergebenst, nicht unter Berufung auf das Preßgesetz, sondern in Hinsicht auf die Würde einer objektiven Berichterstattung, folgendes zur Kenntnis Ihrer Leser zu bringen: Der Geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jisroel war mit der Frage der Universitätseröffnung überhaupt nicht befaßt. Die polnischen Landesorganisationen hatten in einer ad hoc cinberusenen Sitzung folgendes erklärt: Dakeine Garantie dagegen vorhanden ist. dag die Universität eine Stätte wird, die antireligiöse Grundsätze verbreitet, und da ferner die Stimmen der Presse befürchten lassen, daß dies im ausgedehnten Maße der Fall sein wird, da ferner das orthodoxe Judentum prinzipiell der Ansicht ist, daß das unverrückbare Ziel des Wischen Volkes sein muß, Dhorastätten zu gründen, deshalb soll sich das orthodoxe Judentum bei allen Feierlichkeiten und Begrüßungen vollständig passiv verhalten. Wir tollen Ihnen ferner mit, daß unsere Vertreter in der Gemeindestube in Krakau, gelegentlich der Bewilligung für die Universität, nachdem sie sich der Abstimmung enthalten haben, eme Erklärung abgaben, daß sie das jüdische Erziehungsideal nur in solchen Lehrhäusern erblicken können,, wo die Thora eine Heimstätte hat. Die Universitätseröffnung mag in den Angen jener, die in der Universität die Verwirklichung des Mischen Erzichlingsideals erblicken, Alllaß zu einer Feier ge-ben. Das thoratreue jüdische Volk hat keine Veranlassung hierzu. Die Erklärung wurde in ihrem hebräischen Original wie auch in ihrer polnischen Übersetzung protokolliert. Was die von Ihnen inkrimicrten Borgänge betrifft, so dürfte wohl jeder objektiv Denkende niemandcim das Recht verwehren, wenn er in der ihm geeignet erscheimnden Weise seinem Schnlerz darüber Ausdruck gibt, daß nunmehr die Erfullmifl des Ideals der Einheit des Gotteswortes mit der Gottesstadt auf unabsehbare Zeit verschöben ist, und wenn er cflaubt, daß nach alter Bäterweise ein solcher Schmerz Ausdruck und Lösung finden soll in vollkommener Zurückhaltung von der Betätigung der täglichen Lebeusgewohnheiten. Wir glauben, daß die jüdische Gemeinschaft in ihrer Gesamtheit stets Jit heiliger Scheu solchem in sich gekehrten Idealismus gegenüberstand. ' In vorzüglicher Hochachtung Dr. Pinkas Kohn. Der Wink mit dom Preßgesetz ist hier unstatthaft. Wir haben nur abgedruckt, was der Baumgarten gesagt hat. Wertvoll ist aber, daß Herr Dr. Pinkas Kohn durch seine Zuschrift sich : mit dem Baumgarten solidarisch erklärt. Herr Pinkas Kohn ist Doktor der Philosophie. Man darf Medizin, Philosophie und sogar jüdische Geschichte und Literatur bei christlichen Geilehrten hören; wird aber dasselbe in Erez Israel von Mischen Gelehrten in hebräischer Sprache, dafür aber unvoreingenommen, gelernt, dann muß das jenen Schmerz auslöseu, der im Fasten Ausdruck finden soll. Uns überrascht das nicht. Dr. Pinkas Kohn. bewegt sich auf derselben Linie, wie seine Nichtgraduierten gesinltungsgenössischen Mazzothbäcker, die in ihrem, „in sich gekehrten Idealismus" aus demselben Grundsatz keine Chaluzim, sondern christliche Hilfskräfte beschäftigen. Fanatische Heuchelei, sonst nichts! Verhandlungen erst nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Paris, 30. März. Wie der „Ternps" erfährt, brachte Ministerpräsident Herriot den Vertretern des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten bei der heute stattgefundenen Besprechung über die Sicherheitsfrage das deutsche Memorandum zur Kenntnis und gab ihnen eine Reibe von Aufklärungen über die Politischen Richtlinien der Regierung. Herriot betonte, er werde keinen Sicherheitspakt unterzeichnen, 'bevor Deutschland nicht vorbehaltslos in den Völkerbund ausgenommen sei. Er habe mit der Londoner Regiergung das Uebereinlommen getroffen, die Verhandlungen mit Deutschland bereits vor dessen Aufnahme in den Völekrbund zu beginnen. In diesem Punkte unterscheide sich der Standpunkt Herriots von jenem des Kammerausschusses, her ebenfalls die Aufnahme von Verhandlungen mit dem Reiche von dessen Eintritt in den Völkerbund abhängig machen wolle. Eine Zusammenkunft Benesch-Lnther? Berlin, 30. März. (Tel.-Komp.) In politischen Kreisen erhält sich das Gerücht von einer bevorstehenden Zusammenkunft zwischen dem tschecho-slowakischen Außenminister Dr. B e n e sch und Reichskanzler Dr. L u t he r. Dieses Gerücht geht zunächst darauf zurück, daß Doktor Luther sich gegenwärtig zur Erholung in der Schneegrubenbauve im Riesengebirge, nahe der tschecho-slowakischen Grenze aufhält und daß Benesch in der Nähe ebenfalls einen kurzen Erholungsurlaub zu.verbringen beabsichtigt. Man glaubt, daß Dr. Benesch die d eut.s che »..Garantie v o r s ch l ä g e zur Sprache bringen wolle. Sie nächsten Sitzungen der Zuterparlumen« torischen Union. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 30. März. Der Gentzralvat' dev Interparlamentarischen Union wird am 27. April in Paris zuisammentreten, um sich mit den Vorbereitungen zu >der im Herb st d. I. wt W a s h t n g t o n abzuhMenderr K o n f e r e n z zu beschäftigen. Die Zahl der europäischen Teilnehmer an der Washingtoner Konferenz wurde in der Febvuarsitzung des interparlamentarischen Bollzugsarrsschusses auf 120 beschrankt. Die Union hat die Entsendung von Abgeordneten, die in internationalen Angolegonlhevt Erfahrung halben, erbeten. Den Gelegierten entfernt liegender Länder wird für die Reise zum Hafen eine Unterstützung gewährt, die jedoch 5000 Dollar mcht übevstelgen kann. Ser griechssch-englische Konzessionsftreit. Mawromatis' Ansprüche abgewiesen. Haag, 3V. März. (I. T. A.) Der ständige internationale Gerichtshof im Haag hat jetzt da's Urteil in dem griechisch-englischen Streitfall betreffend die seitens der türkischen Regierung dem Griechen Mawromatis 1914 verliehenen Konzessionen für Elektrizitätsversorgung iJerusalems veröffentlicht. Das Urteil lautet: Die zwischen Mawromatis und der Stadt Jerusalem am 27. Jänner 1914 geschlossenen Verträge betreffend einige in Jerusalem durchzuführende Arbeiten, welche von 'bet türkischen Regierung in Form einer Konzession bestätigt worden sind, haben Gültigkeit. Die britische Regierung handelte nicht konform den von ihr als Mandatarmacht übernommenen internationalen Verpflichtungen, indem sie Herrn R u t h e n b e r g die Herrn Mawromatis verliehenen Konzessionen zur Expropriierung übergab. Ta aber nicht erwiesen ist. daß Herrn Mawromatis ldaraus Verluste erwachsen sind, so sind die Ansprüche der griechischen Regierung auf Schadenersatz a b z u w e i s e n. Der Gerichtshof stellte fest, daß Artikel 4 des Lau-, sanner Protokolls vom 23. Juli 1924 betreffend gewisse vom ottomanischcn Reiche gewährte Konzessionen auf die Herrn Mawromatis verliehenen Konzessionen anwendbar ist. Sie Pariser RechtsfakuM geschloffen. Der Dekan enthoben. Paris, 30. März. (Havas.) Wegen der Vorfälle vom Samstag, wo an der juristischen Fakultät royalistische S t u d c n t e n d e m o n st r a t i o n e n stattfanden, in deren Verlauf mehrere Studenten verhaftet wurden, hat sich heute vormittags der akademische Senat versammelt und ein Gutachten abgegeben, in dem er sich für die Schließung der Nechtsfakultät bis ans weiteres ausspricht. Das Gutachten wurde dem Minister für öffentlichen Unterricht übermittelt. Der Minister hat der: Dekan der Nechtsfakultät B a x..the le my seines Amles c n th o b e n, und entschieden, daß. die Fakultät b i s• a u f rr eiteres ge» jchlosse» wird. ' Das Zuchtpolizeigericht, das über die bei den Zwischenfällen vom Samstag im Quartier Latin festgenommenen royalistischen Studenten abzuurteilen hatte, hat fünf von den Verhafteten zu zwei Tagen bis zu zwei Monaten Gefängnis und zu 25 bis 100 Franken Geldstrafe verurteilt. Die deutsche Präsidentenwahl. Der Sozialdemokrat Braun Sammelkandidak der Linken? Berlin, 30. März. (Wolfs.) Bei der gestrigen Wahl sind um etwa drei Millionen weniger Stimmen abgegeben worden als bei den Dezemberwahlen. Die Sozialdemokraten, der Reichsblock und das Zentrum haben ihre Stellung behauptet. Die bayrische Volkspartei und die Demokraten haben je rund 400.000 Stimmen, die Nationalsozialisten 700.000 und die Kommunisten 800.000 Stimmen eingebüßt. Die Blätter ziehen aus den Ziffern zur Reichspräsidentenwahl die Folgerung, daß die ÜberwiegendL Mehrheit des deutschen Volkes die Politik der vechtsstehenden Parteien ablehne, dagegen habe die Weimarer Koalition den-Sieg.davongetragen. Es sei wahrscheinlich, daß i-m zweiten Wahlgang Otto Braun als Sammelkaudidat der* nach links gerichteten Parteien aufgestellt werden wird. Der Getreidevreis stuft Wetter. New-Aork, 30. März. Die Stimmung auf den'amerikanischen G e t X e t b c m a r f t e n ivar heute wieder flau. Die Weizentermine gaben in Chikago bis zu '10,50, die Roggenknrse bis zu 8,50 Cents pro Bushels nach. Auch'auf dem hiesigen Lokomavkt notierten die Weizenpreise bis mn> 10,50 Cents niedriger. Auf dem kanadischen Markte' in Winnipeg gaben die Weizentermine sogar bis um 11,12 und die Roggenkuvse bis 9,37 Cents pro Bufhels nach. Ae amerikanischen Nnwanderungsbestimmuu« gen bleiben unverändert. Die Pol. Korr, 'berichtet aus Washington: Da der Kongreß in den V e r e i n igt e n S t a a t e n seine Vertagung am 5. d. 'beschlossen hat und erst wieder im D e z emb er zusammentrvten soll, so e ntsallen für das laufende Fiskaljahr alle seinerzeit erwähnten, m Resolutionen vorgeschlagemn Mtßnahnre>n, die eine gewisse E r l e i ch t e r u u g des Gmwanderungsgesetzes für bestimmte Kategorien Won Einwanderern bezweckten. Sie Auswanderung aus Pole». In drei Jahren 14.OOV Personen nach Palästina emigriert. Der Messager Polonais" bringt, wie die Polnische Korrespondenz berichtet, einge Daten über die Aus- Wan derungaus Polen in den letzten Jahren. Nach diese>m Artikel sind in die Bereinigten Staiaten im Jahre 1921 90.000, im Jahre 1922 35.000 und 1923 23.000 Personen aaiÄgelvandert. Außevdmn gingen in den genannten Jahren rnnd 1O.0O0 nach Argentinien. 14.000 na>ch Kanada mnib ebenso viele nach Palästina. Die Gesamtzahl der aus Polen AusgervanderM wird dermalen auf 400.000 geschätzt. Mnifter Sttzynrki« Unterredung mit Lmien Wolf. Warschau, 30. März. (I. T. A.) In der letzten Sitzung lder auswärtigen Kmnmission des Sein: hielt der sozial» dentokvatlsche Führer D a s z y n s k i eine längere Rede über die S t e l l u u g d e r I u d e n in Polen. Er billigte es, da-ß die polnische Regierung sich bei der Eröffnung der hebräischen U n i v e r s i t ä t v e r t r e t e n läßt nnfc dem iieue-n Institut eine reiche Bibliothek goschuikt hat. Die Inden Polens hätten ein Recht, i»i Auslände für ihre Interessen zu wirken, insoferne dies lucht gegen die Sicherheit ides polnischen Staates verstößt. Außemninister Skrzynski evlviderte aus die AusführmMN DaSzYnskis, ilrdem er eine Darstellung seiner Unterredung mit Lucien Wolf in Gens gab. Er stimme mit Luoielt Wolf.dahin überoin, daß ein Zustand geschaffen lverde. daß die jüdischelt Angelegenheiten im Lande selbst geregelt werden und ein Appell an das Ausland sich erübrigt. Weder in der Geschichte, noch in der Gegemvavt gab und gibt es Symptome einer Feindschaft Mischen Juden Md Polen, die ein friedliches Zusammerilebeir unmöglich machen solle. Als die Juden in der ganzen Welt verfolgt wurden, konnten sie sich in Polen statt vermehrelr.