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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-29 · Heft 2193 (29.3.1925) · p. Seite 13

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2193 (29.3.1925)
Date
1925-03-29
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 2193 Wien, Sonntag Wiener MoraembNunO. 29. März 1925 Seite lf ES ist Vielleicht am Platze, hier über die Lage und historische Bedeutung des Bodens, ans dein sich unsere Universität erhebt, einiges zu sagen. Dies Stück Erde, das landschaftlich von grösstem Reiz ist, dehnt sich auf dem Kamin des Höbetzzuges aus, welcher östlich der Altstadt Jerusalem, jenseits des tiefeingeschnittenen KidrontaleS aufragt. Die Landstraße nach Jericho, welche zuerst längs der Nordseitc der Stadt mauer am DamaSkustor vorbeiführt, schwingt sich i» weit ausladendem Bogen aus dieselt Kamm empor. Das Ge lände der Universität bietet nach allen Seiten entzückenden Ausblick. Den Blick stadtwärts gekehrt, sieht ment den ganzen zinnengekrönten Zug der östlichen Stadtmalter vor sich, vom Storchenturm bis zum heiligen Bezirk der Omar* Moschee, wo vordem SalomoniS Tempel stand. Zwei Pforten durchbrechen die Stadtmauer, das Stephanstor, in welches die Bia dolorosa mündet, und jenes Goldene Tor, welches vor Jahrhunderten schon die Araber vermauert haben, weil ihrer Legende nach die heimlehrende« Juden als Herren des Landes hier Einzug halten sollten ... Ostwärts des Kammes schweift das entzückte Auge weithin über die sattgetönten Falten und .Klüfte des Gebirges Juda, welches -in wildbewegtem Durcheinander gegen den Jordan und daö Tote Meer zu abfällt. Besonders zur Zeit der Abenddämmerung, wenn der Himmel in Opalfarben schimmert, ist es'köstlich, hier 'u weilen. Tiefer an der Straße träumt der englische Militärsriedhof, der sie alle birgt, die für des Landes Befreiung gestorben sind, Christen, Juden, Moslims und Hindus; und weiter oben an der Straße steht der mächtige Bau der vom Kaiser der Deutschen, Wilhelm den Zweiten, eingeweihten Auguste-Viktoria-Stiftung; jetzt — im Wandel der Zeiten — Residenz des High Commissioner Herbert Samuel. Inmitten des Komplexes erhebt sich das Zentralgebäude der Universität, früher Sommersitz Sir Gray HUs, das nach den Plänen des Architekten Kornberg.durch Auf- und Zubauten würdig ausgestaltet worden ist. Auf die historische Bedeutung dieser Stelle hat kein Geringerer hingewiesen als Usiischkin, als im Februar 1923 Professor Einstein im Festsaal der Universität seinen denkwürdigen Vortrag hielt. Hier am Skopus stand das Feldherrnzell des Kaisersohnes Titus, als er die Hauptstadt der rebellierenden Provinz umwallen lieh. Von hier aus hat er den entscheidenden Sturmangriff auf den Tempel 'kommandiert, um den als ihre letzte Hochburg die todeswunden Juden sich scharten. Hier am Skopuö mag jenes Hohnwort geprägt worden sein: „Hierosolhma est perdita", Jerusalem ist vernichtet, welches — in Zusammenfassung der Anfangsbuchstaben — als Hep-Hep-Ruf durch die Jahrhunderte der Zerstreuung den Juden ins Ohr gellte. Und nun ist Judaea capta, das gefesselte Judäa, auf welches das triumphierende Rom Münzen schlug, wieder befreit, das zerstörte Jerusalem erblüht von neuem, und wo Titus sich rühmte, den Geist des Judentums vertilgt zu haben, ragt unsere Universität. Freilich, sie beginnt in bescheidenem Ausmaß. Doch kein Zweifel, die hebräische Universität wird das werden, als was sie gedacht ist: das geistige Zentrum nicht nur Erez Israels, sondern des jüdischen Gesamtvolkes; sie wird wachsen wie alles, was hierzulande von Juden geschaffen wird, und sich weithin ausbreiten längs der Bergstraße und auf den Hängen zum Kidrontal. Hierzu wird man neuen Boden brauchen, wird man den Keren Kajemeth l'Jsrael zu Hilfe rufen. Und gewiß wird er wieder zur Hilfe bereit sichen. „Der Keren Kajemeth l'Jsrael hat dringendere Aus-, gaben", heißt es. „All seine Kraft", so schmälen die einen, „muß auf den Erwerb landwirtschaftlichen Bodens konzentriert werden, denn der jüdische Bauer allein verbürgt Erez Israels Zukunft." Andere meinen: „Der Jüdische Nationalfonds muß der Bodenspekulation in den Städten entgegentreten und sich dort eine große Bodenreserbe sichern." Wieder andere rechnen uns vor, daß die kulturellen Institutionen von dem Boden, den ihnen der Keren Kajemeth l'Jsrael verpachtet, keinesi Zins leisten... Und dennoch können die Direktoren des Keren Kajemeth l'Jsrael es verantworten, daß sie der hebräischen Universität nationalen Boden gewidmet haben. Verantworten vor dem Manen Professor Schapiras, der es schon ist seinem Antrag an den ersten Zionistenkongreß. 1897, als eine der Aufgaben des „Allgemeinen Jüdischen Fonds" bezeichnet hatte, für besonders wichtige nationale Zwecke auch städtischen Boden zu erwerben. Und vor allem verantworten vor dem Forum des jüdischen Volkes. Stolz auf feine Universität, wird unser Volk dem Keren Kajemeth l'Jsrael für seine Hilfe, dankbar sein und ihm seine Mitarbeit zum Guten gedenken. ßtofteto in Argentinien. Pros. Albert Ginstoin ist, wie aus B u e n o s A i r e s berichtet wird, wohlbehalten dort eingetroffen. Delegationen der Universität und wissenschaftlicher Gesellschaften Ägrüßten ihn an Bord des Dampfers. Die Presse feiert einmütig den großen Gelehrten, lder zum E h r e u m i tglied der Akademie der exakten Wissenschaften ernannt wurde. Georg Brander kommt nach Wien. Sin Vortrag Wr die Jndensrage. Me wir erfahren, trifft der berühnue dänische Literaturhistoriker und Kritiker Georg Brandes anfangs April in Wien ein; er wird hier einen Bortrag übe« -je jüdische Frage halten. Sensationelle Oster-Woche im Warenhaus Brüder Schiffmann II. Tabörstrasse 48 •Telephon 47-1-79 Frtihiahrsneuheiten in orig, englischen Damen- und Herrenstoffen Damen- und Herrenwäsche Leinen-und Weisswaren Vorhängen und Teppichen Regenmäntel Enorme Auswahl in feinster Bett- und Tteohwäsohe, Modeartikeln, Seidenstoffen, Strumpf- und Wirkwaren. Badeartikel§ mt Ausserordentlich billige Preise Besichtiget! Sie die Schaufenster und über-: zeugen Sie sich von der Konkurrenzlosigkelt unserer Angebotein Qualität und Preis! Set Permanente Hochschulssandal. Die Rektorenkouferez unter dem Vorsitz des frommen Schneider. Gehern fand unter dem Vorsitz des Unterrichte Ministers Dr. Schneider eine Rektorenkonferenz statt in welcher die Frage der K o l l e g i c n g e l d e r behandelt iv'trde. Mit dem -rinweis fcora;:;, >aß die KollcgiengcMr erst zu 70 V>.o;e»i vaiorisiert sind, gelaugte die Rektoren * (<?'•-• fctre, daß eine generelle H e r a d se tz u m g r •'' d—d->- Verhältnisse nicht gerechtfertigt wäre. Es wurde vielmehr einhellig der u. - r-e'e.->n- Ausdruck m'rUel'.eir, daß den V-' dürfnisseu der wirtschaftlich s -.mcheren Studierenden durch! n d! n! d allsi e r u d c, 0"1N des größten Wohlwollens getragene Behandlung jedes Einzel, fall es am Zweckdienlichsten werde Rechnung getragen trer« den können. In diesem Zusainmenljang wurde der Gvnudsatz ausgestellt, daß bei G «Währung v o N G e b ü b. r e n c r l c i ch t e r u n g c n und -Befreiungen d<rs Mer« ment der Bedürftigkeit neben dem Erfordernisse eines augemesseueu Studienfortganges im allgemeinen stärker in den Vordergrund zu treten haben werde. Im übrigen werden sich di-.' Brofessorienkol legten im S o m in e r f c nt e ft e r mit der Frage beschäftigen, ob und inwieweit die bisherigen Richtlinien für die Befreiung einer A bändcrung oder Ergänzung bedürfen. Eine reichere Staffelung der E r 1 e i ch t e r n n g soll itt Erwägung gezogen werden. Daß sich die Rektorenkonferenz mit dem skandalösen Stndentenkammerbeitrag an der Techitik beschäftigt hätte, beziehungsweise daß der brave, fromme Unterrichtsminister es geivagt hätte, über diesert Skandal Aufklärung zu verlangen, darüber schweigen sich die amtlichen Mitteilungen aus. Also — er hat,s nicht gewagt! Dagegen gibt die S t a a t s k o r r e s p o n d e n z folgende erbauliche Mitteilung aus, die jeden Kommentar überflüssig macht, da sie eine verschämte Sanktion des Skandals bedeutet: „Wie wir aus Kreisen der Wiener Technischen Hochschule erfahren, wird bei der jetzigen Einschreibung für das Svmmersemesier keinerlei Zwang zur Zahlung des vielumstrittencn Organisationsbeitrages für die Studentenkammer ausgeübt. Die Zahlung hängt vielmehr vollkommen vom freien Willen der Studierenden ab und werden Studierende, welche den Beitrag nicht zu zahlen wünschen, ganz cöcufo. wie die übrigen inskribiert. Im abgelaufenen Wintersemester wurde der Beitrag noch von jedem Studierenden eingehoben, auf Wunsch jedoch nachträglich wieder zurückerstättet. Vom Sommersemester ab ist auch schon die Einzahlung ganz in das Belieben des einzelnen Studenten gestellt." Sr.zimmerman Wer die Ausländsanleihen. Sine Rede der SeueralkommWrs bei der Eröffnung der reigitschwerke». — - " r-■ -1 * L--«fiw /»«hitf Graz. 28. März. In Anwesenheit zahlreicher Feistgäste wtrbc gestern das Teigitsch-Krastwerk der Steweag rt Betrieb gesetzt. Das Werk verfügt über eine Levstu ngsfähigeit von 24.000 Psechekräfte, die nach Ausbau der geplantenvetteren Stufen auf 34.000 Werdek-räfte erhöht iverden kann. Oie Fest,gaste.fuhren zum KrafthauL in Arnstein und beleben sich dann in das Maischinorchaus, wo LandcAhauptmainn l)r. R i n t e I e n die Bedeutung d^s- DageS für das Land Steiermark würdigte. Bundeskanzler Dr. R a m e k überbrachte ne Glückwünsche der Bnnidesregievrtng und erinnerte daran, »aß eS dom größten Montanunternchmon Steiermarks und' vnch Oesterreichs erst kürzlich gelungen sei, v o ut amer t* Manischen <51 elbma rkt ansehnliche Kreditezu eräugen. Diese deutlichen Zeichen d e s W i e d e rrrwachcns ausländischen Interesses an per Velebung unserer Volkswirtschaft könne mit der -ogrünbotoii Erwartung begrüßt iverden, daß die finanzielle Beihilfe des Auslandes ruch dem weiteret: Ausbau des Waffevbarvprvgrauvm S nicht sevsagt bleiben wird. Generalkommissär Dr. Zimmerman hob hervor, die Geschichte der Vollendung des Teigitschwerkes fei deshalb bedeutungsvoll und ermutigend, weil sie zeige, daß für derartige Zwecke im Ausland Kapital zu finden ist. So begreiflich es sei, in einem durch don Krieg und die Nachkriegszeit schwer getroffenen Lande auf Hilfe durch das Ausland zu' hoffen, so dürft doch nicht vergessen werden, daß ein Volk für die Vergrößerung seines Kapitals nicht lediglich auf Anleihen angewiesen ist, sondern seinen Reichtum durch Arbeit und Ersparnisse steigern kann, und zweitens, daß die wirtschaftliche Lage Oesterreichs nicht nur durch den Mangel an Kapital, sondern auch durch andere Faktoren, und zwar solche international-handelspolitischer, fiskalischer und sozialer Art bestimmt wird. Es hieße deshalb, daö Problem nur von einer Seite anifasftn, wenn man lediglich vom ausländischen Geldmarkt Hilfe u n d R e r t u n g erwarten würde. „Es ist bekannt, daß dieser Geldmarkt einzelne Bedingungeck stellt, welche leider nicht immer in der Öffentlichkeit richtig tvicdergegeben sind unit daher auch manchmal unrichtig aufgesaßt werden. Ich will hier speziell auf tzie K red r-t Verhandlungen hinveuten, welche durch verschiedene öffentliche Körperschasten ntzd Umernohmungen mit fremden Bankgrnppen geführt un-d welche begrePicherwerje von der Bevölkerung mit besonderem Interesse verfolgt werden. Daß das Ausland, bevor es dert autonomen Körperschaften Anleihen gewährt, die Sicherheit verlangt, daß eine gewisse UobereinsttMM'UNg und Einheitlichkeit in der FinankZvevwaltnng und in der Steuergesetzgebung zwischen dem Bttnd und den Lätchern be-stchcn, daß in dieser Hinsicht also die Teile sich dem Ganzen un-terordncn, ist n i ch 1 a l s e i n D r k t a t auifznfasserl, sondern als der begreifliche Wunsch, daß cirtähnliches 0hft cm von Ordnung, Zusammenarbeit imd Gleichgewicht ins Leben gelaufen werbe, wie dies in jcdonl Staate, auch in jenen mit tveitgvhender Antomnnie der Provinzen und Städte, besteht. Daß ferner Garantien dafür gefordert werden, daß der Erlös der Anleihe nur für b c st i m m t e Inv e st i t i o n Zzwecke verwendet wird und nicht zur Deckung von Defiziten der lmtfenben Gebarung, wirb jedem Fmanztnann ebenso -durchaus reell rrnd selbstverständlich erscheinen, als daß man schließlich darauf bestcht, daß die zur Sicherstellung des Anleihedienstes m verpfanbenbon Einnahmen ftir die Geldgeber jederzeit verfügbar sind. Ich bezweifle nicht, daß Anleihen a n f d i efcr Grundlage in nicht zu ferner Zukunft zum Abschluß gelangen können." Es sprachen ferner der Wiener Vi-ze>bürgermei>ster E m m e r l i n g, der die Glückwünsche der Stabt Wien überbmchte, LaubcShaup.tmann Tr. Burcsch, Präsident der Wewa Dr. Ellenbogen, für die an der FinaMeruntz der Stewoag beteiligten österreichischen und italienischen Banken und der Industrie der Direktor des Wiener BankvereirteS van der L ippe und schließlich BinnbeSprästdent Dr. Hä inisch, der alle, die an dem Bau mktgowirkt ha-ben, beglückwünschte. Der B>lndeöpräsi-dvnt gab sodann durch Drücken auf einen Taster daS Zeichen zur Inbetriebsetzung der Maschinen. Mit Ungeheurer Wucht stürzten aus einer Höhe von 840 Metern die Wassermassen der T e i g i t s ch auf die Tuvbiuen, die sich sofort in Gang setzten, gleichzeitig flammten überall elektrische Lichter auf. In Graz fand abends eine Festbelenchr u n g statt. Sabman rum tschecho-slowakifchen Sesandie» in Wien ernannt. Prag, 28. März. In der gchrigen Sitzung des M nisterrates wurde der bisherige Mnister für soziale Fürsorge Gustav H a b r m a n, dessen vor einiger Zeit Überreichte Demission, vom Präsidenten der Republik angenommen wurde, zum - bevollmächtigten Minister und Gesa n d i e tt f« i Oestcrreich ernannt. Zum Mi nister für soziale Fürsorge wurde Dr. Leo Winter er nanni.

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