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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-29 · Heft 2193 (29.3.1925) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2193 (29.3.1925)
Date
1925-03-29
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Gebe 10 Wien, Sonutsq Wtemr MvrftenzeKrtKA. Berira^ geschlossen, wonach sie ihr yan;es Vermögen hierzu zur Berfögumi stellt. Seirdoni konnte nun der Stiftniio auch wertere Mittel zu'ftchren. Es ist ihr niöAich, ein monumentales Bauwerk «kMvführen, das ein Ehren-enkrnül für den Namen David WovMHn, für Dr. Josef Cha^nowicz und für den jüdischen Geist bilden wird. DivsMe Seit«, der es geSang, -i« WoiWhn-S-tiftung dazu zu basttmm«», diese große Kulmrschöpfmig in chre Hand zu nchmen, hat es auch dllrchgesctzlt, daß in Amerika vier Freunde der Bibliochek zusammen einen Baugrund von zehn Dunam am Dkopus für den Neubau hergaben. Der Grund und Boden »st ausreichend, um aus -chm die Bibliothek nach den jetzigen Be dürfmssen zu errichten, und den Bau wenigstens ein Iahr^ hrmdert lang planmäßig §u erweitern. Jetzt, vor der UniversitälAveihe sind die Kuratoren der "LMffchn^tffrung in Jerusalem zufarmnengetretcn, wm an Ctt und Stell« über den Bau zu beraten. Nunmehr wird binnen aarr; kurzer Zeit ein Bauwerk errichtet werden, das, einem heiligen ProfauMecke geweiht, das Heiligtum der Mischen «nd allgemeinen Wissens in sich vereinigen wird. Denn erst ein überragendes BMiothskSgobSude am SkopuS jedem Frvmden zeigen wird^daß sich chicr ein Kuiltuldercknlo« ersten Ranges dvrbereitet, dann wird jeder Besucher gern bayu beitragen,' Mittol zur Fortfichrung und Erweiterung des Institutes zu geven und für Bücher uud Spenden in der ganzen Welt zu werben. Das Bauwerk wird nach seiner Errichtung durch sich jobbst das größte Pvopagandcrmittol sein, das sür di« Erweiterung der Bibliochek möglich ist. Hier wich daS Zentrum jüdischen Wissens sein, das nicht bloß Bücher «Weichern und ordnen soll, sondern das semer Destmrmung gemäß von einer hohen moralischen Auffassung geleitet und geführt werden muß. Disse hebräische Univerfitätö- und MtiomWabliolhkk zu Jerusalem wird sich zu dein größten Ehrenzc-ugnis für die jüdische Kultur ontwickein. Wie einst die hebräische Bibel ans den Trümmern einer nationalen Bibliochek übrig geblioben ist, so ba-ut sich hier auf der hebräischen Bibel und um sie herum dir ::cnr Bibliothek auf. Die NationaU-ibliochek wich ein -weiterer Beweis sein, daß v 2vrob rmt |v^3 *n tq rs find? jcyt Zion eine attserwichlte Stätte ist. Heinrich Locwr, Dertt-n. Die Znüustrieenttvllklung Palästinas. Bon Adolf Böhm. Noch vor wenigen Jahren wurden immer wieder von fachmännischer Seite die Schwierigkeiten der Schaffung einer Industrie in Palästina in sehr übertriebener Weise hervvrgchoben: Tie mangelnde Konsumkraft des Landes, das Fehlen von Kohle, Brennmaterialien, Eisen, Hol; "sw., die hohen Arbeitslöhne, der Mangel geeigneter Kreditinstitute, die ungünstige Zollgesetzgebung und mrdercs mehr. Dennoch hat sich, obzwar manche dieser . Schwierigkeiten noch nNgeminderi. fvrtbestehen, die. Industrie Palästinas in der letzten Zeit verhältnismäßig gut cntlvrcrelt. Ter Ausgangspukt für die' Industrie war natürlich und wird noch für längere Zeit der Eigenkonsum des Landes bleiben, insbesondere dort, ' wo mit inländischen Rohstoffen gearbeitet werden kann und die Transportkosten bei auswärtigem Bezug verhältnismäßig große sind. Beide Momente-spielen vor allem bei der Herstellung von Baumaterialien eine große Rolle. Dagegen hat die Schaffung einer Exportindustric noch wenig Aussicht. Hier lassen die angeführten Schwierigkeiten eine aussichtsreiche Konkurrenz mit den ausländischen Industrien nicht zu. Atlch kann im allgemeinen eine ausländische Exportindustrie einer gewissen Stütze durch denJnlaudkonsum nicht entbehren. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, speziell für Industrien, die hochwertige Jnlandprodukte verarbeiten, wie zttm Beispiel die Oelindustrie. Bei dieser Lage der Dinge und durch den Umstand, daß im Lande eine sehr große Bautätigkeit vor sich geht, war es zuerst die Baumatcrialienfabrikation, für die einige, größere Industrieanlagen geschaffen werden tonnten. Die erste solche Fabriksgründung lvar jene der Pale st i n e S i l i c a t e C o m p. in Tel-Awiw zur Erzeugung von Kalksandsteinziegeln und Dachziegeln aus Asbest. In diese Fabrik sind schon zirka 100.000 Pfund investiert worden. Unter den Begründern und Teilhabern befindet sich Ingenieur Johann Kremenetzky aus Wien, Direktor ist Ingenieur Seidener. Die Fabrik hatte schwere Zeiten durchzumachen, da bei der Stagnatin im Jahre 1923 der Absatz stockte und eine monatelange Arbeit auf Vorrat durch die mangelnden Kreditmöglichkeiten in Palästina -nicht durchführbar gewesen wäre. Gegenwärtig arbeitet die Fabrik Tag Mid Nacht. Die zweite große Fabrik für Baumaterial ist die Portland Ce ment Cy. (Ne sh er) Ltd., die ein Kapital von 300.000 Pfund hat. Diese Fabrik ist in Haifa im Bau und wird in Kürze ihre Arbeit aufnehmen. Dadurch wird der große Zementimport, der fortwährend steigt, überflüssig gemacht werden können. Die Kapazität der Fabrik ist zirka 70.000 Tonnen im Jahr, welche- Quantum auch bei noch größerer-Ausdehnung des Bauwesens vollkommen ausreichend sein wird. Jedenfalls wird ein Betrag von 150.000 bis 800.000 Pfund, der jährlich für Zement ans Ausland gezahlt wird, im Lande bleiben. Zwei weitere große Unternehmungen sind bei Haifa erstanden, diePalestineOilJndustryShemen Ltd. (Kapital 260.000 Pfund) zur Erzeugung von Oel aus einheimischen Früchten (Oliven, Sesam, usw.) und importierten sowie von Seife. Die Produkte werde« m großem Maßstab exportiert. Ferner die Sortete des Grands M o u I i n i, die große Mühle, die hauptsächlich von Baron Rothschild finanziert ist, mit 100.000 Geschlftihau« ln Tel-Awiw. Pfund Kapital. Sie ist aufeiste Produktion von zirka 80.000 Kilogramm Mehl eingerichtet, was ebensoviel ist, als die Hunderte von kleinen Mühlen im Lande bisher erzeugt haben. Wie bekannt, ist bisher sehr viel Getreide aus Palästina und Transjordanien ausgeführt und Mehl importiert »vordem Auch hier wird durch die Produktion der neuen Fabrik die Handelsbilanz verbessert werden. In der Nähe von Haifa, in Athlit, befindet sich die gleichfalls von Rothschild finanzierte P a l e st i n e S a l t Cy., die Salz aus dem Meere gewinnt. Kapital 40.000 Pfund. Zu den größeren Industrieunternchmungen sind auch die elektrischen K r a f t st a t i o n e n Ruthenbcrgs in Tel-Awiw und Haifa zu rechnen, eine dritte ist in Tiberias im Bau. Diese Stationen sind mit Dieselmotoren ausgerüstet. Der Bau . der Wasserkraftwerke am Jordan konnte noch nicht in Angriff genommen werden, .weil über die Gültigkeit der Konzession ein Prozeß schwebt und auch das nötige Kapital noch nicht vollständig aufgebracht werden konnte. Ferner wäre auch die W e i nundSpiritnosen- Produktion der Kellereien in - Sichron Jakob unter die Großbetriebe zu rechnen. Die Produktion beträgt zirkt 2 Millionen Kilogramm im Jahr. Außer diesen, mit den modernsten Maschinen ausgerüsteten Fabriken besteht in Palästina eine große Anzahl von mittleren und kleinen.Industrien. Die Hauptbranchen sind: Zigaretten, Möbel, Zündhölzchen, Kerzen, Strick- Waren, Teppiche, Mineralwasser, Eis, Druckereien, Gerbereien, Schokolade, Seife, Ziegel und andere mehr. Besonders zu erwähnen sind die von der Arbeiterkooperative ' betriebenen S t c i n b r ü ch e bei Jerusalem, Haifa und Jaffa als neuer Industriezweig der Juden. Von neuen Unternehmungen, die geplant sind, seien erwähnt: Fabriken für Parfüm, Leder, Spiegel, Spiritus (aus Durrha), eine Brauerei usw. Die neu gegründete Seidenweberei des Wiener Unternehmers Telsiner hat in Tel-Awiw die Arbeit bereits ausgenommen. Die Einrichtung einer großen Konservenfabrik seitens des Wcltkonzerns ist geplant. Von den Absichten einiger Lodzer Tcxtilfabrikanten, eine Genossenschaft zu gründen, um eine „Textilstadt" in Palästina zu errichten, wurde erst kürzlich, in den Blättern berichtet. Wie weit diese Pläne ausführbar sind, läßt sich schwer beurteilen. In Spinnerei und Weberei, namentlich von Baumwolle, ist die Auslandskonkurrenz eine schwer überwindbare. Die Baumwollweberei von Reichert, der schon vor Jahren Maschinen importiert hat, ist nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten endlich in Betrieb gekommen. Nähere Daten darüber fehlen. Die Hoffnungen, die in die .Kunstgewerbeindustrie gesetzt wurden, haben sich noch immer nicht erfüllt. Die Zionistische Exekutive läßt sich die Förderung der Industrie sehr angelegen sein. Ihr Department of Commerce and Jndustrh (Leiter Mr. Tishbh) leistet, trotzdem es sehr mangelhaft dotiert ist, seit Jahren eine enorme Arbeit zur Herbeischaffung der nötigen Unterlagen für die Prüfung der Möglichkeiten der Industrie. Der Initiative dieser Abteilung verdanken zahlreiche Unternehmungen ihr Entstehen. Sie gibt auch hie und da kleinere Kredite, doch kann sie dem fühlbaren Mangel einer Jndustriek r e d i t b a n k nicht abhelfcn. Die Notwendigkeit der Schaffung einer solchen ist von allen Seiten schon seit Km* 4m* Kolon!« Dagaala» SS. März 19S5 «r. lMS - vielen Jahren eiygeschcn worden. Die bestehenden Kom» merrbanken können nur kurzfristige Kredite geben. Eine Jndustricentwicklung in Palästina ist aber nicht möglich, ohne daß eine finanzielle kopitalskraftige Bank geschaffen wird. In Palästina wird eine lebhafte Propaganda dafür geführt, daß die Konsumenten die im Lande erzeugten Artikel bevorzugen. Vor einigen Monaten ist in , Tel-Awiw eine Ausstellung her heimischen Produkte mit viel Erfolg veranstaltet worden. Zur Propagierung deS - Absatzes von palästinensischen Erzeugnissen uttb ihren Vertrieb wurde kürzlich' die Gesellschaft Tozcreth Haarez gegründet. Anteile dieser Gesellschaft wurden auch von zionistischen Landesverbänden gezeichnet. Was die Zollvcrhältnisse betrifft, so hat der. neue Züll-- tarif erhebliche Verbesserungen gebracht. Die meisten Artikel, welche in Palästina bezeugt werden, allerdings nicht . alle, sind nun ausreichend geschützt. Doch ist die Verzollung von Brennmaterial und Rohstoffen noch nicht aufgehoben. Cs muß aber berücksichtigt werden, daß eS in Palästina keine Erwerbs-, Einkommen-, Warenumsatzsteuern und dergleichen gibt, was den Zoll auf Rohmaterialien für den Fabrikanten einigermaßen kompensiert. In bezug auf die Arbeitslöhne muß gesagt werden, daß sic nicht einmal absolut mehr hoch sind. Relativ zu den großen Kosten für Wohnung, Kleidung, Ernährung, dem - Fehlen einer Sozialgesetzgebung sind sie aber sehr niedrig. Nach den letzten Arveitetkonsiikten wurde für den Achtstundentag ein Lohn von 35 Piaster, das sind zirka '" 120.000 K. täglich oder 720.000 K. pro Woche, festgesetzt; das ist ungefähr so viel, als ein Metallarbeiter durchschuittlich gegenwärtig verdient. Um den Arbeitern die Existenz zu erleichtern und die Arbeitskosten zu mindern, wurde die Errichtung von „Schchunath Owdim", Arbeitervororten am Rande der Städte, propagiert, btc; auf Nationalfondsboden errichtet, den Arbeitern billige Wohngelegenheiten sowie ein Stück Land zum Gemüsebau bieten sollen.. Der Jüdische Nationalfonds ist eben in Unterhandlung wegen eines Terrains von 5000 Dunam bei Tel-Awiw, das diesem Zwecke zugeführt werden soll. Wir sehen somit, daß auch auf dem Gebiete industrieller Entwicklung in den letzten vier Jahren sehr vieles in Palästina geschehen ist. Wichtiges, namentlich die Schaffung einer kapitalkräftigen Jndustriebank, bleibt noch zu tun übrig. Vielleicht wir des möglich sein, für - eine solche Gründung die Hilfe der neuerrichteten Invest- . ment Cy. in New-Aork zu erhalten. , Gute Perspektiven für die.Industrie werden sich ergeben nach der Elektrifizierung'der Jordonwasserkräfte, durch die billige Kraft überall im Lande erhältlich sein wird, ferner durch eine künftige Ausbeutung der Salze . des Toten Meeres und schließlich durch den Ausbau des Hafens von Haifa, der, nach Mitteilungen Samuels, noch in dieses Jahre durchgeführt werden soll. ’ M »st Laher kein Zweifel,, daß durch die ^etzt für.. ..?. Palästina erwachte Unternehmungslust kapitälsbesitzenhex - jüdischer Kreise trotz aller Schwierigkeiten die Jndustrveentwicklung des. Landes günstig fortschreiten wird. kine Iabnehakademie. ] Von Obervabbiner Dr. I. Niemironer (BuLaraft). Sek - fast d-iwm Bierteljahchumdert beschäftigt mich der Plmr -der Gründung einer lNtertzerritonalen Akadsmie, als Geisteszentvnm der Judenheit. Seit -mehveven Jahren habe ich geschwiegen, weiil teils die Zeitverhältniisfe der ReMsieruny -nremes Ideales ungünstig waren, teils keine andewn Proje-Viv die Gründung der Universität in Jerusalem erschweren durften. Die Eröffnung de, Universität ernwglicht nunmehr und verpflichtet styar -ur DiSbuiffion. . über »das weitere Projekt einer allgenrem jÄdi-fchen AVadenüe, die ich eine moderne ,^JabnohaLadom«" nenne. In» Jahre 1902 begann ich Mr die Gründung ein« Ze»»tralakade>mi« des Judentums Propaganda zu machen. Im Jahve 1909 habe ich in einer BraMre in ollgsmeinen Zügen daS ,Warum un-d Wie" einer modevnen Jabstchakadomie, «die sowchl der Wissenschaft als auch dem großen Zwecke der Einigllng Israels dienen fottk, geschildert. In diesem Büchlein, das 1913 auch hebräbsch erschien, habe ich sieben Punkte. beihandelt, welche tim Laufe der Zeit nvanche Aendvrungen «vlitten haben. . 1. Cii«e jühilsche ZLNitvasakadsyne ist als das Resultat unsever kulturellen und.sozialpolitischen Entwicklung zu betrachten. Die großen. Forljfchvitte .der jüdischen Kultur iw 19. Jahrhundert, die Entwicklung unserer Ghrmvif zu einer Geschichte, nnsorer Golchusamkeit zu einer Wissenschaft, die Modernisierung »mib EntsalNutg unseres Schul- »vesenö, daS LebendiOverden dar hebräischen Sprache, dor Aufjchlvung der. jüdischen Litemtur Mta-tten uns an eine jüdische Sttademie ails Renaissaneekon-seqtleriz zu 'denken. Auch Dr. Singer m Anrerila und R. Bra'mm schlugen die Gründung ählflichar G:iselkschaflen vor. Für nnch ist eine derartig« ZentvLlosaidviltie eine kategorische Forderung, unserer Erüwicklung zwecks Erhaltung der Einheit Israels. In mainer Schrift schildere ich dm Di'ßfevonzievungsprozeß unfoves Volkes. Soll sich Israel nicht in viele Judelnvwjne anflösen, so -müssen wir Mittel M Bereinigung, suchen. Der Tempel zu Jevusalean, die Bibel, der Talmud und der Schulchan aruch waren und sind bis zu einem» gowiffen Punkte Zemchvalnbomente des' Judentums. Da aber die Auslegung d-sr Bibel, -die Würdigung des Talmuds -und die Ansrkenuültg des Schulchan aruchs -ve.,.schiede»lavt-ig sind, bedürfen wir ein-iger Institutionen, ivelchc uns auch iu -modevue, Zeit zu einigen dermögen. Der Äeretl' Hajessod, die Universität zu Jerufalon» sind sulche, und die Jabnehakademie soll eS in hohem Matze fei»». Wie Rabbi Jochanan ben SaKei bei der Zerstörung des Tcinpcls die Lehranstalt und Aka-detnie zu Jabneh

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