Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2193 (29.3.1925)
- Date
- 1925-03-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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9lr. 2193 Wien, Sonntag Absicht oder den Wunsch haben -uns dem Pa-lästmen-sisch-n I i s ch u -b a.Mlschl''.eßen oder nicht, vH wir Z:on,'sten oder AM-ziomislien sind — wer JN!de ist, der rnnß die Eröffnung der hebräischen Universität «äls ein historisches Ereignis von mvenÄlichor Bedeutung anerkenliren. Wer nicht in di-esom Moment das Gvsühl des Wiederauslobens in sich spürt, dessen jüdische Seele ist sterbenskrank — oder vielleicht schon gestorben. Die ganze Menschheit sieht in der jüdischen Universität ein Synvbol des noucn jüdischen Geistes — oder der Er.noue-ru.ng des -alten jüdischen Gastes. Ich tve-rde i>n Jernsalom und aus dem Har Hazpfirn als Vertreter meiner wichtjüdi schon Universität und zu gleicher Zeit als Vertreter meiner jüdisch:»» mrd zion-i«st:.fchvn Kollegen Englands stehen. Mit denn Bewußtsein dieser Vermählung des Jüdischen und des Allmeuschlichen werde ich dort a>ls Vertreter des modernen jüdischen Geistes stehen — denn die jüdische Universität wrrd das Produkt des jüdischen Volkes und -zu gleicher Zeit -das Besitz tun» der ganzen Menschheit feht. Sie Vorgeschichte der Universitiitsplaner. Der erste, der den Gedanken der Errichtung einer hebräischen Universität in Jerusalem in die Diskussion warf, war der Professor der Mathematik an der Heidelberger Universität,'Sr; Hermann Schapiva. In einer Reihe von Aufsätzen in der hebräischen Tageszeitung „Hameliz" trat der Gelehrte in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts für seine Idee mit einer Wärme ein, die bald eine große Schar enthusiastischer Anhänger seiner Anregung zuführte. Auf dem fünften Zionistenkongreß in Basel im Jahre 1901 wurde eine Resolution angenommen, durch welche die Zionistische Exekutive aufgefordert wird, dem Projekt der Schaffung eines höheren jüdischen Bildungsinstituts näherzutretcn. Erst der elfte Kongreß in Wien im Jahre 1913 faßte den Beschluß, endgültig und in möglichst kurzer Frist die Gründung der hebräischen Universität vorzunehmen. Der erste Betrag wurde seitens des Odessaer Komitees der Chowewe Zion, und zwar 50.000 Franken, zirka 2000 Pfund, gespendet und dafür verwendet. Ebenfalls noch vor dem Kriege hatte der Keren Kajemcth mit der. damaligen Exekutive der Zionistischen Organisation ein Abkommen getroffen, wonach er ihr für den Erwerb von Boden für die Universität leihweise eine' Summe von 50.000 Franken oder 2000 Pfund überließ, unter Ausbedingung verschiedener Rechte. Nach dem Kriege nahm sich Herr Jizchak Leib Goldberg, jetzt in Tel-Awiw wohnhaft, der Sache an und erwarb eine größere Fläche mit Gebäuden,- wofür er in großherziger Weise insgesamt einen Betrag von 7000 Pfund ausgab. Im Jahre 1922 trat das Odessaer Komitee seine Rechte auf die von ihm gespendeten 50.000 Franken, respektive auf die mit diesem Gelde erworbenen Gründe gänzlich dem Nationalfonds ab. Ebenso ließ Herr I. L. Goldberg seine Rechte auf den Boden, der mit seinen 7000 Pfund gekauft wurde, diesem Fonds formell übertragen. ' Auf diese Weise sind in den Händen des Keren Kajemeth Ansprüche auf Gründe der Universität im Gegenwert von 11.000 Pfund konzentriert. Außerdem gab der Jüdische Nationalfonds bereits weitere 1500 Pfund für eine anschließende Parzelle aus. Wegen der formellen Uebertragung der Gründe auf seinen Namen steht der Fonds noch mit der Jerusalemer und Londoner Exekutive in Verhandlungen, die demnächst zu einem Abschluß gebracht werden. Der Weltkrieg hat die Tätigkeit in dieser Richtung unterbrochen. Erst am 24. Juli 1918 (15. 216 5678), Auch hier sprach mich wieder der selbstverständlich. demokratische Don tvohltnend an. Drüse Leute aus dem Domen sind «uübovühvt von europäischer Bildung, sind von der Kultur des Westens nicht zurechdgeschlfffen, von der Forderung sozialer Gerechtigkeit nicht ansgeWrt. Doch sie haben Takt, sie 'haben Feingefühl und eine natürliche Menschenwürde. Sie kommen jedem» brüderlich entgegen und Professor Pick verkehrt wie ein» älterer Bruder mit ihnen. Er ist Assyalage, der Professor Pick, und er ist es aus den einzigen dvoi Grüiidm, aus denen man Assyvologe sein kann, «ms Stoiguug. Beruf und Leidenschaft. Aber seine Sehnsucht, mr heiligen Land zu Loben, »var stärker, sein Antrieb, der jiidischell Sache zu dienen, tvar »nächtiger; so hat «r Berlin verlassen, hat einen Ruf a-n die Berliner Universität abgolchnt und ist -nach Jerusalem gezogen. Manchmal, wenn chm die Arbeit, dor er sich hier widmet, Zeit dazu gönnt, u'huim.1 er die großen assyrischen Fakstmilebäude wieder hervor und liest die Keilschrifttafüln, znr Erholung, wie unsereins, um sich zu zerstreuen, ein Uutevha/ltunigsbuch. liest. Ussischkin, der den Bodeiraukaus leitet, -ist das, was man emm eiserner Menschen nennt. Eine Baternabnr, aber oiu Bäronvater, mit nrächbigen Tatzen, die niemals wieder preis« gelben, was sie einmal in ihren Fängen haben, sei es Besitz <rt>er Meinung oder Geisühl. Treu bis zur Beroitschaist, sich Mr ein-c Sache oder einen Atensche-n ernwvde»» zu lasse»!, ist er doch jeden Moment zum Aufruhr bereit, wenn es nicht den Kurs geht, den er für den rechten hält. Er hat in der Uganda-Affäre die Opposition gegen Theodor Herz! gafühvt, .den er doch verchrte. Er ist grimmig und gütig, naiv >m»d von außerordentlichern Intellekt, wird fast düster ernsthaft und steckt voll Hu- ,uor; er hat ein vulkanisches Donlperamont, zu senrigvu Ausbrüchen geneigt und 'ist voll beherrschter Besonn-eicheit. Und er 'ist iin diesen! Lande die flammende Seele, ist der glühend beredsame Mund. Wiener Mornenzettung. während der anhaltenden hartnäckigen Kämpfe zwischen den Engländern und Türken, wurde, förmlich unter Geschützdonner, die grandiose Feier der Grundsteinlegung der hebräischen Universität vollzogen. Die zwölf Fundamentsteine, als Symbol der zwölf jüdischen Stämme, hat Dr. W e i z m a n n in Gegenwart des Generals A l l e n b y und der Vertreter aller in Erez Israel befindlichen Nationen und Konfessionen in den Grundsockel gelegt. Die Baupläne für die Universität wurden vom Architekten Prof. Geddes im Jahre 1919 fertiggestellt. Der Entwurf Prof. Geddes' sieht einen Monumentalbau in orientalischem Stil vor. Dieser Plan konnte, wegen der zu hohen Kosten, leider nicht realisiert werden. Der zweite Plan, der den Architekten Karenberg zum Verfasser hat, hält sich in bescheideneren Maßen und wurde zur Ausführung angenommen. Nach den Absichten des Kuratoriums soll die Jerusalemer Universität vor allem als Stätte für wissenschaftliche Forschungen dienen. Aus diesem Grunde liegt es in den weiteren Entwicklungsplänen, zunächst eine Reihe von Instituten, Laboratorien und Kliniken ins Leben zu rufen, die rein wissenschaftlicher Arbeit gewidmet sein sollen. In diesen Instituten sollen die künftigen Professoren und Assistenten der Universität ihre Ausbildung erhalten. Gleichzeitig sollen andere Institute, wie das chemische, mikrobiologische und medizinische den Bedürfnissen des Landes, der Hebung der . Industrie, der Verbesserung der sanitären Bedingungen usw. dienen. Gegenwärtig sind bereits drei Institute in Funktion: das mikrobiologische, das chemische und das judaistische Institut. 1. Das chemische und biochemische Institut steht unter der Leitung des Professors Dr. Fodor, ehemaligen Universitätsprofessors in Halle. Das Jahresbudget des Instituts beträgt 3500 Pfund, wovon 2000 Pfund durch amerikanische Beiträge und 1500 Pfund durch die zionistische Organisation gedeckt werden. Das Institut besteht aus zwei Abteilungen: 1. für allgemeine Chemie (analytische und synthetische); 2. für Biochemie zusammen mit Bio- „Lenk technischmicht mathematisch!" DaS hebräische Technikum zu Haifa. Bon Ben Ami. Haifa, im Marz. Man geht zwischen steinernen Mauern, invmer anf- '»varts, etwa zwei-, dreihundert Stufen, dann gelangt man ans einen freien Platz nnd von hier bemerkt man schon die drei herrlichen Gebäude in der halben Höhe des Karnrels: das Technikum, die Realschule und die Werkstätten. Die Schüler der Realschule 'befinden sich eben auf dem Hofe. Ich frage -nach dem Direktor Dr. Bhram. Ein Student «kommt auf mich zu und bietet mir seine Begleitung an..Wir biegen,in das erste Gebäude ein, das ist die Realschule, und gehe»» einen mit grünen Kacheln getäfelten Korridor entlang. An den Wänden, zu unseren beiden Seiten, sind Bilder, die Flora und Fauna des Landes darstellend, aufgehängt. Professoren in weißen Arbeitslnänteln kommen an uns vorbei. Dann betrete»: wir eine breite Treppe, die zum ersten Stock, führt. Durch ein großes Fenster blinzelt plötzlich das sonneubestvahlte Meer herein. Bon »veitenl wehen die Segel eines Schiffes. An der Küste scharen sich eine Me»»ge Araber, ln weißen, grauen und roten Schlafröcken, zustvmmen. Und wieder konrmt ein Korridor mit Bildern. Rechts große Türen mit hebräische»» Auffchrifteu: Physikalisches Laboratorium, Ze»che»»s>aal, «technische Kammer, Bortragssaal. U»»d auf einer kleiner» Tafel: Direktion. „Toda rabba", sage ich dem Jungen, der mich bis daher begleitete und in» nächste»» Augenblick übertrete ich schon die Schwelle. Ein kleines Vorzimmer. Dir Sekretärin: „Einige Minuten Geduld. Es ist eben eine Konferenz." Dam» öffnet sich langsam die Türe des Nachbar- 29. März 1925 Seite 7 . Physik. In den Aufgabenkrcis des Instituts gehören: a) Forschungen auf dem Gebiet der organischen Chemie und Biochemie unter besonderer Bedachtnahme auf die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen Erez Israels; b) die Vervollkommnung und Ausbildung von Studierenden, die bereits einen höheren Bildungsgrad auf ihren» Spezialgebiet erlangt haben. 2. Das mikrobiologische Institut besteht zurzeit aus ztvei Abteilungen: aus einer bakteriologischen und einer serologischen. Die erforderlichen Gebäude stehen völlig eingerichtet bereits zur Verfügung. Der Leiter dieses Instituts wird in der nächsten-Zeit bestimmt werden. Zu diese»»» Institut gehört auch die röntgenologische Abteilung, deren Leitung dem Dozenten Dr. Freud anvertraut ist. Das Budget des Röntgeninstituts wird durch -die medizinische Gesellschaft Hadassah unter Mithilfe amerikanischer Aerzte gedeckt. . ■ . V 3. Das judaistische Institut wurde - bereits in» November 1924 eröffnet. Seine Aufgabe wird in der Forschung auf den» Gebiete der hebräischen und anderen orientalischen Sprachen sowie der jüdischen Literatur, Geschichte, Philosophie und Ethnographie bestehen. Das Institut wird drei Abteilungen haben:, a) die Abteilung für Spezialforschungen, mit den Hauptgegenständen: Geschichte der hebräischen Sprache, die jüdische Literatur von den Makkabäern bis zu den Gaonim und palästinensische Archäologie; b) Lektorat für arabische Sprache, für jüdisches Recht und hebräische Literatur in» Mittelalter und der neuen Zeit; c) öffentliche Vorträge von Gelehrten in und' außerhalb Palästinas. ' Bisher wurden an das judäistische Institut berufen: Professor Guttm.ann, Marguglies, Dr. Klein und B i a l i k, welche bereits Vorträge abhalten. Die Bauarbeiten an diesem Institut befinden sich in vollem Gang und dürften im-Frühjahr beendet werden. Das Budget dieses Instituts beträgt 6000 Pfund Sterling und wird gemeinsarn durch Baron Rothschi l d, Felix Marburg und die Z i o u i st i s ch e O r g a n i s at io « gedeckt. Außer diesen Instituten besitzt die Universität als integrierenden Teil der Hochschule eine eigeneBiblior<m »ms, Professoren in tweißen Mänteln strörnen heraus, noch einige Minuten Wartezeit verstreichen, da«n>n die Anmeldung und da ruft »nan auch schon: ,Adon Redaktor'." Dr. Byrain ist ein «breitschulterlger Mann, mit rundem Gesicht, Brillen, von ungefähr vierzig .Fahren, .sehr sympathisch. Wir setzen uns und ich beginne mit meinen Fragen: Welches -ist das allgenreine Erziehungspragramm des Technikums ur»d der Roalischnlie?" ,^Jn erster Linie beAvecken wir das Loslösen der jüdische»! Jugerrd von der bloßen Jntellektualitat. An den meisten technischen Hochschulen Europas werden Konstvuktions-Jugenieure erzogen. Das hebräische Technikum hingegen wird Werk-Ingenieure ausbilden. Unsere Devise ist: „De»»kt technisch, »licht mathe»»»atisch!" Die Realschule befolgt auch «das!selbe Ziel. Sie hat die Ausgabe, gute und praktische Chaluzrm herauzuziehen und nennt sich deshalb auch „Kolonisatwnsschltbe"/ Je bessere Bahnbrecher wir haben, u»n so sicherer ist der Aufbau Palästinas." „Welche Fakultäten des Technikums wurden bisher erösftlvt?" „Hoch- und G»iu«nLlba»y, Chomie und Maschinenbau." „Ist fciiic Unterrichtssprache ausschließlich hebräisch?" ^Ja'wcihl. Sänttliche Gegenistäde werde»» hebräisch borge tragen- Wir 'halben genügende hebräische Fachbücher." ,/Si-nd die Ze-ug-N'isse -und Diplorne, welche von der hebräischen Realschule atuifb technischen. Hochschule anS-- gestellt werde»», auch a.ilßevha.lb Palästinas gültig," „Sie sind auf der ga»WN Weift anerkannt. Gin Student, der 'bei uns »rrat-n-rievt hat, kann sich an«f welcher Universität -ilnnrer «iwpfr':<6imi! lassen. Und . mit tont Diplom -unserer Hochschule kann er überall praktiizieren. »ch Hörsaal im Chemischen Instihit der Universität.