Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2193 (29.3.1925)
- Date
- 1925-03-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-kr. S1K ' Wien, Sonntag rs oyd Triestino / Triest F ' iToyi) TRII SI INO SOUl rAi iN AVK.A/IOM W.M’ORI RagalmflOlgar Passagier- und Warendienst von TRUST fiten iiiiitmttiiiiiimtmiiiiiiMittiimiiiiiiii fleäypten, Türkei Dalmatien) Qrlechenland, Syrien den Sehwaraen- Maar-Hafen, Indien und dem fernen Osten Qeneralagentur: Wien, I. Kärntnerring 6 flufc auf die ganze Nation ausüben. Unsere Universität, aufgebaut durch jüdische Wissenschaft und jüdische Energie, wird sich als ein integraler Bestandteil unserem nationalen Leben einfügen, welches nun im Entstehen begriffen ist. Sie wird eine zentripetale Kraft ausübcn, die das Edelste des Judentums in der ganzen Welt anzieht, ein vereinheitlichtes Zentrum für unsere zerstreuten Elemente. Von hier wird auch die Inspiration und die Kraft ausgehen, die die in unseren zerstreuten Gemeinden nun schlummernden Kräfte wieder beleben wird. Hier wird die umherirrende Seele Israels ihren Hafen finden und nicht länger in rastlosen und nutzlosen Wanderungen sich verzehren. Hier wird Israel endlich in Frieden mit sich selbst und mit der Welt ruhen. Eine talmudische Legende erzählt von der jüdischen Seele, die ihres Körpers beraubt ist und zwischen Himmel und Erde schwebt. So ist unsere Seele heute, morgen aber soll sie zur Ruhe kommen, in diesem unseren Heiligtume. Das ist unser Glauben. Sie hebräische Uniberfitiit in Jerusalem. Don Nahum Sokolow. Die Eröffnung der hebräischen Universität bezeichnet eine freue Epoche in der Geschichte der Juden. Ms ein Werk der Zivilisation geht «ihre Bedeutung sogar über di« von unseren Annalen gezogenen Grenzen hinaus. Die Universität soll, wie wir Haffen, eine auf sehr hohem Niveau stchende Hochschule — die erste Anstalt dieser Art im nahen Orient wenden. Die geistige Wiedergeburt des Orients kann in der Tat nicht Machtvoller gefördert und deutlicher symbolisiert werden, als durch die Errichtung einer modernen Universität in der ehrwürdigen Metropole der eilten Zeit. Die Prophezeiungen gehen in Erfüllung: das Licht wird wieder von Zion seine Strahlen müssenden. Mit der Errichtung der Universität wird unser Erzichmrgswerk in Erez Israel vervollständigt. Der Kulturzionismus hat ein Recht, auf seinen Sieg stolz zu sein. Seit dem Urbeginn des Zionismus hat es immer eine Gruppe von Menschen gegeben, die in endlosen Diskussionen und Kontroversen für die jüdische Kultur eine Lanze einlegten. Jene wieder, die sich für „praktischer" hielten, traten den Intellektuellen im Kampf entgegen. Aber jede praktische Methode hat ihren eigenen Maßstab und ihren eigenen Standard. Jede Situation zeitigt die ihr angemessenen Meinungen. Sie gehen dahin wie der Traum, sie sind wie eine Vision sfäbrik, die keine faßbare Spur hinterläßt. Bloß der irationale Genius bleibt bestehen und nur dem Kultuvideal verdanken wir alles, was wir besitzen. Das geistige Werk überdauert Generationen und Zeiten; die jüdische Erziehung zeitigt die Saat -ihres eigenen Lebens. Es gibt heute memanden. der den Wert der jüdischen Kultur in Frage stellen würde. So ist die Eröffnung der hebräischen Universität ein großes Fest für alle Zionisten, für alle Juden. Der Maßstab für die Größe einer menschlichen Aktion liegt in der Inspiration, der sie ihr Entstehen verdankt. Glücklich der Mensch, der einen Gott, ein Schönheitsideal in sich trägt und ihm folgt. Das Ideal der Wissenschaft, das Ideal des eigenen Landes, das Ideal großer Tugenden sind die lebendigen Quellen, denen große Daten entspringen. Aus diesem Grunde ist die hebräische Universität -bereits heute, obgleich ihre Anfänge sehr klein sind, eine große Sache. So wie die jüdische nationale Heimstätte, wird auch die hebräische Universität allmählich, stufenweise wachsen und groß werden. Sie beginnt ihre Tätigkeit einerseits mit naturwissenschaftlichen Forschungsarbeiten -und andererseits mit hebräischen und semitischen Studien. Es liegt etwas Pathetisch- Rührendes in der Tatsache, daß das allgemeine wissenschaftliche Werk mit der Mikrobiologie seinen Anfang nimmt. Jerusalem ist der Raum des Endlosen, wo Welten auf Welten geschichtet sind, wo Räum auf Raum gelagert ist. Diese Universität tritt ihren Wog nicht mit dem unendlich Großen, sondern mit dem unendlich Kleinen an. Wir sind von der Überzeugung durchdrungen, daß sie in ihronr Ausstieg zum unendlich Großen führen wird. Man erinnert sich an Bacons Wort, daß ein wenig Wissenschaft die Menschen von Gott wogfühvt, äbeir viel Wissenschaft sie wieder zu Gott zurückbringt. Die Universität wird sich in -den Dienst der Förderung der Wissenschaft der Menschheit, des Austausches wissenschaftlicher Gedanken mit der ganzen Welt, der Verbreitung des Interesses für die Wissenschaft stellen. Selbst in ihren Anfangsstadien, in -den Perioden der notwendigerweise beschränkten Versuchsarbeit, wird ihre Arbeit lebendige Arbeit sein. Die Gekehrten werden der Qefstntlichkeit Mitteilen, was sie bereits an Arbeit geleistet haben, wie weit sie in ihrer Arbeit gelangt sind, welche Arbeit ihnen noch zu leisten geblieben ist und Wiener welche Wege sie zu ihrer Vollendung Vorschlägen. Auf diese Weise wird -der Enthusiasmus für die Wisienschast geweckt. Die Forschungsarbeiten werben die Grundlagen für die Errichtung der Fakultäten in einer Weise Vorbevsiten, daß die Universität ein großes Stndienzentrmn Wörde. Sie wird ihre gastlichen Tore weit öffnen und die Menschen zu sich Einladen. Wir hofstn, daß wir die besten jüdischen Professoren -der Welt haben werden; Jerusalem wird der Mittelpunkt des jüdischen Genius und der Entdeckungen werden. Wir hoffen auch, daß unsere Bibliotheken, unsere Museen und sonstigen Sammlungen die schönsten und seltsamsten Objekte a-ufzuweistn haben und auch wirklich zur Schau stellen werden. Erwähne ich noch zum Schluß unseren Wunsch und. unseren Entschluß, daß die hebräische Universität ein Zentrum des Friedens und der Harmonie in einer Atmosphäre gegenseitiger Achtung werde, so glaube ich, alles gesagt zu haben, was augen-blicklich gesagt werden kann. Ueber die Forschungsarbeiten ist nicht viel zu sagen. Es sind grundlegende, für die Fakultäten unerläßliche Borbereitnngsavbeiten — und ich weiß nicht viel über sie. Nun möchte ich einige Worte über die Fakultät für jüdische Wissenschaften sagen. Ich denke, daß diese Fakultät so neuartig und originell sein müßte, wie die ganze Universität zu werden verspricht. Die ganze Geschichte des Altertums hat eine tiefgehende Wandlung durchgemacht. Nicht nur darin, daß man sich jetzt der in Betracht kommenden Materien in einem von den: bisherigen grundverschiedenen Geiste nähert, auch das zu berücksichtigende Material selbst ist im Umfang außerordentlich an- -gewachsen. Ganze Zivilisationen, von deren Existenz man vor hundert Jahren noch kaum eine Ahnung hatte, wurden ans Tageslicht gebracht. Die vergleichende Philosophie hat das Studium jeder einzelnen Sprache revolutioniert. Die alte hebräische Literatur und die jüdischen Altertümer werden heute nicht mehr als isolierte, -unabhängige Sdudionvbstkte, sondern biloß als ein Teil eines größeren Ganzen angesehen. In höherem Grade und klarer als je zuvor, erscheint das Judentum als Teil und Abschnitt einer großen und alten Zivilisation. Aegypten ans der einen, Palästina out-b' Assyrien auf der anderen Sei-te halben ihre Geheimnisse enthüllt und gehen daran, im-mer mehr und mehr pneiszuge'ben, und die ganze orientalische Welt wird soeben mit begeistertem Eifer durchforscht, an-gespornt von dm Studien, die. vor kaum einem Jahrhundert begonnen habm. Im Lichte der neuen Kenntnis mußte alles rekonstruiert werde in Die hebräische Sprache wird heute nicht mehr als etwas betrachtet, was nur durch sich selbst, son-devn als eine von mehreren Schwesterslprachen erklärt werden kann, van denen jede einiges Licht zur Aufhellung aller übrigen beiträgt. Schnäpse, Liköre Spezialität: Baczewskfi - Stanislauer Doppelt rektifiziert und destilliert Seit 1782 weltbekannt Gilbt es nun in der ga-ngen WM einen Ort, der für diese Studien geeigneter wäre als. Jerusalem? Und überdies: gibt es noch eine Nation, die an diesen Studien tieferes Jnt-evesse halben Wn-nt-e als die jüdische? Die Fakultät für jüdilfche Studien in Jerusalem (die zu neuem Loben erwacht ist)' soll nach den vorherrschenden Intentionen auf hoher und moderner wissenschaftlicher Stufe stchon. Die hebräische Literatur ist der reinen traditionellen Exegese beve-its entwachsen. Andererseits erfordern das vergleichende Studium der semitischen Philologie und der Einfluß anderer orientalischer Quellen auf dieses Studium mehr wifsenschaftl-ichon Geist als das Studium alter homiletischer Werke. Jerusalem ist par excellmoe der fiir unabhängige originelle semitische Forschungsavbeit geeilgnete Ort und wir hofstn, daß christliche und islamitische Gelchrte an dieser Arbeit wetteifernd teilnchmon werden. Die palästinensischen Altertümer dürften noch kaum vollends erforscht sein und die Sammlung her von Orion» taliston in anderen Ländern dnrchgchiilhvien Forschungen waren unbekannte Geibiete. Dieser Wissenszweig werde vorn alten Betih- Hamidvafch gonan so vernachlässigt wie die nicht-jüdische alte Bibel-Wissenschaft. Diese Richtung betrachtete die hebräische Sprache nicht als ein -literarisches Instrument, das durch seine ganze Geschichte -und in allen ihren Quellen, den geheiligtm -und den Profanen, -unt-erfncht wer-don soll, sondern als eieren Behelf der Exegese, deren Methode von einer langen Kette traditioneller Autoritäten bestimmt wurde. Innerhalb dieser Grenz-n waren ihre Sludien ties, außerhalb dersellbon hatten jene Gelehrten kein Interesse an weiteren Dtndien und selbst wenn sie es gehabt hätten, würden sie cs ohne Zweistl von selbst unterdrückt haben. In unserer heutigen Zeit wäre eine Universitätsfakultät in Jerusalem, aus welcher hebräische Studien sin Geiste des alten Bech-Hamidrasch oder eines westeuropäischen Rabbmerseminares -betrieben würden, ein Anach-roniSiutts, nicht -etwa deshalb, weil sie sticht von Nutzen oder an sich unzeitgemäß gewesen wären. Wir schulde-n ihnen Dank für ihre Leistungeil. Die Kenntnis des ^almu-ds tuib der robb misch e Unterricht sind für die Erhalt-unx. .des Judentums von wesentlicher Bedentung und wir möchten die besten Botli-Midraschsin llud Jeschiboch in Erez Israel, schm. Andererseits -leisten die Rabbinevseminarien in Westeuropa der Wissenschaft des Judentums und dem religiöstn Leben in der Galuth große Dienste. Sie gchören einer ganz anderen Gedanken- und Tatenwelt an und befinden sich in 89. März 1928 s-«t» BERLINER STADTHÄUSER zum sofortigen Abschluss zu kaufen gesucht. Grösse, Fricdensmietc, Lastenangabe 0er erforderlich L HYPOTH EHEN KAPITAL nur für GROSS-BERLIN günstig zu vergeben! BennoSTAHLsSOHN Berlin SW. 88, Markdrafenstrasse 56 Telephon: Dönhoff 4727/29. einer ganz anderen Umgebung. Ir jener Sphäre und in jenem Milieu bilden sie durch ihre Arbeiten auf jenem WbeÄsstld einen schr bedou-tsamen Faktor. Die Jerusalemer Maistische Fakultät wird i-hmn Platz in der wissenschaftlichen Welt in durchaus anderer Richtung einnchrmm Hier muß die Mische Wissenschaft eine lebendige Wissenschaft sein. Dieser Grundsatz findet sowohl -in den Maistischen als auch in dm allgemeinen Studien Anwendung. Ein gutes Stück sin Studium des Hebräischen seilbst trägt gar keinen theo-logischen Charakter. Das Studium der heibräischen Sprache zum Beispiel -ist ganz sellbständig und hat dlrrchaus keinen notwendigen Zusammenhang mit Theologie. Das Studium des Hebräischen als einer gesprochenen und geschriebenen Sprache, mit einer Literatur, die in ihrem Geist so modern ist wie irgend eine europäische Sprache, entbehrt nicht des bedeutenden philologischen und literarischen' Interesses, Obgleich es gar kein cheologisch-es Interesse erweckt. Die hebräische Universität mit der vollst-ä-ndigerl Unabhängigkeit und Reinheit ihres wissenschaftlichen Charakters, mit all ihrem Fernhalten von jeder Art Sektarianismns oder Propaganda, verkörpert in sich die grundlegende Idee des Kulturzionismus: die Wiederbeleibung der hebräischen Sprache. Das ist der Grundstein für nnstr Programm in Eroz Israel.. Wir werden die Schwestevfprachen und Inschriften studieren und alle Ergebnisse der Forschungen der Orientalisten untersuchen — jedoch nicht der Archäologie wegen, sondern sin Geiste der Wiedergeburt Erez Israels -und möglicherweise des ganzen Orients. Unser Ziel ist die Wiedereinführung der allgemeinen Benützung des Heibräischen als Verkehrsmittel. Keine historische- Reliquie reicht an Würde und Wert an eine einge>borme Sprache heran. M die alten Denkmäler, über welche.-die Orim-talisten mit solcher Hingabe wachen, sind von geringem Wert im Vergleich msi-der M-eLsältigkeit der menschlichen Sprache. Erblicken wir hierin das in einem ansehnlichen Ausmaß bereits erreichte Ziel des jüdischen Nationallheims — was ist nun die Aufgabe der h ebräischen Universität? Die helbräische Universität und sin besonderen die Fakultät für Mische Wissenschaft wird die Aufgabe haben, diesen Belebnngsprozeß zu überwachen und zu fördern. Lelbmde nnd auch wiedeverstandene Sprachen sind der En-iwickluug und V-erfeineru-Nlg unterworfen. Um am Leben zu bl-eiben, müssen sie assimÄierende Nähr- und VerdaM>ngskraft besitzen. Es da^rf auch nicht außer acht gelassen wer-den, daß Line i'olche Wiederbebeibung im Wege der bloßen Praxis einen. gewissen abent-ouevlichsn und Zulfa-llscharakter an sich träg-t und daher durch reifes Wissen und nüchternes Urteil überwacht werden-muß. Besonders das Hebräische bedarf zu feiner Exaktheit, Schönheit und Bewichernng außerordentlicher Fürsorge. Der Geist der Wissenschaft vereint mit dem Geist des Lebms werden die wahre. Wiedevbelebung schaffen. In dieser, wie in vi-elm an-deven Bezi-chungon, wird die hebräische Universttät in Jerusalem ein Segen für uns und M die übrige Welt sein. Sie deutsche PrSsidentenwahI. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 28. März. Die Agitat-ion für He morg-e^ Sonntag stattfindende Präsidentenwahl hat den Höhepunkt erreicht. Es dürften wieder, wie bei der Reichstags- Wahl, etwa 32 Millionen Stimmen abgegelben werden. Von den si-eben Kandidaten um die Reichsprä-si-' dentschaft (Dr. Jarres als Kandidat der Rechtsparteien, B r a u n für die Sozialde.mo>kraten, Dr. Marx füv -das Zentrum, Dr. Hellpa ch für die Demokraten, Held für die -bayrische Volkspart-ei, T h a e l m a n n für die Kommunisten nnd Ludendorff, dessen Kandidatur sein Kriegsvevlusttollege Hindenburg, der es ja wissen muß, als schädlich bezeichnet hat, für die Hakenkrenzler) wird wohl keiner im ersten Wahlgang die Mehrheit erhalten. Erst der zweite Wahlgang am 26. 0 ^vi-C wird die Entscheidung bringen. Nach englischem M:' wettet jetzt ganz Berlin auf den Wahlarrsgung. Die Wahlagitation verläuft, abgesehen von geringfügigen Zusammenstößen zwischen hakenkr euzlerischer und kommunistischem Jugend, ruhig. Jarres erkrankt. Berlin, 28. März. (Tel.-Komp.) Der Kandidat dev Rechtsparteien Dr. Jarres ist so schwer an Grippe erkrankt, daß er in 5löln feine Bortragsreise ab brechen nnd die Reden, die er heute nachmfttagS und heute abends in Erfurt und in Leipzig hätte Wien sollen, absagen mußte. Dr. Jarres liegt in einem HotelM. Köln an einer außerordentlich heftigen Grippe darni^A '^Si