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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-27 · Heft 2191 (27.3.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2191 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seltt I Wien, Freitag MN Professor honoris causa an der Universität Wien crwannt. Bei Kriegsausbruch hielt sich Füller ton in München auf. Er wurde interniert und seine schwache Gefundheit erlitt wahrend seiner Internierung in einemdeut schen Konzentrationslager eine solche Schädigung, daß er, schwer leidend, nach Kriegsschluß in -die Bereinigten Staaten zu ruckkehrte. t.„ 6!n Förderlord abgeftSnl. 50 Grubenarbeiter verunglückt. Merlenbach a. d. Mosel, 26. Marz. (.Havas.) Ein FörderkorL, in dem sich etwa fünfzig Grubenar b «i t e r befanden, ist bei der Auffahrt infolge Kabelbruches abgestürzt. _ ein Anschlag auf den Arlberg-Sttreb. Die Schiene» bet Longueville beschädigt. Longueville, 26. März. (HavaZ.) Der Arlberg- ^Lpreßzug Paris—Wien ist entgleist. Personen sind nicht verunglückt. Die Entgleisung scheint auf einen böswilligen Alt zurückzuführen zu sein, da auf einer Strecke vpn Zwölf Meter die Schrenenbolzen entfernt worden waren. * Die Generaldirektion der Oesterreichischon Bundesbahmn teilt uns mit: Die Führung des Arlberg-Expreßzuges Wien- Paris muß heute unterbleiben, weil wegen Entgleisung des Gegenzuges m Frankreich eine Wagengarmtur hiefür nicht zur Verfügung steht. Der heute aus Frankreich fällige Arlberg-Expreßzug trifft aus der gleichen Ursache in Wien nicht ein. _ Pressrkpnserenz bei der Ravag. Di« gestrige Pressekonferenz bei der Ravag lbrachie wie immer die Referate der technischen, musikalischen und literarischen Leitung. Prof. Schweiger sprach Wer die im Mittelpunkt des Interesses stehend Eröffnung der Grazer Sende station. Diese findet am 29. März statt. Vor Beginn der Vorführung werden die Gäste die neuen Anlagen besichtigen, sich nachher in den Grazer Redoutensaal begeben, wo sie vom Landeshauptmann Prof. Dr. R i n-- telen, vom Bürgermeister von Graz M u ch i t s ch sowie von Wien aus begrüßt werden. Dann wird die erste Vorführung in den Aether gesendet werden. Der Grazer Sender wird auf Welle 404 und vorerst eigene Programme senden, die von Wien aus bestimmt werden und durch ein Quartett der Urania in Graz zur Vorführung gelangen. In der Folge werden die Wiener Sendungen relaisartig nach Graz übertragen und vom Grazer Sender ausgestrahlL werden. Zwei Tage der Woche werden den Grazern für Lokalpvogramme reserviert werden. Musvkdirektor Ast weist in seinem Referat auf die Vorteile hin, die das vergrößerte Studio bereits bietet. Sowohl Klangfarbe als auch Tonreinheit der Sendungen haben .sich bedeutend gebessert. Weitere akustische Versuche, die besonders.der Aufstellung der Künstler und Instrumente im Studio gelten, werden in -der Weise fortgesetzt, daß an verschiedenen Stellen der Stadt MusUsachvevständige die Sendungen ausnehmen und btt Ravag sofort ihre Wahrnehmungen mitteilen. Ferner teilt Musikdirektor A st mit, daß aus ökonomischen Gründen die Zweiteiiliung des Programmes in je eine Stunde ernstes und je eine Stunde heiteres Programm.aufgelassen würde. Bon größter Wichtigkeit sind die bereits im Programm aufgenommenen populären Orchesterkonzerte, die, vm Stil« der (Ärrtenkonzerte gehalten, allgemein bekannt« Ouvertüren, Opernpotpourris gemischt mit leichter Tanzmusik zur Vorführung bringen. Herr Dr. Nüchtern hebt außer dom Ausbau der Märchen- und lokalen Sagenvorführungen den Ausbau der wissenschaftlichen Vorträge hervor. Diese erstrecken sich jetzt über -das Gebiet der .Hygiene, Roisebeschreibungen, Sprachkurse und Borträge über Entstehung der Volkslieder. Von größer Bedeutung ist der Ausbau des kulturwissenschaftlichen Programms, an dom intensiv gearbeitet wird. Es sollen in der Art der Urania Dortrage unter direkter Mitwirkung der Mitglieder der Urania durchgeführt werden. Großen Anklang fand die Anregung eines Pressevertreters, einen deutschen Sprachkurs abzrchalten. In der Radrosteuerfrage hat sich noch!ei n« Aenderung ergeben. Die Gemeinde Wien als Gvoßaktionärin der Ravag hat sich in entgegenkommendster Weise bereit erklärt, in der Lulstbarksitssteuerfrage die juristischen Gutachten abzuwarten. Diese liegen bereits vor. Das ein« von ihnen verneint die Stsuevpflicht überhaupt, das ander« spricht einer Pauschalierten Abgabe Berechtigung zu. Aus Grund dieser Gutachten wird die Ravag nunmehr mit der Gemeinde verhandeln. Die gesetzliche Stellung der Mischen Frau. Schon mehrfach wurde hier darauf hingewiesen, daß gerade der Krieg und die ihm folgenden Ereignisse den jüdisch enFrauen in Fragen der Ehescheidung und Wiederverehelichung nach den Vorschriften der Tradition große Schwierigkeiten bereitet haben. Insbesondere die Frage der „Agunoth", der Frauen, deren Männer verschollen sind, ist in vielen jüdischen Zen- Wlener Sftetfttitietttitt«. ein INSERAT Wiener Moenenzeitnnck. für die anläßlich der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem am Sonntag den 29. März 192S erscheinende FEST NUMMER der „Wiener Morgenzeitung** bestellt? Versäumen Sie nicht n diese ausserordentlich günstige I t RekUmcgclegcnhcit Bedeutend erhöhte Auflage! Normaler Tarif! Die überaus reichhaltige Festnumm« bringt Beiträge aller führenden Persönlichkeiten des jüdischen politischen und geistigen Lebens sowie zahlreiche interessante Illustrationen aus Erez Israel und wird überall, wo Juden wohnen, mit Interesse gelesen werden tven sehr brennend egworden, da es Tausende von jüdischen Frauen gibt, deren Männer im Kriege verschollen sind, ohne daß eine authentische Bestätignng über das etwa erfolgte Ableben vorhanden lväre. In Pole n, in der Ukraine und in anderen Ländern drs Ostens, aber auch in amerikanischen Ländern, bildet die „Agunoth"-Frage den Gegenstand ernstester Erwägungen. Nun hat auch der Verein für die Verbesserung der gesetzlichen Stellung der jüdischenFrauen, der seinen Sitz in London hrt und demnächst seine Jahreskonferenz abhalten wird, zur „Agun-oth"- Frage Stellung genommen. In einenr M e m orandu m, welches an die Rabbinerkonferenz in I e r usa le m gerichtet wurde, spricht sich der Verein, dessen Mitglieder außer in England auch in Frankreich, Deutschland und anderen West- und mitteleuropäischen Ländern wohnen, für die Anregung des O b e r r a b b i n e r s v o n F r a n kr e i ch aus, die ,/Agu-noth"-Frage einer systematischen Lösung zuzufü'hren, indem sie einer allgemeinen Konferenz rabbinischer Autoritäten überantwortet werde. Der Verein inacht weiters den Vorschlag, daß ein Ehemann, der sich $u einem mit Lebensgefahr verbundenen Unternehmen begibt, also etwa bei Ausbruch eines Krieges einvückr. verhalten werden soll, seiner Frau bedingungsweise Ehescheidung zu geben, ein Brauch, der früher vielfach geübt wurde. Das Memorandum bespricht weiters verschiedene Scheidungsfragen und befaßt sich daun eingehend mit der Frage der Wied ervereheli chu ng li nd erlös e r W i t w e n, die bekanntlich nach den Bestindntnngen der Tradition nicht möglich ist, wenn die Frau nicht vom überlebenden Bruder des verstorbenen Gatten durch die unter dem Namen Chalizah bekannte Zeremonie freigegeben ist. Dies hat schon vielfach zu Erpressungen.geführt, ferner htt schon in vielen Fällen der Umstand, daß die Chalizäh persönlich geleistet werden muß, große Schwierigkeiten ergeben. Das Memorandum schlägt vor, daß der Ehegatte dazu Verhalten werden soll, die Interessen seiner Frau schon bei der Eheschließung zu schützen, indem er ihr einen bedingten Scheidebrief ausstellt, beziehungsweise sonst irgend eine im Falle seines Ablebens wirksam werdende Zusicherung von seiten seines Bruders ^beschafft, daß dieser sie ohne Anspruch auf eine Entschädigung freigeben würde. Schließlich befaßt sich auch das Memorandum mit der Vielehe. Diese ist bekanntlich den aschkenasischen Juden seit dem 11. Jahrhundert strikt verboten, aber den sephardischen Juden ist sie in solchen Ländern erlaubt, wo die staatlichen Behörden die Polygamie gestatten. Es wird allerdings auch unter den Sepharden das monogame Prinzip beachtet. Das Memo rundum schlägt vor, daß unter den sephardischen Inden auf die gesetzliche Regelung der von dem Aschkeuasiiu bereits lange angenommenen Beschränkung ans die Einehe hingeardeitet werde. 27. M»rz IR« Rr. Satcttlmultr In SttfnOof. Ter antisemitische Primarius. — Pflegermanger. Das gestrige „8-Uhr-Blatt" schreibt Über di« Zustande in Steinhof: Cs hat oft den Anschein, daß die Hakenkreuz l e r unter den Pfleglingen von der AnstaltAettung mehr geschützt und nachsichtiger behandelt 'werden als die Angehörigen anderer politischer Parteien uud Konfessionen. Während der Primarius des Steinhof August Samm e r n (Ritter von) Stranßcnegg sich sehr aut is e m itisch gebärdet und deshalb nicht sehr beliebt ist, erfreut sich dessen Vertreter Dr. Herzig der Zuneigung und des Vertrauens seiner Kranken. Dein Besucher eines Tagr.nimes bietet sich ein unerfreulicher Anblick. Der Saal widcchallt von dein Geschrei der Insultierten und von den erbitterten Rusen der Kämpfenden; Epileptiker bekommen Anfälle und werden am Fußboden gebettet. Der einzige Pfleger sitzt einsam und verlassen da, mehr ein Bild des Jammers als Autorität heischend,.ein Opfer des Abbaues seiner Dienstgenossen. Allgemein genommen verfügen die Pfleger über eine geringe Ausbildung. In letzter Zeit wurden abgebaute Bankbeamte ausgenommen, die vorher nur einen vierzehntägigen Schnellsiedcrkurs durchgemacht hatten. ___ Nene BrotprelskSmpfe. Die von der Regierung seinerzeit eingesetzte Teuerungs» kom-mission hat bekanntlich ein Gutachten über den Brotpreis abgegeben, demgemäß dieser in z w e i Etappen erhöht werden sollte. Die erste Erhöhung von 7500 auf 8200 Kronen wurde bereits durchgeführt. Nun hat aber die Teuerungskommission Bedenken gegen eine weitere E r h ö h u n g des DrotpreifeS. Es wird bemerkt, daß die Konimission nur dazu berufen fei, Gutachten abzugeben, nicht aber der Regierung den Zeitpunkt für die Erhöhung des BrotPreiseS nach der Metten Staffel anzugcben. Zufolge dieser Haltung der Teuerungskommission drohen die Brotfabriken, im Fall« der Verhinderung der Brotpreiserhöhung di« abgeschlossenen Kollektiv Verträge sofort zu kündigen. Untersuchung gegen Kleinbetrieb«. Wie wir erfuhren, führt das Landesgericht auf Grund der Erhebungen der Wirtfchaftspolizei gegen 30 Bäckereibetviebe, darunter auch gegen den des Backergenossenschcifts- Vorstehers B r e m n i g, die Untersuchung. Sie Kuh der Schwarzen Hundert. Aus den Akten der zaristischen Staatskanzlei. Dar russische Schriftsteller S o r i t s ch hat in den Archiven der ehemaligen zaristischen StaatskcmM einen interessanten Akt entdeckt, der ein charakteristisches Licht aus die Verhältnisse am früheren Zarenhof wirft. In diesem streng reserviievton Mt, dsr nun zum ersten Male veröffentlicht wird, lvrvd imrtgete'ilt, daß der Verband des russischen Volles, der seinerzeit uinter der Führung des >berüchtigten Arran-« gonrS der Judenprogronre, Dr. Dubrow'in stand, beschlossen! hatte, für die Töchter des Zaren eine Kuh zu spenden. Diese Spende rief aber eine gange offizielle, strc'Ng wserivate Kovvefponldeng hervor, die denr Mte beigelegt war. Auf die Mitteilung über diese oi^genartige Spende erhielt der Vorsitzende des Verbandes vom Privat-- sekretär der Zarin Alexandra Fedorowna folgendes Schreiben, das als ,-reserva^ bezeichnet war: ,>Auf nreinen Bericht, daß >der Vevbaind des russischen Volkes, Sektion Jaroslawl, beschlossen hat, für die a l I er h öch ste u T ö ch t e r de r Z a r i u e^ine Kuh zu. spenden, hat die Zarin Tllexandm Fodowwna nvir den Aulftmg gegeben, den Spendc-vn den allovhöchston Dank ausznfprechen und erklärt sich (bereit, diese Kuh a nz u n e h m e n, Die genaMtte M) muß unverzüglich vmn Gouvernoments-Vetorrnär untersucht ^werden. Das Resultat der Untersuchumg ist mir Md dam Palasttontimanbauten von Zarskoje Selo, dein General Peschkow, zu uwlden. Bevor aber die Kuh nach Zarskose Selo transportiert wird, Ulte mir und denr PalasÄontmandanEen mitMteülen, auswelchemStall bisse Kuh stammt, «welche Eigenschaften sie hat Md wer die Kuh «ach Zarskoje Selo begleiten wird. Graf R o st o w g e w, Sekretär der Zarin." Darauf erwiderte Dr. D u b r o w i «: Reselvai: ,Herr Graf! Die Kuh wurde van einem aderigen Gutsbesitzer gekauft, sie ist eine Musterkuh. Die Kuh wird nach Zarskoje Selo von drei treuen Staatsibiirgovn, Lykiu, Ehrjak uud Korublüt gebracht werden." Graf RvstotzviMv telegraphierte hierauf dem Ehef der Gendarinevieabteilung nach Jaroslawl und ersuchte, die politische Zuverlässigkott der erwähnten drei Bcglei>tpe.rsanen sestzttstellen. Der Chef der Gendavnierie leitete unverzüglich eine llutersuchnug ein und daMuf ging au den Sekretär -der Zarin nachfolgendes Telegramm ab: „Lykin. Chrjak, Kornblüt Politisch zuverlässig, nur Chrjak ist außer der gesetzlichenEhe geboren." Der Sekretär der .Za-vin, Graf Rostcwzew war durch die Mitteilung, daß ein a-ußerehelich geborener Manu bi« Schwelle des Zarenschlosses betreten würde, tief best ü r z t und richtete an den Regieren'den Senat fol^nde I Anstagc;

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