Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2191 (27.3.1925)
- Date
- 1925-03-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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. «* . ''ft.,-1 *■• «*£•' 'S <?*■ Nr. 2Ü91 Men, Freitag .- > .1111,1 ■"""■"".I mmm Agndos-Jffroel-Jn.qend.qruvpe 2. Bez.» wo eine Trauerversaumvlnng abqehalten und, sckbald es Nacht wird, Maariw gebetet wird. ' Rabbiner Josef Baumgarten sagte auch nachträglich, daß diejenigen, welche zwar seiner Arvfforderung Nachkommen wollen, aber tvegen ihrer körperlichen Schwäche nicht fasten können, eine Spende für den Keren Hathora als MlBse güben sollen. Es wird aurfmerffam gemacht, daß jeder Einzelne den Tan iß mekabel sein muß, indem: er am Tage früher bei Mincha am Schluffe der Schmonv-Esre das betreffende» in allen Sidurim stehende Gebet einschaltet. Erfüllet eure Pflicht gegenüber der heiligen Thora! * / Die christlichen Araber in Palästina hetzen zum AvbeitSstreA am Tage der UnivcrsitätSeröffnung, ihre in der Aguda vereinigten Gesinnungsgenossen hetzen ihre Jugend zum geistigen Streik an dem Jubeltag des gesäurten jüdischen Polkes. Die Aguda will, daß es in den Köpfen ihrer jugeMichen Nachbeter so finster werde, daß das Licht, das nunmehr wieder aus Zion auszuströmen beginnt, nicht in ihre verworrenen Köpfe dringe. Die Jugend soll fasten und beten, denn es droht ihr das große Unglück, das; Zion und nicht die Schiffschnl wieder tzer Mittelpunkt jüdischen geistigen Schaffens wird. Törichtes Beginnen! Mag sein, daß diese Jugend am Erew Rosch- Chodesch entweder fasten oder, lvas wahrscheinlicher ist, sich durch eine kleine Spende vom Fasten loskausen wird. Aber diese selbe Jugend, die die alten Agudisten zwangen, von der Bettelwirtschast der Chalusa in Erez-Jsrael zur Aufbauarbeit übepzugchen, diese selbe Jugend wird chrc alten Bevführer im Stiche lassen, wenn sie^ sehen wird, daß sie belogen und betrogen wurde, wie bisher in allen Fragen des Zionismus. Die iAgudaffvhrer dachten vielleicht an einen verräterischen Dolchstoß und rechneten aus die jubelnde Zustimmung aller gcheimen und offenen Judenfeinde. Das letztere werden sie vielleicht erreicht haben. Aber diese unjudische Kulturwödrigkeit tvird — wir sind überzeugt — auch im Lager der g-esetzestrenen Juden nur Abscheu und Mlehnuu-g ertvecken. Die amerikanischen Annexionen. Gin Protest der Liga für Menschenrechte. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 26. März. Die Liga für 2)! ensch c nteiljte hat an Herr! ot cm von dom Prästderrten der Liga, Prof. Ferdinand B u t f f o n, aulterschriebenes Memorandum gerichtet, in welchem die französische Regierung ersucht wird, die Angelegenheit der Besetzung der freien Republik Haiti durch militärische Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Nordamerika vor die nächste Tagung des VölkevbuiNdratÄ zu bringen. In den; W!e.rnorandnm wird ausgefühvt, daß die Ber- Linkten Staaten im Juli 1915 ein Geschwader nach der 'Insel Haiti sandten und ein größeres Marinodetachoment landeten. Weder die Regierung von Haiti noch eine politische Partei der Insel hatte die amerikanische Intervention verlangt. Es lag auch keinerlei Streitfall zwischen der Republik .Haiti und der Union vor. Trotz zahlreicher Proteste lder Regierung von .Haiti 'haben die Bereinigten Staaten bis ans den heutigen Tag die mMäwische Okkupation der Insel, die einer praktischen Besitzergveifuing Haitis durch die Bereinigten Staaten gleichkommt, nicht aufgehoben. Das militärische Regime der Bereinigten Staaten auf Haiti ist ungonrein streng. DaS K r i e g s r e ch t herrscht auf >der Insel, die össentlii-chon Freiheiten sind aufgehoben, d i e P r e s s e i st g e k n e >b e l t und zahlreiche Journalisten wurden eingekerckevt. Die amerikanischen BLsatzungstruppen haben 4m Verlaufe der zehnjährigelr Besetzung Haitis mehr als 3500 Einwohner der Insel hingerichtet oder getötet. Das Wrenwrandum Protestiert gegen diese flagrante Verletzung des Völkerrechtes durch die nordamerikanische Union. Die französische Rvgievung hat zu dieser Denkschrift der Liga für Menschenrechte bisher noch nicht Stellung genomnren. In Kreisen, ibie dom Quai d'Orsay nahestehen, glaubt man nicht an eine Aktion der französischen Regierung, da eine solche unter allen Umstanden die amerikanische -Empf'mdlichkeit reizen würde. Ueberdies halben die Bereinigten Staaten wiederholt erklärt, daß sie jede Einmischnngdes Völkerbundes in amnikänösche Angelegenheiten a l s u n f r e u n d l i ch e u A L t ansehen würden. Auch mit Rücksicht auf die Monroe-Doktrin ist ein -französischer Schritt in der Angelegenheit der Besetzung Haitis durch die Vereinigten Staaten als -nntvaihvsche-iGich anzufehen. klnschtiinkuug des Wahlrechtes in Aegypten. Kairo, 26. März. (Tel.-Komp.) Die Regierung hat eine Kommission ernannt, die mit -der Ausarbäung einer neuen Wahlvor lag e betraut wurde. Nach dem neuen Wahlgesetzentwurf sollen nur diejenigen ivalMerechtigt sein, die ein gewisses Minimum «au Vermögen besitzen. Die Regierung hofft, auf Grund des neuen Wahlgesetzes bei den nächsten Wahlen die Mehrh e i i zu erringen. ______ Angriff aus Maha. Kairo, 26. März. (Tel.-Komp.) Wie ge-nnüdec wird, haben die Wahabiten die Stadt A k a b a, wo früher König Hussein residierte, angegriffen. Die ägyptische Regierung hat Panzerautos an die Grenze gesandt, um die Wahabiten <m lle«lnwschreitett derselben zu hindern. Me«er Mor-emettu««. «e «Ritt «teiltet. Die verhaftrttn Lemberger jüdischen Bürger gegen Kaution fretzeWen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 25. März. Auf Beschluß des Le.mber.wr Appellationsgerich tes wurden gestern die im Zusanmwinbang mit der Attentatsbeschuldigung gegen Wladyslaw Steiger verhafteten Lemberger jüdischen Burger Iaeger, G l a f e r m a N «, Kornhaber -und M n n z. gegen' welche die Staatsanwaltschaft die Anschuldigung der Berloitung zu falscher Zeugenaussage erhoben hat, gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Eine grc-ste Menge erwartete die Enthafteten vor den: Gevichtsgebäu-de, um sie zu begrüßen. Mit Blumen beschenkt, begaben sie sich in Wagen in ihre Wohnungen. Aadtc leott ei». (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 26. März. In der heutigen Nachmittagssitzung der Sk >n ps cht i na gab. der Abgeordnete der Radic-Partei Superina zur allgemeinen Ueberraschung die Erklärung a«b, das kroatische Volk fei nicht mehr republikanisch gesinnt, denn es habe e-inge-sthen, daß in Jugoslawien nur die monarchische Staatsform möglich fei. Die kvoatvfch-repnblikanvsche Bauernpartei stehe in keinerlei Verbindungen mit dem Z^rsland und wünsche derartige Vc Endungen auch nicht. Diese Erklärn-ng, die offenbar vvne?lu-twort auf den Appell des Ministers des Innern Makstmovi: darstellen sollte, rief im ganzen Hanfe u -n g e h e n r e S e n -sation hervor. _ «aateteieu in bet tlmifche» Stammet. Rom, 26. März. In der Kammer erschien heute nachmittags vor Beratung des Budgets des Ministeriums des Aeußern zum erstenmal M i n isterpräfide n t M nssolini wieder in der Oeffentlichkeit. Der Ministerpräside-nt wurde bei seinen: Erscheinet: von der gesamten Kämmer ibegncht. Die Führer der Äa-mmeroPPosition, fo auch Salandra, beteiligten sich an >der Kundgebung. Mussolini, -der bleich a-ussah, -dankte wiederholt. In die Rufe „Hoch Mussolini, hoch der FasziSmuS!" misch-- ten sich indessen einzelne Ruße der Kornmuuiften „Hoch de r Komm u«is mus!". Unmittelbar nach der Kundgebung stimmten fünf bis sechs Kommunisten die Inter Nation al-e an, tvoraus einige Fa^szistm auf sie zustürzte-n. Es kanr z u e i n e m H a n d g e m e n g e. bei dem verschiedene fasziftische Führer zu vermittelt: suchten. Der kommunfftifche Abgeordnete Damen wurde dabei von dem Faszisten F e r u z z i aus den: Saale hinansge-drängt. Hiemuf hielt Kammerpräsident Casertano eine Begrüßungsansprache an den Ministerpräsidenten, in der er erklärte, >daß die GesU'Ndrrng Mussolinis ein Gefcheuk für das Vaterland sei. goffr abgeteift. Wie die Korrespondenz Herzog nnldet, ist der Gesandte der vusiischon Sowjetrepublik in Wien, Herr Adolf Io-ffe. gestern aiben-ds in dieirstlichen Angelegenheiten über Warschau nach Moskau abgereist. In feiner Vertrctn-ng wird der Legationsrat lder Gvsandifch'.fft, Herr I. K o c i u b i n s k Y j, die Agerrden führen. Ahrers Reite «ach Laudon. Nundesfinanzminister Dr. Älhrer tritt, wie gerneldet, lfei'Ne Reife nach Lorrdon morgen an. Wie verlautet, ist der Termin der Besprechung des Ministers nm dem Gouverneur der Bank von^ England Mr. Norman bereits!beftinrntt. Sie wird an: Mmrlag stattfinden. Der Mtfentihrlt des Ministers Dr, Ahrer in London wird einige Tag e dauern, Sntetnatfamale BethaMangen übet da» »etfichemnirwesen. Tie berens seit mehreren Jahren schwärende,: Ver-- lyarrdlungen nrit de-r: Staatsverwaltungen der R a chfolgestaaten, welche die Rechtsverhältnisse der privaten BersicherrmgSanstrlten -betreffen, dürsten -bereits in der allernächsten Zeit zu.m Abschluß gelangen. Das Ziel dieser Verhandlungen soll sein, die österreichisckien Vevsichevungsanstalten in den Stand zu 'setzen, die Ar:- fprüche ihrer Versicherten in den Nachfolgestaaterr in den dort geltenden gesetzlichen Währungen zu erfüllen, ohn-e 'daß hiedurch die wirtschaftlichen Verhält-mffe der Gesellschaften lm Jäland irgend eure Beei-nträcht-igung erfahren. D-ie Verl>rndlungen sind 'bewits so iveit fortgeschritten, 'daß ein zufriedenstellender Abschlu ß der BerevnbavmWn mit >den. wichtigsten in Betracht kommenden Nachfolgestaaten als sicher gÄvärtigt lverden Lrnn. Die mit der italienischen Staatsverwaltung bereits ab-geschlossenett Bereirübarungen dürsten demnächst zur parlamentarischen Ratifikation gelangen. Die abMießen- >den Peryandlnngeu mit der tschecho-slowakischen Staatsverwaltung sollen im April oder M a i dieses Jahres in Prag stattsindcn, wobei als österreichischer Vertreter der Bovstand des Versicherungsdeparte>rnents im Bundesümzleramt Ministerialrar OchSner mit der Führung der BerhgMungen betraut fein wird, S7. März 1«s_gtte 8, 9teue Mchwlchua^ mf let «ifeatoer Chicago, 26. Marz. Rach der gestrigen ausgiebigen Be« festigung an der Getreidebörse schwächte sich die Haltung wieder ab und die 8turse stellten sich teilweise sogar noch niedriger als vorgestern. Auch New-Aork und Winnipeg schloffen sich dieser Haltung ar __ Ae deutschen «nfttettangsnefclc. Berlin, 26. März. (Tel.-Komp.) Die Neichsregierunst hat heute die an gekündigter: Gesetzentwürfe in der Aufwcrtungsfrage dem Reichsrate, dem Reichstag und den: Raichswirtschaftsrat zugehen lassen. ES handelt sich um ein Gesetz über die Ablösung der öffentlichen Anleihen und über die Auswertung von Hypotheken und anderen privat rechtlichen Ansprüchen. Das Auswertnngsgesetz für die öffentlichen Anleiher: behandelt auf sieben Seiten in 58 Paragrapher: die Aufwertungspflicht nicht nur der Rerchsanleihen, fonderrr auch der Anleihe» der Gerneinden und Gemeinde verbän de. Die Markanleihen des Reiches, nck Ausnaihme der Zlvardgsanleihcu, werden in eine Anleiheablösung s f ch u l d des Reiches nrngewandelt. Das Ilmtauschverhältnis bewegt sich zwischer: 2,5 und 5 Prozent. Altbesitzer, die ihre Anleiherr seit dem 1. Jul: 1926 ununterbrochen besitzen, werden bevorzugt beharrdelt., Ans Grund dieses Gesetzes soll die Papiermarkschuld des Reiches, die über 70 Milliarden beträgt, in eine Anleiheablösungsschuld von 3,5 Mlliavden umgewandelt werden. Die Regierung hofft, daß ein Teil des Zinsendienstes ans den Erträgen der Reichsbahn werde gedeckt werden könnerr, »rem: die Reichsbahn ihre Reparationsverpslickirrnger: nach dem Dawes-Plan erfüllt habe. Die deutsch-voluischen Handelsvetttas»- Verhandlungen unterbrochen. Berlin, 26. März. (Tel.-Komp.) Da in den deutsch» polnischen .Handelsvertragsvechandlmrgen auch heute eine Einigung nicht erzielt Werder: konnte, hat die polnische Delegation Berlin verlassen Md ist nach Marschau znrückgekchrt, ragesbericht. Hugo Bettauer gestorben. SUrch sicbzehntägrger Krirnkheit. Der Redakteur Hugo' Bettauer, der am 10 d. in feinem Schreibzimmer von dem Zahnlicchn-iker Ott-o Rothstock durch fünf Revolverschufst schwer verletzt worden war. itz gestern früh nach oin-en: 17-tägigen Ringen an HerzlailMungestorben. Der Gesnndheitszrrstand Hugo Beltauers' -war vom ersten Tage seines Aufenthaltes im Allgemeinen Kran'ken-haus sehr ernst. Der starke Blutvevbust, Me Schnßverletzrmg iin: Bauch und die Lungenschustverletzung 'hatten den Gesundheitszustand des so kräftigen Mannes'arg gsschwmht. Dazu kan: noch 'der Umstand, daß Hugo Bettler Arrlagein zu einem -Fettherz hatte. In den letzten Tagen hatten die .Herde der Pne-mnonie, soweit man von einer solchen sprechen konnte, a-bgerrommen, doch bedmtete die Fistel der Bauchfpeicheldrüst noch eine Gefahr. Auch die dtacht auf gestern hatte der Patient gleich den vorausgogangenen verbracht. . Gegen 6 1H>r früh rrat jedoch eine Herzschwäche ein, man 'öerief den Jnspektionsarzt aus demr DienstzSunnrr, -der aber den Patienten schwer atmend und bewußtlos antraf. Rasch tvurden.Injektionen gemacht, nu: ei::e raschere Herztätigkeit zu erzielen, doch vergebens, wenige Minuten später verschied Hugo Bettauer. Die Leiche wurde tveirige Stunden nach dom Abstbenin das gerichtsmed:zinische Institut überführt, tvo die Weisungen der Staatsanwaltschaft, die Obduktion betreffend, abgewart-et Werder:. Die ^Obduktion dürfte in: Laufe des heutiger: Tages -vorgenommen toerden. Die \\ntersuchultg in der Straf-fa che des -ltten° i ä t e r Z R o t hst o ck wird nunurehr, -ba Bettauer an den Verletzungen gestorbenist, in der Richtung des. gemeinen Mordes rveitergefschrt tverdon. Ilntersuchrrilgsrichter ist Dberlandesgerichtsrat Dr. Kat l ein, die Staatsanwaltschaft wird durch Hofrat B u f ch e k verirrten. Der Attentäter wird vermlitlich einer psy chiairische n U r: t e r s u ch n n g nnterzoger: werden. Seine Verteidigung hat der hakenkr'?'.lffevischo Rechtsanwalt Riehl übernommen. Der Prozeß wird nunmehr nicht vor 'den Schöffen, sondern vor den: S ch w it r g e r i ch t durchgeführt Üverden; da die Klage auf Mord erhoben wird, 'haben die Geschwür n e n das Urteil zu sprechet:. Selbstmotd Professor Fullettoor. Aew-Nork, 26. Atärz. (Tel.-Komp.) Prof. Georg- Stuart Füller ton, einer der be-kanntosten Philosophen Mverikas, hat gestern in feiner Wohnung Selbstmord dur ch Er h ä n g e n verübt. Er stand im 66. LebenSjahve. Prof. Fullertm: gelvam: europäischen Ruf. als er in der: Jahren vor dem Kriege als Austaufchprostsior zu Universitätsvorte-sulMn nach Deutschland und Oesterreich kam. Im -Jahre 1913 wirkte Prof. Fullerton a n der Wiener U n i v e r s i t ä: -n»b wurde in Anerkennung feiner Verdienste im -Jahve 1914 von Kaiser Franz .Jostf