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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-27 · Heft 2191 (27.3.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2191 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Geile r Dien, Freitag das gleichfalls des Zentrums seiner Kultur und historischen Uoberlieferungen verlustig geworden ist. Sch.m ans d-eiam <Äounde entbietet die junge litauische Universität, die die Hoffnungen des jüdischen Volkes begreift und mitempfindet, int Namen des litauischen Volkes wie auch im eigenen Namen die herzlichsten Glückwünsche für den neuen Tcmpelder Wissenschaft in der berühmten David« ttadt, tvo einst die Weisheit Salomos tneithin glanzte und die jüdische Kultur jahrhundertelang ihren Mittelpunkt hatte. Tic Adresse trägt die Unterschriften des Rektors Butschis, Prorektors Awischanis und der Dekane sämtlicher Fakultäten einschließlich der theologischen Fakuttäl. Die SbenMimr von Rom und Warschau. Jerusalem, 25. März. Als Vertreter der italienischen Juderrheit ist der Oberrabbiner von Rom Tr. Lacerdoti hier angekommen. Mit ihm reiste als Vertreter der italienischen zionistischen Föderation Pros. Dante Latles. re i t a 1 i« n i s ch e n U n i v e r s r t ä t e n haben zur Eröffnungsfeier herzliche Begrüßungsschreiben gesandt. - -lus Warschau trafen hier Oberrabbiner Professor T ch o r r und der Vorsitzende des Zionistischen Zentralkomitees, -Herr Leon Levite, ein. Studentische Abordnungen. Zur Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem entPndet der W e l t v e r b a n d der j ü d i s ch e n t u d e n te n s cha f t eine Abordnung, bostohend aus dem Vorsitzenden der Exekutive Tr. Lauter hach (London), den Exekutivmitgliedern Dr. H i r s ch h o r n und H. B e l L o (Wien) sotvie aus vier Vertretern der Landesverbände. Dis Abordnung wird von 143 jüdischen Tradenlen aus -zwölf Landesoerbänden begleitet. Dem Bureau des Verbandes der jüdischen Studentenschaft wird aus Jerusalem mitgeteilt, daß sich dort die erste Organisation jüdisch er Akademiker Palästinas „Ägudach Talmi-- des ha Urriversita ha Jbrith" konistituiert hat. Die Organisation wird dem Meliverband beitreten. Arls Warschau stnd am 22. März die Teilnehmer an der wissenschaftlichen Exkursion für Palästina in der Zahl von 40 Personen a-bgereist. Zum Abschied im Bahnhof halten sich Hunderte jüdische Studeuien eingefunden. In Triest werden sich die Teilnehmer den st u d e. n t i s ch e n Abordnungen aus anderen' Ländern anschließen. ■. ■ Eine Kundgebung der fosfaien Bereinigung Wischer Berate. Die soziale Vereinigung jüdischer Aerzte hielt gestern anläßlich der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem eine Fe st Versammlung ab, in der Prof. Dr. Ehrmann eine lebhaft akklamierte Ansprache hielt. Er bezeichnete die Universitätseröffrrung als säkulares Ereignis, da es gelte, dort wieder anzukrvüpferi, wo man vor mehr als 2000 Jaihren abgerissen har. Er besprach dann die Zukunft und die großen Arboitsziole dieser Universität. Das Institut werde die eigerrtümiliche Beschaffenheit des Landes ltnb seiner Umgebung zu ergründen ^haben, ferner würde ihm die ethnographi s ch e Erforschung seiner Nachbarvölker zurfallen. „Die Arbeit der Gelehrten," sagte Prof. Chr.ma.nn, „die sich mit idealem Studium befassen, wird an dieser Anstalt leichter und gründlicher von Men-« schen getan werden können, welche die Sprache, die Vorbedingung zum Studium, bereits von Kindheit an erlernt halben, als von Männern, die sich erst im reifen Alter mit der Sprache beschäftigt 'haben. Die Ausführungen des Redners wurden von den in großer Zahl Erschienenen mit großem Beifall ausgenommen. Die Versammlung nahm einstimmig ein überaus herzlich gehaltenes Begrüßungstele-- g r a m m an. Hierauf hielt .Herr Dr. Jaikob Friedmann aus Palästina einen interessanten Vortrag'über das Aerzte- und Sanitätswesen in Erez Israel. Zum Schlüsse sprach Dr. Gustav Iellinek über allgemeine Aerztefragen. Die Wiener Gesellschaft der Aerzte. Als Vertreter der Wiener Gesellschaft der Aerzte ist deren Vizepräsident Uni-versitätsdozent Doktor Rudolf Strisower gestern zur Feier der UnivevsitätScröffnung nach Jerusalem aibge reist. * Der Verein Ttkivath Jehuda, 8. Bez., Bennoplatz 1, hat in feiner letzten Wochenverfammlung am Mittwoch «ine Kundgebung für die hebräische Unidevsrtät in Jerusalem veranstaltet, bei der der Vorsitzende Herr Dr. Alfred Loewy in einer Ansprache die Bedeutung des IlniversitätSwerbrs für die gesamte Judenh-oit würdigte. Ter Verein hat ein Begrüßungstelegramm zur Eröffnungsfeier abgesandt. Sine Feier i« Linz. Die jüdisch« Äuliusgemeinde in Anz veranstaltet anläßlich der Universitätseröffnung am 31. Marz um 7 Uhr albends im Tempel zu Linz eine Festfeier. An diese schließt sich ein von der Keren-Kajameth-Kommission und der Ke ren-Hasessod^Kommissi-ou von Lmz veranstaltetes Festbankett, * Sie Araber an Den BSlkerboad. Lsudo«, 26. März. (Teil.-Komp.) Aus Jerusalem loich gemeldet: Heule hielt in der O m a r m o s ch e e, die von einer ungeheuren Menschenmenge erfüllt war, der Scheich Muzger eine heftige Rede MW Lord Balfour. Wiener Mornenzettunst. 27. März IMS Nr.tt« Me nächsten Phase» des Aufbauwerkes tu ßrez Israel. Aeuberungen Sr. Weizmann». Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation. Dr. Chaiim Weizmann, geuvibrte unmittelbar vor seiner am 6. d. erfolgten Abreise dem I. T. A.-Vertreter eine Unterredung, in deren Verlauf er toc nächsten Ziele der zionistischen Bewegung skizzierte. Er sagte: Die Behandlungen mit den Vertretern der amerikanischen Judenhcit über deren Eintritt in die Jewish Agency sind nun positiv beendet. Es wird der nach st «Schritt der Z i o n i st i s ch e n Weltorganisation feilt, mit den jüdischen Gemeinschaften' in den derschi-edenen europäischen Ländern.- die auf. die Entscheidung der amerikanischen Judenheit warteten, in -Verbindung zu treten und konkrete Vorschläge bezüglich deren Teilnahm? an der Jewish Agency zu formulieren. Ist dies beendet, dann wird das von der Zionistischen Exekutive eingesetzte Komitee gemeinsam mit dein Louis-Marshall-Konritee das Projekt einer K o n st i t u t i o n der Jew ish Agency auf der von allen Beteiligten bereits gebilligten Basis rasch auszuavbeiten haben, worauf dann die neue Jewish Agency ihre Funktionen wird beginnen können. Selbstverständlich, setzte Dr. Weizmann fort, wird die Verfassung der neuen Jewish Agency durch den ZionistiHen Kongreß ratifiziert werden, müssen. Es wird ' darum noch einige Zeit vergehen, bis die Jewish Agency in die Lage kommen wird, gemäß den kostitutionellen Linien zü funktioniere u. Inzwischen soll die Arbeit im Zusammenhang mit der gesteigerten jüdischen Einwanderung, der Befestigung der jüdischen Position im Lande, der Wahrung der geistigen Schätze der wachsenden Gemeinschaft, der Forderung des hebräischen Kulturwerkes getan werden. Palästina wird hauptsächlich ein Ackerbaulünd «fein, setzte Dr. Weizmann fort. Es ist klar, daß, wenn die jüdische Einwanderung - hier ttv die Fußstapfen jener Einwanderungsgemeinschaften- ' in verschiedenen Ländern treten sollte, die u n t e r b « m D rucke d e r N ö t regellos entstanden sind, wir dann in die-gleichen. Verhältnisse kommen, die den Untergangs jenev- Gemeinschäften hetbei- ' geführt haben. Die jüdische Gemeinschaft Palästinas, die auf der Jdealbasis einer nationalen Renaissance sich'.- gründet, muß fest auf dein Boden stehen unddie landwirtschaftliche wie die kulturelle Renaissance einschließen. Während die Städte nach kulturmdustrieller und Handelsherrschaft streben, sichern die umgebenden Dorfgememschaften die Zukunft und die Selbsttätig k e i t der Kultur- und Handelszentren. Das ist einleuchtend. Die Zionistische Organisation, die die Pioniere auswählt und den passenden Typ für die Landansiedlung sucht, ist nicht iveniger darauf bedacht, jenen Elementen, die technische und industrielle Erfahrung sowie Kapital besitzen, den Weg zu bahnen. Für sie hat die Organisation eine In du st riebank errichtet, die ihnen Kredite gewährt. Die in Amerika begründete Economic Corporation wird unzweifelhaft - von ' sehr großem Werte für dies« Elemente sein und wird Möglichkeiten schaffen, daß sich, in Palästina eines der größten'i ndustrieklen Zentren des nahen Ostens entwickelt. Ich halte die Angst mancher Zionisten, daß das Here'mströmen von Angehörigen der DAttelklasse, die die Gewohnheiten der Diasporaländer ertvorben haben, den ,HebräisierungS- Prozeß" stören «werden, für übertrieben. Die Atmosphäre nationaler Wiedergeburt ist in Palästina so vital, daß sie auch diese Neuankömnüinge absorbieren wird. Größere Aufmerksamkeit muß den Möglichkeiten wirtschaftlicher Absorption gewidmet ivcrden. In diesem Zusammenhang sind manch» damit beschäftigt, zu untersuchen, in welcher Form die Kiwuzoth, die landwirtschaftlichen Kooperativsiedlungen, den besten Erfolg versprechen. Die Diskussion geht darum, ob dir kooperative oder die kommunistische Form vorzuziehen sei. Die Organisation gewährt den Kwuzoth Unterstützung, indem sie diese als ein« Uebevgangsstuse in der Entwicklung betrachtet. Die Erfahrung lehrt, daß der junge Chaluz, der aus anderen sozialen Bindungen und aus einer gewissen Stufe des Komforts in die Kwuzah eintrifft, sich dieser gern anpaßt. Ob diese Form der Siedlung bleiben wird, hängt von ihrer wirtschaftlichen Realisierbar!« it ab. Jedenfalls mutz die Lösung den Arbeitern selbst überlassen werden, die Lösung muß von innen komme«., Aus di« Frage, wie sich die Zionistische Organisation zur Neube-setzung des Oberkommissariats verhält, erwiderte Dr. Weizmann, die Besetzung des Oberkommissariats sei vollständig der britischen Regierung überlassen. Die Zionisten stehen der Frage des Weiterverbleibens Sir Herbert Samuels wohlwollend gegenüber; sie hegen aber auch das volle Vertrauen zur britischen M a ch t, daß sie die Nachfolgeschaft Sir Herbert Samuels einiom Manne anvertrauen wird, der die Vorschriften des Mandats im Geiste Sir Herbert Samuels treu durchführen wird. Di« Frage über die katholische Opposition beantwortet« Dr. Weizmann wie folgt: Er glauoe, dis katholischen Kreise Palästinas informieren die V a ti k a n k r e i s e falsch über die Lage in Palästina. Während der letzten Session der ständigen Mandatskommission in Genf waren die Katholiken noch einig in der Bekämpfung des Zionismus. Seitdem aber di« Frage der Heiligen Stätten ganz außerhalb der Sphäre des jüdischen Einflusses, gerückt ist und diese Stätten ganz denr Schutze des Völkerbundes unterstellt sind, bestehen keine Reibungsflächeu mshr zwischen dem Zionismus und der katholischen Po^. Rtif; es sei darum zu hoffen, daß -wischen den katholischen Machten und den zionistische! Führern eine Versündigung erreicht werden und der auf falschen Voraussetzungen beruhenden dlgitation ein Ende gemacht wird. Die Verhandlungen mit den Führern der jüdischen Arbeiterschaft in Amerika, sggte Dr. Weizmann, haben die Sicherheit erbracht, daß diese sich au der Palästinaarbeit beteiligen werden, sobald es feststeht, daß der praktische Aufbau Palästinas helfen wird, das Problem der jüdischen Emigration zu lösen. na Hwmsmaai HHBWBl smiiBmgammum Nachdem er die Politik Balfours einer scharfen Kritvk unterzogen hatte, erklärte er. das einzige Mittel, gegen diese Politik auizukämpfen, bestehe in der Bildung einer geschlossenen Front der C.hristen und Motz a m m e d.a n er Palästinas. Doch dürfe man keineswegs die KältMütigkvit verlieren und. müßte.sich vor Gewaltakten hüten. Schließlich forderte der Scheich die v e r s a m m e l t e n Araber auf, an die. eingewanderten Juden kein L a nd zu verkaufen, da sie sich sonst der Gefahr auöfttzen würden, eines schönen Tages aus ihrem Vaterlande vertrieben zu werden. Tie paläst'meusischen Araber ^ben, wie der Scheich mitteilte, einen Protest an den Völkerbund gesandt, in dem der gesäurten Külturwelt mitgeteilt toi«bf, daß die Araber Palästinas entschlossen seien, für ihre Sachs bis zum Tode qu kämpfen. Jüdische Anttsemiten. Gin Flugblatt der Aguda. Das folgende Fluablat! wird leit gestern in Wien verhreiret: Mitteilungen dev Agudas-Zisroel-Jugend« gruppen Wiens. Der Protrit der Wiener Orthodoxie -eaen die Erössnuna der Jerusalemer Universität. -Lchabbos P-arschor „Wajakheil" hielt Rabbiner Joses . '8 a u nt 3 a t i e n w:c ae-wöhnlich in der Jugendaruppe eine Drei6)o. In ernreifeubon Worten Ciapt? er über dje Gleich'- «iilttniüeit der jüdischen Ooisentlichkeit, di« ohne ein Wort deS Protestes ^usicht, wie m Jerusalem, der he,lligen Sticht, eine Universität eröffnet wird. Auf der Stelle, von der in allen Zeiten ein Kiddnsch Haschem ausgehcn sollte, wird eine Hofburg deS Apikovses ervichtet. Auf dom Platze, wo noch heute die Schechina thront, soll eine Feste des Abfalles geba-ut und mit einem Freudenfest der betörten jüdischen Massen eröffnet werden. Trauriger als die Tatsache, haß diese Univevsität auf heiligem Boden gebaut wird, ist es, daß dieser Shllul Hcrschem mit solchem Pompe gefeiert wird und trauriger als dies ist eS, daß das jüdische Volk schon derart in seinem geistigen Niedergang abgostninipst wurde, daß es schwe-igt, statt seine Stimme mit Macht und flammendem Protest m erbeben, und daß eS nicht über die nicht endenwollende Kette seiner geistigen Erniedrigungen klagt und schweigt. Obwohl Rabbiner Josef Baumgarten sich äußerste Zurückhaltung auserlegte, um die Zuhörer am Schäbbos Kaudesch nicht Irgurig zu stimMen, quollen seine Worte mit solcher Ergriffenheit aus den Tiefen seines Herzens, daß man in den Angen der meisten Anweisenden Tränen.sah. Er forderte alle seine Talmidim und FMnde. die seinen Worten folgen sollen, auf. Mittwoch. Eros Rosch-Chodesch Nissan, als Fasttag zu begchen und Tehilim zu sagen. Am Tage der Eröffnung seihst kann man nicht fasten, da al Pi halacha dies im Nissan verboten ist. Die hiesige Jugend wie a-nch die übrigen orthodoxen Kresse, denen der Schmerz über dieiseS beschämende Ereignis der Entweihung des heiligen Jerusalem, schon lange im Herzen brannte und nur ans ein Zeichen der Führer wartet«, hat diese Anregung mit Begeisterung ausgenommen. Auch andere vabhinische Autoritäten schlossen sich dem Proteste an. AuS den Aeußernngcn. die man in allen Kressen über dieses überall erörterte Thema hört, spricht die allgemeine Znfriedenheit. daß endlich gegen dieses Verbrechen am Mischen Geiste Stellung genonrmen wird. Die in den Aguda-Jugendgruppen Wiens organisierte Jugend wird, um den Protest wivkungSvoll zu gestalten, einmütig am Mittwoch, Crew Roisch-EhÄe-sch Nissan lsy. Mäm), der Aufforderung. M fasten. Folge leisten. Sie wird sich um halb 4 Uhr nachmittags im Bech Hamidrasch. 2. Boz.. Große Schiffgasse 8. versammeln. Ml gemeinsam Tillem zu sagen. Dann wird dort Jom Kippur-Keten und Mincha gebetet »nd wajchal ae. leint. tiOtfox WW W» sich m dg» «ahö^legene. LM her

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