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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-27 · Heft 2191 (27.3.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2191 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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4 e. r^2J£j«2SL2£2!2ll Wi eir: Zum Abholen ln det Expedition, ll„ Taborstr. 1-3, oder ln feiner Verschleisstelle 'Trafiki monatl* 6 Schilling Strassenvcrkaui in Wien durch die Kolporteure der Finna Goldschmied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling T sch ccho - Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bet P r e I «- erhfihnneen Vorbehalten Wiener MM,'ip,1MMil»i-q STRUM azzothz 1 > Preis 20 at 5 sind die besten *Vl g 5 r, Bezirk, Roientierngane 1t g 2 Telephon 47-7-17 Es Erzeugt unter der Aufsicht des a Z weltberühmten orthodoxen Ober- 3 rabblnere CHAIIH IIZCHAK S 5 JERUCHEM aus Altstad . 3 liiiiiiHttiiiiiiiimiiiiiiitiiiimiiiiiiniiiiiiitäj England: Mon. 4 Schilling, Hai i en: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, n.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43*3*19 Ab 6 Uhr: 21*102, 25*2*82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) »r. 2191 «len. Freitag. 27. Mr» 1929 Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.69C 7. saftraang Weshalb der Lärm? —y. Wie». 27. März. Die weltpolitische Bedeutung der Jerusalemer freier steht heute fest. Die Augen des jüdischen Volles sind in diesen Tagen auf das Land gerichtet, das ihm so lange fern war und ihm nun näher gebracht wurde. Aber auch die nichtjüdische Welt, soweit sie an Fragen der Kulturarbeit und Kulturpolitik interessiert ist, Hai sich intensiv mit Palästina zu beschäftigen. Sie steht vor der Tatsache, daß das jüdische Volk seine Arbeit, sich eine nationale Heimstätte zu bauen, mit einem Werk einleitet, das sein hohes ideales und geistiges Streben so sichtbar demonstriert, daß niemand es mißverstehn! darf. Die Agitation, die seit dem Beginn unserer systematischen Arbeit gegen uns betrieben wird und sich in den letzten Tagen'zu einem Generalsturm ausgerafft hat, trifft uns nicht. Sie kann uns nicht hindern und sie wird ihren Zweck verfehlen. Sie ist darauf angelegt, sabotagelustige Elemente, die sich hie und da im Judentum finden, Finsterlinge und sonstige unentwegte Assimilanten zu stärken und der großen Schar der „objektiven Zuschauer" einige Augenblicke eines wonnigen Gruselns zu verschaffen. Im übrigen kann man ruhig zur Kenntnis nehmen, daß die Zeitungsmeldungen, die in den Galuthländern zirkulieren, in Erez Israel nicht in den Galuthländern zirkulieren, in Erez Israel nicht gelesen werden, daß sie also dort nicht in dem so herzlich gewünschten Paniksinn wirken können. Aber sie haben das Gute, daß sie alle Aufmerksamkeit auf Palästina dirigieren. Es sind zwei Dinge festgestellt worden: Die'jüdische Arbeit und die nichtjüdische Gegenmine. Wer heute von dem arabischen SEeif, von den. Panzerwagen und Maschinengewehren, von den Demonstrationen liest, der muß doch nach der Ursache dieser Aufregung fragen. Und da stellt es sich heraus, daß die hebräische Universität der Anlaß einer so raffiniert arbeitenden Propaganda geworden ist. Die Araber — heißt es — empfinden diese Feier als eine so tiefgehende Verletzung ihrer nationalen Empfindungen, daß sie sich zu einem Generalstreik und zu einer Trauermanifestation entschlossen haben. Was kann sie, fragt, der Unbefangene, an dieser Bildungsstätte stören, die nach dem Plane ihrer Schöpfer allen im Lande Lebenden Nutzen bringt und die als Institution der Kultur und der Humanität gar nicht anders angelegt werden kann? Das chemische, medizinische, mikrobiologische Institut, die Abteilung für jüdische Geschichtsforschung sollte berechtigte Interessen der Araber verleben können? Wem kann man das Iveismachen? Es glbt in Erez Israel bereits ein Technikum, jüdische Volksschulen, Mittelschulen streng hebräischen Gepräges. Wo ist der Schaden, den die arabische Kultur, die arabische nationale Wissenschaft durch diese Anstalten erlitten bätte? Die Erregung der Araber wäre allenfalls begreiflich, wenn die Juden in Jerusalem eine Kaserne gebaut hätten als Symbol ihres Willens, die Landesbrüder zu unterjochen. Es gibt keine Kaserne, keinen Unterdrückungswillen. Es ist das jüdische Volk, das in Erez-Israel erscheint, und dieses Volk hat zur Genüge erfahren, was Kasernen und Gewissenszwang bedeuten. Die Zionisten haben die Malaria bekämpft, die Sümpfe trocken gelegt, sie forsten die kahl gewordenen und abgeschwemmten Höhen auf, sie ziehen Straßen und wandeln die Wasserkraft des Jordan in elektrischen Strom um. Das sind Taten, die doch auch den Arabern zugute kommen und von denen vor dem Einsetzen der zionistischen Tätigkeit keine Rede war. Wenn die arischchristliche Welt, die heute samt den jüdischen klerikalen und freisinnigen Antisemiten von Synrpathie für die unterjochten Araber und von Haß gegen die provokanten, heiligtumschänderischen Zionisten überfließt, ihre Kulturmission bedenkt —Iveshalb hat sie denn das alles nicht getan nicht die Araber gelehrt, was die Zionisten heute tun und unter den Augen der arabischen Fellachen durchführen, jener arabischen Bauern, die in Gegenwart der ihnen so zugeneigten Kulturwelt früher von den türkischen Paschas, heute von den Efendis ausgeplündert werden? Hinter der Propaganda versteckt sich das böse Gewissen und die herzerweichende Angst vor dem lebenden Beispiel, das diese arabischen Opfer des Wuchersinnes täglich durch die zionistische Tätigkeit erhalten. Es ist ein ungeheures Stück sozialer Aufklärungsarbeit, das die Zionisten leisten und das in Zukunft sich durch die jüdische Universität noch weiter ausbreiten wird. Deshalb die Hetze und deshalb die Erzeugung künstlicher Erregung in einer Bevölkerung, die sich nach Zusammenarbeit mit der jüdischen Kultur seW. Balsour in Jerusalem. Bor der llniverMsseler. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 25. März. Lord Balsour ist, wie schon telegraphisch berichtet, vormittags hier angekommen. Mit. ihm traf Viscount Lascals, der Schwiegersohn des .Königs von England, in Jerusalem eilt, der Balsour von Neapel an auf dem Dampfer „Hesperia" begleitet hatte. In Neapel empfing Lord Balsour eine jüdische Abordnung, die chm den Dank für die Balfour-Deklaration aüssprach. Lord Balsour erwiderte, Großbritannien unterstütze den Zionismus, weil er nicht allein den Juden, sondern 'der ganzen Welt zum Segen gereicht. Die hebräische Universität in Jerusalem Svird ein intellektuelles Ze ntru in für die ganze Welt werden. Balsour war von Kairo mit der Bahn nach Erez Israel gefahren. In L u d d verließ er den Zug. Dort melkte sich der erste Sekretär 'der Palästinaregierung Sir Gilbert Clayton sowie die Mitglieder der Zionistischen Palästinaexekutive. ■ Balsour und W e i zman n bestiegen scdann ein Autoinobil, das, eskortiert von berittenen Gendarmen, nach Jerusalem fuhr. Im Laufe des Tages fanden in Jerusalem verschiedentlich Demonstrationen der chr istlichen Araber stakt, doch wurde d i e R u ui rg e n ds ge st.ö r t. , Eind Esikadrön des' 9: Lünzierregimonts, die im Dezember nach Aegypten verlegt worden lvar, ist hier eingetvoffen. Die G e ne ra l st re ikpa r ol e hat s i ch nicht durchgesctzt. Ein großer Teil der Araber ist bei der Arbeit geblieben. Die Demonstrierenden tragen schwarze Schleifen. Weirmaun wird die Universttöt eröffne«. Jerusalem, 25. März. Den feierlichen Akt der Eröffnung der Universität wird Präsident W e i z m a n n Vollziehen. Der Oberkommissär für Palästina Sir Herbert Samuel wird sodann im Namen der Regierung die Ansprache halten. Die Rektoratsrede wird L o r d B a l f o u r s p r e ch e n, der die Würde des ersten Rektors der Universität bekleiden wird. Sie Vertretung der österreichischen Regierung. Ein Schreiben des Bundeskanzlers Doktor Ramek. Der österreichische Bundeskanzler Dr. Ramek hat, wie wir erfahren, an den Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, Herrn Dr. Jakob Ehrlich, das folgende Schreiben gerichtet: Bundeskanzleramt, auswärtige Angelegenheiten. Wien, am 25. März 1925. Ihre liebenswürdige Einladung, einen Vertreter der Bundesregierung zu der am 1. April d. I. stattsindcndcn Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem zu entsenden, habe ich zu empfangen das Vergnügen gehabt. Ich danke Ihnen namens der Bundesregierung für diese Einladung und teile Ihnen mit, daß ich den österreichischen Generalkon'ul in Alex a n d r i e n, Herrn D r. Walter Strotz, telegraphisch beauftragt habe, als Vertreter der Bundesregierung an diesem denkwürdigen Fe sie des Jndenvolkes teilzunehmen. Ich will es jedoch nicht unterlassen, auch Ihnen, Herr Präsident, meinewärm sie »Glückwünsche zu dem für das jüdische Volk so außerordentlich bedeutsamen Ereignis zu entbieten. Ich bitte Sie, Herr Präsident, diese meine Glückwünsche auch zur Kenntnis hex Londoner Exekutive der Zionistischen Weltorganisation zu bringen und dieser sowie den Veranstaltern der Festlichkeiten in Jerusalem die Bestellung des Herrn Generalkonsuls Dr. Strotz zum Vertreter der Bundesregierung bei der Eröffnungsfeier anzuzeigen. Empfangen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung. Gezeichnet: Ramek. Me Latareumeldungen. » Das Zionistische Landeskomitee versendet das folgende Coumiunique: Hiesige Blätter verbreiten Nachrichten eines Pressebureaus, wonach in Palästina anläßlich der Anwesenheit des E a r l o s B a l s o u r Unruhen ausgelbwchen sind. Nach den uns zugekommeuen Nachrichten wurde Lord Balsour von der gesamten jüdischen und einem großen Teil der nicht jüdischen Bevölkerungbegeistertempfangen. Die verbreiteten Schreckensnachrichten über eine B oykottbewegung der Araber und über sonstige Unruhen entsprechen nicht der Wahrheit, und sind maßlos übertrieben. Es erübrig sich zu betonen, daß diese Nachrichten von antizionistischer Seite hervühren und durchwegs tendenziöse Entstellungen sind. 22 llniversttöten vertreten. London, 25. März. Ms I zum 21. März hatten 2 2 U n i v e r s i t ä t e n aus allen Ländern der Welt die Entsendung von Vertretern zur Eröffnung der hebräischen Universität angekündigt. AegMuug durch die Wiener UuiverWt. . Im Namen der. Wiener Universität hat der Rektor Hofrat Prof. Dr. Sperl die folgende Begrüßung - gesendet: ' An das Komitee der hebräischen Universität in .Jerusalem, London W. C. I. 77 Great Russell Street. Für die freundliche Einladung zur feierlichen Eröffnung der neuervlchteten hebräischen Universität in Jerusalem beehre ich mich, den verbindlichsten Dank auszusprechen. Da die Wiener Universität unter den gegenwärtigen Verhältnissen noch immer nicht in der Lage ist, Deputationen ins Ausland zu entsenden, ersuche ich namens des akademischen Senats sowie im eigenen Namen, die herzlichsten Glückwünsche unserer Hochschule aus schriftlichem Woge entgegennchmen zu wollen. Der Rektor der Universität in Wien: Sperl m. P. Me AegMunssadreffe der Manischen Universttöt. Ms Kowno iwtb uns berichtet: Die künstlerisch ausgestattete Begrüßungsadresse, die, wie bereits geistern gemeldet, Prof. A w i s ch a n i s als Delegierter der Kownoer Universität in Jerusalem überreichen wird, lautet (mit einigen Kürzungen) folgendermaßen: Die großen geistigen Schätze, die das vielgerühmte jüdische Voll besaß, wurden von ihm in die ganze Welt getragen. Die Uoberliefevungen und Schöpfungen feiner Propheten und geistigen Größen bildeten die Grundlage für die geistige Kultur der neuen Zeit. Aber Vertrieben und zerstreut über die ganze Welt, war das -Judentum gezwungen, während zweier Jahrtausende das Wissen aus fremden Brun neu zu schöpfen und einen großen Teil seiner besten geistigen Kräfte auf d e m A l t a r des Ruhmes und. de s Reichtums fremder Kulturen zu opfern. Es kam jedoch die Zeit, da das Volk Israel sich bestrebt, im Laude seiner Väter, in welchem bloß ein kleiner Teil seiner Volkskinder zurückgeblieben war. seine Unabhängigkeit aus allen Gebieten des Lebens zurückzuerlangen. Die hebräische U niversität krönt dieses SirDen und befestigt die Unabhängigkeit des zu neuem Loben' erwachenden Volkes in dem Lan'de, wo noch bestehende Denkmäler seine einstige, mit Tränen und Blut erworbene und verteidigte Freiheit und seinen Weliruhm verkünden. Das Volk Israels erhält wieder sein historisches Recht, als wollte die ganze Welt sich bemühen, für die ihm zugefügten Leiden während der langen Jahrhunderte ein Entgelt zu bieten. . Dieser Sieg des jüdischen Volkes findet einen besyntzers tiefen Widerhall im Herzen des litauischen B % Sr*. t. ‘-.„Hl—-Ttf YTi VfflMwasflTrf-ir?

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