Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2190 (26.3.1925)
- Date
- 1925-03-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Donnerstag Nr. S190 FarMenfefte. Rom, 25. März. (Wolfs.) Erst die heutigen Blätter 'bringen di« Meldung» daß am letzten Sonntag gelegentlich einer Gründungsfeier der Schwarzhemden in Jkenza etwa 2 0 Personen verwundet und verprügelt worden feien, weil sie nicht rechtzeitig vor dom Festzug den Hut gelüftet hätten. Nach dem Festzug stürmten die Schwarzhelndeu die Vereins lokale und drangen auch in die Privatwohnu n gen ihrer Gegner. Im katholischen Verei-nslokal wurde alles kurz und klein geschlagen. Die Auswanderung aus Italien hat sich verdoppelt. Rom, 28. Marz. Der Kammerausschuß hat gestern ädends das Zusatzabkommen zum Handelsvertrag mit Oesterreich angenommen. Morgen -beginnt die Kammer in Gegenwart Mussolinis die Beratung des Budgets des Aeußern. Der Referent Aibg. Derre bespricht in seinem Bericht insibesondeve die A u 's w a n d e r e r f r a g e sowie die Notwendigkeit, ^ie Luftflotte weiter zu verstärken. Der Bericht hebt hervor, daß der größte Teil der Auswanderer nach Frankreich gehe. Die Auswanderung dorthin habe ine Vermehrung um 50 Prozent erfahren. Per preußische StaatsbanMandal. Verhaftung eines Rechtsanwaltes. Berlin, 25. März. (Wolfs.) Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde im Zusammenhang mit dem Falle Kutisiker Rechtsanwalt Dr. B e p verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis abgeführt. Der Verhaftung war eine Hausdurchsuchung in der Wohnung und in den Bureaus des Rechtanwaltcs vorhergegangen. Dr. Bep steht im Verdacht der Berdunkelung zugunsten eines seiner Klienten, des gleichfalls in Untersuchungshaft befindlichen früheren Beamten der Staatsbank K e r st e n, für dm er angeblich aus dem Untersuchungsgefängnis die Beförderung von „Kassibern" übernommen haben soll. Blrmarü-Bund und Stahlhelm. Berlin, 25. März. (Tol.-Komp.) In der vergangenen Nacht kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Angehörigen einer rechtsradikalen Organisation und der Polizei. Etwa 40 junge Bismarck-Bündler hatten Straßenpassanten belästigt. Als die Polizei eingriff, versuchten die jungen Burschen zunächst Widerstand zu leisten. Schließlich gelang es der Polizei, die Verstärkung erhalten hatte, 21 der jungen Leute zu verhaften. Fast zu derselben Zeit wurde eine Abteilung Stahlhelmleute von einer Gruppe Kommunisten überfallen. Ein Mitglied des Stahlhelms wurde schwer verletzt. Als die Polizei anrückte, ergriffen die Burschen die Flucht. Jerusalem, 24. März. Die größte Zahl jüdischer Passagiere, die aus einmal in Palästina angekomnwn sind, brachte das Schiff „B r a g a", das am 14. März 450 Personen in Jaffa und am nächsten Allge die gleiche Zahl Passagiere in Haifa ausschiffte. Bon den 923 Passagieren dieses Schiffes waren 223 Touristen, der Nest Immigrant e n. Am selben Tage landeten 300 weitere Immigranten von anderen Schiffen in Jaffa. Mit dem Lloyd Triestino trafen am 18. März weitere 400 Immigranten eilt. Die wachsende Chaluzimmigration. Jerusalem, 24. März. Bei der Registrierung der Einwanderung in Palästina werden Einwanderer mit unbeschrankten Mitteln, die dauernden A u f e n t h alt ton Lande nehmen wollen, denjenigen gleichgestellt, die eine begründete Aussicht ans ein festes A r b e i t s v e r h ä l tn i s 'haben. Im Monat Jänner betrrrg die Zahl der w uabL äugigen Ginwanderer 733, nämllich 318 Männer mi^216 Frauen und 199 Kindern. Personen mit Aussicht auf ein festes Arbeitsverhältnis, d. h. C h a l u z i m, für die Zertifikate von der Z i o n i st i s ch e n O r g a n t f a 11 o n ansgegcben wurdeir, lvanderten int Jänner in der Zahl von 097 ein, darunter 250 Ehefrauen und Kinder. Zn diesen beiden Kategorie): kamen 332 Angehörige Volt in Palästina bereits lebenden Einwohnern mit gesichertem Lebens'uilterhalt n-nd 13 Angestellte religiöser Gesellschaften. Die Gefamtziffer der Einuxlnderer Nxir 1775, darunter 15 Christen und 4 Moslems. In der ob'i->'n sind inbegriffen 125 Juden, 21 Christen und 1 Moslem, die als Touristen ins Land kanreu und dauernde Aufenthaltsbewilligung erhielten. 16 Jnumigmutell, devett Anslveise -den EiU.vanderungsbestmtttrungelt nicht entsprochen haben, wurde d i e L a n d u » g v e r w e i g e r t. Die Zahl der Auswa nderer betrug im Jänner 159, davon 68 Jubelt, 74 Christen und 17 Moslems. Bon den 65 wiederauKwanderltden Einlvanderern waren 38 Juden, 11 Christen und 19 Moslems. 400V Gtuwanderungszertifikatc für Polen. I e r u s a l e m, 24. März. Nicht weniger als 400 EinwanderungSzertifikate wurden soeben von der Zionistischen Organisation in Pole« bet der Zionistischen PalLstinarxekutiw «-ej-ikdot. Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß Wiener Morftenzeitung. _ In der Passage in der FrredrichSstvaße wurde auf die in einer politischen Organisation tätige Comptoiristin Hupp ein Raub überfall verübt und dem Mädchen die Aktentasche mit 6000 Mark und mehreren Briefen, darunter solchen an Dr. Jarres, entrissen. Reichsdeutsche» Mordgesindel ln Lesterreich. Aus Ungarn abgeschoben. Budapest, 25. März. Wie „Pestr Naplo" amildet, hat die ungavffche Polizei uuldmehr sämtliche reichsdeutschen politischen Flüchtlinge, deren Zahl sich aus zwölf belief, aus dem Laude abgeschoben. Die meisteu folgten dom Beispiele >des Erzbergev-Mordevs Förster-Schultze und begaben sich nach dem Balkan. D r e i wurden nach Oesterreich abgeschoben. Derzeit bofidnen sich überhaupt keine deutschen Flüchtlinge mehr in Ungarn. ' ._ Aur dem Nationalrat. Körperschaftssteuer und Erwerbsteuernovelle. Gestern hielt der Unterausschuß zur Beratung des A nge st e lltc n v e rs i ch cr u n gsg ese tz es eine Sitzung ab. Morgen tritt der Finanzausschuß zusammen. Auf seine Tagesordnung werden die Körperschaftssteuer und die E r w e r b st e u e r n o v e l l e gestellt. Da es nicht möglich ist, ganz einseitig die für die Kapitals- Vereinigungen geltende Steuer um 25 Prozent herahzusttzeu, wie dies dlrrch die Körperfchaftsstouer geschehen soll, und Lalle bell ab er die allgemeine Erwerbsteuer sowie «die für gewisse bevorrechtete Körperschaften geltenden Sondersteuersätze unverändert zu belassen, muß gleichzeitig mit. dem Entwurf zur Körperschaftssteuer auch die Novellierung der Erwerbsteuer beschlossen werden. Diese beiden Gesetzentwürfe werden noch vor Ostern vom Nationalrat beschlossen werden. Hingegen meldet die Korrespondenz Herwei, daß der Entwurf zum Goldbilanzengesetz bis zu Beginn der Osterferien nicht verabschiedet werden kann. Missronsunsug in Wiener Kiuor. Von verschiedenen Seiten wird uns mitgeteilt, daß in den Wiener Kinotheatern, in denen das Filmstück „Die Bibel" zur Aufführung gelangt, von seiten der christlichen Seelenfänger Tischchen ausgestellt sind, an denen die bekannten Bibelausgabeu sowie Prospekte und Traktätchen feilgeboten werden. Diesen Unfug betreibt insbesondere Die britische und ausländische Bibelgesellschaft, Wien, 9. Bez., Sexgasse 16, die sich dort in einem ursprünglich jüdischen Haus eingenistet hat. Nach einer Mitteilung auf einem uns vorliegenden Prospekte werden, 20 Prozent des Buchpreises für Missiortszwecke verwendet Wir bringen dies dem jüdischen Publikum zur Kenntnis und hoffen^ daß es die Proselytenmachers! nicht unterstützen wird. 11.000 organisierte Chaluzim in Polen aus die Einwanderungserlauvnis warten, von denen 1500 landwirtschaftlich und 2500 als Handwerker ausgebildet find. 14.000 organisierte jüdische Arbeiter in Palästina. Jerusalem, 24. Ntävz. Der jüngste Bericht der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation zeigt einer weitere beträchtliche Zunahme der Zahl der jüdischen Arbeiterin Palästina. Am 1. Jänner wurden 14.356 organisierte jüdische Arbeiter im Lande gezahlt, nicht inbegriffen Beanrte, Handwerker und Lehrer. Tel-Awitw und Jaffa wiesen die größte Zahl der jüdischen Arbeiter im ganzen Lande auf, nämlich 4491. Davon arbeiten 1250 in Fabriken. 250 in Kooperativen, 750 in verschiedenen Betrieben, 2016 im Baugewerbe und 225 beim Transport und Verkehr. Fast alle diese Arbeiter sind fest angestellt. Die Zahl der organifierten jüdischen Arber t e r i n Jerusalem beträgt 1626, davon 885 in der Bauindustrie, 440 im Kleingeworbe und 300 in anderen Branchen. Mit 'Ausnahme von zirka 150 Personen waren alle fest augestellt. Haifa zählt rund 1500 jüdische Arbeiter, davon 582 im Baugewerbe, 375 in der Großindustrie, 328 im Kleingewerbe und 215 bei der Eisenbahn, beim «Hafen, Transport usw. In und bei Liberias arbeiten zirka 300 Arbeiter; in den ji'ldifchen K o l o n i -e n rund 3900, in den A rbe i te rs i edlungerr rund 3000, bei der E i s e nb a h n 200. Erweiterung der landwirtschaftlichen Versuchsstation. Jerusalem, 24. März. Die landwirtschaftliche V e r s u ch s st a t i o n der Zionistischen Organisation, die bekanntlich auf dem Boden des I. N. F. in Bens ch e m e ll errichtet ist, genügt seit lallgellt nicht mehr delt gesteigerten Bedürftnssen des modernen jüdischen Palästina. Eine Erweiierltug der Station macht aber ihre B e rl e g u n g erforderlich. Im Sillne der Bedürfnisse der Statioli Hai der K. K. L. soebelt beschlossen, de» erforderlichen Bodell auf einer stiller Neu-erwerbungell in Judäa zur Versügung zu stellen. 26. Marz 1925 Celle » ------* KUNEROL Sehet Pessach HDD Schel Pessach 100% reines Fett aus Kokosnüssen Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S. B. E h r e n f e 1 d, Mattersdorf Sin Mann mit 17 Hrkmatfcheinen. Aus Wr.-Neustadt wird uns beüichtvt: Am W. d. wurde vanr Rayonsmispelktor Frühstück des Gendavmeriepostens Leobsrsdorf der 34jährige Privaitbeaimt« Otto Fischer, ein ältßerst gesährNcher DokumentenlfMschev, vschaftet. Fischer hat intelligentes Aussehen, spricht mehrere Sprachen, ist tschechoslowakischer StaatÄbüriger und war erst vor oimiigen Wochen aus Italien gekamanen. Er ist als Hugo Bogner aus Kollerschlag, OberöstorWich, Otto Walldhostr aus Kirchberig m Tirol, Paul Frehl aus Buvgcru, Karl Krenn a>us Oberdorf mid Egon Hafer aus Kirchberg ausgetreten. Bör der Berhaftuinig hotte er 17 Heimatscheinie verschiedener Gemleinden von Oberöstevreich, Tirol, Dschecho- Slowakei sowie 11 Stück lieere Hümtaitscheiue, die zur Ausfevtlguug mit dem Amtssiegel versehen, vorbereitet waren, bel sich. Fischer ist für immer aus der.RepuMk Oesterreich obgeschafft und "wird von >den bayrischen Behörden gesucht. In eimem Gasihause in Le-obersdorf wogen Bedenklichksit angehallten, ilegitiimievte er sich mit dom gesälschlteU Heimatschein« Waldhcher. Uebor seiue KompLizen verweigert er jede Auskumst. Zu deren AusforschMlg ist die Korrespondenz mit den Polizeibehörden Italiens, Doutschlands und der Tschecho-SbollvakSi eingsbeitvt worden. Der Ve-v'haiftöte war nur im Besitze van 20 SchM-ng sowie siusm gaMchten Ausweisungsdekret der tschecho-ftowakischen Regierung a>u>f den Namen Otto Waldhofer aus Krrchbevg. Ju Nvedevösterreiich hat Fische« verschiedene Betrügereiien, und zwar in St. Pöliten, Steyr uind Amstelten mit den gefälschten Dokumenten verübt. Die Feststellung seiner Person war durch das dEylofkoPische Verfahren möglich. Er wurde dem Kreiisgsvichte emgMsevt, > Sie österreichische Keren-Hajessod- Altion. Wke nns die Zentvalleitung der österreichischen Keren» Hajeod-Wtwn mitteilt, sind die Deilergebmsst der ersten vierzehn Tage der Mtion ans einer Anzahl Wiener Bezirke bereits 'gemeldet. Nur die Bezirke 6, 7, 8, in wlchen die Arbeit erst vor einigen Tagen aufgenommen wurden und tzie Bezirke 12 bis 15, rn welchen aus technischen Gründen über Vorschlag der dortigen VertranenSntÄnner eine gesonderte Aktion eiben erst einfetzt, werden erst später ihre Ergebnisse miittoilen. Wenn die restlichen Tage von den Mitarbeitern noch genützt werden, so ist ein günstiges Endresultat zu gewärtigen. Vor einigen Tagen war bereits an Bareingängen eine halbe Milliarde überfchritterr. Die Summe der abgegebenen Zeichnungen für das lausend« Jahr ist bisher noch nicht zu übersehen. Die Anzahl der sre'iwilligen Mitarbeiter ist geringer als man angenommen hatte, aber der Eiser, die Opfer an Zeit und Mühe, welche die tatsächlich Arbeitenden bringen, sind a u ß e r o r d e n t l i ch und die Erfolge, die man hoffentlich erreichen wird, lverdeit allen Mällnern und Fraum» die sich in den Dienst dieser dringenden Arbeit für Erez Israel gestellt haben, eine Gnugtuung bereiten. Samstag den 28. d. findet im Saale des Cafe Zentral, 6. Bez., Mariahilserstraßc 152, ein jüdisches Meeting statt, bei welchem Herr Oskar Goldschmie dt, ferner der Vizepräsident der Jsraciiltischen Kultius- 'gemeinde Herr Dr. Josef Löwen herz und Herr Dr. Otto Abel es sprechet werden. * Der Beschluß der Wiener Israobitiischen Kultusgeureinde, alvläßlich der Eröffnung der hebräischen Universität dem Keren Hajessod aus Gemeindemitteln einen Betrag zu widmen, hat erzieherisch gewirkt. So wird aus M e r a it mitgetoilt, daß die Meraner Kultusgemeinde einen Jahresbetrag von vor- 'lälffig 10.00g Lire siir den Keren Hajessod ausgewovstn hat. Der Gouverneur des Staates New-Pork für den Keren Hajessod. Eine großzügige Kampagne für den Keren Hajessod wird gegenwärtig auch in Nordamerika unternommen. Starken Eindruck aus die jüdischen Bevöbkerlurg hat die Stellttngnahme des Golwerneurs des Staates New-Aork, Alfred E. Smith, zrmt jüdischen Koloräsationswerk und zunr Keren Hajesscd gemacht. Er richtete an dyn Präsidenten des Kereü- Hchesscd-Komite-es der Bronx, Herrn Altschul, ein Schreiben, in loelchem er seine warm« Sympathie für den Keren Hajessod » MMlzck bOngt mch an di« UM-KoM Jude« «eMert. Ae Wische Einwanderung nach krez Israel. Mehr als 1200 Personen an einem Lage gelandet.