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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-26 · Heft 2190 (26.3.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2190 (26.3.1925)
Date
1925-03-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Keil« S Wien, Donnerstag fraget 704 Schuhe! mb eingebautem „Barson“-Gtimm-Absatz Sie Hetze gegen die jüdische Feier. —y. W i c tt. 26 Marz. Die Eröffnung der jüdischen Universität in Jerusalem ist ein großes Ereignis im Leben des jüdischen Volles und sie hat auch, wie die Berichte aus Jerusalem erkennen lassen, die Aufmerksamkeit der gesamten Kulturwelt auf sich gezogen. Alle Rcgierunben, alle Hochschulen werden bei der Feier durch offizielle Repräsentanten vertreten feilt, neben den Deputationen der jüdischen Nation werden sich Abordnungen der Geisteswelt einfinden, um diesen Ehrentag der Wissenschaft mitzuerlebcn. Für die jildische Renaissance bedeutet der 1. April ein seltenes Fest. Es war darum zu erwarten, daß auch ihre Feinde diesen Tag nicht vorübergehen lassen werden, ohne sich nach ihrer Art benterkbar zu machen. Sie können die Tatsache nicht ungeschehen machen, daß das jüdische Volk, der Paria der Geschichte, sich aus seiner eigenen Kraft in seinem Vaterland sein geistiges Zentrum errichtet hat, das der Wahrheit und . der Lehre dienen soll. Sie können es nicht verhindern, daß imter dem ehrenvollen Schutz der britischen Flagge das jüdische Voll sein blau-weißes stolzes Panier auf dem Haus des Wissens aufzieht, daß Lord Balfour, einer der, Gott sei Dank, vielen Gerechten in Europa, den feierlichen Akt vornimmt. Das alles können sie nicht. Aber in ihrem ohnmächtigen Haß versuchen sie zu stören und zu hetzen, und natürlich sind es die paar vom Vatikan ausgehaltenen Efendis, die Blutsauger der arabischen Bauern, die für die antijüdische Meute die Kastanien aus dem Feuer holen sollen. Die Meldungen aus Jerusalem besagen, daß dort die Behörden und die jüdische Bevölkerung dem Tag der Universitätsfeier ohne jede Beunruhigung und Nervosität entgegensehen, daß jedoch für alle Fälle Vorbereitungen getroffen wurden, um Manifestationen feindlicher Art sofort zurückweifen zu können. Cs wird auch für "jeden ohne weiteres klar sein, daß England den Tag, der auch ein Schmuck des britischen Volkes ist, nicht besudeln lassen wird.' Die' Provokationen der Hetzer haben in Erez Israel bisher nicht gewirkt. Aber das feine Spiel rechnet damit, däß vielleicht doch.eine Kundgebung, ein lärmender E''wß erfolgen, wird. Dann wird die britische - Behörde dreinfahren und — dann wird in der ganzen Welt ein fürchterliches Geheul angestimmt werden, daß die braven, von den Zionisten ‘ unterdrückten Araber in ihrem Heimatland nicht eiitmal mehr demonstrieren können, ohne ihr Leben zu gefährden. Um dieses Gezeter schon jetzt vorzubereiten, wird die Presse der ganzen Welt in den letzten Tagen mit Sensationsmeldungen gefüttert, die alle aus Pariser klerikal-katholischer Quelle kommen und in heuchlerischer Tücke den Sturm ankündigen, den zu erwarten, -man sich überall für berechtigt glaubt, wo man den Judenm»rd predigt. Eine dieser Meldungen entnehmen wir der Wiener Telegraphen-Kompagnie, der aus Paris der folgende Bericht zugeschmuaaelt wirdt ..Meldungen aus Ierirscrlenl M'olqe, dürste die Anwcündeu Balfours -in Palästina nicht obneRuHestörun^en idnD siroste Teinoni'trationen aeaen BaGour und n-gen England verlaufen. Am Tage der AnArrrft Balsams wird;itm Zeichen des Protestes in <wn Palästina die Arbeit ruhen. Die Mohammedaner wenden sich iü den Moscheen versammeln, um für die Befreiung Palästinas m beten. Alle Behörden werden sich weigern, mir Bcvffour m öffentlichen cder privaten Veranstaltungen znsammen-stü Een. Der Besuch der hcilrqen Stätten wird chm untersagt sein. Die Zeitungen werden mit Trauerrand erscheinen und in eng? irischer Sprache Artikel gegen die Baffour-Doklaration bringen. Der palästinensische Nationalkongvek erläht eine Erklärung. worin di« Mohammedaner und Christen Palästinas als die Opfer der Deklaration Valso-urs bezeichnet werden, durch welche Palästina willküvlich zu einer natio» nvlcn jüdischen .Heimstätte gemocht wurde. Die englische Regieruna wurde verständigt, daß sie ■für alle Zwischenfälle die Verantwortung Zu tragen habe, die sich anläßlich der Anwesenheit BaLfours in Palästina ereignen könnten. Unter dem Eindruck dieser Kundgebungen aus Palästina sieht ntan in englischen Regierungskreisen der bevorstehenden Ankunft Balsams in Iasia mit einiger Bestenttis entgegen." Man beachte, daß diese „Meldung aus Jerusalem" sich auf keine greifb are Quelle beruft und daß sie mit genauester Angabe der Details, aber ohne nähere Urjprungsbezeichnung den Inhalt eines Briefes widergibt, den die famose Palästinensisch-arabische Vereinigung, eine Kaffeehausrunde, an die englische Regierung geschrieben hat. Ansonsten verweilt diese Meldung aus Jerusalem bei Dingen, die erst geschehen sollen, die geplant sind. ES ist, wie wir schon hervorhoben, unwahr, daß in den englischen RegierungSkreisen einige Besorgnis herrscht. Aber es ist immerhin möglich, daß bei dem Zusammentreffen so vieler Menschen aus aller Welt _Wiener Morgenzeiliiiift._ irgend ein Malheur geschieht, daß sich inzend ein Zwischenfall ereignet, den an Ort und Stelle niemand bemerkt, der aber dann wieder von irgend einer Pariser Seite zn einer Verleumdung des dem Frieden ttnd der Wissettschast ^weihten Festes, zn einer Beschmutzung des Judentums benützt werden wird. Dieses Spiel ist durchschaut. Es wird nichts ändern. Das jüdische Volk baut seine Hochschule, sein Heim, seine Zukunft Sie PaliMuarrise der englischen Minister. London, 24. Märtz. Wie schon anyekündiyt,. sind der Staats'ekrotär für b<« Kolonien Mr. L. S. Amery u>nd der Minister für Lusiwestn Sir Samuel Hoare am 19. d. von London abgereist, um sich in amtlichen Geschäften na ch Pa lä stina u nd d e m Irak zu begeben. Mister A m c r tz wich den Sir John I. Shuckburgh aeis dem Tepartomienj für don «rmM'Teren Osten begleitet. S:-r John F. Shuckburgh hat m Jahve 1922 die Verhairdlungen mit der pa lä st rne n fls ch'-a ratzlschen De?ega.ti o n in London geführt, qss deren Resultat Mr. Churchill die bekan-n'e Whist Paiper-Poli'iik gnsarboitete. Die Minister lvgebon sich zunächst nach Bagdad und werden auf ihrer Riickrn.se Palästina bofüchen. In Jevufalem tvovdv.t sie lMste des ObevkontlnrissärS Sir Herbert S a m u e l fein. Es stcht noch nicht fest, ob sie .mit .Zeit der N niversi in tTeröffnu ng in Jerusalem tzoeÄen ivechen. 8in neuer ägyptische» Wahlgesetz. Verschiebung der Neuwahlen. — Die Nationalisten wollen Wahlenthaltung üben. Kairo, 22. März. (Reuter.) Wie verlautet, solle die Regierung die Einführung eines, neuen Wahlgesetzes ins Auge fassen. Sollte diese Meldung richtig sein, so «würden die N e u w a h l e n über das im gestrigen Dekret festgesetzte Datum hinaus verschoben werden. In Kairo herrscht vollständige Ruhe, nur in Stu-d-entenkreistn ist einige Erregung bemcrk-ar. In zwei kleineren Orten kam es zu Versuchen von Kundgebungen, doch - -wurde die Ordnung sofort wieder hergestellt. Es verlautet, daß in -der Zusammenkunft der nationalistischen Partei 'beschlossen «wurde, die nächsten Wahlen ^boykottieren. Unruhen Y Paris, 25. März. Wie aus Kairo gemetder wird, sei. es beim Bekanntwerden der Nachricht von der Auflösung des Parlaments' in einigen Provinze n Aegypteris zu U n ruh c n' gekommen. Anlässlich der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem erscheint SONNTAG den 29. MSri 1925 eine FEST NUMMER der ft* „Wiener Morgenzeitung mit zah'relchen Beiträgen - von Staatsmännern und führenden Jüdischen Persönlichkeiten, u. a. von Prof. Weizraann, Nahum Sokolow, Lord Balfour, Prof. Einstein, Ober-Rabbiner Dr. Chajes, Martin Bubor, Albert Thomas, Dr, Hugo Bergmann, Dr. Heinridi Loewe, ß. $. Hoofien, Prof. Boris Schatz Eine reiche Zahl von Illustrationen au» Erez Israel und seiner führenden Männer werden dem Worte die eindringliche werbende Kraft der bildlichen Darstellung hinzutügen. Ankündigungen in der Festnummer faflTlQQTl infolge der grossen Verbrei nng guten Erfolgt 26. Mär; 1025 Nr. 2190 GUMMISCHUHE. Gummischuhe, Gummimäntel und Gummiwaren nüer Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANN 4 HOROWITZ Wien, 11. Bcz., Taborstrassc Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86 Sie deutsche Sjlgrenre Bakdwlns Erklärungen im Unterhaus. (Eigendicnst der „Wiener Morgenzcitung") London, 25. März. Im weiteren Verlaufe der Unter» Hausdebatte über das Genfer Protokoll und die Sicher« hcitsfrage kam — sofort nach Chamberlain — Lloyd George zu Wort, der sich für einen deutsch-französischen Schiedsgerichtsvertrag aussprach. Nach ihm sprach Mac Donald, der erklärte, durch die Annahme des deutschen Garantieangobotes würde man zum Prinzip des Mach tegleichge wicht es zurückkehven, das die WAt schon oft ins Unglück gestürzt habe. Sodann ergriff Premierminister B a.l d w t u das Wort; er führte ans. solange jede wirkliche Rückkehr zum Frieden und zur friedlichen Mentalität verhindert werde, bleibe auch unmöglich, tvas die Regierung nicht weniger als die Arbeiterpartei am sehnlichsten wünsche, nämlich die Abrüstung. Die Negierung fei der Ansicht, daß keine Fortschritte in Europa "gemacht wer den können, bevor die Mentalität Westeuropas , geändert sei. Daher habe die Negierung mit einiger Hoff' nung die deutschen Vorschläge entgegengenomnien, die ziemlich unerwartet gekommen ftien und deren An.mehr die Möglichkeit einer dauerhaften Regelung erhoffen lasse als alles, lvas in der lehtcrr Zeit in Europa geschehen sei. Tie Negierung habe klar verstanden, daß Deutschland auf die Aussichten, beziehungstvoise auf jede Msicht verzichtet habe, die Grenzen im Westen zu verändern. Im O st e n Europas habe Deutschland große Fortschritte rn der Richtung auf beu Frieden getan, weil cs bereit sei, zu sagen, daß es verachte, eine Aenderung mittels militärischer Gewalt vorzunehmen. Es sei natürlich vollkommen klar, i>rs; Deutschland in der nächsten Zeit durch die Diplomatie, durch ein Schiedsverfahren oder durch eine andere ftiedliche Weise versuchen kömrte, eine Aenderung im Osten he rbe izufü hr e n. Konstttlliennrg der Sbersten zionWchen Rates i« Pole» Warschau, 24. März. (I. T. A.) Der von der Beo» viuigtein Konstvony aller polnifchou Zvoidisten gewählte ' O b errat hat sich sc-eten konstituiivrt. Vorsitzender ist Hevr Leon L e v i t e, z>weilter Vorsitzender Dr. N. D a v i d s o h u, dritter Vorsitzender Senator Dr. R o t e n st r e i ch. Sekretär ist Herr Grawitzk'i. Es Wunden Sektionen für Palastiinaak'Lei't, Pro^Pailästina-4Lonstre>nz (Lartuing Herr L. Levtte), pol>itl I ch-w-irtscha-ftlick-e Avbeit (Senator Dr. Rotenst'veick> und Dr. M. Hi-ndes), Qrganis'a.tVnSa'ribeit (Dr. Davidsohn).. gebildet. Kredithilfe der Wischen Kolonialbank für Wische Kanslente ln Polen. Warschau, 24. «4 (I, S. %.) Dr. M. Klumck. orner der Führer der polnischen Zionisten, ist soeben <ms London 7)nrückgekehrt, wo er mit der Leitung dev jüdischen K o 1 o n i a l b a n l wogen KrediMst an die jüdische .Kaiusmannschaft Polens verihaindel't hat. Dr. Klumel bevichiet, die Verwaltung der jüdischen Kolonialba^nk halbe sich bereit erklärt, eine Sumene von 15.0M Pssmjd M DiÄ- > kontoanleihe zu gewähren. Sie Suzisten in Forsani. Bukarest, 24. Mär,, ß. %. a.) .&kt traf eilte «. ordnung der Judenschrft F o c s a n i s ein, die in Abwesenheit des Innenministers Tatarcsc.u vom Unterstaatsstkretär Chirculescu empsan-ien wurde, der erklärte,, die Regierung werde diejenige Beamten, die ihre Pflicht nicht erfüllt haben, streng bestrastn. Die Mitglieder der Abordnung berichteten, daß die Cuzisten das Zentrum der Stadt verwüstet und der jüdischen Kaufmannschaft ungeheuren Schaden zugefügt halben. Sie überreichten ein Verzeichnis derstuigen Gefchäftsinhater, deren Läden vollkomnien verwüstet und geplündert wurden. Sie erzählten, daß auch in Maraseft-i und Odobesti jüdische Wohnungen >und Läden demoliert wurden. Der Terror ist unbeschreiblich. Politische Terrorakte ln gatzan. Tokio, 25. März. (Reuter.) Das Oberhaus hat daS .Haushaltsgesetz mit einem Aenderungsznsatz, der eine Ersparnis von ungefähr einer Million Uen im Kapitel deS öffentlichen Unterrichtes vovsieht, angenommenr dieser Aenderungsantrag des Senats wurde vom Unterhaus einstimmig angenommen. Die Häuser derjenigen Mitgliet^r des Oberhauses, die sich gestern in der Opposition hervorgetan haben» sind von unbekannten Tätern angegriffen worden. Der Schadest ist unbedeutend, doch weigert sich das Oberhaus, die Debatte forlzusetzen, solange nicht der Minister des Inner» der Ehre des Hauses Genüge getan habe. -

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