Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2189 (25.3.1925)
- Date
- 1925-03-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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£trfe 3 _ W'en, Mittwoch setzung unseres Mähens war stets das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum, zu seiner Einheit in aller Welt und;u seinem politischen Willen, den unser Programm rein und klar kristallisiert. Die Zionistische Organisation hält an dieser Basis des jüdischen Lebens fest, sie bleibt unverändert national und demokratisch. Sie gibt nichts auf, was sich bewährt hat, weil es fid) bewährt hat. Es ist ihr zuzuschreiben, wenn der durchaus nicht unbefangene und nicht vorurteilsfreie „Times"-Korrespond'ent der englischen Oeffentlichkeit gegenüber das jüdische Werk als stolze Leistung rühmt. Die LniverMseröffvimg. Der OberkommIfffir von Syrien nimmt an der Feier teil. London, 24. Marz. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Beirut bat der Oberkommisnr von SN-ien General Sarraik der Regierung darr Palästina mktge« teilt, daß er ihrer Einladung Folge leiste und der Eröffnuug der jüdischen Universität beiwohnen werde. Gin Seminaristenstreik. Jerusalem, 24. Marz. (Reuter.) Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Besuch Lord BalfourS find die Studenten eines RegierungsseurinarS heute morgens in den 2 t r c i k getreten und haben eine beleidigende Mitteilung an ihren arabischen christlichen Direktor aelandt. Die Regier,rnq bat das Seminar vorläufig geschloffen. Die Untersuchung ist ein. geleüet. _ Nach der Auslösung der SgWsschen Kammer. Neuwahlen am 22. Mai. Kairo, -4. März. (Tel.-Komp.) Die Verordnung über die Auflösung der Kammer wurde gestern sofort nach der Verweigerung der Demission veröffentlicht. Die Neuwahlen werden am 2 2. M a i stattfin-don, so daß das neue Parlament erst am 1. Juni zus-amliienlrct-en kann. Ter Beschluß des Königs hat bei den Anhängern Zaghlul Paschas die größte Entrüstung hervorgennen. Sie bezeichnen ihn als u n g e se tz l i ch. Hinrichlungen wegen der Sinowjew- Brieser? Lemberg, 22. März. Wie mehrere hiesige Blätter von der sowjetrussischen Grenze melden, erregt es in russischen Kreisen die größte Sensation, daß zwei hervorragende körnmunMsche Beamte der westeuropäischen Sektion der Dritten Internationale hingerichtet wurden. Tie Hinrichtung erfolgte „im Verwaltungswege", also ohne gerichtliches Urteil, über telegraphische Forderung Rakowskis aus London. Tie zwei Beamten waren angeklagt, daß sie geheime Dokumente, nämlich den 'bekannten Brief S i n o w j e w s an die englischen Arbeiter, den englischen Politikern ausgeliefert haben. Bekanntlich hat dieser Brief in -hervorragender Meise zur schweren Wahlniederlage der englischen Arbeiterpartei bei den letzten britischen Parlamentswcchlen beige tragen Set Patriarchenkkrett. Die türkisch? Regierung will drei weitere griechische Würdenträger ausweifen. — Der ökumenische Patriarch tritt nicht zurück. London, 24. März. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Konstantinvpel hat die türkische Negierung die Ausweisung dreier Mitglieder -des Heiligen Synods bei der Slusweisungskommissivn beamragt.' Es handelt sich um drei griechische geistliche Würdenträger, auf di« das Ausweisungtgesetz Anwendung sin-« den konnte, aus dessen Geltendmachung die tückische Regierung aber verzichtet hatte. u.m die illeuwahl des ökumenischen Patriarchen zu ermöglichen. Da aber Konstantin d«r Sechste sich geweigert hat. zu rückzu trete«, hat die Regierung von Angora ihren Verzicht zurückgezogen. Ae elsilffische Schulsrase. Paris, 24. März. (Tel.-Komp.) In der Nachmittagssitzung der Kammer setzte der elsässische Abgeordnete Walter seine Ausführungen vom letzten Freitag in äußerst heftigem Tone fort. Er erklärte, daß er und sein« Klassischen Freunde bereit seien, in der Kammer die Veranstaltung ein:s Referendums über die konfessionslose Schule m Elsaß-Lothringen vorzuschlagen. Tie religicmsfei übliche Politik der Regierung könnte die elsässische Bevölkerung veranlassen, Frankreich nach seiner Regierung zu beurteilen. An dem Tag«, an dem dieses Gefühl vorherrschend geworden sei. werde es mit der f r a n; ö s is ch e n Idee in Elsaß-Lothringen vorbei sein. Dies« Worte des elsässischen Abgeordneten erregten im ganzen Saale ungeheure Sensation. Während die Rechte und d:S Zentrum Beifall klatschten, stürmte von der linfeit Seit« eine Flut heftiger Zwischenrufe aus den Redmr ein. Die clsässvschrn Abgeordneten, fuhr Deputierter Walter fort, seien zum ä u ft c \ ft e n Widerstande entschlossen. Sie würden, wenn all« legalen Mittel erschöpft seien, auch zu allen anderen Mitteln m in»? soweit sie nur ehrlich find. _Wiener M>r<eenzeituiift._ Sie Getreidevreise sinken werter. Nelv-?)ork, 24. März. Heute trat auf dem Getreide markte in Chicago wieder eine A b s ch m ä ch u n g ein. So verloren die Terminpreise am W e i z« n m a r k 1 c bis zu 4 5, am Maismarkte die Preis« bis zu 3 Cents vko Bttfhels. Auch am hiesigen Lokomurkt« büßten die Weizenkurse bis zu 1,5 Cents pro Bu.hels ein. Li« deutsche PrSfldeatentoahl. Ludendorff verzichtet nicht... München, 24. März. (Wolfs.) Zu den Bestrebungen der Völkischen ln Norddeut-s-ch'and, Ludendorff zu einem Verzicht aus sein« Kandidatur für di« Reichs- Präsidentschaft zu bewegen, ist der „Völkische Kurier" in der Lage zu versichern, datz Ludendorff nicht daran denkt, auf eine einmal ausgesprochene Kandidatur zu verzichten. Wahlkämpfe zwischen Hakenkreuz und Sowjetstern. Berlin, 21 März. (Tl.-Komp.) Dcr Wahlkampf um die Reichspräsidentschaft führt« heut« nachts zu einer Straßenschlacht zwischen Komm u n i st e n und Mitgliedern «irrer n a t i o n a l i st ischen Organisation. Bon einer Gruppe d.'s kommunistischen „Roten Jmrgsturms" wurdeeine Anzahl Angehöriger des Bismarck-Bundes überfallen und ihrer Wahlflngblättev beraubt. Es kam zu einer heftigen Schlägerei, in deren Verlauf Messer und Schlagring« vertvendet wurden. Auf beiden Seiten gab es Verwundete. Die Polizei nahm sieben Verhaftungen vor. Ein weiterer Zusammenstoß ereignete sich eine Stunde später. Sie Frauen und der Völkerbund. In der Aula deS Baseler Musemus hielt am 17. März Fräulein Dr. Somazzi ÄS Galt der Schweizer Vereinigung für de« Völkerbund einen Vortrag, dem wir Folgendes cntnsbmeu: Was ist und will der Völkerbund? Wie stellt sich der Völkerbund zu den Frauen? Wie die Fräuen zum Völkerbund? Mit diesen Fragen begann Fräulein Dr. Somazzi. Sie erwähnte kurz die verschiedenen Plan« und Versuche zur Verhütung des Krieges, die vom 13. bis zum 19. Jahrhundert immer wieder auftauchten, Freund« und Anhänger fanden — und doch die Katastrophe des Weltkrieges nicht hindern konnten. Sie zeigte, wie eben dieser Krieg in Wilson, dem großen Menschheitsfreund, dem die Welt mit schmählichem Undank lohnt«, den Plan des Völkerbundes - zeitigte, dessen Pakt am 14. Juli 1919 von 32 Staaten unterzeichnet wurde, denen sich später weitere 23 Länder anschlossen. Was i st und will d i e s er Völkerbund? In erster Linie künftige Kriege verhüten, indem «r ihren Ausbruch verzögert. Vermitttüngsvorschläge macht, sich eventuell mit seiner ganzen Autorität auf die Seite dessen stellt, der seinen Spruch anerkennt. Noch weiter auf diesem Wege ging das — leider nun von England nicht ratifizierte — Genfer Protokoll, das durch die Schaffung eines festen, internationalen Rechtszustan-des den Boden für die — im Interesse der ganzen Menschheit so dringend nötige — militärische Abrüstung bereiten sollte. Es ist diesmal unterlegen, wird aber wieder auferstchen, denn schon die unausdenkbaren Verheerungen eines künftigen Krieges zwingen die Menschheit, auch im internationalen Leben — dem Prinzip d.s Völkerbundes gemäß — Recht vor Macht gehen zu lassen. Aber nicht nur ein übernationales Recht, sondern mch ein höheres, übernationales B « r a n 1 wörtlich ke i ts ge fühl will d r Völkerbund entwickeln. Wir nennen von feinen Humanitären Arbeiten nur: den Kamps gegen Seuchen, Hunger und Elend, gegen Frauen- und Kinderhandel, seine Proklamienmg der Rechte der Jugend und b:v Arbeiter. All« dies« Postulat« internationaler Solidarität sind — ob auch meist noch unvollkommen verwirklicht — wertvolles und schwer errungenes Kulturgut, das wsr dem Völkerbund danken. Wie stellt sich nun der Völkerbund zu den Frauen? Er hört sie und ladet st? zur Mitarbeit ein. Artikel 7 sagt ausdrücklich, daß alle seine A e m t e r M ä n n e r n und Frauen offen st e h e n. In praxi ist allerdings noch kein« Frau Del.gierte des Rats oder der Versammlung; wohl aber gibt es weibliche Ersatzdelcgierte, Beiräte und Kommissionsmitali der, vorwiegend aus England und den skandinavischen Ländern. Mit Warm« und Anschaulichkeit erzählte nun Fräulein Somazzi von diesen Frauen und «hrer Arbeit: von der Sck'lvedin Frau Wicksell, die — zusammen mit ihrem Sohn — dir juristische Doktor' Prüfung bestand, der dänischen Lehr.rin Jenny Forchh a m m c r, von Christine B o n n e v i e aus N -rwegen, der g lehrten Mitarbeiterin Frau Curies. von der Aristokratin Frau v. Bacareseu, der ennlischcn Schriftst.llerin Ed'.th Littleton. von Karin Jeppe, die in Armenien Großes geleistet hat; all« dies« Frauen — auch Frau Curie gehört zu ihnen — arbeiten vorwiegend mit bei den Werken gegenseitige Hilfe, beim Frauen» und Kinderschutz, bei der Versorgung und .Heimschaffung von Gefangenen und Flüchtlingen. Sie alle haben höchste Am erkennuna verdi nt und empfangen. Jur ständigen Sekretariat des Völkerbundes sind fast die Hälfte der Beamten Frauen. Und di« weibliche MltaHeit wird dort geachr t nnb begehrt. Man kommt dem Bedürfnis des Weibes nach helfender Arbeit auch im größeren Kreise mit Verständnis entgegen. 25. Mär; 1925 Nr. $189 Und wr« antworten nun die Frauen auf dies Ent» gegenkommen? Stille bcrrscht! Und dcch sollte gerade die Frau sich mit ganzer Seel« für den Völkerbund einsetzen. Demokratisch ist überhaupt nicht die Gomalt, sondern Recht und gegenseitige Hilfe. Aber vor allem die Frau muß für den Völkerbund einstehen, als Hegerin und Schützerin alles Lebendigen, als Mutter. Erzieherin und Gattin; als die Schöpferin d s Heims muß sie sich von ganzem Herzen für eine Ordnung der Dinge einsetzen, die den Krieg, den Vernichter des Lebens, unmöglich mach:, die. ein Ausbauen der Welt zum .Heim ermöglicht! Inland. Abberufung goffer? Moskau, 24. März. (Tel.-Komp.)'Einer Meldung de* „Jsvcstija" zu.frlge ist Legalionsrat Inrij Kosjn» binSki der Wiener Sowjetgesandtschaft zugeteilt worden. KessublnSki «ir>ar Sowjetvertreter der Ukraine in Wien. Im Falle der Abberufung Joffes vom Wiener Gcsandtenposten wird Kosjubinsli die provisorische Leitung der Geschäft: übernehmen. ras Budget — augeoommeu. Der Natlonalrat erledigte gestern den Dnndesvorau-. schlag für 1925. Zunächst wunden noch die restlichen Kapitel des Budgets, Handel und Verkehr, Eisenbahn«!'., Post, Telegraphen, Telephon, Postsparkasse, Montan betrieb«, Kartographisches Institut, HeereSwesen, Tabak. Salz, Staatslotterie, Stäatsdrnckerei, Hcurptmünzamt und Finanzen sowie das BnndesstnanMsetz. in zweiter Lesung in der Fassung des Ausschusses a n g e n o m . men. Bei der Abstimmung Aber den Mnderheitsantraa Leubhner, der die Schaffung einer Kommission r-ur Bewirtschaftung der für Wohnzwecke verfügbaren Räumlichkeiten in Bun'decgabäu'den verlangt, kam cs zu einer Demonstration der Sozialdenwkraten g eg e n Dr. H o r n i f. Ter Antrag wurde ab ge lehnt, worauf Abg. Sever rief: „Im-Ausschuß waren alle einig, daß endlich reiner Tisch gemacht weck«, und hier stimmen Di« den Antrag nieder! Es ist unerhört, den Antrag aibFulehnen, wo es gegen die Korr <u Ption geht!" _ Eine Resolution Dr. Dentsch-'Dteinegger, die die Regierung auffvrdert, die Möglichkeit zu schaffen, daß die ständig« Parlamentskommission für Hcereswesen sich an Ort und Stelle i.m Falle von Soldatenselbst-- morden oder Sockalemnißhandlnngen Klarheit schaffen' könne, wurde einstiimmig angenommen. Damit war die zweite Losung beendet. Das BundesfinanMsetz wurde sodann auch in dritter L e f n ng znm Beschluß erhöbe n. - Nächste Sitzung: Mittwoch den 1. Älpril. Handel und Zndustrie vor Lohnkämpfen. Zwvschni den kaufmännischen Angestell» te n und den Unternehmern schwebt ein Lohnkampf, der zu. einem Streik zu führen droht. Es handelt sich hiebei eitzeullich um zwei Paare von Gegnern. Dem G r c m i u m der Wiener Kaufmannschaft stehen der Gehilfenausschüß und der Vereinigung der kaufmännischen Betriebe, .welche die meisten großen Warenhäuser umfaßt, die Hei ihr:«u Beschäftigten gegenüber. Vorläufig beschränkt sich der Kampf noch auf die letztere Gruppe, dürf!« aber auf alle kaufmännischen Betriebe übergreifen. Der Kollektiv- Vertrag ist bereits am 1. März abgesausen und bishernicht erneuert worden. Ti« Streitpunkt« bei Erstellung ■ eines neue-n Kollektivvertrages bilden die von >der Ange-/ stelltenschast geforderte generell« Löhner h ö h u u.g, und die von den Unternchmern verlangte 7-Uhr- Laden sperr«. Di« Angestellten Hallen sich bereit erklärt. an ge^vissm geschäftsrcichen Tagen, hauptsächlich an Samstagen, bis 7 Uhr zu arbeiten, wollen aber von ihrer Fordening nach Gehaltserhöhung, die von -den Unternehmern als unannehmbar bezeichnet wird, nicht abgehen. Mvntag hat in der Volkshalle des Rathauses «ine Vollversammlung der laufniännischen Angestellten stattgesunden, di« , einstimmig beschloß, den Unternehniern^ di« Forderungen in Fornr eines U l t i m a t u m d zu überreichen. Gestern wurde dieses Ultimatum derr Unter-, nehmern überreicht, die sich wahrscheinlich schm heute hiezu äußern werdcn. Sollte die Antwort ablehnend aick fallen, so muß man mit einem Streik rechnen. Die Bewegung unt«e den Industrie' anpestellten. Die Betriebsräte der großen Wiener Kollektiv» vertragsgeineinschast hielten gestern abends beim „Goldenen Kreuz" im Prater eine Bersannnlnng ab, in der Präsident Seidel v".m Bund der Jndustrieangestellten über die le"tcu Berhandlnugerr, di« aut 20. d. mit -dem Wiener Jndustriellenverband geführt wurden. He richtete und mitteil!«, daß dieser die Feck-erungen -der Angestellten rundweg abgelehnt hat. Tie Betriebsrätekonserenz erklärt« mit Rücksicht darauf, daß sich die Verhandlung«.» schon durch Monate hinziehen, ohne zu einem Ergebnis zu führen, die Ab lebn u ng"der Forderungen durch den Fr.dnstriellenvervlttl-d n i ch t z u r Kenntnis zu n e h m e n. Präsident Seidel teiltsodann noch mit. daß infolg- Wr ablehlrcnden Haltung de'r Jndustriellenverband«- aller