Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2187 (23.3.1925)
- Date
- 1925-03-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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*ief Gl-ir. MonW Wsemr MseüNkzesk««s. SS. MSv, im ft». t!8T «*DXS NlUE PALÄSTINAS Ae Gefahren -er Todenspelulalion l» Kre, gsrael. Von Dr. «. M. Zweig. Jerusalem. H. Di« sittlich« Gefahr. Zw sine« «inleitenben Artikel Hab« ich die Lage, welche stch aus dem Bcvenmarkte Palästinas letzterzrit auszebildet hat, fixiert. Zugleich wurde auf di« Beunruhigung hingewiesen, welche weit über Palästina hinaus dadurch entstand, daß bk Bodeotäufe in den Städten Palästinas fast mlSschließ» ttch für jüdische Prwatesgentümer erfolgen und daß am Lande die vedenkSuf« für private Rechnung jene für den Jüdischen Rationaffonds immer mehr übersteigen. Nun stehen Männer ans in Israel, welch« dich« Baun« rrchigung durch folgende Argumentation bannen möchten: „Gewiß ist dajüdische Gemeineigentum am palästinenfischen Boden der Jbealzustand. Aber da mm einmal der I. 9L F, das anerkannt« Instrument unserer DcvenpolitA, leider nicht genug Mittel hat, daS Jdealprogramm auszuführen, muß dem mit der steigenden Einwanderung von Juden naturgemäß steigenden Bedarf nach jüdischem Boden anders entsprochen werden. Also, besser jüdisches Gemeineigentum als jüdischer Privateigentum, doch immerhin besser jüdisches als nichtjüdisches Privateigentum..." Diese Argumentation klingt sehr klar, logisch und bestechend. Doch müssen wir sie sorgsam überprüfen, bevor wir unS von Shr gefangen nehmen lassen, bevor wir unser Gewissen beschwichtigen. Diese Prüfung scheint mir nötig, wenn auch ein Fachmann wie Rupp in sagt, daß di« privaten Bcdenlarrfsgesell' schäften von der besten Absicht beseelt fhtfc; es genügt, daß der Verkauf von Boden an Private diesen Gelegenheit zum Weiterverkauf, zur Bodenspekulation gibt. Denn alle in den Statuten dieser Gesellschaften getroffenen Maßnahmen zur Verhütung von Mißbrauch sind bis nun am Papier, also wirkungS!^ geblieben. Bor allem drängt sich uns folgende Erwägung auf: Der Zionismus ist keine rein praktische, sondern vor allem eine moralisch-ethische Angelegeüheit. Diese, den Zionismus scharf charakterisierende Seite unserer Bewegung darf nie aus dem Auge verloren werden: sonst stimmt schließlich auch die kaufmännische Berechnung nicht. Der Zionismus hat «S sich feit Anbeginn zur Aufgabe gefetzt, »neue Menschen aus dem alten Boden" zu schassen, Menscheu, evfiillt von Avbeitsgeist, Brüderlichkeit und hohem Gemeins'mm Sk alle sollten dem Ziele zustraben, einen Musterstaat aufzurichten, eine Heimstatt sozialer Gerechtigkeit. Und di« Grundlage fiir diese Entwicklung, die wir in unserer Propaganda wsichin verkündet halben, sollte der national«, im EigentMN des jüdischen Volkes sichende Boden sein. Dieses Ideal hat dem Zionismus, dem Palästinaaufbauwerk tatsächlich die Besten unter den Nichtjuden zu Freunden geworben, hat Mänern wie Dalfour, Ceoi-l, Mae Döllach BekenntniSworte voll religiös gestimmter Begeisterung entlockt. Und nun droht die Betätigung der Privatinitiative auf dom Gebiete des BcdenkauseS alles, was sich an neuem, heroischem Geist in Palästina regt, zu beschmutzen und schließlich zu verschütten. Ist daS zu viel gesagt? Nu« denn, ein paar Tatsachen!' Es wurde mir glaubhaft erzählt, daß Tel-Awiwer Bodenparzellen von Juden drei Monat« nach dein Kauf um daS Doppelte des Kaufpreises wieder an Juden weiterverkaust wurden. Angenommen schon, diese Daten wären übertrieben; genug, daß man davon in Palästina spricht und daß man es kslaubt. Ein mächtiger Anreiz für so urw so viele andere, sich diese Berdienstmöglichkeit nicht entgehen zu lassen und ihr nachzülmrfen. Der glückliche Coup eines Dcdonfpekulanten ruft chrer gleich einige neue aus den Plan. Und nicht nur solche werden dazu verlockt, die mit dem eigenen oder erborgten Kapital noch nichts Rechtes im Lande anzufangen wußten, sondern auch solche, welche schon ihren Platz für pvodMive, doch minder Profitable Arbeit gesunden Hoben. Ist nicht jene jüdische Köchin typisch, von der mix ihr« Dienstgeber in erzählte, daß sie den Lohn für zwei Monate voraus verlangte, um sich an einer Bodenspekulation ihrer Warschauer Landsleu^ zu beteiligen? Denn die Spekulation ihr das eine und andere Mal glückt, wird sie wahrscheinlich den KochloffÄ beseite legen, um sich unemgoschränkt der neuen Tätigkeit zu wAnnen. Der soll sich noch minder rentabler und besonders physischer Avbeit Hingaben, wenn der Handel mit Boden leichten Gewinn verspricht? Ja. ist einmal der cchmchin nur leise schlummernde Handelsgeist unter den Jlchen Palästinas geweckt, so können sich auch di« achtbarsten Menschen schwer der Verlockung erwehren, rnihuttm. Ich selbst hörte angesehene und im gesellschaftlichen Loben des Landes hochstehende Männer - es aussprechen, daß sie mit sich kämpfen müssen, um den Tanz um das gülden« Kalb nicht mitzumachen. Sie wägen die Pflicht gegen die Allgemeinheit und die Pflicht gegen Weib und Kind widereinander ab, fl« fühlen sich als die Dummen, die abseits stohen, sie fürchten den Spott der Evfolgreichen... Und Geld, das so leicht verdient wird, wie durch Bodenspekwksltion, entwöhnt nicht nur rasch von wirklicher Avbeit, sondern verlockt auch zu einem broitbchaAcheu Leben, zu BergnügungSsucht, lockert dke Sitten und stumpft da» Gewissen ab- Len» einmal der Strom der Kauflustigen zu verflöge» droht, muß «an eben »achhelfen, muß «an den Appetit reizen, Ws ich vor Monatsfrist im Auto von $414M> nach Jerusalem flchr, klagte mein Sitznachbar, ein amerikanischer Jude, sein Leid. Er habe das Land ausgesucht, um sich an der nationale» Verjüngung zu freuen; ndöen ihm lag ein Bücherpack, da» Vermächtnis seines Neffen an die Nationalbibliothek. Und nun müsse er aus Tel-Awdw fliehen; denn, als die Mäkler hörten, ein „Amerikaner" sei da, hätten sie ihn schwarmlvei.se überfallen und gepeinigt bei Tag und Nacht, Boden zu kaufen... Und wenn nicht genug ,Kommittenten" in Palästina zu finden sind, liegt eS nahe, sie durch «ine, oft skrupellose Propaganda im Ausland zu suchen. So ist eS gekommen, daß man in Nalewky und Bronx mit den Parzelle» heiligen BodenS handelt wie gostern und «hegestern mit Irgend welch«» Aktien ans „Knorkes"... Statt daß der neu« Geist von Erez JsraA auSstraylt, droht so der Handelsgeist de» GoluS Palästina zu erobern und mit verdoppelter Glftwirkung nach außen zurückzuwlrken. Und wer in Palästina nicht über daS Kapital, di« Ampelwsigkeit oder auch di« Routine verfügt, mitzutun, Um am Boden zu verdienen, so vor allem di« breit« Schicht der Arbeiter, dk sich beim Häu':r- und Straßenbau, in den Steinbrüchen nnd Sümpfen, in Feld mch Garten bi» gut Erschöpfung abrackert» muß den nicht tiefer Groll erfüllen beim Anblick solcher Zustande, Groll und auch fressender Neid, daß die anderen, di« Spekulanten, die Händler, di« „Bourgeois" «S um so viel besser haben! Wobei jene leicht übersehen, daß der Uetberfpannung der Bodenpreise eines TagcS der unvermeidliche Krach folgen muß. Und aus Haß und Neid ist ja so leicht ein politisches Programm gestülpt, kommunistisch cder dergleichen, und die Verschärfung der sozialen Kämpfe ist da, um dk Judenschaft de» Landes zu spalten und zu schwächen. Was wird aber dann ans der Begeisterung des jüdischen Volkes für den Palästinaau'bau und waS aus der Mithilfe unserer nichtjüdischen Freunde? (Fortsetzung folgt.) vtt Keren Hajessod gründet eine nett« Siedlung. In der nächsten Zeit wird m Kerkur ein« nette landwirtschaftliche Siedlung durch den Keren Hajessod begründet werden. , Tie Siedlung wird aus einem Stück Land errichtet, daS von der Gesellschaft Achusath London Aleph dem Indischen Nationalfonds übertragen wurde. Für den Anfang sollen 20 Familien angesiedelt werden. Die Vorbereitungen sür die neu« Siedlung wurden vom KolonisationSdopartement der Zionistische» Paläftinaexekutive mit der Londoner Achusach getroffen. Sin »llb brr PglNwaNnnanemmv E««- 8,H *“ «n Hand der Bericht« über die Palästinaeintvanderuug wahrend der Monate Noventber und Dezember 1924 und Jänner 1925 veröffentlichen wir nachstehend die betreffenden Zahlen in Tabellenform, di« ei» gut«» Bild über di« Gliederung der PalLstinaeinwanderung gibt. November Dezember Jänner Einwanderer ......... 1960 1825 1860 davon mit Tovtlsteavisum .... 825 225 186 rückkehrende Palästinenser. . . . i 91 99 88 via Jaffa in» Land gekommen . . 1818 1415 1400 » Haisa , , „ * ♦ 491 329 391 „ Jerusalem in» Land gekommen. 144 81 69 (Diese «Ud alle folaeutzen Zablen ohne Berücksichtigung der Rückkehrer.) soiiiMtt * *•«»«•»• 690 788 789 Frauen ............ 682 664 675 Kinder 487 419 898 Männer, kediq. 277 400 867 „ verheiratet ohne Familie gekommen. 187 117 162 , verheiratet, mit Familie . 876 286 260 Frauen, ledig. . . .. 248 226 217 « verheiratet, obne ihre Manver.resv. zu ihren Männer» geksmmen. . 66 31 41 Frauen verheiratet, mit Familie . 873 298 317 Familien. . .. 864 807 814 Deren Ceelenzahl. 1206 1041 1060 Aschkenasische Juden ...... 1530 1589 1568 Sephardische Jude«. 329 137 194 Hauptsächlichste Herkunftsland::: ■ November Dezember Jänner SßolMt >••#•«••••«( 885 843 964 Rußland........... 811 408 880 Litauen.. 95 127 106 Rumänien.. 144 61 46 Deutschland.. 17 71 14 Bulgarien .......... 85 1 35 Amerika ........... 15 45 31 Irak. 116 21 23 Schristftelle» und Mnftlettag der Keren Katemeth in Srr» Sirael. Die Derein-rgung hebräischer Schriftsteller in EvH Israel trifft energisch« DorberMrmgen für dk Durchführung des von ihr vorgeschlagenon „Schveftsteller- und KünsdlevtageS de» Jüdiiichen NaticmälsondS". Diese Veranstaltung wird in den Zwischenfeiertagen deeS Pesfachfestes stattfinden, also zu einer Zeit, da 4n Palästina zahlreich« Bchucher aus aller Welt erwartet werden. Allein dk Lröffmmg be* hebräischen Universität in Jwusallem wird ein« große Schar von Besuch-wn horanzichen, und es erscheint durchaus angemessen, daß Studenten rvnd inMMuelle Kreise bei dieser Gelegenheit ihre Anerkennung der Wichdigkeit der Äamderwevbsinstiituit-'iom des jüdischen Volkes kundlgsbem Dk Pvofesioren des JnstiitiudS flür jüdische Wissenschaften an der Umdevsität, dk den Auisvus der Verewigung zur Teilnahme aller Kollegen an dieser ointzigartigM Kundgebuiwg unterzeichnet halben, geben durch Dr. I. L. Magnes, den Leite« de» Univevsitätsraks, dk Zusicherung ihrer Mitwirkung. Anläßlich der UnioersttätSeröffmvng mb MichMig äl» Errnneruing an diesen ersten „Schriftsteller- und Künstlevlag des Jüdischen NationalfondS", der nmrmehr eine sich jährlich wiederholende Mti-cm wird, bereitst die Bereinigung durch den Jüdische» NationalfondS vk HrrMSgab« der zionistischen Schriften des verstorbenen Prosessar HermaM Schapiro vor, der zuerst Vorschläge zur Gründung einer jüdi'chen Uniiversrtät in Jerusalem and deS Jüdischen NationalfondS machte. Dieser bedeutende Beitrag M zvoikvistischen Literatur wird vor Pesfach in Jerusalem erscheinen. Die Veremiguing arrangiert ferner während der Zwischenf-ekrtage Pessach eine Reihe von Aktionen 4m Lande, deren Erträge dem Jüdische» Mbionalfonds abgefühvt werden. In den großen Städten werden literarische und musikalische Abende Veranstalter werden. M-ilglieder der hebräischen Oper werden Konzerk geben und di« beiden Lhvatergvuppm Palästina» dramatisch« Börstellunge«. Die kleineren Gemeinden werden von Rednem besucht werden. Alle Künstle« mb Redner stellen ihve Dienste unentgeltlich zur Berfügmrg. Dk Sch«Wellwverein4gmtg wird ferner einen Stand in dem zu Pessach stat findenden N atiowalsonds-Basar auf. schlagen. Da» gibt ihr Gelegenheit, bk von Kunstgewechlem und Künstler« goryidmeto» Beiträge ouLzustellen und zugunsten deS Ker^n idaj-mech zu perkqnfen, ebenso wie auch Mamchkvips« und Büchor vaa Gelehrte« und SchviMNer«. G.L.) Sie «knglknge bei güvischen Ration alsonds. ErfrenNch« Steigerung. Die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds erreichten im Februar d. I. die R e k o r d f u m m t von 2 2.0 3 9 agYPt. Pfund. DaS ständige Steigen der Nationalfondseinnahmen im laufenden Jahre geht deutlich aus einem Vergleich mit den Ziffern des letzten Jahres hervor: Oktober 1923 7689 Pfund, 1924 9032 Pfund; NovenrLer 1928 6848 Pfund, 1924 17.724 Pfund; Dezember 1928 «789 Pfund, 1924 20.266 Pfund; Jänner 1924 10.014 Pfttnd. 1928 17.281 Pfund; Februar 1924 14.028 Pfund, 1928 22.088 Pfund. Die Gesamteinnahmen der ersten fünf Monate 8688 (Oktober 1924 bi» Februar 1925) betrugen 86.388 Pfund gegen 47.422 Pfund in der gleichen Periode des Vorjahres. Seit der Verlegung de» Hauptbureaus nach Jerusalem (Oktober 1923) wurden 868.154 Pfund gesammelt, das heißt über ein Drittel de» Gesamteinkommens in den 81 Jahren fett Gründung des Jüdischen Nationalfonds im Jahre 1902 bis zur Uebersiedlung nach Erez Israel. «iiaftige «attiickluna der ftebtiitöen Ratlonalblbliothek. 58.000 itcttt Bände in vier Jahren. Die günstige Entwicklung der hebräischen Nationalbibliothek in Jerusalem, die bekanntlich vom Keren Hajessod unterstützt wird, ist au» der Tatsache zu ersehen, daß die Zahl ihrer Bände vom Sommer 1920 bis Jänner 1925 um 63.000 vermehrt wurde. Als die Bibliothek von der Zionistischen Palüstinaexekutive übernommen wurde, war sie 32.000 Bände stark; nach einem halben Jahre betrug die Zahl ihrer Bücher bereit- 34.000, ein Jahr später 46.000; am 1. Jänner 1928 60.000, ein Jahr später 70.000 und im Jänner 1926 zählte di« Bibliothek 86.000 Bände. Die durchschnittliche Zahl der Besucher der Bibliothek beträgt monatlich zirka 2000. Die Leihbibliothek hat 12.000 Abonnenten, die durchschnittlich zwei Bücher. monatlich ausleihe«. Dk amerikanisch« Hadasfah-Kampagne. Ein Massenmeetiuä eröffnet« am 21. Jänner in Ehitago dk JahreSkam- Pagn« der Hadasstch Mwieal Orpanlsation mit Kol. Kisch al» Hauptredner. .Die 1700 Mi-tglieber umfassenbe Chikagoer Gruppe der Habasstch ovaandiierte 100 Grtrppeu zur Durchführung d« Kampagne, d!« 28.000 Dollar aufbringen soll. In anderen Städten sind Parallelaktioum im Gange. » . Ueb*? ein« , halbe «iltto» Rationalsoud»büchseu verteilt. IM ^wurden i« de» verschieden« Ländem bas»