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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-22 · Heft 2186 (22.3.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2186 (22.3.1925)
Date
1925-03-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2186 Wien, Son-Mg Wiener MorgenzettMg. LL. MuvZ 1VSV VE, Wohlschmeckend, billig und gesund: Kathreiners Kneipp Malzkaffee Niemals offen ausgewogen — echt nur Im Originalpaket mit Bild Pfarrer Kneipp. Sie Leichenfeier für Smio«. London, 21. März. (Tel.-Kantp.) Bei dem den Lmmenden Mittwoch angesetztsn Begräbnis Lord Curgo n S wird der Prinz von Wales den König vertreten. Die Tranerfeier wird den Charakter eines nationalen Ereignisses tragen. Nach der Feier wird der Sarg mit den sterblichen Ueberresten des verstorbenen Staatsmannes nach feinem Geburtsort Kedlefton überführt wevhen. Curzons Nachfolgen — Salisbury? London, 21. März. (Wolfs.) Wie der politische Berichterstatter des „Manchester Guardian" meldet, erwarte man allgemein, daß Lord Salisbury als Nachfolger Lord C u r z o n s zum Präsidenten des Geheimen Rates und Führer im Oberhause ausersehen sei. Weiters erwartet man, daß Lord Birkenhead im Herbst Lord Reading als BizekönigvonJn die nablösen iverde. Damit werde sich auch die Möglichkeit eines Eintrittes Sir Robert H o r n e s in das Kabinett ergeben. Staat «ad Kirche i« Frankreich. Herriots Mehrheit bei der Kammerabstimmung. Paris, 20. März. (Havas.) Die Kammer hat die Debatte über die Interpellation betreffend das Schreiben der Kardinäle mit der Annahme folgender Tagesordnung abgeschlossen: Indern die Kammer sich zu den Grundsätzen des Laizismus bekennt, auf denen die Republik die Gewissens- und Glaubensfreiheit des Bürgers, wie sie durch die Erklärung der Menschenrechte definiert ist, auifgebaut hat, indem sie. ferner ihren Entschluß kundgi.bt, an der Trennung von Kirche und Staat, die allein die Herrschaft der Zivilg-ewalt sichert, festzuhälten und den Appell an die Gewalt verwirft, den man zu einer Agitation in einem Augenblick für geeignet erklärt hat, da das Land die schwierigsten finanziellen Md internationalen Fragen zu lösen hat, druckt sie das Vertrauen in die Regierung aus, daß sie ohne Schwäche in der unbedingten und loyalen Anwendung der Laieitgosetze fovtsahrvn sotto. \ Für die Tagesordnung hotten sich 320, dagegen 193 Abgeordnete ausgesprochen. Der elsassische Schulstreik abgesagt. Paris, 21. März. Die katholischen Zeitungen im Elsaß veröffentlichen heute die Mitteilung, daß der B i f cho f von Straß bürg irr Anevkennung der Zwangslage der „Törichte Frau." Bon I. Berschadsky. törichte Frau", — wie oft hat sie diese Anrede aus dem Atunde ihres Gatten gehört in den 20 Jahren, die seit ihrer Hochzeit vergangen warerr. In wie verschiedener Weise wurden diese Worte gesprochen! Da. gab es Fälle, in denen sie dem Munde ihres Mannes im. Zorne entschlüpften. Dann Nmrde fein Gesicht bleich und seine Augen sprühten Funken. Manchmal wieder klangen sie tveich, fast zärtlich. Jede Regung von Zorn lvar verflogen, und ein leichtes, wohlwollendes Lächeln begleitete sie. Es kam aber auch vor, daß ihr Mann diese Worte geringschätzig in. den Bart brummte, wenn sie miteinander disputierten. Wenn feine Behauptungen manchntal vor ihren Beweisen zusammenschrumpften, wenn er an die Wand gedrückt wurde, wenn er keinen anderen Allsweg fand und weder ein noch aus wußte, dann rettete er sich mit den Worten: „Ach, Du bist eine törichte Frau." War sie wirklich so töricht? fragte sie sich zuweilen. War ihr Verstand wirklich minderwertig? Nein, nein, lehnte sie sich auf. Sie hatte den rechten Begriff von vielen Dingen. Ihr Gehirn arbeitete nur nicht so schnell. Sie konnte nicht im Augenblick die Zusammenhänge erfassen. Allmählich aber entwirrten sich die verworrenen Fäden, klärten sich die Unklarheiten. Langsam, langsam kam sie ans Ziel. Ihr bedächtiges Urk.il kam, der Wahrheit oft näher als das vorschnelle, übereilte der anderen. . In vielen Fällen aber äußert« sie ihr Urteil gar nicht; denn sie fand nicht den Mut in ihrer Seele, es hören zu lassen. Und doch bewies der Ausgang der Begebenheiten oft, daß sie ganz richtig empfunden hatte. So war es in der Tat und doch blieb sie in den Augen ihres Mannes die „törichte Frau", deren Älkeinungen nicht wert waren, ernsthaft in ErNxigung gezogen zu werden -- oder, hatte ihr Mann vielleicht doch recht? — Pflegte überhaupt nur ihr Mann allein so zu sprechen? Gab es nicht viele Männer, die sich gegen die Frauen in derselben Weise verhielten? Irrten ftc sich alle? Vielleicht waren die Männer durch- Eltern die Teilnahme der Kinder am Schulunterricht in der gemischt-konfessionellen Schule gestattet hat. Ungarisches. Ein echter Horthy-Stuhlrichtek. Budapest, 21. März. „Pesti Naplo" veröffentlicht seit einigen Tagen aufsehenerregende Einzelheiten über die Willkürlichkeiten und Ungesetzlichkeitelt des Oberftuhlrichters des Güdöllöer Bezirkes, Ladislaus End re. Zu den aufreizendsten Taten dieses Wächters «der Horthy-Iuftiz auf dem königlichen Besitz Gödöllö gehört wohl der folgende Erlaß, >den der Obevstuhlrichter an den Vorstand eiiler im Bezirk gelegenen Ortschaft gerichtet 'hat. Der Erlaß lautet: „Ich fordere Sie oiuf, noch im Laufe des heutigen Tages unter Inanspruchnahme der Gendarmerie Nachforschungen -darüber smAuleiten, ob sich in der Gemeinde nicht ein jüdischer Staatsbürger befinde, der nicht in der Lage ist, seine Staatsbürgerschaft nachzuiweisen. Denn daß es keinen solchen gebe, ist völlig ausgeschlossen! Sollten Sie nicht imstande sein, ein befriedigendes Ergebnis aufzuweisen, werde ist unverzüglich die Vorerhebungen zur Einleitung der Disziplinaruntersuchnng gegen Sie verfügen!" Daß kein Jude aufgetrieben werden fonm-te, der zu Ehren der allgewaltigen Majestät Horthy, der im Lustschloß Gödöllö erwartet wurde, ist für einen Stuhlvichter Horthhs einfach unmöglich. So will es >der christlichnattonäle Kurs! Die Folter. Budapest, 21. März. („Pesti Naplo.") Im Februar dieses Jahres ging beim Bahnpostamt in LöKshaza ein G e l d b r i e f mit 13.000 Lei verloren. Die dortige Grenzpolizei leitete -die Untersuchung ein und verhörte den neunjährigen Zeitungsausträger Ludwig Kelemen, der angab, er habe gesehen, wie der ebenfalls neunjährige Johann Aufmut, der Sohn des Weichenwärters Josef Aufmut, einen Gegenstand vom Erdboden aufhob. Auf Grund dieser Aussage wurde nun der neunjährige Aufmut verhört. Er sagte aus, daß er das in Verlust geratene Kuvert mit dem Geld nicht gesehen habe. Der Kommandant der Grenzpolizei, Konzipist Paul Fiedler, nahm nun die Untersuchung in die Hand. Er peinigte dorr neunjährigen schwachsinnigen Knaben und aus berechtigt, sich nicht allzu sehr auf den Verstand der Frauen zu verlassen? In der Tat, welchen Wert hat die schlichte, ungelehrte Frau gegenüber dem Manne, dessen Verstand schon durch das Studium der Thora geschärft und erleuchtet ist? Me heiligen Bücher sind gewiß weiser als wir schlichten Frauen, und geben sie nicht auch dem Manne' den Vorzug vor der Frau? Und unsere Heiligen Rabbomm haben sogar ein „Brochoth" für den Mann festgesetzt die sie verpflichtet, dem Ewigen dafür zu danken, daß er sie nicht zum Weibe geschaffen hat. Ist dadurch nicht die Tatsache ihrer Minderwertigkeit klar wie der Tag erwiesen? So ist es —- sie hat keine Ursache, ihrem Manne zu grollen, ist er doch ein Mann! Aber ihre Tochter? . . . Zwar hat ihre Tochter sie diese Anrede noch niemals ausdrücklich hören lasten. Aber wenn manchmal die Mutter sie auf etwas aufmerksam macht, was ihr nicht gefällt, dann drückt ihr Gesicht eine gewisse Geringschätzung aus. Verächllich sieht die Tochter sie an, als wollte sie sagen: „Törichte Frau!" . . . Ihre Tochter ist in der Tat klug, belesen und verkehrt in vornehmen Kreisen. Ihr Vater hat sie auch noch nie „töricht" genannt. Aber auch sie war früher gebildet", wie ihre Tochter das heute ist, auch sie wurde ihrer Mutter gegenüber für weise gehaltert — auch ihr Vater. hat sich niemals geringschätzig gegen sie verhalten und trotzdem . . . Wer also verbürgt ihrer Tochter, daß nicht auch sie sich diese Anrede wird gefallen lasten müssen im Hause ihres Gatten?! Ihre Tochter — eine ,/törichte Frau"? ... So sollte sie genannt werden int Hans« ihres Mannes? .. . Int Hanse von dem? . . . Der und ihr Mann! Wie groß ist der Unterschied zwischen ihnen! Wie verschieden ist ihr Benehnten, ihre Art, sich zu geben! Verschieden ist auch die Art, wie sie sich gegenseitig kennen lernten! Sie wurde ihrem Gatten zugeführt, wie es damals Sitte war, vermittels eines „Schadchens" und nach dein Beschlüsse ihrer Eltern. Nicht so ihre Tochter, die an der neuen Manier festhielt, nach eigenem Verstände zu lvählen, nach der Sprache der Liebe. Welches ist denn eigentlich das Wesen der Liebe? Sie weiß, daß die Liebe Sitte geworden ist im neuen Geschlecht, und sie hört Tag für Tag die Verschiedenartigstert ließ deffen Eltern, den Weichenwärter Josef Aufmut und seine Frau, zur Polizei bringen und in besttalischer Weife mißhandeln. Die Frau, die ein Vermögen von 300 Millionen besaß, ntachte sich evbötig, den Schaden zu ersetzen. Die Polizei forderte jedoch die Rückgabe des Originakbriefes. Diesen konnte die Frau nicht produzieren, da sie an der Sache vollkommen unschuldig war. Der Leiter 'der Untersuchung, Fiedler, erklärte vor Zeugen, daß er Josef Aufmut und seine Frau u nt j e d e lt Preis zu einem Geständnis bringen -wolle. Er werde sie an einem Ort verwahren, wo sie nicht atmen können. Weitere Zeugen teilten mit, daß sie aus dem Arrest von Lököshaza furchtfare Schreie vernommen hätten. Am nächsten Tage fand man Frau Aufmut an einem H a n d t u ch i n d e r Z e l l e e r h ä n g t. Bon der Straße aus konnte man den Leichnam am Fensterkreuz sehen. Josef Aufmut wurde durch die Peinigungen schwer verletzt und liegt seitdem krank -danieder und konnte daher bis jetzt nicht einvernommen werden. Dem Sarge der Frau Aufmut folgten die sechs Waisen und die Bevölkerttng des Ortes, die fo eingeschüchtert war, daß sie keine- Anzeige wagte. Endlich kam die Angelegercheit doch zur Ketmt-ms der Vorgesetzten Behörden. Ein Polizeirat leitete die Untersuchung ein und stellte fest, -daß der als Kronzeuge angeführte Johann Ausmut schwachsinnig sei und idaß die Gerüchte von der Peinigung -der Unglücklichen der Wahrheit entsprechen. Daraufhin wurde der Letter der Grenzpolizei und die übrigen Mitglieder verhaftet. Angeblich soll der verschwundene Geldbrief bereits in einem Postamt aufgefunden worden sein. Ne Abschaffung der Sovvelseierlage in der Tschecho-Slowakei. Heftige Szenen im Parlament. Prag, 21. März. (Tschech. Pr.-Bur.) In der heutiges Sitzung des Abgeordnetenhauses kam es während der über das Feiertagsgesetz und das Arbeiterur-, laubsgesetz unter einem abgefirhrten Debatte wiederholt zu Zusammenstößen und zu lärmendem Widerspruch seitens der tsck-echo-slowakischen und der slowakischen Volks-Partei. Die Abgeordneten Dr. Hlinka und Myslivec ebenso wie die Redner der deutschen Sozialdemokraten wendeten sich gegen die Aufhebung der DoPPelfeiertage, die sie als ein Verbrechen an der arbeitenden Menschheit bezeichneten. Während der Abstimmung über die ersten Paragraphen Erzählungen über diese Liebe. Aber bei alledem ist sie nicht fähig, sich über diese Erscheinung Klarheit zu verschaffen» viel weniger noch, ihr innerstes Wesen zu begreifen. Eilt Rätsel ist es auch in ihren Augen, daß sich die Liebe erst in diesen Tagen breit macht. Warum war sie dem alten Geschlecht gänzlich unbekannt? Zwar ist die netteste Zeit reich an Erfindungen vev> schiedenster Art. Das Sinnen der Menschenkinder ist darauf gerichtet, sich das Leben bequemer und gemütlicher zu gestalten. Aber sie sieht nur die Wirkungett aller Erfindungen und kann chr Wesen nicht begreifen. Ist die Liebe auch eine solche Erfindung? Nein, nein!- Jede neue Erfindung pflegt doch den Menschen etwas Gutes zu bringen —« diesen oder jenen Stutzen. Welches ist aber der Nutzen, der aus der Liebe entsteht? Waren die Partien, die früher nach dem Willen der Eltern durch die Vermittlung der „Schadchon m" beschlossen wurden, nicht besser als die von heute, bei -deren Zustandekommen nur das Wohlgefallen der Kind'.r und das Gefiihl der Liebe maßgebend ist? Wie viele Streitigkeiten und Zänkereien entstehen dadurch zwischen Eltern und Kindern, wie viele unpassende Par? tien werden -di ser Li'be wegen geschlossen! — Ja, aus der Liebe ensstehcu Streit, Aerger, Verdruß» urrpassende Partien! Droht all das jetzt nicht auch ihrem Hause? Wird denn ihr Mann schweigen, wenn ihm die Sachs bekannt wird'-' Sic kennt sehr wohl die leichte Erregbarkeit ihres Mannes. Sie weiß, daß er der geringfügigsten Sache wegen, die ihm nicht paßt, Lärm schlägt. Sollte er in einer so wichtigen Angelegenheit auf seine Meinungsäußerung verzichten? Und lvar er nicht in der Tat berechtigt, Himntel und Erde in Bewegung zu setzen? Was ist denn der? — Ein armseliger Buchhalter, der 40 Rubel monatlich verdient bei einer lostündigen, täglichen Arbeitszeit. — Ein Mann wie der ein passender Bewerber für ihre Tochter?! . . . Ihr Verlobter! ... So ganz all* mählich gewinnt dieser Gedanke Raum in ihrem Herzen. Sie kann nicht mehr von ihm loskommen, ob es ihr an* genehm ist oder nicht? . . . Seine hübsche Gestalt steigt vor ihren Augen ans, sie hört seine angenehme Stimme. Der Gedanke an sein verbindliches Berrehmen tut ihr wohl und läßt in ihrem Herzen ein warmes Gefühl für ihn

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