Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2186 (22.3.1925)
- Date
- 1925-03-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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6e*fef Wleuer MornenIestuust. 32. März 1925 M.S1SK fraget m Schuhe! mff eingebautem „3er»on“*Qtimrn-Absatz 12. Frage: Wurden besondere Verordn» nge» erraffen, de so -waßt sind, daß sie den Juden die Er'a^u-ng &t padstinenfifche» Staalsbürgevschast erltzlchwrn? Anttvrrt: Tin Berordmmg A«r dre pa^ästineustsche Stoatkbürgerschrft steht setzt zur Veranin^. 13. Frage: Kat man es für nötig befunden, sich mit der Jewish Agency bei der Inangriffnahme »nd ^-urckvährung öffentlicher Arbo' en. U:'wrrvehwurgen wob Konzessionen odrr bei der Entwicklung der natürlichen Hilfsquellen des Landes ins Einvernehnv'n zu setze-n um!d wenn, rmter welche« Bediwoungen? Antwort: Inangriffnahme und Durchführung von ässenkkche« Arbeitzen ,chv. in Verbindung mit der Jewich Agency: Es wurde m keinem Fa8e er» direktes Mbervinkomme« mit der Iowifh Agency zur DurcktÄhrung öfftn-tlricher Arbeiten oder Entwicklmrg der natürlich?« HiPquellen des Landes getroffen. Es ist jedoch eine Bestimmung der geplanten Konzession an Herr« Ruthcnverg zur Erzeugung elektrischer Energie» «rS dem Jordan, daß die KonDwlenttig der Gchellstha-ft. welche die Konzession durchführen wird, der Zustimmung dos High Commissioner im Einvernehmen mit der Jewifh Agency bedarf. Di« Zionistische ExeLutrve streckte der Regierung einen Betrag von 16.000 ägypt. Pfund für den Bau «net Landstraße vor, welche von der Straße Jaffa —Jerusalem noch den Mische» D-ör.fevn Rischon»!«- Zicm und Rechiboth «Zweigt. Die Regierm^ soll diesen Betrog mmrhalb von drei Jahren cder »ach chvsm Bskieben früher Aurückzahken; die Dörfer werden der Regierung den Betrag von 5000 Pfund in zehn Jahresraten zu 500 Pfund zurückzochle». Für dieses Darlehen werden von der Regierung kein« Zinsen bezahlt. .14. Frage: Geben Sie eine vollständige Liste der Koeyessioeec» $atote der Namen und Nationalität der Konzessiv nsüdhaber. Antwort: Nachstehend die Einzelheiten über die verliehenen KrAHessionen: 1. Konzessionen für die Schaffung und Aofevu-ng elektrischer Kraft zu BeleuchtungS- und andere« Zwecken und für di« Waffewerforgnng im Jaffaer Distrikt. Kon. zessionär: Die Jaffa Electric Company Limited, sine PalLftiuenisische Gesellschaft. 2. Im Jahre 19*21 wurde mit Herrn Pinkas Rirthenberg. einem russischen Staatsbürger, «ine Vereinbarung getroffen, nach der er die Konzession zur Gewinnung von Elektrizität durch die Wasserkräfte her Flüsse Jordan und Jarmuk und zur Bevforgung von Palästina mit elektrischer Kraft erhöhten f?ll. Eine palästinensische Gesellschaft wurde gebildet, die Pale st ine Electric Corporation, die in UsLereinstzmmmng mit den Bedingngen der Verein-!bavung die Konzession durchführen soll. Die Konzession dürft« in absehbarer Zeit verliehe« werden 3. Ein« Vereinbarung woge« Verleihung einer Konzession zur Trockenlegung des Hulchfces und zur Lmeliorierung und Bewässerung bestimmter S«chst«cken am imb in der Umgvduug des Sees wurde mit der Syro-Ottoman Agricultural Company Limited getroffen. Diese Vereinbarung ersetzt ein« von der türkischen Regierung rm Jachre 1914 vergebene Konzession. 4. Eine Vereinbarung in der Art einer Konzession, di« die Athlit Salt Company, eine palästinen- -fische Gesellschaft, ermächtigt, durch Verdu-nstzung des SvswasserS bei Athlit Salz zu gewinnen. 5. Eine Konzession für die Erhaltung bestimmter L e u ch t t ü r m e an der Seeküste von Palästina wurde im Jahre 1800 von der türkischen Regierung an di« Soeiere de Pbares de Empire Ottoman. eine französische Gesellschaft, vergeben und ist noch in Geltung. 6. Eine Konzession wurde im Jahre 1921 der Jewrsh Colonr sation Assaeiation $ix Be» Wässerung, Kultivierung und Aufforstung der Regie» rungskändcreien zwischen Ächl-lt und Cäsarea verliehen. 7. Eine Keine Konzession für den Motordsortra«Sport auf dem Toten Meer. die noch mcht in Geltung ist. Der britische Oberbefehlshaber in Indien. London. Sl. März. (Wolfs.) Feldniarschall Sir William Riddel B i r d w o r d. der sich im Weltkriege auf Gallipoli ausgezeichnet hat. ist alz Nachs.-kger Rawln^ous zum OberbefehlShabcr iu Indien ernannt worden. Das britische Zeugnis, i — 7. W t e h, 22 März. ise ist ein britisches Weißbuch erschienen, welches die Antworten der britischen Regierung auf den Fragebogen des Völkerbundrates enthält. Die Fragen, die sehr detailliert gestellt werden, lassen sich in eine einzige zusammenfassen: Was hat die Mandatarmacht unternommen, um den Zweck des Mandates, die Errichtung der Heimstätte für das jüdische Volk, der Erfüllung) näherzubrinaen? In gewissenhafter Auffassung seiner Kontrollpflicht kommtder Völkerbund immer. wieder . auf diese Grundformel seiner Mandatsbeschlusses zurück und versucht, in vierzehn sehr präzise formulierten Punkten zu einem genauen Bild der Fortschritte der Entwicklung im Lande zu gelangen. Die Beantwortung durch die englische Regierung ist ziemlich lückenhaft, öfters sogar mißverständlich, und auf einen sehr wichtigen Punkt, den der Regelung der Staatsbürgerschaft, wird überhaupt keine fixe Auskunft erteilt. Zur vollen Beurteilung des politischen Wertes dieser Dokumente muß sich die jüdische Oeffentlickkeit vor Augen halten, daß nicht sie, sondern die britische Mandatarmacht. gefragt wird und antwortet. England tritt an diese Angelegenheit, die das jüdische Volk mit allen Sinnen, mit Herz und Nerven verfolgt, kalt und kühl heran. Es hat Rechenschaft über die Maßnahmen seiner Negierung und ihrer Organe zu legen und legt sie. England kann sich nicht so ohne weiteres in unsere Lage versehen. England steht mit beiden Füßen fest auf seinem Boden, hat ein wohlausgebau.tes politisches System und sieht die jüdisckie Sorge mit seinen nüchternen Augen an. Für England ist die Erfüllung des Mandats eine Prestigefrage, für das jüdische Bvlk die Lebensfrage. Das ist ein sehr großer Unterschied. Schlüge das Mandat durch irgend welche Aenderüngen im politischen Kalkül, durch äußere Umstände, fehl, nun dann wäre das für England ein wahrscheinlich sehr peinlich empfundener Echec. Mas eine solche Eventualität für uns bedeuten würde, das steht in jedem jüdischen Herzen geschrieben. Wir müssen uns, wenn wir das britische Dokument verstehen wollen, mir diesen Verschiedenheiten in Betrachtung und Problemstellung vertraut machen. Unter diesem Gesichtspunkt wird das nüchterne diplomatische Aktenstück zu einem volltönenden ehrenvollen Zeugnis für die jüdische Arbeit in Erez Israel. Me vierzehn Fragen des Völkerbundes richten sich an die britische Mandatsmycht. WaS hat sie unternommen, um dem.Mnd den jüdischen Charakter zu geben, die jüdische Landnahme zu fördern, für Verkehr, Erziehung. Gesundheitswesen zu sorgen? Die britische Regierung antwortet: Alles haben die Inden getan. Sie wandern ein, kaufen Boden, besetzen'ihn, arnelio-, rieren ihn. bauen StädtH Dörfer. Chausseen, Bahnen, Elektrizitätstverke, sie leihen der Regierung zinsenfrei Geld für Straßenbau. Die Jewish Agency sorgt für alles. Sie ist die Vertretung der Juden, wobei hier Juden und Zionisten gleichgesetzt werden muß, weil die zionistischen Organe alle diese bauende, im besten Sinne des Wortes produktive Tätigkeit entwickeln. Die britische Regierung hat sich in keinem Falle — siehe Punkt 13 — mit der zionistischen Vertretung zur Durchführung öffentlicher Arbeiten in Verbindung gesetzt. so daß sich die zionistische Kommission (Punkt 5) nur indirekt an den Bauarbeiten beteiligen kann, und daL Regierungshaus nimmt sich — siehe Punkt 3 — einmal in der Woche Zeit zur direkten Besprechung. Es will uns dünken, daß das administrative Desinteressement kaum stärker akzentuiert werden könnte. Die Mandatsmacht kontrolliert die Einwanderung: sie hat zu diesem Behufe den der Triester Polizeibehörde zugeteilten Beamten nach Warschau versetzt. Sie führt die ArbeitSstatistik. um — Punkt 8 — die anderen Teile der Bevölkerung vor einer eventuellen Schädigung durch die wirtschaftlichen Verhältnisse zu bewahren. Das ist wahrscheinlich die Erfüllung einer zweifachen Aufgabe, wie das der Bericht der Mandatskommission im Dezember nannte. Dieser Kommission lqg diese Fragebeantwortnng Englands vor, und man begreift es heute lveniger als damals, daß sie nach diesen Resultaten zu einer Geringschätzung der jüdischen Einwanderer kam. obzwar sich deren Zahl in den ersten zwei Jahren einer im ungünstigen Sinn geregelten Kontrolle um 22 Prozent nach der städtischen, um 46 Prozent nach der ländlichen Seite hob. Seither ist der Strom der Zuwanderung breiter geworden, aber der AufsaugungLprozeß hat sick ungehindert vollzooen —* dank der Borsorge und Umsicht des zionistischen Arbeitsplanes. Wenn es für den jüdischen Wiederaufbau kein anderes Zeugnis gäbe., keine Berichte ' von .Sachverständigen, Touristen und — Feinden, so könnte sich die Welt andiesem von der englischen Regierung produzierten Bericht überzeugen, wie ernst es dem Zionismus um den Teil des Mandatsvertrages ist, den er zu zionistische Pezirlrseltion keovoidstadt Montag, den 38 d. M.. Ubr abends, im <5afz SüMcher Hof. 3. Bez. Tabor'raße sHx 40 (Souter crin) V O R T U AG *r. gggn Wchoü Koris (Sernfatgm) e b c u> o t U i M« <i r 11 3 f« «11* mit «Eteßender Mkntk»» _SPIELBKLLE_ Gummischuhe. Gummimäntel und Gummi* waren aller Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANN 4 HOROWITZ Wien, II. Bez., Taborstrnsse Nr. 11 b — Telephon Nr, 47-0-86 erfüllen hat. Wir wissen es und, wie hier zu^ sehen ist. beweisen wir eö auch, daß die jüdische Heimstätte nur von dem Judentum gebaut werden kann. Wir nehmen eß dankbar M Kenntnis, daß England den äußeren Schutz besorgt und wir wollen hoffen, daß seine Regelung der Cinwattdermtg so gedacht ist., das werdetwe jüdische Gemeinwesen in das Riesertgefüge des britischen Wirtschaftsgebietes einzugliedern. Das britische Dokument sagt uns und der ganzen Welt, daß wir die Hauptlast zit tragen haben, und es zeigt, wie ehrlich wir eS tun. Wir arbeiten für das jüdische Volk und ohne unS irgendwie von der Verantwortung lösen zu wollen, hoffen und wünschen wir, daß die jüdische 6)esamtheit unS und ihrer eigenen Sache Mittel, Adeen und Dienschen zur Verfügung stellt. Solche Berichte, wie der hier besprochene, gereichen uns allen zur Ehre Sic Grenzen Zinkens. England fte^en den türktsäi-f^anzöftschen Vertrag. — Englischer Appell an den BLjlkerbund. Parts. 21. März. Wie der Genfer Korrespondent des „Echo de Paris" aus Genf meldet, hat das Foreign Office, nachdem es erfahren hatte, daß eine Klausel in dem kürzlich von Franklin-Bouillon mrsgcarbeitcten türkischfranzösische» Vertrag Grenzberichtigüngen in Nordsyrien vorsieht, dem Völkerbund vor einigen Tagen mitgeteilt, daß die englische Regierung sich der Durchführung dieser Vertragsklausel w l d e r s e h e n werde. Der Völkerbund würde offiziös von dieser Absicht in Kenntnis oesetzt werden, wenn Frankreich daran dächte, die syrische Grenze ab zuandern, wie es sich gegenüber der Türkei verpflichtet habe. England werde den Völkerbund mit dieser Frage 3r* fassen und beantragen, sein Veto einzulegen. Deutschlands Anfnakime in den Völkerbund. London, 21. März. Wie d-as Routerfche Bureau/erfährt. f'.nidrt zwi-sche'n Paris und London auch weitLrh.'-n ein vtffix Godanlen-auswufch über die der französis ch e n Sicherheit statt. Man erklärt, daß die AMerten ^war. tzvunbsatzl:.ch vor einiaer Zeit Drüber eWg sechyGen. Wn, daß Den t s ch l and um sein« ..Äuf- NÄHtne M den V öl k« rbün d anfuchen soll«, -daß jedoch hinsichtlich der Zeit, innerhalb welcher ein solches Än-fmchme-gesmch zu stellen fei. nicht fest gelegt worden sei. Das deutsche Bündnisangeüot. Paris, 21. Mürz. Bi« der „Temps" weidet, hat ftewte Ministerpräsident Herri ot vormittags dsn er-cfifcficit Botschafter Lord Crew« und nachmittags den französischen Botschafter, in London F l e u r i a u empfangen, der gestern und vorgestern lanaere Unterredu-ngen -m-it Chamber l a i n und B a. lb w i n hatte. Nach der „Information" handelte es sich bei de-n Befprechnngen um em« g?y2-ue Prüfung d«s deutschen Angebotes eines Fünf-mächte-Momniens. Die R-egtevun-gen in Paris und London würden von der deutschen Regierung über di« Interpretierung einzelner Stellen des dmlschcn MemcwanduimS AuPün'ng verlangen und erst dann ihre Antwort auf das deutsche Angebot vovbereitvn. Di« Entwürfe der Antwortnote würden gl-sichfallü Gegenstand von interalliierten Verhandlungen bilden. Sin SMedrvertrag Mischen Voten vnd der Achecho-Siowakei. Zusammenkunft Benesch' und Skvzynskrs in Warschau. Prag, 21. Marz. Wie das „Pra-^er Tagblatt" erfährt, begibt sich -der tschecho-slowak'-sche Auße-umimstcr Driktov B e n e s ch m der allernächsten Zeit nach Warschau, um mit dem polnisch«« Außenminister S k r; h n r k i' üi'«r den Abschuß sinetsch e ch0-sk0wa k i sch - p 0! ni sch en Schied-Vertrages zu verhandeln. (Siche „Wiener Morgenzvitu-ng" vom 19. d.) Poien und ramid. Ans Grund von Informationen, die an autoritativer Warschauer Stelle eingcholt wurden, teilt die Gesandtschaft der RepMik Polen mit, daß die gestern von einigen Morgenblättern gebrachten Meldungen über angebliche T r u p pe n zu sa m m e n z i e h u n g e n an der poini'chen Westgrevze vollkommen auS der Luft gegriffen sind. Polen denkt nicht im entferntesten an irgend eine Ueberrumpvlung Danzigs und hat demgemäß keinerlei Maßnahmen m i l i i ä r i f ch e r Art getrassen. Die Unterfttiftmta über de« Mettrotti-Mord. Rom» 21. März. Die Untersuchungskommission des Senates in Angelegenheit der Ermordung M a 11 e 01 i i i hat heute noch eimn-rl. den de- Mordes verdächtigen Du« mini verhört und hierauf durch drei Stunden den ehe» maligen Pressechef Rosst einvernommen.