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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-18 · Heft 2182 (18.3.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2182 (18.3.1925)
Date
1925-03-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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' > W' ■■•■.! ,-.U Hr. 0182 Wien, Mittwoch Mienen Morftenzeilung. IS. März 1925 Sette 8 Morgen Donnerstag, 19. März, \8 Uhr abds,, spricht im JC J? Jf I V C* A ¥ 7 JpJ\f der vor kurzem Patä Grossen Konzerthaussaal der bekannte Schriftsteller * kjfXM^iA M~äl V stina besucht hat,übei stina besucht hat, über 44 „Neue Menschen auf alter Erde Karten sind im Zionistischen Bureau, Wien, I. Bezirk, Kärntncrstrassc 28 (Telephon 77-4-85, 77-4-83) erhältlich Set SchMteit im Maß. Paris, 17. März. (Tel.-Komp.) Der Schulstreik in Elsaß- Lothringen ist in den ländlichen Bezirken beend e t. In den Städten haben sich nnr etwa 27*/, der Schäler dem Streik augeschlossen. Ein Zwischenfall in der Kammer. Paris, 17. März. (Tel.-Komp.) In der Kammer ereignete sich heute nachmittags ein ernster Zwischenfall. Während der De batte Über die Verwaltungsordnung in E l s a ß - L o t h r i ng e n rief der Abgeordnete D u p l e s s i 8 zu dem Ministerpräsidenten gewendet: „T a r t u f e1* Es kam zu heftigen P r o t e st k u n d g e b u n g e n. des Regierungsblocks. Heeriot fragte den Abgeordneten, ob er seinen beleidigenden .Zwischenruf aufrecht erhalte, tvas dieser bejahte. Auf Antrag Herriots wurde darauf die Z e n s u r über den Abgeordneten DuplessiS verhängt. Die Opposition bestritt, daß bei der Abstimmung, die durch Aufheben der Hände erfolgte, eine Mehrheit für die Verhängung der Zensur über den Abgeordneten DuplessiS sich ergeben habe, imd forderte den Kammerpräsidenten P a i lt I c ü e, der im Sinne der Verhängung der Zensur entschieden hatte, auf, zu demissionieren. Painlevv hob darauf die Sitzung vorübergehend auf. Set Wechsel lm ungarischen Außenminifterinm Balko provisorischer Leiter. Bttdapest, 17. März. (Nng. Tcl.-Korr.-Bur.) Der Reichsverweser hat den Minister des Aeußeru Tibor v. S c itovszky von diesem Posten unter Anerkennung seiner besonders hervorragenden Dienste enthoben und den Handelsminister Ludwig Valko mit der provisorischen Leitung dieses Ministeriums betraut. Inland. Uebervliisung des Sleuermandatrverfahrens. Amtlich wird mitgeteilt: Die unausgesetzten Klagen aus Kreisen der Steuerträger über die hohen Steueranforderungen rm Wege des Mandatsverfahrens haben den Bundesminister für Finanzen veranlaßt, eine neuerliche Besprechung unter Zuziehung des Präsidenten der Finanzlandesdirektion Wien abzuhalten. Die Klagen betreffen zumeist Mandate, die noch vor den letzten Weisungen des Finanzmmisters betreffend die möglichste Berücksichtigung der gegenlwärtigen Krise erlassen worden sind. Der Finanzminister hat «u-nmehr den Auftrag erteilt, daß in allen jenen Fällen, wo gegen Steuerniandate ein Einspruch erhoben wurde oder weiterhin fristgerecht erhoben wird und die daher auf Grund gesetzlicher Bestimmung ohnehin ihre Wirksamkeit verlieren, unbedingt eine Ueberprüfung, nötigenfalls Ergänzung des Erhebungsmaterials vovgenommen werde und daß bei der Stellung der Anträge an die zuständige Schätzungskommission sowohl auf die gegenwärtige wirtschaftliche Lage im allgemeinen als auch auf die besonderen Verhältnisse des einzelnen Falles entsprechend Bedacht genommen werden muß. krhShung »et Arbeitslosenunterstützung. Um die Sozialdemokraten einer raschen Erledigung des Bundesvorawschlages geneigter zu mache»», hat der Minister für soziale Verwaltung Dr. Re sch einen Vorschlag zur Novellierung der Arbeitslosenversicherung ausgeavbeitet, von dem er ertvartet, daß e.r die Billigung aller Parteien finden wird. Nach diesem Vorschlag wird eine Novelle 5 u m Krankenve r si ch e r u ng 's ge se tz mit einer zehnten Lohnlklasse geschaffen werden, in die alle Arbeiter rnit einem Tagesverdienist von 4,2 Schilling eingeveiht werden. Das Krankengeld Würde dann in dieser Lohnklasse 2,8 Schilling betragen, die A r be i t s l 0 s e n -u n t e rst ü tz n n g für Ledige 2,5, für Verheiratete je nach der Zahl der Kinder 2,7 bis 3,1 Schilling pro Tag. Die a u ß e r 0 r d e n t l i ch e N 0 t ft a u d s n n t e r ft:ü> tz at n g soll bis 31. Inbl verlängert werden. Arbeitslose unter 25 Jahren, die -mehr als 30 Wochen tm Genuß der ordentlichen Unterstützung stehen, haben noch Anspruch auf die NoistandsuntersviltzN'Ng durch 22 Wochen. Ausgesteuerte im Alter von 30 bis 50 Jahren erhalten die Notstan>dsunterstützung durch 48 Wochen und über 50 .Jahre alte Arbeitslose während der ganzen Dauer der Arbeitslosigkeit. Die K i n d e r z n s chn s s e werden aufgehoben. Dieser Vorschlag wird bereits heute tut sozialpolitischen Andschnß zn'samulen mit einem Antrag betreffend die Anfrund n rr g der-Kranten versichern n gsbei träge ans ganze Groschenwerte verhandelt werden. Man hofft, nach Zuslandekommen der Vereinbarung über die Arbeitslosenunte-rstützung die Budgetberatnng Mitte der kominenden Woche abschlreßeu zu können. In dem Tagungsabfchnitt bis Ostern soll dann noch das G 0 l d b i l a n z e n g e s e tz verabschiedet w^cden. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesehtrs E gekennzeichnet._ Tagesbericht. Ae Budgetdebatte in der Wiener jüdischen Gemeinde. Die Sopntag begonnene Generaldebatte über das Budget der Wiener jüdischen Kultusgemeinde wurde in der gestrigen Sitzung des Kultusvorstandes fortgeführt. Im standen der sozialen Partei erklärte Dr. G lan z, daß seine Partei gegen das Budget stimmen «werde. Er begründete diese .Haltung rnit der Anführung einer Reihe von Gravamina, welche seine Partei gegenüber der Führung der Gemeindegeschäfte zu erheben habe. Zunächst fordert der Redner, daß das Wahlrecht in die jüdische Gemeinde nicht von der Steuerleistung abhängig 31t machen fei, ferner, daß die religiösen Institutionen allen Gemeiudemitgliedern, nicht bloß den Inhabern von Tempelsitzen, zugänglich wären. Die soziale Fürsorge der Gemeinde solle produktiv sein. Die Gemeinde habe es unterlassen, iu Wien, einent Durchzugstentrunl, eine Institution für die jüdische Wand er u n g zu schaffen. Sie müsse den jüdischen Unterricht fördern, die jüdische Gemeindebibliothek genügend ansbauen und ein neues G e b ä u d e für dieses hervorragende Institut errichten. Redner verlangte dann von der Kultusgemeinde die Errichtung eines jüdischen Theaters für jüdische Arbeiter und Schüler sowie die materielle Unterstützung etwaiger in Wien bestehender jüdischer Theater, ferner die Edition jüdischer Bücher. Ueber die Ausbringung van Mitteln für die Gemeinde äußerte sich der Redner nicht. Hierauf sprach Kommerzialrat Reis (Union österreichischer Juden), welcher darauf hinwies, daß der Genre inde Zur Durchführung der vour Vorredner gestellten Forderungen die nötigen Mittel fehlen. In der Wahlrechtsfrage stellte sich der Redner auf den Standpunkt, daß die Loslösung des Wahlrechtes von der Steuevleiftung deshalb nicht möglich fei, weil bei der jüdischen Gemeinde die Lasten nicht so verteilt siyd wie in einem anderen öffentlichen Haushalt. Sodann sprachen Pappenheim, der die Wünsche der Trennungsorthodoxie verbrachte, und Kommerzialrat Buchwald (Union). Als hierauf Herr Moritz in Sachen der Angestellten heftige Angriffe gegen den Kultusvovstand richtete, kam es zn lebhaften Auseinandersetzungen Zwischen dom Redner und Gemeinderat Dr. Pla schkes, der sodann in später Nachtstunde das Wort ergriff. Ueber den weiteren Verlauf der Debatte werden wir noch berichten. Studiengebühren in Raten. Der Unterrichtsminister hat in Würdigung des schweren Existenzkampfes, den ein Großteil der Studentenschaft derzeit zu führen hat, angeordnet, daß die Studiengebühren für d a 8 S 0 m m e r s e m e st e r 19 2 5, die in Durchführung des Sanierungsprogramms eine Erhöhung erfahre» müssen, in zwei Raten abgetragen werden können. Zut Festsetzung der Höhe dieser Raten und der Einzahlungstermine wurden die akademischen Behörden ermächtigt. Set MaffenmStdet Angerftein. Gießen, 17. März. (Wolfs.) Der Prozeß gegen den Massenmörder von Haiger, Anger st e i n, wird voraussichtlich im Juni verhandelt werden. Für den Prozeß sind mehrere Tage in Aussicht genornmen, da 120 Zeuget» und Sachverständige vernommen werden sollen. Die Haarmann-Literatur. Der Haarmann-Prozeß zeitigt neue Folgeerscheinung gen. Nach einer amtlichen Mitteilung sollen schwere Schädigungen der Jugend durch die breite Darstellung und Schilderung der Verbrechen Haarrnanns in den Zeitungen festgestellt worden fein, und zwar in solchem Umfange, daß sich der preußische Kultusminister genötigt sah, bei den zuständigen Stellen im Reiche und in Preußen entsprechende Schritte anzuregen. Das Vorgehen des preußischen Ministers ist auf zahlreiche Anregungen voll verschiedensten Seiten zurückzuführen, die sich vor allem gegen die eingehenden Erörterungen der Taten Haar mann,' unter den Schülern richten. Sine geheimnisvolle 8»i»emie ln Shkrago. Die New-Aorksr Blätter bringen eingehende Berichte Wer die feit etwa zwei Wochen in Chrcago grassierende gchevmnisvolle Epidemie, die in dieser Stadt bisher schon 279 Todesopfer gefordert Hai. Gütern sind noueEch 27 Wleu- »«'■^8388??' -TggR.gSBHaagba Die Zelvish Agency. Sie KonfÄenz »et Unparteiischen in Rew-Votk. New-Aork, 16. Marz. (I. T. A.) M-e schon am 7. März mitge teilt, hat die am 1. März irr New-Iork versammelte Konfeventz der unparteiischen Juden der Bereinigten Staaten in Anwesenheit des Präsidenten der Zionistischen Organisation Dr. Weizmann den Beschluß gefaßt, sich an der durch Einbeziehung von Nichtziomsten zu erweiternden Iewifh Agency zu beteiligen. Die Hauptpunkte der einstimmig angenommenen Beschlüsse lauten: Die amerikanischen Juden beschließen, in die Iewifh Agency einzutreten, die laut Artikel 4 des Palästinamandats die Bestimmung hat, als eine öffentliche Körperschaist der PaNstinavenwaltung in wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten, die mit der Errichtung eines jüdischenNationacheims in Palästina im ZusantMenhalNg stehen, beratend und mitarbeitend zur Seite zu stehen. Die Konferenz ernennt ein Organisationsikonri-tee, bestehend aus zwölf »der Zionistischen Organisation nicht angehörenden Mitglicidern, welches nach folgenden Diroktiden zu handeln haben wird: Das Komitee wird an der Schaffung und Anerkennung einer Iewifh Agency lallt Mandat Mitwirken. Die Iewifh?lgency wird aus einem Rat Volt 150 utaib aus einem Exekutivkomitee von 18 Mitgliedorrt bestchen. 50 Prozent des Rats und der Exekutive werden sich aus Nichtzionisten zusammensetzen. Bon diesen Nichtzionlisten ivevden 40 Prozent die unparteiische amerikanische Indenheit vertreten. Das von der Konferenz eingesetzte Organ«isationstomitoe der Iewifh Agency wird eine Bevsa-nrmlung einberufen, die über die amerikanischen Mitglieder des Rates der Iowish Agency zu entscheiden habell wird. Diese Versammlllng soll auch die Frage in Betracht ziehen, ob der Keren Hajessod als das fillallzielle Instrument der Iewi-sh Agency zu gestalten sei, ferner über die Frage des Ztlsaummlschlusfes der verschiedenen üsfentlichen wirtschaftlichen llnternehmullgell beraterr, die de,r Aufbau Palästinas zum Ziele haben. Dr. Weizmann berichtete über seine Arbeit in Angelegell heit der Erweitenutg der Iewifh Ageruh in den verschiedenen Ländern. Er erklärte, er ha-be bereits ZlUsichernngen seitens der NlichtzionPifchen Ovganifationeni in Großbritannien und iu anderen europäischen. Ländern; diese Organisationen sind, bereit, sich der Iewifh Agency anzuschließen. In den britischen Dominions gibt es keine Nichizionisten. Die jüdischen ' Gemeinden Ital ’t c u s und der Tschecho- Slowakei haben ihre Bereitscha.st zum Anschluß erklärt. In Frankreich hat die Alliance Israelite Universelle noch keine Entscheidung getvofsen, doch sind die Verhandlltngen im Gange, nnd eine endgültige Zufti>mmung wird Wohl erreicht werden. Irr Polen sind in lokalen Verhältnissen bedingte Schwierigkeiten enthalten, man hofft aber, auf einer jüdischen Konferenz eine Plattform Zu finden, ans die sich die gesamte polnische IllÄenheit, einschliieWch der Agil>da, einigen wird Es sind ferner Schritte unternommen worden, um die sephardischen Juden in Aegypten, Pevfien, Arabien, Marokko und irr anderen Ländern heranzuziehen. Diese Länder werden dllrch die jüdischen Gemeinschaften in Palästina und Italien zu erreichen fein. Dr. Weizrnalnn schloß: Sebald die Bildltug der neue« Agency verwirklicht fein wird, «werde die Zionistische Organisation als Iewifh Agency zu fulrk ti 0n iere n a ufh ö ren und die Bezichungell z>lt der britischen Regierung oder, f 0 die's nötig sein wird, zu einer anderen Regierung, werden von der «euat Iewifh Llgency gepflogen werden. Alan wird sich an die Maudaiarmacht uud an den Bölkerbllnd wenden, um beit betreffenden Text des Mandats, ^der die Zionistische Organisation als die Iowish Agency anerkannt, so abzuä ude rn, daß die erweiterte Iewifh Agency an Stelle der Ziollistischen Organisation tritt. Es sprachen dann lisch von zlonistischer Seite Louis L i p s k y, Morris Rothenberg, . Dr. Stephen S. W i s e und von nichtzionistischer Seite Louis M « r s h a l l, Richter Julian W. Mack, Dr. Cyvlis Adler, Oberst Herbert H. L e h m a n n, Rabbi Isaak Land m a n -und Rabbi Abram S i m 0 n. Die Beschlüffe wuKen einstimmig angenommen. Herr Louis Marfhall schloß die Konferenz mit dem Ausdruck der Freude, daß zu hoffen ist, die -Iewifh Agency werde die „Einigkeit i n 5* f r ü e l" wieder herstelle«.

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