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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-18 · Heft 2182 (18.3.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2182 (18.3.1925)
Date
1925-03-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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<S*itt 9 Men. Mittwoch Wiener Morstenzeikung. 18. März 1925 m. 9i» foüren genügei d viele Namen, um daS Elend dieser verkommenen und zervrvct'oneii Generation;u 'euren, die imt;RecI;t denen fluchen darf, die anno 1911 brüllten ..Serbien muß sterbon'". die heute jeden Freispruch eines Mordbrrbeu mit brausendem Applaus feiern. Ter Wierier Presst st.acu Sa nwalt Z.lwarz hat vor kurzem in einem Interview gefragt: ..Wenn ich so einen Buben miflctfe und die Geschworenen ihn frei sprechen, was bann?" Ja, was dann'? Tie Geschworenen sprechen frei, lvcil sie innerlich füh.en, daß nicht die Buden vor Gericht gehören. sondern diese gan-'.e faule und verfaulte Gesell fchaft. Wir sehen, wie sie sich in dem Kosen ihrer antst semitischen Gesinnung wälst. Maß und Ziel und Verständnis für Reck t und Litte verloren hall Zur vollsten Ltipniansierrrn.a dieser Entwicklung ist es fest',uhalten, das; daS christlichsozialc Blatt der Regierung einer Republik, eines Staates, dem der Völkerbund >i?ilsc leistet, Gott um seinen Scheib anruft, weil ein angeblich jüdischer Verein gegen ein-n Mord protestiert hat. Sie devtsche PrUfiSentenwahl. Bisher sieben Kandidaten. Berlin, 17. März. (Tel.-Komp.) Tie Zch! der Kandr^ttn für die ReichIpräirLnibsch-sst sst c-uf siebengaslivg.'n, u-rvb Mar ist eS der bayrische Pa::con>::M, der in t»:«r Ißorfon des Lcmdwirtschaf.Kminstcrs und Reichs:a.zsFehr den jüngsten Ävnbrv'attn au gestellt hat. Doch ist die Kandidatur Fehr nur «ls Zäb'kandÄ-L'u>r für Bayern geweint. r.v:c Tear'scheölkeschen hüben bisher noch k-cmen eigenen Kandidaten nom'mievr. Massenaustritte ans der deutschen Volks« Partei. BerNn, 17. März. (TeL.-Komp) Der A'.rs tritt der b ikcmntrn früheren Reichstagsab^eordnoLen Frau v. D h e i m b ans der deutschen B ol kS p a r te i, der sich gegen Strcsemann wendet, hcn weitere Rä».Witte nach sich gezogen. Me d?c „Germania" erscchri, smd nicht m niger als 40 hervorragende Mitglieder auS der Partei ausgeschieden. Unter chnen bofmdet sich auch der Vorsitzende des Aussichtsvates des Woiiff-DuremrS, v. Schwabach. Ir. Marx' Schwkerigkeiten. Berlin, 17. März. (Wolfs.) Tie Fraklionsvertre^er der Deurschnationalen, der deutschen Volkspanei, der Wirtschaftlichen Bereinigung und -der natiaualseMist/schon Freibertspartei faßten nachmittags einen g^eichlauten-den Beschluß. der die KalärvettsM-nng du-rch Tr. Marx ablehnt, da dieser Kandidat für die NeichLpräsidonüschaft fti. In einer interfraktionellen Besprechung berichtete Dr. Marx über die al-kehnende Haltung der Rechtkparteien zur Kabinettsbildung. Ta er nunmehr erst mit der Reichsparteileitung des Zentrums Vev'an^e^n müsst, könne er die Regierung bis Mittwoch nicht Hilden. Oesterreichische Keren-Hajeuod 8. bis 20. Marx 1025 Jüdische Mitbürger! Die Repräsentanz der Wiener . Israelitischen Kultusgemeinde hat kn Erkenntnis der Bedeutung des jüdischen KolonisationsWerkes in Palästina Iflr das gesamte Judentum dem wichtigsten Finanzinstrument des Aufbaues, dem Keren Hajesscd. den Betrag von 20.000 Schilling gewidmet. Folget dem Beispiel der altehrwürdigen Kultusgemeindevertretung! Denket an die heroischen Leistungen der jüdischen Pioniere in Erez Israel! Stärket die Arbeitsfreude, die Zuversicht unserer herrlichen palästinensischen Jugend durch wahrhaftige Opferleistungen! Sie bauen Strassen, entsumpfen das Land, bestellen den Acker, errichten Städte. Gebt ihnen Mittel für Saatgut nnd landwirtschaftliches Gerät, für Einwandererlieimc und Spitäler und sorgt für die Lehrer ihrer Kinder! Zeichnet für d:n Keren Hajessod! Das Wiener Bureau des Keren Hajessod befindet sich I., Kärntnerstrasse 28, Telephon Nr. 77-4-85, 77-4-86. Heute Mittwoch, 18. d., VaS Uhr Jüdisches Meeting Lerrafirnrase. 4. Be,.. Margaretenplatz Redner: Dr. Eugen Felis, Dr Josef LQ wen« her*, Oberbaurat Ing. Robert Stricker Der Numerus clausus au der Technik. Unterrlchtsmlnistrr Ir. Schnelüer will der Sache nachgehra. Der Rcrticu<ttrat lat <8 gestern mit dem M ral-ischen zu tim Ci'fcv.vmveii. Nachdem der erste?ttschnttt des Budgets argenonnu-en worden war, hielt es Tr. Waber. der gestern 50 Jahr: alt sowcrden ist, in seiner Eigenschaft als Verweser des JnstizressortS für anxz>eigt, daran zu erinn-evu. daß er von seinem Amtlv'r-ärger den Entwurf einer Sttas-esttznovelle geerbt hat. Er hat sie ferm-ell abseschlosstir und den juristischen Krisen übormit.'elt. Die N.cLe.7« dient, wie ^Tr. Waber «welker erzählte, dem Gedanken, die Sittllchkit zu wahren nnd ZN schuhen. Dazu genüge d«ie gege>nwartste Gesetzgebung nicht. Oesterreich sei durch international':- Uei-crewikonilnort verpf'ichiet. Maßnahmen' zur B ek ä m p f u n g des Mädchenhandels zu treffen und gegen unzüchtige Veröffentlichungen vorzn -eleir. Er fck/u.g daher vor. den 8 505 Str.-G. sowie die Destlimr/.rn^en bezüglich «der Verführung z.u ändern, inidom ein nderer strasrrchttichnr Schutz für Mirdechährige gescha)'en werden soll. In diesem Zusammenhang wird auch d'c Frage des § 1-1-1 einer Regelung (y.re‘iivrt werden. In den itearsn Entwurf wird ausdrücklich die Besümmurg anfgeneanmen, .daß die medizinisch-indizierte F r u cht a ü t r e ibu ng straflos b'e'lbt, wührerld die 'Strafandrohung gegen leichtfertige -Indikation» fahrlässige Abtreibung durch Aerzie ustv. verschärft wird. Dann wurde der Abschnitt „Unterricht, Kultus und Bundestheater" in Verhandlung gezogen. Ter groß deutsch« Fachlehrer Zar doch —- er heißt nich«t nur so, sondern sieht auch so aus — nnchle für dir Schü.'rrseltstmerdc das Treiben der Sch-'M-dpresst terantwortlich und verlangte, daß Ticziplin-arerkenntuifse iitier Lehrer nicht ve rosst itt licht wcrde-n dürfen. Die Schulgemeinden hiult er für übersbüssig und meinte, es sei bezeichnend, wwe sich die deutschen und die jüdischen Mittelschüler in -di-estr Fra^e verhalten. Die dentf^en Mittelschüler orklären, daß die Autorität und Disziplin in der Schul« nicht gestört werden dürfe, wichrond di« jüdischen M«ittel-- schirrr dafür stien, daß -das bsanrte Disrrplinartrestn den Lehrern ent,zagen werde. Schließlich verdächtigte er noch die Juden, den deutschen Menschen Au verderben. (Es ist natürlich kein Wunder, wenn Mische Mit-olschü^r sich von b:x Disziplinargewalt v:n Lehrern a la Zarb.ch nichts Gutes versprechen, die in den Schulen mit dom Haikeukreuz am Rock hevumlaustn und mit ihren raschen Schillern in einer Penna'lü« sitzen.) A-bg. L e u t h n e r beschwerte sich darüber, daß der Stu-dentenrecht-erlaß, den der Unterri-chtsMinister für ganz unbegründet und zu Unrecht bestehend erklärt hatte, noch immer am schwarzen Brett der Technik angeschlagen str. Auch die zehntau-stnd Kronen für die Studentenkammer werden noch immer e'mgehoben. Will einer diesen Betrag nicht entrichten, so stellt er sich wve früher den Rachegelüsten der Proseflore» bloß. Das Pro fe ssorenkolleg i um kümmert sich nicht um die ErLlärungen des Ministers. Ti« Autonomie der Hoch.schnlen muß unbedingt unangetastet bleiben, aber sie bedeutet nicht die anarchische Loslöfung aus dem G-esttzeSgefüge des StctaleS, sie bedeutet nicht, daß die Professoren irger-d einer Hochschule di« staats bürgerlichen Rechte der Studenten oder der Habilitationswerber nach ihrem Gutdünken zu. kürzen und zu ändern berechtigt simd. Täs geschieht aller tatsächlich. So hat die Technisch« Hochschule di« Gleichberechtigung der Staatsbürger durch einen Beschluß dcS Profefsorsnkolbegii'.m-S stit längerer Zeit aufgehoben, indcm dort der Satz von der prozentuellen Beschränkung der jüdischen Hörer in Wirlfamkeit ist. Erlebt man eine so v'ffenku'7.dige Der» lrtzimg des G.'st' es durch eine Hocl.fch.nlb-Lhörlde, dann futn nta.n am allenvenigst.'n ton Versicherungen Vertrauen schenken, die in bezug auf die Ergebnisse unferer Mli-on in der Ha-bililatwnkfrage gemacht wurden. Ünlerrichtsministor Dr. Schneider beze'.chtrete es <Äs no.w-endig, die Bürgerschule zu einer vierjährigen Sch ule aus'.u<au«n. Die M-.r-derbogabten müßten ausscheiden und in eigenen Absch'.ußklussen -der DoASfchu'len verbleiben. Wir nüsscn danach strcben. unsere hsute bestehenden Obrnnittelschu-typen ans u-Kglichst wenig Formen zurückzufithren, wobei die beste he ,tten Typen ehren Zweckert enifprechend innerlich umgebant und. erneuert werden müssen. Die Realschule müßte nicht nur auf acht Jahre erwcilert, sondem auch so aus-gelaui werden, daß fi-e unmittoli'ar zum Uebergang zu allen Unlver.sitätSst'Mein be-fähigt. Es müßte auch in der Realschule Latein einen Platz, ei.ngeräumt bekommen. In alle Mittelschulen gehört der obligate S t e n o g r a p h i c u n t« r r i ch t und das Erlernen einer Fremdsprache, wobei die Sprache als Spvcchsprach« und nicht als phrlolc-glsche Bi.dU'Ngsspräche erlernt werden soll. In Erwiderung auf -die Ausf-ührungem des?kbgeord-> neten Leuthner verwies der Mi-niftier darauf, daß er seinen Standpunkt bezüglich der Kammern an den Hochschulen bei den Beratl-.ngen im Finanz- und Budgetausschuß so klar dargestellt habe, daß er keine lveiteren Bemerkungen daran zu knüpfen brauche. Mg. Schiegl: Die Verhältnisse haben sich nicht geändert. Dr. Schneider: Ich habe den Rektor der Techwrk nichit im Zjtrersel darüber ^lassen,, daß ich die Einhebung einer Jnskriptionsgebühr von 10.0 0 0 K. f ü r u n st a t 1 h a f t h a l t e. . Abg. S ch regl: Die Beträge dürfen von-vvncherejv-. nicht ei'nHcholen werden. Dr. Schneider: Was den Numerus clausus betrifft, wurde, soviel mir in Erinnerung ist. vor Zwei Jahren drr Beschluß gefaßt, daß an der Dechmschsn Hochsch.nle, wenn die Zahl der inländischen Juden 10 Prozent der Gesamthörerzahl bereits erreicht hat, kein ausländischer Jude mehr ausgenommen wird. Ob der Beschluß noch besteht oder o) er durch die Tatfaclen jetzt scüktifch erledigt ist, ist mir unbekannt. Ich werde d«tt Sache nachgehen. Nächst« Sitzung: Honte um 11 Uhr vormittags. Bon der jüdischen Wanderung. Erklärungen der mexikanischen Regierung. Mexiko, ' 14. Marz. Der Sekretär des Prasidertten Calles richtete ein Schreiben an den Vertreter der I. T- A., in welchem er mitteilt: Die m?x'kani,schr Reglcrurrg wünscht die Einwanderung jüdischer Elemente auf einer gefumdrn Basis und ist bereit, alle m ö g l l ch e n E rleichterungen zu gewähren und Schivierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Präsident Calbrs wird jedem Plan, der eine 'Anisiedtung von Juden in Mexiko betritt, seine moralische Unterstützung leihen. Der Sekvetär des Präsidenten kogte diesem Schreiben eine Kopie des mexikanischen .Kvlonisierungsgesetzes und eine Kopie des provisorischen Reglements betreffend die Steneribefreiung der Koiloniisten bei. Der wesentlichste Punkt lautet: Alle Kolonisten, die sich im L^ude nvcderyelaffen haben, werden für die ersten zahn Jahre ihrer Ansiedlung folgende Begünstigntngen genießen: 1. Befreiung vom Militärdienst. 2. Befvemng b:«n allen Steuern, ausgenominen Magistrabsstcuer. 3. Befreiung von Elnif»chvste:tew für Lebensmittel, Baumaterialien, Werkzeuge, Dich und'andere Betkrrfsgegen,stände. 4. Bsf^inng von Exportabgaben für Lebensmittel. 3. Preise rmd Prämien für jede bemerkenswerte Produktion. 0. G."buhrenfrell>eit für Pässe. Bifz, Legalisierttng von Nntevschriften ufl.o. 7. Dem Kc^oirbsten bleibt eS frei, die mexikanische StaatLbürgerschaft anzultehmen oder seine bisherige Staatsbürgerschaft zu bchalt-en. Er genießt die llicchie und PrivLegien der Staatsbürger und der Fromden, jedoch unterliegt er der mexika-nischert Gerichtsbarkeit. In einer Versammlung jüdischer Einwanderer erklärte der Vorsitzende der Vere'm'.gtmg ,»Zurück vom Lande", Mr. F e l d g r a m, die jüdi'chen Einwanderer seien wegen Kapitalmangels nicht in der Lage, von dem Landangebot der Regiernng Gebrauch zu rnachert. Sie sind gezwungen, sich dem Straßertl-andel zu widmen. Die meisten von chnen sind e r f a h r e n e L a n dwirt«, die in Litauen. Südrußland, Polen, BeßarÄbten und Palästina den Boden bearbeitet haben; sie Wolken zum Boden zurück. Sie finden aber keinerlei Unter* st ü tzung seitens der großen jüdischen Gesellschaften, wie Jca und Hias. Die Konferenz mihm eine Resolution an, in welscher daä Erstaunen darüber ausgedrückt wird, daß die Bittgesuche der jüdischen Siedlungsgesellfchaften in Mexiko seitens der Jca und Hias unbeachtet geblie-ben sind. Es wurde ferner beschlossen, an den amerikanischen Oberrichter Doktor Louis Brandeis einen Appell um Hilfe zu richten. Der mexikanische Orden B'nai B'rtth schloß mit dom mexikanlsch-jüdischen Wohlfahrtsausschuß Sociedad de Be-- nefieiencia Israelila ein Uebereinkommen, welches lbezweckt^ den neuen jüdischen Ei-Mvanderem dazu zu verhefferr, cmc passende Beschäftigung zu finden. Initiator dieser Aktiort ist der Prälsident der B'-nai B'rith, Herr I. W e i n b e rg e r. Die mexikanischen Gew-orksch^ften nehmen aus Rücksicht der Sellbsterchaltung keine auSläMschsn Mitglieder auf, weshalb es den Einwanderern schwer ist, in der allge>meine» Industrie unterzukommen. Hauptaufgalbe des vereinigten Komitees wird eS fein, die Einwanderer in den zahlreichen kleinen jüdischen Industrien Mexikos (Schneiderwerkstätten, DatchruV.oerk. J'ns1alliernuigs.werdst«tten und Maschinenfabriken) unterzu'bringen. Kim Nonfcren; »egen de« Rassenhaß. Wie di« Rsw'Dovrer Blätter moldrn, gedenkt die Geschäftswelt der Der einigten Staaten, die die gcgrriwartige Hoch^konftmKt.ur des Rassenhasses i,n Interesse cho.-r HandetSbezichlMsrn mtt Besorgnis verfolgt, in der nächsten Zeit eine allgemeine Rassenkonferenz em- M^nchrn, z», der alle Nandstaaien deS Pazifischen Ozeans emgolalden und in deren Bevlcnvf Mittel! rurd Woge gesimden w.'vden sollen, die täglich schärfer ause-in-andor treffenden Gegensätze zu beseitigen oder wentüstsns zu mtfbeeil. Bor neuen Jtümtifen in Marokko. Tanger, 16. März. (Havas.) Die Spanier machen fett dem 13. v. vergeblich Versuche, die Ausständischon Kvi'chen Te 1 uan, Aiudschedids undLaueien (?) zurückzudrängen. ES verlautet, d^ß Abd el Krim in Ostmarokko e l n e u A u g r i f f gegen Tasersit vorbereitet.

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