Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2182 (18.3.1925)
- Date
- 1925-03-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschlelsstelle 'Trafik) monatf. 6 Schilling Strasscnverkaui in Wien durch die Kolporteure det Firma Q o 1 d sch micd, J„ Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4 Zloty. Deutschland: Mon. Gni. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 NiehMhlungen bei Preis« crbflhnojtCD Vorbehaltes teuer mimmimmmim-« S7RÜMI azzoths Ssind dis besten:'Vh a 2. Bezirk, Rotenstersiasse 11 3 a Telephon 47-7-17 a 5 Erzeugt unter der A »ht des a a weltberühmten oithodoxen ' 5 a rabblners CHAli,. JlZCHAK a 5 JKRUCHBM aus .. .. dt. a ^llllli'IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIÜIIH! Illlllilllllil IPreis 20 al England: Mon.4 Schilling, ]tal i en: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, II.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2182 fflien. Mittwoch, 18. Wr, 1821 7. JtafitnnnB Nach dem Genfer Protokoll. Berlin, 17. März. Im Reichstag wir- Donnerstag die außenpolitische Debatte eröffnet. Man erwartet, daß Reichsaußenminister Dr. Stresemann nähere Aufschlüsse über die Absichten der Reichsregievung in der Frage des Garantiepaktes geben wird. Die Stresemann nicht fernstehende „Deutsche Allgemein« Zeitung" berichtet, daß laut Meldungen des Berliner Korrespondenten des „Petit Pavision" Stresemann in Uelbeveinstimmung mit gewissen Vertretern der englischen Diplomatie drei Pläne verfolge. 1. Gegenseitiger Garantie Pakt im Westen gegen Rektifikationen der Grenzen im Osten. 2. Wenn dieser Plan der Sicherung der Grenzen km Westen und Osten fchlschlagen sollte, so soll an dessen Stelle die Aufhebung des Verbotes 'betreffend den Anschluß Oe st erreichs an Doutschiland treten. 3. Wenn beide Plane keinen Erfolg zeitigen sollten, würde Deutschland das Problem der W i e d ergewrnnnug der Kolonien anschneiden. ■ ■ Deutschland wehre sich mit aller Entschiedenheit gegen die Artikel 16 und 17 des Völkerbundpaktes,, die einen Dur chzug internationaler Truppen durch sein Gebiet gegebenenfalls vors««hen, weil es' durch G eh «i m v e r t r ä g e m i t R u ß l a n d daran gehindert sei, und Stresemann stehe vor der Wahl, entweder eine ruHlandfreundliche Innenpolitik oder eine englandfreundliche Politik zu betreiben. In Deutschland seien die Anhänger einer deutsch-englischen Annäherung rmnmehr stärker als jene, die für einen deutsch-russischen Vertrag ointreten. Eine neue Konzeption Benesch'. * Nach einem Pariser Telegramm des „Berliner Tage- Iblattes" veröffentlicht der „Intransigea.nt" genaue Einzelheiten über einen Plan des tschecho-flowalischen Außenministers Dr. B e n e s ch, der die Teilung Eurojxrs in Zwei Staatengruppen zum Gegenstand hat.' Danach wünscht Benesch die Bereinigten Staaten von Europa zu schaffen, aber er will sie in Zwei Gruppen tvilon, eine westliche und eine östliche. . . Zu der einen Gruppe sollen England. Frankreich, Belgien und Deutschland gehören, zu der anderen Polen, die Tschecho-Slowakei, Rumänien, Oe st erreich und Iugoflowien. Italien soll wählen, welcher Gruppe es sich anschließen wolle. Spanien würde zu der westlichen Gruppe gehören. „Ein ungeheurer Plan", sagt der „Jntransigeant", ,/aber Dr. Benesch ist'der Mann, ihn auszuführen." Die Konferenz der kleine« ßntente. Auf Mitte April verschoben. Belgrad, 17. März. (Tel.-Komp.) Die Konferenz der kleinen Entente, die verschoben worden ist, wird, wie an maßgebender Stelle verlautet, Mitte April abgehalten werden. Als Konferenzort kommt nicht mehr B uka r e st, sondern eine Belgrad näher gelegene Stadt in Betracht, dies -mit Rücksicht auf einen Wunsch des Außenministers Nineie, der sich nicht auf längere Zeit >»on Belgrad entfernen kann. Irr amerikanische Abrlistunqsbluff. London, 17. März. (Reuter.) Der N e w -'N o r k e r Berichterstatter des „Daily C h r o n i c l e" schreibt, nach Mitteilungen von gut informierter Sitte habe Präsident C o o l l d g e n i ch t die Absicht, auf der einzuberufenden Konferenz eine Erörterung der. E i n s ch r ä n k u n g e n d e r R ü st u n g e n auch zu Lande stattfinden zu lassen. Er sei vielmehr der Ansicht, das; die Frage der Abrüstung zu Lande in der Hauptsache eine europäische Angelegenheit fei. Uebrigeus würden die Einladungen nur an die großen Seemächte gerichtet «werden. Auch der New- Norker Berichterstatter der „Westmiuster Gazette" meldet, Coolidge sei der Ansicht, daß Deutschland, das entwaffnet sei, mit der bevorstehenden Konferenz nichts zu tun habe. Das Ergebnis dev Pariser: Besprechungen Chamberlains, Herriots und Benesch*. Paris, 17. März. Die Agenoe Havas meldet: In französischen Kreisen herrscht Befriedigung über die Besprechung zwischen Herriot und Chamberlain. Man ist der Ansicht, daß vor dem Zusammentritt der Völkerbund- Versammlung im September das Terrain für eine Einigung hinsichtlich der Sicherheitsfrage gefunden werden muß. Die beiden Minister stimmten hierin überein. In dem gleichen Geiste des Entgegenkommens erörterten sie verschiedene Fragen, die mit der Frage der Sicherheit direkt zusammenhängen, namentlich jene der O st g r e n z e d e r m i t t e l e u r o p ä i s ch e n S t a a t e n. Fvanlkveich ist der Ansicht, daß, w"nn eine noch so geringfügige Berichtigung der Grenze Polens aufs Tappet gebracht würde, Polen, noch bevor irgendeine Verhandlung beginne, aufge fordert werden müßte, seinen Standpunkt darzu'l'egen. Frankreich wünscht die Zulas s u ngDeutschlands zum Völkerbund unter der Bedingung, daß dieses sich verpflichtet, alle aus dem Pakt sich ergebenden Verpflichtungen zu erfüllen. Der Eintritt Deutschlands bildet, die Vorbedingung für den Abschluß eines Sicherhettspaktes unter der Teilnahme Deutschlands. Hinsichtlich der Frage der Bes e H'Üsnsg^K ö l iHANd" ihrer^Beziichüng zur Sicherheit und zur .Entwaffnung Deutschlands hält Frankreich daran feist, daß S i ch e r h e i t und Entwaffnung nicht von ewnander getrennt behandelt «werden können. Die gegenwärtigen Verhandlungen sind nicht geeignet, zu bestimmten Abmachungen zu führen. Ministerpräsident Herriot hatte mit dem Außenminister Dr. Benesch eine Befrpechung über dieselben Fragen. Die beiden Staatsmänner sind zu einer vollständigen Einigung gelangt. Chnmberlains Reserve. Paris, 16. März. (Hatvas.) In seinen Erklärungen gegenüber den Pressevertretern erwiderte Chamberlai maus die Frage, o!b der Pakt zu Fünf, Deutschland eingeschlossen, nicht auch auf Polen und die Tschecho-Slowakei ausgedehnt werden könnte: ,^Jch kann zu Beginn der Verhandlungen, die sich vielleicht lange hinziehert worden, nicht sagen, welches Ergebnis sie haben loerden, aber wir werden bestimmt, wenn die Frage der Sicherheit erwogen und darüber gesprochen wird, keine Grenze außer acht lassen, die bedroht werden könnt«. koolidger Kampf argen den Senat. Neuerliche Ablehnung des Wahlvorschlages Coolidges. Washington,' 16. März, Meuter.) Der Senat hat zum zweitenmal die vom Präsidenten Coolidge vorgeschlagene W a h l W a r r e n s zum Gonevatstaatsanwalt mit 46 gegen. 39 Stimmen ab gelehnt und sich sodann auf morgen vertagt, um dem Präsidenten Coolidge Gelegenheit zu gehen, eine andere Persönlichkeit als Generatstaatsanwalt vorzuschlagen. Coolidge hat nachgegeben. Washington, 17. März. (Tel.-iKonrp.) Präsident Coolidge hat «den Senat vertagt, wm Marren aus diese Art zum provisorischen Bunde sciuwcill ernennen zu kömten. Marren weigerte sich jedoch, eine No>ni'na>tion, die durch dieses Mittel zustande koiume, unzuilehmen, worauf Präsident Coolidge John Sorg en t zum Bundesanwalt ernannte. Sie GeireidebMe. Chikago, 17. März. Die schon gestern an der Getreidebörse ein setzende flaue .Haltung machte heute «weitere Fortschritte, die Einbußen bis zu zehn und vereinzelt mehr Puuklen zur Folge hatte. Auch die übrigen amerikanischen Getreide>börsen folgten dieser Richtung. Revolver-Idealismus. —V. Wien. 18. März. „Gott schütze die deutschen Schriftsteller vor diesem Schutzverband!" ruft die „Reichspost", das österreichische Regierungsovgan aus. Dieser Schutzvevband hat es gewagt, in einer Erklärung über das Attentat gegen den Journalisten Bettauer auszusprechen, daß nicht der Terror, sondern die Kritik der Wortes das Werk eines Schriftstellers zu richten habe. Diese, wie man glauben sollte, selbstverständliche Auffassung hat den Zorn des frommen christlichen Organs so sehr erregt, daß es die Besinnung verliert. Es teilt mit, daß ans diesem Verband angMich die arischen Mitglieder hinausgedrängt worden seien. Dies genüge. Und dann folgt die Anrufung Gottes. In diesem Falle schwerste Blasphemie. Denn' wenn man den Ausbruch der „Reichspost" durchdenkt, so kommt man zu dem Schlüsse, sie verdamme die Verurteilung des Terrors und sie sei der Meinung, daß nur Juden, die aus ihrem Verband sorgfältig die Arier" entfernt hätten, eine solche Sünde begehen könnten. Es ist für die Zukunft notwendig, dies festzu halten. Wir tun dies, ohne uns^ hiebei in irgend einer Weise mit den: literarischen Schaffen des betroffenen Schriftstellers solidarisch zu erklären. Wir haben rhu und sein Werk abgelehnt, als er Wder Blüte der Popularität stand, und wir haben dies so deutlich getan, daß für niemanden über unsere Anschauung ein Zweifel bleiben konnte. Wir haben dies aus unserer Pflicht heraus getan, die nicht dulden durfte, daß das Judentum mit Bettauer be la stet werde.' Dies war geplant nnv auch getan worden. Wir haben dieses Beginnen im Keime erstickt und-es ein für allemal für jeden Ehrlichen unmöglich gewacht, auch in dieser Frage den Begriff des Judentums kumulativ in der Pogrompropaganda zu verwenden. - Unsere ^Haltung war sachlich bedingt. Aber es ist wohl unnötig-zu sagen, daß wir in der gewaltsamen Lösung der Frage, wie sie dem „braven" Rathstock beliebte, eine Angelegenheit erblicken, die nicht den Schriftsteller, sondern den Juden betraf. Hätte Bettauer deutschnationale Töne angeschlagen, wie dies die hakenkreuzlerischen Nacktkulturanbeter und die wotanistifch blonden Schönheitserleber in Deutschland tun, dann wären wir mit unserer Verwerfung wohl allein gewesen. Wir sind, weiß Gott, dem Zufall — wenn es ein solcher war — nickt dankbar, der eine Gesellschaft enthüllt, die "bei einem "Mord zwischen arisch und jüdisch unterscheidet. Wir können auf unserer Linie bleiben, die uns zeigt, daß die Hysterie und. die Lüge der Assimilation einerseits Figuren wie Bettauer zeitigt, andererseits aber ihr Opfer an jüdischem Bekerntnis. als vergeblich gebracht erkennen läßt. Er ist der Jud gewesen und er ist es mit fünf Kugeln-im Leib. Und dieienigen, die sich gegen den Mord an dem Juden wehren, sind Juden. Wenigstens scheint dies der „Reichspost" so. . Es wäre entsetzlich, wenn die „Reichspost" hierin die Stimme eines auch nur nennenswerten Teiles des Volkes vertreten würde. Wir wissen nickt, ob sie dazu berechtigt ist. Wir wollert es bezweifeln. Aber wir wissen, daß sie nicht so geschrieben hat, als der Arbeiter Iaworek aus den Bundeskanzler Seipel schoß. Das Schicksal hat eine sonderbare Parallelität zwischen Seipel und dem von ihm öffentlich angeprangerten Bettauer geschaffen. Ist es vorsichtig von der „Reichspost", den verfluchten Gedanken des Mordes zu jonglieren und genau zu erwägen, ob das Opfer a Jud ist? Es ist soweit gekommen, daß die Politische Argumentation mit Knüppel und Revolver geführt wird. Der Beginn dieser Entartung war der Krieg, den die „Reichspost" in entzückten Hymnen besungen hat. Wie er wirkte, darüber belehrt ein Sachverständiger, der Wiener Polizeipräsident Schober, der da sagt: „Stehlen, Morden, Rauben gehörten ja unter anderem Namen zu den nicht nur erlaubten, sondern unter Umständen notwendigen Solbsterhaltungshandlungen der Krieger, und die sechseinhalb Jahre, die den: Ende des Krieges folgten, waren gewiß nicht geeignet, einen Wandel der Gesinnungen herbeizuführen." Präsident Schober fordert von den berufenen Faktoren, die Jugend aus dem geistigen und moralischen Elend hevauszuführen. Dazu wäre es höchste Zeit.Meiche, Hug, Nowosad, Krüger, Bergmeister, Rothstock — das Frühjahrsstoffe ««firnai» herrührend von einem aufgelassenen Warenlager, darunter Covercoat, Moderipse, Modeschotten, findet man konkurrenzlos bei Kann & Fried VI. Linke Wienzelle 4u (in Hof«) ■ .ra-iTriiniuWiimri ■ r. r r w.m* ma , 1 i 1iVT^.~-' i um i ... im <r«n.inii ii i ilaI* rin—i.fii*'dwni'iii rtWiTnrfTiinrriir-' r*f-