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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-17 · Heft 2181 (17.3.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2181 (17.3.1925)
Date
1925-03-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Men, Dienstag Nr. 21S1 Wiener Mornenzektuns. 17. Marz 1925 •icit Dönnerstag den 19. März um \8 Uhr abends spricht im pVJ iV CA J TT? KT der vor kurzem Palä- Qrossen Konzerthaussaal der bekannte Schriftsteller * Ü/14/I Xj/f stina besucht hat,über „Neue Menschen auf alter Erde“ Karten sind im Zionistischen Bureau, Wien, 1. Bezirk, Kärntnerstmssc 28 (Telephon 77-4-85, 77-4-85) erhiiltüdi Budgetdebatte in der jüdischen Kultusgemeinde. die Kundgebung für die bebriilsche UnivrrsttSt. — der Rechnungsabschluß genehmigt. — Lek Boranschlag für da» neue Rechnungsjahr. dk schon Angestellten und Arbeiter für dieses um bedingt n o t.ro endig sind. Diese werden eine sechs " monatige AufenthaltsLewilligung erhalten, die oventueli fallweise wieder verlängert werden kann. Ausländisch: Angestellte und Arbeiter, deren Eintragung in die in dieser Angelegenheit zu verfassenden Verzeichnisse '.nKerlasstn wird, werden sofort a u s g e w i e s e n. Srschwerung der Immigration nach Anstralien. Im australischen Bundesparlament befindet sich, wie Pol. Korr, meldet, eilte Gesetzesvorlage in Beratung, mit der das E i n wa n d c r u n gs g e s e tz a b g e ä n d e r t werden soll. Durch dieses Gesetz soll zunächst die Zurückweisung von unerwünschten Einwanderern erleichtert werden. Alle Einwanderer werden in Zukunft in ihren Pässen das Visunt des englische n Konsuls tragen müssen. Lard Surzon. Vor dem Ende der politischen Laufbahn Curzons? London, 16. März. (Tell.-Komp.) Der Gesund!'eilszustaud Lord C u r z o n s gilbt zu neuen Besorgnissen Anlaß. Es hat sich eine neue Blutung eingestellt, die aber noch rechtzeitig eingedämmt werden konnte. Man gibt jetzt allgemein zu, daß die Krankheit Lord Curzous seiner politische n Laufbahn ein Ende setzen wird. Lee klerikale Schulftreik gegen Keniat: (Eigendienst der „Wiener Morgcnzelitmg".) Paris, 16. März. Heute vormittags hat in ganz Elsaß der Sch ul stre ik eingesetzt. In den Schulen von 3traßburg, Kolma r und Mühlhausen blielb ein Mertel, in einigen Schulen -Kotmars ein Drittel der Schüler dem Unterricht fern. In den kleineren Orten dagegen beträgt die Zahl der von der Schule abwesenden -Kinder 50 bis 70 Prozent. Aus dem Lande greift die Gei st! i ch t' e i t tätig in Sen Schulstreik ein. G e i st l i ch e ft c h e n vor d e m Eingang der Schulen und ermahnen die Kinder, dem Unterricht sernzubleiben. In manchen Fällen wurde -auch die Morgenmesfe so lange ausgedehnt, daß die Schüler notgedrungen zu spät zum Unterricht fem-men mußten. Viele Eltern, denen am Schulbesuch ihrer Kinder gelegen ist, begleiteten ihre Kinder bis ins Klassenirntwer. In einigen katholischen Schulen sind auch die Lehrer nicht in der Schule erschienen, so daß der Unterricht ganz entfiel. H e r r i o t. empfing heute vormittags eine Abordnung von Lohre-ru aus dem Elsaß. Die Delegation ersuchte den Mini-sterpräsidenien, im Sinne der Einführung m französischen S chulges e tz e m Elsaß zu virken. _ Rothschild« Kammerwahl «ngAtig erMrt. Paris, 15/ März. Der Kammsrausschuß zur Nachprüfung der Wahlergebnisse hat einstinnnig bei einer Stimmenthaltung ' beschlossen, die Wahl von Maurice de Ro thschi Ib für u ngült ig zu erklären, weil Rothschild detl Wählern des Departements Hautes Alpes Versprechungen gemacht hat, welche einem Slimmenkanf tzloichkommen. , . . __ Die deutsche Priifideutenwahl. Ludendorss bietet sich als Kandidat ans. (Eigendien>l der „Wiener Morgcnzeiitutg".) Berlin, 16. März. Die Kandidatur Jar res scheint bei den D e u t s ch v ö l t i f ch c u;'l b l e h n ung zu finden, da der „Völkische Kurier" die Anfstellnng eines eigenen Kandidaten fordert, in noelchem sich „der Freihei-tswille der Nation" verkörpern solle. Lndendorsf hat sich nun sofort bereit erklärt, den Freiheiistvittett der Nation -zu verkörpern und eine entsprechende Klmdgobnug veröffentlicht. Vorläufig ist die Personen frage bei bcu Äölnscheip noch nicht gelöst, es erscheint jedoch sicher, daß sie eilten eigenen Kandidaten ansstellen werden. Kommt die Kanbidatnr Ludendorffs zustande, so bedeutet das die enrepVühe -Blamage der -deutschen PrüsidemschaiftMvalhl. Der Kurdeuaufftano. London, 16. llllärz. Das Reutetsche Bnreatl meldet ans K o n sta n t t it o p e te daß die Operalionen zur Unterdrückung der. ' a u sstaud-isch c u K u r d e n lvahrsrheinlich z w s i b i s drei N! o uatc beanspruchen werde. Die Kurden ziehen sich ans das Gebiet von Djarbek:r zurück. Sie scheinen zu v-absichtigen, einen Angriff der Türken in ihren Srützpnntten im Gebirge abzuwarten, wo sie jeden Vorteil'-'für sich haben. Die Nationalversatilttllnng bewilligte weitere iO hanioneu Pfund zur Unterdrückung der Aufständl''^ i' Am Sonntag vormittag-, fand eine öffentliche S r tz n n g des Borstandes der Wiener Israelitischen Kultusgenleiirde statt, ans deren Tagesordnung die <^c ne.h-lnigtl-ng des Rechnn-nasa-iss-.'gusses für das Jahr 1024 und die Budget v o r l a g e für -das Bertvaltungsjuhr 1925 stand. Zn Beginn der Sitzung wurde, wie. bereits im gestrigen Mittagsblatt ausführlich berichtet, die Kundgebung anläßlich der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem und die 20.000-Schitting-Spen,de au den Kere n.Haje ssod einstimmig beschlossen. Der Präsident der Kniltuisgenleindc, Prof. Dr. P t ck, beglückwünschte den Leiter des Friedhofsambes, Wilhelm F r e i ft a d t, pmt Ilibiltäum der 35jährigen AnttAtv.tigke.iO Diesenr Glückwunsch schloß sich der gesamte Vorstand an. Inl Errrlauif befand sich die Antwort des Bundesmitristeriums für Land- und Forsttvirtschaft auf eine Anfrage der KultnsZememde, ob sich der neue Erlaß über die Schlachtung v o n K leinvieh auch auf nach jüdischem Ritus geschlachtete Tiere beziehe. In dein Schreiben wird ausdrücklich erklärt, -daß -dies nicht der Fall sei. Die jüdische Schächtung bleibt mithin weiter nuaugefvchten. Sodann erstatte^' Dr. Dejider Friedmann den Bericht über den Re ch n u ngsab sch l u ß f ü r das Jahr 1924. In dicse.ni Beruwltu-ng-sjahre sind an Einn a h nr e n 35.251P64.657 K. und an "A u s g a b e n 36.287,430.776 K. zu verzeichnen. Es ergibt sich also ein Fehlbetrag von 1.036,066.119 K., der seine Deckung aus detl Kassetcheftänden ans dem. Jahr« 1923 findet. Gegenüber dem Präliminare für 1924 zeigt sich «ine Steigerung auf der Einnahinen- und Ausg.tzöenftite mm rund 35 Prozent. Diese Steiger tut g der A n s g a!b c n erklärt sich aus der Erhöhung des PersonalauftvandeS nach der Geha'ltsreg-ulievtfng im Februar 1924 nnv aus einer Erhöhung der Alusgabetr für den Sachattstvand. Erhöhte Einnabmetr ivurden durch die Kültussteuer tlnd die Friedhofsgebühren erzielt. Zwei Budgetkapi-tel, die Ueberschüsse auszuweisen liaiben. Alle anderen Kapitel erforderten ttamhaste Zuschüss-e, so das Fürsorgawesett 6726 Millionen und die Ge'bäudeerhältung 5973 Alillionen. Dr. Friedmann dankte sodann ben Beamieir, die es ermögisichiell, den Rechn-lnigsabschluß imd di« Bilanz schon kurze Zeit nach Ablauf des Budgetjahres vorztttegen. Die Wiener Kriltusge-meinde ist der einzige öffentliche Haushalt in Oesterreich, bei dein die Bea-mtenschaft m dl-eser Beziehung so rasch -und -präzise arbeitet. Der Refererti stellte svdaml im Nanren des Bertreterkollegiums >den Antrag, detr Rechnungsabschlttß und die Bilanz für 1924 zu genehmige-n. Dieser Antrag wurde atlch mit allen gegen die fünf Stintmeu der Bereinigung stir soziale Arbeit genehmigt. Diese Fraktion stktmntc nicht aus fachlichen Grüuderc gegen den Antrag, sondern weil ihren Mitgliedern angeblich tticht die Möglichket einer gcuauetl Prüfung gegeben worden war.. Sodann leitetc .dcr Referettt StegierungSrat Oppenheinter die Budgetdebatte für daö Jahr 1925 ein. Er charakterisierte eingangs die .Zeit, hx der das Budget ansgestellr wurde, als eine Zeit des w i r r s chia stlichen Riede r g a n g e s. ttn-d diesen Bevhältnissen mußte das vorgelegte Btrdget a-n-- gepaßt werden. Dies boiveise die Z.ahl von 8000 Re k^u r- ) c tt gege tt S teuer tu a >n d a t e, die. jetzt in Behan-dlung -stehen. Als G e s a tu i e i n tt a h nt e n für 1925 werdet: 50.791,257.905 K. Präli-mi-ntert. Dies bedetttet gegenüber dein Vorjahre eine Steigerung mit mehr cvls 30 Prozent. Diese Steigerung -eElävt sich zum Teil -daraus, dckß im Vorjahre wegen der Sperrung des S-pitales der Kultusgemeinde die Einnahmen aus detr Verpflegsgebühren fehlten. Das Spital war feit dein 1. Juni 1924 geschlossen. Ferner resultiert eine Steigerung aus den Einkü-nsten aus -dom neu errichteten Zeremoniengebäude -am Zentralsriedhof und -ans der Kult-nssteuer. Die Ausgaben sollen intiusive des süusprozeungen Reserv-esr nds 51.828,150.020 K. bei ragen. Das Defizit wird sich also nngsfähr in der Höhe des Vorjahres halten und den Beirag von 1.086.692.115 K. erreichen, und seine Bvdeckutig ebertsatlls in Kassen beständen finden. Von den einzctn-en Bnbger-tapitel-rt seien hier bervorgeh-vbert: Die Bnvgetpvst Kn l t u s -und r i l n e ll c A tt g e- I e g c u i) cito n weist an Einnahmen rund -1669 Mil- Uorten und an Ausgaben 5745 Millionen (gegenüber 4264 und 5110 Millionen inr Vorjahre) aus. Für die Post kl n t c v u t cf) 1 u n d B i b l i o t h c k s a u g e 1 c g e tt* h-e i tat sind für Einnahmen 1010 Miillonetr (gegen 1038 inr Vorjahre) und fin: blusgaben 3058 Millionen (gegen 2840 Millionen) präliminierl. Das Kapitel Friedhofs und B e e r -d i g u tl g s w e s e n zeigt Entnahmen von 10.652 Millivnett (gegen 9881 Millionen) und Ausgaben von 9030 Millionen (gegen 7199 Millionen). Dabei erklärte der Referent, daß die Begräbniskosten in den -tut tc r ft c n Klassen auch weiterhin ein erträgliches Maß nicht über steigen werdett. Das größte Defizit weist wohl das Kapitel F ü r s o r g e w e s en auf. Hier sollen 16.976 Millionen (gegett 13.012 Millionen) verausgabt und nur 10.576 Mil- No nett (gegen 6286 Millionen) eingenommen tverden. Die größte Einnahmsguelle für die Gemeinde bedeutet die Kultus ft euer. Sie ist mit 16.450 Milliotten gegen 12.595 Milliouett int Vorjahre veranschlagt. Dabei betonte der Referent, das; von der Steuer für 1924 erst 40 Prozent eingegaugen seien. Abschließend betonte R-egiern-ngsrat Oppe nhe i m, daß das Budget der Kirltitsganeiude die größte Sparsamkeic auferlege, daß sie aber bestrebt sein werde, allzu große Härten zu vermeiden. Er beantragt die Genehmigung des Bnd-. gets. Den Standpn-m. der zionistischen Fratii-. zn dem vorltegenden Budig't charaklcrisierlo Dr. Free dmann. Seine Partei nehme mit einer göwissen Zaghaftigkeit an den Beratungen des Budgets teil, dem man den darauf vertvendeten Fleiß und die (Genauigkeit nicht absprechen k-önue. Das Budget werft eine Steigernng von 28 Nrilligrden im Vorjahr auf 51 Milliardett auf, und gerade diese Steigerung müsse gewaltige Bsdetrken auslosen. Das Budget scheine, wie Dr. Friedmaun ausführte, auf zwei Lkrückert itt den Saal zu hiukerc. Die eilte Krücke fei lic ungefähr 16,5 'Milliarden betragende Kultussteuer, die in einer Z e it der f ch tv er st e tr w i r t sch a f t l ich e u K r i-s c die Tragfähigkeit der jüdischen Bevölkerung übersteige und deshalb schwerlich einzuüringen sein wird, und die arrdere Krücke ist der viel zu niedrig gegriffene Reservefonds von 5 Prozent. Das Budget -sei keineswegs als stabil, sondern als mir allzu labil anzusehen, -da es sehr fraglich Zst, ob die eiuzeluen Posten auch wirklich eingehalten tverden können. Noduer wies sobawu an der Harw von Ziffern nach, daß das Budget als Ganzes Wohl die Goldparität erlangt 'habe, daß dies aber bei den einzelrten Postett nicht der Falt sei. Unser Bestrebeu ist es, sagte Dr. Friedmauu, daß alle Älugelegenheiten, welche Kultus und Ritus betreffen, itt der Kullusgem-einde vereinigt werden ttnd -daß Mittel und Wege gesundett werden, allen berechtigten Wünschen, von tvelcher Seite sie. auch itnmer konmten tnögen, zu lvillfahren, jedoch nur unter der Boraussetzuug, daß die E in h eit der G e m c inde g -e w a h r t bleibe. Wir werdert allen A bs p l i t te x tt u g s t ende n z -e n, vott ■ welcher Seite sie auch Üontntcit mögen, mit aller Entschiedenheit entgegenireten. (Lebhafter Beifall.) Seine Partei, ftthr der Redner -fort, empfinde cs schmerzlich, 'idtß auf dem Gebiet des jüdischen UnterrichtSwejens zu wenig geschehe. Die bi-ldtrngslmngrige jüdische .fugend findet mit den obligaten zwei Religionsstnuden in der Woche nicht mehr daS A-usia-ngen und überall entstehen durch Prlvatltt-iliati've Schulen, die den jüdischen Geist pflegen. Diese Schulen, -in denen die hebräische Sprache -gepflegt Hnvb, müsse die Okiuetube ausgiebig unterstützen. Ebenso müssen das jüdische Ghmnasinm und P ä d a g o g i u tu dauernd subventioniert werden. Ebenso solle die Gemeiude dafür sorgen, -daß den jungen Chal u z i m, die nach Erez Israel gehen wollen, noch hier die Möglichkeit eitler gründlichen A n s b i l düng tu der Lau dw i r l s cha s t oder in einem H and lv e r k geboten lverdr. (Lebhaster Beifall.) Aus dem Gebier der Ta^ett und Gebühren bat der Redner, an dem Grundsatz ftstzuhall-en, die w irtschaftl i ch S ch-w ä ch st e -n zu schützen. Ebenso müsse man bei der Eintreibung der Knl-tussteucr mit aller Rücksicht vorgehen und detl Pete inet: nicht altztt drückende Ratenzah l>.lugen gewähre.i. Aus dem Gebiet des Fürsorgciv e s e rt s möge die Getne-i-nde ihr Augenmerk nicht ttuf den gcschlosseitett Vluü-atteit zutvettden, sondern ihre Hilfe auch dett außerhalb der jüdischett Anstalten befiudlichett Be-dürsi'.gen artgedeihen lassen, wie dies Gemeinderat Dr. P i a s ch k c s m't großem Erfolg itt L a i tt z durch, geführt habe.

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