Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2180 (16.3.1925)
- Date
- 1925-03-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981265--22213-3009603- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
EkA *_Mm. Monkeq_ Wiener Morft-nzestrma. Bon der Weichsel dlzum Ural. der Uenomlsche Niedergang »er Süden l« Snropa. — Sin« Rede Anim Selmmm» Die „Diener Morsenzettung" hat am SS. Fe« oruar in rmem New«^)ork«r Telegramm über die Rede kur» berichtet, dis Präsident W « i z m a n n am 17. fM’tttat auf dem Ker«n-Haj«ssod- Meeting in der Carnegie-Hall gehalten hat. Die Rede liebt unS nuwmehr vollständig vor und wir lassen hier einen ausführlichen Auszug folgen: Dr. Deizmann erklärt, daß er bieSmal mehr di« Lage der Judenheit in der Galuth zu schildern gcbenke als die Berhältniss« in Palästina. Es sei leider schon zur Tradition d«S Zionismus geworden, zionistische Veranstaltungen mit einer Schilderung der Judemist zu beginnen. Die ökonomisch« Lag« der Juden zwischen Rhein und Wolga werde sich nicht viel ändern, auch wenn der Antisemitismus abnehnren sollt«. Das wichtigste jüdische Zentrum nach Amerika i-st Polen, d.r Erbe der Traditionen der russischen Judenheit. Die Juden sind dort e'm industrielles und m'.ttelständöscheS El.ment. Das Rückgrat der Industrie und des .Wandels waren Rußland, der Kaukasus. Persien ufro. Indische Reisende waren es, die polnische Waren bis an die chinesische Mauer des Aufbaues sind die Ehaluzim, imd die Kolonisation kann «ur durch den Keren Hajeffod und den Keren Kajcmech vor sich gehet:. In der letzten Zeit haben wir eine Einwanderung von Men LOW Personen monatlich zu verzeichnen. Würden auch die Tore Palästinas noch so weit ankgerkffen «erden, der Ansturm wäre stetS größer. Obwohl wir auf eine solch; Zahl nicht vorbereitet «waren, wurden die Einwanderer, und zwar mit überraschender Restlosiakeit, vom Lande absorbiert. Als die Baweisprobe für eine solche Absorption gilt der AvbeilSMarkk, und tatsächlich gibt eS derzeit in Palästina kein« Arbeitslosigkeit. Dennoch verursacht dieser Druck, dessen Kontrollierüng gänzlich unmöglich ist, zahllose Problem:. Wir dürfen nicht erwarten, daß auch bei -einer weiteren Zunahme der Einwanderung diese Absorption so leicht vcmstotten gehen wird. ES muh im jüdischen Leben von Palästina nach überall hin ein« Erw.iteru-ng und Vertiefung der wirtschaftlichen Grundlage stattgteifen. Es muß mehr Laird erworben und eS muffen mehr landwirtschaftliche Siedlungen gegründ.t werden. Was die Im dustrie anbelangt, fo müsse der Privatinitiative zum Absatz brachten. Jetzt ist jeder V.rlehr zwischen Rußland und Polen automatisch gesperrt. Polen wird zu einem Agrikulturland und di« Juden bleiben ohne Verdieustmöglichkeit. Ganz Lodz mochte nach Palästina. ( Bis vor zwei Jahren gab es in Tel-Awrw keine Spindel, und jetzt wird dieses zu einem Zentrum der Weberei. Die polnische Regierung hat verschiedene .Handelszweige monopolisiert, durch welchen Prozeß Tausend« von IM» dem Ruin verfallen. Die Tendenz der polnisch e « R e g i e r u u g ist, sich auf das Bauerntum zu stützen. Deshalb werden fast alle Steuern auf die S t a d t e, und das heißt auf die Juden, abgewälzt, die so aus dem Lande verdrängt werden. Dieser Prozeß arbeitet mit der Sicherheit einer Maschine. Wir waren eS gewohnt, von Pogromen und ähnlichem zu hören, aber die polnische Regierung hat andere W^e gefunden, auf denen es sich besser und leiser arbeiten läßt. Ein ähnlicher Prozeß wirtschaftlicher Ausrodung geht auch In den anderen Landern Osteuropas vor sich, so in Rumänien, Angav» und Rußland. In letzterem wird dieser Prozeß nicht so sichtbar, w.il es unmöglich ist, seinen Gang genau zu verfolgen; aber die zahlreichen Berichte lassen erkennen, daß die Millionen in Rußland lebenden Juden den Boden unter den Füßen in wahrstem Sinne des Wortes schwinden fühlen. Unter dem jetzigen Regime gibt es für die früheren Kaufleute und kleinen .Handwerker in ökonomischem Sinne keinen Raum mehr. Es ist also kein« Uebertrridung, zu sagen, daß von der Weichseil bis zum Ural diele Million«« Juden wirtschaftlich entwurzelt sind und dem Nichts gegenüberstehen. Ern Problem von einer derartigen Wucht und Schwere haben wir in der vielfarbigen Geschichte unseres Volkes noch nicht erlebt. Dr. Weizmann schilderte sodann noch die Verhältnisse der Juden in einer Reihe anderer Länder Europas, wie Italien, Tschecho-Slowakei, Griechenland uifto.» wo ebenfalls die verschiedensten Problem« die Lage der Juden erschweren. In Italien ist es der von den FaSzisten eingeführte Reilig'eomSrmterricht, der die jüdischen Eltern zstvingt, entweder eigene Schulen zu errichten oder ihre Kinder im moralischen Sinne des Wortes zn verlieren. Selbst in der Tschecho-Slowakei, deren Staatsmänner, zu den liberalsten gehören, zwingt die Selbstbehauptung der Tschechen die nationalen Minderheiten in eine ökonomisch unstabile Lage, die die Juden in die großen BevA-VerungSzentren treibt und so die Bildung großer Ghettos mit allen damit verbundenen Konsequenzen zur Folge hat. In Saloniki muß für jeden Griechen, der dorthin aus Konstantinopel kommt, ein Jude die Stadt verlaffen. Ueberall arbeiten die Mühlstein « an der Zermalmung des Judentums, ab:r dies Mahlen der Steine wird in Amerika nicht genügend vernommen. Von den Palästina«inwanderern stammen 60 Prozent aus Ost- und Zentraleuropa, 30 Prczent qus dem weiten Osten und 10 Prozent aus den anderen Landern. Diese Immigranten sind zwsi«rlei Art. Ein Teil kommt aus Jd.alismus und der andere auS ökonomischen Gründen. Ich habe gesagt, daß darin eine gewisse Gefahr besteht, und will jetzt näh^r erklären, was ich gemeinl hake. Wir haben in den jüdischen Ghettos m der ganzen Welt ein« städtisch« Bevölkerung ohne jedes Hinterland. In Polen ist dieses Hinterland sogar antijüdi-sch. Wenn wir in Erez Israel daSs.kbe wiederholen wie m Polen, dann werden wir auch hier dasselbe Nebel haben. Wenn wir die fl ä d t i s che D e v ö l k e tu n g nicht der ländlichen anpassen w rden, so wird diestets eine G.fahr bilden. Wir haben den Aufbau Erez Israels zu kontrollieren und dort ein Gleichgewicht zwischen der Bevölkerung in der Stadt und d.r aus dem Lande zu schaffen. In Erez Israel darf es keine Ghetto- Vieri«! geben, ebenso Leine Wolkenkratzer. Fundanrent mehr Gelegenheit gegeben werden, damit sie dann in dw Lage ist, für ihr Wachstum zu sorgen. Tie ersten beiden Kolonisationsversuche mit orthodoxen Juden, die für Evdarbuten nicht so vorbereitet sind wie die Ehaluzim, waren ein Erfolg, und zwar deshalb, weil die Juden auf Kiddusch Haschem gegangen sind. In Polen herrscht starkes Verlangen, aus- Land zu ziehen. Hier gibt es k.inen Unterschied zwischen Zionisten und Amdisten, und Erez Israel gibt den Juden in Polen die Gelegenheit, diesen Landhunger zü stillen. Auch den kulturellen Teil unseres Programms dürfen wir nicht vernachlässigen. Wir muffen für Schulen sorgen für die Kinder d.r Neuankömmlinge. Wir müssen die hebräische Universität ausbauen und fördern, deren Einweihung am 1. April sowohl di« jüdische wie auch die nichtjüdische Welt mit so stavkem Interesse entg.gen sieht. Die^ bisherigen Versuche geben eine Garantie dafür, daß Palästina ausrgöbaut werden kann. Dir Zionistische Exekutive trägt die Verantwortung für die Aufbauarbeit. Sie gleicht einer Regierung. Ein Bonmot sagt, daß ein« Regierung aus Verschwendern und Idioten besteht. Ich war« bereit, diese beiden Bezeichnungen auf mich zu nehmen, wenn ich nur di« Macht einer Regierung hätte, Steuern aufzuerl.gen. Di« zu geringen Mittel des Keren Hajeffod haben ein Spekulanteuturn ermöglicht. Don euch hängt es ab, dies zu vermeiden. Erez Israel ist ein Land, voll der Verheißungen und Zukuustsmöglichkeiten, aber auch voll der G.fahren. Von euch hängt es ab, daß die Verheißungen in Erfüllung gehen. Ausreden, für den Keren Hajeffod nicht belzusteuern, gibt es genug. In Briefen aus Palästina wird vorgeworfen, daß die Juden dort nicht so fromm sind wie zum Beispiel kn Brownsville. Ich kann euch sagen, daß der Aufbau von Palästina ein religiös«r ist. Der Ausbau ist religiöser als irgend eine Synagoge in Aorkville oder Brownsville, und in Tel-Awiw ist mau frömmer als hier in New-Aork. Di« Nntermini-erung deS jüdischen Lebens in den dielen Ländern gibt, uns die bedeutendste Gelegenheit, aber bürdet uns auch die schwerste Verantwortung in Palästina auf. Es ist unser eig.ner Nutzen, wenn wir in den kommenden Jahren in Palästina das Wilsche Leben auf eine sichere Grundlage stellen. Hierzu ist eine Vereinigung aller jüdischen Kräfte nötig. Die Palestine Economic Corporation. Laut dem „Doar Hajom" soll Louis Marshall von Julian Mack offiziell verständigt worden sein, daß sowohl er wie auch Ob-errichter B r a n d e i 8 damit einverstanden seien, ihre Finanzinstitutionen mit der Palest ine Economie Corporation zu fusionieren. Keren Hajeffod in Uganda. DaS Haupk'burea.u des Keren Hajeffod hat «inen Scheck auf 125 Pfund Sterling erhalten als erste Überweisung der Zionist Association in Nairobi in der Kolonie Kenya. B kanu-Mch hat im Juli vergangenen Jahres der Kertn-Hajeffod-Telogierte Dr. Mexander Gold stein diese Kolonie besucht und di« Anregung zur Bildung einer lokalen Zionist Aff-eiatiou und eines Komitees gegeben, das sich aus eifrigen Mitarbeitern zuifammensetzt. Das Settlement Ra lrob i war jenes Territorium, welches, der englische Kolonialmmvster Jve Chamberlain s.inerzeit H e r z l angeboten hatte. Die PalWna-Aegtzvten Reise der „Wiener Morgenzeituug". Für die von der «Wiener Morgenzeitung" veranstaltete Palästlna-Aegypten-Relse, die Vom 8. bis 28. April 1085 festgesetzt ist, gibt sich \m Kreise unserer Leser daregste Interesse kund. Der ausführliche Prospekt und da- Programm sind bereits erschienen »nd werden jedem Interessenten kostenlos zugeschickt. _lss. mn 19»_gft. *1« Verringerung der Vantnotenum' ianfer in Stallen. 127 Millionen Lire eingezosten. Rom, 15. März. Das Finanzministerium hat zur Verringerung deS BaniknotenumlaufeS di« Einziehung von Banknote» im Betrage von 127 Millionen Dir^ verfügt. Russische Werbungen in Stallen. Ro«, IS. März. Wle aus Görz gemeldet wkd. fft der dortige kommunistische Abgeordnete S r e b e r n i c angeklagt worden, unter der slowenischen Bevölkerung Anwerbungen für darussische Heer betrieben zu haben. -er Soffcrmangel In gernsniem. Jerusalem, 14, März. (I. T. A.) Der mfolge deS Ausbleibens von Regen bsskebende Wassermangel in J.msalem ist fortdauernd ernst. »aron GDmottft de Rothschild in Aegypten. Haiti), 18. März, (I. X. A.) «m 10. b. ist Bar» EdMond de Rothschild, der Vater der jüdischen Kolonisation in Palästina, .in Kairo eingetroffen. Baron Edmond de Rothschild weilte bekanntlich auch im Jahve 1024 in Kairo, zur Zeit, da di« von ihm gegründete Palcstine Jewish Colonisation Association (Pica) in Palästina registviirt worden war. Einer Delegation der jüdischen Kolonisten in Palästina, bne zu seiner Bgrüßuwg nach Kairo gekommen waren, sagte Baron Edmoud, er hoffe, daß es ihm möglich werden werde, im Jahre 1025 Palästina zu besuchen. Auch ein« an ihn gerichtet« Kundgebung dcS Jüdischen NationalrateS in Palästina beantwortete Baron Edmond de Rothschild mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß es ihm möglich sem würde, ein Jahr später in Palästina zu weilen. Mr. Kadoorle und Lr. Benzlon In Jerusalem. Jerusalem, 14. März. (I. T. A.) Eleazar K a d o o r i e und der Keren-.Hajeffod-Del.gi«rte für den fernen Osten Dr. Ariel B e n z i o n sind, wie schon berichtet, dieser Tage in Jeruisalem eingetrosfen. Ihnen zu Ehren v.ranstaltete di« Organisation Chaluzei Hamizrach in der Halle des Baad Hair (Jüdischer Stadtrat) einen Empfang, zu welchem di« führenden jüdischen Pevsönlichkeiten Icrusal.ms erschienen waren. Namens der Jerusalemer jüdischen Gemeinde begrüßten di« Herren Oberrabbincr Jakob M e i r niid Mr. M e y o u ch a 8 die Gäste. Herr R. B i n j a m i n sprach im Namen de- Waad Leumi un>d des Schriftstellervevbandcs, Herr M. Bassan km Namen der Alliance Israelit« Unlveriselle. Die Herren Kadoorie und Dr. Benzron dankten für di« Ehrung mid sprachen von der Notwendigkeit einer Einigung aller jüdischem Kräfte in Palästina. Ae Mudiaer der Devositenbank und die Großbanken. Fühlungnahme Wege« eines Ausgleiches. In einer Reihe von Dersammlungen der Gläubiger der Depositenbank wurden zahlreiche Fälle von schweren Schädigungen von Einlegern bekannt-- gegeben, die dadmch entstanden sind, daß die Großbanken seinerzeit erklärten, daß si« die Haftung für. di« dann später doch zusammeng.brochene Depositenbank übernehmen, In diesen Dersammluingen wurde von einzelnen Redner».ein radikales Vorgehen gegen die Großbanken verlangt. Allein der Verdand dcr Sparer und Kleinrentner nahm den Standpunkt ein. auf gütlichem Wege einen Ausgleich anzustreben. Tatsächlich wurde in der letzten Versammlung drr Gläubiger der Depositenbank ein solcher Beschluß gepaßt. Wie nrm der Korrespondenz Herwei von der Berbandsleitung der Kleinrentner mitget.ilt wird, hat,diese bereits mit den Vertretern dm Großbanken Fühlung genommen, wobei es sich zeigt«, daß die Großbanken nicht abgeneigt sind, in Verhandlungen auf einer vernünftigen Basis e'mzugehen. 0 Cinc Fraa. die seit 18 Jahren sckckäll. Londoner Mätiet berichten aus Johannesburg ln Südafrika über den vermutlich einzig dastehenden Fall einer LSjähriaen Frau nammis Anna Swanapm. die seit 15 Jahren in tiefften S^af versunken ist. All« sechs Monate etwa wacht sie für einige Stunden ans dem totenähnlichen Zustand auf. ohn« indessen das Bewnßifein so Welt au erlangen, mn die an sie gerichteten Fragen beantworten w können. Man nimmt an. daß der Zustond der Un- Ilkücklichen ans die heftige Evscbiilterung "iirückmnchrcn ist, die ie erlitt, als ihr wenige Tage vor dem für ihre Hoch'eit anqeetzten Termin di« Nachricht von dem Tode ibres Bröutiocnus übermittelt wurde. Anna Swanapol ffcflC einige Tage später in einen statrkoampf^bnlichvn Zustand, aus dem sie n^cht erweckt werden konnte. Vor vier Jahren ließen di- Aerzte die Schlafende nach dom Krankenhaus in Reitiontein überführen, und seither stcht hi« Kranke unter beständtaer Beobachtung, obgleich Wan ihren Fall für hoffnunaSloS hält. Man ernährt sie alle üvel Stunden aus künstlichem Weg«. Als merkwürdig« Begleiterscheinung sei hervorgehoben, daß d'e Patientin wäh^ rend ihres 15jährigen Schlafes den Gebrauch der Muskeln eingebüßt hat. da sie sämtlich bis zur Knochenhärte emgeschrumpft und verkümmert sind. k Tansittstitut Herma«« Brau«, itz. Vez., Reindorfgaffe 4L Ll, 88-401. kerelur. rorlrkge und Rerfammlungen. Wiener Veth-Hamidrasch. 8. Vgz., Ferdinand« stvaß« 23. Heute. 0 Uhr. Lektor Dr.'S. Rubin: „Talmud in r^rilch-rrltiicher Bei«Muna". mmm am