Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2180 (16.3.1925)
- Date
- 1925-03-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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M.««_m». Me««, Woffltwatfrinw,_;__»«■%«» »fe» **DAS NEUE'PALÄSTINAS Ae Sefa-rea der Bodeaspelulation in Krer Israel. Don Dr. E. M. Zweig. »1. Aus Jerusalem in Europa zu Gast« finde ich in weiten Mischen Kreisen Bmnruhiytmg über di« in Palästina um sich greifend« Bodenspekulation. Diese Unruhe ist die best« late» wahr für Sinkehr und baldige Abhilfe, Leider aber herrscht über die Vorgänge kn Palästina, wölche zur Beunruhigung Anluß gelbem, hierziölande kern« klare Vorstellung. Da» soll kein Borwurf.sein. Die Erkenntnis der eigenartigen palästiuenstfchon Zustande ist an und für stch schwer, denn die dortigen hebräischen Zeitungen und Broschüren, welche zu den Tagessmgen Stellung nehmen, sind den Juden der Diafpova mir aus dem beschwerlichen Unuvog zufälliger Uebevsetzuatgen zugänglich und die offiziellen Berichte sind eher daraus eingestellt, abschließende Angaben zu machen. ü>ls im Fluß befindliche Dinge, schwebend« Fragen zu behandeln. Was zumal die jüngst ausgetauchten, mit dem Landbesitz zufammerchängenden Fragen, so vor allem die Bodenspekullation, anlangt, handelt eS sich um eim übermschende. stürmische Entwicklung der letzten Monate, eine Entwicklung, welche sogar den au der Spitze der Mischen Kolonisation stehenden Organen nicht sogleich zum dollen Bewußtsein gekommen ist. Es drängt mich nun, zu informieren, so weit ich es vermag. In einem zweiten Artikel möchte ich daun darlegen, welch: Gefahren di« heutige L.ge für das Mi'che Aufbauwerk in sich schließt und in einem weiteren Artikel einige Vorschläge ski^ieren, wie dieser Gefahr mit Erfolg am wirksamsten begegnet werden kann. Diese Darlegungen sollen den Alarmrus unterstützen, den Adolf Böhm. Direktor des I. N. F., treu seiner Mission in dom Artikel „Die Bodensvage" („Jüdische Rundschau" vcm 3. Februar) ausgestoßen hat. Als am 6. Zi-ouistenkongveß, 1901, der Jüdisch: Na» tronailfondS gegründet tvurde, um Pa«lästinaboden als Gememeigentmn des jüdischen Dockes zu erwerben, wagte man bei der geringen eigenen Kraft nur an eine sehr allmählich: Entwicklung vom Prid.'teigenkum zum Gemeineigentrun zu denken. Erst als nach Kriegsschluß die Mandatarnracht England Palästinas Verwalktug übernahm, kam bei der Londoner Iabreskonferem vour Juli 1920 di« Bodensn-ge wieder aufs Tapet. Die Radikalen, voran die Arbeitervertreter traten mit Hinweis aus die Gefahren des Privateigentums nachdrücklich^ dafür ein. das national« Genremeigontirnt an Grund und Boden in Palästma, ivenig.stens für Juden, als alle in zulässig zu fordern. Die Mehrheit der Konferenz bekämpfte dieses Verlangen als undurchführbar oder doch unpraktisch. Schließlich kamen ün Kompvomißweg jene denkwürdigen Beschlüsse M tau de. wonach es Wohl als „Grundprinzip der zionistischen Botzen-- Politik" anerkannt wurde, ,)>en Boden. auf dem die iDtsche Kollonifation erfolgt, in d's Gemeineigentum des Mischen Volkes zu üiberfülren". und die Mittel bezeichnet wurden, welche d!« Erreichung dieses Zieles buchteu-nigen sollten, zugleich aber Uebergangsb-ostimmungen formuliert wurden, um dein jüdischen Privateigentum einen gewissen Spielraum zu lasten. Ferner hieß es: „Der Träger der Mrschen Bodenpv'litvk in Stadt und Land ist Arr Jüdische Natronälsouds". Die ausdrückliche Hervorhebung der „Stadt" sollte bedeuten, daß der Jüdische Nb tionavfoichS sich fortab nicht rmr um den Kauf ländlicher Böden bemühen solle, sondern auch um den Kauf solcher in der Stadt. Dies« Fassung war hauptsächlich das Merk de Liemes, der als leitender Nationalsondsdirektor. gestützt auf sein« europäischen Erfahrungen, die Bekämpfung der Bodenspekulation m den Städten als ein« der «wichtigsten Aufgaben des Jüdischen National« fond-s betrachtete. Als dattu im Frühjahr 1921 der Kauf ländlicher Böden im Etnek von 'Rtvppin-Ussischkiu-Ettinger gegen den Willen de LiemeS forciert wurde, stellte dieser den Kauf der vom griechischen Patriarchen auSgebotetten städtischen Böden in Jerusalem als wichtiger dar. So wurden ne'ben dem Emek die BLdenkäufe in Jerusalem aus Mitteln des Jüdischen Nationulfonds für diesen Und d e Pale-stine Land Devv'opment Company durchgofülhrt. Dennoch trat de Lieme zurück. Di« Anzahlungen für d"-se beiden Kaufe erschöpften nicht nur die fett Jahren thesau» vierten Bankdepots des Jüdischen Nationalfonds, sondern ihm wurde nach durch die weiter fälligen Ratenzahlungen für lange hinaus eine schwere SchuÄenilast aafgsbürdet. Dazu *bm, daß — nach Gründung des Keren Ha,jess>od di« Einnahmen des Jüdischen NattanakfondS 1921 und 1933 empfindlich sanken. Dies nötigt« ihn, seinen Arbeitskreis eimuengen. Das Direktorium entschied sich, befmderS unter döm Einfluß Ustischkins und Wllkanschs, aus prinzipicllen Gründen dafür, nur mehr ländlich« Böden zu erwerben und die Käufe in den Städten der Privatinitiative zu überlasten; der Jüdische Rationalfonds streß sogar den größeren Teil der in Jerusalvni schon gekauften Patriarclutdöden wieder an die Palestin« Land Dey-lopment Comptny ab. Durch diese Konzentration «ms ländliche Boideukäuft wurde es ermöglicht, dcß der Jüdische Nationakfonds im Gmek gv.ße geschlossem Blocks evwavb. welch: den Grund» stock für das Werden einer sozusagen jüdischen PtovLnz dar» stellen. Fast all« sein« Käufe hatte der Jüdische Ratio,mlsonds durch m Palestim Land Development Company durchgeführt. Diese 1909 durch Professor Marburg gegründet« Sandkanrfsgefellschaft war ja jenes „offiziell anerkannt«, unter der Kontrolle der Zionistischen Organisation stehende Institut," bei dem — lau» Beschluß der Londoner JahreSkaufevenz — der Bodenkauf in Palästina durch Juden zentralisiert werden sollte. Dieser Beschluß wurde formell nie durchgePHrt, doch immerhin behauptete sich die Palestiue Land Development Company als führende Landkaustgefellschast. Daß die (Pa» lsstim) Jewish Colonifktion Association, welche die „Rothschild-Kolonien" weiterführt, ihre Käufe seÄstondig besorgt, mochte hitrgehen und war attch schiver zu vermeiden, iveff jene Kapitassskraft bei ihren Käufen, im Gegensatz zu den aus Propaganda angck.viesemn zionistischen Instituten, Wert davms legte, jedes Aufsehen zu vermeiden. Die „Geullah", ein« Schöpfung des seiner; itigen zionistischen PaMinakcaiiiteeS, kooperierte, mit ihren Landkäufen auf das Gebiet von Jaffa und Umgebung beschränkt, mit der Palest in« Land Development Company. Sotwohl diese als die ,-Geullah" waren vertraglich verpflichtet, jeden Boden, der zum Verkauf stand. zunächst dem Jüdischen Rational» fondS auzuibieten. Doch konnte der Jüdische RativnklfondS der Palelftiue Land Development Company nicht all«. Bö» den abnehmen und die Abstoßung, besonders der Patriq^rchatböden, erf/gj« so schleppend, daß die Pale st me L>:nd Dwc'lopmeut Company sich vorübergehend recht beengt fühlte. Die Palestin« Land Development Company, welche ihr Kapital mit Hilfe der Zionisti-chen Exekutive aus 75/00 Pfund erhöhte, verstand es seither, di« Verkäufe im Ausland auszngostalten. 1924 wurde, auf Anregung Ruppins. die Ausgabe der P'lest'm« Land Development Company auf den Einkauf beschränkt, währen die ganze Berkaufstätigkert für Europa und Palästina selbst an die dort neu gegründete Gesellschaft „Mefchek" abgetreten wurde, welche in Fest- Haltung des Gemeinnutz igle itcpr'mzips vertwglich gebtmden wurde, höchstens 10 Prozent beim Weiterverkauf zu verdienen. Zugleich übernahm die seit Jahren bestehende rührig« Ctesellschaft „American Zionist Commortwcalth", die Gründerin von Bcrlfouria, den Berka^rs der Palvstine-A^nd- Dc-Velepment-Böden in Nordamerika. Die Pa^.;ell:n c?m Karmel, in Djelil, nördlich von Jaff: sowie die ländlichen Bötzen :m Eines, einschließlich des zur künftigen Stadt best imntten Afnle, wurden vrsch ausverkanft. Mit aatsfchlaMsbend für diese Entwicklung war. daß in den letzten Monaten der Clbrakber der jüdischen Einwanderung sich durchgreifend geändert hat. Neben d«m meist mittellosen E'eurent der Chaluzim kamen immer mehr LaÄbattische Einwanderer mit eigene» Geldmitteln ins Land. Di« erste Sorge dieser Einwanderer mm war der Evtverb von Boden, teils <v>n Landteils in der Stadt Die Käuse am Land« sür die noch außerhalb Palästiinas BeMiebenen wie auch für di« schon Immigrierten wurden nach wie vor auAschließlich durch di« Palostine Land Development Conrpanh uttd ihre vorgenannten Tochtero>nst:lten besorgt. Der Effekt dieser Käufe war verblüffend. Im Februar wurde festgostellt, dyß in den letzten 7 Monaten seit Juli 1924 n i ch t w e n i g e r als 2 5 0.0 0 0 D una m (23.000 Hektar) Palastinaböde n durch Kausvertrag un Juden übergegangen sind, so daß der größere Dell des Emek auf einer fast ununterbrochenen Strecke von 40 Kilometer, von Akko über Haifa und Asule nach Befan, jüdisch geworden ist. Dabei verschiebt sich das Verhältnis ztv'rschen den neu erworbenen nationalen zu den Privotböden, welches derzeit noch rnt Gleichgetwicht ist, immer mehr zugunsten der letzteren. Anders Vre Entwicklung ln den Städten. Besonders in Tel-Mviw, der Einfallspforte des Landes, wo man Verwandte und Freunde trifft nebst einem anregstvmen Leben «ach euvopaifchen Zuschnitt, st.iut stch der Zustrom der Einwanderer. Als ich Palästina verließ» wurde von Kennern 'behauptet, daß diese Stadt die Zahl von 40.000 Einwohmrn schon überschritten hade und geradeaus auf dem Wege zu dem ersten Hunderttausend sei. Naturgemäß sucht nun jedermann, der dieses starke Zuströtmu bemerkt, aus Furcht, zu spät zu kommen, sich in städtischem Boden etntzu» decken, sei es, daß er ihn für Wohnhaus, Lccken, Werkstatt oder Fibrik braucht, oder aber auch zum Weitevvevkaivf. Die Nachfrage nach Boden in Städten und» wi« gesagt, Vor altem in Del-A.viiv, war darum in den letzten Ntonaten so stürmischl. daß di« Bodenverküufsgesell'-ch-ften der Nachfrage bei weitem nicht genügen konnten. Di« Folge War, daß stch immer mehr Privatunternshmer zu dissem Geschäfte drängten, darunter viele solche, die selbst erst ins Land gekomuven waren. Das ei-nzige Hemmnis ftir ihren Evwerdstnn könnte die Kritik der öffentluhen Memung bilden. Diese Kritik ist aber keineswegs eindeutig, weil der Erwerb fvombnationalen Bodens für Mische Käufer mit der Groviol« von der „Erlösung deS Bodens" umkleidet werden kann. Man übersieht darüber leicht, baß eS ir$t beim Kauf aus der ersten arabischen oder christlichen Hand MM, sondern daß sich dann der Berkcmf von^Juden an Juden zu natürlich stets erhöhtet» Preisen anknüpst. Doch damit gerate ich schon zum Thema de« yueiten Artikels, der die Gchchrsn der Privaten Bcdankäufe darstellen soll. * Vorkehrungen attffl Suakouu »er Lonrifte« ln Krez Israel. Errichtung eines Mische» JnfsrmationSbureaus für Tomisten. — Regelmäßige Führung durch die Emek- Siedlnnge«. — Patzerleichternngen. Di« Zionistische Pakästiwaexeku-tiv« ,md der Jüdische Nation«fovdS haben gsme'msam ein AirkÄar an di« Dalaftmaömter, Zionistischen Föderationsn, Aeren-Haststod- und Nationalfrmos- «ämnWon«n der gmnrn Walt ve-rsoudt, in wvlchsm die von den Wronden jüdischen Iwstitutionen getroffenen Borkchru-ngen zu>m Cin-pfang und der Fuhrumg von Touristen in Palästina mitaeteilt werden. Dar Zirkular wütet auszugsweise wie folgt: In Anbetracht der Tatsache, daß die Mehrzahl der Rcis«bur«<mS ihve Programme und R«lft,beschreibuw-cn in hergebrachter Weise herauiSgelben, ohne die inter.!sive jüdische Entwicklung in Laudwirffchast und Industrie zu berüchsichtigen, schien es vor allem notwendig, di« AufmerkfaMeit der Besucher aus diese Entwicklung hinzulenken und die Erlangung freier Informationen zu ermöglühen, wie der Tourist sein« Zeit nützlich verwentz^n kann, um sowohl di« Stätten deS modernen Forffchrittes als auch die von historischem Jntereffe zu sehen. Tanmt wurde ein jüdisches JniformationSbureaiu für Touristen in Palästina errichtet.*) (Das Burenu steht unter gemeinfchaMcher Aufsicht der Exekutiv« und des Nationa-lf.-nds, die in erster Linie das Bureau gescha-ffen haben und finan.- zieren. Ferner ist di« .Hadaffaorganifation, das Pqlä-stinensisch« Waisenkontitee. die Zionistische international« Fvauenorgamsaiion und daS Direktorium der hebräischen ° U.n.ir«rsitäi an dem Bureau intevefftert.) Das im neuen GlockenturmgabLude gegeUüber der Pcst im Zentrum von Jerusalem gelegen« Bureau ist für . jeden Touristen leicht zu erreichen. ES ist zu hoffen, daß während der Saison all« Touristen, auch die, deren Namen nicht bekannt werden und daher nicht «ingoladen werden lvunen, das Bureau aufsuchen. N,m weitere UnterkunftSmöglichkeiten für Tourrften zu schasstn, ermöglicht di« Exekutive rm Verein mit der. American Zion Commonwealth einem K-blonisten in B a l s o u r i a, neben seinem gut gebauten Hotel (Malon .Ha-Cut-sy einen Gasthof mit zwanzig Betten zu errichten. Mau hofft, anch während dieser Saison einen Gaschaf in Nahalal mit Speife- und Lcgievgelegenheit zu er-, richten. Mit Hilfe der Palestin« Expreß Do. soll zwischen Haifa und den Emek-Siedlungen ein regelmäßiger Autobusderkehr zweimal, und vielleicht öfter, wöchentlich eingerichtet werden. Auf diesen Touren sollen die Touristen von ei»»em geeigneten Führer begleitet werden. Zum bevorstehenden Peffachfest hat die Exekutive seitens der Regierung eim Erneuerung der vm letzten Jahve gewahrten Erleichterung für die Erlangung von Visen für Touristen erhalten. Dies« Erleichterung besteht darin, daß Personen» die von Vertretern der Zivniftifchrn Organisation empfohlen werden, ohne jede Schwierigkeit Bise.» zum Besuch Palästinas in der Zeit vom 20. Marz bis zum 20. April erhalten. Diese Bisen sind n>ur für bonafide-Douvi'sten» die nicht die Mstcht haben, dauernd in Palästina zu bleiben, bestimmt. Die BeMdung von Kinbem ist diesen Touristen nicht erlaubt. Diese Erle ich teruu-- gen sind zu erlangen bei den britischen Konsulaten in Galatz, Saloniki, Cluj, Zagreb, Berlin, Präg, Kvnstanttnopel. Riga, Sofia, Wien und Warschau. ' Die ErofftvmgSfeier der hebräischen Universität in den evsten Dagen deS April wirb di« Aufna-hmZ>sLhig.kelt der Jerusalormr Hotels auf eine hart« Probe stellen. Dies, und di« in di«sem Jahre «beispiellos große ' Anzahl van Touristen und Mischen PAgramS, di« zu Peffach hier «tte wartet loerden, veranlaßt die Exekutiv« und den Jüdifchan Nationalfonds, die zionistischen Vertreter in der gauKen Welt zu ersuchen, daß sie den Touristen raten, ihr Programm so einzurichten, daß sie Jerusalem, wenn möglich, eine Woche nach Pessach besuchen. -«User für landwirtschaftliche Arbetter. Laut dem Fchntarbericht der Palästinaexektttiw schreitet der Bau von Wohnungen für Arbeiter in den aus Nationalfondsboden errichteten Siedlung«» des K e r e» H a j e s s o d zusehends fort. Die Häuser für di« jemenitischen Siedler in Rischov te Zion sind fertig und Verträge für di« Errichtung von- Küchen und di« Komplettierung der Ställe in Kfar Uriah abg«schaffen. Die Stall« von Kfar Malal sind nahezu fertig; der Bau deS Wasserreservoirs m der Mädchenfavm Lchchunach Borochow und jenein der Kleinsiedlung Merchawia macht gute Fortschritt«; daS gleiche gilt für die SM« in der Kwüzah Gewä und der KleinstedLuüg Kfar Jecheskel. Es liegen Plane vor für ein« Reihe von Gebäuden in der Kleinsiedlung Tel«Adas und der an der gteichen Stelle gelegenen transsylvawischen Koloute. *) Ädreste: Jüdisches JnfvEationSburvM P. O. B. 4S8, Jerusalem.