Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2179 (15.3.1925)
- Date
- 1925-03-15
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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lZette & " ' Me», Somrttpg .' •** 18. Mkrz IMV 'srr. MV Cirrulius vittoftrs unrichtiger kLnsÄerische-r und unrichtiger finaWieller Methoden. Die Kriegsherr und die erste Nachkriegszeit hatte Len Lheaterbetrieben eine drückende Schuldenlast aufMürdet, welche die hohen Eintrittspreise zur Fo4ge hätte. In Hellen Scharen lief das PuTikü-m den bequemen und billigen Kinotheatern W. Nun Vvvfuchtv» die Unternehmungen, der Theaterflucht dadurch Herr zu worden, daß sic das Starfystem entführten. Der Gagenetat begann ins Fabelhafte anzuwachscn und es wurde unmöglich, eine wirKich wertvolle EnsemLleleistung zu erzielen. Bevstrmmung der Künstler und Starmüdigkeit des PuRvkums Waran die nächsten Folgen. Um dem Publikum irgend welche Wtraktionen kneten zu Rinnen, rvurdvn Regier un st ft ucke hervorgcholt, deren Wirkung oft knapp an Variete- und Zvrkusexpenmente streift und mit Theoterkunst nicht das mindeste zu tun ha-ben. In unerschütterlichem Glaüben an die Lebensfähigkeit wirklicher Theatevkunst und vor allem an die Ledens-- fShigkeit einer solchen ans Wiener Boden will der Gefertigte den Versuch wagen, ein Unternehmen ins Loben zu rufen, das folgenden Hauptforderungen Rechnung tragt, welche seiner fasten Uoberzeugung nach auch haute noch eine gediegene Grundlage für einen gesicherten Theater.betrieb sind: 1. Die beste Kunst ist immer das beste Geschäft. 2. Nur eine Bühne, die für das wirKich theaterfreudige Vcckk und aus ihm heraus wirkt, ist existenzfähig. Dank dem Entgegenkommen der Direktion des Burgtheaters, dar Bundes thea terverwaltung und der Bundesregierung will es der Gefertigte unternehmenin dein wundervollen Schönibrunner Schloßtheater eine Kammeroper ins Loben zu rufen, die auf einem in Wien nicht vertretenen gesunden, künstlerischen Programm und auf gesunder wirtschaftlicher Grundlage und Organisation aufgebaut ist. Das Ziel der Kammeroper wird in der Aufführung üvertvoller Werke der musikalischen dramatische« Kleinkunst in sorgfältig vorbereiteten Aufführungen bestehen. Es soll versucht werden, eine dramattfche Kammermusik, die qualitativ Aufführungen größten Stils nicht nachstehen wird, zu bieten, die den Forderungen eirvü auf intimste Wirkmrgen eingestellten Geschmackes Rechnung zu tragen vermag. Jedes Mitglied der zu gründenden Theaterge me in de wird gegen Erlag einer Ein'schreibgeMhr von 1,50 Schilling und einem Mitglieds beitrag von 2 Schilling für jede Spielperiode Anspruch auf zwei Sitzplätze in jedem Monat zum Prei.se von 1,6 bis 5 Schilling haben. Der Gefertigte, der die Unterstützung aller mahgelbenden öffentlichen Faktoren gefunden hat, hofft, daß ihm eine solche auch seitens der breiteren Oeffeutlichkeit zuteil werden wird und die neue Theatergemeinde der Kamme roper im Schönbrunner Schloßtheater wirklich das wird, was sie werden soll: eine Kuuststätte für und durch dis Volk. Aar den Aeatern. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, i e Katakomben". Dienstag, 7 Uhr abends „F e n st e r". Akademtetbeater. Morgen, 7*8 Uhr abends, Gespenstersonate'. V o l k 8 o p e r. Heute abends „Gräfin Mariza", nachmtttagS „W e r t h e r". Morgen „Tausendundeine Nacht". Deutsches V o l k Sst h e a t e r. Mittwoch, 25. d., Premiere der Komödie von Luigi Pirandello „Die Wollust d e r A n st ä n d i g k e i t" mit Alexander Moissi. Dazu wird die Posse „DieschlimmenBuben tnder Schule" gegeben. Alexander M o i s s i wird darin zum ersten Male eine Nestroy-Rolle spielen. Theater in der Josef st ad t. Paul Hartmann beginnt seine diesjährige Tätigkeit als Ferdinand in „Kabale und Liebe". Als nächste Inszenierung Max Reinhardts wird „L o y a l t i e S" von John GalSw o r t h y vorbereitet. Heute, 3 Uhr nachmittags, „E t n unmöglicher Mensch",? Uhr abends „Ein S o mmernachtstraum". R a i m u » d - T h e a t'e r. Heute, 7-4 Uhr nachmittags, „Hänsel und Gretel". RenaissaneebÜbne. Heute, V*4 Uhr nachmittags. „Der gestiefelteKate?. Moraen 25. Auffitkmmg von „M e t n M a n n, der g r o ß e K ü n st l e r mit Hansi Niese. Kleines Theater in der Annagasse. Dienstag, 24. d.. Premiere de» Lustspieles „Walzer" von Georg R u t t k a y. R o l a n d - B ü h n e. Die Premiere des Schwankes von Emil und Arnold Golz „Der unwiderstehliche M a x" wurde auf Dienstag verschoben. Theater an der Wien. Heute, 3 Uhr nachmittags, „W i e n e r B l « t". Johann-Strauß-Theater.Heute nachmtttagS „D t e C z a r d a S f ü r st i n". Bttrgertheater. Unter der Leitung Oskar N edb a l 8 gastiert das Operuensemble des Slowakischen Nationaltheaters au» Bratislava Mittwoch den 25. d.. */»8 Uhr nachmittags, mit Smetanas Oper „Die »er kaufte Brau t". Sine ständige jüdische Bühne in Wiciu Heute Sonntag UM 11 Uhr vormittags firtbet im Klabsaal des Hotels Central. Tabovstraße 8, eine Sitzung statt, in welcher die für die Gründung eines ständigen jüdischen K ü n st l e r t ü e a t e r s in Wien erforderlichen Vorarbeiten besprochen und einem Komitee zur Durchführung des Programms übergeben werden. Den Interessenten ist eine diesibezsigliche schriftliche Einladung zugcgangen. Purimakademie. Ms einzige Veranstaltung dieses Jahres findet heute Sontltag iuu halb 9 Uhr abends in den Olympiasölen, 1. Bez.. Rotgasfc 3, die Purim - akademie der Zionistischen Bezirkssektion Loopoldstadt statt. Es wirken viele erstklassige Kunstkräfte, unter anderem auch das Ensemble der jüdischen Kleinkunstbühne „Die gildone Pawe", mit. Anischließond Tanz Ballorchester Professor Max Geiger. Jazzband. Verschiedene Belustigungen. Wenige restliche Karten an der Abendkasse. Gerichtssaal. LtOOL - BERICHT Die Oualitätsindustrie auf der Wiener Wesse. In den Räumen der neuen Hofburg hat die Wiener Luxusindustrie ihre mannigfaltigen Produkte ausgestellt, die das hohe Niveau des österreichischen Gewvvbefleißes ain Geschmack und Qualität dokumentieren. Es handelt sich hier nicht davum, bestimmte Maderichtbiwien den fremden Einkäufern vor Angen zu führen, sondern vielmehr zu zeigen, was wir auf allen Gebieten der Geschmacksindustrie leisten. In erster Ärrie sind es die bereits populären und renommierten Firmen, welche sich mit ihren Produkten ausweisen. Besonders beachtenswert ist auch die künstlerische Ausstattung der AusstellnngSkäjen. Das ModepcÄais Julius Krupnik «hat wieder einmal seine Großzügigkeit -bewiesen. In einem übercm's vovnehmon Rahmen worden hier die neuesten Kreationen auf dem Gebiet der Damemnode (neue Frühjahrs- und Sommevmodelle) vorgeführt und bezeugen wiederum den Rang dieses Hauses. Den raffinierten, mehr für das exklusive PuWi- Vum bestimmten Modelltyp favorisiert die ganz in Pariser Stil arbeitende Müdefivma Jda Reichs die es versteht, die einzelnen kleinen Modeneäheiten dem allgemeinen Stil des Kleides amFupassen. In der Stvickmodondranche stD das Mariahilfer Hans „Lady" an erster Stelle. Ueber hie Reichhaltigkeit und Gediegenheit feiner. Eryeug-nisse haben wir schon öfter in der Wintersaison ausführlich Zu berichten Gelegenheit gehabt. Durchaus stMiildend steht nach wie vor die Wiener Werkstatt« da. Ihre in Farbe und Linie originellen Stoffe halbe schon seit langer Zeit den Weltmarkt erobert und find für den Wiener Geschmack typisch. Die Luxüswäfche hat ihren Modeschöpfer in 'der Firma D. Rosenfeld auf dem Kohlmarkt gefunden. Selbstverständlich ist auch der vornehme Modellschuh nicht vernachlässigt. Die Wiener Schuhindustrie hat sich in Mitteleuropa einen erstklassigen Namen gornacht, hauptsächlich in der Richtung des Stils, der dem jetveiligen Kleidorstrl angepaßt ist. In Ergänzung des eleganten Schuhtyps hat sich auch die Technik der Schuhindustrie bedeu-ten«d entwickelt. Zu den führenden Firnren gehört schon seit ge- ■; raumer Zeit die große Schuhfabrik „Beka", welche den - Qualitätsschuh in allen Ausführungen und zu bürgerlichen Preisen produziert. Unternehmungen dieses Ranges sind - für die österreichische Volkswirtschaft von großer Bedeutung. Wenn auch nach uns zukommenden Berichten der ( finanzielle Erfolg der österreichischen! Luxusindustrie aus der heurigen Frühjahrsmesse kein gerade bedeutender war, so hat diese doch ihren Wert als Propagan-dafaktor neuerdings hinlänglich bewiesen und den Ruf von dem hohen Niveau unserer Qualitätswaren wiederum in glänzender | Weise Eestätigt. | ln dieser PncKiing einfach und sachlich, kaufen Sie den effektvollsten Puder, den die Kosmetik seit einem halben Jahrhundert kennt. Puder soll in erster Linie die Haut hervorragend schön machen, ohne sichtbar zu werden, dann aber auch die Haut seihst pflegen, so dass der zeitweise ungepuderte Teint ebenfalls gut wirkt. Nur Leichners Fettpuder kann solche Erfolge aufweisen, weil seine Rohstoffe unnachahmbar sind. Leichncrs Puder / Taschenpuder / Cremes / Schminken für Lippen, Augen und Wangen /NewCosmetic und Bliitenwasser sind überall erhältlich. Die Qualität macht’s L. Leichner.« Berlin, Schlitxnnstrassn 31 WIm. XVIII., Wltthiuiig. 17 -vnwmue/, gegründet ROTENTURMSTR Erzeugan «I* Spezialität: Mieder, Gürtel Büstenhalter aui Qmnml, Trikot und feinsten frans, Steffen Ein sonderbares Dreieck. Der Mechanrkermeister Fvaui May hatte anfangs 1924 den Uhrmacher Hubert Halacek fccitneit gelernt und ihn einmal im mdgeheiterten Zustand dazn animiert, mit seiner eigenen fzrau, Marie May, in Bezichunaen ,Nl treten. Zwischen Halacek und der May hatte sich auch wirklich ein Liebesverhältnis entfhonnen. Der Gatte wollte das Verhältnis nicht mehr dulden, weshalb es zwischen den Eheleuten May wiederholt zu Streitigkeiten kam. Sie ließen sich schließlich scheiden, bliöben aber in derselben Wohnung borsam-men. Die Frau wurde von ihrem gewesenen Gatten sehr schlecht behandelt, worüber sie ihrem Geliebten des öfteren klagte. Sie sagte, das beste wäre wohl, wenn er nicht mehr leben würde. Nun erstattete im Septenlber vorigen Jahves May gegerr feine gewesene Gattin und den Halacek die Anzeige, daß sie versucht hätten, den Mechanikevgehilfen Gottliüb Wirgl zu veranlassen. ihn aus dem Leiben zu schaffen. Wirgl hat dies bestätigt. Halacek hatte nach seiner Verhaftung ^ugsgehm, daß ihm die May zugeredet habe, den Gatten umzubringen, und daß er dein Wirgl einen Revolver übergeben hatte. Franz May hat sich später mit seiner Gattin, wieder vevsöhnt n,n.d wollte die Anzeige zilrückziehen, jo, er ging sogar so weit, daß er den Wirgl zu einer falschen Zeugennusisage zugunsten seiner Frau veranl-asfen wollte. Gestern hatten sich vor dem Schwurgericht unter dein Vorsitz des Hosrates Wüstinger die Marie May und.Hlchert Halacek wegen versuchter Verleitung zum Verbrechen des bzstelltm Mordes zu verantworten. May erschien in: Gerichts^ saale in angeheitertem Zustande. Er gab zu, daß er oft betrunken sei und dann seine Frau mißhandle. Der Zeuge Wirgl bestritt, das Attentat errvst genomnren zu haben. Nach kurzer Beratung verneinten die Geschworn,en die Schuldfragen e i n st i m m i g. Worauf beide Augeklagtoir frei g esprochen ivurden. Sie verneigten sich dankend. Der Prozeß Ultmann beendet. Nach viertägiger Berhaudlungsdauer wurde gestern der Prozeß gegen den BankgeschäftSrnhaber Siegmuud Ultmann zu Ende geführt. Der Gerichtshof erkannte den Angeklaigterr des Vevbrechens des Wuchers und des Vergehens der fahrlässigen Krida s ch u ldrg. Von einem großen Teile der Wncherfäll-e wurde Ultmann fveigesprochen. Der Gerichtshof verurteilte Hn z,r zehn Monaten einfachen Kerkers. Als erschwererld wurde die Höhe der Summe angerwmmen. Das Urteil wurde in Abwesenheit des Angeklagten verkündet. Der Verteidiger hielt sich Bedenkzeit offen. Drahtstifte in der DoboStorte. Der Inhaber einer Kon > ditorvi, Gustav Haucke, war gestern beim: Strafebzivtsgevicht 1 wegen eurer unter eigenartigen Uniständerl beganigenen Ucbertvetung gegen das LebensmiltiEgesetz angeklagt. Als zwei jun>ge Leute sich kürzlich beim Konditor je ein Stück Doboswrte, die aus dem Betriebe des Haucke stammte, geben ließen, urachleil sie zu ihrem Erstaunen die Wahrnehmung, daß in jeder Portion sich ein je fünf Zentimeter langer Drahtstift befinde. Der Aw?/eklagte erklärte, daß beim Schlagen von Schnee fiir die Döbostorte die fürs Schlnoeschilagen verivelwete Schneernte brach und daß ans diese Weise, trotzdem er sofort Auftrag gab, den Schnee ordentlich zu svciben, die abgeibrochenen Stifte in die Torte gelangt sein dürften. Der Richter, Dr. Berger, verurteilte den Angeklagten wegen fährlässigerl Feilhaltens gesundheitsschädlicher Lebensmittel zu einer Geldstrafe von 40 Schilling, eventuell zu 48 Stunden Arrest. Die Berzweisluna der Obdachlosigkeit. Gin Ghcpaar war seit dein 17. Julr 1921 beim Wohnungsamt als dringend wöhunngsbedürfjig vovgemerkt und erhielt darin rrach der Geburt eines Kirrdes die Qualifikation e i n s, aber noch lange keine Wohnnrrg, obwohl es irr der letzten Zeit als obdachlos in der Liste der Notständler anfgerlorrmrerr wurde. Endlich begamren die Ebeleute zrr hofferr, als ihrrerr der Wohnungskoanmissär Rudolf Putzelig eines Tages ^angeblich sg^te: „Sie bekolllmen noch inr Laufe dieser Woche rm 20. Bezirk eine Wohnrrng; wenn ich nicht recht bchalte, körmerr Sie mich einen schuftigen Lügner nennen!" Als sie wieder kamen, gab es rroch immer keine Wohnung und sie bezeichneten den Kommissär als einen schuftigerr Lügner. Gestern hatten sie sich wogen, Amtsohrenbeleidtgung zu verantworten. Der Zeuge Pützelvg erklärte, es stehe nicht in seiner Macht, jemandem eine Wohrnmg zuzuweisen, mub überdies sei cö selbstverständlich, daß er niemandem das Recht einräume,i werde, ihn. selbst bedingt; einen Schuft und Lügner zu ne,me». Der Richter verurteilte die Eheleute zu einer G e l d st r a f e von je fünf Schilling, beide jedoch nur bedingt unter Einräumung einer einjährigen BewährNMsfvist. Der Richter hob in der UrterlsbegrüMliKg hervor, daß die Aufregung der Bechuldigten, die mit ihrem Kinde seit Jahr und Tag obdachlos ind» Mr allzu verständlich und zum Teil and, bered,' tigt gewesen sei. ■Bummnuyi