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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-15 · Heft 2179 (15.3.1925) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2179 (15.3.1925)
Date
1925-03-15
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Dien. Gminlaq Wiener Mornenzettnnft M. 2179 Volkswirt. Saglaud und SesterrelÄs Wirtschaft»- eatttklklano. In den letzten Tage ist da- Problem des BTrhältnisfes der rnlglischen Finanz zur österreichischen Wirtschaft wieder sehr aktuell geworden. Der Präsident und der Generaldirektor der Oesterreichischcn Nationalbank find nach London gereist, um dort die notwendigen Aufklärungen über die österreichischs Nctewbawkpolitik und ihre Beziehung zur österreichischen Wirtschaft zu erteilen. Zweifellos werden daboi auch die Zinsverhältniste Oesterreichs einer gründlichen Erörterung unterzogen werden. In einigen Dor/en beg'rbt sich der Finanzminister Tr. Ahrer zum Gmrverneur der englischen Bank, Montagn Norman, mn mit diesem das Verhältnis der österreichischen Staatswirtscha'jt zur Privatwirtschaft, die Au-fhebunig der Devdsetchcschränkungen amd die eventuelle Placierung österreichischer Staatsanleihen in Engend zu besprechen. Dr. Ahrer ist der FinanAminister der christlichsozkalen RegieruNgsmajorität, Montagu Norman der Präsident der bedeutendsten Bank Englands, ist ein Jude, der ans seiner Sympathie für Oesterreich nie ein Hehl gemacht hat. Norman hat den Finanzminister nach London cingeladcn. Dies ist ein Beweis für die lln.st':chhält>igkoi.i und Unrichtigkeit der Behauptungen der gerade den Christlichsozialen nahestehenden antisemitischen Presseorgane, welche für dar Pamphlet und langst erkannte Falschungspro- Idnkt die „Weisen von Zion" Propaganda machen, in welchem die lügnerische Behauptung ausgestellt ist, daß die englische und amerikanische Hochfinanz die nichtjüdifche Welt un'b.dlngt nur unterjochen wolle und die arische Wirtschaft zu vernichten beabsichtige. Der Präsident der Dank von England ist Kveisellos der prononzierteste Vertreter der englischen Hcnrlefiirance. Ger rde er hat mehr als einmal, wie zum Beispiel durch die Ermöglichung der Errichtung der Österreichischen Nationalbank, zur Stabilisierung der österreichischen Währung poigetagen. Er hat die Idee der Völkerbundanleihe, welche die österreichische Staatswirsschaft vor dem Zusammenbruch bewahrte, am stärkten gefordert. Montagu Norman ist es, der gerade jetzt, lvo die österreichische Krise ihren KuÄnnratiouspunkt erreicht Zu haben scheint und entscheidende Entschlüsse für die nächste Zukunft der österreichischen Wirtschaft zu fassen sind, der sein Interesse für Oesterreich dadurch bekundet, daß er sich mit dom österreichischen Fin-anzinmister persönlich in Verbindung setzt, um alle Mißverständnisse, die sich zwischen der englischen Finanz und den österreichischen Wirtschaftsfaktoren in der letzten Zeit fühlbar machten und auch in den maßgebendsten englischen Cityblättern zum Ausdruck kamen, unbedingt zu beseitigen und so jedes Hindernis der Entwicklung der österreichischen Wirtschaft aus dem Wetze M räumen. Wie s.hr die Astern -.övMyc .Wir-fchaft die Mithilfe der englischen Finanz benötigt, zeigt auch die Rosse des Präsidenten der Bundesbahnen, Dr. Günther, der nach anßenhin wohl nur eine Privatwlfe macht, tatsächlich ober nach London fährt, um dort den Fmanzmarkt für die Begebung einer österreichischsn Essenbahn an leihe zu sondieren. Die Elektrifizierungsarbeiten der österreichischen Bundesbahnen sind noch lange nicht beendet. Es -sind zu -ihrer Bollendmrg noch große Kapitalien notwendig, die der Staat unmöglich zur Verfügung stellen kann. Wohl hat im vorigen Jahre die österreichische Regierung für diesen Ztveck tzklder verwendet. Dies ist auch die Ursache - des österreichischen Kndgetdcfizits. Es entspricht »brr nicht, der Ausgabe einer ordentlichen Budgetierung» für Investitionszwecke allpr große Mittel zu verwenden.. Diese Mittel dürfen mrr auf dem Wege von Anleihen beschafft werden, weil sie sonst das Budget allzu sehr belastet!. Da nun die österreichische Regierung ein Internste hat, ihr Brrdgeldeftzitjw vermeiden, sie aber größere Mittel für die Elektrifizierurrg der Bundesbahnen nicht zur Verfügung stellen kann, die aber unbe-iMt notwendig sind, so muß her Weg der Anleihen beschritten w.rdcir. Es ist -bereits klar, daß in nicht allzü ferner Zeit versucht werden wird, den Londoner Markt mit einer solchen Bnndesbalmanleihe anfzufuchen. Denn die Elektrifizierung der DnndeAbatpieu ist rmibedingt notwendig, damit das erschreckende Passivu-m der österreichischen .Haudclsbklanz, das irach omer vor kurzen: aufgestellten Bev.'chnung zirka 1,5 Milliarden Schilling beträgt, durch Drosselung der Kohleneinftchr unbedingt reduziert wird. Es ist zweifellos, daß der Finanzminister diese Anl-ekhefragc bei feiner Londoner Antvescnhert ebenfalls berühren wird. Sei dem wie auch immtet. Aus all den Reisen und Besprechungen ist das eine ersichtlich, daß Oesterreich die englische Finanz wieder stärker in Anspruch zu nehmen beabsichtigt. Es ist eine wirtschaftliche Elemervtartoahrhoir. daß Oesterreichs Wirtschaft sich ohne ausländisch: Kapitabchilfe unmöglich tveitereniwickoln kann. Heute ist für ausländisch: Finanztransaktionen London der wichtil'ste' Fmanzplatz der Welt. Dies nicht nur deÄvcgcn, tveil Londons Gebdnnrrkt eine gewisse Hegemomestellung auf den internationalen Fi-nanzmärkten besitzt, sondern auch des-wogen, weil London der einzige Bermittlungsplatz für die amerikanischen Finanztransaktionen ist. Der amerikanische Kapitalist achtet beiseinen Kapitalsverleihun-gen ans das Urteil des Londoner.Marktes..-Wem: dieser für die Kapitalsvergobung ist, folgt Amerika nach.. .So hat der Londoner Platz für die österv.-ichischc Wrrsschaft nicht.nur die Bedeutung eines KÄpitatsverleihers. sondern micheines KapitalsvermÄtlers. <,r Unter diesen Umständen muß es merkwürdig berühren und den Eindruck der völligen Sachunkenntnis ertoecken, wenn in den letzten Tcv.'en von soziäldcmokratischer Seite so hsstig gegen die Anrufung der englischen Finanz Sturm geblasen wurde. Da wird in einzelnen Reden eine. Finanzlyrannis lö. MÄliz l-HBft -LVrkt. O Englands und eine Uwlertättigskeit der gosantteuropäische» Wirtschaft behauptet, ohne daß erklärt rverden kann, wie hie, Abhilfe geschaffen werden könnte. Es ist das Fazit des euro fischen Weltkrieges, daß Europa seines Kapitalsbrsihes zu»' größten. Teil entblößt wurde un>d daß das Gold seinen W-e? nach England und. Amerika genommen hat. Sollen die Ka pitalSlücken wieder anfgeMt werden, bedarf es hierzu de: Rückivanderung gewaltiger Kapitalsmengen nach Europa. Dies ist aber auf einem anderen Wege als durch Anleihen»vorläufig nicht magisch. Die Derzinsnrrg, die hioftir an die Ka Pitalöverlei-Her gezahlt wird, ist nichts anderes als die Ent schÄü-gungsqnote für die Benutzung des verlorenen Kapitals, das in Kanonen und anderem.Kriegsmaterial in den Schützengräben verpulvert wurde. Dies gilt gerade so ftir Densschland. Frankreich nnd alle die anderen Nationalstaaten wie fj'n Oesterreich. Niemand, auch rrrcht der volkswirtschaftlich geschulte Na tionalist, kann ein Mittel angeben, wie das notwendige Kapira' auf andere Weise für die notleiderüde Wirtschaft Europas beschafft werden könnt«. Oesterreich ist auf die westliche Finanangewiefen. Und wenn.es jetzt bestrebt ist, den Kontakt wieder herzusdelleN, so hat es den vernünftigsten Weg zur Wiederaus richtung seiner Wirtschaft eingeschlagen. Da können rricht noch so hämische Bemerkungen von dieser Binsenwahrheit Menken Mit Phrasen kann wohl Stimmung erzeugt/ nicht ober eine Wirsschaft rqzeneriert werden. Oesterreich mutz zufrieden sein daß die westliche Finanz sich weiter für die Entwicklung seitn Wirsschaft wohlwollend interessiert. Günstiger Messeabschluß. Gestern wurde die Wiener Messe geschlossen. Das Messevefultat kann im großen und ganzen Äs lbefriedig-end angesehen werden. Sämtliche Aussteller sind mit den Erfolgen Knfriüden. Noch am letzten Tage lvurden.in vielen Zweigen eine Reihe größerer Ab schlösse sowohl für das Inland als auch für das Ausland ge tätigt. Don dem Messeresnltat wird auch ein Ansporn für den. tveiteren Geschäftsgang der Industrie erhofft. ZwesselloL hat die Messe eine gewisse. Belebung m jeder Hinsicht gebracht. Es scheint sogar die Wiener Messe die Loipziger Messe bei weiten: übertrofsen zu haben. Es ist zu erwarten, daß eine Erleichterung in der allgemeinen Wirsschaftslage eintreren wird, zumal auch das bevorstehende Frühjahrsigeschäft in Kürze beginnen dürstei. Erhöhung der Rückzahlungen im kurzen Wege km Sparverkehr des Prstsparkassenamles. Um den Einlegern die Behebüng von größeren Beträgen bei jedem Postamt ohne vor- - herige Enssendung eirrer Kündigung zu ermöglichen/hat das ' Poftsparkassenamt laut einer in der heutigen „Wiener Zeitung" verlautil-arten. Kundmachun-a solche Rückzahlungen im kurzen Wege bis m 50 Schilling.zugelassen. Hierdurch esscheiut ungefahr jener Zrsstand. wie er vor dem Kriege bestand, wieder erreicht. . . Abnahme der Insolvenzen. Seit Inkrafttreten der neuen ZjlusglLichsordnung. ist ein Abflauen der Jnsolvenzbeivegung M *Theater von heute s RtiaiSMtlCCbanne: Der gestiefelte Kater — Mein Mann, der große Künstler Lurttpiekwester- Rotkäppchen — Der Sprung in die Ebe Wiener siowöüieiivs«» sExl-Bühn«)« ' Der Pfarrer von Kirchfeld — Ter Ehestreik - tiOlaNdbühNt: Drei Paar Schuhe — Der Dhbnk earl-rdealer: Der Nastelbinder —. Sonja Ldeater sn «er Wien: Wiener Blut — Das Milliardensouper lvr. Lürgerlderrrr: Ein Böhm in Amerika : 3 — #3a" iDie Dame von den Falles Vergöre) lLS ÜOb -Sfraim-ClKjmn Die Csardasfitlstiu li — PnSztaliebche» Y„8 Kleines ehester: Sechs Personen suchen einen Autor 8 üvllaeher: Große Ausstattnngsredne ^An Alle.. 1* Vs8 Apoll»: Internationales Variete mit Alba . Tiberio, Academy-girls, Bc>^ >nni, uslv. 8 % fi DBLL felaste Hand , rahmen-und „ Abend-Schuh« taborstr Allels* r verkauf der Marke tt A L L Y im II. 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