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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-15 · Heft 2179 (15.3.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2179 (15.3.1925)
Date
1925-03-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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dr. 2170 Wien, Sonntag W,etter? MoeaenzerruttK W*. S»rt»i«ft loyd Triestino / Triest RagelmfiBlgar Passagier* und Warendlenst von TRIEST nach Willi; uiiüitiiiiittiiitti tiiiimiiniiiitiiinti Ägypten, Türkei Dalmatien» Griechenland, Syrien, den Sehwarsen* Maer-Hfifen, Indien und dem fernen Osten Getieralagentur: Wien,!. Kärntnerfing 6 Sie hebriiifche UniverM in Jerusalem. Bor der: Eröffnung. Ter englische Physiker Sir Artur Schuster teilt in „Even-ing News" mit, daß er an der Eröffnungsfeier der hebräischen Universität teilnehmen Ivevde. Die Warschauer jüdische Gemeinde wird durch Obcrrabb'mer Professor S ch o r r vertreten werden. Die Bu-karester Judenschaft entsendet Oberrabbiner Dr. N c mirower und hat der Universität eine Spende von 200.000 Lei überwiesen. Die Bibliothek GoldMerö. Wie die „Wiener Morgenzeitung" bereits berichtete, ist in Jerusalem die Bibliothek von Ignaz v. Goldgiher, dem in Budapest verstorbenen Begründer der modernen Jslamwisseuschaft, eröffnet worden. Sie ist in der Jüdischen National- und Univevsitätsbibliot'hek, der sie von der Zionistischen Exekutive zugesührt worden war, nmtevgebracht. Das „ZeutraMatt für BibliochekSwefen" teilt nun mit, daß der Wettbewerb um diese bedeutendste orientalische Privatbibliothek sehr scharf war und daß auch Preußen, trotz der Uitgunst der wi-rtfchaftlichen Verhältnisse, sich daran im Interesse der Berliner Staatsbibliotheik beteiligt hat. Auch Japan hatte einen Fachmann deswegen nach Europa geschickt. Me Bibliothek enthält etwa 6000 Bände van 2600 Autoren. Ihr besonderer Wert liegt darin, daß Goldziher schon 1873-74 als erster und einziger Europäer die zentrale Hochschule der muslimischen Theologie, die Afhar- Atademie in Kairo, besuchen durfte und durch den Ankauf der Kairiner Drucke alter Zeit den Grundstock zu seiner Sammlung gelegt hat. Ein junger Berliner Orientalist, Dr. Hartwig Baueth, ist nach Palästina berufen worden und bearbeitet dort die Neuerwerbuingen und die Korrespondenz Goldzihers, die von seinem Sohn, Professor Karl Goldziher, für die Jerusalemer Bibliothek herausgcgeben werden wird. * Ein Bukarester Jude vermacht 20 Millionen Lei für die Studenleuhilfe. Der dieser Tage in Bukarest verstorbene jüdische Kaufmann Anton Groß vermachte sein ganzes, auf 20 Millionen Lei geschätztes Vermögen für die Errichtung und Erhaltung eines Studentenheims. Laut Testament sollen in diesem Studentenheim 50 Prozent jüdische und 50 Prozent rumänische Studenten Ausnahme finden. Die Verwaltung des Heimes wird von einem Komitee geleitet werden, das ans dem Bnkarester Rabbiner, dem Universitätsrektor und einem Delegierten des Unterrichtsministeriums bestehen wird. sic soll in Frieden ruhen und Fürsprecherin für uns sein, hat mir keine Häuser und kein Geld, aber einige gute Sprichwörter hinterlassen. Gott wohnt oben und wenn uian seinen Blick zu ihm emporrichtet, soll man sich auf dem Weg, den dieser Blick zurücklegt, genau Umsehen. Auf diesem Weg, der hinaufführt, bin ich Iveder Nute, noch Hersch begegnet, aber auch keinem, der uns beneiden würde." „Hast du dort Kopel Ojscher gesehen? Ja, nicht wahr? Ist dein 'Blick auf Eisig Großhändler gestoßen? Gewiß! Nun siehst du! Wie ich jetzt durch die Lange Gasse heimwärts ging, ulld wohlgemut die zwei Silborzwanziger, die ich urir durch einen Botengang ills nächste Dorf verdierlt habe, in der Tasche klimpern ließ, standen Kopel lllld Eisig vor ihrer Ladentür. Beide waren sehr ernst. Weil sie beide große, schwere Sorgen haben. Kopel lebt immer iit Augst vor der Wiener Post, die ihm die Börsenkurse bringt, urrd Eisig zittert vor der Reicheuberger Post, die ihm die Mahnungen der Fabrikanten ins Haus trägt. Ass sie mich sahen, erhellten sich ihre Gesichter. Der Frohsinn gibt dem Gesicht die Kraft eines Zauberspiegels. Er spiegelt de»l Gemütszustand des Fröhlichen wieder und überträgt die Freude auch auf denjenigen, der in diesen Wunderspiegel schallt. Das zeigte sich auch bei Kopel und Eisig. Kopel winkte urir lllld begann ein Gespräch. Er hatte das Bedürfnis, sich an km Sonnenschein meines zufriedenen Blickes zu erwärmen, zu erheitern." „Das bildest bu dir bloß ein," sagte Ehaje Lea lllürrisch. „Kopel, dem die halbe Lange Gasse gehört, hat sich ohne Zweifel bloß über dich lustig genlacht." „Desto schlimmer für ihn," ertviderte Sinlche, überlegen lachend. „Er frug mich nach km Geheimnis meines unverwüstlichen Frohsinns, da er doch wisse, daß ich kein Trinker bin. Ich sagte ihm, daß das in meineln, von der Mutter ererbten Blut liege. Meine Mutter Fradl, Friede sei mit ihr, hat gleichfalls ihrem Namen Ehre gelnqcht. Man erzählt sich, daß sie sich nicht so sehr in die Person als in km Namen meines Vaters verliebt habe. Sie wollte Fradl Fröhlich heißen. Als sie hoch- Sie österreichische Keren «Saiestod- Aktion. Wie wir von der Leitung -der österreichischen Äeren- Hajessod-Mti-on erfahren, sind die bisher von den Bezirksleitungen gemeldeten Teilergebnisse in ihrer Gesamtheit günstig. Das Gesamtergebnis kr vorjährigen Aktion war -bereits am sechsten Tage bu diesjährigen Wevbearboit um ein Beträchtliches überholt, fo >daß bei energischer Ausnützung der noch zur Verfügung ftehenkn Zeit -mit einer Verdoppelung der Eingänge (im Vergleiche nrit dem Vorjahre) gerechnet werden kann. Da in einzelnen Stadtteilen die Aktion erst morgen beginnt, ist zu hoffen, daß das Resultat n o ch g ü n st i g e r aus fallt. Die Leitung der österreichischen Zionistischen Organisation erläßt folgenden Aufruf: An die Mitglieder des Zionistischen LaukskemÄees, Pavteiratcs und Wiener Lokaltomitees'. Die Keven-Hasessod-Akbilorr <nft in vollem Gange. Die bisherigen Terlergelbnisse find erfreulich. Es ist notwendig, atmt die Aktion erfolgreich durchzuführen, zahlreiche Besuche zu erledigen. Eure Pflicht ist es, vor allem in euren Bezirken Palästinafrounk, die ihrer Keren- .Ha-jessod-Pflicht noch nicht nachgekonmnen sind, zu besuchen und sie zur Keren-.Ha-jess-cd-Loistung an-szufordern. Ihr steht an ikr Spitze der Organisation uud daher obliegt euch die Pflicht, i n den v o r d e r st e n Reihen der Mitarbeiter zu stehen. Stellet euch sofort Zur Verfügung und gebet ein leuchtendes Be>ifp':el dafür, wie e r n st d i e Arbeit z u n c h m e n i st. Die zionistische Oeffentlichkeit erwartet, -daß die Mitglieder des Zionistischew Landeskomitces, des Partcirates und des Lokalkomitees, ihrer Pflicht betwußt, sich sofort Mir Mitarbeit und zur U-ebe-rnahme von Besn-chen nvolden we-vden. Der Präsidont: Dr. I a k o b Ehr l ich -ft Die Brigitte nauer Steuerbezii rkst o mmiissiow der Jsraelit-ifchen Knltusgem ein de hat in der letzten Sitzung über Antrag der Hevven Emil N i -m h ä u s e r und S. F r e u n Ä den Beschluß gefaßt, die Brigittenauer Judeufchast auf die Wichtigkeit der Forderung des Pallästvnaaufbaufonds (Keren Hajefsod) hinzuwevsen und sie zur Mitarbeit an der K e r e n - H a j e s f >o d - A k t i o n ausßuforkrn. Für dieisen Antrag haben die Vertreter sämtlicher in der Kommisfian vertretenen Parteien gestimmt. Die jüdischen Veremigumgen und Gruppen in kr Brigittenau wurden von der Kommission von kr Fassung dieses Beschlusses verständigt. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt Montag, den 16. d. M., 8 Uhr abends, Hotel Continental, 2. Bezirk, Taborstrasse Grosses Meeting Redner: Frau Anltta Müller-Cohen, Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Gemelnaerat Dr. Leopold Plaschkes, David Nebenzahl betagt starb, wurde ihr nachgesagt, daß sie in ihrem langen Leben keine einzige Träne des Krimmers vergossen habe und in jugendlicher Schönheit, lachend, aus dem Leben geschieden sei. Sic hatte auch darauf bestanden, daß ich, ihr Erstgeborener, den Namen Simche, die Freude, der Frohsinn, erhalte." „Und was war mit Eisig, dem Hochmütigen?" forschte jetzt Ehaje Lea neugierig wöiter. „Eisig kam aus seiner Geschäftstür auf die Straße, um mit mir ein Gespräch anzuknüpfen. Man sah es ihm an, daß er sich durch meinen Frohmut seine eigene Sorge verscheuchen möchte. Ich fühlte mich augenblicklich wie der Professor, der zu einenr Schwerkranken gerufen wird, und stolz darauf ist, als Lebensretter empfangen zu werden. In seiner robusten Art fragte mich Eisig, warum ich heute so gut gelaunt sei. Ich klimperte mit den zwei Silberzwanzigern in der Tasche und — hier blickte Simche sein Weib scharf an — „ich habe schöne Aussichten für die nächste Zukunft," sagte ich ihm. „Wie Sie wissen, bin ich auch einer von den Mischnajoslernern bei Stiftungsjährzeiten. Nun, in zwei. Wochen ist die Jahrzeit nach Reb Benjamin Leipniker, da entfallen auf mich fünfzehn Kreuzer. Im nächsten Monat fährt sich der Todestag nach Ihrem Vater, Reb Jisrocl, das Andenken des Gerechten zum Segen, da gehe ich arlf den „guten Ort" und bekomme dafür fünfzig Kreuzer. Ich habe also allen Grund, grtt gelaunt zu sein. Eisig lächle auf und drückte mir dankbar die Hand." Ehaje Leas Augen glänzten vor Freude über die bevorstehenden Einkünfte ihres Mannes. Aber das Weib in ihr wollte es nicht zngeben. „Das ist alles sehr schön, aber weißt du, Simche, ich wünsche mir doch, daß Eisig sich so freuen möge, wie du, und bu seine Sorgen mit den Fabrikanten haben sollst." Mitleidsvoll lachte Simche und sagte: „Nur das eine begreife ich nicht, warum die Freude in allen Sprachen weiblichen Geschlechtes ist. Das Weib ist doch so völlig unfähig, die Freude ans innerem Frohsinn -’t gxnießen . . ." , KUNEROL Schel Pessach HDD *7V Lehel Pessach 100% reines Fett aus Kokosnüssen Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners 8. B. E h r e n f e I d, Mattersdorf Ser „neue Beruf". Die Zukunft der Entwurzelten. Ban Egon Dietrichsteiu. Seit es den Leuten schlecht geht, möchten vkr müssen sie aus kr Haut, das heißt: aus kr Epidermis ihrer kaum mehr ertrag nisrei-chon Tätigkeit fahren. Sie suchen ebnen neuen Beruf. Ebnen oNdnungs-gomäßen, rbcht'.Hgeihenden n-nd noch nrehr ebnen richtig- und gntsitzenkn Berns zu finden, ilst heute in Oosterveich und Wien unmöglich. Die Avmter, die Ba>nken, die Geschäfte eMasien. Hunderte, Tausende. Die Samten, JahrAchnte an die relative Sorglosigkeit des Monatsg-chailtes gewöhnt, entwurzelt, nmsftn arteyzogE oder geschuAe Fähiigkeiten aufgeben und . . . kn neuen Beruf finden. Es kamt nur ebner sein, den sie nicht erlernt halben, zu den:- sie nicht erzogen wurden. Dert ntan ohne Schulung, ohne Vovbevebbung ergreifen kann, kn „freien Beruf", gowisfevlnaßen die labile, den: Windstoß ks Erifolgzufalles aufgesetzte TätigLeilt. Nun dürften aber die allevwenigftert, die sich nach einer beruflichen Häutung fethmn, die den ,/Nuen Berufs suchen, diesen gefunden haben. Und zwar schon kshalb, weil kr ueue Beruf nicht gefunden wird. Der neue Beruf ist an sich em Zufallsgeschäst, das einem in kn Weg läuft oder nicht, ks an einem sozusagen hängen bleibt, nnib zwar an jenem und nur an jenem, kr füst für diese Tätigkeit diAPonievt bst. Der neue Sautf ist . wie . ebne Infektionskrankheit. Wer idafür disipomevt ist, wird . ihn bekommen. Wer riicht dazu bnklimevt, kann mit km prinzipiellen Vorsatz, sich dnvchzusetzen, ein Dutzend Sohlen nach „Verbindungen" ablaufen, er wird iimmer bloß in ein Sawb sehen, , i/ ks ihn kein Weg führt. ,/Vielleicht halbe ich Taile>nt, auch ein Stück zu schrei, kn," sagte kürzlich ein Lyriker zn einenr beliebten Theaterrontinier, „ich will es oinimal versuchen." „Mein Lieber," antwortete dieser, ,ävenn Sie Stücke schreiben! könnten, würden Sie -wicht sägert: vielleicht habe ich Talent, Sie hätten es schon längst geschrieben, es hätte Jhrren keine Ruhe gelassen. . ." Wer also wicht schon längst ein Gcschäiftemacher geworden -ist. wer aus die Millionen, die durch die Luft fuhren, nicht unruhig reag-ievte, wer sie nicht schnupperte, wen es nicht aus seinem Amt getrieben hat, wer erst jetzt, weil er wicht leben kann. Programmatisch, ordnungsgemäß, wie man etlva die Bovbevoitungen zu einer Reise trifft, kn neuen Beruf vorbereitet, kr wird ihn nicht finkn^, oder, wenn er ihn finkt, bald wieder verlieren. Zum neuen Beruf gehört vor allem, kß ntan vorerst gar ko'men hat, womit natürlich nicht gesagt sein soll, kß man wicht irgendeiner mit Verdienest verbundenen Tätigkeit nachgeht. Ein Beruf -ist doch etivas. mehr. Gin Beruf lmt-rzekt. Er ist eine Art Crziähuing kr Geve-i>ftetr. Der wirkliche Beruf geht sozusagen m kn Ovganisnms über. Er zwingt zu einer cinsaitigsn Einstellung, deshalb evscheirtt er krn anderen immer rä-tselhaft, fremd, ein Wunder. Der geschäftstüchtigste Advokat würde, werm ihm der Kleiderhändler für einen Tag seinen Pinkel überließe, wicht eine alte Hose verka-ufen. Der Agent würld-e, in eine AmtSkanzlei versetzt, die Akterr in Unordnung bringen. Die einfache ErMvN'Ng der fachlicherr Ausbildung reicht da nicht mts. Menu sich Llerzte km Ein- und Umtausch von Autontobilen fo erfolgreich zuwenkn, so ' rvert das niemals Aerzte, sondern bloß Leute, welche di: ärztliche Praxis au§- übtetr, vechinkrte Händler, die nun den wahret! Weg gefnrtden haben. Sie hattetr imrnev di,o geschärfte Spürnase für den KomnlerziÄisnnts, fttr ks lnkraii'oe Sanätorium, für seine pharmakologlsche Erfindung, für das „Nnteruchmen". Nttd bei dieser Neigung haben sie wen die „Ghancett" evkaurtl, wohlgemerkt: ihre ganz individuellen Chancen. Es ist nämlich ein Irrtum, daß die Lmte ihre Chancen, ihre n Vorteil nicht wahrnchmen. Wem: sie ihn rricht wahr.nehrnon, nicht rechtzeitig kyu gedvä-ngt werden, sonder^ etivas geivaltsam, du-vch Rot u-nd Glend, zuerst vovsichrig -neidisch hiuschislen, k-nu sind es immer nur die Chaitcen der anderen, der Erfolg der ankrett, kr sie stichelt und irritiert. Es wäre nie ihr eigener gewo .kn. Ei» Irrtum ferner, daß das menschliche Schicksal sozusagerr

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