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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-15 · Heft 2179 (15.3.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2179 (15.3.1925)
Date
1925-03-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gelte 4 Wen. Gomrkiq 11—■■ "II. .. , —.. Oesterreichische Keren-Haiestod Aktion (.MM. MSn 192$ Juden, erfüllet eure Keren-Hajessod-Pflicht Heute Vorträge in den nachstehenden Bethaus*Vereinen: Llwiath Chen, II., Hollandstrasse 2, 6 Uhr abends. Redner: Dr. Chaim Tartakower, M. G c r s 11. Macbsikke Hadath, II., Schifiamtsgasse 20, 6 Uhr abends. Redner: I>r. Israel Taubes Bernhard Jahr. Bethans, II., Stuwerstrasse 46, 6 Uhr abends. Redner: M. Gross, Aaron Schwertfinger. Antsche D ath Wizedek, XX., Traunfelsgasse 3, 6 Uhr abends. Redner: Dr. Finkeiste ln, David Weinstein. Versammlungen: Rente. Sonntag, den 15. März Jüdische Volksküche, XX., Kluckygasse 7, 8 Uhr abends. Redner: Dr. Löwenherz, Viktyr Bauminger, Oberbaurat Ing. Stricker, Dr. N. M. Gelber. f1 Montag, den 16. März Hotel Continental, II., Taborstrasse 4, 8 Uhr abends. Redner: Anitta Mülle r - C oben, Gemeinderat Dr. Leopold PI a sch k es. Oder baurat Ingtnicnr Stricker. Heute, vormittags halb 11 Uhr Fümaufffihrung: „Das Land der Verheissung“ Iris-Kino, IX., Währlncrerstrassc U3. FahrprelsermWgum für die dShmWe» SStet. _ Prag, 14. DLärz. Das EilKtaHt-utmritevinm iW x\\ Bc-suchn-rr tschecho - slowakischer K «rot vine -beträchtliche Fahrpreisermäßigung bewilligt. Den i-n- oder ausländischen Badegästen wird de: einem GesamLaufenthalt von mindestens zehn Tagen in einem oder mehreren Lsch: cho-slowakrfchen Bädern bei der Rückreise in ihre Wohnorte eine Ermäßigung von 66 Prozent auf den Fah^arienpreis d:r Rückreise zugeskmdrrr. vorausgesetzt, daß bei der Rückreise dieselbe Rmrte einaeschlagen wird wie 'bei der Rei.se in den Badeort. Tat ist rs Brandes gelungen, ans der rinnenden Bronze o.n spastisches (Äan^zes Hertzor^ndvinsea:. Die Entwicklungstinie ist hier mit br,zwingender Sicherheit durchgängig sostgehaUeu und jegliche Äusstrcchlmlg m den Urgrund seiner Persönlichkeit znrückgefüchrt. Indem Brandes auch hier nach seiner alten bewährten Mechode alle Strömungen r» einem Ha-u-histrom Verevmgt, schasst er eäu r-sychobogi'chs Mo'lstLvwerk, das uads statt einer divgraPhisch- IrUi'a-en Be'chreibung die Seelengrschichre Gocich'ö gibt. — Zo rundet sich das GejEttverr Brandes' zu einem mächti-- gen Barr dessen Wokblung noch mir emigen ragenden, weither sichtbaren Spitzen gekrönt ist. Die Werke von Georg Brandes, die von fündig Jahren u-nd die von honte, tragen weder die Spuren ihres noch seines Alters; sie bikdeu insgc'sailkt eine Quelle geistiger Anregungen für xedevmarm, bei dem rtticratur und Leben nicht getwnme Wege gehen. Achad Ha-ainr beAagt es einmal, daß Georg Brandes über alle Literatreren der Malt geschrieben hat, nur nicht riber die hebräische Literatur. Uns kann es mit einer gewissen Gervngiunitg erfüllen, daß BvamdeS als -wirklich Berus-ner über fast alle Litevattrm'.l der Welt gechrnben har. um so mehr aber können wir es bedauern, daß er nicht >.ruch die hebräische Literat-irr in den Kreis seiner Bewach, tungen gaogen hat. Unwillkürlich kommt mir dabei ein Wort Achad Haams über Antokolski m den Simt. Es war-. Mir gewe'en, -meint Achad Haam, wenn uns Mark Auloto-iski neben seinem „Nestor" auch eben ,/Gaon von Wilna" gegeben hätte. Um vieles schvirer nach, so will cS wir scheinen, wäre es gewesen, wenn uns Georg Bmndes ircben se.nvvm „Goethe" auch einen „Jehuda Halevi" geschenkt härte. Aber Brandes fft heute zwemndachtzig Jahre alt: wir tönnen von ihm keinen Jchuba Halevi mchr errvarten. Immerhin — auch das ist tvtt Sechen der 23er* jinwu« g: Air der Erösfmlngsseier der hebräischen Unrberüt,'»! ' Ferusarlem wird auch der greise Georg Brandei i! -r : "-'b boxt eine der ersten Bovkesnngen halte». _ggfeittr MoraenzellunA._ SN PsIMna-AegyPtku-Neife der „Wiener Rsrsenzettmig". Für die von der „Wiener Morgerqettnng" veranstaltete Palästina-Aegypten-Reise, die vom 2. bis 28. April 1927, festgesetzt ist, gibt sich im Kreise mtstrer Seser das regste Interesse krmd. Der ausführliche Prospekt «nd das Programm sind bereits erschienen und werden icdrm Interesiente« kostenlos zugeschickt. Siegfried Wagner verspricht. Bayreuth „frei von jedem politische« Einschlag". Im Hochsommer des Borjcchres hatten wir darauf auft merllscrm gemacht, daß die Bahreucher Wagner-Festspiele oaiM unter die völkische Dcvq'e geraten lvaren. Sie trugen Vvltsiänoig den doppelt unterstrichenen Charakter der Cha-mberla in scheu NasseMdcorien und <D-, bedeutete keine Störung dieser Zttrft machung, daß Siegfried Wagner bei den New Parker jDrscheu Reichen geschnorrt hatte. Ein Teil d-eses CleLdes wurde ^rr germanischen. Musi! verwendet, cT-r:: uiDer-en Teil kriegte durch gütige Bern-iitlung der Frau Wagncr Marschall L ude n-- borff, bestimmt nicht für philos-einirische Zlveckc. Unter dieser Einstellung litt brr künstlerisch', aber auch der materielle Erfolg der Festspiele, und so läßt Siegsricd Da-gncr durch seinen Rcchtonwall den „DreÄcner Reueften Nach richten" bas folgende Aviso an die jüdische Brieftasche;ugchon: „Es liegt mir schr am Herren, daß die die^iAhrigen. wie olle kommenden Festwiese in Bayreurh losgelöst von jeder Tagespolitik stattirnden und daß ne rm Geiste 7er Srifter l^d'glich dem ücl-r-en Zwecke d-er Kunst zu dienen, bestcmml bleiben. B o n m e i n e r Seite aus ist alles geschehen, um sicher^ustell-vn. daß die Bayreulhtr Tage frei von jedem politischen Einschlag bleiben, und es wird jeder, welchen Glaubens und welcher Abstamrnung cr auch sei. in Bayreuth willkommen sein, der dort Erbauung und Erhebung finden will. Nienwnd braucht zu besorgen, daß irgendwelche B-orfälle nnanancehmer Art sich abspielen. Sagen Sie das all Ihren 5yreun? den. um die Anteilnahme all berjenigen, denen Bavrenth am Herze:: lieg:, zu erhi^hcn u:ch erneut zu wecken. Gerade in den Zeiten der N o t d e s deutschen Vaterlandes ist es ersopderlich. daß alle gut gesinnten und wahrhaften Patrioten sich, frei von jedem tsiarieigeist, in der Pflege deutscher 5du-!turgütrr zufammenfinden." Es liegt uns sehr am Herzen, vor dieser plnmpc-n Bauernfa::-gcrei zu wvrrren. Bahreuch soll rmr arisch-völkisch bleiben, dann werben die Borsälle unangenehnier Art, die im Zorj-cchr so viel geschahen, gründlich unterbleiiben. Der Arierparagraph im Alpenvereiu. Der Numerus elansus i« Berlin beschlossen. (Eig>.nd-iens1 der. „Wiener- Morgenz-eiurntz".) i Berlin, 14. März. Am 24. Dozember 1924 wurde bekanmreich in Mansche:: der Ausschlirß der österreichischem Sektiivn „D o na u la n d" aus dem Dauitschen r-nid Oeisterve-rchisthett Ai-verwereän be'chlosfcn. Teeser Ausschluß hat auch in der Berl-'mcr Sekrion zr: stürm-s-ch/en AuLe'.na::-dersetzU'na.en gesührr 'und s-chl'eßlich dorr b':s-her'.gen Bovsta-nÄ dcrevn-laß', eine Beschränkung der A u f n a h rn e jüdischer Mitglieder ->u b<antrage.n. Gleichzeitig hat der B'.'-rstaind d'e E-r^klärung a'b-ge-geben. -nu r unter dieser Bedingung seine Wiederwahl für i.025 an.z-unohrnan. Simche Fröhlich. Der lachende Philosoph der Iudengasse. Bon Jakob Krausz. ^Scig' mir nur, Simche, was ist denn heute wieder die Mär, daß du da herkommst, wie wenn bu die Taschen mit eigenen Golddukaten gefüllt hättest? Oder bist du gar plötzlich zum Nosch-Hakohol ausgcrufen worden? Simche, Simche, ich begrase dich nicht! Ich stehe, wie du siehst, am Waschtrog und reibe den Dreck aus der Wäsche von Schisre Gastgeberin, daß mir die Finger wund werden. nur damit wir — Gott soll uns nicht so hart strafen — nicht auf den Kizwahzettel, auf die Liste der 'Almosennehmer. kommen, und du tänzelst daher, wie Kopel Ojscher, der reiche Kopel, der auf der Fruchtbörse 20.000 Gulden gewonnen hat." Simche, der von seiner Frau Chaje Lea so ungnädig empfangen wurde, lachte aus die jammervolle 5klage seines Weibes so laut und so herzlich auf, daß Chore Lea ihren Mann erst mitleidsvoll verdutzt anstierte, aber schließlich die Waschbürste in bcu Trog fallen ließ, sich die Hände an ihrer bunten Schürze trocknete und in sein helles Gelächter einstimntte. „Siehst du, mein 5kind, jetzt werden wir uns gleich besser verstehen. Wenn zwei Mertschcn einander fröhlich, lachend, begegnen, verlängern sie ihr Leben um ein paar Jahre. Jetzt hör' rnich 'mal an? Du fragst, ob ich die Taschen mit Golddutaten angosüllt habe? Woher wußtest du das so genau? Es sind wohl riur Silberzwarrziger und keine Golddukatett, die Taschen sind arrch ttichi angesüllt, aber schließlich zwei Silberzwanziger, zwei Stück echte Zwanziger aus reinem Silber hat auch nicht jeder auf einmal bei sich. Da hör' 'mal" — er warf die zwei Münzen auf die Eifenplatte des Sparhcrdes — „was für einen Helle«, edlen Klang sic haben!" Chaje Lea hörte auf zu lachen. Sie war wütend. Simche machte sich offenbar lustig über sie. „Das ist also das große Glück, das mein ewig lustiger Manu heute lvicder inS Haus gebracht hat! Zwei Zwanziger aus Sil- 18. Mrz '1925 Nr. SM sind Dp. NDFPBAUCftS CNTFtTYUNQSYABltTYEN von bester Wirkung, angenehmem Oeschmaek, vollständig tan« •cMklllCll« Die Tabletten stellen eine schwanke, graziöse Figur her, ohne Diatzwnng oder Aenderung der Lcb«n*» weise, prompte Gewichtsabnahmen. Keine Schilddrüse! n*Pot! Kein Ahfthnnttt««» Apothaka HUM BAYtft, Wien, I. Well «all« 13/12 VomVolkagetuiMlte(t«atttbexvtliistNr.atl ■MMlte««faMlainraOr.HofRtt«Z Bei der gru.wdsLtzlachrn Bedeukung Mefct Wähl ist der Antrag in der gestern «chgehaltenen HMtiptversamimlung der Sektion Ver5m eingehend verhandelt lrwrdrn. Es waren ctnxx 2000 SJccchiSmitglwibec sMvejiond. Der bisherige Barsitzcnide Kommerzienrat Dr. H a u P t n c r gab die Erklärung ab, daß dem Vorstand jeder Antisemit i 3 m u s f c rnlieg e. Es müsse aber dcchin gewirkt werden, durch EänführU'ttg des Numerus clausus für die füdischen Milglioder die Stellnng der Soktimr in ihrer Gestrmthett zu sichern. Schließlich wutide nach einer.ausführlichen Ge>schäftsordmrngsdebai!e zur Alb stimnlung geschritten. Der bisherige Dorsitzeride wurde, mit 1266 S-tünmen w-icdergewählt, w.hrend auf den Gegenkandidaten GernerShausen 739 St,i«mmen entfielen. Damtt ist der bisherige Vorstand wiodevgÄvählt ü-nd die b -i ö h e r i g e B e r e i n s p o -l i t Lk gulgeheißen. 8er Mörder der ttmalia Lrirrr verhaftet? Budapest, 14. März. (U. T. 51. B.) In der Nähe der Pui'Zta Nagyszcittstinos im Komitat Raab ist heute vormittags ein junger Mann, dosten Aetrßeres der Perfonsboschreibung des Julius P ö d ö r, des Mörders der Ama-Iia Lei rer, entspricht, von Gendarmen verhaftet worden. Er wird heute abends nach Raab eingeliefert werden, wo feftgestellt werden wird, ob er mit Julius Pödvr wirklich identisch ist. Der 14. Zlonistenkongreß. Die mit dein Sttvdium der Vorbereitmrgen für den 14. Zionisteu!otlgreß betrauten Organe ersuchen uns, der Oefstntlichleit bekanntzugeben, daß Ort urch Zeit der Abhaltung des 14. ZionPenkongrestes demnächst endgültig mitgeteilt werden wird. Die Festsetzung wird durch die Exekutive der Zionistischen Ovgamsaüon in Londor erfolgen. Gans ium Grabe Herrls. Das Zionistische Landeskomitce veranstaltet am Sonn- Lad den 29. d. um halb 11 Uhr vormittags anläßlich der am 1. April stattsindenden Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem einen Gang zum Grabe Herzls. Nähere Mitteilungen werden im Wege der „Wiener Morgenzcitung" rechtzeitig bekanntgegeben werden. * Zionistisches Lokattomitee. Dimstag den 17. d. um halb 3 Uhr abends. 1. Bez., Karntnerstraße 28. Sitzung. .* Schekelkommiffion. Die konstituierende Sitzung der Scheke-lt^nmisticm findet am Montag den 16. d. mn halb 8 llhr abends. 1. Bez.. Kärntnerstraße 28, statt. bcr, mit Respekt zu vermelden! Hast dich wohl sehr angestrengt, den schwere.n Schatz heimzubringen, wie? Unser Wolwele hat keine Schuhe und du bist fröhlich, wie wenn du deinem einzigen Sohn Schuhe mit Silberspangcn nach Hause gebracht hättest. Gott, warum hast du mich so schwer gestraft! Ein Mensch, ein Vater von Kindern, soll nicht um zwei Kreuzer Ernst für die Not seiner Familie besitzen! Zwei Zwanziger bringt er nach Hause, und da wäre cS notwendig, daß wir uns alle vor Freude auf den Kops stellen . . ." Lachend siel ihr Simche wieder ins Wort. „Chaje Lea, mei»r Kind, du bist der treffendste Beweis dafür, daß der liebe Gott im Weib sein komischestes Geschöpf geschaffen hat. Selbst zur Freude deö Mannes geschaffen, vermag es sich niemals zu reiner Freude emporzuschwingen. Sich 'mal, wie närrisch du bist. Wolwele hat keine Schuhe für die Schule und du bist unglücklich, aber ich weiß — er hat fcit zwei Jahren funkelnagelneue Schuhe und Hosen und. einen herrlichen Nock uttd ein prachtvolles Hütchen für den Sabbat im Schrank. Unser Nachbar, Hersch Metamed, hat acht Kinder, aber kciiwo von ihnen hat so schöne Sachen im Schrank, wie unser Wolwele — er soll gesund und stark sein -- schon seit zwei Jahren hat. Soll ich mich da nicht freuen? Haft du nicht allen Grund, fröhlich zu sein? Du beklagst dich, das; du die Wäsche der Schifre Gastgeberin waschen mußt. Idi lache auf vor Freude, wenn ich dich mit entblößten, kräftigen Armen anl Waschtrog stehen und deinen ganzen Zorn über die aufgeblasene Schifre in ihre Wäsche reiben sehe. Was gäbe der krumme Flickschuster Nute dafür, wenn sein hektisches Weib SchisreL Wäsche waschett könnte, anstatt auf dem Kizwahzettel der Gemeinde obenan zu. paradieren!" „Gut, meinetwegen sollst du recht haben" unter brach Chaje Lea ihren Mann —, „im Vergleich mit Nute Flickschuster und Hersch Metamed köniten wir zu frieden sein. Aber mach' doch die Augen auf! Die Judengossen sind lang und in ihnen wohnen doch nicht lauter Hersch Metamed und Nute Flickschuster. Miw? Müller.

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