Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2179 (15.3.1925)
- Date
- 1925-03-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mit eingebautem „BersofiM«Gummi«Absatz SchuheI oder sie wieder nur zu schrankenloser Ilebung anstreben, erzeugt ununterbrochene soziale Unruhen, die dann wieder das Hebelwerk der politischen Maschinerie zentrifugal becinfhifjcn. Es ist ein Fehlerkreis, wenn die Sozialdemokratie, wie dies der gestrige Leitartikel der Wiener „Arbeiter- Zeitung" tut, die soziale Revolution zur Vorbedingung des Weltfriedens setzt. Diese Revolution ist doch wieder nichts anderes als Krieg und Massenmord, da doch die Gegenseite, wieder eine Klasse, nicht gutwillig abdizieren wird. Und wem: diese soziale Revolution durchgesührt ist, so muß sie sich sichern, und das ist wieder nur durch politische Gewalt, durch Unterdrückung der gegenstrebenden Reaktion und durch den Militarismus möglich. Das kommunistische Ungarn hat Krieg geführt, sogar mit ausgesprochener nationalistischer Tendenz, und das kommunistische Rußland verkauft sein Getreide für ausländisches Gold, um die rote Armee schlagkräftig zu erhalten. Der NachkriegS-Sozialismus steht auf der Machttheorie, die im Bürgertum den Nationalismus erzeugt hat. Es ist aber in der Vertretung seiner Ziele genau so rnacchiavellistisch. Die amerikanischen und die englischen Sozialisten sind für die Einschränkung der Arbeiterzuwanderung, sie alle glauben das Problem der Arbeit und Arbeitsorganisation regional lösen zu können, müssen demnach notgedrungen die nationalistische Phrase von der Bodenständigkeit akzeptieren. Der Ausweg liegt nur in der Idee des Völkerbundes und er kann nur gefunden werden, wenn dieses Forum zu einer Zentralstelle der Politik und Wirtschaft ausgestaltct wird. Weltregierung, Weltarbeitsskelle, Weltschiedsgericht — das ist heute nicht.,„ehr so utopisch. Die Ideologie besteht bereits. Sie ist freilich nicht so verbreitet, wie dies notwendig wäre, weil der Imperialismus der Nationalisten und der Klassen dies verbietet, und weil er immer nur die trennenden Momente betont und weil das Hü von links immer ein Hott von rechts hervor- >.üft. Die Zweideutigkeit der politischen Phraseologie der Sozialdemokratie hat darin ihre Strafe gefunden, daß sich keine geschlossene- Internationale bilden kann. Würden die Kräfte, die hier nutzlos verschwendet Werder,, an die Arbeit für den Völkerbundfrieden gesetzt werden, so stünde es heute schon besser und man hätte die Internationale des .Hasses und der Hetze schon längst in ihre Schlupfwinkel ■ zurückaescheucht. Die Antriebe kommen aber weder von den Regierungen noch von der Klasse des Proletariats. Die können nur von dem Element ausgehen, das unter dieser, Zuständen an, stärksten leidet, das den Zentralvunkt aller Hatzbestrebuygen bildet und kraft seines Schicksalganges den Krieg, den es immer am schwersten getragen hat, bedingungslos verwirft. Dieses Element ist die jüdische Gemeinschaft, die m ihrer nationalen Konstruktion den Klassengedanken in, Sinne des Marxismus nur rudimentär austveist mib die ihr Aufbauwerk in Erez Israel auf der Basis der sozialen Gerechtigkeit für alle positiv Schaffenden entwickelt. Vom Judentum, von den jüdischen Völkeri bundligen muß die Arbeit für den vorurteilslosen und voraussetzungslosen Frieden ausgehen. Hier ist ein großes Feld für schöpferische Arbeit, für die Vorbereitung der Bereinigten Staaten der Welt. Ae Wahle» ln ÄeMtrn. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Kairo, 14. März. Die nationalistische Partei des früheren Mn-isterpräsidenten Zaglul.Pascha, die -in der letzten Kammer 170 Mandate innehatte, vermochte bei den Wahlen bisher (es sind 247 Mandate zu besitzen, von denen 202 Resultate bekannt sind) mt 101 Ma nda te;u erringen. Fünf Minister des früheren Kabinetts Sadul sind unterlegen. Gewählt sind ferner bisher 85 Unionisten, 22 Unabhängige, 38 Liberale und L National i ft e n. Das Kabinett wurde mit Ziwar Pascha als Mi'uisterpräsidemen und Außenminister und Musa Fund al-.-- Krregslninister rekonstruiert. Ae indische Autonomie. Bombay, 13. Marz. (Reuter.) Der mit -der Untersuchung über die Wirkung der Verfass« ngsre form in -Indien betraute Ausschuß legte seine Berichte, und zwar einen Majoritäts- und einen Minoritatsbericht vor. Die Majorität des Ausschusses empfiehlt eine Milderung -er Kontrolle Englands in-rein indischen Anget-egenheiten und die Berechtigung der gesetzgebenden Körperschaften, Resolutionen zu beschließen, drrrch welche der Negierung das Mißtrauen ausgesprochen wird, und solch:, durch Wiener Mor-sn "" A u fk! a r w n g * st nosr die Regiennigspvniil v.'rlangt wevtrn. Tie Minorität des Ausschusses oetont die Norlven-digftür der Provinzialautonomie und tritt dafür ein, daß das Prinzip de r Br ra n t w o r t l i ch ke i t de r Ze n t ra l reg ier u ng gegenüber der zentralen gesetzgolv/.deu Körperschaft cingesührt werde. Sie schlägt vor, diese Probleme durch eine königliche Kommission zu erörtern. Ae Jude» als Freunde der Molemlteittnm». Kairo, 14. März. (I. T. A.) Der neuernanute ägyptische Gesandte für die Vereinigten Staaten Mal, -in o n d S a m y V a s cha. .dar sich diosir Tag« nach den Vereinigte,: Staaken bc-sibt, sprach nch gegenüber dem I. T. Ä.-Berr^reL in folgerodcr Weis« über siin-e Mission in Amerika a-ns: Ich werde nnch bestreben, dauernde gute Beziehungen wische,, den Boreinigte,, Staaken u.nd Aegypton zu sichrffcn. Ich, werde mir alle Mühe ge-bon, dir groß? indische BevNkevun-i Aen-eri-kas für meine Mission zu interessieren. Ich "bösche in Aegypten vi-ele jüdisch: Freunde und werde auch in den Vereinigten Staaten mir jüdische Freunde zu schassen suchen. Ich -bin überzeugt. daß die Juden Freunde des m o s l cm i t i s ch e n Volkes sind, nd da sie aktiv und rntesligent sind sind sic darum auch wertvolle Freunde. Kolönrl Kisch ans dem Kege nnchPaWina. London, 14. Erz. (I. T. A.) Der Leire.r des politischen Tepartemerus der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, KblonÄ F. H. K isch, der in den letzten Monaten in, Zusa-m-mnInng mir der großen Keren-Hasisscd-äkampagne und den Verhandlungen mit den 2! i ch tz io nisten in den Beveingten Staaten geweilt hat, ist am 0. d. in London eingetr-e-sfen. Schon am 10. d. begab er sich weiter auf -b<eu Weg nach Palästina, um sein Amt in der Palästtnensischrn zionistischen Exr-ka-tive wieder aargatreten. Ar Alfred Mond nach London rnrüSsekehrt. London, 14. Mä^z. (I. T. A.) Sir Alfred und Lady M o n d sind am 9. d. von ihrer Palästi-nawisi wieder nach London gavückgdkohrt. Die Mische Wanderung. Eine Südamerika-Expedition des internationalen Arbeitsamtes. Genf, 14. März. In den nächsten Tagen wird sich eine Abordnungdes intet nationaben Arbeit'8un, die AufyahmWHWrit der dortigen Länder für euro--' um die An sncchnresähi^ett der dortigen Länder für wmM pädsche CmfgväÄeu eisorsHen. Diese Aktion U$og sich anfangs nur auf russische -und armenssche Flüchtlinge, wird aber sitzt auch auf die Mischen Wanderer ams-gedehnt. Das internationale Arbeitsamt hat Deschkossm, Herrn W. Latz>ki-Barth..oldi als Vertreter des -Berliner Mischen Emig'vLtions-direktori'UMs in die Kommission auf-. KunÄhanrn. . - Sie Mörder Ad bekannt, aber amnestiert, (Eigendienst der „Wiener Morpenzeitung".) Budapest, 14. Marz. „Pesti Naplo" verössiutticht Erklärungen eines hohen Funktionärs der Oberstaatsanwaltschaft in der Angelegenheit der Ermordung der sozialdemokratischen Redakteure Sowogyi und Bars». Danach ist sich die Oberstaatsanwaltschaft darüber im klaren, daß zwei Offiziere des Ostenburgsche« Detachements, deren Namen in der letzten Zeit wiederholt genannt wurden, der Mordtat dringend verdächtig sind. Es ist «rw i e s e n, daß diese beiden Offiziere am Tage der Mordtat im Besitz jenes militärischen Automobils waren, in welchem Somoghi und Bacso auf offener Straße entführt, wurden. Eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen die Mörder der beiden „Nepszava"-Redaktenre hatte jedoch, nach Ansicht der Obersiaatsanlvaltfchaft, nnrnocheine prinzipielle Bedeutung. Denn nach der Abwicklung und Beendigung eines neuen Beweisverfahrens wird die Militäranwaltfchaft jedenfalls die Entscheidung Wessen, daß die Mörder auf Grund des Begnadig ungsbeschlusfes des ReichsverwefersHorthy unter die Amnestie fallen. Unter solcher. Umstanden mißt die Oberst,lütvaruvaltschaft auch einer eventuellen Aussage des gewesenen Innenministers B e »i ezkh nur eine geringe Bedeutung z«. 1.1. man tffe“ M MV .GUMMISCHUHE. SpielbäHc, üummlmäntei und Gumtnf» waren nller Art zu Fabrtkspreisen! SPIRMANH & HOROWITZ Wien, If. Bcr, Taborstrasse Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86' Wie Petöfi vemnglimpst wird. Budapest, 14. März. (Tel.-.Konrp.) Die folZialdoMo» kratischc und die Kvssuth-Parwi wollten morgen, an, Ge -donkwg des Ausbruches der ItZer-Revolution, am Petöfi^ Monument Kränze nicderlegen und eine Feier abesitzen Die Polizei hat beiden Parteien bk. Bewilligung de.r Slvhaltung ihrer Pctösi-Fever verweigert, dagegen die angc kündig len P e t ö f i - F c i e r n der chr'vstlichsizia°!«n Pattei und der Erwachen den Ungarn vor dem Mo mnnont bewilligt. Sie Reichsprösidentenwahl. Dr. Iarres, der Kandidat der Reaktion. Berlin, 14. März. Die hinter J a r re L stehende" Parteien haben sich, wie bx Blätter melden, zu einen' Reichs block zwsammeuge schlossen, der die v'.ituna de, Wahlbewegung führen soll. Wie der „Lokalanzelger" ntolooL, i,ot Iarre?- v-\ Wahlkan'didatllr zum Reichspräsidenten;iicht nur sÄersten, sondern auch für den zweiten Wablga.n falls ein solcher notwendig ist, angenonnnen. Schüsse bei einer kommunistischen Wahlversammtung. Halle a. S., 14. März. (Wolfs.) Gestern abends gegen 10 Uhr kan, es bei einem irrternationalcu Aleering d.r komm » rr -i st i s ch e n P n r t o i, lx,s ztv. cks Stell un,v nähme zur Re i chs p r ä s i d c n te n w ah k im Volks park a-bgchalten wurde, zu s ch w c r c n Z u sa m rn e n stoßen zwischen der Polizcr und -den Konnnunisten, wo bei geschossen tvurde. Bisher sind sechs Tote, 2.N Schwerverletzte und 15 Leichtverletzte gezählt. Eine Sonderkandidatur der deutschen Volks. Partei. München, 14. März. (Wokff.) Der LandesanSschniz der bayrischen V o l k s p a r t c i hat einstimmig beschlossen, den Ministerpräsidenten Dr. H e ld. als- Karrdi baten für die Neichspräsidrnteniwahl aufzustellen. Tr. Heid hat die Kandidatur angonommen. Die AnfteNnns der Aktiven «nd Paffiven de. Monarchie. Aus Budapest wird uns berichtet: Die Regierungetl Ungarns und Oesterreichs halben 'bekanntlich vereinbart, daß die mit der Aufteilung der Aktiven u n d P a s s i den der ehemaligen ö ste rre i chisch - un ga ri^ scheu Monarchie zuscmrm-euhän'gvn'den Fragen in, Wege unmittelbarer V e r h o n d l -u n g e n gevegr'H Werdern Zur Regelung dieser Fragen wurden zu-letzt in, März ides Jahres 1924 Verhandlungen zwischen den ^Dele gationen der beiden Rogrerungen geführt. Der PräsD.'Ni der «ungavischen Kommission hat nun durch fron Wirurr ungarischen Gesandten am 12. März im Bundeskar^lcrarin eine N>ote überreichen lassen, in welcher angefragt wirb, ob Oesterreich zu einer -Fortsetzung der B.e r -h ä n'd- -lungen bereit ist. Nene Forderungen der ArbeitÄose«. Eine Deputation des Zen-tvalarbeitslosenkonütees Überreich«: gestern im Parlanrent den Partciktubs unter anderem folgende Forderungen: Ablauf der NotstandsuntevstützUtUg, Äiusdehmrng der Unterstützung auf die G.samödauer der Arbeitslosigkeit, sofortige Einstellung jedes weiteren Mbaues von Arbeitern, Angestellten sind miteren Beamten, dafür Mbau der kostspieligen Bureaukratie und der überflüssigen Parlamentarier, sofortige Iu? angriffuahmc von Notstan-dsarboiten unter Heranziehung der Neste des Dölkerbundkredits unter Kontrolle des Arb. itslosinkomitees. Die gleichen Forderungen wurden auch der Negierung zngeinittelt.nnd den Nationalräten bedeutet, daß die Arbeitslosen, falls die Nationalräte die Vertretung dieser Forderungen äblehnen, daraus ihre Konsequenzen gichen »wevde»^ In, Rathaus verlangte dieselbe Deputation die E i tv stcllu ng der Neb^rstu nd enarbeit wt den städtischen Betrichen und die Ausnahme von Arbeitslosen zur Leistung dieser Mehrarbeit, formr die freie Fahrt ans der Straßenbahn für die Arbeitslosen zu und von der, BernttttlunHsstellen. Partieller PoWreil. Wegen des ZcitungMvtikels eines Brief» triigers. ' In, Postamt in der Wemtvanbengasse stellten gestern die Besteller, die in d^r fozickldemokratischen Posigewett- Vonnerslsx cken iS. .Mftrz 1925 um */,8 Uhr abends spricht im grossen Konzerthaussaal der bekannte Schriftsteller Felix Salten -äs- Heue Menschen auf alter Erde * * * Karten sknck!m Zionistischen Bureau, Wien, I. Bezirk, Kamtnerstrasse 28 (Telephon 77-1-85. 77-4^6) erhältlich f f.