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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-13 · Heft 2177 (13.3.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2177 (13.3.1925)
Date
1925-03-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wiener Mvrften-etttmz.__13. Marz 192Z Zotte 8 vor der Eröffnung der hebrSWenllniversttSt. AtttwSrtiae Vertreter. (Sig«ni>enft dir „Wt«n«r Rargrnzriiung".) « Nr. «77_Mm. Fnki»g Lord Reading. Auf Urlaub ln London. D« Bizekonig von Indien. Lord Reo ding. der. Lodor er dieses gräfliche Prädikat erhalten ha-tte, Sir RufuS Isaaes hieß, kommt in den nachten Tagen zu Urlaubsbesuch nach London. Der Antritt dieses Urlaubes war nicht so leicht, denn nach den Tr:b>itiouen des' britischen Reiches dürfen der Dizokönlg und der Genevaliffimus der englischen Truppen in Indien während «ihrer Amtszeit das Land nicht verlaff-n. Um dom Vizekönrg von Indien den Urlaubsbesuch in seiner He'matstadt London möglich zu machen» nahm d..s engss ische Parlament ein eigenes Gesetz an. durch welches de,stimmt wird, daß der indische Dizekönig während seines Urlaubes vom Generalgouverneur von Bengalen vertreten wird. Die gesamte englische Presse ohne Unterschied der Parteirichtung widmet dem Heiuckohrcnven noch vor seiner Ankunft sympathische Begrüßungsartikel. Diese Eimnütigkeit der Parteien in der Bewertung der Verdienste Lord Readings ist nicht erst jungen Datums. Im April 1921 wurde Rufus Jsaacs vom Koalition^Sabinett Lloyd George als Bi^könig nach Indien geschickt. Seit seinem Dienstantritt in dem wichtigsten Dominium Großbritanniens hat Lord Rerdlng nicht weniger als fünf Regierungswechsel miterlebt: das KoalitionSministerium Lloyd George wurde zunächst vorn Kabinett des konservativen Bonar Law abgelöst. Dann kam das erste Ko» binett Baldivin. gleichfalls konservativer Richtung; ihm fogte das Arbe-ikerkabtaett Mrc Donald, das schließlich au«f Grund der Ergebnisse der letzten Wahlen abermals dem konservativen Ministerium BalUvin Platz machen mußte. Innerhalb dreieinhalb Jahren, die in die Zeit des BizekönigtumS Lord Ridings fallen, hat das britische Reich drei Wahlen, vier politische Regierungct.vechsel und fünf Aenderu-ngen in der Premievschaft der Regierung durchgemacht. Trotz aller dieser Schwankungen in der inneren Politik blieb Sir Rufus Jsaacs. später Lord Read'rng. Bi»- könig von Indien. Denn alle Pyemiers, von Lloyd George über Bonar Law u«nd den Arbeiterführer Mae Donald bis zum konservativen Kabinett Baildwin 2, waren darin einig, daß Lord Reading der geeignetste Mann sei, in Indien Ordnung zu Hallen und das Ansehen Großbritanniens würdig zu schützen. MS Lord Reading im Frühjahr 1921 nach Indien kam, fand er sehr kritische Verhältnisse vor. Er übernahm eine gewaltige Macht über das Schicksal von 300 Millionen Menschen nnd wenn er heute auf Urlaub nach London kommt, so muffen ihm selbst seine politischen Gegner zwei wichtige Tatsachen, die mehr negativer Art sind, zugute halten: das indische Kaiserreich ist von Großbritannien nicht losgeriffen worden und es ist wahrend der ganzen Amtszeit Lord Readings zu keinem Aufstand gekommen, der ein militärisches Einschreiten größeren Stiles von englischer Seite notwendig gemacht hätte. Selbst jene poetischen Kreise, die behaupten, daß Lord Reading in Indien keine groß Kg.'ge Politik . betrieben habe, stellen fest, daß er wie kein zweiter bisher durch feilte Kunst. Verhältnisse und Personenpsychologisch ab- Aufchatzen, das Reich vor nv-incher großen Gefahr bewahrt habe. Lord Reading ist einer der geschicktesten und erßrlgveichsten Taktiker und seine Taktik Hut sich immer bewahrt. Ob er bloß aus Hrmtweh um den Urlaub angelsucht hat oder ob nicht die schwärzere Richtung im konservativen Kabinett Baldw'rn eine Amts-müdigk.'it deS Mischen Vizekanzlers verursacht hat. wird sich ja b.i'Id zeigen. Immerhin verdient es verzeichnet zu werden, daß die Londoner Blätter von einer b-svorsdohenden nener- Achen Rangerhöhung Lord Readings zu berichten wissen. Sie Sgyvtlschen Parlamentswahlen. Kairo, 12. März. (Tek.-Komp.) Heut.» finden in ganz Aegypten die Wahlen statt. Da in den verschiedenen Städten Unruhen befürchtet werden, sind die Polizei krä sie bedutsnd über den Normalstand hinaus verstärkt worden. Zum Teil wurden ihnen auch Truppen zugetcii Snn-Dat-Ien gestorben? Peking, 11. März. (Reuter.) Sun-Aat-Sen ist gestorben. Die Nachricht von dem Tode des Präsidenten der chinesischen Republik kommt jetzt zum drittenmal. Sun-Aat- Sen, von Beruf Arzt, der an der Havivard-Universitä: ausgebildet worden war. organisierte im Jahre 1911 die erste Revolution gegen die Mandschu-Tynastie. Sein Aufstand mißglückte und er floh nach London. Dort wurde ec in die chinesisch.» Gesandtschaft gelockt und zehn Tage lang in Haft gehalten. Durch einen Brief, den er aus einem Fenster auf die Straße warf, erfuhren die englischen Behörden von seiner F sthaltung, und auf eine scharfe Note des Austvärtigen Amtes hin erhielt Sun-Zjat-Sen die Freiheit. Nach dem Tode der Kaiserin Kwang-Sü und der Entthronung ihres Sohn s kehrte Sun-Yat-Sen nach China zurück und trat an hie Spitze der revolutionären Republik Kanton. Bor einem Jahre, nach der Flucht Yuan- S ch i k-K a i s, wurde er zum Präsidenten der chinesischen Republik gewählt, konnte sich jedoch in den Wirren d.r Generalskriege nicht behaupten. Jerusalem, 11. März. Bei dem Ausschuß zur Vorbereitung der Universitätsftier laufen täglich neue Anmeldungen auswärtiger Vertreter jüdischer und allgemeiner Kulturinstitutionen ein. Aus den heutigen Anki'mdigungen teilen wir die folgendrn mit: Aus Berlin wird sich Professor Moritz S o b c r nh e i m (von der „Wiener Marge nzeitung" bereits gestern berichtet) im Australe der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums als deren Präsident und der Vorderasiattsch-Aegyptrs ch e n Gesellschaft als deren Schriftführer nach Jerusalem bogeben. Er wird dort auch die Gesellschaft für Palästinaforschung und den Deutschen P a l ästi n a v e r e i n zusammen mit Profeffor Da lm a n n vertreten. Der Oberrabiner von Stockholm Dr. M. Ehrenpreis begibt sich in den nächsten Tagen nach -.Jerufake-m. Dr.' Ehrenpreis -hat auch den Auftrag erhalten, die jüdische Gemeinde in Stockholm bei dieser Feier offiziell zu vertreten. Profeffor Fvederrk Book, Mitglied der Köwigl. Schwedischen Akademie und Chefredakteur der großen Tageszeitung „Svens-ka Dagbla-det", ist nach P a l ä st i n a abgere-ist. n>m die Königs. Schwedische Akademie und die Stockholmer Universität zu vertreten. Tie alte Universität in Lund hat Profeffor W r a n g e l, der sich gegenwärtig auf einer Studienreise in Afrika befindet, Kea»lf>tragt, sie bei der Unrdersitätsseier in Jerusalem zu vertreten. Prinz Sapieha und Graf Potocki. Prinz S a p i e h a, der frühere Polnische Minister des Aeußern und einstiger Gesandter Polens in London, sowie Graf Potocki, das Oberhaupt einer der bekanntasten aristokratischen Familien Polens, sind in Jerusalem eingetroffen und werden der Eröffnungsfeier «beiwohnen. (Ein Graf Potocki war es, «der in der Mitte des 18. Jahrhunderts zum Judentum übertrat und deswegen im Jahre 1749 in Wi-lna auf dem Scheiterhaufen erdete. Er wird noch 'heute als „Ger Zede-k" tat polnischen Judentum verehrt.) Für die Universitätsbibliothek. Der Oberrabbiner von Stockholm, Dr. Ehrenpreis, -hat in den letzten Tagen ein schwedisches Komitee für die Universitätsbibliothek in Jerusalem gebildet, welchem hervorragende jüdische und nichtjüdrsche Universitätslehrer angchören, so unter anderem Profeffor Frederik Book, Professor Karl David Josephson, Profeffor Erik S t a v e, Professor Henrik Schuck. Die erste Büchersendung soll demnächst nach Jerusalem , abgehen. In Rom hat sich eine Gesellschaft Zwecks Sammlung von Büchern für die hebräische Universität in Jerusalem gebildet. An der Gründungsversammlung nahmen führende italienische Persönlichkeiten der politischen und der literarischen Welt teil. An der Spitze der Gesellschaft stehen Senator R u f i n i, ferner der bekannte italienische Schriftsteller und Kunstkritiker Adriano Tilgher, die Dichterin Tartu f a r i, Professor Dante Lattes und andere mehr. Die Gesellschaft wird dieser Tage einen Aufruf an die italienische OrfscnLIichkeit durch die Presse erlassen, üt welchem die Bedeutung der hebräischen Universität unterstrichen wird. Samuel Lamport und David A. Brown ttt Palästina. An» 7. d. sind der Präsident der American Palestine Company Mr. Samuel Lamport nnd Mr. David A. Brown in Palästina eingetroffen. Sie werden der U n iversitätseröffnung Verwohnen. Die American Pa lest ine Company hat bekanntlich taschloffen, sich der neu." gegründeten Palestine Economic Corporation unter der Leitung der .Herren Louis Mars hall. Bernard Flexner, Kolonel Lehman und Felix M. Marburg anzuschlkßen. Mr. David A. Brown leitete bekanntlich die 14-Millionen-Dollar-Hilfskanrpagne in den Bereinigten Staaten zugunysten der notleidenden Juden Europas. Er leitete auch die Keren-.Hajessod-KamPagne in Australien und zmn T:il in Asien während seiner Welttonr. Mr. Brcwn begibt sich später nach Rußland, um die Frage des jüdischen KolvnisationSplanes an Ort und Stelle zu prüfen- Tagung des Verbandes bayrisch-jüdischer Gemeinden in Würzburg. Vom 15, bis 17. d. wird in Würzburg die Tagung des bayrisch-jüdischen Gcmeindeverbandes stattfinden. Zur Beratung st.hen verschiedene religiöse und soziale Aufgaben, so unter anderen» auch die Schaffung emrs jüdischen Siechenhauses für Bayern. Hebräisch an der Londoner Universität. Der Senat dcr Londoner Universität benachrichtigte die Pa-Iäst inarogie ru-ng, daß die Universität, der Anregung der Palästinaregierung entsprechend, beschlossen hat, das klassische Hebräisch anstatt ein.r anderen alten Sprache als Prüfungsfach für die Erlangung der Akademikerwürdc einzuführen. Das Prüsungsprogramm umfaßt B.'belstudium, jüdische Geschichte, Geographie Palästinas und hebräische' Grammatik. 22.000 Pfund für den Nationalfonds im ' Februar. Der Palästinensischen T.legraphenatzentur wird seitens des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfonds in Jeru« -salem mitgeteilt, daß bei dem Jüdischen Nationalstnds im Monat Februar d. I. etwa 22.000 Pfund an Spenden ein* gegangen sind. Ae PaWina-AegWen-Reise der „Wiener Morgenzeitung" Für die von der „Wiener Morgenzeitung" veranstaltete Palästina-Aegypten-Rcise, 2. bis 28. April 1925, gibt sich im Kreise unserer Leser das regste Interesse kund. Der ausführliche Prospekt und das Programm sind bereits erschienen und werden jedem Jntereffenten kosten« los zugeschickt. Preuße» prüft die »SeutschftSmmigkett". Der nationale Kurs. (Eigendicrrst der „Wiener Morgeuzeitung".) Berlin, 12. Marz. Der »»eugewählte preußische Ministerpräsident Marx hat sein Kabinett noch nicht gebildet. Der bisherige Innenminister Severing, gegen den sich die besondere Wut der Völkischen gewendet hatte, ist nicht bereit, in die neue Regierung cinzutreten, und so wird sein Reffort wohl auch den Nationalen in die Hände fallen. Seine Beamten richten sich auch bereits auf den neuert Kurs ein. Ein Runderlaß d.s preußischen Jnnemninisterimns an die preußische Polizeibehörde ordnet, die Nachprüfung der Dentschstämmigkeit der ehemaligen ofterreichisch-ungarischen Staatsangehörigen an. Der Zweck dieser Maßnahme ist, wie offiziös erklärt wird, Begünstigungen, die den Deutschen aus der ehentaligen Donaumonarchie, vor allem soweit sie Arbeitnehmer sind, bei der Benützung von staa tl.i.ch«n Transportmitteln gewährt »vsrden, wirklich nur den d e n t s ch st ä;n m i g e n O e st erreich e r n zukcmmen zu lassen r»nd sie den deutschen Staats« ni^ehörigen glei chzu stellen. Das ist die Vorschützung einer fiskalischen Maßregel, hinter der in W.rklichkeit der Antrag der Nationalsozialisten im Landtag steckt, mit der Ausweisung der Juden und der Schaffung einer Jndenordnnng vorzugehen. Dr. Marx bildet eine Reaierung ohne SozialdemokraLen. Berlin, 12. Mürz. (Tel.-Komp.) Der Preußische Ministerpräsident Dr. Marx verhandelte heute erneut über die Bildung seines Kabinetts, das er zu einem überparteilichen Kabinett gestalten will. Marx beabsichtigt, je rtaen Vertreter der deutschen Bolksv a r t e i» des Z e n t r u m s und der D e m o k r a t e n in die Regierung aufzunehmen, die übrigen Minister- Posten aber mit B e a m t t n 411 besetze«. etrefemnttns Partei. Berlin, 11. März. (I. T. A.) Nach vielfachen An» zeichen zu schließen, gedenkt die d e u t s ch n a t i o n a l o Bolkspar 1er, die bei den derfloffenen Reichstags- und Landtagswahren zum ersten Male Parteioffizicl antis.mitifche Losungen ausgab, auch bei der kommenden Wahl des Reichspräsidenten das antisemitische Mometrt hervorzukchren. Die deutschnatlonale „Weimarer Zeitung" schreibt zum Beispiel: „Reichstagspräsident Lobe verzichtet auf die ihm ernstlich angebotene Kandidatur, angeblich weil «r sich nicht fähig nnd würdig genug fühlt, einen Ebert zu ersetzen, in Wirklichkeit deshalb, w:il die Sozialdemokratie den AZeg freimachen will für die Kandidatur Marx'. Möglich ist daneben auch, daß das in der Sozialdemokratie fest verankerte internationale Juden turn doch die Zeit noch nicht für gekommen hält, einen der ihrigen ungestraft an die höchste Stelle des Teutschen Reiches setzen zu können." Dazu schreibt die „Voffische Zeiturrg": „Der: Abonnenten dieses nationalistischen Blattes wird also — ganz zweifellos Wider besseres Wissen — der Neichstagsprnsident Lobe als Jude vorgestellt. Er wird es mit Würde zu tragen wifferr. Das Ganze ist nichts als ein völkischer Auftakt zu den Wahlen. Man darf sich auf eine S ch rn u tzkamPergne ersten Ranges gefaßt machen." Ae Barmat-AWre. Beelt«, 12. März. «Tel.-Komv.) Der UytersuchunüSrichier tuil einen erneuten H a f i e n t l a s s u n a s a n t r a g für die beiden noch in UntersuchunflLhaft sitzenden Brüder JnliuL nnd Henry B a v m a t a b g e l e h n In dem Beschlüsse wird die bemerkenswerte Erklärung ob>- gegeben, der Verdacht de8 K r e d i t b c t r u g e s fei nicht mehr als drirwend ari',uielien. ebenso sei die B e st e ch u n fl von Beamten der Staatsbank als nicht erwiese n 31t betrachten. Dagegen bestehe nach tvle vor besttglich des früheren ReichsvostrntnisterS Dr. H 0 e f l e ein Verdacht und demgemäß Fluchtverdacht, weshalb auch die beiden Brüder Barmat noch tot Haft behalten werden. ' *** 1 - r Ir -r " .gr ti.;~ T i, «W mpii hu; < ~|;n |in ,1 WIM.UlMillUM ii lil,. <lLu/IL,iJ)t

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