Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-03-12 · Heft 2176 (12.3.1925) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2176 (12.3.1925)
Date
1925-03-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981261--22173-3009559
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Stk« 4 Die« Donnerßtag ©lener Wsesten-eltuHG. IS. März 1986 Nr.«» fahrsmesst bei Jobvos 1924. Auch btcvirml ihtb wieLcr Ein fäufCT aus allen Wel'lvilrn eing.iroffen. Bon b?ti europäischen Ländern strebt an erster Stelle wie rmrner die T s ch c ch o» Slowakei: es folgt Ungarn, das fast die doppelle Zahl vlM Einkäufern gvocnüber der Zrichjahrsrncsse 1921 endende! Ix»t, Polen mit 70 Pro^nt rn.hr Äs bei der Fnchjachrs-rn'-jj'e 1324, rverters Deutschland, Iligoslannen und Rmnänicn. Tagesbericht. Im redaktionelle« Teile enthaltene entgiltliche Mitte langen find durch ei« vorangesetztes E gekennzeichnet. Das Attentat ans Bettimer. Das Verhör mit dem Täter. 2-ct Zahnttchniker Otto Rothstock, der Dienstag nachmittag den Schriftsteller Hugo B c t t a u c r durch fünf Revolvcrfchüssc lcbensgefährLch verletzt hat. wurde im Laufe des gestrigen Tages im Mchecheitsbureau abermals verhört. Rothstock bleibt bei der Behauptung, daß er die Bluttat allein ausgeheckt bat. Er gab an. er habe «rr Laufe der Zeit Versammlungen fast aller politischen Parteien besucht, mn ihre Programme kennen zu lernen. Während er fvüher angegeben hat, daß der Revolver schon seit einem Jahre in seinem Besitz war, bat er nun mityeteilt. daß er die Waffe vor etwa drei Monat c n von einem Mann, den er bloß zweimal gesehen habe, gekauft hat. Er will gleich eine Schachtel mit 25 Patronen mitbekommen haben. Den Namen des Mannes zn nennen, weigert sich Rothftock. Er betont aber, daß er bc«n Kmif des Revolvers noch keineswegs M o r d a b s i ch t e n gehabt hat. Der Gedanke, Bcttaucr zu töten, weil alle theoretischen Mittel, Zeitschriften nach Art der von chm hcrausgegebenen zu unterdrücken, furchtlos seien, ist ihm angeblich erst in den ersten Märztagcn oekomnten. Rot'stock ist bei seinen Verhören ruhig und gemessen und zeigt keine Spuren »'on Aufregung. Einvernahme Bettaners. Gestern vormittags wurde der schwer verletzte Brttauer iurz e i n v e r n o m m e n. Er gäb an, scwcit er sia, erinnern könne, sei eim junger Man-n, den er nicht kannte, in die Redaktion gekormnen und habe chnl einen Br'.ef übergeben. Er sei mit dom Briese zum Schreibtisch gegangen, um ihn zu lesen und habe zu seinem Erstaunen gehört, daß der Tater die T ü r a b s ch l o ß. Unmittekbar daraus sei der Fremde in der Richtung gegen den im Zimmer stehenden Ofen gvgangen «mb habe in der Haft des Gehens das Tischchen umgeworfeir. Gleich darauf Hake er einen Revolver gezogen und mehrmals auf ihn geschossen. An nähere Einzelheiten kann er sich nicht erinnern. Bettauers Zustand ist schr ernst, doch ist »ie Hoffnung auf Wiederherstellung nicht ausgeschlcfsen. Eine Anzeige aus Brttnuers Redaktion, Dienstag mittags, ehe der Mordanschlag auf Dettauer verübt wurde, war das Kommissariat Josefftadt von der Redaktion der von Bettauer herausgegeben-en Zeitschrift telephonisch verständigt worden, daß der 4vjahrigc Privatbeamte August Seufsert wiederholt in der Redaktion vorgesprochen habe, um Bettauer zu sprechen. Man wisse nicht, was er eigentlich wolle. Am 10. d. war er wieder gekommen und hatte geäußert, daß er.' wenn er nicht Herrn Bettauer oder seine Beamtin sprechen f&mtt «nd rverm beide nicht bis zum Abend in feine Wohnung kämen, einen Selb st m o r d verüben werde. Seufsert tvurdc nachmittags zum Kommissariat Jesefftadt gebracht. Auf Grund der Untersuchung des 'Pol-izeiarztes wurde der Mann .zur Prüfung seines Geisteszustandes der psychiatrischen Klinik überstellt. Er hat sich schon in irrenarztttcher ^Handlung befunden. La» Grab des Seaeftm». Der neue vrLbrrftmd bei Gizeh. Aus London wird uns berichtet: Die schon m der gestrigen Mniei'.ung Ihres Korrespondenten geäußerten Zweifel, ob die Ardgaben der amerikanischen Expedition über die Auffrwdnng d?S GrabcS des Pharao Senefcrus richtig seien, werden durch eine Meldung aus Boston bestätigt, nach welcher der Aegyplowge Dr. Reisner. der jetzt in Amerika befindliche fachmännische Letter der Ausgrabrmpm bei Gizch erklär: hat, das «rfgofmch.'rie Grab sei nicht das des Königs Senefevus (Suofru), sondern das eines angesehenen A^gppters vielleicht — nach dom königlichen Siegel, welches neben dem Sarkophag auf einem Teller gefunden wurde, za f«Weß>'n — das vineä Mitgliedes des königlichen Hauses Reisner nimmt an, daß es sich um daS Grab e'mar Prinzessin aus der vierten Köngsdhnaftte handle. Ueber die Funde m der Gruft wird weit:rs berichot. daß der gut erhaltene Sarkophag gMdtkorierrc Säulen trögt. Eine gründliche Urrterfuchuag der Gruft ist bisher noch nicht erfolgt. * »Hauswirtschaft und Staat." Ueber dieses Thnna spricht Frau Henriette De.ß Montag den 16 b. um 0 Uhr im Durch österreichischer Frauenvereine. 1. Bez» Schwarzenbergplatz 4, Hans der Industrie, kleiner Saal. Mitteilungen aus dem Publikum ADOLF TARLER Wien, 4 Kohlmessergasse 6 ZUR MESSE Hofburg Saal O Koje 5334 Sächsische Strümpfe und Handschuhe En gros Export Kultus- und Justiz‘Tolnre und Barette erhalten Sie vorrätig oder nach Mass bei der bekannten Spezialfirma RUDOLF GOLDSTEIN, £&SJ!,"KS Groases Lager fe iler Stolle für M&asbestettnngen WISfC* UL TASORSTRAtSB S4 Qu*, eese Donnerstag, den 19. März 192S um lialb 8 Uhr abends, spricht im grossen Konzerthaussaale der bekannte Schriftsteller FELIX SALTEN der vor kurzem Palästina besucht hat, über Neue Menschen auf alter Erde Karten sind im Zionistischen Bureau, Wien,!.. Kärntnerstrasse 28 (Tel, 77-4-85, 77-4-86) erhältlich. 101 8ive MSdchenhSnvlerbSrse. Hebet die Aufdeckung einer Mäidchenhättdlcrbörst in Straßburg und die Feststellung einer Mäschenhärvdlerorgan t* sation in Hamburg, erfährt die Berliner „Zeit": Anläßlich der Verhaftung eines gewissen Argand, der sich Mathis nannte, und dessen Komplice Thiolier entkam, wurde in Straßburg eine Mädchenhändlerbörse entdeckt, die hauptsächlich nach Südamerika und »ach den Balkan st aalen Mädchenhandel trieb. Die beiden Genannten hatten zwei minderjähvige Mädchen auS St. Et ienne entführt, um sie über Hamburg nach Brasilien zu schaffen. Man fand bei b?m Verhaftete« Fahrkarten nach Rio und eine sehr umfangrsiche Korrespondenz, meist str Chiffreuschrift. Auf eine Zeitungsannonce hin. hatte eine Hamburger Familie beschlossen, ihre Tochter auf «in Landgpt zu schicken. Der Vertrag wurde Lurch einen DermitLr abge>schlosftn. Am Tage der Mreist wurde das Mädchen krank. Der Vater telegraphierte darauf an das Landgut und erhielt die Antwort, daß man dort tarn der Anstellung eines Mädchens nichts wisse. Die Pottzei ging nun der Sache nach und ermittelte, daß die Annonce von Mädcherchändlern stammte. Der angebliche Vermittler wurde ausgesvrscht und verhaftet. Ans seiner beschlagnahmten Korrefpottdenz ging hervor, daß es ihm auf ähnliche Weist bereits gelrmgen war, über 50 Mädchen ttn Alter vo« 16 bis 18 Jahren zu fturgen und sic nach Amerika zu verschicken. Auch fand die Polizei einen noch nicht zur Post gegebene« Brief, fragenden Inhalts: „Die fünf Mädchen sind angekom-inen uriÄ gesichert. Sie sind nntorwegZ nach N e w- V o r k. Im Hafen von Hamburg wimmelt .-s von Polizisten. Nach rnühsanrer Arbeit haben wir sie auf das Schiff gebracht. Zwei wurden uns beinahe verraten, aber' Du weißt ja, daß . . . gut wirkt. Ich hübe die Mädchen mach San Francisco gebracht, da können sic nach Vater u«o Mutter schreien so lange sie vollen. Wenn Du wieder Ware hast, so bringe sie stleich nach Hamburg zur Mädchenbörse. Drr Scheck über . . . folgt noch. Sollten die Mädchen sich sträuben, so bringe sie dahin, wo ich sagte. Dort werden sie schon zur Vernunft kommen." Sie ftertfrfttfelfoMRtioit. vortrog Felix Satten. Ter bekannte SchviMcller Felix Salten, der im Vorjahre längere Zeit m PaMiwa weKte, um Land und L«tte kennen zu lernen, wird Donnerstag den 19. d. mn hakb 8 Uhr abends im Gv ßen Konzcrthausstal einen Vortrag Liber „Reue Menschen auf ^altrr Erde" halten. Dom Vortrag Caltens wird in der jüdischen Oeffew^'ichkett ein Inders großes Interesse ent-^-eyeniebracht. Cs ist daker für joden, der den Vortrag besuchrn will« an'^ezei-gt. sich ehestens die Karlen zu besorgen. Kavten sind im Zioni'l'ischLn Bureau, 1. Bez., Kärnbnerstraße 26. erhältlich. (Dol. 77-1-86, 77-E.) * Kurse am der Ha»shal1»«grfch»k der Stadt Wie«. Vom 1. Tlvril ab beginnen an der Kochurw HanShalmnaSschule der Stadt Wien. 6. Bcz.. Brückenaasst Z, kÄgendv Kurse: KochkurS für f >inere Küche, Abendkochkurs, ÄbrnUtttrs für Kleidermachen, Abcrdkurs für Weißn^cn, Dervierburs. Di« Stark dauern drei Morwie. Einschreibungen an Samstagen von 10 bis 18 Uhr und «m alle» übrigen Wochentagen von 10 I bis 15 Uhr. 1 Sin bcjciftnenltr fhtmetns tlottfos. Aus New-Z)ork wird uns die folgende bqeUtj» nende Entstebrtngs^schichte des N u rn e r u s c l a u s u $ in einer protestantischen Organisation gemeldet. Es dürfte nicht unbekannt fein, daß in Antcrika fast in jeder Stadt sogenannte „Aoung Mtn'S Christian AsioeiationS-, chrift- .'iche IuIendor.AtnifationLn, bestehen, die den Zweck haben, unter ihren Mitgliedern für die Stärkung des pwtostant:,sch-chriftUck>en Geistes zu wirken. Auch in Rew-s)ork besteht seit 50 Jahren eine solche Orgamsation, deren Statuten ausdrücklich beftinimen, daß in den Vorstand der Gcstllschaft nur Protestanten gewählt werden dürfen. In den letzten Jahren haben sich jedoch Katholiken und Juden in so großer Zahl in die l^stllschafr, ntan kann ruhig sagen, hineingedranqt. daß die Führer der Organi.sation sich gezwungen sahen, diesem Zulauf irgendwie Rechnung zu tragen. Offenbar tragen Kalho» Hxw und Juden zur Erhaltung der Organisation und ihrer Anstalten ht so hohem Maße bei, daß sie nunmehr auch einen Einffuß auf die Leitung der Gestlkschaft ibeanspruchen. Die derzeitige Direktion der Rew-Dorker Dourvg Mon's Christian Assoriatton wandte sich vor kurzem an die maßgebende Behörde um die Bewilligung einer Statutenänderung, laut welcher in Zuk-unft auch Katholiken und Juden in den Dorstand der Organisation gcwählt werden dürfen; doch dürfe ihre Gesamtzahl 10 P r o z c n t der Zahl der DorftandS>mitg'.ieder nicht überschreiten. Rit Recht bemerken hiezu die amerikamsch-jüdifchen Blätter, daß die-st Statutenänderung ein tranri-es Bild der Berhältmsic in gewissen jüdischen Kreisen von New- Dork zeige. Diese christliche Jugendorganisation ist eine streng religiöse. Die Leiter der Gesellschaft sahen den Zustrom der Katholiken und ganz besonders der Juden gern, weil er die Bekehr» ngsarbeit erleichtert. Biele von den Jitden, die in die % M. C. A. eintralen, find den Bekehrungen auch tatsächlich erlegen. Diestr Vorfall ist um so bedauerlicher, als es seit einigen Jahven in Antevika auch diesen christlichen Ju.Zendovganffa8onen nachgobildetc jüdische Oraanpsationen „Poung Men's Hebrew Associat-ion" gibt. die. wie es scheint, nicht vmstande sind, die wankelmütige jüdische -Jugend an sich zu ziehen und an das Judentum zu fesseln. Ob diese füdiischen jungen Leute sich durch diesen entehrenden MmeruS clausus nicht doch eines Besseren besinnen werden, wi? die Zukunft lehren. __ Sie zokmlftsmvfik. Die Welt soll wieder einmal um eine neue Sensation bereichert werden. Es handelt sich um nichts mehr- und nichts weniger als mn die Verpfandung des M a s ch i n e n>- saaleZ in den Konzertsaal. Wir leben nicht umsonst im Zeitalter der Maschine. Die Maschine beherrscht die Welt. Das ist uns noch viel zu wenig jitm Bewußtsein gekommen. Wir halten uns die Ohren zu, wenn wir in einen Maschimnsaal kommen, um daS Dröhnen, Stampfen, Heulen, Fauchen und Zischen deS tausendfältigen maschinellen Apparats nicht zu hören. Wir begreifen nicht, daß es sich hier um das modernste aller Wunder handelt, utid daß der „Rhp^m.uS des Maschinensao-leS" die Musik ist, für dererr Verständnis unser Ohr erzogen werden muß. George A n the i I, ek hypermoderner amerikanischer Komponist, der seit vielen Jahren in Paris lobt, und Ferdinand Leger, der bekannte fra-uybstsche Maler, der die SusetS für feilte Bilder mit Vorliebe in Fabriken urtd M'schmeuräumen sucht, sind es, die unser musikalisches Empfinden erst der wahren Vollendung entgegensühren wollen. Sie haben ^« „mechanisches Ballett" geschaffen, daS demnächst in Paris ausgeführt werden soll. Zrvm erstenmal, seit die Wo^t existiert, wird man dann Gelegerheit hoben, ein Orchester zu genießen, das aus vier Klavieren besteht, vier Pauken, drei Schlag^eugen, einer Schi ff ssirene, zwei Dampfpfeifcn, drei Blechtrommeln und sonstigen eigenartige» GeväuWrstrumenten, die daau dienen sollen, dir „M u s i k des Maschinensaales" zu versirrnbildlichm. DaS Ganze wird, wie sich das von stlbst versteht, maschinell betrieben. Die Musik, wie wir sie bisher gewohnt sind, erklärte der amerikanische Komponist etnem Mrtavbeiter der „Thieago Tribüne", vertveichSicht don Menschen, sie wirkt dogenerievend, sie -st nichts mebr für unsere m-odevn« Zeit. Das Ohr muß sich an den Rhythmus der Maschine gewöhnen. Musik aus mechanischem Wege, das ist die Losung für die Zu-kunst. Wir brauche» keine Musiker mehr, wir brauchen keinen Dirigenten nnchr. wir sind nicht mehr menschlichen Zufälligkeiten und Schwächen cmZ'A'setzt, die Maschine aulettet tadelloser und exakter als es der Mensch st ver-ma-a. Und wir sparen Mensebenkräfte und Menschenmaterial. Wr brauchen in der Muisik das Laute. Dröhnende. Gmoalti-e, unser KrafkbewußSsei» Stählende und nicht das Zart-Sentttuenttvle, Mißliche, die MenfMeit Verweichlichende. Dank Herrn George Anteil aus New-Aork wissen wir jetzt wenigstens, was die ZukunftsmtLstk ist. . * Mt 30L00 Lire verschwunden. Aus Ro« wiw berich» Ut: Der aus Wien ftammenbe AnMellte einer Mailander TranSportgesellfchatt Ludwig Blaust ein ist mit 30.000 Lne, . die er mm Ankauf von ausländischen Valuten erhalten hatte, verschwunden. Die Nachforschungen sind ergebmÄos ge« //UMWM de« t>d<Uo»ta 8ohnitt die oleganto Fawfor» die gesohmaotevoUe Arbeit der Herrengarderobe auf dem ATSMIft ffO<* MMlare« HemnDDlileltfuiif EMANUELADLER Schneider Wien, ||. Bes., Taborstrasse Nr. BO (Eingang Grosse Stadtgutgasae) — Tel« 41»f»W

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.