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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-11 · Heft 2175 (11.3.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2175 (11.3.1925)
Date
1925-03-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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% / Nr. 3175 Wien, Miitmcch Wiener MorAenzettunA. 11. März 1925 'Teile 6 ^tsrk geblendet find, dis es w s^r >ik< Ehre enu'Mubn,, Be achtung bei den „Rassenroin?,," tu ersinnen, daß {Udie klare Bestnmueeg mit tzem Gefühl fttr Würde zugleich verlieren. So manche Mutter nutg, wenn Ije dir Berichte der Mordpr.'U'jjo liest, ein Grauen Überläufen bei dem Grdanken, tvie leicht der jungv Mörder auch in ihr Hans Zutritt stesimden hätte, wenn er nur gewollt hätte. Eiist ja so ehrenvoll. jimge Germane., 'bei sich zu sehen, man brüstet sich lucbl noch vor Volksgermssen der „AuLzcichnnng" lind schweißt in Weltbillgerlun», das sich allerdings bei näherem Zusehen als etwas einseitig eriveisen wijrd«. Und bedenkt vor lauter Freude nicht, daß der flotte Kavalier gar leicht eine Welle des Schmutzes und der Gemein heit in die Seelen der jungen Töchter führen kann. Damit soll weder gesagt wo.rden, daß jeder jir-irgr Jude »'«nigelveiu und taidellos von 0>cfinining sein muß. noch soll Miß-lrauen geßen jedzNl Fremden gosät werden. Aber zunächst llt die Wcll>rfcheiiU-icf>fctt dieser letzten, brutalste,« (Unreinheit hei Inden inmrer gering. Bon seiner Kindheit im engen, mnige-n Fmnilion'le'beu bleibt fast jeden, ein Stück iWtltftfldMWt stiften Frauen, die Rltterlichkeu, die nicht i», eleganic Formen «Kleidet ist, aber jefocä Weil» als seines Schlitzes 'bedürftig fchoirr und ach!.'!. Dann aber versteht man e-8. eig?fte Art viel besser .u helvene-n und zn beurteilen. Bei den „Ariern" Äende: und verlrlrrt die FreinUreit daö ruhige Urteil. Uivgewobntes und Befrenidl'icheü, Etgcntümlichkeiten, die stutzig machen könnten, werden einfach auf das Ko-nw d.'dAndersseins geschohen. Der ^estrickeiwe Beiz/ de.» Arlorluu, ans Viole Inden ansübt, trübt di'e K'laicheir der Ei-Nlsicht — der flotte Kavalier!»a-t leichtes Spiel. >üowiß nicht jeder von den lustigen jungen Burschen ist rin Mvichr ode.r Hup. 'Biele, imgezähltk vierte sind lmr-rn'lose nind gutinütige, brave und ehrliche Me«,«schon. Aber wir müssen uns gegen die Hypnose wchvrin. Wenn die .Ha'ftenln'nzh'r die christlich-gevumnifchen .Fungfranen i»n»ner wieder vor d.o„ lbch'i'n Inden warnen, dann scheint jetzt die richtige Zoll, jix/b? ■■ “d)e Blädcheu bor der bedin.au.ipgslosen Hingabe an den Zau,1ie.r de« „sichten Kavaliers" zu warnen, die Zeit, jüdische Mütter daran zu erinnern, daß irtcht jeder Student, der elegant Shimmy tanzt mrb sich zn bonohmen weiß, der richtige UmM»g für ihre Töchl-er ist. sjjj. Wien, 11. Mürz. * Oestetzreichische Keren-Hajessod-Aktion. In den, Astern erschienenen Berechn iS der LiezirMeiter für die .Ksven-Ha> fessod-Mkion ist die Adresse des' Bezirköleiters für den 13. Bezirk, Herrn Erich P o l l a k, infolge eines Druckfehlers unrnhtig angegeben: sie lautet richtig: 12. Bez.. Schöndnin »erst raße 333 fab halb 8 Uhr Tel. 82.543). * Die Dienstmänner appellieren an den Nationalrat. Eine Abordnung der Wiener Dienstmäunar erschien gestern unter Führmrg des Genosse,vschastSvorstehers S ch w e i n b n r g >im Parlament uitlb überroichte sowohl bet Rvgierung als auch den Natümailräten sämtl'icher Parteien eine De n-k s ch r i f t. worin Beschwerde darüber gofichrt svird, daß die Wiener Dienst,,,ärmer Steuern,audate für 18Ü3 nrit in die Hunderttausende stehende StoueworschreibmMn mvd mit nach Millionen stehende Douvstsungen erhalten. Dübel verdienen die Dnnsttmänner oft faüelang nichts m,L sind ärger daran als die, Arbeitslosen. Sie sind ,also buchstäblich arbeitslose. Steuerträger. Alle Borsprachen wühle,, bisher nichts, denn die Finanz-' landeädirektion, und das Fman.-nlinistcrium erklären, daß sie nach den gesetzlichen Vorschriften Vorgehen nmssen. Der Steuer- Exekutor der Fiueatzla.ndeSdiroktion, Hofrat Ehmke, erklärte den Dienftmänuern: „Wer nicht zahlen kann, wird exekutiert oder er soll sein Gewerbe nkderlegen. Die Wiener Dienst- Mitteilungen aus dem Publikum. SPEZIAL.TEE iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinDB w ifviiiiinniiiifliiiiiiiiiiiiiiiiiiiii W.WHiotiky IX. MccMtnstalnstr. $7 Telephon 17*1*76 mämter. von denen an 90 Prozent alte Leute oder Kriegs invalide sind, 'bitten 'die Regien,,,a II,vd die Nationalräb', dahin zu wirken, daß .diejenigen. die schon über Go Jahre alt sind, die' in, Gesetze vorgesehene Steuerfraiheit erhalten und die anderen'nur die Steuer für B^ittderbemitlelte, das sind höchstens 100.000 Kronen, zu bezahlen haben. Ter Mwrdmupg wurde von jeikeu der Bertre-ler der Regierung die tunlichste Berücksichtigung ihrer Wünsche ziegesag!. » D«r Storch im Strahenbahnzug. Die LOjähviae 'HslsSarbititerin Mari,.' H. wurde am 9. d. in einem Straßenbahnzu.g, als sie sich in das Wöchuerlniieuheim der Lucina begeben wollte, von Oleburtswehen befalle». Ein Wachebemnt-er ließ den Zug halten, die Fahrgäste anssteigen und unter seiner Beihilfe genas die H. eiu'.'s gesunden Kindes. * Das Wette«. Die Temperatur ist stark .zurückgegaugen bis aus Nioüerösterreich. 'Böridlich der Do„a.u herrscht allgemein Frost. Gestern nachmittags gab es ln Wien zeitweise kure, dauerndes Schu-eotrelbc,,. Die kalte Luft l>at sich nnmnehr über ganz Europa auSstchreiftet. Auch in Italien hat die Temperalnr stark aibge-nounuen. Die Voraussage lautet: Wölkich abslauende nordwestliche Winde, N'chl. * Die Lebensmittelmärkt«. Auch gestern waren die Fleischlmporre in der Großniarkthalle ziemlich güwstvg. Der Verkehr war in Aubetraclit der schlvachen Käufevbeteiligugg 'belanglos. In der Proisigge ist gegen die Vortage eine. Bcr-- änderun'g von Belang nicht m konstatieren. — Der Na f chmarkt wies gestern auf allen (hebieten günstige Zufuhren auf. Krau., verschiedener Herkunft, ungarische Zwiebelt, und diverse, italienische Gemüsesorteu waren zahlreich vertreten. Für Spinat herrschre besonders roge Nachfrage. Mindere Qualiläten haben sich mäßig im Preist verbilligt. Alle änderen Gemüfesorlen notierten wie an den Vortagen. Auf dein O-bstmorkt sind die Aepfelzufnhrcu aus Steiermark noch immer Ntehr als bc-dar'dcckenid. Auch ln Trangen herrscht arvdkmerrvd ein Nederfluß. Eier tvnrden in genügenden Quantitäten Auge führt. Preist stabil. Hingegen hat sich Butter infolge gesteigerten Bedarfes in den Erzongung-.Wbjeten im Preise verteuert. * Selbstmordversuch bei der Verhaftung. Im Laust der letzten Wochen wurden im Sudbahirhos größere. Diebstähle begangen. Sv war ans einen, erbrochenen Waggot, ein Ballen mir 18 präparierte», holländischen Ziegenhäuten gestohlen worden. Der. Verdacht der Täterschaft richtete sich gegen den -tljäh-- rigen Vchrlthelser Martin Bulcs. einen g.sährlichen und vielfach' a'bgesträ'ften Verbrecher, der schon im Jahre 1910 bei der Großniarkthalle icin-en Kriminalbeamten durch Aiesserstiche schwer verletzt hat. Am 9. d. ivnr.de er verhaftet. Es tvurde sestgesteilt, daß der Haulptabuehnier der im Südbahlchof gestohlenen Sachen der 54jährige ehemalige Gastwirt Pauk Mießncr war. Bei seiner Festnahme Versuchte Mibßner einen Selbstmordversuch mit eiuom tllasiennesser. Seine Pl'r-- letzmia ist nicht gefährlich. Er wurde in das Inquisttenspital gebracht. VulcS idem Landesgcricht eiidgeliefert. Die Diebsbeute wurde zum größten Teil in der Wvhmmg Mießners vorg^undcu/ * Di« Lebensmüden. Gestern vor.nvt'taqs um 9 Uhr fpranst ein etwa M jähriger, nrutmaßlich dem Arbeit erstände «Wehörender Mann von der Asperuhrnck.- in den Donaukanal, uM> ertrank. - Bo,-gestern abends bat sich oie 42jährige Pvivato Milva S. bei Verwandten in der Rembrandtftraßc auS Lebensicherdruß durch Einatmen von Leuchtgas zu vergiften v:^ sucht. (Die nachstehenden Ankündigungen find entgeltlich.) * Meffebesucher aus dem Orient und den Balkanländcrri dürfen nicht den Besuch der ersten orientalischen Küche im Restaurant National, 2. Bez., Taborstraße 18, versäumen. Nebst vorzüglicher Wiener Küche sind zn jeder Tageszeit rumänische und orientalische Spezialspcisen natur, an, Rost, wie auch am Spieß zu mäßigen Preisen erhältlich. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgafle m Tel. 83-401. Seteine, BorteSge und Setfammhtnoen. Israelitischer Taub st umrne »verein. SamStag, '/-8 Uhr abends, im Cafä Astoria, 2. Dez., Prater-- straße ' 60, Maskenredoute. Kein Kostümzwang. — A d v o« katenrunde. Ueber das Thema „Tilgung im Strafrecht" svricht Rechtsanwalt Dr. Josts Berger jnn. im Rahmen der Advokatenrunde morgen, 1la7 Uhr abends, in» Cafä Stadtpark. 1. Dez., Parkrtng 2 (Klnbz'mmer). — MaimonideS- I n ft i t u t, 3. Bez.. Hehgasse 40. Heute, Rabbiner Dr. A. K a m i n k a, 6 bis 7 Uhr: Talmud 7 bi, 8 Uhr: More Ne° buchim. - Die Jüdische Tischgesellschaft Landstraße veranstaltet beute gemeinsam mit der Z i o* n i st i l ch e n B e z i r k s s e k t i o n L a n d st r a ß e um */,9 lUir abends im Eafe Lovrana, 3. Bez., Löwengasst 36. einen H e i t e r e n P u r i m » A b e n d mit Musik-, Gesangs- und humoristischen Vorträgen. Gaste willkommen. — Z i o n istische Sektion Wieden-Margareten. Heute. 8 Uhr abends. Theresten-Cafö. Margaretenplatz, Beratung der Miiarboiter des Keren Hajessod und Bericht über die bisherigen Besuche. — Sozialpädagogische Gesellschaft. Heute, 7 Uhr abends, Anatomisches Institut, 9. Bez., Wahringerstraße 13 (Erdgeschoß), Vortrag von Dr. O. F. Kanitz: „Die 2lutorität in der Erziehung". — ZionistischeKulturg r u v p e X X., Karl-Meißl-Straße 5/1. Heute, 7,8 Ub, abends, Vortrag des Herrn Dr. Cb. Tartakowerr „W. D. Gordon, der vorbildliche Chaluz." Anschließend Diskussion über aktuelle Fragen. Gäste berzlichst willkommen. —Hebräische Schule. 20. Bez., Otnmargasse 46, Saal H. Heute, 7 ttbr abends, findet in der Tohnbee-Halle, 20. Bez., De,''?gaise 33, eine .Kinder-Vurimfeier statt. Die Festrede halt Herr £?, X Waldmann. Gäste willkommen. Radioprogrermm. Mittwoch den 11. März. 9 Uhr: Marktbericht. — 11 mS 1 Uhr: Vormittagskonzert. — 1 Ubr 5 Min.r Uraniazeit. -- 1 Uhr 20 Min.: Wetterbericht. 7-4 Uhr : Wiener Börse. . 4 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert. 2luS Oper und Konzert: Mendelssohn: Hebriden; Bach r 15haconne für Violinsolo: Cbopin: Nocturne in v; Beethoven: Symphonie Nr. 3. „Eroica'7 l. Satz; Wagner: Qniniett aus „Meisten fingert Wagner: Träume: R. Strauß: ^Ariadne auf Naxos". Phamasie: Massenet: „Thais", Meditation: Thomas: „Mignon", Romanze; MaScagni r „(5avalleria rnsticana". — 6 Ubr: Gullivers Reise», J. Abend, vorgerragen von Dr. Erich Fortner. — -'/.S bis 7,9 Uhr: Englischer Sprachkurs von Prost Tb. W. Mac Callum. — tUi Ubr: Kannnrrmusik. Josef Haydn (aus seinem Londoner Aufenthali!. Mi!« wirkend: Das GottoSmann-Quartott. Stäatsöpernsängerin Hermine Kittel. Einleitender Vortrag: Dr. Otto Erich Deutsch. Streichquartett Opu8 77, Nr. 1; Schottische Volkslieder ' fite eine Singstimme, Klavier, Violine. Cello; Streichquartetr OpuS 77, Nr. 2. — 7g10 Ubr: Heitere Abendmusik. ---- ZIONISTISCHE BEZIRKSSEKTION LEOPOLDSTUDT -- Sonntag den 15. Mär« 1525, halb 9 Uhr abends, in den Olympia-Sälen, l. Bezirk, Rotgasse 3 PURIM «AKADEMIE mit anschliessendem Tanz unter Mitwirkung erstklasiger Kunstkräfte. Unter anderem; „Die gildene Pawöw mit Szenen und Bildern aus dem jüdischen Leben / Ballorchester des Prof. Max Geiger /.Jazz-Band / Verschiedene Belustigungen ADTEM zum Preise von 2 Schilling bis 4 Schilling lin Vorverkauf bei: Brüder Schiffmann, II. Taborstrassc 48; Josef Singer, II. Taborstrasse 25; Bücherstube Rath & Prager, •! KW II. Taborstrasse 20 a; »Wiener MorgcnzeiiungV II. Tahorstrassc 1. ' Fünfzig Fahre..Königin von Saba". Trotz ftütiiiwl'iflcr V«rvränMüg der großen Ofx'r 'durch das Mustkdrantä,. trotz Wandel im Kumftstcschnwck -und in der Ku.wsdmode ist die fünfzig Jahre a>lie -„Kön'iHin vo-n Saba" ju.ng geMobe», weder -der Zahn «der Zriit, :wch die tl'N-girnst der Vevhältnisse konnten ihren Reizen etbvaS anhaben. Und dies trotz Haß und Neid, wesck-e das Wevk vom Anfang an verfolgten: J-lMtwr wieder schod Jvhamr Herbeck. der Direktor der Hofoper, den Devndn der Nraufsühruug hinaus, bis sogar dein kaiserlichen Oberstlwfnt'ei'ster die Geduld riß imd er zornig auSri-ef: „Ich breche dom Herdeck den Hals, wenn er die Oper nicht gibt!" «AnAwi'schsn batte die Hofoper Verdis „A'i'da" zur Anffirhrung gebracht und da-m-it Goldtttark, wie er tu feilten ErinuevunMu klagt, „das damals neue fvomde Lokalkdiorit in, vovh'iuein weg' ge»'7'>mi,en", Endlich Hogamwn die Proben, die Generalprobe währte--bis Mttevnatht. Goldmark fiel ohrianächtig zufaiiiurcn. e'iNH n>eue Berfchiebnug wurde notwendig und Bralmrs scherzte grimni'ig ü'her Goldnmr.kS drawattscheS Erstlingü'loerkr „Ach was, die ersten Hunde ertränkt inan!" Dann kam am 10. März 1875 die Premierv. du, lebhafter Erfolg, und au, nächsten Tage die vernichtende Kritik der stiu-dlichütl Mächte Hanslick und Speidvl. Doch trotz alleu, ließ -sich didje kraftstrotzende Theaternmsik auf die Duner nicht uutevdrstcken.' sie -hat sich die alte wie die 'mm' Wett evebrrt und in Wien allein an die s?50 Aufführungen erreicht. Die AieVlingsschstlerin des Klavierlchrers Karl Goldinark wa-r die späterhin berüdntte Operiffängeri;, Karoliue Beitd'he'iut-.GüstN'p'svs. Einst sah Opernregisseur Scheider das 15jährige Mädrheu und »neittie .wo!"! ob ihrer Aehnlichkeit mit dom bekaunlen Porträt „die Königin von Saba" des franizösischen Maler» Chopin „Das Aiädl. da^ (Besicht! Die reine Königin von Saba!" Diese zufällige Bemerkung ivar für Goldnmvk die Anregung, die „Königin von Saba" zu schaffen. Die tiefere Ursache lag freilich in G.eldumr'ks uubelvußter Selnstlcht nach dom Orient,' in sdnem orientalischeu Heinn-atsgefühl, das schon in feiner hi-me-rßenden „Saikuniala"-Onr'crrnre Triumiphe gefoi-ört halte und sich wohl auch in der Aeußerung widerspiegolt: „Scholl früh Chatte ich „Tan'fenduude'M'e Nacht" gelesen und der Za>U'ber dieses herrlichen Buches hielt umch und meine Phantasie lange im Banne — ein Eindruck, der nl'ich später wohl auch^znr „Königin von Sa«ba" führte." Die Pocisie des „hohen Liedes", welche so viele Dichter und Tondichter aller Konfessionen — ja schon den alten Paiestrina zu einam Buche Motetten — an-regte, hat bei Goldntark den stärksten nationalen Widerhall gefunden, und wenn er in seinen „Erinnerungen" meint, „Ich war nie nn Orient, aber die Iutui'tton Haff mir auch darüiber hinweg", so ist die „Intuition" eben ein a-nderc-r Ausdruck für sein orientatt-sches. fein jüdisches Weltgesühl. Cr MM WM, daß das Wesen der orientalischen Mnisik nicht in den ,/bekanntcir Skale ndij streiken und Moll-Äkeiismen" wuvM. und. wenn er auch nicht, wie es heute üblich ist, mit Hilfe ge.-chrter Phonograph»,scher Sl-ndieu auf Grund echter rNonve gleichsam in der Retorte ein>en Mustk-Orien-t orzongte, so gelang ihm doch aus dnn'kk'n, Draug-c ein« echte Mili-ettifchiidenulg des Hofes des prachtlietze-n-den Königs Salonw und der Königin von Saba. Der Glanz der Märfchr. Anfstige und Tänz-e, der Lockruf der Astarot, die Feier!ichknt des Ten;Pols »ud sein-er Gesärrge. die Ein« sa-mteit der ivriben gelben Wüste, die magischen Düfte und sinnlich dera.ufchHttdm. Klänge, all das A-ühe-nde Kolorit der rxot'ifch«>l Opern Prin zessin i st erfühlt und nicht er- Niip'u. Eo'iihl, an:- t.r-nt-st".- H-iiitaloxynsucht uu-b* daraus nÄäu sich dar große Crsoig der „Königin von Saica". In ihrem giitzeriiden Orche.stcrge.vanbe. mit ihren unruhig schwülen Sep!im'.'n.u1orb.".i, n,it ihre», weiten Tr-ie-ON- . toppich, nrit ihrer orientalischen Mischung von hvchfte>m Glanz uu-d tiefster Trauer, hat sie die Zeit überdauert, das Meistertverk Goldutarks, der sich nie wieder an einem heimatlicher, Stoffe berauschte und vielleicht dar»»», nie wi-oder die volle seelische Wavnw erreichte. Man schilt heut? „die Königin von Saba" äußerlich, gemacht und Mevladen und übersieht dabei geflissentlich ihre Bühneuwirfsaultoil. die Harnt-ome zwischen Inhalt und Ion;,, zwischen Won Und Tvn, vor allem die sinnliche Macht ihres Melodien-- stvomes und ihre üppige, gerade z>n raffinierte Klungentfalturdg, dic auf spätere Generationen bis zu den j-ingen Italienern hin eingewirkt hat. * Wo sind die Zeiten, da eine Älaterna und eine Will» eitt Walter, Beck und Roülanskh in der „Königin von Sal>r" zufaullnerrwirkten. Heute, nach ßürfzig Jahren, leitet Franz Schall das Orchester — feierlich bis zur Langweile .Herr Duha u singt umde und unsinnlich den König. Herr GrosaveSeu schreit mit seiner umsfigLN Sdinture den Assad. Besser ivar es um die weiblichen Rollen bestellt: Frau Wilddrnnn ist stimmlich ein« majestäti fche Kölligiu, Fräulein Anda Y als Aftarot eine Hövens- Würdigkeit, Frau N e,n e t h, von ihrem italienischen Ur-- lauib heimgekehrt, eine ganz bedeutende Sulamich. Das Eha-bs auf der Bühne, auf der die Gruppen willkürlich hin» und herf'pazi'erten, und das sonderbare Gchopfe der orteinalischen Tänzerinnen, die anifchein-end Äuft hatten, am Kön-igsihof von Jerusalem einen Johann Stranßschen Walizer zu Witzen, verrieten, daß die Staatsoper noch immer des Willensstärken Führers entbehrt, der ihr von einer öder, th’mii.’ten Tradition weg den Weg ins Freie woist. . Erwin Fel bor.

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