Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-03-11 · Heft 2175 (11.3.1925) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2175 (11.3.1925)
Date
1925-03-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981260--22166-3009551
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

dfetfc 6 Wien. Mittwoch Bühne und Kunst. ..Sauft." Deutsches Bolksihealer. — Gastspiel Moisii. Alexander M o i s s i s gr-übch^er. rirrgender, vcrtzwvifelter Doktor Faust in klassisch; f-orn üernitia^cv, l*erftifTitiv: Faust ist weniger als matt. Es scheidet den Sclnnispiekr vom Avmodialtten, das; er nicht in jede Haut kriechen kann, im Wandel der sseiten rnw Lebensjahre aus eitlen bestimmten Kreis Vau Rollen beschränk! bleibt, die er uitfoi „rnmtt", sondern gestaltet. Es adelt Moifsi, denKünstler, daß er atlßerordetttlick ist -- oder schlecht. Bis gur Szene in der Hexenküche ist er herrlich, .den Monolog, das Gafpräch mit Waaner, die Aus-eiuanserkcJ»itna vor dom Perrvagsckbschliuß nnt Mepb'.fw hörte man aus keinem Munde beqiomgcndcr. ddach der Begeg-mma mit Grctchen : nicht er schlechte Cyt'Qur. Faust sitzt in der Gartenlaube neben Gretchcn wie ein votierender Hofmeister, nicht wje ein Liebhaber. Der Eindruck ist ’Mt so peinlicher, als die Partnerin. das neue Frä-n-l-eirf Erna Ludwig, noch unsicher und eckig, aver eckt bis in die F-iriigerspitzen (in Klangfarbe int.b (Hefte an Helene Thimig erirmenrdh von bmgobender Leidenschaft erfüll:, ein rührendes Gretchcn ist. Die jnNge Schausprsleri-n scheint .uns nach dicher ersten Probe «kr sehr beachtenswertes Talent gu sein. Ein amüsanter, au-fgerätk-mler Mephisto gelin-gr Herrn S ch a vto e nk a. Allerdings isi das, was sich als des PudÄ-s Kern präsentiert, eher der elegante Salontousel Franz Molnars, als der dLnonische, verneinende Geist Goethes. JeidcnsaUs eine respektable Leistung. In Auerbachs Keller rat sich Herr Z i e gler hervor und von früher her ist die Pracktleistnug Kathi Tchallers als Frau Marthe bekamtt. Merkwürdig bescheiden, kein hochmögendcr. trockener Schleicher und PhÄister, sondern ein den Doktor Faust liebevoll bewundernder, seiner Unyulängtich-?crt bewußter (also verfcblrer) Waauer ist der des Herrn Skraup. Q.A. Felix Salten über Nene Meuschen auf alter Erde Für den am Donnerstag den 19, d. im Grossen Konzerthaussaale um ys3 Uhr abends stattfindenden Vortrag Felix S a l t e n s beginnt der Vorverkauf der Karten heute Mittwoch den 11. d. in der Zeit von */,12 bis 1 Uhr im Zionistischen Larrdeskomitee,Kärntnerstr. 28 LMpieltheater. „Der Sprung in die Ehe" von Reimann und Schwarz. Dieser harmlos-slotte, überaus sauber gearbeitete, für das deutsche sentimentalische Gemüt bestimmte Schwank, in welchem ein Hagestolz zur Weiblichkeit «bekehrt und zum „Sprung in die Ehe" sozusagen vergewaltigt wird, hat drei Bombenrollen: Dr. Felix Wendland, Professor der Zoologie, einen Spinnenfreund und Spinnenzüchter, den weltfremden, in die Wissenschaft versponnenen, zerstreuten „Fliege! idc-Bl ä t: e r"-Gclehrten; den Hausdiener Friedrich, einen gutmütigen, pfiffigen Spitzbuben vom Stamme der Zavadrl („Lolas Vater"); und den Ausbund von einen: kecken Fratzen, der, ohne „modern" zu sein, schnurstracks auf sein Ziel, die Ehe, losgcht. Heinrich Ne cka m m (Professor) zeichnete bloß eine Silhouette. Josef Hübner (Hausdiener) bemühte sich um die Charakteristik. Doch die Ueberraschung des Abends war Maria Waldner als Charlotte, spitzbübisch bis in die Fingerspitzen, drollig, amüsant. Sie entschied den Erfolg des Abends. Josef Jarno hatte dem Schwank ein flottes Tempo eingeblasen. Das Publikum unterhielt sich vortrefflich, nach dem amerikanischen Schuuerdrama gibts jetzt nn Prater was zu lachen. o, r. Aus den Aeatern. ' B u r g t h e a t e r. Donnerstag „Ein Sommern a ch t s t r a u m". Den Puck spielt zum ersten Male Frau S e i d l e r, die Hermia Fräulein P e r c y. B o l k s o v e r. Heute „E a r m e n". Morgen „G r a-- f i n M a r i z a". Freitag „W e r t h e r". Samstag „P a rs i f a l" mit Laurenz Hofer a. G. DeutlchesBolkstheater. Heute 20. Wiederholung von Shaws „Die heilige Johanna". Samstag nachmittags „Die Jungfrau von Orleans". Sonntag nachmittags „Die 73 Kreuzer des Herrn Stutzelberge r". „Treu, fleißig und ehrlich" und „D i e g r ü n e S ch n u r" mit Hansi Niese. Neues Wiener Stadttheater. Als nächste Neuheit deutsche Uraufführung des Schauspiels „Die grüne Göttin" von Fred A r ch e r. Raimund -Theater. Allabendlich, vrüzise Va8 Uhr „A n t o n i a" mit Sari F e d a k. Samstag, 3 Uhr nachmittags, „D e r P f a r r e r v o n K i r ch f e l d" im Rahmen einer Balajthy-Feier. Bürgert h rate r. Pietro M a s c a g n i dirigiert am 13. d. die 50. Aufführung seiner Operette „I a". Tie en suits-Aufsührungen dieses Werkes können nur noch einige Tage fortgesetzt werden, da die Dekorationen und Kostüme einem Gastspielensemble für Deutschland zur Verfügung gestellt wurden. R o l a n d b ü H n e. Als nächste Novität wurde „D e r u n w i d e r st e h l i ch e Max" von Emil und Arnold G o l z zur Aufführung angenommen. K o m ö d i e n h a u s (E x l - B ü h n e). Infolge Erkrankung dos Direktors Ferdinand Exl und OberspieUeiterS Eduard Köck mußte der Spielplan abgeändert werden. Kammermusik. Wie alljährlich, veraustatteie Frau l'liiui: back- W o.! i c v 5 gemeinsam mit «den Herren B u x «d a u m, P,o l l a l un'ö M o r a v e c vom Buxbaunt-Onarten einen ärammernlusika-bend. In.pen Klavierquartettrn von Dvorak und Schumann fesselte sie durch ihren künst-lerischen Ernst und ihre ausgefMe Technik, überdies brachte sie geirioilksam mit Professor Buxbaum eine Ccllosonace von Otto Siegl zur Uraufführung, in welcher der junge, fruchtbare Komponist neuerlich eine gewichtige Probe seiner Beladung ablegt. —b— Witter MorftenHettvn«. Oesterreichische Keran-Halettod Aktion S. bis 20. März 1025 HEUTE Jüdische Versammlung im Saal des Botet Hletxinger Hof, XM.. Hietzinger Hauptstrasse 22, präzise 8 Uhr abends. Referenten: Frau Anitta Müller-Cohen, Herr Ing. Robert Stricker. Gesellsohafftflabend im Cafe Silier, VacJ Uhr abends. Vortrag Dr. A b e I e s. Achtung! Um 7 Uhr abends, Sitzung des Exekutivkomitees der Keren-Hajessod-Aktion im Saale, I., Kärntnerstrasse 28. Ersohoinon sämtlicher Mitglieder ist Pflioht! Gerichtssaal. Ser Mordvrozeb Bergmeifter. Karl Bergmeifter zu 2V Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der Fall Bergmeifter ist zu Ende. Das Gesetz hat den Mörder für 20 Jahre unschädlich gemacht. Bis zmn letzten AucrenAick bewährte Dieser junge Mensch seine Ruhe und Fassung. Komödie, um abnormale Beranlagung vorzntäufchen? Kaivm. Es ist Die ^lpalhie ur^faßbarer Herziosiaseit. Dkse berspi-Älvse iöitonlai liech lvie ein Alp auf uns. Zu Mille io mit Dem Opfer gesellt sich das MilgefÄhl mit den Ettern des entmenschten Verbrechers. Die Tragödie des Vaters wächst wie ein Schicks«lsbraana empor, wenn er zärtliche Worte heißer AricJtec an Den abtveftnden Sohn richtet und ihn bittet, sein Herz zu erleichtern und Vertrauen zur imermMichen Bacherliebe zu gewinnen, ,md wenn er blutenden Herzens dem Sohn in einam Schreiben an das Gericht unerbiMich gerecht werden muß. „Große Eitelkeit, die Sucht zu glänzen, rckh gegen seine Mittler . „Denken Sie heute über die furchtbare Tat .anders als vorher?" fragt ihn der Vorsitzende. „Ich weiß nicht. Wenn ich sage, es tut mir 'leid, glaubt es m-ir doch kern Mensch aus der Welt." — Bor s.: Warum sollte man Ihnen das nicht gbauibcn? — „Weil das Wort Reue mit meinem bisherigen Leben und mir meinen bisherigen Handlungen nicht in Einklang zu bringen i st." Prof. Dr. Hövel erstattet eilt Mnsangr-eiches psychologisches Gutachten, in denr er ausführlich begrünval, warum der Angeklagte nicht g e i st i g krank, auch nicht ' vorübergehend sinn-esberwirrt war, sorrderu ein vsychopathncher, minderwertiger Mensch ist und die bezeichnenden Eigenschaften eines Gewohnheitsverbrechers aufweist. Er beilegt dieses Gutachten unter airderem auch mit zahlreichen ^learßeru-ngen. die er von dom Untersuchungshäftling Äergmcister empfangen hat. Der zweite Sachverständige Dr. Groß schloß sich dem Gutachten au. . Nack mehreren Fragen des Verteidigers Dr. Teirich, aus die die Sachverstchidiaen antworten, erklärt der Verteidiger: Ich bin in der Lage, ein Gutachten des Vorstandes der Grazer Nervenklinik, Üniversitätsprofessors Dr. Hartm an n, vorzulegen, in welchem dieser im Iahe 1919 an Karl Bergnteister Dementia praecox konstatiert >ll>nld dem Datei dringeich nahelegte, er möge den Sohn in die Irrenanstalt Mauer- Ochlling geben. Gestützt aus dieses Gutachten beantra>gt der Verteidiger die Einholung eines F a k u l t ä t s g u 1 a ch t e n s. Das Gutachten wiüo.dann verlesen. Der Gerichtshof leihnte den Antrag auf Einholung eines Fakultätsgulachtens ab. Hierauf wurde das Beweisverfahren geschlossen. Der Staatsanwalt beantragte die Stellung von zwei Fragen au die Geschworenen auf Raubmord und Diebstahl, der Verteidiger die Stellung einer Zusatzfrage Mts S l n n e s v e r w i r r u n g zur Zeit der Tat. Nach tdreiviertelstündiger Beratung bea.ntwovteten die Geschworenelt die aus das Verbrechen des Raubmordes lautende Hauptfrage mit elf Stimmen Ja und die Schuko frage auf das Verbrechen des Diobstahles mit zwölf Stimmen Ja. Nach längerer Beratung verurteilt der Gerichtshof den Angeklagten zu 20 Jahren s chw e r e n Kerkers, verschärft durch Faste n und hartes Lager vierteljährig. (Bewegung im Zuhörerraum.) Außerdem wurde der Angeklagte Zur Zahluitg von sechs Schillingerl und füris Groschen an die Verwaltung des AllMuneincri .Krankenhauses verurteilt. (Für die Behandlung der Ernwrdeten.) In der Begründung führte der Vorsttzende aus. daß als nr i l d e r n b die bisherige U n b e s ch o l reuh e i t des Angeklagten in Betracht gezogen werden müsse, die allerdings nur dadurch 'bestand, daß sein Vater immer wieder den Schaden gut machte. Außerdem wurde als .mildernd ougcsi'rhrt das volle umfangreiche Geständnis, das jngendl 'i ch e A l 1 er, die pf y ch o p at h i s ch e Veranlagung wird die unrichtige Erziehung des Angeklagten. Ms erschwerend wurde a>n.Mttonrme,l die Konkurrenz zweier Verbrecherr, die Wiederhoiltug der Diebstähle an den Kameraden, die Plmmläßiakeit seines Vovgshens beim Raubmord, seine gchlisjetdllichen Vorbereitungen und die kalte Ausführling der Tat. Der Angeklagte hörte das Urteil ohne mit der Wimperg zucken an. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er das Urteil verstehe, erwiderte Bergmeifter laut und ruhig: Ja. Der Verteidiger mdbetc die Nichtigk« i«tsäe schwerde und die B e r nsu u g au. _ Das Ziichtigungsrecht der Mutter. Die Inhaberin eines Miedersalons, Frau Fanny Bloch, die Mutter bet vor einiger Zeit dtlrch Selbstmord aus den: Leben gcschied.tlerl 24jährigen Elsa Bloch, hatte sich gestern be-i-nt Strafdezirksgericht Voeßcii einer ihrer Tochter wenige Wochen vor deren Selibstiinord allgebl-ich zugefügten Mißhcuchlung zu verantworten. Der Atcklage lag eine Anzeige zugruilde, die der Oberstloutnaltt der Reserve Othmar Gißmann erstattet hatte. Gis'inann Wb an, daß Elsa Bloch, dle er als seine Braut be^ichnete, am 1. Jänner anläßlick) eines Wortwechsels mit ihrer Schwester von chrer Mutter mit einem dicken Krückstock mißhandelt wor- _11 Marz 1925 Rr. 2175 den fei. Der Arzt Dr. Bloch habe, wie der Anzeiger he« Haupt etc, anr Hinterl^aupt der Elsa Bloch eine Bluwoule konstatiert. Die Angeklagte erklärte mit bewegter Stiuvme: habe meine amte Tochter nicht mißhandelt. Einige TaHe bevor sie in das Sanatorium gekommen ist. hal>e ich mit chr esiw Allseinandersetzung gehabt. Wahrscheinlich tvar damals wieidckd der Oberstleutnant Gißmann im SpieI. Meine Tochter war 'damals sehr häßlich gegen nlich und ich!>abe ihr zltvei Ohrfeigen gegeben, ohne sie jedoch zu verletzen." Beim W.'.-,g^cn aus dom Sanatorium, sagte die Angeklagte, habe sie die Tochter sehr zärtlich geküßt. Ihre Tochter habe den Gißmanu kennen gelernt, als sic 10 Jahre alt war. Er habe, obtvohl er verheiratet und Bater von vier Kindern war, ihre Tochter Verfolgt. Schließlich habe sic der Tochter, als btefe erklärte, sie könne von der« Oberstleuttrant nicht lassen, gesagt: 'Dann heiratet euch." Sic sei auch bcreir gewesen, eine Wohnung für ihre Tochter, falls sic heiraten würde. Al beschaffen und «dem Oberstleutnant dite» Betrag von 350 Millionen Kronen, die er seiner Angabe nach als Ä a u t i o u für die Erlangung einer Stelle brauchte, zu geben. Oberstlenttlant Gißmann 'hübe jedoch mit der Heirat gezögert und habe schließlich erklärt, er nrüsse außer den 350 Millionen für die Kaution noch cme M i t fl i f t von 700 Millionen Kronen unte für Wäsche und andere Einrichtungsgcgenftänd? L50 Millionen Kronen bekommen. „Am liebsten", erklärt dir Angeklagte zrrm Schluß, .Hätte ich 'den Oberstleutnant, der die ganze Schuld an dem Unglück meiner Tochter hat. hin-ausgeN'orstm." Uober Antrag dv§ Dr. B a r d a s ch verliest der Richter zwei Urteile in einem Ehrenbeleidigungsprozeß, den ObeMeutuant Gißmann im Jahre J9S1 gegen Frau Bloch wegen des Vorwurfes, daß er ein S ck u f t fei. angestrengt hatte. Das Landesgevicht hatte Frau Bloch bezüglich der Schrnächrng des Oberstleutnants durch die Bezeichnung „Schuft" freigesprochen. Der Freispruch wtlrde damit begründet^ daß das Vorgehen des Oberstleutnauts, der verheiratet und Vater von vier Kindern ist, gegenüber der Elsa Block ein n n ehre n h aste S genannt werdelt nrüsse. Frau Bloch erklärte noch, daß Oberstleiltumtt Gißmunn einrge Tage vor dam iragis,l>eu Ende ihrer Tochter Elsa sich cinec Bekannten gegenüber g.'ältßert habe, „er 'denke gar nicht daran, die Elsa Bloch zu heiraten". Oberstleittuant der Reserve Othmar Gißmanu gab als Zeuge an, -16 Jahre alt und -gerichtlich geschieden zu sein. Aus die Frage des Richters erklärte der Zeuge, daß ct aus eigener Wahrnehimurg nichts von Miß handluugcn der Elsa Bloch durch ihre Mutter wisse. Der als Zeuge verlromrnenc Arzt Dr. Isidor Bloch gab an, daß er ant 11. Jänner eine le-ickt-e. Schwellung am Kopfe der Elsa Bloch koniiatierte, eine kleine Verletzung ohne jegliche Folgen. Die Elsa Bloch, eoflävte der Zeuge, fei eine sehr nervöse und loichr reizbare Frauensperson gewesen. Nach Schluß des Bctoeisverfahrelts hob der Verteidiger in feinem Schlußantrag hervor, daß die Elsa Bloch zweifellos das Opfer des Oberstl-eictnanls Gißmann war, der das Mädchen seit Jahren körperlich, utoralisch und geistig zugrunde gerichtet habe. Der Selbstntvre des armen Mädchens sei auch nur auf das Schuldkonto de- Oberstleutnants Gißmann, zu buchen. Der Richter sprach Frau Fannv Bloch frei, da sine Mißhandlung, wodurch Elsa Bloch an ihrer Gesundheit Schadete genonunetr habe, keineswegs bewiesen sei und das Verabreichen der Fvei Ohrfeigen nicht als eine Uebe r ich reit ung'des Züchtigungsrechtes angesehen wervenkonnte. Rache an dem Verführer. Gestern hatte sich vor einem Schöffenseu-at unter den: Vorsitz des Hofrates Dr. Schn: ewe i ß die Frau Anna Z w a tz l wegen schwerer Köpervcrletzung zu v.'rantwortelt. Sie. hat .den Zuck-erlerzenger Adolf Fürtingcr aus Margareten, der sie in ihrer Jugend verführte und jetzt das Älnsiunen an sie stellte, ihm auch Hre jüngere Schwester zuzuführen, wofür er eine Advckkatursrechmtug für sie bezahl etc wollte, durch einen Revolverschuß schwer verlicht. Sie erklärte, die Tat in großer Aufregung begangen zu haben. Der Gerichtshof verurteilte die ^Angeklagte bedingt zu vier Monaten strengen Arrests. Bolkswitt. Die erhöhten Dlslontsühe. Nachdam letzte Woche der New-Iorker Diskontsatz ■mit ein halbes Prozent, von 3 ans 3,5 Prozent, gchoibcn worden ist, hat nun auch das Divoktorium der Bank v o n E n gl a n d beschlossen, die Bankrate von vier ans fünf Prozent zw erhöhen. Die Evhöhung ist als ein erstes Opfer zu bewerten, das die englische Gcldpolitik dem Ziel zu bringen gedenkt, in absehbarer Zeit den Gold st and zu erreichet. Zu beachten ist freilich, daß die ■ Bewegung des Psulldes zum Dollar keineswegs auf nornrale Ursachen zurückzuführett ist, sondern ihren Grund in der außergewöhnlichen Geldslüssigkeit in.den Bereinigten Staaten hatte, die sich in doppelter Weise äußerte, erstens in der Steigerung des allgemeinen Praisniveatts und zweitens in den außerordentlich hohen Dollavbcträgen, die dem Ausland zur Verfügung gestellt wurden, sei es in Form von Attlechen, sei es in Form Ätrzfristiger Gelder, die man aus dom Londoner Bkavkt unterbrachte, um aus den Zinsdisiferenzen zwischen dem Londoner und dem New-Uorker Platz Älutzen zu ziehen. Es «tag daraus hulgowiasert lverdcrt, daß Keyrres Kürzlich der Ansicht Ausdruck gegeben hat, die en>gli>schc Preisbcwegun>g rechtfertige eine baldige Erhöhung des Balt-ksatzes. Wäre das richtig, so würde das für die Erhöhung des Baicksatzes aus wirtschaftlichen Grültdeit sprechen. Es hatldelt sich in Wirklichkeit um die Entscheidung darüber, ob man das größere Gewicht auf die Stabilität des Pf -lt n d k u r s e s in seiltem Verhältnis zum Dollar, oder auf die Stabilität des inländischen Preisniveaus verlegen soll. Da die Stellung^kr Battk von Englatld dieser Altcrlratioe gegenüber bekannt war, ist es nicht überraschend, daß sie sich für die Maßregeln zur Erhaltung der Stabilität des Pfundes ausjpricht uitb daß deshalb eine Erhöhmlg des Diskontsatzes von chr nun vorgenontmen lvordeir ift. Die zuletzt vorgellolltmelte Diskontechöhung wurde in I tat i eit beschlossen, wo die Emissionsbanken den Eskontptesatz von 5,5 aus 0 Prozent erhöhten. Der Zinssatz für Vorschüsse wurde voit 5,6 auf Och Prozent festgesetzt. Die Verteuerung dieses Diskontsatzes ist nnt öeit letzten Auswüchsen an den italiellischett Börsen in Zusammenhaltg zu bringen. Die Regierung hofft, durch die Versteifung des Geldsatzes einerseits das Spiel an der Börse ein zu schränken, andererseits den K u r 6 d e r Lira durch diese Maßnahme halten ju können. Nun kommt auch aus Prag die Meldung, daß in maßgebenden Kreisen die Absicht.besteht, auch hier den Diskontsatz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.