Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2175 (11.3.1925)
- Date
- 1925-03-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Dien, Mittwoch Nr. f}98 Wiener Morgen-ettnntz 11. Max; 1925 Die Lefterreichs vor dem Böller bundrot. >e««llche «a-ommr». (Ogendiensi der „Vkner Msrgenziiwng*'.) Genf, 10. 'J&Mtj. Heute vormittags hielt der Völker - bundrar seine erste öffentliche Sitzung , seiner 33. Session ab. Alle Mitglieder des Rates waren anwesend. Ter Vorsitzende Chymberlain eröffnet« die Sitzung mit einer Gedenkrede für das verstorben« Ratsm-rtglied, den schwedischen MinisterprästbeMen Brayt i n g. , Hirauf schritt der Rat zur Verhandlung der TaMSorÄnung. In GegeMvart des Vertreters Griechenlands wurde der von B r i a n d.erstattete Bericht über die Aud»> nomi« der Aemter zur Ansiedlung der griechischen Flüchtlinge angeuonnnen. ikt belgische ^ußenmi.nstor H y m a n s berichtete namens des ökonomischen und F i n a.n z k o nt i? tecs. Zur Betuevku.ng des Referenten über die GrünLan^ einer Emissionsbank in der Tschrchö-Slowakel, erklärte Dr. B e n e s ch. daß die Gründung dieser Bank das Ergebnis der larWahri-gru , Kon s.o l i d i e r u n g s-, Politik sei, welche die Tschecho-Dlowakei auf,finanziellem <Äc'tiet betreibe. Namens dos österveichiischcn Komitees referiert« C H a m b e r l a i u dem Rat über die finanziell« Sanierung Oesterreichs. Er erklärt«, daß sich das Kr-lnitoe^die Ansichten und ErnpfMungen des Fina,tzkom'itees zu eigen gebracht hade und ihrer gewissenhaften D u r ch f ü h r u u g größte Bedeuturrg bei,neste, wies, im Verlauf« seiner ÄuSführungen besonders auf die noch Nicht erfolgte Qfc* nerhmigung des B u d g e t s durch das österreichisch« P a t* lament und ans die n och n i cht du r chg cf ührt« n Beschlüsse des Rates vom September hin und betont« die NMvendigkeit der gänzlichen: Durchführung der B e r wa llrr ngs re so r m. Er richtet« di« ernste Mahnung an den österreichiischeu Delegierten, di« österreichisch« Regierung möge di« Durchführung, der Reform mit größerer E,we r g i e betreiben. ' Ter ischecho-slctoakische Außenminister Dr. B e n e s ch wies auf die wirtschaftlich« A n nähe r. ,, n g zwischen^ der Xsch « chü < S ld wa tc i u n d Ce ft e t «« t ch hin und erklärt«, der kürzlich zwischen dev Tscheche-- Slowakei., und Oesterreich abgefchlosfene 'H a.'n v «I & V « i* trag bebaute einen Fortschritt gegenüber der bi-her durch die Umstande ewpvungenen protektionistischen Haltung der Tschecho-Slowakei gegenüber Oesterreich, (kr gab der Hoffnung Ausdruck, der nerte .Handelsvertrag möge vor ollem zur Abschaffung der Mnand Au-suhrdeschtSaruagen zwischen Oesterreich und der Tschecho-Slowakei führen. Chamberlain teilt« mit, daß das Oesterreich- Komitee, des Rates, in einer Resolutüvn di« Berichte des GeneralikonrmissärS Zimmer man und den Bericht des Finanzkomitees zur Kenntnis genommen und sich den Empfehlungen des Finanzkomitees an die österreichische Regierung sowie dam Gutachten des Finanzkomitecs angeschlosten Hab«. Ter italienische Delegiert« Scialoja «Märte, es toerde noch sehr viel guten Willen-.von allen Seiten, insbesondere O e st e r r e ich 's, bedürfen, um das Merk der finanziellen Wiederaufvichtnng Oesterreichs zum glücklichen Ende zu bringen. Ter österreichische Vertreter Pflüg! dankte dem Komitee sowie Dr. Benesch für die tatkräftige Förde« rung k>eS Sanierung^ Werkes. Die nächste öffentliche Sitzung dcS Dölkerbun-bratefindet morgen vonntttagS statt. Der Eintritt Deutschlands in den BSlker» Lund. In einer mehrstündigen, streng vertraulichen Nachmit» tatzssitzung befaßte stch der Rat mit der Note der deutschen Regierung vom 12. Dezencher 1984 betreffend den eventuellen Eintritt Deutschlands ln den Völkerbund. Eine eigentliche Entscheidung wurde nicht gefällt. Die Mitglieder waren jedoch einmütig der Ansicht, daß die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund lie ft nscheNswert sei. Ter Rat werde deshalb in einer Note an die deutsche Reichsregierung darauf Hinweisen, daß die Völkerbundv evsammlung ein von Deutschland ausgehendes Gesuch wohlwollend prüfen werde. WaS die von Deutschland geltertd genrachten Vorbehalte Letref send Artikel 16 d«S Paktes anbklangt, solle die Antwort mit 'auf. die allgemein geltenden Aufnahmabedistgmtgen . hi»' weisem Geste S Ae Henker gegen ihre Auftraggeber. Za« Kurdenaufstand. Ter Aufstand der Kurden bea-nwruck: beso,cker.es p<.üiti« Eckes Interesse dadurch, daß di? Kurden srül^r die zuverlässigsten Stützen des türkischen Regimes waren. T« Sultan Abd ul -damid und der Feldherr Ticke mal Pascha derlvenbeten sie atß ■'*k Ballst recke, jener furchtbaren Armeniermetzeleien. die neben den Judenpogromen die ärgste Schande der mensck lichen Barbarei Hilden. 4!u« erheben sich die Henker gegen die Mstraggobcr. „Times" schreiben über die durch den KurdenauPaud geschaffene politische Lage: „Es jetzt in Angora zugegeben, daß der Aufstand sich auf die drei Bi'.astts Diarbekir, Mamuret rl- Aziz und Gunj erstreckt, und daß er sich tveiter aaSzubreiten drdbt. In welcher Ansde.hnuug diese Ausbreitung befürchtet wind, mag man daraus schließan, daß in ad)t oder neSm Bilds et s am Oberl ans des M-urad Sri, des Ostarmes des Euphrat, der Belagerungszustand vechärrgt worden «ft. Diese BelajvtS sind irridessen -edou-trutz *»««« als die den salben Namen fülirendcu VenwckltnugSgebiete des alten Regimes. da die Republikarver die asten geoyraphischoü G.'biote •crfpltttcvl baberr. Y-nr großen und ganzen ist das n.nter dem früherem Namen Armenien bokanMe Godick der Schauplatz des Aurstandes. Da die Kurden, die diese Gogoivd brtoohrren, keim: Armenier mehr nioderzuimetzeln habm, w fange.« sie au, sich an die Türken zu hÄteu. Die einsigan offiziellen Berichte ivber bent Aufstand sind die Mitc-ilungsn des Ministers des Inm-con au die Presset Ia.mil Boi hat jedoch nichts sehr WcheM-iches zu sagen, außer daß die Regierung Kenntnis -davo-n halte, daß der Auf sta-rd für nää)slen Monat vorbcreii« ivar mtc* daß er durch die Fesilvahnle zweier Verschwörer beschleunig wurde. Tie Ieiluu gen drücken sich deutlicher aus. Sie ber-ick)ten, daß die ge.gcu die Rebcllon a-nsgesanste Gendarmerie zu chn?n ü b e rging. daß ein Sohn des früheren Lnstans Abd ul Hamid die Hand im Spiel hat, und daß der Leite-r des Aufitmrdes, -der Schcik Said, ein Manifest heransoegcibrw hat, in deur er die Bildung einer kurdischen Regierung und die Einsetzung eines neuen Kalifen fordert. Venn diese M:tieülli.n,ge.n stiimnen, so t^at der Aufstand ciite ernste politische Bedeuriu.ng, wie stark oder schwach er auch nmner'vom-militärischen GssichtHzumstn aus sein mag. Cr zeigt,' daß in diestn erstiegenen östl-ichon Bil-ajets ein großer Teil der Bevölkerung mit den von derr Reputbl-likarrern heöbeigeisührtcn Deränivcmlingen u-n-zu-fricden ist und daß sic mit dein repuiblikanischen FundchncintaJatz der Tremmng der Religion von der Republik nickr sinvr.vsranden ist. Tr^er Eindruck wird vern'eft durch die reaktionäre Rede eines Hedfadepuitierten in der. N-ationalveos-anturlung. Die Parier .dvr AMärittrg mvd des ^aienstaates ist berests drbei, n-eue Gef.w« zu sckafson, die perb'.nde.rn -allen, daß die Religion zu politischen Zweckan mißbraucht wird. Es erscheint jedoch fraglich, ob solche Gosetze derrch- Ehrbar und. Politik und Religion sind imt Osten iniwcr umzertreunnck g.wesen mck werden cs jedenfalls bleiben." Kämpfe vor DiarLekir. Angora, 10. März. (.Havas.) Zwei kurdische AbieÄungen stoben Tiarbekir angegriffen und sind mit schweren Berkilsten zurückgeschfagen worden, nachdam es den Kurden vorübergehend golnngen war, in einen Vorort der Stadt ein zu dringen. Die türkischen Militärbchörden geben die Mobilifierung ^?r Jahres?!a>sen 1923 bis 1926 bekannt. Ferner werden alle Türken.der Jahrgänge 1907 bis 1921 des Vilajets Ziwah und der deuawbarren Pilajels unter die Fahnen gerufen. Die gestrandeten Auswanderer. Stephen Wise vor der Einwanderungskommission. Aus New-Nork wird uns berichtet: Unter den Aussagen und Gutachten, die von Vertvclern Vorschiedener Korpora twnett vor der Einwandcrnngskommissi-oil des -Kongresses abg-egsden -wurden, gehörten die Ansführn-tigen von Tr. Swphen Wise. des Präsidenten - des amerik a rr i f ch j ü d i s ch c n Kongresse S, zu den ei-ndruckvollsten und überzeugendsten.. Dr. Wise plädierte vorallem nic die Zulassung der in Europa gestundeten Auswanderer, die am 1. Juli. d. h. zur Zeit des Inkrasttr-nens der strengeren EimvanderungSbLstimm-nngen im Besitzt' des amerikanischen Visums waren. Gr führte im il^stmlichen aus: „Wüßte das ameri'l': nische Volk, welch gransante, unbe« chreibliche Leiden jene Menschen zu erleiden haben, di« daS - Recht hatten, zu glauben, daß sie in u.nskrem Lande unbehelligt Aufnahme finden werden, so würde es vereint mit 'MS Sie eindriuglichst bitten, alles, roas in Ihrer Vtacht liegt, .'nfpioi-eten, daß diesen unglücklichen Geschöpfen, die in den eu'tc'päist.hen Häsen heitnlos umd ohne Zufl-uchtsstätten in f'nswren Räumen zusammengcvserchl schmachten, di: ihnen ohne Zlveisel von jedeni Gesichtsv'.tnkie aus zustehende Errettung aus ihrer uuoerdientelt Notlage möglich ftt'uwchr werde. Tic Erfüllttng meines Appells liegt vielmehr im Interesse der Ehrenrettung des a m c r i ka n i f chc n Geistes des fair Pley. Mögen auch technisch noch so vwke gesetzliche Unterlagen für die Aussperrung gegeben sein, so bleibt es doch Tatsche, daß sie im Besitze einer Bescheinigung sind, die sie als eine Garant:-? für ihre Zulassung in dieses Land mit Recht betrachten konnten.- Als Amerikaner möchte ich nicht wünschen, daß auch nur ein geringer Teil von ihnen gezwungen Iverde, irgond ein mit der Stampiglie oder dem Visum de« ameril:ni'ch?n R-'- gierung versehetreS Dokument wie eine n F e tz e u Papier j-t »eirächten und zu b-werien. Argentinien ist kein gutes kinwanderungsland. Eine jüngst heransgegobene . amtliche Statistik der argentinischen Regierung läßt -den Schluß zu, daß sich Argentinien als Einwaudevungsgebiet nicht bewährt hat. Laut dieser Statistik sind in de-n letzten zehn Jahren insgesamt. 621.229.-Personen a-us vcrschie-dsnen. Gebieten ms Land gekommen. Trotzdem hat sich die Zahl der- Aus-- länder in Argentinien während derselben Zeit verringert. Im Jahre 1914 gab es in. Argentinien 2,309.090 Ausländer, i-m Jahre -1924 bloß 2,200.000. Diest. Ziffern besagen also,-daß in hon letzten Jahren die Rückivan-derung der AuMnder die Zahl der Einwanderer überschritten 'hat- Die Ursache hierfür, liegt offenbar in den ,w i r.t s ch a f t-. lichen Mdingungen-des Landes. Tie Industrie ist noch zu schipa-ck und entwickelt.sich zu langsam, um ein^r größeren Zahl von Arbeitern eine dauernde und sichere Existenz zu bieten. Auch in der Landwirtschaft sind die Verhältnisse nicht bester.. Eini.vandc-ver, . die-sich als - Farmer anstedollt möchten, stoßen' auf Schwievigkeiten, da der, größte Teil des Bodenöositzes Latifundienibesttz ist Mt-d Bödirntei-le nur um teueres Geld zu ihäbsn sind,.-über, das der Einwanderer nur in den seltensten Fällen verfügt, ckbgesehen von den Kosten der Ausrichtung einer netten Wirtschaft. die für den landwirtschaftliche,t Ginwanderer mwrschwinßlich sind. . ' ■' RledeMndischer Noniftenb««-. Haag, 9. Ällärz. (I. T. %.) Anfangs März fand in Utrecht eine außerordentliche Delegiertenkonferenz, des- Rie-deplün^isch-'n Zionisteublindes statt. Einziger Pinckt -der Tagesordii-ung ivar die Wct-hl einer n e n e n B u n de sle i tu ng, llact/X-m das'Präsidium uneec Leitung des Herrn Nchemia de L i e me während der vorigen Konferenz zurückgetr-eteu war und, kein neues Mandat übernchsnen wollt?. Wie .eri-nne-rt-sch,. nahm die Krisis ihren Ausgangspun-kl v-.m einem Konflikt zwischen den, holländischen Ker-m Haiestod und den, Zioniston-bund, wobei Dr. Weizmann gegen die Btludcs'eitung eingegriffen halbe» soll. Das hatje den Rücktritt des Präsidiums des Bundes zum Anlaß. ' Tie Konferenz in-Utrecht wählte nun Herrn Dr. A. van R a a l t e (Auisterdam) zum Bundespräsidenten. Es wurde eine Resdlutien angenonnuen, daß die Propa-, ga uda u n-d die A r he i t f ür Palä st i na die Hauptausaat? der neuen Leitung fei, die men -die Unterhandlungen mit den« Kuratorium Keren Häje'ssod wieder auf--- pluehmen haben wirbt - ' - - ' - Aus dem Monaltat. Embringung des VoldbilanzengesetzeS. — Kein Mieten» ausfchuß. Der Nationalrat hielt gestern sine kurze Ge» fchäftSfitznng ab, in der mrter andcre»n der Vertrag mtl Ungar» zur Vermeidung der Doppelbesteuerung, das GoldLilanzengcfetz und die E p i d e m i e g e f e tz n o v e l l e elngebracht wurden. Die Tagesordnung wurä ohne Debatte erledigt. Neben ein-m Antrag auf Förderung der Dan-deskultur nahm das .Haus auch noch den Staatsvcrtrag mit der Schweiz über die Rhk inregu'lierung. die N o v e 111 z u m B o r k r i c g s - s ch u l d e n g e s e tz und den Vertrag mit der Tschecho- Slc'.rakei über die R e g e l u n g d e r i n österreichisch' ungarischen. Kronen entstandenen Berb in dl i chke i ten an. Nach diesem Vertrage wird den tschecho-slotvakischen Gläubigern für jede Krone an Borkricgsfchu'lden ein Betrag von 0,35 Goldheller vergiltst. Nächste Sitzung morgen um 3 Uhr nachmittags. In der O b m ä n n e r k o n f e r r n z, die vorher abge». halten tvurde, ivurde die Vereinbarung getroffen, in der RationalvatSsitzung mit der Beratung des Bundesvoranschlages zu begrünen. Weiter wurde vcveinbart. Freitag und sodann immer von Montag hiS Freitag, mit Ausnahme des 25s d., der auf einen Feievtag fällt, Plenarsitzungen aibzuhalien. Diese Sitzungen sollen Montags von 3 bis 7 Uhr. sonst von 11 bis 7 Uhr, dauern. Da alle verfügbare Zeit für die Nattonalratösttzungen benötigt wird, wird in den nächsten Wochen ke i n e Si tz u ng des M i e te na uSschnsses — die heutige ausgenommen — mehr stznt. finden können. , _■ Bor der Maderkonferenz. Um ein einheitliches Vorgehen in der Länderkvnserenz, die heute Zusammentritt, zu erzielen, versa-mmolten sich gestern km Buickeskanzleramt die Landeshauptleute und Land'eSfinanz-- referenten der MohrlieitSparteien. Die Regievung hat den Lärckervertretern in der Borwoche bereits eine bleche von Entwürfen, für die sie die Bovsancktion der Lä,cherkonsere,rz einholen will, unterbreitet. C inhe itliche Anschauungen -über die Reform der Verwaltung in den Ländern sind auch zwischen den M-ehrheitSparteien nur schwer herbe,' znf üh r e n, da die Großdeutschen Gegner der von den Christlichsostalen geforderten Berländerung der Verwaltung s b e a n, t e n sind; dies vornchrnlich auö ztvei Gründen: Sie befürchten nämlich, daß die Landeshauptleute in Hilckunft nur ch r i st l i ch f a z i a l e Beamte ernennen tverden, «,ck -schließlich müssen*6u' Großdeuvschen doch auch auf die Wünsche dcr Beamten s'Mt.Rücksicht nehmen, welche sehr gewichtige sachliche Bedenken gegen ->!c Berländerung der Politischen Brr- '".iltnng dvr-brinLSM Hü mmm