Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-03-11 · Heft 2175 (11.3.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2175 (11.3.1925)
Date
1925-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981260--22161-3009546
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

jPoien; 2U erom [ Wien: Zum Abholen in der Expedition, 11.. Taborstr. 1-3, oder in einer .Verschfeisstellc 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, Wollzcilc 11 Mit Poslversand fiir Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschccho-SI ow a k c i: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. -1 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Wiener oroenreituna Nachzahlungen bei P r e I *• crhAhanleo rorbehalien Rr. 2175 «Bien. Mittwoch. 11. MSr, 1925 IliraU «O a l England: Mon. 4 Schilling, Ital I cn: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, n.Taborstr.1 Telephone: 4-1-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6*8 (Druckerei lg. Steinmauer, Oesterreichisclics Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. ftaftrnong kin Minister, der mit Pogrom droht. Boß warnt vor der Wendung «ach links. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 10. Miez. VolkSwohlfahrtsmintster Josef Baß hielt Sonntag in einer Wahlerversammlung eine Rede, in der er eine „Warnung nach links" ergehen ließ. Der Minister führte aus, daß die ungarische Regierung seit 1921 gewaltige politische Opfer im Interesse der Konsolidierung und des inneren Friedens gebracht habe. Das Ergebnis der Konzessionen der ungarischen Regierung ist, daß die sozialdemokratische Fraktion 25 Mann stark in das Parlament eingezogen ist und daß die Juden sich ohne Furcht in den Straßen bewegen können. Die Regierung hat damit vor den christlichen Massen einen großen Prozentsatz ihrer Popularität eingebüßt. Er selbst, erklärte der Minister, stand infolgedessen lange Zeit als Verräter vor der christlichen Bevölkerung da. Das I md e n t u m, das immer aggressiver zu werden beginnt, möge diese Tatsache verstehen und einsehen, daß es für alles, was geschehen ist, D a n k b a rkeit und ruhiges Verhalten schuldet. Ae Feme wird nicht verfolgt. Budapest, 10. März. Bür einiger Zeit erregte, der Selbstmordversuch des Kronzyrgen LM in Budapest. Kiß Hatte in einem Brief an die Pötizei angegeben, daß er aus Angst vor den Verfolgungen und Todesdroh«ng e n d e s B l u t g e r i ch t e s der Erwachenden Ungarn in den Tod gehe Franz Kiß hat sich mittlerweile im Spital von seiner Verwundung so weit erholt, daß er wiederholt einvernommen werden konnte. Franz Kitz weigert sich jedoch standhaft, der Polizei diejenigen Personen namhaft zu machen, die ihn am Leben bedroht hatten. Kiß erklärt daß er auch heute noch eine' solche Angst vor dem geheimen Femgericht der Erwachenden Ungarn habe, daß er nicht gewillt sei, sein Leben durch eine Aussage gegen die Erwachenden neuerdings aufs Spiel zu setzen. Da die Oberstadthauptmannfchaft infolge der verweigerten Aussage des Franz Kiß keineMogl i ch k e i t h a t, die Drahtzieher des rechtsradikalen Blutgerichtes auszuforschen, hat sie nunmehr jede weitere Untersuchung in der Angelegenheit des Selbstmordversuches des Franz Kiß eingestellt. Bethlen braucht da« Aurland nicht mehr. Denn Geld hat Ungarn schon bekommen. Budapest, 10. "März. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) me Einheitspartei hielt heute zur Verhandlung der Mahlresonn eine Konferenz u-b. Ministerpräsident Graf Bethle n legte die Gesichtspunkte dar, die die Regierung bei der Schaffung der Vorlage geleitet halben, und führte u. a. aus: Die .reichen westlichen Staaten sind schon reif für die weitest- -gehende Auslegung der Demokratie, in'Ungarn.aber erlaubt es iveder die kulturelle noch die politische und wirtschaftliche Entwicklung, diese Idee gesetzlich zu incnrtikulieven. Ungarn darf nur bis zu der Grenze gehen, wo seine Existenz gefährdet würde. Nur um die Anerkennung und das L o b d e s A u s l a n d e s zu erlangen, können wir keine Opfer bringen. Völkerbund und jüdische Wanderung. —y. Wien, 11. März. Der 33. Session des Völkerbundrates, die vorgestern in Genf begonnen hat, liegt ein umfangreiches Programm vor, das eine Reihe schwerer Sorgen des Weltnotstandgebietes zu einem stacheligen Klumpen zusammenballt. Alle Teile dieser Tagesordnung sind fast unlösbar und unentwirrbar miteinander verbunden, und der Rat wird auch diesmal nichts anderes tun können, als empfehlende Resolutionen zu beschließen, weil er der Schwierigkeiten, die in dem Mißtrauen militaristisch! orientierten Mächte gegeneinander und unter den Hetze-' reien der staatspatriotischen Chauvinisten liegen, nicht Herr werden kann. Nur in einem Punkte, in der Angelegenheit der Umsiedelung der kleinasiatischen Griechen ist auf einen erfreulichen Erfolg internationalen Zusammenwirkens hinzuweiscn. Der Warschauer Senator Dr. Ringel hat letzten Sonntag in diesem Blatte eine instruktive Darstellung dieses Problems und der Art seiner Klärung gegeben und er hat im Zusammenhänge damit aus die Möglichkeiten hingewiesen, die sich hier für die Lösung der Frage der jüdischen Wanderung erobert. In dem Arbeitsprogramm der gegenwärtigen Session des Rates ist tatsächlich ein Bericht des autonomen Siodelnngsamtes für die griechischen Flüchtlinge vorgesehen, denen im Wege einer vom Völkerbund eingeleiteten Aktion eine Anleihe von zehn Millionen Pfund Sterling zur Verfügung gestellt worben ist. An diesem Exempel, ist zu erkennen, daß es doch möglich ist, einem Elelidsprobldn durch solidarische Einwirkung auf^ deü Geldmarkt wenigstens für die erste Zeit beizukoinmen und die Apbeitsenergie selbst verarmter Massen ' als vertvendbare Grundlage für eine Kreditaktion zu nehmen. Der^ gleiche Weg cä>er ein ähnlicher muß für die jüdischen Wanderer beschritten werden, deren Schicksal nach dm initiativen Intervention des Völkerbundes ruft. Es gibt nichts, was dieses Forum von hoher moralischer Autorität aus dieser Verpflichtung lösen könnte. Die tausende jüdischer .Heimloser, die in allen Häfen der Welt, in allen Auswandevungslagern aus Befreiung aus ihrent Elend warten, sind schuldlos an ihrer Lage. Sie sind Opfer der chauvinistischen Bestialität, die sich nach dem Kriege in allen Ländern cmsgerichtet hat und ihre Mordinstinkte an den Wehrlosen kühlt. Sie sind gequälte Zeugen für die Blindheit und die Unvernunft der Regierenden, die es mit Achselzucken dulden, daß den Juden in ihren Wohnlänldern die Wurzeln ihrer wirtschaftlichen Existenz durchschnitten werden. Sie sind das Objekt, dein der europäische Pöbelsmn bis über das Meer gefolgt ist ulld denen er das Tor der Freiheit mit Paragraphen verrammelt hat. Wenn der Völkerbund eine moralische Autorität ist, dann muß er die Schuld der Gesamtheit erkennen und wenigstens so weit gutmachen. daß er das Leben der Irrenden rettet und diese Menschen ohne Land in das Land ohne Menschen bringt. Und wemr der Völkerbund nicht aus feiner eigenen Erfassung der Frage ihre Lösung in Angriff nimmt, dann muß er durch die jüdische O essen tlichkeit dazu veranlaßt werden. Die jüdischen Organisationen der Anhänger der Bölkerbundidee werden die Gelegenheit wahrnehmen, auf diese blutende Stelle des Friedensshstems hinzuweisen. Die Kulturwelt darf nicht mit dem Vorwurf verschont werden, daß sie an diesen Unglücklichen täglich die schlimmsten Verbrechen geschehen läßt, und es darf ihr nicht vorenthalten werden, daß sie sich zu einem Eingreifen entschließen muß. Es kann kein Gegenargument bilden, daß man hier oder dort nationale oder religiöse Empfindlichkeiten verletzt und daß es doch nur Juden sind, die da zwischen den Grenzen zugrunde gehen oder von kubanischen Menschenhändlern ausgeraübt wevderl. Hinter den griechischen Flüchtlingen steht die schwächste der europäischen Regierungen und sie hat es trotzdem erreicht, daß den Opfern einer gottlosen Politik ge-holfen wird. Hinter die jüdischen Wanderer stellt sich das jüdische Volt. Es wird nicht dulden, daß das antisemitische Gesindel tausende jüdischer Menschen heimtückisch verderben läßt. Seb« Mandate der Radir-Partei annalliert. Budapest, 10. März. Das Un.g. Tel.-Korr.-Bur. meldet aus Belgrad: In einer gestern abgchaltonen Sitzung hat der M i n i st e r r a t beschlossen, aus Grund des Gesetzes zum Schutze des Staates die M a n d a t e jener Führer der kroatischropuiblikanischen Bauernpartei zu annullieren, gegen die Beweise vovliegen, daß sie eine unzulässige .Verbindung mit Moskau aufrecht erhalten hatten. lieber die änderen Mandate der Partei wird die Regierung wahrscheinlich im Lquse des heutigen Tages eine Entscheidung treffen. Der Beschluß betrifft zehn Mandate; in den betreffenden Kreisen sollen N e u w a h l e n ausgeschrieben werden. Kn Attentat aas Hnso Bettauer. Dev Schriftsteller schwer verletzt. — Der Täter ein Äljähriger Zahntechniker Otto Rytstotk. Gestern nachmittags gab ein junger Zahntechniker, Otto Rot st o k, 5. Bez., Jahngasse IS Wohnhaft, in der Redaktion der „Bettauerscherr Wochenschrift". 8. Bez., Langegafse 7, auf Hugo Bett au er aus einer Frommer- Pistole fünf Revolverfchüsse ab. Hugo Bejtauer brach schwer verletzt zusammen. Auf der Klinik Hochenegg wurde sofort eine Operation an ihm vorgenommen. Eme Kugel durchbohrte die Lever. Der Attentäter wurde in Hast genommen. (Näheres im Innern des Blattes.) Dar Urteil aegea den Raubmörder Bergmeister. Zwanzig Jahre schweren Kerkers, .Karl B e r g m eiste r, welcher aus dem Karlsplatz d'.e Beamtin Berta G e i s l c r ermordet hat, wurde uiuf Grund des Verdiktes der Geschworenen, «welche dir Hauptsvage auf Raub m o r d mit elf Stimmen bejahten, zu zwanzig Ia h r e n f ch were u K e r k e v s verurteil. (Ans-sühr-licher Bericht über den Schluß der Verhandlung agif Seite 6, Dr. Marx wiener zum grtwKwjtn M«:;rerpröfidenten gewühlt. Berlin, 10. März. Bei der heutigen Wahl »des Ministerpräsidenten im preußischen Landtag wurden ün ganzen 443 Stimmen abgegeben. Davon waren 222 Stimmen aus Dr. Marx entfallen. Dr. Marx ist somit zum preußischen Ministerpväsidenten gewählt. Dr. Marx tüivfte ein sogenanntes überparteiliches Kabinett Mlden, das er Donner s tag dem Preußischen Landtag vorstellen will. Der gemaßregelte llnterhaurdevutierie. Der Ausschluß zurückgezogen. London, 10. März. (Reuter.) Das Unterhaus hak einen Antrag B a l d w i n s angenommen, wodurch die. Maßregelung des Abgeordneten Kirkwo o d aufgeh o b e n w i r d. Der Zloischeu fall vom letzten Donnerstag erscheint hiemit bei gelegt. Ae Patriarchenfrage. Die Türkei lehnt den Schiedsspruch deS BMß»t«tzche» ab. Genf, 10. März. (Tvl.-Komp.) Der türkische Außenminister hat an das Geueralsekretartat des Völkerbundes ein Schreiben gerichtet, worin er erklärt, daß die türkische Regierung nicht in der Lage sei, sich in der Frage des griechischen Patriarchen von Konstantiuopel vor dem Völkerb tt tt d r a t vertreten zu lassen und daß sie diese Angelegenheit als eine reut t tut c r c Frage der Türkei ansche, die übrigens schon auf dem Weg z u r Lösung sei. 2er ungarische Wahlreformausschu». Die Opposition entsendet zwei Mitglieder. Budapest, 10. Mörz. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die Na» tionalversammlung wählte heute die Mitglieder des zur Verhandlung der Wahlreform entsendeten 2öglicdrigen Sonderausschusses. Es wurden auch jene beiden Abgeordneten in der: Ausschuß gewählt, die von dein in der Passivität befindlichen Link sblock nominiert wurden. Es sind dies die Abgeordneten B a z s o n y.i und Dr. S z i l a g h i. Wichtig«rMessebesucher um Stoffe, Seiden- und Leinonwjjren zu aussotgewöhn'ich billigen Preisen zu kaufen, ist der Besuch bei Kann & Fried TI. Linke Wienzsiie 4u (ini Hofa) l

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.