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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-10 · Heft 2174 (10.3.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2174 (10.3.1925)
Date
1925-03-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«kW * Men. MnSKrg tPftnet ftfotftvirjftffitvtft. Re östeneichttche Keren'Sajesiov' Hottern hat in Men die neu« Aktion für den Keren Hajessod begonnen, welche bewirken soll, daß die Beteiligung der österreichischen -Anden an dem wichtigsten Fknanzinstrnmcnt des Palästinaaufbaues in einer ihrer Bedvu-tmpg und Finanzkraft entsprechenden Höhe erfolge. Ungefähr 4 OOjüdischeMännerundFraucn haben sich in den Dienst dieser Werkes gestellt. Gestern fand eine Konferenz der Keren- H a j e s s c> d - Z e i ch n e r statt, hei welcher der Präsident des Zionistischen LandekEomitees, Herr Dr. Jakoib Ehr- - i ch. den Vorsitz führt« und Herr Oberrabbiner Doktor CHajes in eindrucksvollen Worten zu eifrigster Arbeit für den Keren Hajessod ermahnte. Herr Kommerzialrat Max Klein (Mödling) wies darauf hin, wie gering bisher der Anteil der österreichischen Juden an dem Ausbauwert« war und daß gewiß ebenso wve auf ihn auch auf andere Besucher von Erez Israel die Tatsache, daß man von der Mitwirkung der österreichischen Judenschast an dem Kolonisationswerk so wenig merke, einen ebenso peinlichen wie beschämenden Eindruck gemacht habe. Herr Dr. Otto Abele s besprach die Vorarbeiten der AMon und die Aussichten der Werbearbeit, die günstig sind, tocrnt überall mit demselben Eifer gearbeitet wird wie in einzelnen Bezirken und-wenn sichdie führenden Männer und Frauen für die persönliche Propaganda zur Verfügung stellen. Herr Dr. JÄk>b Ehrlich wies m seinem Schlußwort insbesondere darauf hin, daß noch vor dem 14. Hionistenkongreß, der wahrscheinlich in Wien statt finden werde, eine ansehnliche Erhöhung der österreichischen Krren^HaTesicid-Leistungen erzielt werden müsse, weil die gegeniivärtig geleisteten Beitrage, für die österreichi>'chsn Zionisten und darüber -hinaus für das Wiener Judentum blamabel sind. Unter dem Eindruck dieser Ansprache, insbesondere der des Präsidenten des Zionistöschen Aktionskomitees, Herrn Dr. CHajes. welcher den Wunsch aulifprach, er möchte noch vor seiner in den nächsten Tagen erfolgenden Reise nach Erez -Israel die Beruhigung haben, daß eine ernisöliche Besserung zu verzeichnen ist, wurden an Ort und Stelle zahlreiche Erhöhungen der einzelnen Keren-Hajesscd- Lcisiuugeu vorgonommen. » Wie uns die Zentralstelle des österreichischen Keren Hajeffod berichtet, sind die dort gemeldeten Teilergebnisse in einzelnen Bezirken, insbesondere im Pratersprengel und im 9. Bezivk, dank der ausipsernden Tätigkeit der Leitung und der Mitarbeiter g ü n st i g. Die Leiter der AUHt fordevir eine größere Zahl von jüdischen Frauen und Männern, »velche sich für Besuche zur Verfügung stellen. An anderer Stelle der heu«tigrn Ausgabe sind nochmals die Namen der Leiter der Aktion in den einzeln e n B e z i r k e n a n g e f ü h r t. Es ist zu hoffen, daß sich sofort alle diejenigen, die von dem Wunsch« bepelt sind, daß sich der nottveMge Erfolg einstellt, u »Verzuglich bei den genannten Leitern ihres Bezirkes zur freiwilligen Mitarbeit melden. MS Auftakt für die österreichische Keren-Hahessod-Mtron fand Sonntag eine Anzahl von Massenversam-mluingen rmd Mitteilungen ans dem Publikum. Hansi Berger Otto Berger geh. Krau» Vermählte Wien, im MSm 1925 Kultus- und Justiz-Tnlare und Baretts erhalten Sie vorrätig oder nach Maas bei der bekannten Spczialfirnta RUDOLF GOLDSTEIN, autf"“* Grosses Lager feiner Stoffe ffir Msssftestetlange* Tmu 4S O-SO WtBff, II. TABOMTRAStl «4 Qfnr. iojo ADOLF TARLER Wien, l, Kohlmessergasse 6 ZUR MESSE Hofburg Saal O Koje 5332 Sächsische Strümpfe und Handschuhe En gros Export Kundgebungen statt. Ueberaus eindrucksvoll ivor die B o rführung deS FilmS im Flottenkino (Maviahi'scvstroßc). die von der Zionistischen Sektion für die Bezirke 6 bis 8 veranstaltet wurde. Lange vor Beginn war der große Saal dicht gefüllt. Kaum di« Halft« der Erschienenen konnte Einlaß finden. Herr Dr. Otto A beleS hielt den einleitenden Vortrag u.ii,d Herr Bezirksrat A-urel Engel forderte zur Arbeit für den Koren .Hajessod sowie zur Pflichterfüllung gegenüber dant Pa-lastinaaufbausonds auf. Beide Ansprachen hatten starken Widerhall und der Film selbst er.ziel-1« wieder außerordentliche Wivkung. Im Saal« des Vereinsheim's in der Iungftmßc fand Sonntag abends e'u jüdisches Meeting statt, bei ioelchcm der Mzepräsident der israelitischen Kultusgemein-de .Herr Dr. Josef Lvwenherz. ferner die Herren Dr. Israel Taubes und Dr. N. M. Gelber Anfprachrn -hielten. Die Leiter der Arbeit int PrabersprenAel machten die crfwuliche Mitteilung, daß bereits im Laufe des Sonntags 15 Prozent der Ke r c n-Ha je sso d-Ze i ch n e r des Praters mit gutem Erfolg von den pflichteifrigen Mitarbeitern der Aktion er solare ich ausgesucht wurden. 10. «k, INS_Nr. 8174 •Siatm eifcRlattuMgiitt Nt Sntntft. 12 Reservisten tot, 28 schwer verletzt. Einem Bukarest«« Te>legm.umr .des „Az zufolge hat sich gestern tn der Nahe vonBukarestoin schweres Eisenbahnunglück ereignet. Infolge falscher Ds'.chenstelltmg stieß ein ans KoirstMH koninrender Güterzug nr'it einem ZvstevmriM Kusanmnen. Dem GüttMg war oin P e r s o n e n w a g g o n abgeschlossen, in welchenr 40 zu Waffenübungen cintbemfem Reservisten ressten. Dieser Personenwagen tvurde durch di? Gewaßt des Zufammentstoßes vollständig zertrümmert. Bon den Reservisten wurden 12 alS Leichen geborgen, die übrigen 2 8 w u rde n in schwer verletztem Zustand in das Buikarestcr Spital eingck.'efert. Kriegsminfter M a rdareSen ist sofort nach der Nngkücksstätte aibgeveisL 14 Güter- und ZisternerMiaggoirs «rmd «ine Lokomotive wurden vollständig zertrümmert. Der W e i ch e n w 5 r t e r, der das Unglück Vevschuildet haben soll, ist geflohen. Schändung einer Synagoge in Riga. Thorarollen zerrissen und ans den Bode« geschleudert. Riga, 9. März. (I. T. A.) Unter der Iudenschaft RigaS herrscht große Alvsregittdg über eins» unechörten Mt der Schändung, dem das Betih-M rdrasch in der Rovalergasse zum Opfer gefallen war. Ms der alte Synagogendiener morgens das BethauS betrat, bot sich ihm ein schauderhafter Anblick dar. Die BundrÄade war ausgerissen, die Thorarollen lagen zevfeht auf dem Boden, die gesamte innere Einrichtung war vollkommen demoliert, die Dpendenbüchsen anfgebrochen, sänttliche Fenster scheiben erngefchlagen. Außerdem war der Fußboden ans eine ekelerregende Weise baschmiutzt worden. Der Bethausdiener verständigte die Polizei, die sofort eine energische Untersuchung begann. Man fand nn Betsaale einen Hannner, der einem benachbarten Schlos s e r gehört. Dieser aber erklärte, er habe nichts mit der Sache zu tun, der Hammer sei chip entwendet worden. Der Sejmdepirtierie Rabbiner Du bin hat den Jnnenminsster von dem Vorfall unterrichtet. Es wurde die energischeste Untersuchung versprochen. Wie erinnerlich, wurde vor einigen Wochen an einem Freitagabend ein Handgranatenattentat gegen ein Bethaus in Riga unternommen. Die Granate explodierte und demolierte das Innere des BechauseL. Zum Glück waren Mewschenlleben nicht zu beklagen, da die Explosion bald nach Schluß der Abendandacht. als die Andächtigen die Synagoge bereits verlassen hatten, evfoLgt war. „Neue Menschen auf alter Erde." Unter diesem Titel Mt am 19. d. der bekannte Publizist Felix Salten, der vor kurzem von seiner Palästinavris« zurückgekehrt ist, im Großen Kongortha-u'ssaal einen Vortrag Mer feine Eindrücke in Er«; Israel. Karten i>m Vorverkauf ab 10. d. in den ziowstischon Bureaus, 1. Bez., Kärnlnerstraße 28, Telephon 774-85, 86. -r- Die Le-iiung der Keren-.Hujessod-Mtion in der Leopoldsta dt beruft alle Zionisten, die über Zeit und guten Willen verfügen, auf, sich zur Mitarbeit zu melden. Täglich bis 6 Uhr, 2. Bez., Zirkusgasse 33, ab 7 Uhr a-bcrvds 2. Bez., Taborstraße 46, Casihotel 'Sächsischer Hof. -f— Cxploston in einer G^mrgoge in Transfylvanien. Die Synagoge der StM Salojkraszna in TranS» sylvanien wurde am 3. d. durch eine Gasexplrsion voMommen vernichtet. Das Gebäude samt Inneneinrichtung brannte bis ans den Grund ab. Nur die Thorarollen konnten-gerettet wer- - den. Der Synagogendiener und einige Andächtige erlitten schwere Brandwunden und ringen mit dem Tode. Die Aerzte geben keine Hoffnung, daß man sie am Leben «chatten kann. * TÄesfall. Montag nachts ist der Expcditionslbecmlte der Amtlichen Nachrichtenstelle Rudolf Kirchvauer vm 57. Lebensjahre gestorben. Die Amtlich« Nachrichtenstelle verliert in ihm einen braven, pflichteifrigen technischen Mitarbeiter. Das Leichenbegängnis findet - morgen in Stammersdovf statt. Das Wunder des Sftherbucher. Bon Matthias MieseS (Przemhsl). Es ist eine Anomalie, die durch den Mangel an jüdischen Akademien und durch das Fehlen reich fundicrrer, jüdischer, wissenschaftlicher Institute, die es den jüdischen Gelehrten ermöglichen würden, von Brotsorgen frei, sich der Forschung zu ergeben, zu erklären ist: daß die Wissenschaft des Judentums, die Bibelforschung im großen und ganzen eine Domäne von Menschen anderen Glaubens, anderer Nation, anderer Vergangenheit ist. Der Schwerpunkt der Wissenschaft der Bibel, der Geschichte und der Religion Allisraels befindet sich gerade in jenem Lande, lvo der Judenhaß seine größte, seine tückischeste, seine böswilligste Ausbildung erlangt hat. Tie von den Allophhten gepflegte Wissenschaft Altisraels ist, mit geringen Ausnahmen, eine von vorausfctzungsloser Objektivität weit entfernte Tendenzforschung zur Herabsetzung der Vergangenheit des jüdischen Volkes. Mit einer sadistischen Genugtuung wird hier, wie sonst auf keinem Gebi.t des meniMichen Wissens, bei weit zweifelhafterer Ueberlieferung am geschichtlichen Sachverhalt gewütet. Die Bibel wird zu einem recht späten Flickwerk herabgedrückt, die Religion Israels mutwillig und seicht auf Grund einiger mißverstandener Jndizienstcllen in- Monolairische entstellt, die den Phöniziern, den Kulturträgern des Altertums, benachbarte Kultur der alten Hebräer ins Beduinische karikiert, große Partien der jüdischen Geschichte werden von Historikern, bereu Horizont nicht über chr angestammtes Schneckengehäusc hinausreicht, geleugnet, zur Fabel gestempelt, inS Mythologische gezogen. Als Exempel dieses auf Judenhaß aufgebaute» Wissenschaftssystems diene unS das Verhalten der meisten Bibelforscher zu dem in der E st Herr olle berichteten Wunders der Errettung Israels von der durch Haman, den Vizekönig des Perserkönigs Artaxerxes, heraufbeschworenen Gefahr der Vernichtung sämtlicher jüdischer Einwohner des mächtigen Achämenidenreiche». WaS wurde über dieser Esthergeschichte von ernst sich gebärdenden Gekehrten in ihrer kritischen Wut zusammengefaselt und ins Blaue hiuein kombiniert! Persien, Babylonien, Assyrien mußten Parallelmhthen liefern. Die biblische Schrift, die uns die Nachricht vom Estherwunder bringt, wurde als ein um drei Jahrhunderte jüngeres Falsifikat hingestellt, das aus der Zeit des Makkabäeraufstandes herrührt. * Was veranlaßte die Dibelkritiker dazu, der Estherrolle die Wahrheit abzusprcchcn, das Buch selber in seiner Entstehungszeit herabzudrücken und den Inhalt aus der Vorstellungswelt fremder Nationen herzuleiten? In der Estherrolle selber kommt kein Wunder, kein übernatürliches Geschehen vor, nichts, was dem normalen Verlauf der Dinge widerspricht. Aber der Judenhaß zur Zeit des Artaxerxes, der wütige Vernichtungswille Hamans, ist das kein Anachronismus? Haben etwa spezifische Judenverfolgungen vor dem hellenistischen Angriff der Selenciden auf Israel irgendwo stattgefunden? Ist Haman nicht ein in die persische Vorzeit versetzter Antiochos Epiphanes? Höchst unrichtig. Der Judenhaß ist keine griechische Erfindung. Der Judenhaß ist zweifellos so alt wie der Separatismus der jüdischen Religion; geradeso wie der Haß der heidnischen und sonstigen nichtchristlichen Welt gegenüber den Christen (der sich in blutigen Verfolgungen der Bekenner Jesu im alten Römerreiche, im Perserstaate der Sasianiden, im Imperium der Osmaneu, im neuzeitlichen China austobte) das Licht der Welt an dem Tage erblickte, als der Glaube des Nazareners eine selbständige Lehre sein wollte; geradeso wie der Muhammedanerhaß der Christen, der bis in die jüngste Neuzeit zu grauenhaften Drangsalierungen der Anhänger des Islams führte, nicht unt einen Tag jüngex ist als das erste Zusammentreffen dieser beiden monotheistischen Weltreligionen. Ebenso fing die unglaubliche. Leidensgeschichte der im dritten Jahrzehnt des IS..Jahrhunderts jm freien Amerika entstandenen Sekte der M v r m o n e n gleichzeitig mit der Verkündigung der netten Lehre an. Ausdrückliche Belege für den Judenhaß in vorhellenistischer Zeit gibt es nicht wenige. Nur die wichtigsten seien herausgegriffen. Die zu Elephantine vor wertigen Dezennien gefundenen Papyri belehren uns, daß schon im 5. vorchristlichen Jahrhundert ägyptische Priester in dieser südlichen Stadt des Nillandes einen Juden Pogrom veranstalteten, wobei das dortige Heiligtum der Juden schwer mitgenommen wurde. Die Juden dürften in alter, frühantiker Zeit ein marannen- Haftes Dasein geführt haben. Vielsagend ist, daß den Töchtern Jethros, nach dem Bericht des Exodusbuches (2, 19), Moses als ägyptischer Mann erscheint. Der im 5. vorchristlichen Jahrhundert lebende Historiker und Globetrotter Herodot, der in seinen Historien mehrfach die Gelegenheit hatte, von den Juden zu berichten, kennt sie bloß als Syrer, die sich beschneiden, oder als Fischesser, die zu Elephantine wohnen und eine dem Abessynischen verwandte Sprache reden (3, 19). Die Tatsache, daß die Juden es für nötig fanden, Alexander den Großen um die Erlaubnis zu bitten, sowohl in Palästina wie in Medien nach ihren Gesetzen leben ztt Kursen, worüber uns Josephus in seinen Äliertütnern berichtet (11, 8), spricht Bände. Es hat den Anschein, daß in vorhellenistischer Zeit, wo primitiver, durch keine phtlosophische Spekulation gedämpfter Fanatismus überall im vorderen Orient herrschte, die Erscheinungen der Intoleranz noch bedeutend ärger waren als später. Das läßt sich aus den Worten Taeitus' entnehmen: dum Asshros venes Medosque et Persas Orient fuit, (judaei) dejpectissirna pars servientium (fuerunt). Solange der Orient bei den Assyriern, Persern und Medern war, galten dte Juden als der verächtlichste Teil der Dienenden. (Historae 6, 8.) Läßt sich jedoch den Anhängern der reinen Lichireligion Zarathustras barbarische Intoleranz Andersgläubigen gegenüber Nachweisen, die sich bis zur vollständigen Vernichtung Israels steigern konnte? Dte Unduldsamkeit ist geradezu ein Grundzug der altpersischen Religion. Die Feueranbeter teilte» die Menschen in MazdayaSnas, die Anhänger deS Perserglaubens. und in Andersgläubige, DaevayaSnaS. die den Dätnotten zugehören. Den Persern machte eS bei ihren Eroberungsziigen Bergttügen, in den unterjochten Ländern fremde Heiligtümer zu vernichten; bekannt sind in vieler » Hinsicht die Untaten KambhseS' in Aegypten. Xcrxcö' in Griechenland. JosephuS führt in seiner Schrift gegen Apion (2, 35) als Beispiel heidnischer Unduldjantkeit die Perser an, die „sich gerne in der Zerstörung fremder Heiliatumer gefallen".

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