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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-08 · Heft 2172 (8.3.1925) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2172 (8.3.1925)
Date
1925-03-08
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Wien, Sonntag 9. Marz 1988 9K. AM Der Man» urtter dem Veit. Kon «rkadij Awert schenke. An der ganzen Geschichte ist das Theater schuld. Der Kartenverkauf war so miserabel gotveen» daß nv.ru die Vorstellung ab sagte und Kuroskepow nicht um elf, sondern schon um 8 N'hr hcunkehrte. Seme Frau empfing ihn mit unnatürlicher Freudigkeit. ivas ihn <Oer durchaus nicht rührte. Er schielte nach rechts umd f'gte düster: „Westen Fuß schaut da unter dom Bett hervor?" „Es ist niemandes Fuß!" war die tapfere Antwort der Frau. „Es ist deine eigene Manier, das Schuhreug so hinzuichlelldern, daß cs in -er phantastischsten Stellung zu liegen kommt . . . mit der Spitze noch unten, mit dem "Absatz gegen den Himmel." „Du meinst vlso, dasinmein« Stiefel? Hm ... Ich werde einmal hineinschießen." Unter dem Bett vernäbm man ein erschrecktes Schnauben, und plump, wie ein Nikkrokodil, das an Land geht, kroch bäuchlings ein junger Mann hervor, eine sehr friedlichc Erscheinung. „Ihre Wange ist bestarcht," sagte Kuroffepow verächtlich. „Wer sind Sie?" „Daß Du es auch gleich wissen mußt . . dachte der junge Mann. „Nun? Sie schweigen? Ich will Antwort haben. Ich glaube, das ist mein Recht . . . Denken Sie selber noch... Ich finde Sie unter dem Bett meiner Frau. . . Wer können Sie sein? Dieb, Liebhaber oder Verrückter?" „Eine herrliche- Idee!" blitzt-e es im Hirn des jungen Ma.nnes aus. „Vielleicht bin ich wirklich ein Verrückter? Mag jemand dos Gegenteil ba.versen." Der junge Mann hotte körne Praxis im Berrücktsein, aber er wollt« schon mit häuslichen Mitteln auskommen; er hüpfte dreimal in die Höhe und machte mit den Händen Flugbewegungen. „Was haben Sie nur?" fragte der erstaunte Kuroflepotv. »I'ch fliege. Ich bim em Vogel." Di« Sitrootion war dramatisch gemrg, aber die junge Dame hielt cs nicht aus. Sie brecht« sich ab und kichert«. „Das ist gar nicht }i«rt Lachen . . meinte der junge Mann in gestrengem Ton«. „Es ist Sünde über oiue Krankheit zu lachen..." „Sie sind also ein Verrückter?" fragt« Kurosbepow und verbiß ein Lächeln. „Natürlich. Das sollten Sie doch selber sehen fomrat. Oefsnet mir die Tür und ich werde hinons-flattorn und emporsteigcn, dem herrlichen glänzenden Mond entgegen." Aber Kuro^epow sagte mit raivher Stimme: „Manchmal kommt es anders. Man steckt einen hereino-slatterten Vogel in einen Käfig . . . Das ist auch ein Grundsatz. Aber besinnen Sie sich: vielleicht sind Sie doch nicht verrückt?" „Ich bin es . . sagt« der junge Mann und blickte noehmütig auf den Spazierstock, den Kuros'epow in ferner -Hand Windmühle drehen ließ. „Oeffnen Sie die Tür und ich fliege mit Gezwitscher auf umd davon . . ." ,Ich kann Sie nicht h'mauÄasftn. Vielleicht sind Sie tobsüchtig ..." „Nicht besonders. . antwortete jener sanft. »Ich verhalte mich ruhig." „Trotzdem kann in dieser Frage nur ein Psychiater entscheiden. . . Katja, rufe das Spital an. es möge ein Arzt mit zwei handfesten Dienern Herkommen. Aber schleunig, Än Lluto." Mitteilungen am dem Publikum. Möbelfabrik J. Spira Feine Ml. III. AÜMlMM« J—2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl Schweighofergasse Mina Friedmann Leo Staub Wien II. Wien II. VERLOBTE März 1925 Kultus- und Justiz-Tolure und Bürette erhalten Sie vorrätig oder nach Mass bei der bekannten Speziaifirma RUDOLF GOLDSTEIN, JiSÜT-S Grosses Lager feiner Stolle fQr Massbestellangen •I. 48-8-29 WIEN, II. TABORSTRASSi 84 «««riese TALES-FABRIK Telephon Mhl-a VN28V Telephon 66-1-23 H. Knisbacher & SGhnr, W«i. I. Jtiitrwn 6 BWJBJPTV * *»1K tM"5IU> EXPORT WACH ALLEM »TAAT1H Wiener tWofntnueMun*. 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Er wackelte von einem Fuß auf den andern, atmete geräuschvoll und schwenkte ab und zu die Arme, wie ein Vogel, der er rmn einmal war. » Endlich kam der Arzt mit zwei Wärtern. „Wo ist der Kranke?" frag!« er sachlich. „Dieser da. Ich komm vor der Zeit zurück und finde ihn unterm Bett. Ich frage: wieso? „Gin Verrückter bin ich," sagte ex. „Die Verrückten gehören Ihnen Herr Doktor." Der Arzt ftih die junge Frau au, die mit flammendem Gesicht niedergeschlagenen Hauptes abseits stand, schielte auf den jungen Wann — und sein Herz kvampfte sich zusammen. Er dachte daran, daß er selbst ebne junge Frau zurückließ, er stellt« sich «m Prva-r Stiefel unter ihrem Bett vor — und fein Herz füllt« sich mit Bosheit gegen alle jungfn Männer, besonders zunächst gegen den» welchen «t im Augenblick vor sich hatte. „Marsch ins Kabinett!" sagte er. »Ich Iwerde Sie dort untersuchen." Im Kabinett beschloß der junge Mann, feine Taktik zu andern. Einem Fachmann war mit der V-geldemon-- stration natürlich nicht 'beizukommen. DeshM trat er vor den Schreibtisch, verschränkte die Arme rmd sagte mit Würde: .Sterblicher, wenn Du einmal in das ParadkeS kommen willst, so kann das nur durch mich geschehen: ich habe die Schlüssel zum Paradies." „Du bist also der Apostel Petrus?" duzte ihn der Arzt zurück. - „Sterblicher, Du wst es ermten. Ich halbe mich DK nicht genannt. Wenn Dich der Nimbus um mein Haupt blendet, fo blick zur Sekte." „Mich interessiert. wie solch eine ehrwürdige und heilige Person unter das Bett einer fremden Frau zu liegen kam?" „Die Woge des -Herrn sind rmeriforschKich!" versuchte der junge Mann emzuwcnden. Aber der Arzt schnitt ab: „Die Sache wird KmgweMg. L-cgt ihm das Zwangs Hemd an . . Der junge Mann erbleichte: „Erluiobe.: Di« . . . Sie haben kein Recht . . „Du wirst «S bald sehen, ob ich ein Recht Hab«. Ich stecke Dich in die Isolierzelle, lasse Dir den Kopf rasieren und kaltes Master aus de» Scheitel träufeln ..." ,Ich bin verloren . . ." dachte der junge Mann. Er versuchte aus den .Händen der Wärter loSzukommrn und die Tür zu gci.vinnen. Es kam zu einem schweren Kampf, bei welchem die Weichen deS jungen Mannes derb zurechtgeknvtet wurden. Der Arzt bewachtet« die ganze Szarpe mit sichtlichem Wohlbehagen, und der junge Mann zeterte: ,-Befehlen Sie ihneu, mich loszulasten. Ich will Ihnen ctlvas erkläven . . ." »Laßt ihn in 9ttche. . . Nun?" „Ich will Ihnen die Wahrheit sagen: ich bin Mchi verrückt . . „So?" verwunderte sich der Arzt. ,Mie kamen Sie denn unter das fremde Bett?" „Herr Doktor, Sie wisien selbst, wie schlver der Kampf ums Dasein ist . . . Die allgemein« Arbeitslosigkeit . . . Die Mittel zum Loben müssen auf unnatürliche Weis« erwovben «werden, da in normalen Verhältnissen ..." „Kürzer!" „Herr, wenn die Wohnherven nach meinem Abzüge einen Brillantving oder eine Brosche vermissen sollten, sozusagen Luxusartikel, dann..." „Also sind Sie ein Dieb?" erriet der Arzt. „Gin Dieb . . ." seustzte der junge Mann erleichtert. „Da ich aber nichts gestohlen ha>be, so . . . lassen Sie trcüf gohen. Herr Doktor." Drr Arzt lächelte wehmütig und sagte: „Das darf ich nicht. Ich will kein -Hohler fein." Gr crarrtk das Schallrohr des Fernsprechers und „Bitte Polizeirevier. Hallo; Herr Reviervorsieher? Guten Abend! Sorben einen Dieb gefangen. Adelsstraße V Kommen Me ihn festnehmen." * Wieder vergingen Minuten peinlicher Erwartung, und wieder wußte der junge Mann nicht, waS er mit feinen Händen n>nd Augen anfangen sollte. MS der Diener der Ordnung erschien, sagte der Arzt: „Man fand diesen jungen Mann unter depr Bette der Hausfrau. Anfänglich gebärdet« er sich wie ein Verrückter, dann gestand er ein Dieb zu sein." Der Reviervorstcher halle sekbst ein« junge liebliche Frau ... Er dachte daran, daß der Dienst ihn oft tagS-. über forkhielt und dann gab es Nachtwachen, und sein« Fvau... . Und finsterer Grimm und scharfer Haß erfüllten das «weiche Herz des ReviervorfteherS. „Du Taugenichts, du . . ." brüllte er. ,/Dteihlen? Werden wir dir aibgewöbnen. Wer sind die Helfershelfer? Heraus mit der Sprache, sonst wirdS schlimmer. . « Nun? Er holte ans und der junge Mann stob wie eine Daune in den Nächstliegenden Winkel. „Das war das Angeld... Da hast Du noch! Und noch; Und dort boi uns bekommst du den Gmnmiknüttel git schmecken..." Der junge Mann sank m die Knie, streckte ferne Hänide gegen den Polizisten und heulte: »Mailten Sie cm. Herr Reviervorsteher. Zwar haben Sie mich schon verhauen, aber ftbvvn Sie nicht fort in diesem Iustizfvhler. Ich bin kein Dieb, ich bin ein guter Bekannter der Hausfrau... Ich faß bei ihr, da kam plötzlich der Mann . . „Wer kann über Ihre Person ouSsagsn?" unterbrach in der Dovstoher mit eisiger Stimme. „gmi&e oigsne Woliru'Ng, bin angehender Advokat» Hobe eine Frau . . . Stürzen Sie mich nicht ins Unglück. Ich heiße Galkm, Boldemar Gakkin — habe die Ehre . . Der Polizist nahnr das TcLePhonbuch, blätterte darin und lautete: „14-52 . . . Wohnung GaNn? Gre sind' feilte Gemalhlvn? Wir fanden Ihren Mann unter dein Bett von Madame Kuvoslepow. WaS sollen wir mit thm machen? Bitte? . . . Gut." „Ihre Frau bittet Sie dringend nach Haufe. Z» beneidsn srnd Sie gerade nicht ..." Der junge Mann torkelte ans dem Jdmmer, aber im Ankleideraum stieß er aus den Hausherrn. „Ein Bekannter der Houssrau?" zischte der. „Ein Vogel? Du mSchtest mm Mond fliegen? Zum Teuftil wirft du fliegen, mein Lieber." Me ein angeschoflener Tldker flog Galkin die Stiege hinunter, keine der Stuft« versäumte sein Kopf. Lange rollte er fo, gekränkt und gedemütigt. Zu Haus« prügelte ihn di« Frau . . . den tadellosen 8ohnitt die elegante Passform die geeohroaetevolle Arbeit der Merrengarderobe aus dem ATKLlik fQr moderne Herrenbekleidung ENANUEl ADLER Schneider Wien, U« Baz«, Taborsirassa Nr« Sy (Eingang Qroise Stadtgutgawe) Tel« 4UI*N

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