Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2172 (8.3.1925)
- Date
- 1925-03-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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«r. ATS Wien, Sonwkvg, Mrener 8. März 1923 Gelte S Ae österreichische Keren-HajeM« Bon Dt. K. M. Gelder, Leiter der Keren-Hajessod-Zentrale für Oesterreich. Die österreichische Kercn-Hajessod-Kommission hat noch vor Wochen den Beschluß gefaßt, in der Zeit vom 8. biS zum 20. d. in Wien eine Kcren-Hajessod Aktion durchzuführen. Die Aktion, die am Sonntag begonnen hat, verfolgt, wie schon wiederholt mitgeteilt, folgende drei Grundprinzipien: 1. Möglichste Erhöhung der bisherigen Keren-Hajefsod-Zeichnungen. 2. Erfassung aller organisierten Zionisten, die bisher ihren Keren-Hajessod-Derpflichtungen nicht zur Genüge nachgekommen sind, zu ständigen Zeichnern des Keren Hajessod sowie zur Gewinnung neuer nichtzioniftischer Keren-Hajessod-Zeichner. Um eine erfolgreiche Keren-Hajessod-Arbeit in Oesterreich durchzuführen, ist es vor allem notwendig, den Standard der Keren - Hajessod-Leistungen entsprechend zu erhöhen sotvie die ganze Keren-Hajessod-Arbeit und -Propaganda auf breitere Grundlagen zu stellen. Nicht große Zeichnungen und Leistungen einzelner Personen, sondern nur der Ausbau des Zeichnerstockes und die Gewinnung breiterer Massen für ständige und bestimmte Jahresleistungen können und werden eine erfolgreiche Keren-Hajessod-Arbeit sicherstellen. Im Sinne dieser Grundprinzipien traf das Bureau die Borbereitungen der Aktion. Es galt vor allem, den einzelnen Sektionen und Gruppen die technischen Unterlagen für eine erfolgreiche Durchführung des Drives zu bieten. So mußte die gesamte Kartothek aller Keren-Hajessod-Zeichner Lurchgearbeitet und für die einzelnen territorialen Bezirke gesichtet und ausgezogen werden, sodann mußte man, um die technische Durchführung der Besuche zu erleichtern, spezielle Listen, nach Straßen geordnet, vorbereiten. Wenn man die Fülle dieser Arbeiten bedenkt — und ein jeder, der irgendwie mit einem Bureaubelrieb vertraut ist, wird die Schwierigkeiten dieser Vorbereitung beurteilen können —, wird man wohl begreifen, welch fieberhafte Tätigkeit in den letzten Tagen im Keren-Hajesfod-Bureau geherrscht hat. Nur dank der außerordentlich emsigen und aufopferungsvollen Tätigkeit der Beamten der vereinigten zionistischen Bureaus war es möglich, mit den Vorbereitungen rechtzeitig fertig zu werden. Es ist zu hoffen, daß die Erfolge des Keren-Hajesfod-Drive den bei diesen Vorarbeiten aufgebrachten Energien gleichkommen werden. Abgesehen von diesen technischen Vorbereitungen war eS notwendig, die Organisierung der Mitarbeiter in den einzelnen Bezirken durchzusühren und sie über Zweck und Ziel sowie die Durchführungsmethoden des Keren Hajessod zu instruieren. Zu diesem Zwecke wurde am 19. Februar eine Konferenz sämtlicher als Mitarbeiter in Betracht kommenden Zionisten und Zionistinnen einberufen, über deren Verlauf in diesen Spalten ein eingehender Bericht erschienen ist. Ferner haben wir eine große Zahl von Besprechungen mit Mitarbeitern einzelner Bezirke abgehalten, in denen Vertreter des Bureaus mit diesen ausführlich die Methoden der Durchführung der Aktion sowie die Art der Besuche und dergleichen durchberaten haben. In einer speziellen vom Keren-Hajessod-Bureau herausgegebenen gedruckten Instruktion wurden die Mitarbeiter belehrt, wie sie mit den zu Besuchenden zu sprechen und sie für den Keren Hajessod zu interessieren haben. Besonders wurden die Mitarbeiter darauf hingcwicsen, daß ihre Mitarbeit eine heilige Aufgabe sei» daß im Falle von Abweisungen nicht sie, sondern die Abweisenden sich erniedrigen. Abgesehen von technischen Winken und Fingerzeigen werden die Mitarbeiter aufgefordert, während des Drives mindestens zwanzig erfolgreiche Besuche zu absolvieren, denn es gilt, für Erez Israel zumindest einmal im Jahre eine intensive und erfolgreiche Arbeit zu leisten. Zu unserer großen Freude erschienen, angeregt durch die Publikationen der „Wiener Morgenzeitung", einzelne bisnun unseren Bestrebungen fernstehende Personen bei uns, um im Bewußtsein ihrer Pflicht Erez Israel gegenüber, das Teuerste, was der Mensch besitzt, die Arbeitskraft, für den Keren-Hajcssod-Trive zur Verfügung zu stellen. (Sine furchtbare AuswanderertragSdie. Mische kmigeante« auf offener See deraubt und in» Meer grwoefen. Die Sperre, welche die vereinigten Staaten über die Immigration verhängt haben, führt selbstverständlich zu Versuchen, aus ungesetzlichem Wege das E'nwanderungsziel zu erreichen. Durch die Not werden diejenigen Kategorien von Einwanderern, die am meisten in ihren Heimatländern zu leiden haben, dazu gezwungen, alle Mittel anzuwenden, um irgendwo Unterschlnpf und Lebensmögltchkcit zu finden. Zu diesen Kategorien von Auswanderern gehören in erster Linie die Chinesen und Juden, die zuerst Genannten, weil sie das furchtbare Elend und die Rot in ihrer überbevölkerten Heimat dazu zwingt, zu emigrieren, die Juden, well die leibliche Not, und die jüdische im besonderen, sie von Land zu Land jagt und weil die letzten Einwanderunaselnschränkungen der Bereinigten Staaten ihnen vielfach die Möglichkeit genommen haben, bei Ellern, Kindern und verwandten, die in den Vereinigten Staaten wohnen, eine Lebensmöglichkeit zu finden. Tie Versuche dieser Immigranten, auf ungesetzlichem Wege in ihr „Land der Verheißung" zu kommen, sind mit furchtbaren Tragödien verbunden. ES ist ja bekannt, daß der Schmuggel mit Chinesen für Menschenhändlcr in den vereinigten Staaten ein einträgliches Gewerbe geworden ist, und daß Hunderte und Tausende von Chinesen diesen Schmugglern für Jahre hinaus geradezu leibeigen werden, um nur ihr Ziel, nach Amerika zu gelangen, zu erreichen. Uever eine der furchtbarsten Tragödien, welche jüdische Auswanderer betrifft, wir- «ns unterm 6. d. aus Rew- Aork telegraphiert: Eine große Zahl jüdischer Emir grauten, die auf Kuba gestrandet waren, da di« inzwischen elngetretene Quotenverringernng ihnen die Möglichkit benahm, trotz Visum' mr- Affidavit in die vereinigten Starten zu gelangen, fielen Menschenschmngglern in die Hände, welche ihnen zusagten, sie geaen Entgelt in die vereinigten Staaten zn bringen. Die Schmrgrekfahrt wurde znr See angetreten; als jedoch die d r e i S ch i f f e mit den Auswanderern sich auf hoher See befänden, wurden die Emigranten von den Schmugglern ausgeraubt und vielevonihneninsMeergeworfe». Zivei Schmuggelschiffe kehrten nach Kuba zurück, ein Schiff wurde von se'ner Mannschaft verlassen und der N:st der hilflosen Emigranten blieb darin führerlos den Wellen preisgegeben. Dieses Schiff wurde, nachdem sich darauf entfetzlicheHungeriragödielt abgespielt hatten, nach einer der philippinische» Inseln verschlagen. Die vollkommen erschöpften Ueberlebenden, welche ihre furchtbaren Erlebnisse zu Protokoll gaben, wurden dann zu Schiff nach dem amerikanischen Festland befördert, wo sie sofort arretier« wurden. Es droht ihnen Kerker st rase und Ausweisung. Bon den Unglücklichen, die von den Schmugglern ins Meer geworfen wurden, fehlt jede Spur. Um die jüdische Oeffentlichkeit im Wege der allgemeinen Presse auf die Keren-Hajeffod-Aktion, ihre Pflicht, unserem altneuen Heimatlande gegenüber aufmerksam zu machen, haben wir am 5. d. im Hotel Imperial einen Pressecmpfang veranstaltet, der von Vertretern der gesamten Wiener Presse — die „Arbeiter-Zeitung" ausgenommen — besucht war. An die Mitarbeiter ergeht der Ruf, diese wenigen Tage, die uns zur Verfügung stehen, durch möglichst viele und erfolgreiche Besuche auszunützen, denn es gilt, den Beweis zu erbringen, daß die Wiener Judenschaft in ihren Leistungen für den Aufbau Erez Israels nicht hinter der Judenschaft anderer Länder zurückstehen will. Masartzls 75. Geburtstag. Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds. Die Zionistische Organisation der tschecho-flcwakiischen Republik hat, wie man uns aus Prag mitteilt, beschlossen, den Präsidenten Masaryk anläßlich seines 75. G.bnrtstages in das Goldene Buch des Jüdischen Natioualfonds einzutragen. Die Feierlichkeiten. Der 75. GMvtstag des Präsidenten Masaryk wurde in Prag in überaus festlicher Meise begangen. Die Stadt toot beflaggt. Vormittags fand auf dem Weißen Berge «ine große Mvlitärparade in Anwesenheit des Präsidenten und mehrerer Minister statt. Sodann empfing der Präsident in der Burg das diplomatische Korps, wobei der päpstliche NunttuS, Msgr. Ma-rnraggi. dem Präsidenten namens des diplomatischen Korps die Glückwünsche überreichte. Hieraus nahm der Präsident die Glüel.o-Lnsche der beiden -Häuser des Parlaments, des Stellvertreters des Ministers Stribrny. verschiedener Korporationen sowie der Abordnungen der Koallitionsparteien entgegen. Nachmittags begab sich der Präsident nach La na, wo er das Grab seiner Gemahlin besuchte. Auch von ausländischen Staatsoberhäuptern und Staatsmännern waren zahlreiche Glückwunschtelegramme eingellausen. In der Provinz wurde der Tag gleichfalls festlich begangen. Minislerprilfident Balduin ein Nachkomme der .Königs von Jerusalem". Der englische Ministerpräsident Mr. Bald Win wohnte am 3. d. dem Jahresbankett aus Anlaß des St. Davids-Tages bei und machte während seiner Ansprache einige interessante Bemerkungen über seinen Stammbaum. Zu beginn dieses Jahrtausends, sagte er, l/bten zwei Brüder Baldwin, von denen sich der eine nach dem Westen, der andere nach denk Osten des Kontinents wandte. Derjenige, der nach dem Orient mit den K r e u zfahr e r n ging, wurde später König von I rusalem. „Dieser" — so sagte Mr. Baldwin — „war also vor tausend Jahren der Vorläufer Sir «Herbert Samuels." Die Bemerkungen Mr. Bald'wins betreffen offenbar den Kreuzzug .Gottfried von Bouillons und seines Bruders Balduin, später König Balduin der Erste von Jerusalem, welcher der erste war, der den von den Kreuzfahrern begründeten Thron der lateinischen Könige von Jerusalem besti.gen hatte. Gottfried von Bouillon regierte von 1099 bis 1100, er lehnte aber den Königstitel ab. Sein Bruder Balduin der Erste war der erste König von I.rusalem. ihm folgten Balduin der Zweite, Balduin der Dritte, Balduin der Vierte und Balduin der Fünfte. (Ir' der englischen Lesart: Baldwin.) 6in Selbstmordversuch Siegmund Breitbarts. Der „Eisenkönig" will sich auf dem Lodzer Friedhof erschießen. Aus Lodz wird uns geschrieben: Der weltberühmte Artist Siegmund B r e i t b a r t stammt bekanntlich aus Lodz und auf dom dortigen jüdischen Friedhof ist seine Mutter begraben. Mit seinem Pater, der einem oder mehreren Gläschen nicht abhold ist und aus Passion bettelt, lobt Breiöbart nicht mr besten Einvernehmen. da er den Vater trotz auskömmlicher Zuwendungen nicht dazu bewegen kann, vom Betteln uitfo vom Trinken zu lassen. Am vorigen Montag kam nun Diegmund Breitbart, welcher jetzt m Warschau auftritt, nach Lodz, um das Grab seiner Mutter zu besuchen. Sein Vater, der von seiner Ankunft erfahren hatte, erwartete den Sohn auf dem Friüdhofe uttlb es gab zwischen Vater und Sohn ein« erregte Auseinandersetzung, in deren Verlauf anscheinend die Nerven des Mannes, dessen Muskeln Stahl und Eisen zu biegen vermögen, versagten. Breitbart riß plötzlich einen Revolver aus der Tasche und legt« ihn an seine Schlafe cm. Den Dabeistehenden gelang es noch rechtzeitig, ihm den Revolver zu ent- Teppiche Vorbättße üorklin olcum Jteppctecfcen-Bettforiep et*- Ulreeusürf e W. Weinberger V. Sch o n brunnerjtp. 105\ x. T&vopitenrti9. 130* «**/.?iauptsfpt 44. x.favopi/enjfr.?i. xx Jfallenstei rutr? 16 Jeltet\e Atvoehote SnyRMA Inland '%» 560— Velour schwer //OßETTVORLEOER 5cHAFWOLLTAPE3TR0 78- IÄUFER VORZO. QUAUTÄT Läufer vorzö. 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