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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-07 · Heft 2171 (7.3.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2171 (7.3.1925)
Date
1925-03-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ffit. HK M«n, gWmlte9 gPitntr WrtfiWWtfffww«." 7. MSq 1925 S«»S Las Sabget im «usschaß erledigt. Der Finanzausschuß wurde gestern endlich m't -er Beratung -es Budgets fertig, das nach einer vom Referenten Heinl milgeteilten Aufstellung mit einem Gesamtabgang von 67,606.504 Schilling schließt Der Sozialdemokrat Schiegl meinte allerdings, ein Defizit sei in Wirklichkeit überhaupt nicht vorhanden, da für f nvestitionen ein Betrag von 780 Milliarden eingestellt ist. n der Debatte "'der die letzten Kapitel (Finanzen, Fmanzgesetz uftv.) -wurde vielfach Klage geführt üb.r die viel zu hohen Steuern und namentlich über die Steu?rmandate. Der Christlichsoziale W a n e u r a wendete sich namentlich gegen den gegenwärtigen Satz der R?nlenste ue r von 10 Prozent, .der bewirke, daß nach Hunderten von Milliarden zählende Beträge dem Strumpf und dem Strohsack anvertraut werden, anstatt fruchtbringend unseren Handel und unsere Industrie zu beleben. Cr beklagte ferner, daß der Markt der Anlagepapiere vollständig darniedevliege und bezeichnet es als Mangel der geplanten Bunderhypothekenanftalt) die Ausgabe von Pfandbriefen an einer Stelle zu zentralisieren, die stoatlicherseits zu errichten wäre. Di« Ausgabe von Pfandbriefen morropvlavrig einer Stelle zu übertragen, würde in keiner Weise zweckdienlich sein. Flnanzminister Dr. Ahrer versicherte, daß sich die Nationalbank in ständigem Einvernehmen mit der Finanz- Verwaltung b.mühe, die Frage des Zinsfußes und der Kredite für di« Privatwirtschaft ein.r unserer Wirtschaftslage entsprechenden Losung zuzuführen. Schließlich wurde noch das Kapitel Postsparkasse a ngenommen. Der Berichterstatter Dr. O d e h n a l teilte der dieser Gelegenheit mit, daß infolg« des römischen Uebereinkommens di« Postsparkasse nunmehr ein effektiv österreichisches Institut fein wird. Der Unterausschuß habe den Handelsminister ersucht, längstens bis 15. April eine Vorlage einzubringen, welche dieser Üniwandlung Rechnung trägt. DaS Budget wird in der nächsten Woche im Plenum des Nationalrates beraten und soll noch vor Monatsende i— das geltende Dudgetprovisorium läuft am 31. März ab — verabschiedet werden. Wirtfchaftrkovferenz im Snndeskauzlermnt. Unter dom Borsitz des Bundeskanzlers Dr. Ramek fand gestern im Bundeskanzleramt eine Konferenz über die Wirtschaftslage statt. Dr. Ramek betonte in seiner Eröffnungsansprache, daß die gegenwärtige Regierung ebenso wie die früheren der Bekämpfung der wirtschaftechen Schwierigkeiten jederzeit ihre größte Sorge zugewendet habe und stets bestrebt war, im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen alle Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sein können, wenigstens eine Linderung der gegenwärtigen Schwierigikeiien herbeizuführen. In der Diskussion wurden insbesondere die Frage der Kredit- und Zinsfußpolitik, der technischen I n t e n s i v i e r u ng und Verbilligung d e r P r oduktion, der Beschaffung lang- und kurzfristiger Auslandskredite. die. Förderung des Fremdenverkehrs und sonstige für die ^Hebung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage maßgebende Probleme erörtert. Ms besondere in der nächsten Zeit zu realisierende Maßnahmen wurden . hervorgehoben: eine durchgreifende Modernisierung des Restitutionsverfahrens, die Erleichterung der Konzentration von Industrie- und Ha n de ls u n te r n eh mn nge n, eine R e form des E i nlage geschä ftes. eine stärkere Heranziehung des bpa r k a p i ta l s f ü r di c Zwecke der produktiven Wirtschaft, Förderung der Institution des Warenwechsels und eine Vereinheitlichung der Bestrebungen zur Erlangung ausländischer Kredite bei allen tu Betracht kommenden öffentlichen und privaten Faktoren. Nach mehrstündiger Beraftr-ng gab Bundeskanzler Dr. Ramek eine kurze Zusammenfassung der in der Diskuflion zutage getretenen Gesichtspunkte und erklärte, die Regierung werde die in der Konferenz gegebenen A nregungen aufgreifen und deren Durchführung mitallem Nachdrucken st r eben. Sein Vorschlag, die nächste Beratung für Montag den 16. d. anguberaumen. wurde von den Konferenzteilnehmern angenommen. Der Kamvk «m das Sottorat a« der . Hochschule kür Welthandel. Sine Prot: sie in gäbe der Studentenschaft. Gegen das Gutachten des akademischen Senats der Wiener Univerfität an den Nationalrat, in welchem, wie bereits berichtet, gegen die Einführung eines Dokto-. rats der WirdschaftAvissenfchasten an der Hochschule für Welthatldel Stellung genommen wird, hat die Hörerschaft der Welthandelshochschule entschiedenen Protest erhoben. Gestern wurde im Rektorat der Universität sowie in den einzelnen Parteiklubs des Nationalrates ein« von sämtlichen Gruppen der Hörerschaft (deutsch-völkische und deutsch-katholische Gruppe der deutsche»» Studentenschaft, sozialdemokratische Studenten- und Mademikervereiniguug. DeretnignngjüdischerHörer der Hochschule für Welthandel) sowie vom Verband österreichischer Diplomkausleute angenommene und gefertigte. Resolution scher reicht. Diese Resolution widerlegt die vom akademischen Senat * drei Gründe für seine Stellungnahme. Der Ein« ..? . akademischen Senats, daß die Hochschule für Welthandel feine Staalsanstali sei, wird entgegortgehalten, daß die Lehr-. Kanzle rkräflc und Diener vom Staat« bezahlt tverden und lediglich das Hochschulgebände privates Eigentum darstellt. Das wesentliche für das Promotionsrecht einer Schule ist, daß es eine Hochschule sein muß, was bei der Hochschule für Welthandel un-bestreitbar ist. Cs ist nirgends gesetzlich festgestelll, daß nur staatliche Hochschulen das Promotionsrecht erhalten dürfen. Gegenüber dem vom akademischen Senat angeführten Einwand, daß die an der Hochschule für Welthandel wirkenden Lehrer in ihrer Mehrzahl selbst nicht jenen wissenschaftliche n Grad besitzen, den sie an die Kandidaten verleihen sollen, stellt die Resolution fest, daß dieser Satz, wenn er so zu verstehen ist, daß die Mchrzahl der Lehrer an der Hochschule für Welthandel selbst keinen akademischen Grad besitzt, unwahr sei. Bon den laut AintÄalender an der Hochschule für Welthandel tätigen 37 Professoren sind 31 Doktoren, und zwar 29 von Univevsitäton und zwei von technischen Hochschulen., Bon den sechs übrigen Professoren und Dozenten sind zwei diplomierte Absolventen der eigenen Hochschule, die übrigen bedeutende Fachleute, von denen zwei auch an anderen Hochschule,: Vorlesungen halten. Da es als ausgeschlossen erscheint, daß der Senat der Universität eine Unwahrheit bewußt an den Nationalrat weiterleiten wollt«, tvas einer Verleumdung gleichkäme, muß angeuontmen werden, daß sie unbewußt ausgesprochen wurde. Schließlich weist die Resolution die Angaben des akademischen Senates, daß von den Hörern der Hochschule für Welthandel nicht die als Vorstufe für die Doktorwürde unerläßliche Vorbildung verlangt werde wie an anderen Hochschulen, zurück und stellt fest: An der Hochschule für Welthandel kommt niemand ohne Mittelschulreife und vollendetes Hochschulstudium für das zu schaffende Doktorat in Betracht; so haben z. B.,' wie die Statistik zeigt, über 600 Hörer Gymnasial-, über 400 Realschul-, über 100 Realgymnasial- und über 200 Handelsakadomiereise (Matura). Dem Einwand, daß die Handelsakademiematura mit der übvigen Mittelschulreife nicht gleichzustellen sei, wird mit dem Hinweis darauf begegnet, daß absolviere Handelsokademiker nach Ablegung einer einfachen Lateinprüfuug auch an der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universitätinskribieren und nach drei Jahren promovieren können, und daß auch an der Technik Absolventen höherer gewerblicher Mittelschulen und an der Hochschule für Bodenkultur Absolventen landwirtschaftlicher Mittelschulen Zutritt als ordentliche Hörer haben Wnnen. Di« Sammelbögen der Barmherzigen. Da die Postverwaltiung, die an das Spital der Ba-rnchLr»igen Brüder zurücklangenden SammÄbogrn nicht als Drucksache betrachtet und deshalb auf Begleichung der gesetzlichen Fvankievuugsgobühven von 700, refpoktlbe 1500 K. beleiht, bittet der Prior des Spital es der Barmherzigem Brüder die P. T. Parteien, die bereits ausgefüllten Sammolbögen so lange zurückzuhalten, bis dieselben von einem vorn Spitalc der Barmherzigen Brüder bevollmächtigten Vertreter abgeholt werden. Aktion Oesterreichische Aktion 8. bis 20. MSx 1025 Morgen beginnt die Werbearbeit für das wichtigste Flnanzinstrument des Aufbaus. Jüdische Mitbürger, die Ihr Euch in den Dienst des Werkes gestellt habt, seid Euch dessen bewusst, dass Eure Aufgabe heilig ist. Werdet ihr abflewiaim, haben sich die Abweisenden erniedrigt, nicht Ihr I Die nSchslen Var anstr Haag «a t Heute Samstag den 7. Man 1926,10 Uhr vormittags: Beth-Haua, III, Hetzgasae. Ansprache der Herren Bernhard lehr und David Nebensahl. Hotel »Sächsischer Hof«, II. Taboratraaae 46 (Kaffeehaus-Sitzungssaal'. Schlueskonferenz der Mitarbeiter des II. Bezirkes (Leopoldstadt). Beginn präzise 7 Uhr. Sektionshelm Prater, II. Jungs'ranae 8. Zusammenkunft der Mi! arbeiter zwecks Entgegennahme wich* tigar vertraulicher Mitteilungen. ' Sonntag den & März: ERÖFFNUNG der Keren-Haiessod-Aktion durch Vorführung des FÜms »Das Land der Verhelssnng« im Fielt«n*Klno, VI. Mariahilferetresse 89 (Veranstaltung der Zionistischen Sektion der Bez'rke Vt-VlU). Ansprache: Dr« Olle Abales* Vereinsheim II. Juntrslr. 8. jQdlsehes Meeting. Tagesordnung; Die Juden und der Palästina-Aufbau. Referenten: Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Dr* Jeeef Ibwenliets, Schriftsteller Dr. N* M. Gelber* Tagesbericht. Mafartzkr Geburtstag. Der Präsident der tschecho-stowakischen Republik. Thomas Garrigu« Mdsaryk, feiert heute seinen 75. Geburtstag. Die europäische Oeffenilichkeit, zu deren führenden Persönlichkeiten Mafaryk gehört, nimmt warmen Anteil an den Feierlichkeiten, mit denen die tschechische Nation iihren Befreier ehrt. Masaryks Lebensgang ist inertwürdig genug. Er hat sich sein Schicksal immer selbst gezimmert und ist sich immer treu goblieben, immer lernend, lehrend, wirkend, immer bereit, aktiv in den Gang der Dinge einzugreifen. Aus der Enge seiner kleinstädtischen Heimat in G ö d i n g kommt er in die Universitätsstadt, bahnt sich in nimmermüdem Fleiß und Energie den Weg auf den Katheder, in die Politik, in die Geschichte. Immer als unibcstechlicher Erkenner besten, was ist. So wird er in der Sozial'philofophie ein Eigener, der das Werk Kants auf neue Grundlagen stellt, der die russische Seele dem Wosteuropäer nä'hevbvingt. In seiner Wahrheitsliebe ist er unerbittlich. Er zerstört die H a n k a s ch e Legende von der Königin Hofer Handschrift. In die Politik tritt er als furchtloser Euthüller der Fälschungen und Lügen in den Rltualmordprozessen gegen Hilsgi« r in Kuttenberg und in Piftk. Seine Untersuchungen in Polna führen ihn zu der Bwschür« „D i c Notwendigkeit der Revision des Polna er Prozesses". in der er die schärfste Kritik an pen Methoden der kriminellen und gerichtsärztlichon Untersuchung übt. Die Folge sind Sturmszenen der klerikalen und nationalistischen Studenten an der Prager tschechischen Universität. Mafaryk hält stand und trägt den Kampf gegen die Engstirnigkeit des Aberglaubens, gegen die Verdummung der Masten offen auf das politische Gebiet. 1907 erscheint er in seinem Heimatsbezirk und wird dort auf das realistische Programm in den Reichsrat gewählt. Im Parlament tritt er zum erstenmal an der Seite des Jüdischnationalen Mahler gegen den deutschen Hochschiulchauvinismus auf. In den außenpolitrscheu Fragen fetzt er sich immer, verleumdet von der deutschnationalen Presse, für den BAkerfrieden, für den Ausgleich -mit den Balkanslawen ein. Fn der AnnexroMvise vermittelt er zwischen Wien und Belgrad und deckt dami. furchtlos den Dockumentenischwindel des Spitzels Nastic auf, dam in Wien der Ballplatz und der Historiker Friedjung hereingefallen waren. Bon da ab gilt Mafaryk. der immer wieder das zynische Spiel der Wien-Budapester Diplomatie aufdeckt, als Hochverräter. Im Krieg verläßt er Oesterreich und geht, um sich selibst vom Stand der Dinge zu überzertgen, m die Schweiz. Bon dort reist er nach Rußland. Aber schon binnen weniger'Tage erkennt er das Todeszeichen der Fäulnis in dem zaristischen System. Er bricht die BerhaGdlungen ab, organisiert di« tschechischen Kriegsgefangenen in Legionen und le-hrt sie, daß das Dol-k seine Befreiung nur sich selbst verdanken könne. Bon Rußland wendet er sich ab und appelliert an die werstlichc Demokratie. Er vertritt die tschechische Sache in London und in Washington. Oesterreich verfolgt ihn, ächtet ihn. Czernin nennt ihn den elenden jämmerlichen Mafaryk. Im Oftober 1918 erreicht er sein Ziel und im Dezember sicht er vor der Prager Nalionalversammlnn'g, die ihn Awn ersten Präsidenten des jungen Staates wählt. .In London hat er Sokolow kennen und schätzen gelernt. Er wird vertraut mit der zionistischen Idee und vertieft sich in ihre Literatur. Er bringt die zionistischen Forderungen vor Wilson und bespricht sie mit ihm und Stephen W i s e. Er nimmt teil an allen Be-- sprechungen im englischen Foreign offioe über Me jüdische Frage und schreibt sich so für ewig in die Geschichte des jüdischen Volkes. * Mks Präsident der tschechischen Republik hat Mafaryk stets auf den Ausgleich mit den Deutschen hingewirkt. Er ist einer der ersten Freunde der ö st e r r e i ch ischen Republik und zeigt dies in besonders schöner Eindringlichkeit, indem er in dem schrecklichen Winter 1960 den Wiener Spitälern Kohlen und Milch schickt. Sicherlich wünschen ihm alle guten 'Oesterreicher -heute alles Glück und ein langes friedliches SJefceit. Von ihnen schließen sich die M o n a r ch i st e n selibst aus, die sich in chrem Blättchen, den „Oesterveichischen Nachrichten", dir folgende Begrüßung leisten: . Zu den maMivtosten Gestalten im übelsten Sinne des Wortes, die der Weltkrieg ousgegraben hat, Mhört sicherlich der erste „Präsident" der sogeimnten Dschecho^lotvarischen Rspulblik, Thomas Mafaryk. Geboren am 7. März 1850 in dem mährrsch-flawaidi schen Landstädtchen Göding als uneheliches Kind emer Stallnvagd, die fpater den Kutscher Josef Mafaryk gcheiratet batte, wuchs der Keime Thomas unter höchst Vünunerlichen Verhältnissen auf. Sein natürlicher Barer stamnrte aus der in Göding reich begüterten jüdischer» Familie Redlich. SS ist wohl keine Politische Kritik mehr, wenn die Fvanenehre der Mutter Masaryks, einer Toten, in den Kot geristen wird. Wir vertvahren uns entschieden dagegen, daß derartige Niedrigkeiten unwiderfprocherr indie Welt hiimutgeherr sollen. Freilich braucht niernayd diese ritterlichen Fefchaks für ernster zu nehnreu als sie sind. Ein Rathenau-Drama. Der Schrrftsteller Gerd Tolzer hat ein,Drama veröffentlicht, das den Titel „Rachenau" tragt und in, dem auch der verstorbene Reichspräsi.dont C b e 11 emo Rolle spielt. Neben Cbert treten, wie die „Bosfische Zeitungmeldet. außer Walter Rathenau, besten Mutter, der frühere ReichSkarrzler Wirth. Reichstagspräsident Loebe. ferner Scheldemann uyd mehrere international« Mitglieder der Kontzrem von Genua auf. Eine Szene zeigt, wie Rathen« Reichspräsidenten um sein« Entlastung als Minister W ' i'. »in ..... 'WM«i >« ■mwn»iin i'intii-Mii ■maaaa«»

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