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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-06 · Heft 2170 (6.3.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2170 (6.3.1925)
Date
1925-03-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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.-«KS Kr. «170 S©!«tt, Freitag troieitc« MorgensektnnL. 6. März 1SS3 ©eite 5 Lagesbericht. Sie Wiener SrS-Iahrsmeffe. Dle acht« Wiener Internationale Messe wird in der Zeit do« 8. bis 14. Mörz abgchalten. Der Termin wurde wieder so festgesetzt, daß sich die Wiener Mess« unmittelbar an die Leipziger «»schließt. Diese Messe findet in drei Gsbänben, dem Messepalast, ehemaligen Hofstallungen, dem neuen Trakt der ehemaligen Hofburg und in der Rotunde Im Prater sowie auf dem freien Gelände vor der Rotunde statt. Für di« Wiener Frühjahrsmesse haben sich Aussteller aus 16 ausländischen Staaten angemeldet, gegen 14 auf der letzten Messe. Neu hinzugekcimnen sind die frtzie Stadt Danzig und Schweden. An der Spitze der AuSlanbSaussteller steht, der Zahl nach, wieder Deutschland. An zweiter Stelle steht die Dschecho-Slowalei. Zur Bequemlichkeit der Aussteller wurden außer der im Südportal der Rotunde regelmäßig eingerichteten AuRunistS« pelle noch dvci neu« AuSkunfrSstell-e-n auf twm freien Gs'imde mit sachkundigen Beamten und Dolmetschern geschaffen. Bei den Erfindern. „Nemo pwpiheta in patria", M auch bei den Erfindern und namentlich in Oesterreich. Wir haben Beispiele genug dafür, daß irgendein „Bastler" sein ganze- Leben einer Idee widmete, seine ganze Energie und sein ganzes Vermögen opfert«, um sie durchzusetzan. Der „Erfinder" stirbt meist vergrämt und verspottet in Armut und andere ernten die Früchte, die er gesät. Nun hat sich der Ocstcrreichifche Erfinderverband gebildet und veranstaltet zur Messczert eine Ausstellung in seinen Räumen in der Pcstgasse 7. Dort wollen sie den Kauflustigen zeigen, waS ihr Hirn und ihre Hand im stillen Kämmerlein schuf. Jeder, der vor seiner Koje stclht und seine Erfindung demonstriert, hält sich zumindest für einen Edison und glaubt schon morgen ein Krösus zu sein. Was man dort stahl? Für jeden etwas. Meist Klein'gleiten, die man im täglichen Leben braucht und die einem die Laune gründlich verderben können, wenn sie nicht klappen. Türschlösser, Dosenöffner, Wäscheaufhänger, Kartoffelschäler. Zwiebelhacker und Thermophore. Da ze'iigt einer Photographien auf Aluminium, ein anderer wieder Siegellack ohne Kerze und Petschaft, ein Dritter ein Patent, durch das das Herantergleiten der Achselfpan>?«n bei Damenwäsche verhindert werden soll. D."i anderen Ständen sieht man wieder Ktndevspielzona und Juxarttkel. Was man mit einem Automobilnoisttz, der noch dazu federt, ohne Auto anfangen soll, ist nicht recht klar. Dafür demonstriert dort ein Schuhmacher ein« sensationelle, epochemachende Erfindung. Schuhe, die mittels eines Schlüssels auf jede Größe verstellt werden können. Ungeahnte Perspektiven eröffnen sich für unser saniertes Land. Di« ganze Fmnilibraucht nur ein Paar Schuhe, allerdings kann nur immer ein Familienmitglied auSgehen. Das wird der Schlager der Saison. Radio in allen möglichen Formen und Größen ist Trumpf. Unsichtbare Radioapparate in Regen- und Sonnensch'rmen werden mancher Dame das unang'nehme Warten beim Neudezvous adkürzen und ihr über manche Verlegenheit hinweyhÄfen. Hoffentlich gslttvgt's dem einen oder dam anderen, und er -erfindet Wirklich das „Schießpulver". R. S. Her eine will Wiener Mufik. der andere Svern.. .* Der falsche Ravag-Präsident. Anfangs Februar b. I. wurde die Belenchtungsfirma O 1 f o von einem Mann telepbonisch angerufen, der stch als ein hochgestellter vensionierter Staatsbeamter vorstellte. Er habe, sagte er, da« Protektorat Über den österreichischen Pfadsinderbund Übernommen. Die Zungen hätten Radioapparate gebaut und hegten den Herzenswunsch, einen Akkumulator von vier Volt zu erhalten; ste verfügten picht über dle nötigen Geldmittel und Sprecher nehme an, daß die Firma den Wunsch erfüllen und den Akkumulator spenden werde. Ein Abgesandter werde am nächsten Tage den Akkumulator abholen. Die Firma sagte zu. Dan« sagte der Mann so nebenbei, er sei P r ä s i d e n t der Navag und begann telephonisch ein Gespräch über die Navag und über das Radio überhaupt. Gr meinte, e» sek sebr schwer, allen Wünschen entgegenzukommen; der eine wolle nur Wiener Muflk. der andere aber Opern und schwere Mustk, und die Ravag befinde stch in einer schweren Lage, den wider st reitenden Wünschen gegenüber. Man hörte dar Gespräch de» vermeintlichen „Präsidenten" nicht ohne Interesse an, und tatsächlich wurde am nächsten Tage der Akkumulator, der einen Wert von mehr al» b0 S. hatte, von einem Abgesandten des „Präsidenten", der sich „Dr. Eichenberg" nannte, abgeholt. Hinterher wurde erst festgestellt, daß die Firma das Opfer eines Betrügers geworden ist, der sich auch selbst den Akkumulator abgeholt hat. Tatsächlich wurde er auch in der Person des 82jährigen, wiederholt vorbestraften Karl U h r m a n n verhaftet. Der Akkumulator wurde zustande gebracht. _ Sin -ander« nnd Sewerdemuseum für -.rr Israel. In Tel-Awlw wird am 12. März da- Handels- und Ge- Merbemufvum für Erez Israel eröffnet werden. Das von der Gesellschaft „MiS'char We-Taafijah" gegründete Museum dient zur Veranstaltung von permanenten Ausstellungen von Mustern aller im Lande bereits erzeugten Produkte sowie der vorhandenen Rohstoffs für neue, noch zu schaffende Industrien. Die Musterausstellung wird sich ans alle Gebiete des Handels und der Industrie erstrecken und durch eine eigen«, sorgfältig arrangierte Abteilung für landwirtschaftliche Produkte, Rohstoffe und maschinelle Behelf« besondere Bedeutung erlan-nen. Die Mitteilungen ans dem Publikum. Der Zlonf9l«sch*akademteche Verein «BAR-KOCH BA» gratuliert seinem B. B. Dr. JONAS SCKBRR anlässlich seiner heule staUfindenden PROMOTION zum Doktor der Chemie Touristen und Gäste der Feier der Univcrsitätseröffnung werden bereits Gelegenheit haben, das Museum zu besuchen. Im Mnsrmn werden von Zeit zu Zeit populär« Borträge über verschiedene Fragen des Handels und der Jndustri« im Lande gehalten werden und eS ist auch dafür gesorgt, daß die Besucher des Museums von fachkundiger Seite bi? r '^ten, zweckdienlichen Aufklärungen erhalten. Der kinwanderungslommissar bleibt unerbittlich. Coolidge deckt Ihn. Wie -eveitS wiederholt berichtet wurde, sind Von den taufenden jüdischer Auswanderer, die im Sommer vorigen Jahres aus Rußland und Polen nach Amcoka auc'e.v.i: dern wollten, ciwa 700 Personen im britischen Hasen Southampton stecken geblieben, weil sie vor Erreichung ihres Zieles durch das werte Einwanderungkgesetz, das die Einwandererquc'te-n herabfetzte, überrascht wurden. Die „gestrandeten" E m igranten befinden sich seither in der durchlibar'len Not'age. die noch dadurch gesteigert wird, daß inMischen England seine Fremden.politik verschärft hat und die englische Regierung darauf dringt, daß di« Heimbosen Land verlassen. Bor kurzem wandte sich nun die Gattin des Lord Swaythling lMontagu) mit einem dringenden Bittgesuch an den Präsidenten Coolidge, sich der Unglücklichen M erbarmen und den ohne ihr Verschulden ins Unglück. Geratenen die Einwanderung außerhalb der Quote zu gestatten. Die Intervention hatte keinen. Erfolg. Im Namen des Präsidenten Ecolidge antwortete Eit.irändernngsminister Davis, daß dem Ansuchen nicht stattg:geben werden könne., Der Ges-ctzesantrag, solche Emigv^nten. di« zur Zeit des Inkrafttretens des neuen Qnotengrsetzes bereits im Besitze eines amerikanischrn Paßv'lsums waren, außerhalb der Quote heveinzulassen, sei vom Kongreß verworfen worden und bezüglich der in Southampton steckengebliebenen Auswanderer könne keine Ausnahme gemacht werden. Es können nur solche Einwanderer zugelassen werden, die auf Grund des neuen Quotengesetzes neue amerikanische Bisa erhalten. Die in England besindl'ich«sn Auslwanderer werden also England verlassen müssen. Einer Abordnung jüdischer Hilfsorganisationen erklärte der englische In neuminister, drß die Regierung l.vohl, so weit es nur möglich ist, Menschlichkeit walten lassen wolle, doch müsse sie darauf bestehen, daß der gruppenweise Abtransport der Emigranten so rasch als tunlich bewerkstelligt werde. Die Emigranten wurden mvumehr, je nach ihrem Reiseziel, in verschiedene Gruppen geteilt. 1. P al ä st i n a. 2. Argentinien und Brasilien. 3. Rußland. 4. Andere L-änder. 5. Solche Wanderer, die in Amerika nahe Verwandte und daher di« AiuSstcht haben, ein neues Visum zu erhalten. ■ ' Tabak und Arbeitsmarlt in Palöftina. Don Dr. A. G. (Jevusccksm). Im Augenblick, wo in den Kolonien das Packen des Tabaks beginnt, ist «S angebracht, die vovAMgene Saison und ihre Resultate zu überblicken. Bor einem Jahr — das he-ißt vor dem Beginn der Tabakpflanzungen — zählten di« Mischen Kolonien ungefähr 900 jüdische Arbeiter, während sie in der Saison bis zu 10.<X)0 Menschen (Avaiber) beschäftigten. Diese 900 hatten in der Mchrzahl fest« Arbeit. Augenblicklich sind in den Kolonien ungefähr 2500 Arbeiter beschäftigt. Das heißt also, daß seit einem Jahr 1600 Arbeiter neu m die Kolonien gegangen sind.. Ein Teil davon ist in Ehawuroth zusammengeschlossen. Petach, Tivwah 800, Rechowon 160, Reß Ziomch Sö, Chederat 50, Sichren J-aakvw 88 und Jaw-nvel 20. Di« übrii^ey bilden Kibuzim oder arbeiten als einzelne. Das Arbeit sdepartwncnt der Exekutive zusammen mit dem KoilomsationSdapavtsment half bei der Installierung der Arbeiter mit Anleihen in der Höhe von 7500 Pfund. Das Geld wunde teils für die Aufstellung von Baracken verwendet, teils für den Beginn der Einrichtung landwirtschaftlicher Betriebe der Gruppen. Die Arbeit der Exekutiv« und des M«rkaS Chaklai ist neben anderem daran» gerichtet, den Gruppen Boden zu sichern, so daß ihr Wohnort in Eder Kolonie gesichert ist, und die Zelte, die bisher zum Aufent» halt dienten, durch Baracken zu ersetzen. Es wird dadurch auch Platz für die neuen Einwanderer geschaffen, die in di« Kolonien gehen. Da die Tckbakarbert sehr ausgeprägt den Charakter als Saisonarbeit trägt, mußte von vornherein dafür gesorgt werden, d^e Zeit zwischen Abschluß des Pflücken- (Ende Auzust) dir zum Beginn de8 Packens mit anderen Arbeiten auszufüllen. Zum Toll wttvde zu Refervearbe-tten gegriffen sowohl in Jehr^da als auch in Schwttron. Es hattd-'st« sich vor allem um W'cgsanlagrn. Gilt Dell der Arbeiten ist noch jetzt kn Gange. In Schomron fand ein Teil Arbeit bei der Jca, in den Sümpfen von Kabareh. Außer diesen Neserv.-arbeiten gelang es, in drn Kolonien selbst Weiten zu übernehmen, sotvohl in den Plantagen als auch beim Bat« und — in germg^m Maß« — im BatterUbetrieb fe'Vbst. Obwohl di« Ueberführttng der Arbeiter von einer Arbritsperiode in die aud^rs nicht ganz statt vonstatten girtg, so daß lÄweise eine Aitzahl von?lvbeitern kurze Zeit arbeitslos war, so ist es immerhin gelungen, den größten Teil auch außerhalb der Saisoumonate in der Kolonie zu hatten und neue Arbeiten zu erschließen. So ist es möglich geworden, daß für das Packen des Tabaks bereits 500 neu« Einwanderer beschäftigt werden könneil. In drei Monaten beginnt die wett« Pflanzzeit des Tabaks. Es ist heute noch nicht abzusehen, wieviel im widtften Jahre gebaut werden wird. Wenn man annimmt, daß sich die Aubatrfläche dieses Jahr nicht vergrößert, also ungefähr 10 000 Drt nam bepflanzt werden, so wird damit Arbeit für 4000 Leute ge schaffen. Ein Teil dieser Arbeit wird von den BMern selbst und Arabern geleistet. Wenn man das in Betracht zieht, dleibt Raum für 2000 jüdischc Arbeiter. Rechnet man die fcft-oit Ar beiten in den Kolonien dazu, die etbensalls 2000 Arbeiter auf nehmen können, so kommt man zu dem Resultat, daß in drei Monaten weitere 1000 Arbeiter für die Kolonien n-otweudig sein werden. Dieses alles sind ober, wie gesagt, noch Daranschlage. __ Familie Seele«. Bon L. Trotz« ftn einem russischen Matt von 1918 hat ma« kürzlich eine still-wehmütige KriegSnovelle ent deckt, die niemand anderen zum Verfasser hat als Trotzki. der damals im Exil in Frankreich lebte und heute im Mittelpunkt der Sowjet diskussion steht. Das Stück ist datiert Sevres, November 1915, und verrät noch nicht die Eignung seines Verfassers zum Kriegskontmissär. Seit vorigen November ist Jules Dcelerc im Kriege; er ist fünfundvierzig Jahre alt und war in Zivil Trambahnschaffner. Wäre er einfacher Soldat gewesen, so wäre er mit futtern Jahrgang irgendwo auf dem Hilfsdienst- Posten im Hinterland gMieben. Aber zum Unglück senter Frau und seinem etgenen Unheil ist er Sergea.nt und au die Front geschickt worden. ,-Sein Litzen kommen ihm heute teuer zu stehen," sagte seine Frau. Die ersten vier Wochen war er fast die ganze Zeit mitten im Trubel der Kämpfe; dann war er im Schützengraben, und in den letzten Monaten vor Toul gelegen. - Frau Declerc ist eine schöne Frau mit einem fcingeschntttenem frischen Gesicht und grauem Haar. -Sie erwartet ihren Mann zu viertägigem Urlaub, erwartet ihn schweigend und verstockt. iJhre Nachbarin, die Brotausträgcrin Frau Richard, hatte den ihrigen auch erwartet, aber Richard ist durch eine verirrte Kugel gefallen, weit hinter der Feuerlinie, am Tage, bevor er nach Hanse fahren sollte. Im dritten Mo-nat des Krieges hatte Fcau Declerc angsfangen, da ihre kleinen Ersparnisse auf die Neige zu grhett begannen, Aufwartedienste zu übernehmen, und ihr eigener Hauslzalt rückte sogleich in zweite Linie. Die Kinder gehen in die Schule und bekommen dort eine Mahlzeit. Seit drei Wochen fragt Marcel — der älteste Sohn, zwölf Jahre alt. «in Meichgesicht unter einer alten Mütze —. sowie er von der Schule heimlkommt, täglich die Mutter: „Ist der Papa schön gekommen?" und er bokomntt immer wtedcr zur Antwort: „Nein. . . aber sicher bald, zeden Tag muß er komnten." ■ Frau Declerc hat aus Paris einen Brief von ihrer älteren Schwester bekommen, die ihr den Tod vhces Sohnes meldet. Er war zwanzig; im Mai hatte er gchettater und war tm August hinausgegangen. ,/D, was das für sttt guter Bursch war Keiner war wie der." sagte Frau Declerc und vergißt heiße Tränen. „Mein« Schwester war ost krank und das Kind ist eine Zeitlang Jfei uns gewesen; w'r batten ihn lieb wie einen Sohn." Er war durch ein« Schrapnell- Tugel am Kopf verwundet worden, offenibar nur leicht; einer seiner Frtnude hatte ihn auf den Verbandsplatz ge-- tragen. Ta gerade Platzt eine Grartate, die den Fcrtmd -»er- Wunder und den Verwundeten tötet. „Man kann ihn nicht vergessen. Herr; keiner war wie er . . ." Am folgenden Tage kam Frau Declerc zu ihrer Arbt'ir um ein». Viertelstunde zu spät und erklärte entschuldigend ihrer Dienstgeberin: ,Heut' Nacht haben wir nämlich nicht ^geschlafen, gnädige Frau." „Wir," das waren die anderen, di« schon Witwen waren und auch diejenigen, welche in de. ständiger Furcht lebten, Witwen zu werden. Sie versammel ten sich in kleinen Gruppen ibei jeder neuen Witwe-'cder bei jeder Mutter» die ihr Kind verloren hatte, um mit dieser die Nacht zu verbringen, Erinnerungen nachzuhängen und zu weinen die meisten in Trauer, mit kleinen Bildern des Gatten oder des Sohnes an der Brosche, die sie auf der Brust tragen. Sie erzählten einander gegenseitig von ihrem Unglück, von seiner Unvermeidlichkeit und Allgemeitcheit. und am nächsten Morgen kehrten ste zu ihrer Arbeit zurück. In dieser Atmosphäre der Angst, der Weißen Nächte und der harten Mühen erwartet Frau Declerc schweigend, verstockt ihren Gatten, „Nein, nein," sagte sie in Augenblicken der Verzweiflung, „kein Mann wird vom Krieg wiedevkommen, keiner." Ende Oktclber geht der blasse Marcel in seinem langen Ueherrock, der noch nächstes Jahr gut sein wird, um fünf Uhr abends durch die Hauptstraße von der Schule heim, als ihm mit einem Male der kleine Gemüsehändler da> Wort hinwirft: „Lauf, dein Vater ist angekommen." Die Worte brausen ihm in den Ohren, und er läuft, mit den mageren Beinen die endlosen Schöße seines Mautels herfeite stoßend. „Marcel, dein Vater ist angekommen/' schreit ihm Fvan Richard zu, die iiiher die Straße gcht. Der Oebstter, der dickste Mann von Sovres, steht an st iner Türschwelle (sein Gewicht hqt ihn vor dem Militärdienst bewahrt); er sicht Marcel laufen und ruft ihnr m ermunterndem Ton zu: „Eil dich, dein Vater erwartet dich." Marcell will noch schneller laufen, aber es geht nicht; sein Herz pocht, die Ohren satosen und di« Beine wollen nicht me>hr von der Stelle.. Er weint leise, preßt Pie Tintenfinger auf die Brust und Wstert: ,^Da bin ich, Papa; da bi» ich

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