Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2168 (4.3.1925)
- Date
- 1925-03-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Geile S Wien, Mittwoch ifn dem staatlichen Kon:cpt dev Revoluti-wären, die sich im Jahre 1l>19 um Mustafa Keinal in Ankara gesammelt batten, stand als erster Punkt die Vollständige Rännmng der europäisclwn Position. Sie halte,, e'rkannt, daß sie unter Verzicht auf alle historischen Traditionen ihr Volk ein für allemal aus der Bormmtdscbast lösen mußten. Aber Kemal entschloß sich aus Prestigegri'nchen, in Europa zu verbleiben. Diesen Fehler, diesen Rückfall in glänzende Träume hat die Türkei büßen rnüssen. Gerade Konskmtinopel bringt ihr wieder die Grenzen ihrer Freiheit in unliebsame'Erinnerung eine .Krise nach der anderen zeigt die Unlösbarkeit des Problems. den kranken Mann an, Bosporus gesunden zu lassen. Europäische Begriffe lassen sich nicht von den statten loslösen, an denen sie entstanden find. Die Entwicklungslinien für den Orient sind noch nicbt gefunden, aber daß sie ariderer Art sind als jene des Abendlandes das zeigt jeder Tag feit den, Ende des Krieges aufs neue und die Türkei macht mit ihren ununterbrochenen Krisen einen schweren Kursus dieser Frage durch. Vielleicht wird, wie wir hoffen, das jüdische Volk den Wäg zur freien Entwiklung zeigen, wenn es das technische Wissen und Können Europas den Forderungen des asiatlschen Wesens anpaßt. Jedes Volk aber, dein diese Aufgabe erwächst, wird sich davor hüten müssen, europäische und asiatische Machttendenzen zu verquicken. Die Kastellans des rumSaifchea Süldeuteu» streik,. Die Vereinbarungen. Aus Bukarest meldet da's Ungarische TelegraphenädorwfpondenMrveau: Der Studentenstreik kann als abgeschlossen betrachtet werden, da die Studentenschaft ans Intervention der Dekane der medizinischen mtb der RechtSfakultät dem Universitätssenat ein im gemäßigten Ton gehaltenes Memorandum vorgelegt und der Senat sich zur Erwägung der darin enthaltenen Wünsche bereit erklärt hat. Der akademische Senat hat nach Entgegennahme -es Memorandums folgende Beschlüsse gefaßt: Die Angelegenheit der Leichen für Obduktionen findet.derart ihre Erledigung, daß die Juden zur Beistellung jüdischer Leichen verpflichtet sind, widrigenfalls die jüdischen Studenten zu den anatomischen Hebungen nicht zu gelassen werden. Die verhängten Disziplinarstrafen können nicht annulliert werden, bevor an der Universität die Ordnung wisdechergestellt ist, dann aber wird der Senat aus Vorschlag-der .betreffenden Dekane die notwendigen neuen Beschlüsse fassen. Ter Senat entsendet zur Revision der Universitätsstatuten und der Disziplinarordnung ein Komitee, das dann die erforderlichen Abänderungsvorschläge treffen wird.-Die auf Grundgesetz! i che r B e st frn m u ngen wirkenden S tu de n te nve re i n e werden dom Senat anerkannt. In Angelegenheit des Universttätsprofessors Rain c r. dessen Berkaüen im Kriegsverlaus von der Studentenschaft beanstandet wird, stellt der Senat fest, daß Professor Rainer nach Abschluß des Krieges mit Zustimmung der Bukarester medizinischen Fakultät aus Jassy auf den in- Bukarest erledigten anatomischen Lehrstuhl berufen wurde und somit sein Ve rhalten gerechtfertigt erscheint. Falls die Ordnung an der Universität nach Wiederaufnahme des Lehrbetriebes wiederhergestellt ist, soll das Militär zurückgezogen werden. Der 'Senat hält es für wünschenswert,'daß die Assisten-tenposten durch Konkursausschreibung besetzt werden. An der Leitung der Studentenheime und Studentenfrertffche werden in Hinkunft auch einige Studenten tei-lnehmen können. Nach Wiederherstellung der Ovdnnng wird der Senat bei der Direktion der Staatsba'hnen intervenieren, damit die Studenten die früheren Fahrtbegünstigungen wieder erhalten. Auf Grund dieser Beschlüsse haben die' StudeMenfi'chrer die Einstellung der Streikbewegung vertürrdet. ■ 2>os rentablere Seschstft. Horthys Außenminister wird Banldirektor. Budapest, 3. März. Wie die Blätter melden, soll Minister des Aoußern v. Szitovski zum Genexaldirektorder Allgemeinen Ungarischen Kreditbank.berufen werden und daher in der nächsten Zeit zurücktreten. Der Minister begebe sich zunächst zu seiner Erholung uach dem Auslande, ' dasein Gesundheitszustand in der letzten Zeit nicht befriedigend sei. Aus aller Wett. Kairo. 3. März. (Reuter.) Der zweite der unter der Beschuldigung, den Mrdar ermordet zu hoben, verhafteten Brüder hü ei« Geständnis abgelegt. Tokio. 3. Mär^. (Router.) Die Kammer hat das Wahlgesetz angenommen. durch welches die Zahl der Wähler um lOMillionen vermehrt wird. BelgrÄ». 2. März. Wie die „Prawda" aus Sofia erfährt, .wurde heute der erste Sekretär.der städtischen Verwaltung. Wassiljew, ein hervorragendes 'Mitglied des inazÄomfchen Koimtocs, auf dem Friedhof m Sofia meuchlings erschossen. Die Xä-tex sied enMohen. Rom, 9- März. Jnsülge der Regengüsse ist der Tiber vielfach aus den Ufern getreten. Auch aus Umbrien werden tteberschwemmungen genleLdet. In Bergamo ist Schn« gssallen. Ueber Brescia ist ein Hagelschlag nicderpLgangeu. In den Marken wurde heute nachts ein heftiger Erdstoß verspürt. Me Telephonlestungen in dieser Gegend Hi»» <xüSvtk. Wkener Mvr»tteiizeltitn<ir 4. Mär; 1925 Nr. Sl66 Ae Vereinigung der Zionisten Polens. Sie ttfle Warschauer Konferenz. Aus Warschau wird uns berichtet: Am 1. d. wurde hier die erste Konferenz der Zionsslen aller die): in Poben bestehend.'u Organisationen (Kongreßpolen. Westg a l i z i e n, O ft g a l i; i« ft, Wilna) in Anwesenheit von mehr als 200 Delegierten feierlich eröffnet. Sie war von den, Ende -es Vorjahres eingesetzten Zentralrat der vier zioniistischen Emzelorganisationen Polens edchevufen worden, un, die seit langem ongestrebte organisatorische Bereinigung sämtlicher polnischer Zionisten, die grundsätzlich im vorigen Jahre beschlossen worden war, durchzusühren. Unter den zur Konferenz erschienenen Delegierten befindet sich eine Reihe van jüdischen' Parlamentariern aus Polen. Ein zahlreiches Publikum wohnt den Verhandlungen bei, die für den werteren Aufbau der Zionistischen Organisation unter der numerisch stärksten Judenhett Europas von großer Bedvutung sind. Die Konferenz wunde -mit einer Ansprache des Vorsitzenden des Zentvalvates Dr. Dawidsohn eröffnet, der darauf hinwies, daß die Wiederbelebung detz Polnischen Staatswosens, das alle Gebiete Polens umfaßt, die Möglichkeit zu einer organisatorischen Vereinigung der Zionisten Polens gebe, welche übrigens .schon vor mehr Äs zwei Jahrzehnten in ihr landeSpolitischeS Programm 'die Forderung nach der Unabhängigkett Pollens ausgenommen hätten. Der Redner wies sodann aus die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Vevhältniss« hin, welche die Mische Emigrationsfrage in den Vordergrund bringen und ' angesichts .der Verschließung aller Tore der Einwanderung das Palast i n a p r o b I c nt auch von diesem Gesichtspunkt aus ins Zentrum aller jüdischen Fragen stellen. Im Hinblick auf die Notwendigkeit verstätkter Arbeit für den Aufbau Erez Israels sei die organisatorische Zusanx-, mensassung aller zionistischer Kräfte Polens' tim so dringender notwendig. Nachdem im Namen der Zionisten Kongretzpolens Dr. Gottlieb, für die ostgalizische Organ isativn Doktor Schmorak, fiir die westgalizische Dr. Schwarzbart und für die Wilnaer .Herr Berger die Tagung begrüßt hatten, wurde, unter allgemeiner Spannung der Versammlung ein Begrüßungsschreiben des Präsidenten der Zionistischen Organisation ' Dr. Weizmann verlesen, in tvelchom es unter anderom heißt: „Schwere Verantwortung liegt jetzt auf den Zion-isten Polens — die Konzentrierung aller Kräfte, umt aus ihnen eine Zentralkraft zu schaffen, die unser« historische Aufgabe verwirklicht. Die Zionistische Exekutive blickt mit großem Interesse auf Ihre Bomühungen, welche die Organisation konsolidieren sollen, um ein einheitliches System in Ihre Tätigkeit und Ihre Arbeitsmethoden zu bringen. Mt großer Ungeduld erwarten wir die Ergebnisse der Konferenz, welche die Reihen der Zionistischen Organisation Polens stärken soll. Der Anteil, der dem polnischen Zionismus als Vertreter eines der wichtigsten Teile des Weltjudentums am Aufbau Erez Israels sowohl in bezug aus die Zahl der Emigranten als auch in bezug aus die Arbeit im Lande selbft zukommt,, erhebt Ihre Tagung zu ungehourer Wichtigkeit. Die Aufmerksam feit der ganzen zionistischen Bewegung ist dem größten jüdischen Zentrum Europas zugswaE, das trotz allen Unheils, von weichem es in den letzten Kvisenjahven getroffen würde, keinen Tag und keine Stunde aufge-hort'hnt. mit Liebe und innerer Ergebenheit, mit Ueberzeugung und eiserner Willenskraft für Erez iJsrae-l und die volle WiederbÄebung des Dolles zu arbeiten." Das Schreiben des Präsidenten Weizananu bespricht sodann die für den Palästrnaaufbau notwendigen Voraussetzungen und Methoden und schließt: „Der Zio Mischen Organisation, welche die Idee .der WioderbÄebnug des Landes geschaffen hat, obliegt die Aufgabe, alle nationalen Energien für den Ausbau des Landes zu' sammeln und zusamimi zufasseu und nicht zuzulassen, daß die VoWkräfte tfxsplittert rverden. Sie muß auf alle Schichten des Volkes erzieherischen Einfluß üben, damitt diejenigen, -welche nach Palästina gehen, fähig seien, ihre Pflicht zur er füll e n. Die muß dafür sorgen, daß die zionistische Idee rein und klar 'bleibe, ioei-l sie die Onelle unserer moralischen Kraft und unsere Hoffnung für die Zukunft bildet." Die Konferenz -beschloß, an den Präsidenten M-vizinänn ein Begrüßungsschreiben zu Nichten, und trat sodann in die Beratungen ein. Nach einer längeren De'batte über die .Handhabung der GeschasiKordnu.ng und die 3u sam-lnensetzung der Permanenzkommission, -die nach, der Zahl der von jeder Teilorganisation aufg-obrachten Schekel gewählt iverden soll, hielten die Deputierten Dr. Thon und Leon Reich ausführliche Referate über die politische Lage der Judeuheit,Polen's und die Tätigkeit -des Jüdischen Klubs im Parlament. Inland. gstdische BSlkerbandlkga für Sesterreich. Samstag den 7. d. um lhalb 8 Mr'abends findet im Nttderösterreichischen Golverbeverem, l. Bez., Eschenbachgässe 11, eine Versau, nt lung statt, bei der die .Herren Oberrabbiner Dr. Chajes über: Der Völkerbund und das Palästina Mandat und Dr. Emil Mar gm lies (Tschecho-Slolvakei) sprechen.werden. Waffenfunde auf der Simmeringer Seide. Amtlich wird mitgeteilt: Gelegel,tlich oines abermaligen Bösliches von Kontrollo-rganel, des Liquidationsorganes aan 27. Februar in der Geschütz- .und Gewehrs-ektion der StaatSfabvrk aus der Simmeringer Heide wurde im Untergeschoß eines Depots eine Anzahl von Gewehren verschiedener Konftr,tttion mW verschiedener Kaliber sowie einiges sorrftiges Material beanständet. Das aus einer weiter z-u r ü ck l i e g e nden Zeit stammende Material ift nicht mehr in Evideng geführt ivorden. Bon vinor beabsichtigten Geheimhaltung kann unter diesen Umständen keine Rede sein. ___ Langsame klettrislzierung. Ein österreichisch-jugoftawischer Schnlstreit. Mtt einem Nachruf für Gbert, den Präsident Mi-, klas verlas, wurde die gestrige Nationailratssitzm^g eröffnet. Darm «nahm das Haus eine kurze Tagcsordrmng an: U e b e r e i n k o m m e n mit den Nationalstaaten über noch ungeregelte Pensionen, Novelle znm Elektrizitatssörderungsgesetz, Zusatzvertrag, zum ö st er re ich isch-de u Ischen Wirtschaftsabkommen und Fonds« ovelile 1925. In der De'batte über das ElektrizitatSsvvdernngsgesetz -beklagte sich Abgeordneter Dr. Ellenbogen darüber, daß die Kohkenmteressenten sich angestrengt bemühen, das Einströcken ausländischen Kapitals nach Oesterreich für den Ausbau der Waffevkräfto zu verhindern. Abgeordneter Dr. H a m p ti bed«merte es, daß sich seit geraumer Zeit die Aussichten für eine kraftvoll« Fortsetzung der Elekdrisizierungsaktion verschlechtert haben. Abgeordneter Streeruwitz -hob die Bedentt,ng der kalorischen Mektrizitatswerke hervor. Nur beide Kraftquellen, die Wasser- und die Lalovische Energie zusammetlgeuonunen, werden imstande sein, binnen wenigen Jahren unseren Bedarf an Elektrizität im ausreichendem Maße zu feto. Der Rest der Sitzung wurde ausgefüllt mit der Debatte über eine dringliche Anfrage der Großdeutschen über Repressalien Jugoslawiens gegen die österreichische Regierung. In der Ansvage, wird darauf verwiesen, daß der jugoslawische Uutevrichtsnrrnister P r i b i c e v i e vor ganz kurzer Zeit di« Sperrung der filuften Vis achten Klasse der dcntschen Mittelschülen von Neu-Verbaß ,ind Werschetz sowie de-r.'.'wsteu bis vierten Klasse der deutschen Mittelschullen in Paricsiova und Neusatz verfügt hat. Pribioövic soll di-ose Bevovdmmg als Vergeltungsmaßnahme gegen die öster-reichrsche Bundesregierut^ erlassen haben, die angeblich bezüglich des slawischen Schulwesens in Oesterreich, vor allem -in Kärnten, die Besttm-mungen. des Minderhoi.t«nschutzgesetzes nicht ein-ge'halten hat. Bundeskanzler Dr. Ramel protestiern in seiner Antwort dagegen, 'daß nson, wie dies in wachen j,bgaslawischen Zeitungen geschieht, versucht, die Verantwortung für die neuerl-iche Schließung deutscher Schulklassen im S. H. S.-Staat cvn-f di« österveichrschen, resp. auf die Kärntner SchuLbshörden ivegen -deren angeblich ver tragswidrigen Vorgehens gegen die slowenischen Minderheiten abzuschieben. Ich woiß nicht, öb es JUtwffend ist, dqß der .Horr. jugoslawische UnterrichtHmirvister selbst die erwähnte Maßnahme der jugoslawischen Untervi-chtS-vc-r uialtung mit dom Hinweis a,vf den ,m-befriedvgenden Stand öes slowenischem Schulwesens in K ci r n r e n begvüub-tt 'hat. Ich hcL-e aiber unseren Geschäftsträger in Belgrad beauiftragt, für den Fall,: daß Herr Pribieevie dies wirklich getan Wte, gegen diese durchaus unbeg-ründet« Behaupt,rüg Verwahrung eimzu'legeu. > Wenn die jugoslawische Regierung tatsächlich irgend ein« Verletzung der Minderheilsrechte -in Oesterreich rvahrgenommen yn »haben vermeint, stoht ihr der den M-iüd-erheitsschutzvertvägen vorgezeichnete einzig Legale Weg der Anzeige beim Völkerbund -offen. Nächste Sitzurdg: Dienstag den 10. d., 3 Uhr nachtnittags. Fortsetzung der Anderkonsereuz. BttndeKkanzler Dr. Ra-mek wivd die Länder» konferenz für Mittwoch den 11. d. einberufen. Gestern -hatte Dr. Ramek mit den Vertretevn des La.ndes Wien, und zwar Bürgermeister Seitz, Präsidenten -des Wiener Landtages Dr. Danneberg und domStaddvat B r «i t n e r eim -mehr-stüudige Konferenz über -die Fragen, die in der letzten-Länderkonferenz beraten wurden. Bnndeskanzler Dr. Rauuk wird u-cch im Lause dieser Woche die von der Negierung bei der letztem Länderkonfereng in^Aus - sicht gestellten Vorlagen sowohl den Parteien deS Nafimmimies als auch den Ländern zur S ielln-ng-nah-me Mrmttteln.