Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2168 (4.3.1925)
- Date
- 1925-03-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wi en: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstetle 'TraHkt monatl. 5 Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma O o 1 d schmied, i„ Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich & Schilling Tsch echo- Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Wiener orgenzeilung NichiiWnnfeB bet fr«J *• erh6hBn«ea wriiehaUeii «r. 2168 «im. «tttwoch. 4. MS« 1928 I Prass 80 al England: .»»on.4 Schilling, Italien: Monatl. IS Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, IL Tabor sh*. 1 Telephone: 44-0-38,43-3*19 Ah 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmanm Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150,693 7. öilkrormq Sicherheit gegen oder mit Deutschland? Die Botschasterkonlerenr lehnt Fochs Berichte ab. — Deutsche Vorschläge. Paris, 3. März. (Havas.) Die BoLschafterkonferenz hat honte vormittags den Bericht der intetö Üli i c r ten Militarkontrollkom Mission sowie die Meinungsäußerung des interalliierten Militärkomrtees in Dev'ailles über diesen Bericht geprüft. Die Botschaftevkonf.renz kam einstimmig überoln, von Mavschall Fach und den MMtärischen Sachverständigen des Versailler Komitees eine Präzisierung gewisser Punkte des Berichtes zu vergangen, um die Schwere der Dentschlaud zur Last gelegt.« Verfehlungen genau fest- Zustellen nnd d.e ihnen zur Sicherung der Entwaffnung Deutschlands gemäß dom Friedensvertrage angebracht erscheinenden Vorschläge der Botschaflerkonf.venz zur Kenntnis zu bringen. Das interalliierte Komitee . wird demnach in der nächsten Woche der Botschafterkonfernz «mon neuen Bericht vorlegen. Der „Temps" glaubt zu wissen, daß dir Beroffentlichnng des Berichtes -er interalliierten Kontrollkommission und der Annexe - schrie, der Schlußfolgerungen des Komitees in Versailles ammnehr beschlossen worden sei. Besprechungen der Alliierten mit Deutschland in der SicherheisssrMe^ Berlin, 3. Marz. Bei den in den letzten Wochen^ in den Hauptstädten der alliierten Staaten gepflogenen diplomatischen Besprechungen über die Sicherheitsfrage wie über die andern akuten politischen Probleme ist, wie die Blätter erfahren, von deutscher Seite die Bereitschaft zu positiver Mitarbeit an der Lösung der Sicherheitssrage zum Ausdruck gebracht worden. Ferner wurden die alliierten Regierungen davon in Kenntnis gesetzt, in welchem Rahmen und auf welcher Grundlage nach deutscher Auffassung eine solche Lösung zu erreichen ssin würde. Ueber den deutschen Sich.rheitSvorschilag an die Eierten Regierungen berichtet die „Vossische Zeitung" aus London: In hiesigen gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß d.r deutsche Botschafter v. H o e s ch bei feinem gestrigen Besuch bei Hcrriot diesem folgendes Angebot in der Sicherungsfrage gemacht habe: 1. Alle europäischen Staaten, die am Rhein interessiert sind, also alle angrenzenden Staaten sowie England und Belgien garantieren die gegenwärtigen Grenzen in Westeuropa. 2. Deutschland verpflichtet sich, eine Revisionseiner Ostgrenzen nur durch friedliche Mittel, 'das heißt durch direkte Verhandlungen mit den betreffenden Ländern oder durch Anrufung des Artikels 19 der Bölkerbundsatzungsn zu betreibcn. England für die Mitwirkung Deutschlands. Paris, 3. März. Die „Information" meldet aus London» in gut unterrichteten Kreisen werde erklärt, das britische Kabinett sei in der gestrigen Mmisterratssitzung über die Sicherheitsfrage zu keinem Beschluß gelangt. Jeder Vorschlag..eines Vertrages zwischen europäischen Mächten solle soweit als möglich durch Vermittlung des Völkerbundes erfolgen. Großbritannien fei für einen Paft, der feine eigenen Greifen sowve diejenigen Belgiens und ,Frankreichs garantiere, und haste es' fur aniIezeiigt-.- das D eirtsch' k äwtz m' der einen der anderen Form an einem solchen Pakt teil ne hme< Äie englische Regierung glaube, daß eine bloße Garantie der Mostgrenzen Europas an sich ungenügend sei. Ta aber andererseits nach britischer Ansicht eine Garantie der osteuropäischen Grenzen' unmöglich sei, werde Großbritannien bemüht fein, eine mittlere Lösung zu finden, die sowohl den alliierten Staaten wie den Staaten Zentraleuropas die nötige Sicherheit biete und rn präziser Form die Verpflichtungen jedes cinzlenen dieser Staaten abgrengen solle. Die Ablehnung des Genfer Protokollcs, von dessen ftchzohn Artikeln die britische Regierung neun als unannehmbar bezeichne, bringe notwendigerweise das Falkenlasfen der Abrüstungskonferenz mit sich. Die türkische Lebensfrage. —y. W i e n, 4 März. Die türkische Regierung Fethi Bei hat die De-» Mission gegeben. Die knappe Nachricht, die die französische amtliche Havas-Agentur mitteilt, besagt nichts über die Umstände, die zu diesem Rücktritt den Anlaß gegeben haben. Der Entschluß des türkischen Kabinetts kömmt scheinbar unerwartet. Tie Angorakammer hatte einstimmig die von der Regierung zur Niederwerfung des Knrdenausstandes getroffenen Mobilmachungs'maßnahmen gebilligt und die verlangten militärischen Kredite beschlossen. Die Regierung hatte somit ein solennes Vertrauensvotum erhalten. Trotzdem zeigte sich eine Unterwaschung der gouvernementalen Position, die durch den Patriarchenkonslikt in Konstantinopel beschleunigt wurde. Die Regierung arbeitet auf einen friMichen Ausgleich mit Griechenland hin, um einer Entscheidung durch den von Athen aus angerufenen Völkerbund zuvorzukommen. Die nationalistische Partei der Kammer zeigt sich jedoch damit nicht einverstanden, weil die Ausweisung des Patriarchen durch die Bestimmungen des Friedensvertrages gedeckt sei und sich als eine interne Angelegenheit des Staates darstelle, dessen Souveränität außer Diskussion bleiben müsse. Außer dieser Angelegenheit existiert aber auch noch der Mischen der Türkei und England spielende Streit um das Erdölgebiet von Mossul und — als vielleicht tiefgreifendstes Problem — die Kälifatsfrage. 4. . Die Regierungen aller Staaten mit starken außen* . politischen Engagements leben in ständiger Krise. Die politischen Verhältnisse bleiben überall labil und auch die Türkei macht darin keine Ausnahme. Sie ist trotz der militärischen Siege und trotz der durch einen Scheinparlamentarismus nur mühsam kaschierten Diktatur innerlich ungesestigt. Die brüske Art. in der das monarchistvsche System beseitigt wurde, hatte starke Spannungen erzeugt. Der jähe Uebergang zur Republik war nicht aus einer politischen Umstellung der Majorität heraus erfolgt, sondern gab sich lediglich als ein Akt der Abneigung gegen Konstantinopel und als Ausfluß der Richtung, die den Staat in bewußtem . Gegensatz zu Europa und den Großmächten neu konstruieren wollte. Die Revolution war von den Offizieren und nationalistischen Intellektuellen dnrclgeführt worden. Einen sozialen Unterbau hatte sie sich nicht geschaffen und so mußten alle Probleme, die der alten Türkei das Leben fairer gemacht hatten, in dem Augenblick wieder zu bluten beginnen, als mit dem Ende der heroischen Periode der Kemal-Kriege die Bestrebungen zur Sicherung der territorialen und politischen Errungenschaften feste Formen annehmen sollten. Die Konsolidierung ist nur eine scheinbare gewesen und auch in der Türkei ist die Liquidierung des Krieges nicht gelungen. . Sie hat sich dem europäischen Gefüge entziehen wollen. Ein asiatisches, in das sie sich hätte eiugliederu sollen, existiert noch nicht. Eine kurze Spanne Zeit hatte es den Anschein, als cb Dttrstafa Kemal, dessen Autorität nach seinen Siegen und nach ßauj'cmne unbestritten war, eine Revolutionierung des Orients plane. Aus allen Teilen der islamischen Welt kamen Sendboten nach Angora, um dem siegreichen Heerführer die große Mission nahezulegen. Vielleicht. hat Mustafa Kemal dieses Werk mit der Entthrommg des durch die Vergangenheit kompromittierten Sultans einleiten wollen. Aber er schoß über das Ziel. Er entthronte den Kalifen, die sichtbare Eittlieitsinstitution des Islam, und sprengte damit für alle Zukunft alle Versuche einer Einigung. Der Separatismus der Stämme, zwischen denen es außer der Offensivreligion kein anderes einigendes Band gibt, entzündete sich im Nu, und es gibt heute, wo selbst das Heiligtum in Mekka belagert ist. kaum eine Möglichkeit, in absehbarer Zeit zu. dem verlorenen Ideal zu kommen. Die Tat Mustafa Kemals vereitelte aber auch seinen Gedanken, die türkische Nation aus den Fesseln der europäischen Intrigen zu befreien. Das Kalifat ist .ein Werk'eug der Diplomatie geworden, mit dem sie bald diese, bald jene Partei auszuspielen weiß, und in dem verwirrenden Getriebe der Interessensphären Englands, Frankreichs, Rußlands und Italiens ist d*'e Türkei ebenso wie jeder andere mohammedanische Staat eben nur eine Schachfigur. Re Neuwahl des Reichspräsidenten. Erster Wahlgang am 29. Marz. Berlin, 3. Marz. (Wslff.) Me das Wölfische Bureau erfährt, einigte man sich in den Besprechungen der Reichsregierung mit den Parteiführeru des Reichstages dahin, daß der erste Wahlgang für die Wahl des Reichspräsidenten Sonntag den 29. Marz stattfindet. Noch in dieser Woche werden die einzelnen Parteien die Kandidaten nominieren. Sollte der eiste Wahlgang keinem Kandidaten die absolute Majorität bringen, so wird der zweitc entscheidende Wahlgang am 26. April stattflnden. Der Reichtstag wird in seiner nächste» Sitzung, die Freitag den 6. d. stattfindet, endgültig darüber beschlichen, ob die Wahl des neuen Reichspräsidenten für den 29. März, wie in Aussicht grnommen ist, stattfinden wird. Für diese Festsetzung des Wahltermines genügt ein einfacher Beschluß des Reichstages; ein besonderes Gesetz ist nicht notwendig. Die Wahlvorbereitungen. Berlin, 3. März. (Tol.-Komp.) Die Vorarbeiten für die Neuüvahl des Reichspräsidenten sind bereits in Angriff genommen worden. Der Preußische InnemnmDer hat den Regierungspräsidenten und dem Berliner Magistrat hie Aufforderung zugehen lassen, die Borarbeiten' flir die Neuwahl so zu beschiiounigen, daß die E i n h a ltung d e s W a h l t e r m i n s unter allen Umstanden ermöglicht wird. Für die Aufstellung der Wahlverzeichuisse sollen die Listen der letzten Reichstagswahlen benützt iverden. Demission dir tückischen Regierung. Angora, 3. Marz. (Havas.) Das Kabinett Fethy Bei hat demissioniert. In einem amtlichen Commnnique wird mitgeteilt, daß das Kabinett F e t h i B e i in einer-Versammlung der republikanischen Volkspartei in der M i n d e r h e i t geblieben ist und deshalb demissioniert habe. Der Präsident der Repnbltt hat Fethi Bei ersucht, dis Regierungögeschäftc provisorisch weiterzusühre». Ler ftitrftemraffhmfc. Frankreich erlaubt türkl ch« Tntppentransporie durch Syrien. Paris, 3. März. (.Havas.) „Peftt Parisien" meldet: jDü französische.Regievung hat in Angora wissen lassen, daß die den t ü r k i s ch e n T r u p p e erteilte Erlaubnis, durch Syrien zu marschieren, sich einzig und allein auf M i l i t ä r t r a n s p o r t e beziehe, die für die Wiedevberstellung der Ordnung in Knrd i st a n unbedingt nötig seien.' MedererSstnaag der italienische« Kammer. Am S. Mürz. Rom, 3. März. (Ste-sani.). Minksterpräsident M u f f okl\nt, der nahezu völlig wiedcrhergestellt vst, hatte mit dem Prästdenjen des Senates T i t t o n i und dom Minister des Innern Federzoni eine Besprechung. Die Einberufung des Senates ist auf die letzte Woche des März, d'.e Wiedereröffnung der Kammer aus den 9. März festgesetzt worden. Gute Anzugstoffe aller Arten zu unerreicht MT billigen Preisen bei Kann & Fried VI. Links Wienzeile 4u (Im hole)