Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2167 (3.3.1925)
- Date
- 1925-03-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Wiener Mornen-eitunn. 3. 'it; mz vlt, 5167 jüdische Arbeit in krez Israel. Mae NiMlkiatt Sir Alfred Aioad«. OM f Dien. D'renSiag ihnen von außen zugeflüslert, sie .noqen sich für bedroht erklären, und diese von außen her geschaffene Lage war das, was der Kardinal einen scharfen Widerstand nennt. Es ist erfreulich, daß eine Milderung der Gegensätze eingetreten ist. Wir haben dies kürzlich auch im „Manchester Guardian" konstatiert gefunden, der erklärt, daß die palästinensisch-arabische Exekutive durchaus nicht die Repräsentanz der arabischen Nation darstellt. Das will besagen, daß sich im arabischen Läger die realpolitischen Tendenzen, wie sie zur Zeit des Völkerbundbeschlusses bestanden, wieder zu regen beginnen. Je mehr sie sich durchsetzen, umso besser wird dies für beide Teile sein, weil sich dann unnötige Friktionen werden vermeiden lassen. Das Mandat, das jüdische Anrecht ist eine feste Tatsache, die in das politische Bewußtsein des jüdischen Volkes eingegangen ist. Diese Tatsache kann nicht mehr eingeschränkt oder aufgehoben werden, es sei denn vom Völkerbund selbst. 2wer da der Völkerbund altsgesprochen hat, daß die historische Verbindung des jüdischen Volkes mit Palästina anzuerkennen ist, — wie kann daS wieder aufgehoben werden? Jede Einzelheit des Problems kann nur im Einvernehmen mit der jüdischen Nation beraten und geklärt werden. Der Kardinal von Westminfter spricht natürlich nicht von ungefähr. Seine Aeußerungen sind nur so zu verstehen, daß sich die Aktion Roms gegen das jüdische Aufbauwerk wieder auf ein neues Gebiet wagt. Es wird allen Gleichgesinnten suggeriert, daß sie nicht mehr bei Englatch allein, sondern bei allen Staaten des Völkerbundes zu minieren haben. Das gilt natürlich auch für uns und wir müssen auf der Wacht bleiben. Kardinal Bournes Aeußerungen. Die katholische Nachrichtenagonbwr Kipa verbro-tet folgondm Auszug aus emem Ardikel des KochmoL-Ergbischofs von Wcstmi>nister Msgr. Bourne: „Die gegenwärtige politische Loge des heiligen Landes sollte jeden interessieren, da es nach so vielen Jahrhunderten unter die Schutzhoheit eines christlichen Staates übergegangen ist. Die heutige Lage läßt sich mit keiner Phase in der Vergangenheit vergleichen. Die Veränderungen des letzten Krieges, die sich in der Richtung einer ausgesprochenen Abweisung irgendeiner Form der A n nexion bewegten, haben zu einer Kontrolle von mehr oder weniger zeitlicher Dauer geführt, die heute als ein v o m Völkerbund einer bestimmten Regierung anvertrautes Mandat bekannt ist. Solch ein Mandat erhielt Frankreich für Syrien, em Titel, der offenbar auf den nördlichen Toll des einst dieser Namen tragenden Landes beschränkt ist, tvahrenid für Palästina ein ähnlicher Auftrag dom britischen Reiche erteilt wurde. Die politische Obe raufficht Großbritanniens war kn ihrer Natur de« Bewohnern Palästinas gewiß nicht unerwünscht. Leider aber war sie mit einer van der Mehrheit des Landes unangenehm empfundenen Bedingung, -er sogenannten B<Hlmr-Deklavadion, beschwert, wonach die Mandatavmacht verpflichtet ist, in Palästina die Möglichkeiten für eine Heimstätte des jüdischen Volkes zu schaffen. Die Begründung und die Entwicklung dieses Versprechens haben oft eine unrichtigeDavstellung erfahren. Sie werden im Ausland immer vergessen und mißdeutet. Die britische Regierung gab in der Tat dieses Versprechen 1917 unter dom furchtbaren Gewicht und den Forderungen des Krieges. Dieses Versprechen aber wurde von den Murrten und in der Folge dann auch von den assoziierten Regierungen angenommen und gutgeheißen, nie aber und auf keine Weise zurückgewiesen. Ich gjlanbe, eS ist unmöglich, irgend einen Protest, selbst von seilen der neutralen Lander, wie Spanien, dagegen ausfindig zu machen. 1920 vaitsizierbe die Konferenz von San Remo das Versprechen und verleibte es dann dom Vertrage van Sevres ein. 1922 fügte der Völkerbund di« Erfüllung des Versprechens dom Mandat bei. durch welches Palästina der britischen Herrschaft anvertraut wird. Es ist deshalb im höchsten Grade unkorrekt, vorzumachen, wie dies gelegentlich unsere ausländischen Freunde tun, das Versprechen sei besonders und ausschließlich britischen Ursprungs. England sei allein rasür verantwortlich, es könne durch einen Einzelakt der britischen Regierung abgeändert und annulliert werden. Die ganze assoziiert« und alliierte Welt hat dafür die Verantwortung übernommen. Abä nde rung oder Annullierung fallen heute ausschließlich in die Kompetenz des Völkerbundes in Genf. Beide sind von der Bereitwilligkeit oder der Weigerung einer einzigen Macht unabhängig. Aber es besteht darüber kein Zweifel, daß dieses Versprechen bn Palästina eine außerordentlich schwierige und verworrene Lage geschaffen hat. Di« nichtjüdische Bevölkerung wurde 1922 in runden Zahlen aus 678.000, die jüdische aus mvr 79.000 geschätzt. Man kann sagen, daß oaS Versprechen nur der Mischen Einwohnerschaft gelegen kam. Unter solchen Umstanden und inmitten solcher Begleiterscheinungen wurde England berufen, Palästina zu agieren. Als ich 1919 das Land besuchte, war die Lage eindeutig drohend. Es machte sich bei einem Teile der eiligeivanderton Juden die Tender^ geltend, eine mit der Balfour-DeAaratian in keiner Weise überoinstinrnrende HouGojt M verlange» (?) unfc fte fi$ tarnt am Aus Icrusale m wird ums geschrieben: Sir Alfred Mond trat am 21. Februar die Rückreise von Palästina nach England au. Am Tage seiner Abreise richtete er eine Botschaft an di« amerikanische Jlchenheit im Zusammelchli-ag mit der dort gegenwärtig vor sich gehenden Keron-Hajessod-Kampagne. In dem Schreiben Sir Alfred Monds heißt es unter anderem: Nach sehr e'ngshender Prüfung der Lage in Palästina freue ich mich, daß der m den letzten vier Jahren erzielte Fortschritt ein überraschender ist. Der Wiederaufbau Erez JftaelS ist gesichert, wenn nur daS zur Fortsetzung der Arffbauarbeit nottreudige Geld geschafft wird. Jeder Dollar, der jetzt geleistet wird, bringt mehr Nutzen, als eS 10 Dollar nach zchn Jahren bringen werden. Je. höher perAuf-- baufonds, desto besser die Ergebnisse. Wenn die Geldspenden larrgsam einsließen iverden, st» wird das der Entwicklung des Landes sehr schaden, die Unternehmrmgen müssen vor der Gefahr des plötzlichen Kapital s m a u g c l s geschützt iverden. Die schon jetzt kn Palästina lebenden amerikanischen Juden fühlen sich sehr glücklich u-nb hoffen, daß wertere amerikanische Juden hierher kommen werden, um am Aufbau des Landes mit-uarbeiten. Soviel Menschen als möglich sollten das Land besuchen, denn in jedem, der Erez .Israel sicht, erwacht der Wunsch, zu helfen. In Palästina.mich alles durch die jüdischen Gründungen geschaffen ^werden, die Negierung ist nicht imstande, irgendwelche Unterstützung zu leistem Wenn di« neuen Siedlungen subventioniert werden, so - iverden sie sehr bald ein« hohe Stufe der Produktivität erreichen. Die älteren Siedler haben nicht nur die Reise und Siedlungskosdeu vollständig abgezahlt,, sondern sie zahlen auch., schon für das ihnen übergebene Siedlungs- I a n d. Aus allen Gebieten ist in Palästina eine zunehmende Tätigkeit zu merken, in erster Reihe sind größere Kreditgewährungen für Häuservau, Jndustriegründungen und Landentwicklung notwendig. Polen und Palästina. Warschau, 28. Februar. (I. T. A.) In der S e j mr o m m i ssion für Auswanderung refevwrk der jüdische ^Deputierte Dr. S ch i p p c r am .25. Februar über den Antrag des jüdischen Parlattieutsklubs, einigest Palästinensern sdie Einreiseerlaubni s nach Polen zu kurzem Aus- «nthalt M gewähren, damit sie hier die Auswanderung 'nach Palästina organisieren Der Referent imes auf die -große Bedeutung der Palästiuawanderung für Polen hin -und führte aus, gegenwärtig fei Palästina das wichtigste Emwandermrgsland für polnische Bürger. Während die Jahresguote für die Einwanderung polnischer Bürger nach Amerika bloß 12.000 betrat, ist eine jährliche Einerregte natürlich den schachen Widerstand der eingeborenen arabischen Bevölkerung, ohne Unterschied eines christlichen oder nwslomi tischen Glaubensbekemvlnifses. Ich habe 1920 in Liverpool meine Ansicht über die Lage frisch und frei iundgegeben, und die nachfolgenden Ereignisse haben meine damaligen Anschauungen als zutreffend erwiesen. ,W«un man die gleichen Orte 1924 besucht, st» wird jeder objektive Beobachter gugeben muffen, daß sich die BerhAtnisst seither bedeutend zum Besseren gewendet haben. Die Zionisten versteifen sich nicht mehr auf ihre unklugen Fovdeumgen und auf das Verlangen nach einer unhaltbaren Herrschaft. Der Araber sieht anscheinend langsam ein, .daß unter dom Mandatssystem Aenderungen in-der politischen Gestaltung langsam und geduldig abgekartet werden muffen. Im Bewußtsein ihrer Verantwortung gegenüber einer außergewöhnlichen Schwierigkeit und Verwicklung der Lage hat die BevwcL'tuug sich immer bestrebt, gerecht undkorrektzu sein. Die Behörden höben sich bemüht, mit den Schwierigkeiten ihrer Aufgabe fertig zu werden. Sie sind die evsteu, die zugeben, daß sie Fehler begangen ijaben. Unterdessen hat man sich immer der Tatsache des Mandates und der ihm eingc gliederten klugen oder unklugen Balfour-DeKaratvon zu erimmevn und mit ihr' zu rechnen. Wenn dieses Mandat vernünftig interpretiert, angewandt und angenommen wird, so schließt es vielleicht bei ruhiger und geduldiger Anwendung die langgesuchte Lösung der Frage der Negierung des hoi'ligen Landes in sich, eine Lösung, die die e in he im ische Bev ölke rung und die gerechten Forderungen der Christenheit zugleich befriedigt." Kardinal Bourne schließt seine Darstellung mit einem warnten Aufruf an das Verständnis und die Friedensliebe aller. Ae zionlstenverhastuugen kn Rußland. Moskau, 1. März. (I. T.-A.) Dieser .Tage, wypden in Minsk zahlreiche junge Leute verhaftet, die beschuldigt werden, den illegalen Organisationen „Hechawer" und „Zeire Zion" anzugehören. Infolge der Ueberfüllung der Gefängnisse wurden die Ncuverhafteten in einer Zelle untergebracht. ivanderung nach Palästina von 25.000 vorgesehen. Auch der Handelsverkehr zwischen Polen und Palästina ist in ständigem Wachsen begriffen. In den 'letzten sechs Monaten exportierte Polen nach Palästina große Mengen Holz, Maschinen, t^aia-n'.eriewaron usw. Zu gleicher Zeit wurden aus Palästina Früchte, Wein, Leder, Wolle ufw. inkportiert. Der Vertreter des Außenministers erwiderte auf die Allsführungen Dr. Schippers, die polnische Regierung an erkenne voll die Wichtigkeit der Palästinawandemmg für Polen und lege Geivicht auf ein« Handelkverbinduug zwi schen beiden Ländern. Die Negierung werde den polnischen Konstkl in Jerusalem Ordre geben, der Einreise dcr^ palästinensischen Herren m Polen keine Dchioierigkeiton in den Weg 4» legen. Sie Kodoorie-Stadt. Der Stifter in Erez Israel. Jernsalem, 28. Februar. (I. T. A.) Ter bctüimu jüdische Philanthrop E. S. K a d 0 v r i c ans S cb a n g b -.1' bst dieser Tage hier eiugetvosfen. Er ist von zweien sei ^7 Söhne -begleitet und erwartet hier seinen Neffen, Mr. '?'i; uascc Abraham G u * g i, der mit ihm zusanvmen di« Br r bereitu-ngen für den Bau der Kad00ri«-Stadl für- Orierrtfudeil irr der Nähe von Afuleh treffen s!i. Mr. Gurgi ist einer der führenden Zionisten in Bagdad. Dr. Ariel Benzivu, der Vertreter des Keveu. .Hajessvd m Fernen Osten, ist in Jerllsalem eingetrrss.'n. Sein Besuch stcht mit der Legung des Grundsteins;i'v Kadoorie-Siedlning im Zusammenhang. In Koustantinopel, wo Herr Kadoorie ans der Reise .weilte, besuchte er in Begleitung von Dovsteher» der jüdischen Gemeinde das nach -dem vorjährigen Brande neu erbaute jüdische Waisenhaus, in welchem gegenwärtig 180 Waisenkinder untergebracht sind, ivährend weitere 750 auf die Aufnahme warten. Mr. Kadoorie besuchte auch das jüdische Krankenhaus und das Mtershei-m. denen er schon früher namhafte Geldbeträge gugesührt. hat. Mr. -Kadoorie wurde auch von der B'nrvi-B'vith-Loge feierlichst empfangen.-Me Mitglieder des Konistantiniopeler Ordens waren anwesend. Der Präsident der Orientgroß- Loge, Mr. I. N i e g 0, hielt eine feierlich Ansprache an den Gast. Bevor Herr Kadoorie Konstantinopel verließ, Um fiel), nach Palästina zu begeben, überreichte er der Kdisch.'n Gemoide eins große Geldsumme für die verschiedene» Anstalten. Er spendete 15.000 Pfund für den Bau einer; jüdische« Schule gut Balat, dom ärinsten Viertel. Konstanll>nope!ls, 10.000 Pfund für den Anlkauf 'ein. -:- Grundstückes zwecks Aufbaues eines K a d 0 0 r i e -- P a villons des Krankenhauses, 2000 Pfund fih; das jüdisch« Waisenhaus, 2000 Pfund für ' d.»' Sie ftonferens des polnischen Mirrachj Warschau, 3. März. (I. T.-A.) Nach viertägigen Per» Handlungen wurde die vierte Konferenz der Misrcxhi organisation in Polen geschloffen. In längeren Ans führungen beantwortete der Präsident der Landesorgani sation Leopold Farbstein die Einwendungen der Tis kussionsredner und kam insbesondere auf das Verhältnis der Palast in aarbeit derAkudah zu spreche». Er sagte: „Wenn es dem Rabbi von G 0 r a K a l v a r j a (Gerrer Rebbe) gelingen sollte, 100.000 Juden nach Pa lästina zu bringen, so stelle ich mich unter ihn als Soldat." Hierauf hielt Rabbiner Gold (Jerusalem) ein Referat über praktische P a l ä st i n a a r b e i t. Der Vertreter der 0 st g a l i z i s ch e n Misrachi teilte mit, seine Orga nisation habe soeben 8000 Dunam Boden zwecks Jirsta« lierung individueller Farmen erworben. Herr Lande hielt ein Referat über die Galutharbeit. Ueber. die geistigen Probleme der Palästinabewegung sprach Dep. Raö biner Bront. Herr P l e ß l er - Tel.-Awiw referierte über die Misrachi-Bank in Palästina. Dep.-Dr. F e l d-: mann sprach über.die Probleme der Jugenderziehung:. 1. Organisierung einer zentralen Erziehungsorganisatioil, 2. das Unterrichtsprogramm, 3. die politische Unterlage des ErziehrlUgAweseüs. Für die Misrachi-Schulen. sagte bei- Referent, existiert keine jiddische Unterrichtssprache, eine Spräche, die wir im Galuth angenommen haben. Wir akzeptieren die polnische Sprache, die uns praktisch notwendig ist. und -die hebräische Sprache als Misere national-religiöse Sprache. Eine gemeinsame Schulbewegung mit der Agudah ist grundsätzlich zu wünschen. Wenn dies nicht gelingt, so bleiben uns als Ziel, die Tarbuth-Schulen. In daö Zentralkomitee wurden gewählt: Leopolds Farbstein als Präsident der Gesamtorganisatipn, fer» ner Dep. Rabbiner B r 0 d t, .Rabbiner I. Nisse nb a u m, L e w i n - E p st e i n, Dep. Dr. Fel d m a n» Rabbiner Aleschkowskim, I. TscheranSki, Sch. Landau, A. Silberberg, M. PriweS, I. Engelmann, A. Neufeld, Katzenellbogen, Sch. Wassermann, A. Blum, Goldenberg, I. Ztmberknop und A. Reichert. Nach den Schlutzansprachen wurde die Konserenz unter den Klängen de« Hatikwah geschloffen. Hilfsfonds der B'naii Berich, femer Mmhask 2»»; men für ändere lwohltatige Zwecke. N«MWMIWWWWWWWWWW>»WW»»W»W»W»WWlW»WWWMgAEe .