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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-01 · Heft 2165 (1.3.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2165 (1.3.1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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<So4t,ittag Sk. 8168 Wiener Moraenzettuns. i Mörz 1926 Sch» I Sin deutsch-franzSfisches Handelsderttagmovllorlam. Paris, 28. Februar. (Havas.) Handelsminifter Rayaaldy «ab Staatssekretär Dr. Trendekenbarg haben den französisch-deutschen Modus vivendi unterzeichnet. Die beiden Schreibe», worin der Abschluß des Uebereinkdmmens ftftgefiell« wird, werbe« «uverweUt veröffentlicht werden. Für die Dauer des vorläufigen Regimes gewährt Deutschland Frankreich die Meistbegünstigung mit Ausnahme einer eingeschränkten Liste von Waren. Sie -awes'SttWchtans der drnftchen Industrie. Fünf MMardeu Goldmark in Obligationen übergeben. Berlin, 28. Febvuar. (Woilff.) Heute mittags erfolgte di« N-ebergabe der im TaweS-Gutachten und in dem auf der Londoner .Konferenz vereinbarten Industriebelastungsgese tz vorgesehenen Einzelovl-igationen der deutsche» Unternehmungen in der Höhe von fünf Milliarden Gold mark durch den Präsidenten des Aufsichtsrates der Bank für deutsche IndustriLMigationen Krupp v. Bohlen-Halbach an den von der Re-pavationskonnmssion ernannten DreuihLnder Nogara in GogcMvart von Vertretern der Reichsvcgierun-g und der Reichs schuldend erwa-ltu.rig. Es wurde hierauf in einem Protokoll festgestelll, daß sämtliche bis 28. FÄbruar 1925 fälligen Verpflichtungen aus dom Induistriebelaftungsgsfetz restlos erfüllt sind. Die Konferenz der Neinen Entente. Dom 30. bis SS. März in Bukarest. Äraz, 28. Februar. Die ,Tagespost" meldet ans Belgrad: Wie von -maßgeib-ender Seite mitgetMt wird, ist die Konferenz der 'kleinen Entente für die Zeit vom 20. bis 35. März nach B u k a r e ist cinbevufen worden. Das Detavliprogramim -ist noch wicht bostmvrnt, doch verlautet, daß auch Wer -den Eintritt Griechenlands in die kleine Entonte verhandolt -werden wird. Selbstmord des Kronzeugen im Marstd-Prozeb. Aus Furcht vor Verfolgungen der Marffy-Masia. Budapest, 28. Februar. Franz K.i ß, der Haupt" dÄastu-ngsKeuge gegen Marffy uitd Genossen, die Bombenattentäter gegen das Wisabetihstädter Kasino, ist vor klvvzom nach Budapest znrückgekehrt; er war ^bekanntlich, um feine für Marfsh und dessen Hintermänner kompromittierenden Kenntnisse über das Attentat abzuschwachen, zuerst der MttSterfchas-t avgÄklagt und dann „veranlaßt" worden, ins Ausland zu flüchten. Sorne Rückkohr erfolgte, Avachdem chm Straffreiheit und Schutz vor Verfolgungen ,zuge.sichort worden war. Heute nvittags rief nun Kiß die Po-l-izeiröpovter >dvr Zeitungen in das Cafe Holland, wo sie, wie er ihnen Ibedeutete, Zeugen eines sc n-sa ti o nellen Bo rfal-le's sein könnten. Ms die Journalisten, dom Rrrft folgend, im Cafe Holland eintrafen, schoß sich Kiß sine Kugel in die Brust. Er wurde in sterbendem Zustand «ins Spital überführt. In einem Hinterlasfenen Schreiben sagt er, er habe -den Zeitungen beweisen wollen, daß er im letzten Augenblick feine Seelenruhe bewahrt habe. Kiß hat auch an die O b e r stad t ha u p tm an nschaf-t ein Schreiben gerichtet, worin er eMärt, daß er vor den Verfolgungen des Blutgerichtes der Freunde Marffy's in den Tod flüchte. Er befolge damit das Beispiel des Johann LaSnhik, der, um strnen Verfolgern zu entgehen, in die Donau gesprungen ist. D-'r Zustand des Delbstnrörders ist h o f f n n n g s l o s. War Frank «ad Ratsch «Nichte». Frmkreich verlangt et« neuerliches Snschlußverbot. Paris, 28. Februar. .In der Außenkovrmission des Senats gab Mimsterpvostdent H « r r i o t ausführlich« Erklärungen -über die Außenpolitik. Bei Bofpvechuny der Sicherhertssvage gab Herr rot bekannt, daß Engjland eine interalliierte Konferenz über die Siche rhertSfrage für den 11. Marz a-nibe umritt habe, -und hob hervor. Frankreich müsse auch Garantien bekommen, daß sich Oesterreich nicht an Deutschland anschließe. _._ Aar Märzbuügrt. Das Defizit 12^7 Millionen Schilling. Der Monatsvovanschlag fiir März 1W3 weist Einnahmen von 72,60 Millionen Schilling und Ausgaben von 81,28 Millionen Schilling auf; demnach ergibt sich ein Defizit von 11,68 Millionen Schilling, an welchem das laufende Budget mit 6,34, das Investitions- Ludget mit 5,34 Millionen Schilling beteiligt ist; überdies weilst die KontoSorrenlgsbarving einen Abgang von 890.000 Schilling auf. Das MonatSdestztt wird durch die halbjährige Clearingzahbung an England und die BnerteLsichrK- ,zahlung aus dem «MdbahnoMommen -erklärt. «iederststerrelchischer Landlag. In einer neunstündigen Sitzung hat gestern der nredevösterveichische Landtag das Budget angenommen. In -der Debatte beschäftigte man sich homptsächkch mit der Schulfrage, wobei der Groß-dmrtsche Mittermann sich für die religiöse Erziehung der Jugend auSisprach. Beim Kapitel „Straßen"" beschwerte sichMg. Jedek Mer den Wechten Nachrichtendienst in Hochwasserzsi-ten. Das herzhafteste Getränk, billig und von unnachahmlichem Wohlgeschmack ist Kathreiners Kneipp Malz, kqffee. Er ist das wahrhafte Famllisngeträne zumal er auch von Kindern. Schwache» und Krmckeu gpt verttagp» «chch. Aus aller Welt. Paris, 27. Februar. (Havas.) Die Karnmer hat heute die Berallu-ng des FrumMctetze-s fortgesetzt und den Artikel «nrge- «W-ni-men, der den Effetkivstand tzvr französischen Armee für 1Ä2n .mi-t 607.000 Mann, 72.500 Uwerofsi-ueren s-owiie 32.000 Ossi ziere,» stifb <ben EMtivstand -der Mavme an OWzieron mit 4200 ftstsetzt. London, 2.n. Fcbvum. <Rcuter.) StaatÄsekvvt-är -des Aeußern, Hhamberioi-n, wird in der nächsten Woche nach Ge-ns rs^en, «dm .dem B ö l l-rrb-und rat §n ersuchen, die Prüstnr-g des Protokolls betreffend Ab-rnstmrg imb --L-chicd-s gevicht zu v e r tag ou. London, 27. Fcbrua-r. (R-c-u.l-.er.) Die Mm-isterien für Ke intim dcnft AoußoreS haben Leine Gestüt igvn g der 2!och nicht von dom Einfall der Wahqdrteu -m Trarnsjordanien -erhal-ton. Brüsiel, 26. Februar. (Tcl.-Konlsi.) Man versichert an iMistandiger Stelle, daß die königliche Vervvdirung Mer die Auflösung der Kammer am 7. d. veröffenlilichr wer den wird. Die Wahlen wevdsn fora-nn a-m 5. April statt siinidvn Ed die neue Kammer wird LIN -28. April M0NNN.'Ntretm. London, 28. Fsdrua-r. Bei -der Erjatzwadl in Wal' fall, die «roAvenlbkg wurde, da -der konsie-rvatitze -Zebgeorbnetc Preston zur Zeit -seiner Wahl ebnen Licsernngsvertro-si mit dsm Staate «n-och «nicht rückgängig gemacht hatte, vmrde Preston mit 14.703 Stimmen wi-edergewäM. Sein Liberaler Gapenkondiidnt erhielt 12B00, der Ärboiterpartsil-L-r 11.610 Stimm.'u. Mo de Janeiro, 27. Februar, (-tzavos.) In N-ithe rov ist «i«n Magozi-n mit Expl-osmstoffen in d-.e Snft yesiog-en. Etwa 100 Personen w-u-rden getötet «nmd 600 verletzt. 3000 Häuser wuvdvn vollständig zerstört. Graz, 28. Februar. Die „Tagespost"^ meldet aus Sarajewo: In einer Eisenhandl-una in Tr ob in je explodierten gestern aus unbekannter Ursache die Vorräte an Muni tion mtb Explosivstoffen. Die WerLstätte wurde, völlig demolliert. Was Wrig Web. vernichtete das Feuer. Auch di«' anlwenzenden Gebäude -wurden stark befchädi-pt. Mit Hilfe von MÄitär gelang es. das Feuer zu loLaWeren. Ml Lehrling umrde -tot unter den Trümmern hervovg^ogen. Misnichistische Landeskonferenz io Pole«. Warschau, 27. Februar. HI. T. A.) Am 23. Februar wurde in Warschau im großen Saal der jüdischen Gemeinde die vierte Lande'sLonstrentz -der polnischen Misrachi -i« Antwesenheit von 300 Delegierten ans 260 Städten eröffnet. Unter den anwesenden Delegierten zählt -man 70 Rabbiner. Abg. F a r b st e «r n, Präsident der Misrachi -in Polen, eröffnete di-e Koin-fer-e-nz mit einer hebräischen Ansprache. Er betonte, die Misrachi strebt nach Aufbau des jüdischen Landes im Geiste -der Dhora und der Ueberliefevung. Im Namen -der palastinentsrschcn ARSrachl begrüßte Rabbiner Gold die Konferenz. Zw, Namen der allgemeinen Ziomstischen Organisation sprach deren Präsident Herr L « v i t e. Die Konferenz wurde auch von den Misvachi-Orga-u-ifationen anderer Länder, vom Keren Hajessod, vom Rationalfonds und vom Palästinaamt begrüßt. Am Namen des RaMnerverbaudes lbegrüßtc Rabbiner Braunrot (Ezenstochau), im Namen der westgalizischen Ra-Vbmer Rabbi Asch die Konfevsyz. Z n der Sitzung vom 24. Februar wurde ein Permanen-z ausschuh aud 36 Personen sowie das folgende Prüsidman gewählt: Deputierter Dr. Farbstein, Deputierter Dobtor Feldmann, Rabbiner Bradt, Pisuk (R-owno), Bialev (Lodz), Katzenellenbogen (Warschau), Dr. Hivschfo'üd Mllizien), Kolen, Dr. Wtsel, Afchikenas, Rabbi Gold, Rabbi Bvaunwt, Dr. Mark, Rabbi Mairowioz, Tvus, Bomcr m»d Engelmarm, m ältesten jüdischen Druckereien. Nicht frei vor aller Welt konnten die jüdischen Druckereien in der ersten Zeit nach, ihrer Entstehung arbeiten. Sie mußten im geheimen arbeiten, waren in des Wortes buchstäblicher Bedeutung „unterirdische" Druckereien, tief unter der Erde verborgen. Dort arbeiteten sie, von dort aus verbreiteten sie, Kerker und Schafott trotzend, ungeachtet, der schweren körperlichen Foltern, das Licht des Wisiens, brachten sie die Gebetbücher für ihre Kinder, die f ü n f B ü ch e r Moses und den Talmud für die Erwachsenen heraus. In der Türkei, wo der Sultan selbst den türkischen Untertanen das Druckergewerbe bei Todesstrafe verboten hatte, blühte die unterirdische jüdische Druckerei am üppigsten. Hier entstanden die Drucke hebräischer Bücher jener Zeit. Der aufgeklärtere und gelehrtere Teil des katholischen Klerus zeigte, sich zeitweilig eher zu Kvnzeflionen bereit und so tänl es, daß dem Aiusterdamer Juden Daniel Bromberg im Jahre 1517 gestattet wurde, in Beledig eine hebräische Druckerei zu errichten, in welcher icdoch ausschließlich jüdische Setzer beschäftigt werden durften. In dieser Druckerei wurde zum ersten Male p.nnkiierter hebräischer Text gesetzt. Die Ansichten der Historiker gehen über die Natio- -vui<ät des Druckers Bromberg auseinander. Manche ihn für einen Christen, doch gilt es heute schon als ('rbüescu, daß er Jude war. Hingegen, begegnet man auch der Ansicht, daß schon vor Bromberg hebräische Druckwerke mit punktiertem Text erschienen seien. In der Brombergscheu Druckerei sollen zweihundert jüdische Setze« beschäftigt gewesen sein und jeder der zwölf Bände der in seiner Offizin hergestellten TalmudausgaLe soll Bromberg selbst hunderttausend Taler gekostet haben. Interessant ist nebenbei auch die Tatsache, daß die Italiener, die die Abneigung der Türken gegen jede Druckerei kannte» und wußten, daß der Türke keinen gedruckten Koran in die Hand nehmen würde, im Iah« 1518 dem Buchdrucker Pagänini in Brescia die Erlaubnis zur Einrichtung einer Druckerei für die Türke« erteilten, in welcher der Koran in arabischer Sprache gedruckt und dann im Orient verbreitet wurde. Wie bereits erwähnt, wurde den Mohammedanern im Mittelalter die Aneignung der Kunst des Buchdruckes oder gar das Drucken des Korans mit dem Tode bestraft. ES ist selbstverständlich, daß auch die Verbreiter von Druckwerke« in der Türkei keine milde Straft zu gewärtige« hatte» und dennoch fanden sich Fanatiker der Buchdruckerei und des Buchhandels. Die Portugiesen erwiesen sich in dieser Beziehung als toleranter den Juden gegenüber. I« Portugal durften die Juden schon im Jahre 1480 in Lissabon eine Offizin errichten. Drei. Jahre später, 1498, erstand in der portugiesischen Stadt Leiria eine zweite jüdische Druckerei. Diese zwei Druckereien waren die ersten in Portugal überhaupt. Die christlichen Druckerwerkstätten sind erst später entstanden. Auch nach Polen haben Jude« das Dmckereigewerbe eingeführt. 1517 beginnt in Krakau eine jüdische Druckerei mit der Herausgabe des Buches „Sepher Hab-. bachur" ihre Tätigkeit. In Syrien waren gleichfalls Juden die ersten Buchdrucker. 1563 wurde in Safed am Tiberiassee die erste jüdische Druckerei geschaffen,, die zweite folgte im Jahre 1678. Hier konnten die Türken ih« Macht nicht in vollem Maße fühlen lassen, weshalb sie sich damit begnügten, strenge darauf zu sehen, daß die Juden den Koran nicht durch Drucklegung entweihen. .. Aber nicht nur der Sultan gehörte zu den unerbittlichen Gegnern des Druckergewerbes, sondern auch die Jesuiten. Allerdings nur soferne Angehörige anderer Religionen Druckereien in Betrieb hatten. Sie selbst unterhielten in ihren Klöstern geheime Druckereien, die sie Tag und Nacht beschäftigten. Der gelehrte griechische Mönch Nieodemus Me-- tana war schon nahe daran, im Jahre 1547 durch den Einfluß des griechischen Patriarchen die Bewilligung zur Errichtung einer Drucke«! in Konstantinopel zu erhalten, im letzten Augenblick jedoch vereitelten die Jesuiten durch ihre geheimen EinMffe am Sultanhof die Pläne des Griechen. Der Papst ließ, um den verfolgten Ärmenierrr zu Hilft zu kommen, in Venedig eine armenische Druckerei Herstellen und im Jahre 1698 nach Konstantinopel überführen, tvo er sie Kraft seiner - Machtbefugnisse als Papst unter den Schutz der Mönche stellte. Der Sultan erschrak zunächst über diese Ueberrmnpelnng, faßte sich aber sofort und gab feine« Janitscharen den Befehl, die TeuftlSdruckerei zu demolieren. Die Janitscharen führten den Befehl schon anr Tage nach der Aufstellung der Druckerei so gründlich aus, daß die Druckerei nicht mehr betriebsfähig genmcht werden konnte. Die Juden aber trotzten den kaiserlichen Gewalttätigkeiten, und bereits 1490 gab es eine unterirdische jüdische Druckerei, die von einem spaniolischen Juden, namens Abraham, in Betrieb gehalten wurde. Die Druckerei war sehr gut beschäftigt und der Keller, in dem sie untergebracht war, befand sich an einer Stelle, wo er am allerwenigsten vermutet wurde: im Mchbarhause des Jildis-Kiosk. Hier wurden nicht nur hebräische Bücher, sondern auch der Koran in unzähligen Exemplare» hergestellt. Das erforderliche Papier wurde durch die auf die Meeresftite mündende Tür in die Kellerdruckerei geschtnuggelt. Selbst in der Zeit der schwersten Dmckereiverfolgungen in der Türkei ließen sich die Juden nicht abhalteu, Bücher zu drucken. Der Pariser Louvre besitzt ein hp, bräisches Buch,, das im Iah« 1606 in Damaskus gedruckt wuchs,/"

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