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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-01 · Heft 2165 (1.3.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2165 (1.3.1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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teBiS Wien, Sonntag Wiener Morste «zeit ung. l. Mär: 1 )lt. AS6 Der vund der Drei. i—. Wie n. i. Marz. Die antijüdische Dreiheit: christlicher Klerikalismus, nationaler Imperialismus und Kommunismus arbeitet mit erstaunlicher Präzision. Es besteht sicherlich keine äußerliche, technische Verbindung zwischen diesen drei Elementen. Sie sind einander spinnefeind. Aber das hindert sie nicht, einen Antisemitismus bald der Tat, bald des Wortes zu betreiben und wenn sie einander auf dem Gebiet des Ghettos treffen, dann spielen die sonstigen Feindschaften in Bezug auf Weltanschauung und soziale Neuordnung nur eine sekundäre Rolle. Sie treten an die Iuvenfrage von verschiedenen Gesichtspunkten heran. Der römischen Kirche gilt das Judentum als der Feind der Autorität schlechthin. Der Nationalismus haßt im jüdischen Volk die Demokratie und den Gedanken der Freiheit. Der Kommunismus hat das Judentum zum Repräsentanten des Kapitalismus ernannt. Alle drei fasien das Judentum als eine einheitlich organisierte Gemeinschaft auf und konzentrieren alle Kräfte darauf, den Einzelnen für die Gesamtheit und die Gesamtheit für den Einzelnen zu bekämpfen. Es ist die bedeutsamste Aufgabe der jüdischen Presse, diesen Umstand hervorzuheben und das jüdische Volk damit vertraut zu machen, daß es auf keinem Gebiet, in keinem Staat unangefochten seines Weges gehen kann und daß es überall einen der drei Feinde, oft aber alle gemeinsam gegen sich auftreten sieht. Die vom Völkerbund vollzogene Anerkennung der jiidischen Ansprüche auf nationale und kulturelle Autonomie im jüdischen Land, hat in die antisemitische Kampagne neue Impulse gebracht. Der Zionismus hat diese Ansprüche angemeldet, ihre Inkorporierung in das sich neu bildende internationale Recht erzielt und er hat mit verdoppelter Energie das Werk des Aufbaues fortgesetzt. Er hat, da er -nicht nur die territoriale, sondern auch die geistige Erlösung des Judentums anstrebt, das Leben des Volkes neu beschwingt. Er stärkt die positiven.Kräfte und zieht die ganze Nation in den Bereich seines Strebens. Sie wäre in der Sturmflut^ des. antisemitischen Orkans zugrunde ge gangen, wäre nicht der Zionismus dagewesen, der ihr das nationale Ideal gab und den Weg zur vollen freien Entwicklung öffnete. Die Gegner des Judentunis, die ihren Triumph schon greifbar vor sich gesehen hatten, stellten sich rasch auf diese neue Erscheinung ein. Sie haben die Bedeutung des Zionismus als des Erweckers des nationalen Lebenswillens erfaßt, sie wissen heute, leider viel besser.als die Mehrheit des Judentums, was die nationale Konzentrierung in Erez Israel für das ganze Judentum bedeutet. ’ Unsere Todfeinde haben dies erkannt und deshalb führen sie den Kampf mit vertausendfachter Intensität gegen den Zionismus, die zionistische Arbeit innerhalb und außerhalb Erez Israels. Sie arbeiten mit Hetze, mit Lüge, mit Denunziation und sie gucken einander alle Argumente ab, die sich nur irgendwie verwerten lassen, um die Völker zu vergiften, unser Werk der Freiheit und des Friedens im Entstehen zu vernichten -und das Judentum zu spalten. Denn sie alle kennen nicht nur den Zionismus, sondern auch aus einer langen Erfahrung die jüdische Assimilation, die sich gerne umschmeicheln und als Bundesgenossen gebrauchen läßt. Im Judentum selbst finden die Drei ihre guten Freunde und auch im Judentum ist von den nationaldeutschen Israeliten über die klerikale Agudah bis zur Moskauer Jewsekzia die Trias der Gegenspieler erstanden. Von Rom war hier schon zu wiederholtenmalen, aber noch immer zu selten, die Rede. Heute ist zu verzeichnen, daß Monsignore Barlassina, geschmückt mit dem höchsten spanischen Orden, wieder nach Jerusalem;urückgekehrt ist und daß prompt die palästinensisch- Deutschlands Kriegsvorbereitungen. Lbekft Reviagtoa erlSutert de« Bericht ver Kontrollkommission. London, 28. Februar. Jur „Daily Talegva.pl)" macht Oberst Repington Angaben über die Hauptpunkte des Berichtes der Kontrollkommission und sagt, der erste Teil des Berichtes gebe ein« Aare und eingehende, von einen: halben Dutzend Anhängen unttnsfützte Schilderung der -unnachzieDige-n O b st r » k t i o n. auf die die alliierten Offiziere bei der Evfüllung ihrer Pfkrhien gestoßen seien. Rap!ngton erklärt weiter. der große Generalstab sei nicht, wie vertraglich festgesetzt worden sei, aufg-elbst, sondern neu aufgebam worden und sei das Nervenzent-vuim einer großen Armee. Das deutsch« Heer von 1914 habe 241 Generalstäbler besesstu. Im. Jahre 1922 seien es 215 gewesen und fetzt gebe cs 2 50 G e n e r a l st a b l e,r. Eine 'Armee von ctlva fünf Millionen hat 341 Generalstäbler gehabt, welcher Truppe entspräche die Zahl von 260 Generalstä'blern? Die Kommission bemerkte, wie Repington weiter mit- .teilt, hinsichtlich der - ‘ Reichswehr „sanft, aber bestinimt", daß ihre Organisation auf' einer Auffassung begründet sei, die von der des Vertrages abiv.'iche. .Ihr Zweck fei rin großes Kader, sie sei keineswegs ein kleines Berufsheer in der Art des errglischeu, sender» beschäftige, sich -mit der Vorbereitung von Kaders und der m i l i tä r i s che n B v r be re i t n ng d e r I uge n d sowie der Ausbildung des Heeres im Hinblick auf einen Krieg und imt der Militärischen Organisation d e r N e i ch s b ahne n, bei. denen auch heute noch alles Material für den Kri-vgsgeörauch vorhanden soi. Tie Kontrollkommission habe wohl keinen Unterschied zwischen -der autorisierten Stärke der Reiehstvehr und der vorgelegten arabische Exekutive mit der Sperrung der „heiligen -Stätten" am Tage der Eröffnung der jüdischen Umvcrsität droht. Welche , heiligen Stätten sind das wohl? Zur Unterstützung des würdigen Patriarchen ist auch ein eigener „Wächter am heiligen Grab" ins Land gekommen. Und als wäre dies noch immer zu wenig, die verhaßten Ketzersnden zu verderben,-so rückt auch noch die kommunistische Internationale in Moskau mit einen! geschwollenen Aufruf ihres Orientbureaus aus, in welchem die Arbeiterschaft äufgefördert wird, -gegelt den.'/ „weißen. ^Terror., in - Palästina" zu protestieren, der. vom Zionismus. als. dem Werkzeug des englischeli Jrnperialismüs an' deü Aiäbern verübt wird. Dieses Schanddokmnent geht aus von der Pariqi der Tscheka, votl der Partei,. die ihre Herrschaft nur durch Füsiladen aufrecht hält, die in Georgien den Galgen aufgestellt hat, die in ihren Kerkern, in ihren Deportationsorten Tausende von Juden zugrunde gehen läßt. Diese Partei wagt es, vom weißen Terror zu sprechen! Diese Partei hält jüdisches Renegatengesindel in Sold, das sich gerne gegen das eigene Blut verwenden läßt. Die kommumstischen Mietknechte haben sich natürlich auch in Erez Israel eingeschlichen, wo sie nicht Aufbauarbeit leisten, sondern das „unterdrückte arabische Proletariat" gegen die jüdischen Proletarier hetzen. Ihren Informationen entnimmt die kommunistische Presse die Daten gegen den Zionismus^ die den römischen Erzählungen sö auffallend gleichen und die sich alle darum gruppieren, daß der Zionismus in 40 Jahren so herzlich wenig geleistet hat. Es ist wohl nicht nötig im einzelnen darzulegen, haß der Zionismus erst seit sieben Jahren breiter wirken kann, aber gemessen an den Resultaten siebenjähriger kommunistischer Wirtschaft in Rußland ist unser Werk wahrlich ZIONISTEN! In der Zeit vom 8. bis?0. März findet die Oesterreichische Keren-Haiessod-Aktion statt. Durch eine Kraftanstrengung soll bewirkt werden, dass endlich auch In Oesterreich materielle Leistungen für das wichtigste Finanzinstrument des Aufbaues erzielt werden, welche der Anzahl, Bedeutung und Leistungskraft der österreichischen Juden entsprechen. In der ersten Hälfte der zur Verfügung stehenden Zelt werden die Mitarbeiter der Aktion, Männer und Frauen der zionistischen Organisation, zunächst alle Zionisten aufsUchen und sie zur Erffillung ihrer Pflicht veranlassen. Erleichtert dieses schwere uyd verantwortungsvolle Werk und bengtzt die Zeit bis zum 8* März zur freiwilligen Abgabe Euerer Keren-Hajeeeod-Zeichnung für da* Jahr 192S sowie zur Leistung de« ganzen oder eines entsprechenden Teilbetrages, damit sich die Zahl der nötigen Besuche vermindert Meidet Euch ferner unverzüglich zur Mitarbeit während der Keren-Hajessod Aktion. Eine grosse Zahl verantwortungsvoller Juden und Pal&stinafreunde, die uns bis jetzt ferne standen, sind in der zweiten Hälfte der Keren-Hajessod* Aktton aufzusuchen, und es bedarf hingebender Mitarbeit geeigneter Persönlichkeiten. Denket an die heroischen Leistungen unserer Pioniere in Erez Israel und Ihr werdet Euch gedrängt fühlen, diese wenigen Tage ausschliesslich der Werbearbeit für das Palästinawei k zu widmen. Dali Zionistisch« Landeikomitce ihr Oesterreich: Dr. LEO GOLDHAMMER ViieprKaiiJmt Dr. JAKOB EHRLICH Präsident Dir. SIEGMUND SPLER VTuprbldent Paul Földee, Dr, Deslder Friedmann, Dr. N, M. Gelber, Stefan Hertog, Dr. leidor Klabar, Dr. Emil Kraeng, Dr. Joeef Löwenhere, Frau Emu Patak, Gemeinderat Dr. Leopold Plaeehket, Aaron Schwertfinger, Miehael Steinberg, Oberbenrat Ina, Robert Stricker, Dr. Chalm Tartakower, Dr. Georg Werner, Oberreehnmgerat Moeee Weiner Dr. Ausstellung fest gestellt. ik fcoiv.' jebod* Vorbereitungen zur Ergänzung der Offiziersnn>d N uteroffizikrskaders ton5«* zahlreiche Listen zur Einstellung Zeitfreiwilliger entdeckt. Die Kommission fei yu dem Schluß gekommen^ daß vom laufenden Jahve angcfangcn die Absicht 'bestoß, jährlich 25 Prozent der Reichswehr zu entlassen und andere Leute aukzubilden. Weiters habe die Kommission die Anwesenheit von Mitgliedern des jnngdcutschen Ordens bei militärischen Hebungen im Sennelager festgcstellt. . * lieber die Herstellung von Kriegsniatcrial '!d>rmn Repington, daß von der Firma K r n pp 2600 (M-nrN-v^nir oh die Firma S i m s o » unter falscher Fakinra geliefert worden seien. Die -Firma, die die gcs'NNu P u l v e r v o r r ä t e und Sprengstoffe für Reichswehr und Marine herstellt, verweigere die Durchführung der von der Kommission befobleu-en tz.e störnng von Betriebsanlagen. Bon den geheimen Waffenlagern sei das wichtigste das in Wippe na u, wo Uo.t/UU oyo ivchrlauMßstücke, 17.000 lUtofchineugewehrgutzstücke und 10.MI fertige Läuse für neue Pistolen der. Reiche ivehr und Polizei gesunden nvorden seiet!. Repington kommt zu dem Schluß, alles, loas der Be ri.cht enthalte, fei mit Beweisen unterstützt. Der'BerickN rechtfertige wohl keinerlei Panikinaßnahmen gegen'Deutsch iand. er rechtfertige es aber, daß Deutschland gezwnng e n werde, verschiedene Maßnahmen erntzustellen, die später LchwieriMiten verursachen würden. l eine gigantische Leistung produktiver Mühe. Die Sowjets haben, wie man weiß, jede andere Presse untetdrückt. Das russische Judentum bekommt nur die „Emes" und ähnliche Presseerzeugnisse zu lesen. Jnr Mittelalter wurden die Juden von den katholischen Bischöfen in die Kirchen getrieben, nm dort den Predigten i'lber die Heitswahrheiten zu lauschen. Es kommt alles wieder und einer schreibt vom anderen ab, Was gegen das Judentum geschehen soll. Ne vaMinenMen Araber. London, 27. Februar. (I. T. A.) „Manchester Guardian" -bespricht die Jerusateimer Nachricht, idah die Palästinenstsch-arabische Exekutive für den Tag d?s'Eintreffens Lord Balfoirrs in Palästina einen.all geüneinen arabischen Streik als Protest pr-oklamiert habe. „Manchester Guardian" schreibt -dazu: Diese Streistursage werde wohl dein Bahörden keine Angst einjagen, denn wie der sociben ans Palästina gurückgekchpte Lord Oxford und der noch jetzt in Pa-lä-stina weilende Sir Msred Mon d'bemerkt haben,'ist es sinnlos, jetzt 'von '.einer arabisch enGeschlossenheit Zu rel^n. Die 'letzte,! Meldungen ans Jerusalem, 'beisagen, daß eine feste' und dauernde Opposition der Araber gegen die arabisch? Exekutive bestecht. In den fünf Jahren nach dein Wafse-nstillsta-nd KevstÄrte die mohammedanisch^christlirlu' Vevoinigiu-ng alle Versuche der Regierung eine Züsankmen-- avbeit zwischen-der Verwaltung, den Zionisten und den -Arabern herbeizufüchren. Allmählich aber begann 'der p a l ä st i n e n s i s ch e Bauer über seine Lage nachzn denken. Es wurden „nationale" und ,-Äa«ern"-Parteien gebildet, die zwar die Balfo-ur-Deklaration nicht abzeptieretz, aber dennoch die Zusammenarbeit mit der britischen Ver waltung wÄn-s-chen. Es sei noch daran zu erinnern, schließt „Manchester Guardian", -daß der ,-Vtreik", den die.'arabische Exekutive für den Tag der Bals-our-Deklarolion im vergangenen November proklamiert hatte, wenig b-esvigl wurde. Der neue „Wiichler der heiligen Stätten". Jernfakem, 87. Februar. Der neuernannte fatboü'-itz' „Wächter der heiligen Statten", Msgr. Anre! : i}\ a rotto, ist am 32. Febvuar in Jerusalom eingetrofs-en und besuchte die Kirche des heiligen Grabes. 'Fünse in Jahrhunderte (1291 bis 1847) war das latcin-ische Patriarchat in JevusaLam inaktiv; die heiligen Stätten standen unter der Obhut des FranzisEaner-Ordeus, der seinevseits den ,Mächler der heiligen Stätten" stellte. Der Wächter wird vom Oberhaupt des Franzlskancr-Ordens für ein« Periode von sechs Jahren ernannt. As jetzt waren „-Wächter" stets italienischer Abkunft. die volnlschea Fabriken Misch« Lechntter« verschloff«. Ein Notschrei der jüdische« Akademiker. Warschau, 37. Febvuar. HF. T. A.) Die Leitung des Vereins Mischer Akademiker wandte sich an die Gesellschaft Ort, die Jca und die Jüdische WelthilMonferenz mit der Bitte, jbei? jüdischenAbsolventen d§r technischen Hochschulen in Polen die Möglichkeit zu verschaffen, in auKländischLn Fabriken ihr PraktAwr durchzumach-en. da den Mischen Absolventen i n Pole» die Fabriken Verschlokke« '

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