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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-01 · Heft 2165 (1.3.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2165 (1.3.1925)
Date
1925-03-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Präsident Friedrich Eberl ist heule um viertel 11 Uhr vormittags verschieden. Cr war um 5 Uhr früh in Bewußtlosigkeit verfallen, aus der er nicht mehr erwachte. An seinem Lager weilten seine Frau, seine Kinder und der Staatssekretär Dr. Meißner. Die mit Zustimmung der Familie des Reichspräsidenten ausgeführte Bauchöffnung ergab Darml 2 h m u n g als Todesursache. Der organische Befund ergab ferner eine chronische Entzündung dcr Gallenblase und Gallensteine. Sowohl der Krankheitsverlauf wie die Sektion zeigen, daß der Reichspräsident der durch die Bauchfellentzündung verursachten schweren Darm- Uchmuug erlegen ist. Eberl. —y. Wie«, 1 März.- Gbert ist gestorben. Das ist etn sehr Euerer Schlag, der daS Deutsche. Reich trifft, inmitten einer an die Wurzeln der Existenz greifenden Krise, in" einem inneren Kampf, der von den Vortruppen der Reaktion in einen inneren Krieg verschärft Wochen ist. Die 'Rationalisten haben eben erst die Regierung besetzt und die tatsächliche Macht an sich gebracht. , Einer der Widerstände. die sie beseitigen wollten, hieß Gbert. Er ist jetzt beseitigt. Was politische Korruption, Berleumdungssucht und niederträchtige Tratscherei an Gift erzeugen kann, das wurde gegen Ebert gespritzt, und auch die robuste 'Konstitution dieses Mannes konnte solchen Angriffen fir die Dauer nicht standhalten. Er war schon auf den od getroffen, als ihn die Blinddarmentzündung aufs Bett warf. Bor seiner Krankheit erlebte er den schändlichen Mösdoburger Prozeß, in dem er a^s ein Landesverräter, als ein zweideutiger Mensch, dessen Wort kein Vertrauen verdient, schuldig gesprochen worden war. Die Haupfteugen waren gekaufte Lumpen gewesen, die für gutes Geld das aus'agten, was ihnen Eberts deutschnationale Feinde vorgelprochen hatten. Das Gericht zertrat in seinem Urteil Eberts Ehre als Menscb und Politiker, die Ehre des Neickspräsidenten, des höchsten Funktionärs der deutschen RevuRik. Daran ist Ebert gestorben und er ist ein' Opfer derselben Kamorra, die Erzberger und Rail^non ermordete und Sckeidemann mit Blausäure überfiel. Verleuntdung tötet ebenso sicher wie Gift und Bombe. Gbert ist als der erste Präsident der deutschen Republik ein Märtyrer gewesen. Er hat keinen guten Tag nicht eine einnge Stunde, in der er sich darüber hätte freuen dürfen, daß er den Weg vom Sattler bis zum Repräsentanten der Nation, hatte zurücklegen können. Die nationalistische Demagogie ist diesem Dkann von dem Augenblick seiner Beeidigung als Präsident mit den schmutzigsten und niederträchtigsten Beleidigungen entgegengetreten. Sie hat ihn nicht bekämpft, nicht als politischen Gegner behandelt, dessen privates Leben außer Diskussion zu bleiben hat. Sie war toll durch die Vorstellung, däß der Nachfolger Wilhelms ein Handwerker ist, daß die Volkssouveränität in freier Wahl einen Arbeiter an die Spitze gestellt hatte. Argumente gab es nicht gegen Ebert, der im Sturm des Zusammenbruches, als Wilhelm davongelanfen war, sich hatte bestimmen lassen, das Anit des Reichskanzlers auf sich zu nehmen. Das war ein Akt höchster Pflichttreue. Aber viel mehr hat er nicht geben können. Er war ein ehrenhafter, vornehmer, aber schwacher Mensch. Die Energie, mit der er sich innerhalb der deutschen sozialdemokratischen Partei den Weg gebahnt hotte, verpuffte in der Feuerprobe der Revolutionszeit. Ebert hat der Rechtsreaktion aste Konzessionen gemacht, die sie nur forderte. Seine Passivität war freilich durch die Lage der Umstände bedingt. Die Tendenz der politischen Entwicklung war von den Wirkungen des Poincarismus und des mit schwermdustrie^em, ober auch französischem Geld ausgehaltenen ReckMbolschewismus beeinflußt, die sozialdemokratische Partei von den Kommunisten aktionsunsä-hig gemacht. Ter Radikalismus von links und rechts wirkte zusammen, die bürgerliche Demokratie stand eingeschüchtert und mutlos im Winkel. Ebert mußte nach der Ermordung Rothenans den Nationalen die Kanzlerschaft übergeben. Es kam Cuno, der Einmarsch der Franzosen ins Ruhrgebiet, der .Hakenkreuzzug gegen Thüringen, die kommunistische Streikbewegung in Sachsen. Ebert duldete es, daß die Reichsexekutive statt Men Hitler'von Seeckt nach Sachsen geschickt wurde. Er duldete die Ausrufung des passiven Widerstandes, die Sabotage der Imperialisten und Revancheschreier am' Reich. Gbert war Mein und hatte keinen ..Rückhalt bei feiner 'Bartet.. 3%' letzten Wahlen vvllendeten dev Sieg der RecUen. Nun gmp sie auch 'Mtt''peDstM?an.-.EMutztch,WÄi^wMSn-''witchest'-E verbreitet, Schimpftchen. gestalten;. dieAimker und Offiziere verhöhnten den „Satflermeister", das „dicke Schwein", den ..Judensöldling". Urtddann machten die. Magdeburger Schoflen , ein Ende. Gbert ist erledigt. Deutschland mrtß wieder, zum zweiten Male in kurzem Abstand, in die Aufregung des Wahlkampfes. Eberls Lebenslauf. Friedrich Ebert wurde am 4. Februar 1871 in Heidelberg geboren. Er besuchte die Volksschule in Hoidelbevg und erlernte das S a t t l e r g e w e r b «. Ms HandwerMurfche bereiste er Süd- und Norddeutschland. Im Jahve 1889 schloß er sich dem Sattlerverbaud und der sozialdemokratischen Partei an. Im Jahre 1884 wurde er Redakteur der,^9 rcmer Bürgerzeitun g", später Arbeitersekretär in Bremen, im Jahre 1900 Mitglied der' bremischen Bürgerschaft und des Bürgeramtes. Zu Ende des Jahres 1906 wählte ihn die sozialdemokratische Partei Deutschlands zum Mitglied des V o rst a n de s, bald darauf Wurde er Vorsitzender der Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands. Seit 1912 gchört er dem Reichstag als Vertreter des Wahlkreises Elberfeld-Barmen an, rm darauffolgenden Jahre wurde er zur Führung der sotziakdemckvatiischm Partei berufen. Nach dom Umsturz in Deutschland und nachdem Kaiser Wilhelm den Thvonvevzicht am 9. November 1918 ausgesprochen hatte, übernahm Gbert als Nachfolger des Prinzen Max von Baden das Amt eines Reichskanzlers. Am 31. August 1919 wuvde er von der Weimarer Nationalversammlung als Reichspräsident beeidigt. Sein Amt wäre am 30. Jum d. I. abge lausen. Der Eindruck der Todesnachricht in Berlin. Berlin, SS. Februar. (Wolfs.) Die Nachricht vom Ableben des Reichspräsidenten Ebert übte auf die ganze Berliner Bevölkerung einen tiefen Eindruck aus. Die für heute abends angekündvgten großen'öffentlichen Veranstaltungen wurden fosort abgesagt. Biele Gebäude, sowohl staatliche als auch private, haben Trauerfahnen ausgohängt. Behördlichrrsests wurden für h eu te und morgen s'wie für den B e i s e tz u n g s t a g sämtliche öffentlichen Lustbarkeiten, auch Dheater- und Knnstaufführuugen, verboten« Die Mitteilung an das Reichskabinett. Unmittelbar nach dem Abloben des Reichspräsidenten trat das Reichskabinett zusammen. Reichskanzler Doktor ■■berliner B VI lD Häuser Wir kaufen und vermitteln, beleihen lastenfreie und belastete Grundstücke, übernehmen Vorä Spaltungen B „Felicia“,Qrundstackges.m.b.H. 1 Berlin N 24, Friecfrkhstrasse 118 5| Wiener Vertreter: H M" FtUnier, Wien, l. Hettgasse 7 "mm Sprechstunden: 10 -12 vorm., 3—6 nachm. Luther richtete an die Mitglieder des Ministeriums sowie "an den gleichfalls erschienenenpreußischen -Ministevpvasidenten Dr. M a r x eine Ansprache, in der er unter anderem aussührte: Heute um 10 Uhr 15 Minuten vormittags vsL dKr Präsident des Deutschen Reiches. Herr Friedrich E be ti, sanft entschlafen. Ich Sin gewiß, daß nicht-nur das deutsche Volk, sondern weit darüber hinaus die zivilisierte■ Welt aufrichtigen Anteil an den: schweren Schicksalsschlag" nimmt. Das Deutsche Reich verliert 'm Friedrich Ebert feinen erstens Reichspräsidenten. Im Kreise der Reichsregierüng -L-riinge ich in verehrnngsvolbsr Erinnerung an Friedrich Gl-ert zum Ausdruck, wie -vortrefflich der Hei.mgogan>^eM seines Amtes als Reichspräsident gewaltet und wie glücklich. und erfolgreich die Zufamm ir na rbe it zwischen Reichspräsident und Reichsvegierüng.sich -durch seine Klugheit und vaterländische Hinaebuna gestaltet hat. Wir stehen erschüttert an der. Bahre des Staatsobevhauiptes. dessen große menschliche. Eigen-schrsten so oft geholfen haben,-sachlich schwierige Fragen zum Nutzen des. deutschen Söü&tzu losen. , . >- : Bes/esstskunKchebungeu. Bereits im Lause des heutigen TageS sind zahl reiche Borlevdskundgobmtgen auki-uärtiger Parlamente und Regierungen einge troffen, darunter Beileidstelegramme des österreichischen Bundespräsidenten. Harnisch und des' österreichischen.Bundeskanzlers Dr. R a m e k. Das R e i ch s k a b i n e t t hat eine -Tramrklmdgebmtg veröffentlicht, die darauf himvevst,. daß Ebert sein Amt mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und. . staatSmannischer Klugbeit unparteilich verwaltet hat. Der Reichstag hielt eine Traue rsitzüng ab, in welcher der preußische Ministerpräsident. Dr. M arx rm Namen der de irischen Bundesländer die Verdienste Eberts würdigte.' Im ganzen Reichs werden Trauerkundgobungett vervinstaltett Die Beisetzung. ' Für die Trauer- und BestatLungssererlichkeitett tz fchgendes in Aussicht genommen:, . Mittwoch den 4. d. findet im Hause des Reichspräsidenten die von der Reichsregierung veranstaltete offizielle Trauerfeier statt, anschließend hieran die militärische Trauer-Parade, z Wie verlautet, beabsichtigt der Reichstagspräsident im Reichstag eine Trauerfeier zu veranstalten. Mittwoch abends wird der Tote nach Heidelberg überführt, wo die Boisetzung in einem von der Stadt Heidelberg zur Verfügung gestellten Ehrengrabe erfolgen wird. Das Reichskabinett hat beschlossen, dem. Reichstag vorzuschlagen, die Bestattung des Reichspräsidenten aus R e i ch s k o st e n vorzunehmen. Die Stellvertretung. Berlin, 28. Februar. (Wolfs.) Nach Mitteilungen an die Blätter ist der Reichskanzler zur vorläufigen Stellvertretung des Reichspräsidenten 'berufen. Ob dann alsbald ein Gesetzentwurf wegen einer längeren Stellvertretung vo-rgolett werden soll oder ob sofort Neuwahlen angesetzt werden, wirb' noch erwogen. An MgelaffeuesWarenlager daruner Covercoat, Moderipae, Modeschotten, moderne Seiden- und Waschstoffe, gelangt jetzt zu spottbilligen, unerreichten PreUen zum Verkaufe bei Kann s Fried VI. linke Wien- ..die 4u (im ntfi] 482348482353484823232353232323484823484848535323 482353482348485348532348232323534823535353535353534848 484823485323485348534853485348535348482323

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