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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-27 · Heft 2163 (27.2.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2163 (27.2.1925)
Date
1925-02-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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GeA,» Wien. Freilag Wiener Morgenzeitung. 27. Februar 1925 Nr. 2168 Wer ruiniert das Wetzen Lksterreichs im Auslande? Sie „Wiener Morgenzeitnng" vor dem Schwurgerichte. — Sine ameritmlschr Stimme. Unter dem Titel „Ein Bild des österreichischen Anti- -cnntilmtu#" berichtet die New-Dorker Tageszeitung ^Jewish Daily Bulletin" über die Verfolgung der „Wiener Morgenzeitung" wegen ihrer Stellungnahme zu einer Gerichtsvcrhandluivg' in welcher der Richter für den inkrimi inerten Ausdruck ..Jüdische Frechheit" den Wahrheitsbeweis zulieh. Das gsnannte Blatt teilt zunächst den Tatbestand der Angelegenheit mit und sagt sodann: „Ter Richter erklärte, daß der ^klagte den Wahrheitsbeweis für den gebrauchten Ausdruck erbringen könne» das heißt, er gab zu verstehen, daß es so etwas -wie ein« „jüdische Frechheit" gelbe und daß es bloß von der Geschicklichkeit des Verteidigers abhange. dies mit Erfolg nachzuweisen. Dieses geschah trotz ter Tatsache, daß die österreichischen Gesetze ausdrücklich Strafen für Beleidigungen sol^r Natur gegen eine Religion, Raffe oder Nationalität vorsehen. Derselbe Richter hätte sicherlich gezögert, eine solche Entscheidung zu treffen» 'venu es sich -um einen Ausdruck wie „deutsche Frechh e t t" gehandelt hätte. Wahrend Oesterreich die Inden in dieser Weise behandelt, hausiert es mit seiner Kultur bei den anderen Völkern, welche es um finanzielle Hilf« an ruft. Oesterreich hat sich die Tricks diplomatischer .Heuchelei zu eigen geinacht. In Beratungen mit jüdischen Bankiers und Finanzmannern tragen die Vertreter des österreichischen Staates die liberalste Haltung zur Schau, rühren aber keinen Finger gegen Sie Unruhen in Vorderafien. Der KurdenlNlfstand. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Konsiantinopel, 25. Februar. Die Meldungen über dre Vorgänge rn Kurdistan haben in Angora größte Bestürzung hervorgerufen. Ganz Südauatvlien und Kurdistan, im Osten bis an die Persische Grenze, rm Süden dis an die Bagdadbahn stehen im Aufruhr. Die Einnahme von K har put, einer Stadt mit 12.000 Einwohmrn bei D i a r b e k i r, ist nur durch den Anschluß -er Gendarmerietruppen möglich geworden, die 'ich gegen die Angorareg re rung auslehmn.' Die starken Schne fälle der letzten Tage behindern den Vormarsch der Regi-rungstruppen. Die Regierung beriet in einem außerordentlichen Kabinettsvat über die gegen den kurdischen Aufstand zu .rgreis-Änden Maßnahmen. Die Kammer wird eine Deputation in das Aufstandsgebret entsenden. Eine Gruppe Abgeordneter der Regierungspartei . fordert die BerliÄrgung des Standrechtes auch über Konstan- 'incpe.l und Trapezunt als S-chutzmaßnahme a-jcn y.t erwart mde reaktionäre Versuche in dieftn Städten. Nach der Auffassung militärischer Kreise dürfte die Niederwerfung des Kurdenaufstandes voraussichtlich einen Zeitraum von mehreren Wochen erfordern, da Aufstandsgebiet unwegsam ist und aller Hilfsquellen für Truppentransporte und Nachschübe entbehrt. Be: den aufstäuDlsch-en Kurden befinden sich türkische Offi- 'iere, die seinerzeit zu den Engländern do!>ertierten. Die Pariser Blätter melden aus Konstantin o p e i aus englischer Quelle: Die Kurden haben außer üharput auch Diarbekir» Asis und Derftm eingenommen. ..Chicago Tribüne" meldet aus Konstantinopel: Die kurdischen Streitkräfte werden von Oberst >c e w r c s Bei befehligt. Die Kurden erklären, sie beabsichtigten, das Korangesetz wieder aufzurichten und Selim Efendi, einen Sohn Abd ul Hamids, zum Sultan und Kalifen auszuvufen. Gerüchtweise verlautet, die türkische Regierung volle die allgemeine Mobilisierung anordneu. Grn panistamitischer Kongreß. Konstantinopel, 25. Februar. E?ne Abordmmg der -udischen Mohänrmedaner » vermittelt zwischen Jbn Saud und dnn in Dschidda eingeschloffenen König Ali. Tie Abordnung hat mit der Regierung von ^edschas ein Abkommen getroffen, worin bestimmt - daß Hedschas zur Republik ausgerufen :»erden wird, ein Bund der arabischen Staa- : n gegründet und eine mohammedanische Kon- ^renzu Mekka zu'ammentrt-en soll, um hier die -tonst'tution der neuen Republik zu erör^rn. Mekka ioll das Politische Zentrum der neuen ' r a b -ch e n Republik werden. Ern Pan islamitischer Kongreß zur eud- "lllrrgen Lösung der Frage d r he il gen Orte und des 'spätes soll bald eiuberufen werden. Transjordanien. Jerusalem, 25. Februar. (I. T. A.) 50 Scheiß, .rhrer der einflußreichsten Stämme in Tra.nsjordan.cn, ooranstalleten am 20. d. in der Hauptstadt von Transjordauien. A m man, eine Kundgebung gegen dm Premier- Mlnffker des Emirs Abdullah, Rikabi Pascha. Die Scheichs sandten ein U l t i m a t u m an (Sniir Ab die niedrigsten Akte des Aunsemitisnms. Im Gegenteil, der Regierung na bestehende Kreise können vuhig sirr die völlige Unziulänglichkeit und für all« wirtschaftlichen Sorgen des Landes die Juden verantwortlich machen, wobei natürlich die breiten jüdischen Massen unter dem durch solche Anschuldigungen in der öffentlichen Meinung gedichteten Judenhaß zu leiden haben. Zu erwähnen ist nur noch, daß das einzige jüdische Tagblatt in deutscher Sprache, di« „Wiener Morgenzeitung", «S war, das, wie es jedesmal, wenn die Ehre des Judentums angegriffen wird, zu tun pflegt, da's Vorgehen deS Richters einer unerschrockenen 5txit.it unterzog. Die Folge davon jedoch ist, daß Robert Stricker, der sich als Verfasser des Artikels bekannte, in einigen Wochen vor das Schwurgericht gebracht werden wird, weil der Wiener Staatsanwalt di« Anschauung vertritt, daß die Veröffentlichung eines solchen Artikels «in Verbrechen ist. Demnach begeht in Oesterreich eine Zeitung, die, wem» jüdische Ehre und jüdisches Selbftbewußtsein angegriffen werden, den Standpunkt der Ehre vertritt, gewissermaßen .-ine Selbstanklage. Die jüdische Oesfen-tlichkoit sieht jetzt mtt größter Spannung der Verhandlung im Prozeß gegen Herrn Robert Stricker von der „Wiener Morgenzeitnng" entgegen. Dieser Prozeß wird zeigen, ob Oesterreich «in Kulturstaat ist und als solcher di« Hilfe und Anteilnahme der anderen Kulturstaaten verdient." dullah, den Regenten von Tvansjordanien, in welchem sie die sofortige. Vertreibung Rikabi Paschas und seiner Anhang«: aus dem Lande, sowie die Einsetzung eines „Rates der Repräsentanten" fordern. Man rechnet h-er allgemein mit dem baldigon Ausbruch einer neuen Aufstandsbewegung in Tvansjovdamen. Im September 1923 war, wie erinnerlich, in ganz Trans Jordanien ein Aufstand der Stamme auSgebrochen; einem britischen Detachement, unterstützt von der Luftmacht, gelang es, den Aufruhr zu unterdrücken. Sie ständige Mandatskommission. Eine Polemik Jabotinskys. Paris, 24. Februar. (I. T. Ä.) Unter dem Vorsitz -des Barons Adolphe de Guenzbourg fand dieser Tage in Paris eine Protestkundgebung gegen die Begrenzung der Einwanderung nach Palästina statt. Herr Wladimir Jabotinskh polemisierte gegen den Bericht der ständigen Mandatskommission, der -der Session des Völkerbundrates in Rom vorgelegt worden ist. Die Maulda-bskommisfion, so führte er aus, zog das Memorandum der palästinensischen Araber in Betracht, schenkte aber den jüdischen nationalen Forderungen keine Aufmerksamkeit. Eine schwere Verantwortung liege auf der Zionistischen Exekutive, die es verabsäumt halbe, eine Vertretung dort zu nute chatten, wo dies dringend notwendig ist. Die zahlreichen palästinensischen Efsendis lassen ihr Land umbebaut, für die Juden aber hat das Land große Möglichkei-ten. .Herr Jabotinskh forderte zu einer energischen Aktion auf, die die BegrenzungenderE in Wanderung nach Palästina wegraumen soll. Herr Wladimir Temkin führte amtz. die Juden wollen ihr Heimatland nicht mittels Waffen, sondern auf friedlichem Wege als Landwirte und 'Industrielle erobern. Es sei traurig, daß in einer Zeit, da die meisten Einwanderung,sländer ihre Tore gegen Einwanderer aus Osteuropa sperren, auch Palästina die jüdische Einwanderung beschränkt. Eine entsprechende Resolution wurde angenommen. Englands Lustrüstungen. (Eigendi"nst der „Wiener Movgenzeitunp.. London, 26. Februar. Das Unterhaus begann haute mit der Debatte des Luftschlssahrtsbudgets für 1925-26. Lustschiffahrtsminister Sir Samuel Hoare gab folgende Erklärung ab: Wir ersuchen das Parlament, in diesem Jahre einen Kredit von 15,513.000 Pfund Sterling für die Luftflotte zu bewilligen, um zwei Millionen Pfund mehr «als im vergangenen Jahre. Wir sind rm Begriffe, ein Programm auszusühren, durch welches die englischen Luftstreitkräste verdreifacht werden sollen, im Vergleiche zu der Zeit, <tts ich das erstemal Luft'chissahrtsminister im ersten Kabinett Baldwin war. Die Kriegsreserve und das Flug'eugmaterial sind erschöpft. Der letzte Krieg btt uns aber gelehrt, daß sine Luftflotte in kurzer Zeit über die größte Seeflotte hinweg nach England gelangen und das Leben unserer ZivWwölkerung unerträglich machen könnte. Die französische Luftflotte ist der unsrigen weit überlegen. Gewi ß denkt niemand in England an die Möglichkeit, daß jemals gespannte Begehungen zwischen England und Fvenkveich eintreten könnten. Obwohl die G.fahr eines Luftangriffes auf England gering ist, müssen gleichwohl Borsichtsmaßr eg ein gerressen werden. Wir wollen eine Luftflotte, die wirklich auf der Höhe ihrer Ausgabe steht. Wir hüben fünf bis Jahre nötig, um unser Programm zu verwirk lichen. Am Ende des laufenden Budgetjahrewerden 'vir die Hälfte der 52 Gesch.vader mesgerüstet haben, die wir zu schassen gedenken. __________ Ser nMch«tapanische Vertrag. Verttn, 88. Februar. Die Blätter melden ans Tokio. Das russisch-japanische Protokoll ist von: Prinz-Regenten ratifiziert worden. Ter Austausüder Vertrage erfolgt heute in Peking, womit die Vertragin Kraft treten. Sato wird sich von Prag nach Moskau begeben. Die Sowjetregierung hat den Vertrag bereits in der Vorwoche ratifiziert. „New-Dork Heral^ meldet aus Tokio, daß man dori den Moskauer Nachrichten von der Präsentierung Trotzkis als Botschafter größte Bedeutung bettnesse «Japan steht dieser Berufung günstig gegenüber. Favaa« Revanche. (Eigendienst der ^Diener Morqenzeituntz".) Tokio, 26. Februar. Die Regierung wird demnächst dem Parlament eine Vorlage unterbreiten, die d e n A u sländern die Erwerbung von Grund und Boden in Japan nur dann zubilligt, wenn den Japanern in dem betreffenden Lande die gleichen Recht« gewahrt werden. Es hat sich bereits die Frage ergeben, otb es möglich wäre, die Amerikaner auszuschließen. Die Behörden scheinen aus dem Standpunkt z,u stehen, daß ein legaler Modus gefunden werden könne. Polens auswärtige Pottttk. Skrzynskis Expose. (Eigendienst der „Wiener Morgenzektuny") Warschau, 26. Februar. (Poln. Tol.-Agent.) Minister Skrzhnski hiett in der gestrigen Sitzung des Außenaus schusses der Kammer eine Rode über die auswärtige Politik Polens, in deren ersten Te.il er sich ausführlich über das Genfer Protokoll verbreitete. Polen, sagte der Minister, habe, indem es rmt unter den ersten das Protokoll Unterzeichnete, einen Beweis für seine FriedenAliob« gegeben. Wenn man nunmehr einwendet, daß.das Protokoll zu Anfang dieses Jahres zu beste he n ausgehört halbe, so erwidere der Minister, daß es nach seiner festen Uoberzeugung noch in zehn Jahren aktuell sein werde. Er denke hiebei an den Geist des Dokuments und nicht an die Äußeren Formen, die ja mannigfaltige Aenderungen erfahren Knuten. Man meint, fuhr der Minister fort, daß Mr den Fall, als das Genfer Protokoll nicht angenommen würde, Großbritannien eS vorzöge, seine generelle Formel, die den Weltfrieden tatsächlich verbürgen würde, durch die Formel von derSicherheitFrankreichs und Belgiens zu ersetzen. Die Möglichkeit des Abschlusses eines solchen Paktes ruft bei uns Beunruhigung hervor. Ich muß seststellen, daß die Besprechungen zwischen -Paris und London über diese Frage noch nicht begonnen halben, was auch Chamberlain in der Freitagsitzung des Unterhauses ausdrücklich erklärt hat. Der französisch-englische Garantiepakt Wnnte nur als ein Element im Rahmen einer weit ausgreifenden Konstruktion verstanden werden, in ihr müßte auch das französisch-polnische Abkommen seinen Platz finden. .Jedenfalls wäre es das beste, eine allgemeineSicherheitsbürgschaftzu schaffen, die sich auf die allgemeine Solidarität stützen würde. All« anderen Lösungen würden zum Selbstmord Europas führen. Der Minister wendet sich sodann den Beziehungen zu Deutschland zu. Er erinnerte daran, daß in wenigen Tagen die boidersoitigen Dolegationen zur Verhandlung über den Handelsvertrag zusaiumentreten werden, und gab der Erwartung Ausdruck, daß es gelingen werde, bis zum 1. April die Grundsätze des Güteraustausches auszustellen, die eine günstige Grundlage für die künftige Zusammenarbeit bilden würden. Bezüglich des Berhältnisies zu Rußland verwies der Minister auf die Schwierigkeit der Verhandlungen mit der Sowjetregierung wegen des Abschlusses eines Handelsvertrages und der Bereinigung der Meinlrngsverschiedenheiten, erklärt jedoch. Polen werde sie in der Uebcrzougung f o r t s e tz e n, daß sie. selbst wenn keine Aussicht auf Verwirklichung bcstände, doch in der Erfassung der gemeinsamen Interessen ein günstiges Ergebnis zeitigen würden. Di« Regierung werde jeden Versuch einer Einmischung von außen her energisch zurückweisen. Nach Erwähnung des VeohältnisseS M Litauen und der Konferenz der baltischen Staaten bespricht der Minister die M i rr d e r h e i t e n f r a g e und versichert, d i e N egierung beabsichtige nicht, die freie Entwicklung der Minderheiten, die loyal gegenüber dem Staat seien, zu hindern. Sie Sude« in Polen. Eine Debatte im polnischen Senat. Warschau, 25. Februar. (I. T. A.) Während der letzten Sitzung der Unterrichtskommission des polnischen Senats traten die Redner der rechten Partei mit scharfen Angriffen gegen die Judeuhsit Polens hervor, der sie ein ablehnendes Vrr'hältttiü zum polnischen Staatsftwie verschiedene laudesvorräterische Taten vor« warfen. Der Vorsitzende der Konnnissivu, Semtar Pro-

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