Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2162 (26.2.1925)
- Date
- 1925-02-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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D-AS Wien. DsnnerSlas Wiener Morftenzeitung. 96. Febriwr 1925 Ae rfcheka-gllstiz-RomSAe. Die Verteidiger bleiben aus, die Bekla«ten verweigern die Aussage. Leipzig, 25. Februar. (Tel.-Komp.) Zu der heutiaen V>u^ndlurvg im Tschekaprozeß waren fitfoi&c veS >,:'{rwcit Uebergriffes des Vorsitzenden, der den Berteidger '. . 2 a m t e r aus dem Saale hatte entfernen lassen, nur vn'ci der 13 Verteidiger, und zwar die Heiden Ex-ofso- L't-'rlcidiger. erschienen. Bier weitere Verteidiger wurden r offv bestellt. Die Angeklagten verweigerten .ins alle vom Vorsitzenden gestellten Fragen jede Antwort mir -er Begründung, daß der Wahlverteidiger nicht annesend fei. Es wurden chrr Aussagen, die sie vor dem Untersuchungsrichter gemacht hatten, verlesen, worauf dic Verhandlung auf morgen vertagt wurde. TaS Justizministerium rührt sich nicht. Berlin, 28. Februar. (Dokff.) Im Reichsjustizminrsteriu>m hat beute anläßlich der Verfälle im Tscheka- Pvozeß, die zu der Entfernung eineder Verteidiger aus dem GerichtSsaal geführt haben, eine Abordnung der Verteidiger sowie sine Abordnung der ZtrafrechtSvereinigung der Berliner Rechtsanwälte ' voraus rochen. . Ter Re ichsjustizminister oMärte, daß es sich den Maßnahmen des Vorsitzenden um einen Akt der Rechtspflege handle, der nach der Verfassung irgend rnelcher Einwirkung seitens der In stizve rwalrung e ntzoge n sei. '*tit „Politischer" Einbruch bei einem Verteidiger. Berlin, 26. Fobruar. (Tel.-Komp.) In der Wohnung des gegenwärtig als Verteidiger im Tschekapregeß mitwirckenden Reichstagsabgeordnoten Dr. RofenseU» wurde gestern nachts ein Einbruch verübt. Die Untersuchung ergab, daß ein Politischer Diebstahl vorlis^t. Die Einbrecher haben sämtliche auf dem SchreiEiisch befiMichrn Papiere untersucht und davon nur diejenigen mitgenommen, die auf Rußland Verzug hatten. Außer einer im Schreibtisch untergsbrochten Kassette mit Dokumenten wurden dann noch einige kleine Teppiche gestohlen, die von den Dieben offenbar als Umhüllung der Akten verwendet wurden. Wen 0tnfemonn emvfieblt. Die BSrseugrschaftr der Herr» v. Maltzahn. Berlin. 25. Februar. Im „Vorwärts" erklärte heute Abgeordneter H e i l m a n n, er fei von dom LandtagSabgeordneten OsSar Cohn ermächtigt worden, folgende Mitteilungen zu matzen: Ihn Sommer 1918 wendete sich der Kommunist L i twin, emgeführt durch eine Empfehlung von Doktor Stresemann, an Krasiin und erbot sich, wenn er ein Monopol erhalte, für 50 Millionen Mark deutsche Maschinen Mgen simslpwzenlitze Vergütung für sich an Sowjetrußland zu liefern. Krass in hat dieses Angebot dom Genossen Dr. Os- Lir Cohn mit dem Bemerken vovgelogt: „Wenn Stresemanu schon seine Freunde empfiehlt, sollten sie wenigstens Rußland nicht betrügerische oder wucherische Geschäfte Vorschlägen." Ferner erAärt der „Vorwärts", der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Malt zahn, der zu« deutschen Gesandten in de« Bereinigten Staaten auSerschen ist, hob« eine Empfehlung des Auswärtigen AmteS dem seinerzeitigen gemeinsame« Börsenvertreler von Barmat und Maltzahn, dsm Bankier Bernhard RadinovicS, gegeben. Auch di« Börsengefchäste, di« Herr v. Maltzahn habe auSiühren lassen, würde» gewiß die Öffentlichkeit intevessiervn. Sbert. Berlin. 25. Februar. (Tel.-Komp.) Das Befinden des Reichspräsidenten fft nach dem heute abends auSgegebenen KrankhritSbevicht auch weiter durchaus befriedigend. Immerhin dürft« der Reichspräsident auch heute kerne Besuche außer di« feiner nächsten Angehörigen empfangen. Doch hoffen die Aerzte, schon morgen oder übermorgen dies gestatten zu können. Set Aufstand in Kurdistan. Konstantinopel, 26. Februar. (Reuter.) Die Aufsiändische» habe» sich der Stadt Kharput bemächtigt. Der Führer der kurdischen Aufftändischen Scheit Said genießt großen Einfluß in Buchara und in gewissen Teilen Kurdistans. Der Aufftand sollte erst im März beginnen, brach jedoch vorzeitig aus. Gerüchtweise verlautet, daß eine Abordnung von Deputierten mit den Aufständischen verhandeln soll. Der Aufstand breitet fr ch weiter aus. In der Nationalversammlung las Mmisterpräsident F-thh Bei im Anschluß an seine bereits gemeldete Erklärung über den kurdischen Aufstand eine Pretzlamation des Schelks vor, die folgende Punkte enthält: Bildung -iner kurdischen Regierung, Wiederherstelluing des Kalifats, Beobachtung des Scheriats und der reli- Oiöfen Besitze und Entfernung der augenblicklichen türkischen Regierung, die die Proklamation als atheistisch bezeichnet. Eine später« Konstantinopeler Agent» vmeldung besagt, ein« Proklamation des Dcheiks erklär«, daß geplant sei. einen der SSHn« deS Sultans Abd ul Hamid zum König von Kurdistan zu proklamieren« Gegen Marz wird die Anklage erhaben. Sine Mlttevnng de» Anndukaazle» Im Butgetausschriß rcchtfertigt? sich gestern Außenminister Dr. M a 1 a j a gc.qcn den Borwurf des „Abend" der unter anderem bchaupwt tjatte, daß Rdataja» bevor et Minister wurde» Advokat war und in seiner Kanzlei einen Kompagnon, Dr. Hans H a ß, hatte, der sich im Jahre 1922 zusammen mit Pochwadt um das Zuswndchommen deS WöllerSdorftr Geschäftes bemühte, wtHÜr ihm von Poch» wadt > 60 Prozent Provisior. zugesagt wurden. Dr. Mataja stellte fest, daß sein Jugendsvnrnd Dr. Haß kn ftiner Kanzlei Konzipient »dar und auch später dort bi« Advokatur ausübi«; Haß habe über im Jahve 1921 eine eigene Kanzlei bezogen. Im Jahre 1922 war er also nicht mehr in der Kanzlei Dr. Matajas. Übrigens habe ihm Dr. Haß miügeteikt, daß er wH Pochwadt keine derartig« Vereinbarung abgeschlossen habe. Abg. Dr. Deutsch brziffert den Schaden, den der Staat durch die Manipulationen des Stzlorz erlitten hatte, aus 250 bis 300 Milliarden. Im An Müsse hi. rau verlas er ein Pwtoikoll, das mit dem Bevollmächtigten -er Iergitsch u. Söhn« A.-G., Adolf Kempfer, ausgenommen worden ist. Die Jergitsch A.-G. wollte die Drahtfabrik und die Federnsabrik mit allen Materialien von der Wollersdorf, r A.-G. übernehnren und dafür ein Patzet ihrer Aktien an die Wöllersdovsir Werk« abgeben. . Sklarz verlangte aber bares Gelb. In den Lagern der Wollersdorsir A.-G. tvaren immensi Mengen von Flußeisen, Stahl, und Metalldrähten. Ingenieur K.'nrpfer fragte den Direktor Brondl, wie er diese Objekte zu schätzen gedachte. Brand! bewertete sie mit 300.000 Goldkronen und bekam für feine Person 25 Millionen. Er sollte noch 200 Millionen bekommen, doch lehnte schließlich Sklarz die Gründung der Ierg'ltsch-Tochtergesillfchaft ab. Die von Kempfer angesprochenen Objekte, für die Brandt nur 300.000 Goldkronen verlangte, repräsentieren einen Mindestwert von 1,5 Mllionen Goldkronen. Doktor Deutsch fügte hinzu, aus dem Protokoll gehe hervor, daß in Wollersdorf unpicheure Mverköufe stattgefunden haben und daß Sklarz die Vorräte verschleudert hat. um dic Differenzen zwischen dem absichtlich niedrig angesetzten Einkaufspreis und den Verkaufspreisen einzustecken. In dem Protokoll fei auch die Behauptung ausgestellt, daß Direktor Brand! bestochen worden ist, Gerüchts wollen auch von einer plötzlichen Abreise des Dt. Haß mit unbekanntem Reisiz'rel Ler Bond am stid Mwiardra seschfioigt. wissen. Das find ivohl Fakten genug, um ein Einschreiten zu rechtfertigen. Daraufhin erhob sich Bundeskanzler Dr. Rame k zu folgender Erklärung: Die Staatsanwaltschaft in Wien hat dem Herrn Biz^ kanzlet als Chef der Iustizverivaltung mitgeteitt, daß die «nsias« in der WSsstrsdorfer Angelegenheit in den allernächsten Tagen erhoben »vetden wird. Die Tast fachen, die Abg. Dr. Deutsch zum Gegenstand der Erörterung gemacht hat, bilden m ihrer Gesamtheit den Gegenstand des gerichtlichen Verfahrens, weshalb es der Regierung in diesem Zeitpunkt nicht möglich kst, hier über sie zu sprechen. Der Her Abg. Dr. Deutsch hak auch auf den osfeiwn Brief deS Sklarz an den Herrn Iustizm mister reflektiert, in dom wohl nur die eine Stelle von einer -.wissen Bedeutung ist, worin Herr Sklarz erklärt, tt habe seine Klage g.gen den „Abend" in übereinstimmender Meinung mit den berufenen amtlichen Stellen zurückgezogen. Ich erkläre, daß mir gar keine berufen «amtliche Stelle bekannt ist, die eine übewinskimmende Meinung dem Hcrvn Sklarz bekanntgegeben hat. Seine Behauptung ist vollkommen unrichtig; es hat sich lediglich das eveignet, daß der Advokat der beschuldigten Herren <Älarz und Genossen dem Herrn Vizekanzler die Mitteilung machte, er werde die Mage gegen den „Abend" zurückziehen, worauf der .Herr Pizckanzler erklärte, das dürsten die Herren wohl nicht tun, »veil sie doch unmöglich den Gerichtssaal scheuen dürfen. Derselbe Advokat kam dann auch zu mir und hat mir die gileichc Mitteilung gemacht, worauf ich chm erklärte, Herr Stzlarz und Genossen können tun, »vaS sie wollen, mich gehen ihre Entschließungen in dieser SaZ> nichts an, denn ich bin nicht der Vormund des Herr» Sklarz. * Wie wir erfahren, wird die AnKage gegen Leo?» Sklarz, seinen Generaldirektor Neuhöffer, gegen den Schtvager Sklarz' .Helmut N e u m a n n, ferner gegen den Direktor der Wöllersdorfer Werke B r a n d l, den Präsidenten deS Vertvaltungörates Pitner und das Mitglied der BevwaltungSrateS Ingenieur Alder erhoben werden. Vizekanzler Dr. W a b e r hat das Schreiben des Sklarz» in dem er unter anderem den Mschluß des Verfahrens ut» giert, folgendermaßen beantwortet: „Die Staatsanwaltschaft wird Ihnen demnächst die Anklageschrift übermitteln. Dadurch erübrigt es sich, aut Ihr Schreiben einzugchen." fraget m Schahei mit eingebautem „Bttrson^-GummNAbsAtz tos stoazeffimugrsetz in Polen. von der Flnanzkommlssio» angenommen. Warschau, 24. Februar. (I. T. A.) Die Finanzkommission des Sefm hat den Gesetzentwurf betreffend die Entziehung der Konzessionen in dritter Lesung angenommen und beschlossen, über den Gegenantrag der jüdischen Deputierten zur Tagesordnung überzugehen. Die jüdischen Mitglieder der Kommission Dr. Hausner, Frostig und Feldmann verliietzen daraufhin unter Protest die Sitzung. Im Zusammenhang mit der Ablehnung des jüdischen Antrages wegen Zurückstellung des Gesetzes über di« KonzessionSentziehung ließen der Präsident des jüdischen Par-- laimntSWubS Dr. Leon Reich und Deputkvvter Rosmarin den Sejmmarfchall wissen, daß sie seiner Einladung. zu dem zu Ehren de'S «t Warschau weilenden französischen Arbeitsministers Godard veranstalteten Rout zu erscheinen, ablehnen müssen. In der Sitzung der Kommission für auswärtige Angelegenheiten kritisierte der Präsident des Jüdischen ParlamentSklutbs Abg. Dr. Leon Reich die AuhenPolitA der polnischen Regierung und erklärte, di« Verfol^ungSPoÜtik der Regierung gegenüber den Minderheiten beeinträchtige die außenpvlichischen Maßnahmen Pollens in starkem Maße. Die Welt kaun nicht gleichgültig bleiben, wenn sie hört, daß Zehntausend« jüdisch« Familien infolge RegierungSmaßnahmen ihrer Existenz- Möglichkeit vcllkonimen -beraubt »verden. tvie dies bei den Konzessionsentziehungen der Fall ist, durch welche etwa 30.000 jüdische Familien mit etwa 150.000 Seelen bvci'los gemacht werden. Dr. Leon Reich fragte weiker. welche positive Sttillung die Regierung zu dem historij üen Akt der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem am 1. April einmehme. Deputierter StronAch »nacht« hierbei den Zwischenruf: „Aprilscherz" Dr. Reich fragte »veiter. N-arum die Regierung das Handelsabkommen m-tt Pallästina nicht abgeschlossen hat, oh- Wohl Palästina jetzt das HaupdimmigratloMand für Pol- »rische Auswanderer geworden ist. -er «steifer von Ute« überfiedelt nach London London, 25. Februar. (Tel.-Komp.) Dem Pekinger Korrespondenten des ,-Daily Expreß" zufolge fft die Ue»bersiedlung des chinesischen Exkaisers nach Tien-tsin nur der erste Schritt zu seiner Uebersiedlung nach Europa. Der Exkaiser erklärte in einem Jntewiew, daß er und die Exkaiserin beabsichtigen, die europäischen Hauptstädte zu besuchen und sich vor allem m London auszuhalten. Pie Lüdafrikaner wollen nicht geadelt werde«. London, 26. Februar. (Tel.-Komp.) Im südafvikauischen Parlament wurde «in Antrag eingereicht, nach welchem der König ersucht werden soll, in Zukunft den südafrikanischen Bürgern keine Adelstitel mehr zu verleihen. Auffallend ist, daß der Premierminister General Hertzog diesen An-trag nicht rundweg abgelehnt, sondern seiner Verhandlung im Hause zugestimm^ hat. Staatisettetfir Hoover über die WichtiskeU der jüdischen landwirtschastUchen Üolouisatiou. New-Uor^ 24. Februar. (I. T. A.) Der amerAawscho FrnanzstaatSsekvetLr Mr. Herbert Ho oder WÜ auf dem Bankett der Gesellschaft 'Ort, auf tvelchonr 200.000 Dollar für den MedevaufbcmfondS der Ovt gesammelt worden kst, ein« Ansprache, in der er u-ngesühr auSsiühvte: „Die Aufgabe der Gesellschaft Ott, die de-klassievwn Juden kn Osteuropa im Handwerk auSzubilden rder sie der Landwirtschaft zuyufühven, findet bei allen Amerikanern Achtung und Sympathie. Jeder, der die europäische Geschichte der letzten 400 iJechve studiert hat, weiß, daß das dunksvste Kapitel dieser Geschichte die Unterdrückung der Juden ist. Die Juden wurden aus der produktiven Arbeit auSgestotzen und in die Städte getrieben. Ter Weg zu Landwirtschaft und Handwerk wurde ihnen versperrt. Sie wurden gegen ihren Willen HäMer wnd Vermittler. Bei der Lösung des Problems des wirtschaftlichen sozialen Au'jbaueS GuiroPaS gibt er keine schönere Aufgabe als die Zurückführung der jüdischen Massen zu produktiver Atzbeit aus dem Lande und in den Werkstätten. Ein Volk wich nicht seine Physische und geistige Vollkommenheit erreichen, wenn es nicht an der menschlichen Betätigung in allen ihren Forrnen teilmmrnt.. Deshalb habe» Ihre Anstalten eine wett größere Bedeutung als die gewöhnlicher VerufsauSbAdnng. Gelingt Ihnen Ihre Auifgatbe, si» werden Sie auch viel für das geistige Reich getan haben." 'i* Ti 1 imiiti'» iir, vin»iTmiTiii- ‘rnrT ir M rnriiiiftin< ..