Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2161 (25.2.1925)
- Date
- 1925-02-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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*ü. «si -ÄMlttUbStettk. DK Lfpls« fftt Me SMWchSrer. Der Bukorester Universitätsprchessor Bckbes, ein mgesehener medizinischer Gelehrter, wendet sich in einer öffentlichen ErNSrung gegen den Usus der Universitäten m Mittel' enropa, die die aus Rumänien kommenden Studenten hei de« Prüfungen als „bon pour l'Orient" (für den Orient gut genug) behandeln und dies sogar auf den Diplomen vermerken. Wir die betroffenen Studenten hat die« schwere wirtschaftliche Folgen. Die rumänische Regierung verweigert die NostriifKatron solcher Diplome, well sie sonst die DagateNifierung ihrer eigenen Hochschulen anerkennen würde. Zudem wird das Vertraue« des Publikums zu den Mt solchen Diplomen kommenden Äerzten untergraben. # Der Protest des Professors Bob e s, -er selbst «Wien strckiert hat. erregte großes Aufsehen. Eine Anzahl von Absolventen ausländischer Lehranstalten wandte sich an ihre Ans- MdmvgSstÄten und verlangte von ihnen die Bestätigung, daß die fremden Höver mit derselben Strange geprüft werden, wie di« einheimischen Studenten. Eine Antwort ist bisher nur von der Prager deutschen Universität eingolangt, die die verlangte Bostät-i,M>ng vollinhaltlich ausftellte. In einem Interview bestätigte der rmnänische Unter richtsmmister Dr. A n g h e l e s c n die Darstellung -es Professors Bades und fügte hinzu, daß ihm selbst Diplom« vovgelogt wurden, in denen es heißt, daß der Besitzer nicht berechtigt fei, in dem betwffenden Lande zu praktizieren. Es scheint sich hier nm einen ganz besonders heimtückischen Streich der Hakenkreuzunrversitäten zu handeln. In der Hauptsache sind es jüdische Studenten, die aus den Balkanländern an die mitteleuropäischen Hochschulen kommen, weil sie entweder zu Hause am Studium verhindert werden oder die mitteleuropäischen deutschen Anstalten wegen ihres besonderen Rufes oder der besseren Organisation des klinischen oder technischen Betriebes 'aussuchen wollen. Es ist bekannt, daß sie hier nur unter den schwierigsten Bedingungen Ausbildnim finden und daß sie bei den Prüfungen einen sehr schweren Stand haben. Ist cs ihnen trotz dieser Umstände gelungen, ihr Ziel der Graduierung zu erreichen, so wird, wie Professor Bades aufdeckt, ihre ganze Arbeit durch die hinterlistige Anmerkung auf dem Diplom entwertet. Dazu ergibt sich ober auch twch die Komplikation, daß die heimische Negierung Repressalien übt und den Diplomen solcher Hochschulen die Anerkennung verweigert. Das erinnert lebhaft an das Vorgehen B i s m a r ck s, der einmal das Einreiseverbot deutscher Juden in Rußland damit beantwortete, daß er russische Juden aus Deutschland ausweisen ließ. Seine Haltung hat sehr gelehrige Schüler gefunden, die ihr bißchen Witz an den wehrlosen jüdischen Hörern üben. Die sonst beliebte Ausrede, die Konkurrenz der jüdischen Intellektuellen zu verhindern, fällt hier weg. Aber die Bösartigkeit des akademische« Judenhasses ist nicht verlegen, und so macht sie den Opfern auch die Weiterexisten', in einem anderen Lande unmöglich. „ rumSuische Gesetz Sb« die Maturitätsprüfungen. Magyaren ruy Deutsche klagen über Swmerns clausus. Bukarest, 24. Fobvuar. In der Kammer wird Mgewjttcrctög das Ba ccalanrea t sg e s e tz verhandeU, :kt§ die Bestimmungen über di« Matuaa in einer von der nat'Wnofen Minoritäten als bedrohlich empfundenen Art verschärft. Der Entwurf verlangt, daß an den ko-rHesfio-- nellen Schulten der Unterricht in Geographie und Geschichte in rumänischer Sprache erteilt tvorde. Die Abgeordneten Josef Sandor als Bovtreter der Magyaren und Otto Haus Roth als Vertreter der sächsischen Deutschen gvifsen den Entwurf sehr kritisch an und beide erklärten, daß hinter ihm ,^>as Schreckgespenst de^ Numrerus clausus st:he". Zwischen Roth u>nd dem Vbemken Abgeordneten Joa n kam es zu einem erregten Wortwechsel, 'worauf Roch den Jean fordern Ließ. Juden zu der Manische» Unabhünglgreitsfeier nicht elugeladen. Kotvtto, 23. Februar. (I. T. A.) Die nicht-jüdische Presse Litauens weift aus die Tatsache hin) daß pnt erstenmal, seit ein feDstättdiges Litauen besteht, jüdische Bert.veter zu 'der U n a b h ä n g i g k e i & f c i e t, die am 16. Fobvuar im Sejmgebände stattfand, nicht eingelade n worden sind. In dott ersten sechs Jahren der litauischen Selbständigkeit waren der Öbervabbiner von Kowno. Schapira, und andere jüdische Vertreter 'bei der 'Feier anwesend, von der siebenten iJahvesfeier waren die Juden vollständig ftrngehalten worden. Einzig die Jefchrwah zu Dolsch sandte ein Begrüßungsschvei in welchem die religiöse Fwihoit fitt alle Bürger gefordert wird.;.v Wrangel und GSmbör. (Eiqewdienst der „Wiener Morgntzeitung".) Budapest» 24. Februar. „Az Ufsag" zufolge hat in der vergangenen Woche der russische Baron Konstantin W r a n g e l, der Bruder des bekannten Kontsvvevolutionär^n Generals Wrangel, viorunchwanzig Stunden lang in Budapest geweitt. Baron Konstantin Wrangel benutzte seinen eintägigen Aufenthalt in BudaM, mi in i t Julius Gömbö's und anderen rechtsradikalen Paki- LiLern Kontakt, zu suchen, was chm dem Vernehmen rrach auch gelungen seiu M ' Oastcrrekhlsche Kerai-Hajessod- Aktion?■. MS 20. MS» 1025 * Oer Keren Hajessod ist das Finanzinstrument des Aufbaues von Ere* Israel und hat den Charakter eines Staatsfonds. Er muss der machtvolle nationale Kolonisatfonsfonds werden, welchen die Schaffung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina erheischt. Der Keren Hajessod beruht auf dem Principe der freiwilligen selbstkesteuerons im Sinne des biblischen Hoasser. Immer grössere Kreise müssen kür den Keren Ha- Jessod gewonnen werden, denn: Die gegenwärtigen Jahreseingänge des Keren Hajessod (durchschnittlich 400000 Pfund) ermöglichten bloss, dass 10.000 Juden alljährlich in das Land gebracht und mit dem Boden Wirtschaft!;ch verknüpft werden. Wenn es gelingt, den Jahreseingang des Keren Hajessod anf eine Million Pfund Sterling zu steigern, kann dieser Staatsfonds jährlich 30.000 Pioniere ansledetn. Diese 30000 Pioniere jüdischer Arbeit werden einer jährlich stets wachsenden Zahl von Juden Exfstenzmöglichkelten in Erez Israel schaffen, so dass die Basis für Grosskolonisatlon geschaffen wäre. Dieses Ziel muss ohne Zeitverlust erreicht werden. Die österreichischen Juden stehen in ihren Leistungen für den Keren Hajessod weit zurück. Sie haben Im letzten Jahre kaum den vierten Teil der Quote aufgebracht, welche bei Berücksichtigung der valutarischen Verhältnisse und der österreichischen Wirtschaftslage auf sie entfällt Die Leistung Oesterreichs für das Budget des Aufbaues von Erez Israel muss daher im Kalenderjahre 1926 vervierfacht also von 4000 Pfund auf 16.000 Pfund erhöht werden. 2ns WoHmmgsaufordenmgsrechl. Ein Bortrag des Rechtsanwaltes Dr. Kiwe. . Die RechtsHilfestekle der Gemeinde Wien veranstaltete unter dem Vorsitz des Ministers a. D. Heinrich Wittek einen Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Kiwe über Wohnungsanforderungsvecht Der Vortragende, der dieses Thema seinerzeit auch in der „Wiener Movgenzeitung" erörtert ihntte, besprach in eingehender Weise das geltende Anfordevungsrecht und verwies daraus, daß es nicht nur uubealbsichtiigle GesetzwidvigSerten enthalte, sondern auch Bestimmungen., wckche gegen, die Staatsgrundgesetze verstoßen. Das Wchrmngsmrfordevumgsyesetz erleichtert die Anforderung von RäumilichVevten, bvolche von Staatsbürgern bswehnt werden, die in keiner Gemeinde Oesterreichs hovmatsberechtigt sind. Hiedurch werde an allen Personen, welche durch die Option Staatsbürger geworden, ein Unrecht begangen, welches mit den Staatsgmmdgesetzen und dom Friedensvertrag in Widerspruch steht. Dr. Kiwe führte aus, daß zwüschen der Gemeinde Wien und dem Ministerium für soziale BerwMung hinsichtlich der Aufhebung mancher Bestimmungen des Gesetzes Differenzen bestünden. Eine dieser Differenzen über die Wirkung der Entscheidungen des ObevlandeSgevichteS fei gnnmchr durch das Obevlandesgericht im Sinne der Gemeinde entschiede« worden, indem die Mietkomvussionen verpflichtet wurden, der Entscheidung des Oberlandesgerichtes gemäß ihre Urteile abzuändern. Der Vortragende sprach sich im ganzen für die Beibehaltung des mit Ende des Jahres Mausenden Anforderungsgesetzes aus, verlangt jedoch einige Abänderungen, insbesondere in .der Frage der Anforderung von überzähligen Wohnräumen und in der Frage des Ablöseverfahrens bei der Gemeinde. Unter seinen Borfchlägen ist ganz besonders der eine hervorzuhsberr, welcher darin gipfelt, daß ohne Abänderung der GrundbuchSgesetze die Schaffung von Hausgenossenschaften m. b. H. zu ermöglichen sei. Eine derartige Hausgenossenschaft habe den Zweck, Eigentum an neu zu erbauenden Häusern zu evtverben; die Genossenschaftsanteile einer derartigen Genossenschaft beitchalten das Eigentumsrecht an oine bestimmte Wohnung im Genossenschastshaus. Die Hausgenossenschastsanteile selbst seien frei übertragbar und Gegenstand des geschäftlichen Verkehrs. So kamen viele Parteien zur Möglichkeit, sich Wähmmgrn fowteit zu lassen. Der Vortrag, dem unter ailderen Stadtrat Weber und der Obmann des Justizaussnsses, Hofrat Dr. W e i ß, beiwohn-- ten, fand reges Interesse und Zustimmung. m gtStaw »8S Wfc I Stets stsschtt Stet Me Erfindung eines Schweiz« «ck«E Genf, 24. Februar. Die Schweizerische DepsfchcN« agentur meldet: Der Berner Bäcker Jan Ma tti, der -ptz Pully bei Lausanne wchnt, hat ein Verfahr«« ern funden, wodurch es möglich wird, Brot in Dose« nnbegrenzte Zeit frisch zu erhalten. Gin« große englische Dampfmichle in Cardiff hat das PateM vom ihm für eine Million Schweizer Frauke« erstanden. Sie beabsichtigt, demrtiges Brot in alle Welt zu verschicken. Der Erfinder hat sich das Recht der Erzeuguny für di« S ch w e i z e r A r m e e vorbehalton. SrofSKb Md PSckerlShne. Im Dohnstveit im Bäckevgewerb« ist noch ike inr Klärung erfolgt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind, gestern noch nicht in unmittolbare Fühlung getreten. Die Arbeiter und Angestellten stehen nach wie vor aus dorn Stanidpunkt, daß chnen eine Lohnorhöhumg von 10 Prozent gewährt werden müsse, und die Unternehmer evKären wie-- der, diese Forderung erst nach einer für sie günstigen Erledigung der Brotpreisfvage durch die Regierung bswilligen zu können. Heute findet die entscheidende Sitzrrng der Be-» triebsräte der Arbeiter statt und Donnerstag werden die. Angestellten über die weiteren Schritte beraten. Bon einem Ultimatum, das in seiner letzten Konseq-uen; zum Streik führen würde, ist vorläufig noch nicht die Rede. Gestern haben im Ministerium für soziale Verwaltung iirformative Besprechungen mit den Arbeitnehmern stattgefuuden. Die Regierung -hat bisher noch keine n A u f a h genommen vermittelnd einzugreisen. Sa, Sarl-Lheater spielt «eitet. Im Cavl-Theater, das wieder einmal vor -der Schließung stand, ist gestern Frieden geschlossen worden. Jrarv Direktor Eibenschütz wollte da§.Theater und den Fundus der gegenwärtigen Aribeitsgsmeinschast nicht mehr un-snitgÄtlich Wr Berfügurrg stellen, sondern forderte eine Prozentuelle- Beteiligung am Reiingewm« des provisorischem Betriebes. Ebenso verlangte sie, daß die von der AvLeitsgenwlnschast ausbezahften Gagen von den Rückstä-nven aas!^r eckten Gagensorderung abgerechnet werden, und daß die dver Scha-uspioler, die aus Zahlung der Gagenrückstande aus der DirektionsgeÄ Bernau klagten, das Verfahren ekirstellen. Usber den ersten PuM wurde gestern fdbgsnde EimgUiNg erzieA: Bei einer wöchentliche« Bmttoei-muchme bis zu 120 Millionen Kornnerhält Frau Eibenschütz keinen AtÄeÄ, von 120 bis 1>M Millionen Wocheneinnahmen ist sie mit funs PrvUnt und darüber hinaus mit zehn Prozent beteiligt. Der zweite Punkt wurde von der Arbeitsgomeinschast bereits früher angenommen. Der dritte Punkt wurde abgslehnt. Es wird lediglich eine Dersirmmlung des darstellenden Personals den drei klagenden Mitgliedern nahelegen, ihre Klagen Mrnckznziehen. Das Carl-Theater wird also ungestört weiterspielen und^ Freitag den 6. März die neue Operette „Sonja" von RudM Prescher und Leo Ascher herausbvmtzvn. 8i» Nachspiel zum Haammm-Proretz. Hannover, 24. Februar. (Wolfs.) Vor dem SchössewgxvW^ fand honte die Verhandlung gegen Frau Engel, bei der der Massenmörder Haarmaun längere Zeit gewohnt hatte, undgegen Frau Wegehenkel wogen Hchlorei, 'beziehuugÄvesso gewerbsmäßiger Hehlerei statt. Unter. den Zeugen war auch^ Haarmaun, der die Angeklagte entlastete., Der StaatsauwMbeantragte sechs, beziehungsweise drei Monate Gchängnis. Das" Gericht sprach jedoch die AnyeKagten frei, da nicht uachgewiesen werden konnte, daß sie gewußt haben, daß die von Haarmamv gekauften Sachen von Ermordeten stammten noch daß es sich «w Sachen gehandelt habe, die unrechtmäßig in seinen Besitz gol-angti waren, Selbstmord zweler Bvdapefter Fabrikanten. Opfer der Samerrmg. « (Eigendienst der ^Wiener Morgenzeitrmg".) Budapest, 24. Febmar. Im Danse des gestrigen DogeK. erstattete der Postbeamte Stephan Gnntzel die Anzeige, daß seine beiden Brüder Johann und Dr. FrvW Gungel, Eigentümer einer Möbelfabvik, Hm brieflich ihrem Entschluß mitgeteilt hatten, gemeinsam in den To8 zu gehen. Die weitere PÄl'iFeiliche Untersuchüng ergab mit nahezu voller Sicherheit, daß die beiden Brüder von dev Neupester Ersenbahnbrücke in der Nacht von Samt» tag auf Montag in die Donuu gesprungen sind: Jh« Leichen konnten bis jetzt nicht geborgen ivevden. In ihrem Abschiodsbvief bezeichnen sich die Bvüder Gungel als „OPfer der Sanierung". Johann und Dr. Franz Gungel waren msprünglich Eigentümer einer allbekannten Möbelfabrik in Temesvar. Als Temesvnr rumänisch würbe, Mersiedelten die beiden Fivmamhaber nach Budapest und gründeten oine Möbelfabrik, die binnen kurzem einen glänzenden AuGchwung nahm. Später errichteten sie auch eine eigene Fabrik für Möbelerzeugung und investierten enorme Summten in dieses Unternehmen, das anfangs Mchifalls Mt ging, aber mit de nt Eintritt der Wirtschaftskrise in Schwierigkeiten geriet: In letzter Zeit wurden die Brüder Gungel von den Glätte bjgew hart bedrängt -und sahen keinen Ausweg vordem Konkurs. In diesent Konflikt fanden die beiden ange» sehenen Kaufleute den.Tvd.. .. -