Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2160 (24.2.1925)
- Date
- 1925-02-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Ar. AM fflfew, DiMSkH ©leitet Motaenzelluns. 24. ftetemt INS Sette 8 tmtfl der Jüdischen Welthilfskonferenz fitzen. Die Herren, an die sich der Briefschreiber wendet, sind Mitglieder der E x e k nt i v t, neben der es einen Zentralrat gibt, der aus Vertretern der der Welthilfskonferen, angeschloffenen Organisationen besteht. Diese Vertreter sind von ihren Verbänden, die bezüglich der Auswahl ihrer Repräsentanten vollständig autonom sind, nominiert worden. So ist Herr Pappenheim von der Aguda als Vertreter ihres Hilfswerkcs in den Zentralrat entsendet worden. Weder die Exekutive noch der Zentralrat können an dieser Zugehörigkeit des Herrn Pappenheim etwas ändern. Deshalb ist das Verlangen nackt seiner Demission nicht an die Herren Dr. Chajes und Professor Eisler zu stellen, sondern einzig und allein an die Organisation, die Herrn Pappe,theim zu ihrem Vertreter in den Zentralverband bestellt hat. Diese Organisation ist das Hilfswerk der Agudas Jisroel. Dort ist da§ Verlangen nach Abberufung des Herrn Pappenheim zuständig. Abba« der ««rgedleatea Beamten. Das Exekutivkomitee tec$ SSer-AuSfchufleS teer BumteeSanyeisteMen führte gestern beim Bundeskanzler Dr. Ramek Beschwerde darüber, daß die hohe Bureau kratie eine Kampagne gegen den Tlbbau der aalsgeteienten Beamten eingeleitet habe. Ohne die Beschlußfassung des Natioualrates über die Abbaugesetznovelle a,bzuwarten, habe das Iustizmi niste ri um einen Erlaß he rausgegeben, der Richtlinien für den weiteren Beamte naibbau enthalte. Schließlich verwies die Mordmmg darauf, daß <& teer nngarischen Regierung in G e n f ermög- Ächt werde, die zur Regelung der Gehälter teer Beamten MTtwondigeu Beträge bersitzustellen. Bundeskanzler Dr. Ramek gab seinem Erstaunen über den Erlaß des Iustiza-mtes Ausdruck und versicherte, daß die Regierung sich die weiteren Maßnahmen selbst vorbichalten halbe. Sie werde nur nach den Beschlüssen der gesetzgebenden Körperschaften Vorgehen. Er stehe nach wie vor aus dem Standpunkt, daß zuerst jene Beamten abgebaut werden müssen, welche di« volle Dienstzeit erreicht hoben. Di« Regierung werde sich bemühen, di« mißliche Lag« der Beamten nach Möglichkeit zu erleichtern, nur dürfe man 'dabei nicht die Verpflichtungen außer acht lasten, die ihr m Genf auserlegt wurden. Bedrohung der »rotversorgung. Ausdehnung des Strafverfahrens ans Präsidenten Mendl. Die Stveikdvohung der Angestellten der Brotfabriken hat die Regierung in ihrer Beschaulichkeit wenig gestört. Nur der Minister für soziale Venvaltung Dr. Resch hat sich seiner Pflicht erinnert und im Laufe des gestrigen Vormittags Auftrag gegeben, in der Frage des Lohn- Konfliktes in den Brotfabriken mit den anderenzn ständigen Ministerien Fühlung zu nehmen, damit durch eine ovetrttrelle Vermittlungsaktion der' Regierung einem Streik vorgebeugt wer>de. Die Bevhantelungen mit den Bvotifabriken ruhen, da die Regierung sich beharrlich weigert, Richtlinien fiir die Erstellung.des Brotproises herauszugeben und die Preisbildung einzig >md allein der freien K o n k u r r c n z, geinriildert dirrch die Wvrtfchwftspolizei und die Drohungen der Staatsanwaltschaft mit Stvafverfolgung ivegcn Preistreiberei, überlasten will. In der Strafsache der Aukerbvottverke wurde dem Generaldirektor Fried die Anklageschrift bereits zugestellt. Das Verfahren ist auch auf den Präsidenten des Verwaltungsratcs Fritz Mendl ausgedehnt tvordcn.' Beide sind des Verbrechens der Preistreiberei angeklagt. Der Prozeß gegen sie soll noch iw Laufe des kommenden Monats 'sti.ittfindcn. Noch keine Einigung. Gestern haben zwischen den Vertretern der Bäckerieister und der Bäckergehilfen Verhandlungen über die Fordcvuugett nach einer zehnpvazentigen Lohnerhöhung und andere Forderungen der Gehilfenschaft stattgefunden. In der Hoiuptftage, der zehnpvozentigen Lohnerhöhung, wurde heute eine Einigung nicht erzielt. Während sotvohl die Bäckermeister als auch die Brotfabriken aus dem Standpunkt stehen, daß eine derartige Lohnerhöhung bei dem heutigen Brotpreis ganz unmöglich ist, betonet: die Gehilfen, daß auch bei dom gogemvärtiyeu Brottzrvis eine solche Erhöhung zugestauden tverden könnte. In den Nebenfragen wurde eine Einigung Mischen Gehilfen und Meister erzielt. Aus den Verhandlungen konnte man entnehmen, daß die Gchilfenschast nicht unbedingt zum Streik geneigt i st, sondern daß eine friedliche Stimmung vorherrschend ist. Mittwoch wird im ErsenibHrvevheim eine Versammlung der Betriebsräte und Vertrauensmänner der Bäckoreiarbeiterfchaft stattfinden, in der vermutlich ein kurzfristiges Ultimatum an die Arbeitgeber gestellt 'werden wird. vle Srmordmm der «malia Seim. Die Funde in der Wohnung der Ermordeten. Aus Budapest wird berichtet: Die Untersuchung m her Atorteafifäve Lei rer hat trotz der denkbar größtert Allst re iMingen der Kriminalpolizei bisher keinerlei positive Anhaltspunkte für eine Eruierung des Mörders ergeben. . Bei einem neuerlichen Lokailaugeuschein in der Wohnung der Ermordeten fand man eine weiße Roseweinen blutbefleckten Hunderlkronenschein sowie ein« weggoworfeue Schachtel, toolche «in Männevstävkungsmittpl. enthalten hatte. Im übrigen find alle Spuren, di« di« Polizei bisher vevfoi-gt hatte, fallen gelassen worden. IgmänderMemaffer ist das wirksamste und sparsamste abführende Naturmittel. Normale Dosis mir ein halbes Trinkglas vor dem Frühstück. Erhältlich in allen Apotheken, Drogerien ufw. Preis 1 Schilling pro Hal'beliterstasche. Alleinvertrieb Rosauis u. Winter, Wien, 3. Bez., Marxergasse 8. Letzte Rachrichten. Ae Märe Steiger. Der Prozetzß im Marz in Lemberg. Aus Warschau -berichtet I. T. A.: Der Justizminister teilte dem Präsidenten des Jüdischen Parlamentsklubs Dr. Leon Reich Mit, daß dev Prozeß gegen den jüdischen Studenten Stanislaw Steiger, gegen den der Verdacht besteht, daß er in Lemberg ein Attentat gegen den Präsidenten WojctechowM vevfucht habe, noch im Verlauf des Monats Marz in Lemberg — nicht, wie mehrere Zeitungen meldeten, in Warschau — sdattfinteen wird. tzisenbahnuntall in Hlltteworf. Gestem um 6 Uhr 46 Minuten nachmittags fuhr ein von Heiligenstadt kommender Zug der Vorortelinie der Stadtbahn in Hütteldorf infolge Versagens der Brems« über -den Prellbock hinaus. Dadurch wurde der Bahnsteig ziemlich beschädigt. Neun Fahrgäste erlitten Verletzungen, darunter drei erheblichere, doch wurde nur die Hausgehilfin Anna G r u bm ü l l« r ins Spital überführt. Wie oft sagt man beim Betrachten einer Photographie Ischerzhafter Woise: „direkt wie aus dem Verbrecheralbum" und wie wenig Leute gibt es, die je in ihrem Leben das berühmte Vvrbrechevaikbum zu Gssicht bekamen. Allen diesen sei zu ihrem nicht geringen Erstaunen gesagt, daß eint solches Verbrecheralbum gar nicht existiert. Wohl hat es einmal ein solches gegeben, ober das 'ist schon längst pensioniert und liegt im Polizeimuseum begraben. Es wird dort den Forschern aus den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft ein wichtiger Studie nbehels sein. Miso mn dem Photogvaphieuollibum, das wohl in keinem Haus fehlt und das die Konterfeie der lieben Anverwandten vonr ersten-bis zum zehnten Grad enthält, ist el nichts. Mit dem Sturz -des Verbrecheralbums fiel auch sein ainachronistischsr Name. Jetzt heißt es viel prosaischer . „Achtbildevsamnnil'wng" mtte bchtcht aus einer U-nyahl von Kasteln, die in Stellagen stehen, welche die Wände eines hohen, geräumigen Saales vant Fußboden bis zum Plafond bedecken. Ort der Handlung ist das Poliizoi-bommissarial Elisabelhpromenade, 4 Stock, Abteilung „Erkennungsannt", das wieder aus drei U'ntevabtoilnllgen besteht, näntlich der.in Frage stehendeit Lichtbildersainm-lumg, der Daktyloskopie und dem Atelier, int dem die Photographien auifgonanmren werden. In den besagten „.Kasteln" finden sich sein säuberlich nach Kategorien geordnet die Bilder -der Verbrecher. 55.000 an .öcc Zahl, von denen 20.000 denn schönen Geschlecht angehören. Die Verbrecherkategoriien sind alphabetisch geordnet u.nd beginnen Mit den AuÄagenteielben («in der Gaunersprache Fetzer genannt) und enden mit den Zechprellern. Jrtinerhaillb der 24 Buchstaben des Alphabets lernt man so ma-nche Gruppe lieber Mitbürger kennen, von deren Existenz man bisher keine 2lhmvivg hatte. Nicht viele dürften wissen, was eilt Chilsener ist. Es sei ihnen gesagt. Es sind das Schwindler -beim Geldwechseln. Sie kaufen eine Klemigke.it mit großen Noten, ziehen den Verkäufer in ein Gespräch, nehnten dabei 'Unbemerkt ihre Note zurück, erhalten den Restbetrag heraus und bekommen oibendvoin die Ware. Alle Achtung! Ke-ttelzieher und Ringwerfer dürften als Vcvuernisänger eher bekannt fein. Falschspieler figurieren dort unter dem Nanten Kosaken. Gin Berbrecherzwoig ist der Kriegs- und Nachkriegszeit zum Op'fer gefallen Es sind dies hi« Stiegenlaufer. Das sind eigent>l'ich harmlose Gesellen, die sich daraus beschränken, di« Milch und Scutmeln, die in der seMgen Bor- . kviegSzeit in der Früh vor den WohrvungStüven standen ,-imt° lanlfen" zu lasten. Die armen Leut« sirtd arbeitslos «nd muffen sich mn ein anderes Geschäft uMsehen. Irt dent benachbarten Restart der „Tarchsner" oder Un-derstützungSschwitrÄer dürften sie ein gerade dnrch di« Kriegszeit erträgitisreich getvordenes Betätigungsfeld finden. Die ausgleichelt-de (Gerecht iMit! Spezifisch weibliche Berufe sind Dienstdiebinnen intö Uuznchtsdiebiunen, dir bei galanten Menteuemt ihren Minnelchn m Form von goldenen llhron tmd Brieftaschen eiuvasfieren. Wie geht rmn die Poilizeü vor, wenn sie das Bild eines Verbrechers ihrem Archiv einverleibt'? Photographivrt werden grundsätzlich all« schwereren Verbrecher nach ihrer Verhaft' »z. «nd zwar werden »mmer zwei Aufnahmen gentacht, ein« en^ face und eine im Pvofitl. Dieses Phot-ogvaphiettipaar wird aut >« sogenannten Grn nübo gen aufgvklebt, «us dem Rücktritt Ab. «oldbers,. Aus Ncw-Dork wird uns gefchvieben: Der am 26. Jänner abgehaltenen Sitzung des Ateministmtivkomitees der amerikanischen Zionistischen Ovgamsation lag ein Schreiben M. GoldbergS vor, worin dieser seine Resignation als Beamter der Zionistischen Organisation Amerikas, als Herausgeber von „Dos Nrddtfche Folk" und Leiter des Palästinabureans mittsilt. Tos Ädministrativkomite« nahm di« Resignation Goldbewgs mit Beda-uern zur Kenntnis ttnd gab feiner Alterkennung der langjährigen Dienste, die G-Merg der Zionistischen Organisation geleistet hat, Aus-dnick. Goldberg bleibt auch weiter Mitglied des Administrativkomitees wi« auch des Aktionskomitees. Feldmarschall Alleabtz kommt nach Palllftiaa. Jerusalem, 23. Februar. (I. T. A.) Der britische Oberkommistär für Aegypten, Feldmavschall Lord Allenby, teer britische Eroberer Palästinas im Welt-- kriege, wird Ende April nach Palästina kommet, um den Soldatenfriedhof auf dem Olivenberg zu Jerusalem, auf welchem die britischen und indischen Soldaten, teie auf dem palästinensischen Schlachtfeld fielen, bostattet sind, einzttweihen. Auf den britischen SoDotcitfriedhöfen in Palä'stia (Jerufalmt, Gaza und Teir-al- Bclah) sind ungefähr 10.000 Gefallene bestattet. Jeder Friedhof Wirte eine Gedenktafel mit dem folgen.den Text erhalten: „Die Erde dieses Friedhofes ist ein fteies Geschenk des Volkes in Palästina als Ruheplatz fiir die - alliierten Soldaten, die i>m Kriege 1014 bis 1018 hier ihr Leben ließen." auch die genauer! Daten des Del-mguMten und seine Borst rasen verzeichnet sind. Ein zweites Photogr?^' " iar kommt in teie erwähnten Kachegoviervbögen je rmch.der Verbrechensgattung in das für ste bestimmtie Kästchen. Ein drittes. Phobogvaphienpaar liegt in einer sepaivaten --id rst dazu bestimmt, den ausforschenden .Krimiinallbea-mitett die Arbeit zu evleichtsrn. Der Detektiv entlehnt d>ort das betrLsferttee/ Bild und sucht an seiner Hand das Original. In allen drei Abteilnrngen hat jedes BM eine bestiimmt« Nummer, unter der es immer zu sindsn ist. Die Bilder gehen in die größeren Po- -lizeistationen des benachbarten Auslandes umdüber Wnn,ch - auch ins . entferntere Ausland. Ebenso liegen im Wiener/Eckennungsamt zahlreiche Mlldor internationaler Verbrecher. Tic Bilder werden - nach 15 Jahren ausgewechselt nimte wenn sich nach dieser Zeit am neuer Krintinaljall ergibt, durch neu« ersetzt. Trifft dies nicht zu, so wird das Bild aus der ScnnmlU'Ng entfernt. In die BbltevrsianttnlnnA dürfen nur Kriminwlboamt« Einsicht nehmen oder solche Privatleute, die voit einem Pol-izeikommissaviat ein Empfehiungsscheibsn vorwerfen können, das ihnen nur dann ausgestellt wird, wenn sie oin Jntoveste daran haben, einen Verbrecher ausfiuteig zu 'Machen/ den sie nur flüchtig ges-chen haben. Gin -luftiges Kapitell sind die Künstlernamen" unter denen die Verbrecher auftreten. Cs tauchen die ver» -schiedensten Spitzitamen auf, unter denen dies« Zeitgenossen bei chven Komplicen bekannt sind. Das gcht manchmal so weit, daß -man im ,^Tschoch" ihren richtigen Namen gar nicht kenn:, ^luch diese Pseudonyme sind im Erkennun.tsamt genau verzeichnet. Der Kuriosität hälber seien hier einige wiedeegegeben. Da göft es einten Stivrschädtl, eit Sti-sterl, einen Steirerschr-oppen, einen Stadtparkheinrich, eiu-r Spitzmaus, ein Skölcttgigvrl, «in Schwsiuswuigerl, ein Zchrgerl, einen Icharsen Fr»nz, einen Chikag-o-Gustl und fast alle gebräuchlichen Bovnanten mir dem Epitechon „Schwarz'?.'Di"' nw.-tehdieu Spitznamen, sind noch irvterestanter. Beispiel« hiefür sind: Wenpoldi, Wassergeist, Tromwahvesl, tarische Helen, die „Stitart", die Schroppm, Schle-iordante, Sliboivitzmizzevl, Pfarverntariete!, das O-Wagerl, Krowotenlouis, Krenzdame, Japanerin, die Deuitschmeisterfinni, die Droigonervosil, Baronin Ean de Colvgive, Apachenbvauit und in neuester .Zeit als Folge der Bubikcpfmotee, alle gelbräuchlichm DornMnen mit dem Zusatz „die g'stutzte". Nmt zu den Bilteomt selbst. Sie untersche-idon sich in sehr douitlicher Weise, je nach der Kateg'.mie, in die ste eingeteilt sind. Di« gÄvöhrvlichste Schichte der Verbrecher sind Wehl die Diebe und Einbrecher. Besseren Eindruck machen chon W Krediipopiewfälschor, dann kommen die Heiratsschwindler. . Die elegarvteston sind wahürlich die H o ch sr a p l e r. Doch das sind schon unumgängliche Regiespesen. Aber auch in dieser Kategorie steht mau Gesichter, denen man sine Hochstapelei oder «mn Heiratsschlvindel nie zutramn lvürde. Die meisten VertvÄor dieser Grn-ppen sind nicht eilegant und haben auch sonst kein vorteilhaftes Aeußeres. Matt muß oft staunen, daß solchen Leuten jemand auf den Leint geht. In allem Kasteln sicht man aber den sogenannten BerbvochertYPuS mit der chrkvaktevisUchen breiten Nase, den Vovstechenteen Backenknochen, und den wilden Augen. Zufammenfasiemd kann man sagen, sie fthvn all« ans ..direkt wie aus dem Dorterecheralbrun". R ob e r. t S <fi v e i c -v Bon den Auslagendieben bis zu den Sech Prellern. Vas Verbrecheralbum der Pollrei.