Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-02-22 · Heft 2158 (22.2.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2158 (22.2.1925)
Date
1925-02-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981243--22003-3009371
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SoitrS Sonntag SOIcitec MoEgenzeftnng. 22. Februar 1925 Nr. 21« sich bisher als moralisch ru-uderwertige-Z Weintbcf er wiesen, dem das Plündern und Luge-.;üv geiler. Natur geworden ist. Alle aber sind im Laufe der Zelt zu Werkzeugen fine* Kampfe* geworden, der aufs Ganze geht und dem es sich nicht um die Verdrängung, sondern um die Abschnürung und Erdrosselung des Judentums handelt. Dieser Kamps, dessen einheitliche Leitung unverkennbar ist, bedient sich des internationalen Gedankens und er sucht seinen Zweck an affen Punkten und unter Be- Nutzung aller soizalen Mißstimmung zu erreichen. Gegen das Judentum steht eine Trias von Mächten, der Vatikan, der europäische Nationalismus und der russische Bolschewisnms. Die Unterschiede der Weltanschauungen sind sehr tief, aber doch bildet der Antisemitismus eine vereinigende Brücke, auf der jeder einzelne der Drei zur Weltherrschaft zu gelangen hofft. Allen ist das jüdische Volk im Wege. Atavistische Stimmungen und modernst radikale Tendenzen begegnen-einander im Judeirpuukt, und. so sehr sie einander verabscheuen, so görne sie einander die Hälse umdrehen möchten, so gerne wirken sie gemeinsam gegen das kleine jüdische Volk, dem sie seine Existenz, seine geistige Kraft und seinen Lebenswillen vorwerfen. In'dieser Dreiheit braucht keiner die Führung zu haben. Die Richtung des Kampfes ist nicht immer die gleiche, und so tritt bald diese, bald jene Stelle befehlend und leitend auf. Es ergibt sich aber von selbst die Absicht, eine Einheit herzustellen. Dafür hkll Europa Wohl die Aktionskräfte und den Geist, nicht aber das Geld, und cs ist zu verzeichnen, daß die amerikanische Geheimorganisation des Ku-Klvx, der so geheim ist wie die Consulgesellschaft oder das magyarische Doppelkreuz, ihre Tätigkeit zu einer weltumfassenden ausgestalten will. .Sie hat viel Geld und viel unverbrauchte Brutalität. * Es ist keine Frage des Judentums, die hier aufgerollt ist, sondern eine Frage der uichtjüdischen Welt, wie sie dieser Pest beikommt, die ja nur die Inden als erstes Opfer erreichen und beseitigen will, um dann die ganze Entwicklung auf das Mittelalter zurückzustellen. Das Judentum muß den im Zionismus gewiesenen Weg sortsetzen. Als Glled der-Bölkerfamilie hat es die Verpflichtung, an der Kräftigung der Demokratie mitzuarbe'iten und mit zur Aufklärung der Menschen darüber beizutragen, wer die Versöhnung, den Frieden und die wirtschaftliche Sanieruna verhindert. Der Antisemitismus ist eines der vielen Mittel ans dem Arsenal der Reaktion. Seine Vertreter sind durch die Bank Todfeinde der pazifisch-demokratischen Entwicklung und seine Verfechter lichtscheues Gelichter, das nichts gelernt hat als den Pogrom. Sie zurückzuscheuchen, ist ein Problem, das nur international gelöst werden kann. Man Hai internationale Konferenzen gegen die Cholera abgehalten und ihr tatsächlich die Gefährlichkeit genommen. Genau so wird man gegen das Hakenkreuz, in welcher Maske es immer sich gibt, international Vorgehen müssen. Rach de« Sturze de» Kabinett» Marx. Die Konservativen streben den christlich-nationalen Kurs an. Berlin, 21. Februar. (Wolfs.) Auf die Frage, Ivas nach dem Sturz des preußischen Kabinetts Marx folgen soll, gibt die doutschnationale Presse die Antwort, daß eigentlich nur die Auflösung des Landtages übrig bleibe. Die „Krenzzeitung" bezeichnet allerdings noch einen anderen Wog. der sich aber nach dem. was in den Zeitungen über die Haltung des Zentrums d.'rlautet, kaum als gangbar erweisen durfte, nämlich die Bildung einer N.gierr.ng 'aus den bürgerlichen Parteien, die auf ch r i st l i ch - nationalem Boden stehen, das ist aus Zentrum, deutscher und doutschnationaler Volks Partei und Wirtschaftsvereiuigunig. Der „Vorwäriv" erklärt, cs bleibe logischerwr'iise nur die Wiederwahl von Marx zum Ministerpräsidenten, d:c Wiede ob astell.rnrg des gestern gestürzten Kabinetts und eine Neuabslinl.imlng im Landtag übrig. . Wie setzt schon sostst-eht, wird das Zentrum unter allen Umständen an seiner bisherigen Stellungnahme zur preußischen Regier-nng und an der W : i m a r e r Koalition fosthalten und am 4. Mär.; dem Preußischen Landtag von neuem den früheren Reichskanzler Doktor Marx als Kandidaten für die Miuisterprä srdentschaft präsentieren. . Die beiden Zentrums«»geordneten L o n a r tz und Papcu. deren Fernbleiben bekannt'ich den Sturz des Kabinetts Marx herbellü-hrte, haben sich geweigert, der Aufforderung der Zeiltrumskniktivn. ihr Mandat " i e d e r z u l e g e n, Folge zu leisten. Man zweifelt in parlamentarischen Kreisen nicht daran, daß sich die beiden Abgeordneten der deutschen Volks Part ei ansch'ießen iverden. Staatrkrrdtte für pommrrlche Strmchrlttrr. Tie Affäre der Preußischen Landespfandbriefanstalt. Berlin, 21. Februar. (Tel.-Komp.) Ueber die Ergebnisse der Untersuchung der Staatsanwaltschaft bezüglich der Landespsaudbriesanstalt meldet das „L-Ühr-Abendbtatt": Die Staatsanwaltschaft hat ihre Untersuchungen nnnmehc abgeschlossen. Die Skandalassare ist nach den jetzt vorliegenden Feststellungen der Staatsanwaltschaft eine Angelegenheit von Landbündlcrn, Rittergutsbesttzcrn, schönen Frauen, kostbaren Pferden und anderen kostspieligen Amüsements, zu deren Finanzierung Kredite eines st a a t l i ch e n N n t e r n e h m e n s in Anspruch genommen wurden. Das pommerisch^ Adelskonisortium aus den .Herren v. Z i tz c w i tz, v. Etzdorfs und v. K a r l o w i tz sollte das Angebot des Italieners Giuseppe R o m a n o übernehmen. Das Offert des Romano bestand aus dem Berliner Dureanhause „Börse" und 20 Häusern im Berliner Westen im Werte von 2,1 M i l l i v n c n Goldmark. Herr v. Zitzewitz forderte xmi von der Landespsandbriefansta-lt einen Kredit, und diese hat über Intervention des Reichslandbnndcs ungefähr fünf Millionen Reichsmark an Krediten und Bestreitung von Auslagen vorgestreckt. Die strafrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit diesen Vorgängen konnten von der Staatsanwaltschaft nur mit größter Mühe herausgcschält werden, weil in die Angelegenheit vielfach V c r s ch I e i e r u n g s m o m e « t c hineinspiclcn. BuflSsung de» belgischen Parlament». Paris, 21. Februar. „Information"- meldet aus Brüssel: „Etoile Beige" veröffentlicht ein Interview mit einem Mitglied der Regierung, wonach die Auflösung des Parlaments in etwa 14 Tagen verfügt und die Neuwahlen ns den 5. Apr, l angesetzt würden. 2)ie Krankheit des König» von England. London, 21. Februar. (Reuter.) .Die Teinperatnr des KD nigS ist noch fchwaukei'v. Die Besserung im Befinden .des Königs macht laug s a m e F o r t \ cf; r 'i i t-c. ' Sie bebende Erde. Mailand, 21. Februar. (Tel.-Komp.) Die Erdbebenwarte der! Universität von Padua .hat hmte .nachts um 2 Uhr 15 M'm.uten ein heftiges Erdbeben verzeichnet, dessen Herd etwa 9000 Kilometer Han Padua^ntserntliegt..°;. ‘Irä9et Ib&k Schuhe! mtt eingebautem ,fBer*on“-Quitim!-Absatz Araber und zloulftev. Jerusalem, 2-> Februar. (I. T. A) Ibrahim A b d i ft ’ aus Ramleh, einer der führendeu Araber, veröffentlicht in der Zeitung „Al Akhbar" einen „Appell an das arabische Bock", in welchem er eine Zusammenarbeit aller Klassen des palästinensischen Bolkes mit den Z i o n i st e it befürwortet. Ein solcher Schritt, sagt er, wäre ein Segen.für das Land. Nur - eine Zuiammenarbeit mh den Zionisten und nlit der Manda-- - larmacht würde Palästina jenen Rang verschaffen, den es unter den Ländern und Nationen der Welt verdientermaßen einzunehmen hätte. Wir brauchen. sagte er, eine solche Eimgung mit den Zionisten, die in der ganzen Welt verstreut leben und über große Staatsmänner, K a p i t a l i st e n und belehrte verfiigcn. Das arabische Voll keimt und würdigt die Person des Oberkommissärs Sir Herbert S a nt u e l; ec. sollte aber anch wissen, wer Dr. Weizmann ist. Ich las die Rede Dr. We.izmannL in Berlin, in welcher er von der Z u s a in m e n a r b e i t mit den Arabern sprach. Wciz- Uiattir lvünscht aufrichtig eine solche Einkgnna, die zum Besten der Judeil und Araber wäre. Sie Ratifizierung de» rufilsch-iapanischen Bertrages. .tEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Moskau, 21. Februar. Obwohl uHprünglich beabsichtigc lixir, den sowjet-japanischen Vertrag erst in der - ordentlichen Tagung des zemraltmssischen Ausschusses zu ratisiz-ieren, die am 1. März beginnt, wunde mit Rück- . sicht auf die günstigen. Nachrichten aus Tokio die Ratisikation bereits gestern durchgefühvt. (Bon der ,rWiemr Mvrgenzeikting" bereits gestern gemeldet.) Sie würde vorn Prästdirl-m des Zentralexekntivatlsschnsstö vollzogen, der nach -der Verfassung der Sowjetunion hiezu von einer speziellen Tagung ermächtigt wunde. Der Ku-Klux-Klan. Sie antisemitische Sehrimorganisatto« in Amerika. Au. der Spitze öeS KuMux-Klan stehr der „Empe- (Kaiser)..Bor nicht weuigeu Wochen hatder „Emr o r Ter Münchener „Nationalsozialist", ein Hakenkrenzblatt. macht über die Anlaae und bic Manc des n- Klux - 5tlan die tagenden Mittelstlingsn'. Der Kl!-5dtnx-Klan ist vielleicht die merkwüdigsrc, aber sicherÄch aeivaltiaste antilomvtische Gebeimorganisation der Gcaertzvart. Schon vor Monaten koimte der Bti.nÄ, dessen Sviübol das „f lamme n d e 5k r e u z" ist, fünf Millionen Männer und Frauen zu ferwer Gesiokaschaft rechnen. Inzwischen sind aber neue Bün'de, davuinter vor allem der Femobund „D'c Räter des flamme reden /Schwertes" hervorgetreden. Diese Neubildungen sind parallel wiv'kende Zlve iave re iniannoen des Ku-Kkux Kla-n und dürften sunt Teil dem Umstand ihre Eutste'bll'na verdanken, daß gewisse Staaten versucht M’m den Ku-Küv.-Ktan durch ohne benmtende Gesetzaebuna Kintan^ubllltelk. ivas durch eine Neuarirnduna umaanaen wird. Ein Iveiteres Merkmal in der Proipagandanlethode dieses ameriEanischvn Faschistvn- Ge^he-imdU'ndes ist der Umstand, daß die Wevbetä-ügkeit misschl'eßlich durch Frauen besorgt wivd, un>d zwar durch „Elite-Excmplare" deramazollenhaft wirkenden nordisch-rassigen Kaliforn i e r i n n e n. Es läßt sich leicht denken, daß diesen Amazonen, die in kleinen Trupps zu Auto oder gar -u Pferd a-uftveteu. die gesamte OeffeMichkert, besonders die männliche I u g e n d. von vovnherem sympathisch gegenüberstsht. Wenn also der propagandistische Köder der allgemeinen Sympathie sicher ist. indem gerade der saniere, sportsmäßig und zügle'ch militärisch ama^onenhafbe Eindruck (kein Flirten erlaubt!) die Jünglinge Nordaincvikas begeistert, so liegt scharr in der geheimnisvollen „nächtlichen Tät'gkeit" ein gcw.sse'r Kitzel, der lockt. Wenn man in getvissen Nächten diese weißen Inquisitoren gesp-owsterhaft zu ihren Stelldichein hlsschen sieht, tvann inan sich vergegenwärtigt, daß es ein offenes Geheimnis ist. daß Geistliche. Senatoren. Polizeip r ä s i d n t e n, H o h s ch u l l e h r e r zum 5k l a n g ehören. 'so wirb es verständlich, daß die Propaganda des Klan den Ste-rnpol eines schwäruiorischen Sturmes und. TrangeS, vor allem aber eines geheimnisvollen, die letzten Konseglten^en zioherweu Femewillens trägt. Es ruuß hier scheu gle:ck e'ngcsckxtllet Werder,, daß de 5klarl-Pwpagattda nicht beabllchtigt, in Norda-nieriia haltzrmtächrn. Die Absicht 'st vielmehr, ' der weißen Rasse . auch anderswo auf dieser Welt die daueMe über die anderen Nassen zn sichern» Peror" des 5klan in Sam Antonio (Texas) ein Manvfest ' erlassen, in welchem er die Absicht ausspricht, durch eine' . „Nellgrüudung", und zwar den sogenannten „KllL", das englische Weltreich zu „verklanen". Die Ku-KluxMan-^ZroiPatzaitda richtet sich proFramum tisch nicht Mr gegen die schwarzen Rassen, sondern auch gegen die Juden aller Schattierungen, gegen die mongolische, nvalaischc und Polynestsche Rasse, gegen die sogenannten „Polacken", d. h. den russisch-polnischckasulbischon Typ. Der Klan will ein weißes Am-erib' ' UAd bestreitet die Gleichberechtigung! aller solchvu Rassen, die nicht zur nordisch-arischen Völker, grrlplpe, d. h. zu bon Sermonen, Skandinavier n. Schotten, Iren, Angelsachsen, gehören. Der Klan, dessen Politischer ädern seit.Jahren in den mittlieren Südstaaten, den Carolinas usw. lag. hat sich ftesonders seit dom Jahre 1918 in geradezu „beängstigender" . Weise durchgesetzt. Das gegowivartige inneramerikanische Ziel des Klans besteht in der Evoibcrung der Acht-Ällllfoi' nen-Stadt Now-Aork. ES ist charakteristisch für die kluge . s Pvopaga.nda, daß zur Erreichung dieses Ziveckcs New-Dork zünächst Wir ein« Festung propagandistisch eingekretst wird, d. h. ein Propagtudagürtel von mehreren hundert ' ' Meilen um die Weltstadt gelegt wird, lvoboi die Staaten - New-Jersey. Peunsylvau-ia, das Hudson tal, Lang Island usiw. als Basis d'vnen. Zu gleicher Zeit über arbeitet der Klan nach der kalt-, forni scheu Küste zu, nud zivar mit der Absicht, die andere Weltmetropole Nordamerikas. C h i ka g o, einzuspinmn. Die Statten Tennessee, Mssissippi, Virginia und Karoil'ina im Süden, die Staaten Kalifornien, Oregon. Wa-Hhi-ngtou. i im Osten, die Staaten Montana. Utah. Nord Dato. Jlli- .. nois, und Indiana im Nt ittelwesten uud fernerhin die sogenannten Allaortllchon Staaten bis Maiine hinauf, sind in .den letzten Monaten glatt und sozniagm ohne Schlvechstreich in die Hnd des allnlächtigen 5klan gefallen» In Kanada. London» 91. Febrnar. (Tel.-Comp.) Nach einer Atel-; dnng aus Ontario werden gegemvartig große Anstrengungen .gemacht, um dort eme Kanadische Stil* KluL-Klan-Bewegung -n eröffn««. Sie soll auf Protestantischer Basis Ludet sein und de,, Jude» mch römischen Kattzolrken ...■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.