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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-19 · Heft 2155 (19.2.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2155 (19.2.1925)
Date
1925-02-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nc. MSB MiMr?W_ M«nrr Mm-Ken,rN««a._ Plötzlicher Abbruch der Lilnderlouferenz. Lbftlnate Saltvng der Semelude Sir«. D« mit so großem Applomb angekündigte Länder-- Lmferenz ist wü« das Hornberger Schießen ausgegangen. Der Finanzminister Dr. Ahver hatte sich zwar der Zustimmung der Majoritätsparteien zur Ausdehnung der Kontrolle durch den Obersten Rechnungshof auf die .Finanzv-erwaltung der Lander versichert und auch ihre Einwilligung -dazu erhalten, «daß sie, wenn die Regierung gegen ein Landesfinanzgesetz Einspruch erhebt» in den nächsten Awei Jahren keinen Beharvungsbeschluß fasten und nicht an den gleichbeschickten Ausschuß des Nationalrat«!s und des Bundesra»es appellieren werden. Aber er hat es verabsäumt, die Zustimmung der sozialdemokratischen Opposition einzuiholem Auf diese war auch nach der ganzen Stchlage Vicht zu rechnen, da die Forderung. des Fmanzkomitees des Völkerbundes .wohl dem Bundesland Wien materielle und ideelle Opfer auferlegt hätte, für die die österreichische Regierung aber keinen nennenswerten Kaufpreis bieten konnte. Auch der Hinweis, daß die geforderte Kontrolle eine B e d i n g n n g f ü r die Gewährung von Jndustriekrediten sei, verfing bei den Vertretern des Wiener Rathauses nicht, sind sie doch der Meinung, daß in Hinkunft Kredite nicht mehr von den Finanz m ännern der Völkevbundstaaten zu billigen Bedingungen $\t lhaben seien. Bürgermeister Seitz zog das Verlangen des Finanzkomitee's des Völkerbundes, dem die MehrheitKParteien zugestimmt' hatten, ins Lächerliche und diese verzichteten unter diesen Umständen darauf, die aussichtslos gewordenen Beratungen der Länderkonferenz fortzu setzen. Uüber die Länderkonfevenz wird unter anderem amtlich verlautbart: Der Bundeskanzler gab eine Uebersicht über die Fragen, die gesetzlich auf »dem Gebiete der B e rfaffungs-, Berwaltungs- und Finanzreform zu regeln wären. Es handelt sich hier «mnt die Ausdehnung der Kompetenz des Rechnungshofes auf die Kontrolle der Betriebe, an denen der Bund finanziell beteiligt ist, um die Fi na nzge baru ng der Länder, ferner um die Inkraftsetzung der Artikel 10 bi's 13 und 15 der Bundesverfassung, dann um eine Ergänzung des Artikels 12 der Bundesverfassung zwecks Kompetenzregelung bezüglich foer «landwirtschaftlichen Krankenkassen, dann um die Verl Änderung der politischen Verwaltung in den Ländern Und Schaffung eines einheitlichen Amts- : und Beamteukorpers. Was die finanziellen Fragen anlangt, so solle der Verteilungsschlüssel für alle geteilten Steuern so geändert werden, daß der Anteil der Länder auf Kosten «der Genreinden um 5 Prozent erhöht wird und daß eine- Erhöhung der Steuer auf Bier und Branntwein durchgeführt, deren Ertrag den Ländern und Gemeinden zugewendet wird, wobei jedoch jene Länder, Sie im Falle -der Übernahme der politischey Verwaltung eine Mehrbelastung erfahren, ein entsprechendes Präzipunm erhalten sollen. Außerdem schlägt die Regierung vor, ein D u r chführungsgefetz zum Finangverfassuugsgesetz zu machen, durch das für gewisse Landes- und Genreindeabgabon Begrenzungen eirrgeführt werden. Dieser Vorschlag bezieht sich auf eine Novellierung des § 7, Absatz 6. des Finanzverfastungsgesetzes und bezweckt die Ersetzung der 26er--Kommistion, die bisher in Steuerstreitfragen zwischen Bund und Ländern entschieden hat, durch das Genchmigungsrecht der Bundesregierung. Bürgermeister S e i tz gab namens des Landes Wien eine Erklärung ab, in der er unter anderem sagte: Die Vertreter der verwaltenden Mehrheit des Landes Wien begrüßen es, daß die Bundesländer, di« es bis» Künstlerisches Lebe» in 8rer Israel. Der jüdische Abaler S. Grodzienski, dar vor kurzem von seiner Studienreise nach Evez Israel zurück-, kehrte, gab in einem Gespräch mit einem Mitarbeiter «de^ „Lodzer Tagblatt" seine BevbachtunMn auf dom Gelbist der jüdische»» Kn nistentwicklung in Evez Jfva-sl bekannt. Er sagte «unter anderem: „Die jüdische Malerkolonie in Evez Israel ioird vori Tag zu Tag größer. Es kommen auch viele nichtjüdische Maler ins Land«. Die Schönheit des La«ndes zieht sie an. Die jüdischen Maler und Bildhauer sind in dem - BevAu»«d Agudath-Haumnink, dessen Präsident der Bildhauer M e l n i k o w ist, organisiert. Der Sitz des Verbandes ist in Jevusalenr. Er erhält eine Schute für Anfänger, in welcher die Schüler kein Unterricht s g e l d bezahlen. In Jerusalem befindet sich auch, wie lbekannt, die B e z a l e l - S ch u l e unter der Leibung des Pvofestovs Bovis Schatz. Im allgemeinen koinzentriert sich die MalerfaEe in ,Jevu'fa>lem. Der öben erwähnte Vevband >ist eine Art Gegenaktion gegen die Bezalelsichuile. In der Schule des Verbandes herrscht sine freiere Luft, sie pflegt die verschiedensten Richtungen in der Mal- und Bildhauerkunst, sogar.der FnturiZmus ist nicht voll vovlche-rein ausgeschlossen. Diese Schule hat ein gemeinsames Arboitsatelier, jeder, der sich nveldet, kann ahm weiteres einem Vortrag Mer Malerei oder BAdhamvknnst halten. Auch in den K w u z o t h trifft man mltlunter fähige Ataler, die arn Tage in der Laudwimfchaft arbeiten und rmch Feierabend ganz beachtenswerte Kunstwerke schaffen. Ich selbst bm auf »»»«einer Fahrt durch die Ktvuzoch auf eim .HMsche Anzahl solcher Malier gef-chm. her versäumt haben, ihre Gebarung einer entsprechenden Kontrolle zu unterziehen, sie nunmehr als notwendig erkennen. Das Land Wien hat der Unerläßlichkeit einer solchen Kontrolle durch Einrichtung eines eigenen K o n t r o l l a m t e s längst Rechnung getragen. Man darf allerdings nicht übersehen, daß die ständige, keine Stunde ausfetzende Kontrolle, wie sie das Wiener Organ ausübt, durch die periodischen Kontrolle»» des Obersten Rechnungshofes nur einen teibweifen und verhältnismäßig bescheidenen Ersatz finden. Es ist durchaus verständlich, daß die Mehrheiten in den anderen Bundesländern bereit sind, gegeriüber der ihnen politisch homogenen Bundesregierung auf ihre verfaffungsmäßig gewährleisteten Rechte zeitweilig zu verzichten und sich mit fallweise zu treffenden Vereinbarungen zu >beg»mg«n. Auch der Mehrheit des Landes Wien würde es nicht schwer fallen, dieselbe Haltung cinziunchmen, wenn die Bundesregierung von den Sozialdemokraten gebildet wäre. Der Umstand, .daß die übrigen Bundesländer die Veveintbavung nur bis 30. Juni 1927 schließen wollen, also gerade bis zu denr Zeitpunkt, innerhalb dessen sich voraussichtlich kei»»e Veränderung in der Mehrheit «des Nationalrates und damit in der Zusammensetzung der Bundesregierung ergeben dürfte, ibeiveist, daß auch die anderer» Bundesländer -bei geänderten MehHoitsverhältnissen nicht gewillt sein würden, ihre verfassungsmäßigen Rechte durch die Wchlmeirnmg einer politisch anders gedichteten Bundesregierung zu ersetzen. Ein solcher Ersatz des kaiserlichen Sanktionsrechtes wäre mit den» Geist .der Bundesverfassung unvereinbar. Nach dieser Erklärung des Wiener Bürgermeisters wurde beschlossen, die nächste Sitzung erst äbzuhalten, sobald die einzelner» Parteien Besprechungen albgehalten haben und ihrren Entwürfe der Regierung zugegangen.sind. Dev Beschluß der Sozialdemokraten. Nkach Schluß 'der Läuderkonferenz traten die sozialdemokratischen Teilnehnrer zu einer Beratung znisammen. Es wurde festzgeftellt, daß bereits in einige»! Ländern, »oie Nie.derösterre'lch, Burgeüland, Kärnten« und Stlzburg, Kontrolleinrichtungen in der Landesverfastlmg vorgesehen sind. Ob diese Einrichtungen' durch Kourpetenzevlositevung .des Bun'desvechumtgshofes ergältzt oder ersetzt werden follerr, wird in jedem e inz elut tt FalI so rgfältig zu Prüfen sein. Was den Vorschlag der Bundesregierung 'bezüglich der . Schaffiurg eines Sa n ktionsre chtes für Larrdessteuergesetze an-' .langt, fv werden.die' sozialdonlokvatischen Ländervertreter dagegen den schärfsten Kampf führen. Die Vorschläge der Bundesregierung bezüglich einer Neuverteilung der Steuern zwischen Ländern und Gemeinden erscheinen in der vorgebrachten Form u.n a u n c h n» b a x.: Da die Anwendung des GoldsteuerschlüstelS bei der Verteilung der Warenmrrsatzsteuer seit der ätzten Abga'benteilungisnvvelle die größeren Orte schwer benachteiligt, so ist eine R e v >ifio-n der Steuerverteilung nottvendig. Dev Verläudernng der politischen Verwaltung steherr die svzialdernokratischen Ländervertreter .nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Sie kann aber n»tr im Zusarnmenihaug mit der Demokratisierung der Bezirksvertvaltung /betrachtet werden.. Dsin Wunsche der Regierung, daß die noch nicht in, Kraft,gesetzten Kbmpetenzartikel der Bnndes>verfastu»tg nunmehr in Geltung treten sollen, schließen sich die, Sozialdeimokraterü an. In Jerusalem und.Del - A w i w werdsn recht viele Kunstausstel'lnngen veranstaltet. Eine ständige Ausstellung ist i»»r ,/M!gdal Daiwid" (DavidMurm) in Jenusaleur zu seihon. Hier hälbon schon söhr viele jüdische, aber auch Uichtjüdische Mäler ausgestellt. Es lvird hierin lein Uuterch'.ied gernacht, jeder Künstler wird zur ArrÄstellung seiner Werke zuge.lassen. Jch will. «Ihnen hier einen bnlvressanten Fall erzählen: Gerade als ich in Jerufalam war, hatte der polnische Maler Richter, ein Schüler der Kva'kauer Akademie, ausgeistellt. Erez Israel gefiel'ihm außerordentlich, «und er ist, wie er sagte, errtschllostein, sich dort daiuernd uiederziülasterr. Er erhält sich durch den BeMuf seiner Bilder. Ueberhaupt kaum e«m Abaler in Erqz .JsmÄ sich bloß dann evhvillen, wenn er von Zelt zu Zsit oine Ausstellung veranstalitet., welche Massenbefu ch «uflveüst. Meine Ausiftelluing zum Bsifpiol, die mut vier Tage lang dauerte, lvurde vor» »»«ahezrt 10.000 Manischen 'besiucht. Bon den Kwuzath kornim-en sie grurppMwei'se in großer Zahl, 'um mit die Ausstellungen 'bosichtige>n und studieren zu köulwn. Die Emtvittspreife sind ein Piaster für Schüler und Arlbsiter und fünf Piaster für die anderen- Besucher. Auf solche Wsife hat der Künstler, der anSstellt, bloß aus denr Besuch «in« Einnahme vom 40 As 50 Pfumd, wovon er einige Monate leiben kann. Es werden äber auch in Erez Israel Mder gekauft; 'hauptisächlich sind es Touristen, die kaufen; aber auch die ständigen Bewohner des Landes stnd g»»>te Känifer. Gegenwärtig hoffe»» die Maler vi>el vom den Tvuuiiste»», die zum komtnem'den Pessach i.n auhewrdemlich großer Zahl evtvariet wevdem -Fachschriften über Maleroi rmd Bildhaiuevkumst gibt «s in Eveg Israel As jetzt so gut wie gar nicht. Auf Jm- 19. Februar 1925 Seile 8 KUNEROL Schel Pessach HDD Schel Pessach 100% reines Fett aus Kokosnüssen Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S. B. E h r e n f e! d, Mattersdorf Das Wöllersdorfer Panama. Vermögensverschleppungen aus der Billa des Direktors Neuhöfer. Aus der Villa .des Generaldirekrors der Wöllersdorfer Werke, Neuhöfer, im Prater wurden seit eürigerr Tagen die »vcrtvollsten Eiurichtungsgegonstände, Möbel, Perjserteppiche usw., 'weggeführt. Gegen Neuhöfer ist ein stvafgerichtl'iche's Ermittlungsverfahren im Zuge. Er, hat vor einiger Zeit Wie»r verlasse»: und 'befindet sich angeblich in einem Sanatorium in Bayer n. Vorkehrungen der Polizeibehörde gegen die Verschleppungen erscheinetr unmöglich, da das gesamte Inventar der Billa Eigen tit:ur der Frau NeuhöferS ist. Weidenhoffer gegen Refch. Durch die letzte Rede des Ministers für soziale Ver« waltung Dr. Refch wurde im BüdFotausfchuß eine sehr versöhnliche Sti»nmung bei der Qppositiön a.ilsgelöst, so daß gestern bereits da's Kapitel „Soziale Verwaltllng" angenommen wevdeiv konnte, besserv Beratung sonst eine gar»ze Woche 'beansprucht hätte. Abgevvdmeteir Dr. Weidenhoffer, der LekarmtUch Sekretär des Jlwustriellerrverbandes ist, hielt es für »lottvendig, die Rede Dr. Refch, der behauptet lhatte, die Belaftimg der österreichischen Volkswirtschaft durch soziale Abgaben sei nicht allzu groß, zu kommentieren. Gewiß sei nicht nur die sozialpolitische Belasturrg an der krisenhaftem Lage unserer Produktion schuld, es gelbe noch andere Gründe, wie den hoherr Zinsfuß, die Kreditnot, die hohen Steuern usw. Alle diese Ursachen aber wirken nach einer Richtung zusammen und eis kömire mcht gesagt werden, daß unsere sozialpolitische - Belastung eine geringe »väre u»»d uns irgend welche Vorteile gegenüber den Produktionen anderer Länder gewähverv «würde. zwetzbacher« Abschied. Der ehiernÄlllHe LamdeKhamptmamwStellvertreter vor. Niederofterwich, Z w e tz «b a ch e r, der wiegen der unterschiedlichen gegen ihn erhobenen Auwürfe alle seine Man- «date niedergelegt hat, teilt in einem an feinten Freund, den Landeshauptmann Dr. Buresch, gevichteterr Scheibe»: mit, daß er sich endgültig von der öffentlichen Tä, tigkeit als Mandatar zurückziehe. Äative des Dichters B i a l i k, um den sich das geisanrw kü'ustlevvsche ur»d bul-ülvelle Leben in Evez «Fsvael gruppiert, w-i'vd schon in nächster Zeit nt>lt der Herausgalbe solcher Schriften begonnen werden. Das kimstlerische u»»d kulturelle Leben in Evez JsmÄ ist evfveuKchevlveiise sehr örbtünsiv. Mailer, 'Schriftsteller, Bildhauer avbeitvn «sehr viel und sind ihrer Arbeit froh. Die B>evöl>kev»la»g «ist den Künstlern m»ch fiir ihre Arbeit dankbar. Bon den KwNzoth -Lornlnen unablässig Gesuche ivcgen Delegiwung von Bor* tra,Mvden über KunstfraW»»., u>nd in letzterer Zeit ivurder» solche Refeva-te in > denr Kwuzoch vegelmäß-ig abgohalte«»». Im allgemeinen vermag ein Künisiler in Erez Jfraeil sich kü»»stlervfch voll auszuleihen. Hier ist Stii»i»«l»»«u>l»g. hier herrscht BegöisteMng. Hier gibt es Metychelr, für di>e uran arbeitet, und jeder, der hier arbeitet, «hat -den Ge«n»rß «der inneren Zufriedenheit. A»».ch die jn«»»g>e Gonerntion, die Kinder m Evez iFsrael, Weichen zu Lktlnftsirrn iu»d K»»»».stinteresie erzcgen. Eine heitere Episode halte ich rrvit mvm jüdislchen Jungerr in der Klvnzah ,,-GÄvah". Ich saß dort und maAe eine Landschaft; -'hald hatte sich um mich eine ganze Menge Kinder veyfammott, die meirrer Llvbeit »niit großen» Jn-tevesse folgten. Sie ken.r»en sich vsfcubar bob Farben mtd FarhonmiMimg aus. Plötzlich vurt Lo kleiner Junge «ttflt „Unser A'minon würde das viel bester machen!" Einige lanfen rmn davon, um A»nno»» zi»» hvteu. Er kommt, betrachtet »»eine «begorrnene Arbeit von Mer» Soiten, denkt sinige MlgenWicke .Mch urrd «Mrt da«»»n geliassen: „Rein,'so könnte ich nicht maton; aber wißt -ihr, ivvs- -halb?", fügt er mit klugem Lächeln hi»»zu, „der AtM (Herr) trägt eine Brille. Würde ich eine Bville tva«M, da-mr würde ich die Landschaft so sitze»» lvie er ur»d sie auch jo maile« wie «.. ,*

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