Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2155 (19.2.1925)
- Date
- 1925-02-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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$t!ft 1 Wen. Donnerstag Wiener Mor-enzeitnnft. Mischer Sammeltag 1^. Februar 1SW mm Sonntag den 22 Februar Montag den 23. Februar zugunsten der notleidenden Mdischen Fürsorgetnftltntloneu arwers, und die Batevländler. die die jüdisch« Titten« losiqkeit auö allen Kräften bekämpfen, haben gegen die Korruptio r nichts einzuwenden, wenn fte nur arisch ist. Die S'inn«S.Fabrikan1en hatten die Kohlenstsuer eiiHsfttckt, mit den Lobngeldern an die patriotisch hustete Arbeiterschaft Devisengeschäfte gemacht und die deutsche Mark heruntergerissen, Ihre politische Haltung war ausschließlich davon beherrscht, das Reich zu keiner Berständignng mit Frankreich gelangen zu lasten, die sin Erstarken der Demokratie zur Folge gehabt und daS innere Fieber beseitigt hätte. Die Schwäche der demokratischen und soz-ialdemokrntischen Partei, die vor dem Furor des Teutonismuö zusammercknickten, erleichterten das Geschäft. Die nationalistische Preßkamorra feierte die Ruhrindustriellen als die Helden des passiven WiderstandeS. di« geheime Maffia — so geheim, daß sie »eder. kannte — brachte die Warner ums Leben oder schüchterte sie ein. Und inzwischen zahlte die Regierung in aller Stille den Fürsten vom Schlot SanievungSgelber aus. Die Angst vor den Larwsknechten, vor den nationalen Schreiern ist so groß, daß bis'zur Stunde im deutschen Reichstag sich keine hundert Mgeockneten gefunden heben, um die Ministeranklage zu beantragen. Älle Parteien sind den Rationalisten auf den Heim ge« gangen, die nnt ihrer geschickt geführten Snthüllungskanchagne das Zentrum und die Sozialdemokraten in Äugst versetzt haben. Sie haben aber zu weit geschossen und ihre eigenen Beamten kompromittiert und in der hellen Sonne bewiesen, daß die Kontrastfadel ..Hie jüdische Korruption — hi« germanische Sittenreitcheft" eben nur eine schlecht konzipierte Fabel ist. ES zeigt sich das gleiche Bild wie in Oesterreich: Mit den wurmstichigen oder den für wurmstichig gehaltenen jüdischen Geschäftsleuten machen sich gerne Geschäfte, biedern sich ihnen an und fragen, wann und wo bestochen wird. Die jüdischen Menschen der Arbeit, der Kultur und der Wissenschaft fürchten sie so, daß sie ihnen ständig mit dem Pogrom drötzen _■ Ludevdorfs berichtvindet aus dem Reichstag. Äsrttn, 18. Februar. (Tel.-Komp.) General L u d e n-» dsrff Hat» wie beklautet, nunmeihr endgültig beschlossen, sem Reichstagsmandai niederzulegen. An feine« Statt wird der bei den Reichstagswahlen in Ober- Lahern unterlegene Haupimann a. D. Röhm in den Reichstag einzishett. Ludendorff hat bekanntlich im neuen Reichstag an keiner einzigen Siftung, weder einer solchen des Plenums noch der Ausschüsse, teilgenommen. Die ttu&eubötfflüt litt Münchener Gemeinderat. Mnncheu, IS. Februar. (Tel.-Komp.) In der Münchener Stadtverordnetenversaimmlung kam es zu wüsten Beschi.mpf»maen zwilchen Nationalsozialisten und ZozialveMürraten. Der Stadtverordnete Graf Ivurdc beschuldigt, während dieser öärmszenett auch zum Revolver gegriffen zu baden und wurde deshalb aus dem Saatt entfernt. Ms der Stadtrat Amon den Itadtrat Ru ß bäum als „jüdischen Rußibaum" Md Provokateur bezgichnete, stützte sich der sozialdemokratische Ztadtrat Wimmer auf Aman, packte ihn beim .Halse und warf ihn zu Boden. Rur mit Mühe gekmq es. die Wmpfen.de,t zu trennen. l>ie RegierungrrrklSrung Sr. Aa«'. Latmszenen btt Kommunistelt. - Pertin» 18. Februar. (Tetl.-Komp.) Die Regiecungse r klä ru ng des neuen preußischen Min^tekpMoentsu Dr. Marx im Preußischen Ändtog war Iteüemveise von stürmischen Kundgebwttgstt umtevbrochen. Äon kommunistischer Seite ertönten Zwischenrufe wie: ,Kuyvg«ldschiebumgl" .^Barmni-Schttbung!" MS die lärmenden Zwischenrufe auch während der Knndgchuing des Ministerpräsidenten für die Opfer -er Dortmumder Grudenkatastvopb« nicht aufförten, rügt, der Ministerpräsident unter dem demonstrativen Beifall der Mehrheit die Zwischenrufe all« bedauerliche Ruhestondngen. Die Rede des Ministerpräsidenten wurde in der Mitte und von den Sozialdemokraten mit leibhaftem Beifall ausgenommen. Die Kvemnu nisten Pfiffen und zischten verein- M. Di« Rechte verhielt sich still. fit der Debatte sprach se ein Vertreter der Deutschon a l e n und der deutschen Bolkspartei, welche sich gegen di« Regierung auSsprachsn, sowie «in Soz taldcmokrat ut»d ein Zentrum-Mitglied. Die Debitte wird morgen fortgesetzt. Sie preuMe« «okruvtlourslaudalr. Schiebungen mit PeereSautoS. Berlin, 18. Februar. (Del.-KomP.) Bot tziMM Schöffengericht 'begann heute ein auf mehrere Wochen berechneter Rttsensirafprozeß wegen großer Schiebungen mit H r e r e ö a u t o in o b i l e n. Angekttgt sind 10 Personen, in -er Hauptsache Beamte und Angestellte der ehemaligen Reichsverwertungsgesellschaft, sowie eine Anzahl AutoMobiMMer. Es find 80 Zeugen geladen. Die Angeklagten werden beschuldigt. sich durch aktive und passive Bestechung von schwer kriegsbeschädlgten Chauffeuren Militärpapiere und Führerscheine verschafft zu haben und sich auf Grund dieser Papiere bei der Roichkverwerdmgssteltt billig« Automobile verschafft zu Haiden Die LlebeKgaben rm die Ruhrlndustrl«. Berlin, 18. Februar. (Tel.-Komp.) Die srz'akdemokratische Reichs tagssvaktion fordert In einem Antrag di« Einsetzung eines Untersuchung Sa uSfchusseS» um die an die Ruhr induft riellen zu viel gezahlten Beträge festEstellen, damit diese dem Reiche ruckerstattet werden «nuten. 8er deuM.rumSn7w MMaMoaM. Berlin, iS. F.druar. Jur auswärtigen Ausschuß des Reichstages machte Außennlindster Dr. Stresemana ausführliche Mitteilungen über den WirtschaftSkonflift mit Rumänien. Er teilte mit, daß nach den eingelawftmn Nach> richten und der Auffass:- des auswärtigen Amtes die angcAndigten mmänffcheü Repressalien 'ich ftn Stadium dr Vorbereitung befinden, aber noch nicht durchgeführt wurden. Gin Notenwechsel habe nicht stattgefanden, es feien bisher nur mündliche Verhandlungen gepflogen worden. Dabei habe das Deutsche Reich bezüglich der Banea-Generala-Roten den Berstttichsdorschlag gemacht, diese mit 60 MlliMen Goldmark eiM-- lösen und dadurch diesen Stteitgegenfband aus dar Welt zu schaffen. Sine Antwort auf diesen Borschlag stehe noch auS. Der Ausschuß MM Mmüfftz die EMärung des Außenministers und den in der Frage siirgenomMnsn Standpunkt der Rvichsvcgttlung. fraget <*5Ttv m Schuhel mit eingebautem „B®r*on“-Gummi-Abs«tz Sie .Uttaarn her Int". Di« Mörder eines jüdischen Greifes. Budapest, 18. Februar. Bor dem hiesigen Straferichtshos begann heute der Prozeß gegen den Prrvakdc. amten Joses B e d ö und den Diener der StaatSVachnen Josef Dula, die angellagt sind, den 83jährigen Juwelier Ludwig Otto ermordet zu haben. Beide^Angeklagten hatten wahrend d^r Unetersuchuug «vn Geständnis abgelegt. Brdö erklärte, daß er «inen scheinen Verein der U ngarn der Tat begründet habe, der bezweckt«, die Regierung D e t h l e n durch einen P u t s ch zu befeit!s>en und die Judenfrage auf radikale Weise zu losen. Um sich für diese Zwecke GsK> zu verschaffen, hatten sie die Beraubung und eventuelle Ermordung reicher fit b« n kxWoffm. Sie hatten zu diesem Zweck schwarze iste n derjenigen Mischen BanikdiEown. Kaufleuk- und Industriellen awMgt, deren Ermordung am Tagc d«r vechtsradMen Erhebung als wofsntlichstes Moment diefeS Putschegeplant war. An die Spitze der neuen recht? radikalen Regierung hätte d^r rassenschützlerische Mgeord nett Andrea- Csille ry treten'sollen. Bedö und Dula hatten in ihren Geftändniffen auch die Ermordung Otto^ zugsgeben. Dsi der heutigen DechaMung zogen jedoch betds Au geklagten ihre Gestandniffe zur ück und erklärten nach fcem Muster der. Bombenwerfer, daß sis aus Furcht vor Miß ^Handlungen die Geständnisse gemacht hätten, obwohl si- Angaben, daß sie nicht mißhandelt worden sind. Die Beeanttvortuntz des zweiten Angeklastt«. Joftf Dula, bewegt sich im selben Rahmen wie di« Aussage Bedös. Dula hat sein Geständnis, das er auf der Polizei ablegte, schon vor. dem Untersuchungsvichttr zurück gezvgen und leugnet heute cköenfo wie BedF auf das «w> schttdenstt, den Juwelier Otto umgebracht zu -habeit. Dula begründet sein Derhalttn damit, daß er auf der Polizei nach seiner Bechafiung eher geneigt war, tzinen Mord auf sich zu nehmen als den Putschplatt gegen di? Regierung Be Mn. Sie Stndentennalionen. Kammerwahlsn an der Wiener Technik. Heute beginnen an der Wiener Technik dtt Rruwahleu zu der H o ch s ch u l k a m m e r. Die AkshÄampagn« ist sehr erregt und eS gab gestem bereits lavmende Auseinander fetzungen. An den Dohlen hettAlgsn sich nur dtt in der „deutschen Studentenschaft" organisierten .Nativncrilradi' kalien, Kteribaiten und Völkischen. Doch sind zur Wahl.^ll? ordentlichen Hörer berechtigt. Lemaltungsreform in 8rez Israel. »eaüntrllaag der Slftrittet Aus Jerusalem, 16. d., wird der I. T. A. he. richtet: Das Organ der arabischen Exekutiv«, der ,Mestitt", will von autörativer Stelle erfahren haben, daß Erez Israel vom 1. April d. I. an in swei BevwaltungZ-« gebiete geteilt werden soll. Der Rotodistrikt werde unter der Verwaltung des KolonÄ Shmes, des gegenwärtigen Gouverneurs des Haifa- Distrikts, stehen; der S ü d d i st r i k t unter der Administration des Majors Abramson. dessen offtzielle Residenz Jaffa sein wird. Jerusalem wird dem Süddistrikt angshören und eine Subverwaltung erhalten. Palästina war in den Jahren iSSst bks 1ÜSS in sieben Distrikte geteilt: Jerusalem, Jaffa, Phönicia, Galiläa, SaMaria, Gaza und Beerscheba. Am 1. Jutt 1923 wurden di« sieben Distrikte in vier zusa»n>mentzezrgen: JeruMem^ Jaffa, Mvddistvikt. Samarla, Süddistrikt. Am 1. April 1Ö04 wurde der Distrikt Samaria mit dem Rokddistrlkt vereinigt, so daß im ganzen drei Verwaltungsdlsiriktt bestehen. Major Wranffon, den „Fele-stiu" als den zuNnst-lgen Leiter des Südd'.strikts bezeichnct, ist kein Jude. ,Jelestin" fügt noch hinzu, daß die llntergouvernenre Araber sein werdtzn. Die Kndoovia-Schukstiftung. «ine jüdisch« und eine arabische höhere Schull. AuS Jerusalem wird uns 'berlchtett Die Negierung hat di« Plan« für di« Errichtung des Gebäudes einer hebräischen HSHeren Schul« fertiMstellt, die aus nachgelassenen Mitteln deS verstorbenen Sir Ellis K « d o o r i e, des jüdischen P^lanthropen aus Schanghai, gegründet und evhalttn werden soll. Wie erinnerlich, wurde seinerzeit das Kadoorle-Testament von nahezu 100.000 Pfund aus Entscheidung der britischen Regieruug, unter deren Ol,'Hut das Vermögen zurückgelaffen tvar, in zwei gliche Teil« geteilt, wcvvn der «ine für eine jüdis ch e Schule und der andere für ritte arabisch« Schutt bestimmt wurde. Tie "'äne für eine arabische Landwirt s cha f t s s ch it. c zur Ausbildung für Knaben in Tul-Kerem sind schon vor einiger Zelt ftrtlWsttllt tvorden und die palästinensische Re-giekuNtz trifft WU Bobbe-eitttnMtr zum Beginn des .B,iues der jüdischen Schutt in I e r U s a l e w. ES heißt, daß dtt Schule unttr der Aufsicht dtt britt<- fchen Regierung stehen wird. Der HauptzbevollmächtW wird der High Commissioner von PalLsttna sein, der gleichzeitig dem Kollegium dovstehen wird. daS das Schulpvogramm und die Ginstellnny von Dchrpersonai festsetzt. Ter Baü M auf einem vom Jüdischsn Rational sonds vorbestimmtön Platz ausgeWhrt werden. Dtt Verhandlungen mit der AoNlstischett Pakästitta^xekntivc hierüber sind bereits im Gange. Der sephardlsche Kongrrft. Gründung einer Weltorganisation. Jerusalem, 16. Filbruar. (I. T. A.) Am iS. Februar wurde hier die Konferenz der saphardischen Juden Palästinas eröffnet. Es wurde beschlossen, eine Weltorganisation der sephardischen Iude nhe 1 t zu gründen. Dtt Konferenz nahm ferne« «ine Resolution an, in welcher die Z io n i st l sche Organifation aufgefovderl wird, Vertreter der sephardischen Juden in dtt zionistischen Eittwattdevungsäinter in Jaffa und.Haifa oufzumhinen. Die Ausgabe dieser Vertreter wird «s sein, für eine v e rstärkte?« Ginwande vung sepha rdl sche v Juden Nach Pa käst i na zu sorgen. Dtt A>ottferM; deschloß auch mit den Vorarbeiten für dtt Ervichbung von Siedlungen sephardischer Juden in Palä stina zu heginnen. Dom eben erschienenen JmmigrationShertcht zufiugv gehören 30 Prozent der jüdischen Einwanderer in Erez Israel während des Jckhres 5684 der ttphavdischon Gc moinschaft an. (Präsident W e i z m a n n hat, wtt wir ttlt! ttilterr, in einer seiner Wener Reden diesen Umstand, bc. sonders hervorgahoben. Red). Nach dem Bericht kamen in der auzeführtttt Perttds jüdische Gnwauderer aus solgetiden sephardischen Zsntrenr Afghanistan, Mafopora^ mten, Anatolien, Urfa, Bulgarien» Georgien, Indien. Tunis, Griechenland, Serd''Marokko. Aegypttn. Persten, KuMstan, Jemen und Türkei. AuS dem Bericht geht hervor, daß die Mehrzahl dieser Einwanderer sich in Jerusalem niederließ. Bon den WS gmmttranjen. welche sich Mm Jmmigrations tepörtonwnt ln Jerusalem anmEttn und vcu dieiem unttchlitzt wurden, sind IM Sophavdi-m und 637 AM« nasim.